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Diploma Thesis, 1999, 101 Pages
Author: Cornelius Stockmair
Subject: Economics / Business : Economic and Social History
Details
Tags: Restrukturierung, Neuorientierung, Automobilindustrie, Jahren
Year: 1999
Pages: 101
Grade: 3
Bibliography: ~ 200 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-19917-4
File size: 1799 KB
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Abstract
„In order to remain competitive, all Japanese automakers subscribe to a policy of buying parts regardless of the supplier’s nationality or the country of origin of the parts“ (JMIF 1997, p. 50). Dieses Statement mag auf den ersten Blick verwunderlich anmuten. Aber die veränderten Wettbewerbsbedingungen auf den internationalen Automobilmärkten an der Schwelle zum 21. Jahrhundert stellen neue Herausforderungen dar und tangieren insbesondere auch die Automobilzulieferindustrie. Die Unternehmen dieser Industrie unterliegen durch ihre Position im Vorleistungsbereich einer strukturellen Abhängigkeit von den Endherstellern. Beeinflusst wird die Abhängigkeit u. a. von der Höhe des Umsatzanteils einer oder weniger Abnehmer, von der Substituierbarkeit durch Wettbewerber, von der Fertigungstiefe und auch vom Diversifikationsgrad des Zulieferers (vgl. ZOELLNER 1996, S. 22). Die Beschäftigung mit diesem virulenten oder offenen Abhängigkeitsverhältnis, das durchaus reziprok ausgelegt ist, zieht sich wie ein roter Faden durch die weitere Betrachtung. Die Veränderung der Rahmenbedingungen und die Umstrukturierung in der Automobilindustrie zeigt sich bemerkenswerterweise auch in der folgenden Feststellung: „Ende der 50er Jahre gab es vier bis fünf Weltfirmen. Heute sind über 20 in der Lage, global zu operieren“ (CLARK et al. 1992, S. 45). Man könnte deshalb sogar die These einer zunehmenden Nivellierung der Größenverhältnisse dieser Automobilfirmen aufstellen, mit weitreichenden Folgen für die daraus resultierende Wettbewerbssituation.
Excerpt (computer-generated)
Restrukturierung und strategische
Neuorientierung der japanischen
Automobilindustrie in den neunziger Jahren
Dargestellt am Beispiel der
Zulieferbeziehungen
Freie wissenschaftliche Arbeit zur Erlangung des Grades eines
Diplom-Kaufmanns an der Fakultät für Betriebswirtschaftslehre der
Ludwig-Maximilians-Universität München
Eingereicht von cand. oec. publ.
Cornelius Stockmair Waldenberger
München, den 10.09.1999
I
Inhaltsverzeichnis
Seite
Inhaltsverzeichnis I
Abbildungsverzeichnis III
Abkürzungsverzeichnis IV
1 Einleitung,
Zielsetzung
und Gang der Arbeit
1
2
Theoretische Grundlagen einer Diskussion der japanischen
Automobil-industrie 4
2.1
Begriffsklärungen und allgemeine Bestandsaufnahme der Situation
4
2.2
Rahmen: Die japanische Automobilindustrie und ihre Spezifika
7
2.2.1
Ihre Entwicklung, Bedeutung und ihr struktureller Wandel bis Ende
der achtziger Jahre
7
2.2.2
Die besondere Situation der japanischen Zulieferindustrie
13
2.2.2.1
Struktur und Organisation der Zusammenarbeit
13
2.2.2.1.1 Subkontraktsystem 15
2.2.2.1.2 Pyramidenstruktur 18
2.2.2.1.3 Zulieferverbände 21
2.2.2.2
Formale und inhaltliche Gestaltung der Zulieferbeziehungen
23
2.2.2.2.1 Vertragsgestaltung
23
2.2.2.2.2 Preispolitik
24
2.2.2.2.3 Produktion und Qualitätsanforderungen
25
2.2.2.2.4 Entwicklung
26
2.2.2.2.5 Logistik
28
II
3
Veränderungen im Globalisierungsprozeß seit Ende der achtziger
Jahre, speziell im Hinblick auf die Rolle der
Automobilzulieferbeziehungen
in
Japan
30
3.1
Triebfedern des strukturellen Wandels
30
3.2
Anpassungsmomente der Zulieferer
34
3.3 Resultanten
der
Restrukturierung
37
3.3.1
Ergebnisse für die Endhersteller
37
3.3.2
Ergebnisse für die Zulieferer
40
3.3.3
Netzwerke 44
4
Implikationen und ihre mögliche Übertragbarkeit
49
4.1 ebenenspezifisch
51
4.2 sektorenspezifisch
auf
andere Industriezweige
53
4.3 regionalspezifisch
auf Deutschland
55
5
Ansätze einer zukünftigen strategischen Neuorientierung in Japan
57
6
Fazit, Ausblick und Entwicklungsperspektiven
62
Literaturverzeichnis 69
Anhang VI
III
Abbildungsverzeichnis
Seite
Abbildung 1: Das Umfeld der Automobilzulieferer
5
Abbildung 2: Herausforderungen für die Zulieferindustrie
6
Abbildung 3: japanische Automobilhersteller 8
Abbildung 4: Produktionszahlen der japanischen Automobilindustrie
10
Abbildung 5: Sourcing-Strategien
18
Abbildung 6: Die Pyramide der Zulieferstruktur
19
Abbildung 7: The Multi-Layer Structure of Parts Keiretsu in the Toyota Business Group VI
Abbildung 8: Die ,Toyota Group`
22
Abbildung 9: Beteiligungen japanischer Automobilhersteller an Zulieferern, 1990
VI
Abbildung 10: design-in Prozeß
IX
Tabelle 1: Importe und Exporte von Autoteilen: Japan
31
Tabelle 2: Investment for Plants and Facilities by Japanese Automobile Industry
32
Abbildung 11: Die 75 größten Automobil-Zulieferer weltweit
VII/VIII
Abbildung 12: Die neuen Einkaufsrichtlinien japanischer Automobilhersteller
IX
Tabelle 3: Overseas Procurement by Japanese Automakers
X
Abbildung 13: Internationale Beschaffungsströme
X
Abbildung 14: Beschaffungsnetzwerk von Toyota in der ASEAN-Region
XI
Tabelle 4: Production of Machinery & Equipment: Japan
41
Abbildung 15: Die neue Struktur der Zulieferpyramide und ihrer Beteiligten
42
Abbildung 16: global best-Politik
47
Abbildung 17: Dimensionen der Zuliefererentscheidung
47
Abbildung 18: Erfolgsfaktoren für Automobilzulieferer
48
Abbildung 19: Automobilwerke im Produktivitätsvergleich, 1996
XI
Abbildung 20: PKW-Produktion in Japan, 1999-2003
62
Abbildung 21: Kunden-/Lieferantenbeziehungen im schlanken Modell
XII
Abbildung 22: Japanese Automotive Company Sales/Profits in US-$
XII
Abbildung 23: Anteile an der Weltautomobilproduktion 1998
XIII
Abbildung 24: Regionale Verteilung der Welt-Pkw-Produktion und Welthandels-
ströme 1997
XIII
IV
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung
AFTA
ASEAN Free Trade Area
ASEAN Association
of
South-East-Asian Nations
CIM
Computer Integrated Manufacturing
DIN
Deutsches Institut für Normung
EDI
Electronic Data Interchange
EDIFACT
Electronic Data Interchange for Administration,
Commerce and Transport
F & E
Forschung und Entwicklung
FES freiwilliges
Exportselbstbeschränkungsabkommen
GATT
General Agreement on Tariffs and Trade
GM General
Motors
GREMI
Groupe Recherche Européen sur les Milieux Innovateurs
IMVP
International Motor Vehicle Program (des MIT)
Inc. Incorporated
ISO International
Organization for Standardization
IT
Informationstechnologie
JAMA
Japan Automobile Manufacturers Association, Inc.
JAPIA
Japan Auto Parts Industry Association, Inc.
JETRO
Japan External Trade Organisation
JIT just-in-Time
JMIF
Japan Motor Industrial Federation, Inc.
KMU
kleine und mittlere Unternehmen
KVP kontinuierlicher
Verbesserungsprozeß
M & A
Mergers and Acquisitions
m. E.
meines Erachtens
MIT
Massachusetts Institute of Technology
MITI
Ministerium for International Trade and Industry
V
Mfg. Manufacturing
MOSS
Market Oriented Sector Selective
NIDL
New International Division of Labor
NUMMI
New United Motor Manufacturing, Inc.
ODETTE
Organization for Data Exchange by Tele Transmission in
Europe
OEM
Original Equipment Manufacturer
OES
Original Equipment Supplier
o.g. oben
genannten
Pkw Personenkraftwagen
TQM
Total Quality Management
VDA
Verband der Deutschen Automobilindustrie
VER
Voluntary Export Restraint
WTO
World Trade Organization
1
1 Einleitung
,,In order to remain competitive, all Japanese automakers subscribe to a policy of
buying parts regardless of the supplier′s nationality or the country of origin of the
parts"
(JMIF 1997, p. 50).
Dieses Statement mag auf den ersten Blick verwunderlich anmuten. Aber die
veränderten Wettbewerbsbedingungen auf den internationalen Automobilmärkten an
der Schwelle zum 21. Jahrhundert stellen
neue Herausforderungen
dar und tangieren
insbesondere auch die Automobilzulieferindustrie. Die Unternehmen dieser Industrie
unterliegen durch ihre Position im Vorleistungsbereich einer strukturellen
Abhängigkeit
von den Endherstellern. Beeinflusst wird die Abhängigkeit u. a. von der
Höhe des Umsatzanteils einer oder weniger Abnehmer, von der Substituierbarkeit durch
Wettbewerber, von der Fertigungstiefe und auch vom Diversifikationsgrad des
Zulieferers (vgl. ZOELLNER 1996, S. 22).1 Die Beschäftigung mit diesem virulenten oder
offenen Abhängigkeitsverhältnis, das durchaus reziprok ausgelegt ist,2 zieht sich wie ein
roter Faden durch die weitere Betrachtung.
Die Veränderung der Rahmenbedingungen und die Umstrukturierung in der
Automobilindustrie zeigt sich bemerkenswerterweise auch in der folgenden
Feststellung: ,,
Ende der 50er Jahre gab es vier bis fünf Weltfirmen. Heute sind über 20
in der Lage, global zu operieren
" (CLARK et al. 1992, S. 45). Man könnte deshalb sogar
die These einer zunehmenden Nivellierung der Größenverhältnisse dieser
Automobilfirmen aufstellen, mit weitreichenden Folgen für die daraus resultierende
Wettbewerbssituation.
1 vergleichend könnte hier auch das Modell von PORTER herangezogen werden.
2 wenngleich in den meisten Fällen eine deutliche Machtasymmetrie zu konstatieren ist.
2
Globalisierung
als die immer komplexere Vernetzung der Dienstleistungs-, Güter-,
Kapital- und Faktormärkte durch die Zunahme der internationalen Arbeitsteilung (vgl.
HENZLER 1997) birgt sie die Chance einer Restrukturierung und Neuorientierung oder
eher eine inhärente Bedrohung?
Globalisierung als
,,Bildung eines neuen institutionellen Rahmenwerks
" (in: CZAPLICKA
1998, S. 15), eines ,,
Raumes
" (ebenda)? Oder einfach ,,
a mode of behavior
" (in: DAVID
1997, p. 67)? Ob die Globalisierung als ,,
Glaubenssystem
" (in: http://www.heise.de)
gegeißelt wird oder ihre Vorzüge gepriesen werden, die öffentliche Diskussion dreht
sich um dieses Thema.3 Die Globalisierung bietet als jüngste Stufe der
Internationalisierung, qualitativ und quantitativ, potentielle Vorteile, die zu nutzen es
jedoch erst einen stufenweisen Weg zu bewältigen gilt.
Auf diesem Weg, den Japan sicherlich differenziert von den Mitbewerbern der übrigen
Welt beschritten hat (so heißt es bei CLARK et al. 1992, S. 48: ,,
das japanische Konzept
war eine ,Von-jedem-etwas`-Mischung"
), findet eine ,,
fragmentation
...
with new poles
of attraction
" (DAVID 1997, p. 52) statt, der Trend geht also nicht nur in eine Richtung
und beschränkt sich auch allgemein keinesfalls auf ein Teilgebiet.
Angeregt durch ein hochinteressantes Praktikum bei einem börsennotierten japanischen
Automobilzulieferunternehmen in der Region Shizuoka von März bis April 1998 wurde
mein Interesse geweckt, mich intensiver mit der Situation der japanischen
Automobilindustrie zu beschäftigen.
RICHARDSON (1993, p. 339) ordnet deren Wettbewerbsvorteile der ,,
strength of its
subcontracting structure
" zu. Hierbei stellt sich m. E. folglich die Frage, ob dies auch
heutzutage noch in dem Ausmaß Gültigkeit hat.
3 für die Autoindustrie siehe JAMA Forum October 1996; JAMA 1997.
3
· Zielsetzung und Gang der Arbeit
Die Entwicklung der
Zulieferbeziehungen der japanischen Automobilindustrie
in
den
neunziger Jahren
soll im Rahmen der Diplomarbeit im folgenden analysiert
werden, ebenso wie Implikationen der momentan herrschenden Situation abgeleitet und
bewertende Statements gegeben werden.
Ausgehend von dem status quo Ende der achtziger Jahre wird ein mehrdimensionales
Modell der jetzigen strategischen Entscheidungssituation der Zulieferer konzipiert.
Zukunftsperspektiven sollen das Gesamtbild abrunden und die Dynamik der
Entwicklung im Hinblick auf die Beziehungsstruktur dokumentieren.
Die Problemstellung erstreckt sich, rein zeitlich gesehen, zwar nur über ein Jahrzehnt,
ihre Auswirkungen sind jedoch von weit größerer Relevanz, generieren neuartige
Aspekte und lassen verschiedenste Rückschlüsse zu.
Zu Beginn findet in den ersten beiden Kapiteln durch eine komprimierte Aufbereitung
von Definitionen, Umfeldbedingungen und Rahmenfaktoren eine Hinführung zum
Thema auf eher makroökonomischer Ebene statt, ehe explizit auf das japanische
Zulieferwesen eingegangen wird. Dessen Struktur und Organisation wird ebenso
dargestellt wie die formale und inhaltliche Gestaltung der Beziehungen, also eine
Dokumentierung des Zustandes zu Beginn der neunziger Jahre.
Anhand der erhaltenen Einblicke lassen sich daran anschließend in Kapitel 3
Veränderungsprozesse in Bezug auf die traditionell vorherrschenden Gegebenheiten
identifizieren und Ergebnisse für verschiedene Marktteilnehmer aufzeigen, aus denen
wiederum im vierten Kapitel einige mehr oder weniger spezifische Implikationen
abgeleitet werden können, deren Relevanz unbestritten ist.
Kapitel 5 beschäftigt sich mit Ansatzmöglichkeiten einer strategischen Neuorientierung
in der japanischen Automobil(zuliefer)industrie unter diversen Gesichtpunkten, bevor
im abschließenden Kapitel die gewonnenen Erkenntnisse zusammengefaßt und in Form
eines Ausblicks abrundend präsentiert werden.
4
2 Theoretische Grundlagen einer Diskussion der
japanischen Automobilindustrie
2.1 Begriffsklärungen und allgemeine Bestandsaufnahme
der Situation
HEMMERT (1993, S. 20) liefert zum Begriff
Zulieferwesen
in Japan eine Definition, die
auch der vorliegenden Arbeit als Grobrahmen zugrunde gelegt werden soll, ohne jedoch
allzu einschränkend wirken zu wollen, denn
,,den Markt der Zulieferindustrie gibt es
also nicht
" (FIETEN 1995, S. 21):
,,
Demnach umfaßt ,gaichû` die Lieferung von Fertigungsmaterial, Vor-, Zwischen- und
Endprodukten nach Spezifikationen des Abnehmers. Demgegenüber umfaßt ,shitauke`
neben den o.g. Kategorien und im Gegensatz zu der in Deutschland vorherrschenden
Auffassung auch die Lieferung von Investitionsgütern und Ausrüstungen sowie
Wartungs- und Reparaturleistungen
. ...
die Spezifikation der anzuliefernden Güter
durch den Auftraggeber obligatorisch ist. Darüber hinaus wird ,shitauke` explizit auf
solche Lieferbeziehungen eingegrenzt, bei denen der Auftraggeber gemessen am
Eigenkapital bzw. an der Beschäftigtenzahl größer ist.
"
Gerade dem letzten Punkt soll im folgenden eher geringe Bedeutung zugemessen
werden, da er meist per se erfüllt ist. Ebenso können die Zulieferer aus verschiedenen,
oftmals sehr heterogenen Branchen stammen. Ihre rechtliche Stellung reicht von
Selbständigkeit bis hin zu einem Teilbereich eines Großkonzerns. Ihre Geschäftsfelder
umfassen nicht unbedingt primär das Erstausrüstungs- (OES-), sondern das
Ersatzteilgeschäft. In der vorliegenden Arbeit werden aber in aller Regel gerade die
OES-Zulieferer angesprochen.4
Die Definition der
Automobilindustrie
soll hier den gesamten Bereich abdecken, der
ihr zugerechnet werden kann;5 um ein Gesamtbild zu erhalten, das einen guten
Überblick verschafft.
4 Nach Segmenten findet sich in der Literatur beispielsweise die Unterteilung nach ABEND (1992, S. 166)
in eine Matrix mit den Achsen ,Fahrzeugspezifischer Anpassungsbedarf` und ,Wertschöpfungsstufe`
(Teil, Komponente, System). HEINZE (1996, S. 46) unterscheidet die Position nach ,Betätigungsbereich`
(Auftragsbereich, Eigenausführungsbereich) und ,Beziehungen` und steckt so einen Rahmen ab.
5 allerdings ohne die Motorradindustrie
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