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Essay, 2008, 11 Seiten
Autor: Dr. Stefan Schweizer
Fach: Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwiss.
Details
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Zusammenfassung / Abstract
Der folgende fachdidaktische Aufsatz zeigt, wie die Novelle „Der Tod in Venedig“ in der gymnasialen Oberstufe behandelt werden kann. Er enthält eine Einordnung in den Bildungsplanzusammenhang, eine fachwissenschaftliche und fachdidaktische Analyse des Unterrichtsstoffs und eine Skizzierung und Begründung des methodischen Vorgehens. Exemplarisch wird ein mögliches Verlaufsschema dargelegt. Ebenso finden sich einige Unterrichtsmaterialien.
Textauszug (computergeneriert)
,,Der Tod in Venedig" in der Oberstufe
Eine fachdidaktische Analyse
Von
Stefan Schweizer
1. Einleitung 2
2. Einordnung in den Unterrichtszusammenhang 2
3. Fachwissenschaftliche Analyse und didaktische Begründung des Unterrichtsstoffs 3
4. Begründung des methodischen Vorgehens 4
5. Formulierung der Lernziele: 5
7. Tafelanschrieb 8
8. Materialien 8
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1. Einleitung
Der folgende fachdidaktische Aufsatz zeigt, wie die Novelle ,,Der Tod in Venedig" in der gymnasialen Oberstufe behandelt werden kann. Er enthält eine Einordnung in den Bildungsplanzusammenhang, eine fachwissenschaftliche und fachdidaktische Analyse des Unterrichtsstoffs und eine Skizzierung und Begründung des methodischen Vorgehens. Exemplarisch wird ein mögliches Verlaufsschema dargelegt. Ebenso finden sich einige Unterrichtsmaterialien.
2. Einordnung in den Unterrichtszusammenhang
Thomas Manns Novelle Der Tod in Venedig findet sich zur Behandlung in der Oberstufe im Lektüreverzeichnis des alten Bildungsplans.
In der Einstiegsstunde wird die Trias Leseeindruck, Themenschau und Handlungsverlauf abgehandelt. Die zweite Stunde wendet sich der Figur Aschenbachs zu. Es soll eine textimmanente Biographie Aschenbachs erstellt werden. Die dritte Stunde vertieft das Thema Aschenbach, indem es ihn als Künstler analysiert. Hier stehen seine Werkthemen, Arbeitsweise sowie - rudimentär - sein Kunstverständnis im Vordergrund. Die Figur Tadzios ist Thema der vierten Stunde. Es fragt sich insbesondere, wodurch Tadzio die ihm von Aschenbach zugeschriebene Bedeutung erlangt. Als logische Folge wird fünftens das Verhältnis von Aschenbach zu Tadzio analysiert. In der sechsten Stunde findet die Lehrprobe statt. Sie beschäftigt sich mit der Wandlung, welche Aschenbach im Laufe der Novelle durchläuft. Es sind innere und äußere Anzeichen für eine Wandlung Aschenbachs festzustellen. Der Sprung von der sechsten zur siebten Stunde lässt sich am besten mit der Verschiebung von der Figuren- zur Symbolebene beschreiben. Den diesbezüglichen Übergang stellt die Behandlung Venedigs in der Kunst dar. Die achte Stunde beschäftigt sich mit dem Topos des Todes in Thomas Manns Frühwerk und untersucht zugleich die Relevanz des Themas für das Individuum in der heutigen Zeit. In Stunde neun wird die Thematik des Todes mit derjenigen der Liebe in Zusammenhang gebracht. Beide werden als Entgrenzungsversuche Aschenbachs thematisiert. Die zehnte Stunde beschäftigt sich mit den zahlreichen textimmanenten Todesboten. In der elften Stunde wird gattungsanalytisch Der Tod in Venedig als Novelle thematisiert. Die letzte Stunde dient einem abschließenden Rückblick.
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3. Fachwissenschaftliche Analyse und didaktische Begründung des Unterrichtsstoffs
Die Figur Aschenbachs war bereits Unterrichtsgegenstand. So wurde Aschenbach als Privatperson und Künstler analysiert. Darüber hinaus wurde in der vorhergehenden Stunde das Verhältnis von Aschenbach zu Tadzio untersucht. Die sechste Stunde schließt den Bereich der Figurenanalyse ab und stellt die Entwicklung, die Aschenbach in der Novelle durchläuft, in den Mittelpunkt. Dieser Punkt kann sinnvoller Weise erst nach einer vorigen eingehenden Analyse Aschenbachs Persönlichkeit vorgenommen werden. Ob Thomas Mann sich wirklich durch den Tod in Venedig den Nimbus eines Klassikers zugelegt hat,1 mag dahingestellt bleiben. Richtig und wichtig ist aber die Feststellung, dass die apollinische (Klassik) und dionysische (Romantik) Kunstrichtung als in Aschenbach widerstreitende Prinzipien dargestellt werden. Aschenbachs Entwicklung muss vor diesem Hintergrund gesehen werden.
Die angesprochene Entwicklung scheint von Anfang an in Aschenbachs Figur angelegt zu sein. In München untersteht Aschenbachs Leben sicherlich preußischen Maximen. Darunter wird hier verstanden: ein ,,karges, nur auf Leistung gerichtetes Leben, Zucht, Ordnung und Bändigung all der Strebungen, die in den Bereich des Gefühls, der Lässigkeit und des Wohllebens gehören."2 Andererseits könnten sich auch andere abstammungsbedingte - Komponenten für sein Künstlertum verantwortlich zeichnen. Es ist von raschem, sinnlichen Blut eines böhmischen Kapellmeisters die Rede, welches auch die Merkmale einer fremden Rasse in seinem Äußeren bestimmt.3 Es lassen sich eine innere und äußere Entwicklungslinie unterscheiden. Aschenbach durchläuft nämlich eine innere und äußere Entwicklung im Verlauf der Novelle. Das Thema der Stunde ist die textimmanente Identifizierung dieser Entwicklungslinien. Dazu sollen die Schüler/innen anhand exemplarischer Textauszüge einmal die innere und zum anderen die äußere Entwicklung sowohl inhaltlich als auch bedingt formal nachzeichnen.
Die äußere Entwicklung ist schnell beschrieben. Vor der Reise wird Aschenbach als beinahe mittelgroß, brünett, mit einem etwas zu großem Kopf und zurückgebürsteten Haar und einem großen, aber schlaffen Mund beschrieben.4 In Venedig, nach der Begegnung mit Tadzio vollzieht sich eine signifikante äußere Wandlung der Erscheinung Aschenbachs. Um dem verehrten und begehrten Halbwüchsigen attraktiver zu erscheinen, unterzieht sich Aschenbach im Hotel einer Behandlung des Friseurs. Danach sieht er ähnlich wie der von ihm mit Widerwillen betrachtete alte aufgeputzte und geschminkte Geck aus.5 Aschenbach hat sich also äußerlich in etwas verwandelt, dem er ursprünglich mit Abscheu gegenüber stand.
1 Vaget, H.R., Der Tod in Venedig, s. 580
2 Niklas, H.W., Thomas Manns Novelle Der Tod in Venedig, S. 22
3 Mann, T., Der Tod in Venedig, S. 343
4 Mann, T., Der Tod in Venedig, S. 347
5 Karsunke, Y., ,,... von der albernen Sucht, besonders zu sein", S. ?
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