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Scholary Paper (Seminar), 2004, 21 Pages
Author: Stefanie Bode
Subject: Pedagogy - School Pedagogics
Details
Institution/College: Otto-von-Guericke-University Magdeburg (Institut für Erziehungswissenschaften)
Tags: Leistungsbewertung, Zensuren, Schule, Objektivität, Theorie, Schule
Year: 2004
Pages: 21
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 11 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-16038-9
ISBN (Book): 978-3-640-16039-6
File size: 130 KB
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Abstract
Die erste staatliche Institution mit der wir zu Beginn unseres Lebens für eine lange Zeit in Kontakt kommen ist die Schule. Die zentralen gesellschaftlichen Ziele dieser Einrichtung sind die Qualifikationsfunktion, die Integrationsfunktion und die Selektionsfunktion. Dabei gehören Leistungsbeurteilung und Leistungsmessung in der Schulpraxis zu den wichtigsten Aufgaben. In der heutigen Gesellschaft bestimmen gute Schulleistungen und Schulabschlüsse über den Zugang zu bestimmten beruflichen Laufbahnen. Sie sind somit in der Regel die Basis für ein erfolgreiches zukünftiges Leben, auf beruflicher, sozialer und wirtschaftlicher Ebene eines jeden Schülers. Lehrer sollten sich dieser Verantwortung immer wieder bewusst werden. Das Streben nach Leistung und beruflichen Erfolgs ist in unserer heutigen Leistungsgesellschaft von zentraler Bedeutung. Aus diesem Grund ist die Thematik der ´Objektivierten Leistungsbewertung/ Leistungsmessung` in den letzten Jahren mehr und mehr in den Fokus der öffentlichen Diskussion geraten und hat allgemein an Bedeutung gewonnen. Das zur Zeit in Deutschland gültige Benotungssystem, auf welches ich später eingehen werde, hat u.a. zum Ziel, dass jeder Schüler unabhängig von seinem familiären Hintergrund und seiner gesellschaftlichen Herkunft, die Möglichkeit bekommen soll einen guten Schulabschluss zu machen. Dies ist an erster Stelle im Schulgesetz des Landes Sachsen-Anhalt 2000 verankert. Dort steht zum „Erziehungs- und Bildungsauftrag der Schule“ im §1 Abs.1 geschrieben: „Insbesondere hat jeder junge Mensch ohne Rücksicht auf seine Herkunft oder wirtschaftliche Lage das Recht auf eine seine Begabungen, seine Fähigkeiten und seine Neigung fördernde Erziehung, Bildung und Ausbildung.“ Denn die Position eines Menschen soll nicht mehr über Geburt und Herkunft, sondern durch die individuellen persönlichen Fähigkeiten bestimmt sein. Doch hat ein Lehrer, mit allen seinen Emotionen, Einstellungen und Erfahrungen, überhaupt noch die Möglichkeit einen Schüler objektiv zu benoten/beurteilen wenn ihm sein persönlicher Hintergrund bekannt ist, worauf ja ein gutes Lehrer Schüler Verhältnis wahrlich basiert? Dieser Frage nachzugehen soll zentraler Gegenstand dieser Arbeit sein. Dazu werde ich zunächst unser Zensurensystem näher beleuchten, Gütekriterien an Leistungsmessung/beurteilung darstellen und Urteilstendenzen aufzeigen, denen Beurteiler unterliegen.
Excerpt (computer-generated)
Leistungsbewertung durch Zensuren in der Schule
Objektivität ausgeschlossen?
Seminararbeit
im Fach Pädagogik / Theorie der Schule
an der
Otto - von - Guericke - Universität Magdeburg
vorgelegt von
Stefanie Bode
Magdeburg, Juli 2004
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: 3
2. Grundlagen 4
2.1 Leistungsbegriff, Leistungsmessung, Leistungsbewertung 4
2.2 Gesellschaftliche Funktionen von Schule 5
2.3 Geschichte der Zensur 6
2.4 Zentrale Funktionen von Zensuren 7
2.5 Darstellung des heute angewandten Zensurensystems 10
2.6 Anforderungen an Leistungsmessung / Gütekriterien 12
2.6.1 Objektivität 12
2.6.2 Validität 12
2.6.3 Reliabilität 13
2.7 Beurteilungsfehler der schulischen Leistung; Möglichkeiten zu deren Verbesserung .. 13
3. Fazit und Zusammenfassung 18
Literaturverzeichnis: 20
2
1. Einleitung:
Die erste staatliche Institution mit der wir zu Beginn unseres Lebens für eine lange Zeit in Kontakt kommen ist die Schule. Die zentralen gesellschaftlichen Ziele dieser Einrichtung sind die Qualifikationsfunktion, die Integrationsfunktion und die Selektionsfunktion.
Dabei gehören Leistungsbeurteilung und Leistungsmessung in der Schulpraxis zu den wichtigsten Aufgaben. In der heutigen Gesellschaft bestimmen gute Schulleistungen und Schulabschlüsse über den Zugang zu bestimmten beruflichen Laufbahnen. Sie sind somit in der Regel die Basis für ein erfolgreiches zukünftiges Leben, auf beruflicher, sozialer und wirtschaftlicher Ebene eines jeden Schülers. Lehrer sollten sich dieser Verantwortung immer wieder bewusst werden.
Das Streben nach Leistung und beruflichen Erfolgs ist in unserer heutigen Leistungsgesellschaft von zentraler Bedeutung.
Aus diesem Grund ist die Thematik der ´Objektivierten Leistungsbewertung/ Leistungsmessung` in den letzten Jahren mehr und mehr in den Fokus der öffentlichen Diskussion geraten und hat allgemein an Bedeutung gewonnen. Das zur Zeit in Deutschland gültige Benotungssystem, auf welches ich später eingehen werde, hat u.a. zum Ziel, dass jeder Schüler unabhängig von seinem familiären Hintergrund und seiner gesellschaftlichen Herkunft, die Möglichkeit bekommen soll einen guten Schulabschluss zu machen.
Dies ist an erster Stelle im Schulgesetz des Landes Sachsen-Anhalt 2000 verankert. Dort steht zum ,,Erziehungs- und Bildungsauftrag der Schule" im §1 Abs.1 geschrieben: ,,Insbesondere hat jeder junge Mensch ohne Rücksicht auf seine Herkunft oder wirtschaftliche Lage das Recht auf eine seine Begabungen, seine Fähigkeiten und seine Neigung fördernde Erziehung, Bildung und Ausbildung."
Denn die Position eines Menschen soll nicht mehr über Geburt und Herkunft, sondern durch die individuellen persönlichen Fähigkeiten bestimmt sein.
Doch hat ein Lehrer, mit allen seinen Emotionen, Einstellungen und Erfahrungen, überhaupt noch die Möglichkeit einen Schüler objektiv zu benoten/beurteilen wenn ihm sein persönlicher Hintergrund bekannt ist, worauf ja ein gutes Lehrer Schüler Verhältnis wahrlich basiert? Dieser Frage nachzugehen soll zentraler Gegenstand dieser Arbeit sein. Dazu werde ich zunächst unser Zensurensystem näher beleuchten, Gütekriterien an Leistungsmessung/beurteilung darstellen und Urteilstendenzen aufzeigen, denen Beurteiler unterliegen.
3
2. Grundlagen
2.1 Leistungsbegriff, Leistungsmessung, Leistungsbewertung Möchte man sich aus pädagogischer Sicht mit dem Thema der Zensurengebung auseinandersetzen, müssen zunächst diese drei Begrifflichkeiten geklärt werden. Die gesellschaftspolitische Sichtweise werde ich dabei zunächst außer Acht lassen. Im Wörterbuch Pädagogik ist Leistung definiert als: "Grad, in dem ein Individuum ein Problem oder eine Aufgabe erfolgreich bewältigt; auch Grad der Aneignung von bestimmten Inhalten, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Kenntnissen, Erkenntnissen und Einstellungen."1
Der Mensch strebt von seiner Geburt an nach Leistung. Bereits im Kleinkindalter erfahren wir, dass wir durch das Erreichen eines bestimmten Ziels, welches uns unsere Umwelt oder wir uns selbst setzen Annerkennung und Lob erhalten.2 So wird zum Beispiel ein Kind welches seine ersten Schritte erfolgreich unternimmt von seiner Umwelt gelobt und ermutigt es weiter zu üben. Hier kommen sowohl innere wie auch äußere Reize zum Tragen. Für die Schule werden die Rahmenrichtlinien, also Inhalte und Kenntnisse die ein Schüler in der jeweiligen Klassenstufe zu erlernen bzw. zu erreichen hat vom zuständigen Kultusministerium festgelegt. Der ,,Grad" in welchem ein Schüler diese Aufgabe bewältigt wird mit Hilfe der Leistungsmessung z.B. durch Tests gemessen und im Anschluss mit Hilfe der in Deutschland üblichen Notenskala bewertet, beurteilt. Wird dabei ein bestimmter ,,Grad" unterschritten hat der Schüler die zum Erreichen des Zieles notwendige Leistung nicht erbracht. Dann muss er in der Regel diese Klassenstufe noch einmal besuchen. Zum Erlangen eines bestimmten Schulabschlusses müssen ebenfalls festgelegte Leistungsgrenzen erreicht werden welche an den jeweiligen Abschluss gekoppelt sind.
Bereits seit Jahren existiert eine Debatte darum, ob die staatliche Einrichtung Schule mit dem Verfolgen ihrer gesellschaftlichen Funktionen, der individuellen und persönlichen Entwicklung eines Schülers dienlich oder ob sie einen negativen Einfluss auf diese hat. Auf diese Debatte möchte ich hier nur verweisen aber nicht näher eingehen.3 Mit Hilfe der Leistungsmessung und der Leistungsbewertung sollen die gesellschaftlichen Funktionen und Ziel der Schule erreicht werden.
1 Schaub / Zenke 2000, S. 349
2 s. Sacher 1994, S. 1
3 s. dazu ausführlich: Kaiser, Gabriele: ,,Zum Problem der Leistungsmessung. Eine Auseinandersetzung mit
ihren mathematischen, philosophischen und pädagogischen Grundlagen". In: Grünig, Barbara et al.: Leistung
und Kontrolle. Die Entwicklung von Zensurengebung und Leistungsmessung in der Schule. München: Juventa,
1999. S. 102
4
2.2 Gesellschaftliche Funktionen von Schule
Die drei Hauptaufgaben von Schule, sind die Qualifikations-, Integrations- und die Selektionsfunktion. Nach Meyer haben sie im Grunde gemein, dass sie zur ,,Reproduktion und Weiterentwicklung der Gesellschaft" beitragen sollen.4 Denn eine moderne Gesellschaft, wie unsere, kann ohne gut ausgebildete Menschen die sich ihrer politischen Verantwortung bewusst sind und es verstehen nach den bestehenden Normen und Regeln zu handeln, nicht weiterbestehen und sich nicht weiter entwickeln. Ich möchte sie, nach Fend, kurz näher erläutern.
Die Qualifikationsfunktion hat zum Ziel, die junge Generation zu befähigen allgemeine und berufliche Qualifikationen zu erlangen um später an der Gesellschaft und dem Arbeitsmarktsystem Anteil nehmen zu können. Durch Leistungsmessung und Leistungsbewertung werden die in der Schule gelehrten Qualifikationen überprüft und vergleichbar gemacht.
Die Integrationsfunktion oder auch Legitimationsfunktion hat zur Aufgabe, den Schülern Werte und Normen zu vermitteln die in der jeweiligen Gesellschaft bestehen um zu gewährleisten dass sie sich nach der Schulzeit in die Gesellschaft eingliedern können. Dies bezieht sich sowohl auf Einstellungen und Verhaltensweisen wie z.B. Pünktlichkeit und auch auf Grundwerte des politischen Systems.
Die Selektionsfunktion steht meines Erachtens im engen Zusammenhang mit der Leistungsbeurteilung. Sie hat die Aufgabe Schüler nach ihren persönlichen Leistungen zu trennen. Mit Hilfe von Test und Prüfungen bekommen Schüler die Berechtigung zu einem bestimmten Schulabschluss. So kann ein leistungsstarker Schüler ein Gymnasium besuchen und hier sein Abitur ablegen, ein leistungsschwächerer hingegen wird oft schon frühzeitig zum Besuch einer Real- oder Sonderschule gedrängt.5
Besonderst hier zeigt sich schon wie wichtig es ist Schüler objektiv nach ihren persönlichen Leistungen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft o. ä. zu beurteilen. Denn die Zuordnung zu einer bestimmten Schule und der damit zusammenhängende Abschluss nehmen, wie bereits erwähnt, Einfluss auf das gesamte berufliche und auch gesellschaftliche Leben eines jeden einzelnen Schülers.
4 Meyer 1997, S. 305
5 s. Fend 1981, S. 19-39
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