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Subtitle: Wirtschaften früher und heute: Alles eine Frage der Wirtschaftsordnung und Wirtschaftspolitik?
Essay, 2008, 18 Pages
Authors: Dr. Stefan Schweizer, Pia-Johanna Schweizer
Subject: Politics - Didactics, Political Education
Details
Year: 2008
Pages: 18
Bibliography: ~ 17 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-14553-9
ISBN (Book): 978-3-640-14652-9
File size: 278 KB
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Abstract
Der folgende fachdidaktisch orientierte Aufsatz beschäftigt sich mit einem schwierigen Thema der gymnasialen Oberstufe im Politikunterricht. Es handelt sich dabei um das Themengebiet der Ökonomie. Wie war und ist wirtschaften möglich? Welche Rolle spielen dabei die Wirtschaftsordnung und die Wirtschaftspolitik? Der Aufsatz umfasst folgende Teile: 1. Die Einordnung in den Unterrichtszusammenhang, 2. die fachwissenschaftliche und didaktische Analyse des Unterrichtsstoffs, 3. ein Beispiel für das methodische Vorgehen, 4. mögliche Lernziele, 5. ein denkbares Verlaufsschema, 6. Umfangreiche Literaturangaben und 7. wertvolle Arbeitsblätter und Materialien.
Excerpt (computer-generated)
Ökonomie in der gymnasialen Oberstufe -
Wirtschaften früher und heute: Alles eine Frage der
Wirtschaftsordnung und Wirtschaftspolitik?
Von
Stefan Schweizer und Pia-Johanna Schweizer
Einleitung 2
1. Einordnung in den Unterrichtszusammenhang 2
2. Fachwissenschaftliche und didaktische Analyse 3
3. Methodisches Vorgehen 5
4. Lernziele 7
5. Beispiel Unterrichtsverlauf 8
6. Literatur 10
7. Materialien 11
1
Einleitung
Der folgende fachdidaktisch orientierte Aufsatz beschäftigt sich mit einem schwierigen
Thema der gymnasialen Oberstufe im Politikunterricht. Es handelt sich dabei um das
Themengebiet der Ökonomie. Wie war und ist wirtschaften möglich? Welche Rolle spielen
dabei die Wirtschaftsordnung und die Wirtschaftspolitik?
Der Aufsatz umfasst folgende Teile: 1. Die Einordnung in den Unterrichtszusammenhang 2.
die fachwissenschaftliche und didaktische Analyse des Unterrichtsstoffs 3. ein Beispiel für
das methodische Vorgehen 4. mögliche Lernziele 5. ein denkbares Verlaufsschema 6.
Umfangreiche Literaturangaben und 7. wertvolle Arbeitsblätter und Materialien.
1. Einordnung in den Unterrichtszusammenhang
Die Unterrichtsstunde findet innerhalb der Lehrplaneinheit 2, Klasse 11, "Wirtschaftsordnung und
Wirtschaftspolitik" statt. Innerhalb der auf ca. 16 Stunden konzipierten Unterrichtseinheit findet der
Unterrichtsbesuch in der ersten Stunde statt.
Allerdings und dies sollte der Ehrlichkeit halber nicht verschwiegen werden - gab es bereits einen
kleinen "Vorlauf" von 4 Unterrichtsstunden zum Thema Wirtschaft. Hierbei wurden basale Inhalte und
insbesondere auch terminologische Aspekte aus Klasse 10 wiederholt. Diese Vorgehensweise wurde
als notwendig erachtet, da nicht bei allen elften Klassen ein gleicher Leistungsstand in Puncto
Wirtschaft vorhanden ist.
Die erste Stunde bildet die thematisch-inhaltliche Einführungsstunde der Unterrichtseinheit
"Wirtschaftsordnung und Wirtschaftspolitik". Hier werden basale, sowohl historisierend verlaufende
als auch Mikro- (bzw. Meso-) und Makroebene fokussierende Einsichten über Formen des
Wirtschaftens vermittelt. So zeigt sich, dass Wirtschaften früher und heute eine Frage der
Wirtschaftsordnung war und ist. Dadurch wird zur zweiten, dritten und vierten Stunde übergeleitet, in
denen die Wirtschaftsordnungen bzw. -systeme der freien Marktwirtschaft,
Zentralverwaltungswirtschaft und sozialen Marktwirtschaft thematisiert und analysiert werden. Die
vierte und folgende Stunde(n) verdeutlichen die verfassungsrechtlichen Voraussetzungen der sozialen
Marktwirtschaft. Die Stunden fünf und sechs zielen insbesondere auf die Notwendigkeit einer starken
ökologischen Regulierung derselben. Im weiteren Verlauf der Unterrichtseinheit wird auf Ziele,
Träger und Instrumente (Geld- und Fiskalpolitik als antizyklische Finanzpolitik) der
Stabilisierungspolitik eingegangen. Insgesamt sollen in der Einheit Erkenntnisse über die Reichweite
und Grenzen der Umsetzung wirtschafts- und umweltpolitischer Ziele in praktische Politik gewonnen
werden.
2
2. Fachwissenschaftliche und didaktische Analyse
Eine von niemandem ernsthaft in Frage gestellte Grundeinsicht der ökonomisch ausgerichteten
Sozialwissenschaften besteht darin, dass alles "Handeln und alle daran anknüpfenden sozialen
Prozesse ... im Rahmen von unhintergehbaren und nicht einfach wegzufinierenden Restriktionen"
stattfinden.1 Dieses Faktum der ressourconalen Knappheit ist es erst, welches Wirtschaft und
Wirtschaften erforderlich macht. Unter Wirtschaft versteht man die Gesamtheit menschlicher
Aktivitäten einschließlich ihrer institutionellen Strukturierungen, welche die Gewinnung (als
Produktion qua Produktionsmittel i.e.S.), die zeitliche und räumliche Bereitstellung (Distribution i.S.v.
Transport, Verkehr, Kommunikation, Informationswesen) und die anteilsmäßige Verteilung des
jeweils verfügbaren Gesamtprodukts auf die Gesellschaftsmitglieder umfassen.2 Reformuliert und
erweitert stehen Fragen nach effizienter Ressourcennutzung, optimaler Marktversorgung und
Bedürfnisbefriedigung der Gesellschaft im Zentrum des Interesses. Teleologisch betrachtet muss das
Faktum der Reproduktion fokussiert werden: "Mit Wirtschaft wird ein zentrales Moment der
gesellschaftlichen Reproduktion erfasst, d.h. wirtschaftliche Prozesse zielen auf den materiellen Erhalt
von Gesellschaften."3 Pointiert formuliert ist aus der Sicht des Homo oeconomicus die Institution des
Staats aus rein ökonomischen Erwägungen nützlich, "weil er so Überwachungs- und Kontrollkosten
und ähnliches einsparen kann."4 Eine Definition des Verbs "wirtschaften" findet sich seltener als
weitläufige Erklärungen, was unter Wirtschaft insgesamt alles zu subsumieren ist. Man kann aber
festhalten, dass das Wirtschaften dasjenige menschliche Handeln ist, "das im Produzieren und
Konsumieren oder Tauschen von wirtschaftlichen Gütern liegt."5 Wirtschaften findet naturgemäß nicht
kontextunabhängig statt. Wichtige mit Wirtschaft zusammenhängende Variablen sind die Bevölkerung
und Gesellschaft. Die drei genannten Aspekte verhalten sich sogar in besonderer Weise zueinander.6
Eine Grundeinsicht der Stunde soll darin liegen, dass das Wirtschaften sowohl in historischer
Perspektive sowie auf der Mikro- wie auch der Makroebene in erster Linie eine Frage der
Wirtschaftsordnung ist. Hervorzuheben ist, dass die Grundfragen jeder Wirtschaftsordnung zunächst
einmal identisch verlaufen:7
Welche Güter und Dienstleistungen sollen in welchen Mengen produziert werden?
Wie sollen bei der Produktion die Produktionsfaktoren Boden, Kapital und Arbeit organisiert
werden?
Wie erfolgt die Verteilung der Produkte?
1 Esser, H., Soziologie, Spezielle Grundlagen, Band 4, S. VII
2 Zinn, K.G., Wirtschaft, S. 623
3 Imbusch, P., Lauth, H.-J., Wirtschaft und Gesellschaft, S. 245
4 Bievert, B., Frambach, H.A., Lauer, T., Vom Beerensammeln zum Aktienmarkt, S. 17/24
5 Wirtschaft heute, S. 16
6 Esser, H., Soziologie, Allgemeine Grundlagen, S. 317
7 Vgl. hierzu: Wirtschaft und Politik, S. 26
3
Signum der Moderne ist es, dass die "Menschen ... zum Lebensunterhalt Güter (brauchen, S.S.), die
ihnen die Natur in der Regel nicht konsumreif zur Verfügung stellt."8 Allerdings geht die moderne
Bedürfnisbefriedigung eines Durchschnittsmenschen weit über diejenige eines Handwerkers bzw.
Tagelöhners bis zum ausgehenden Mittelalter hinaus.9 Somit kann im ersten Fall von einer modernen
und kapitalistisch ausgerichteten Wohlstandsorientierung ausgegangen werden. Im zweiten Fall
hingegen herrscht eine traditionale und eher mit der christlichen Lehre in Einklang zu bringende10
Bedarfs- bzw. Bedürfnisorientierung vor. Trotz dieser unterschiedlichen Ausrichtung stimmt weiterhin
die den Überbau der Lernziele bildende Einsicht, dass die Wirtschaftsordnung das Wirtschaften
determiniert und die oben genannten drei Fragen bei und in jeder Wirtschaftsordnung Bestand haben.
Der im Unterrichtsgeschehen verwendete Text von Walter Eucken nimmt eine etwas andere
Akzentuierung vor. Hier wird nicht so sehr das Wirtschaften von früher dem Wirtschaften von heute
gegenübergestellt. Vielmehr werden kleine Wirtschaftseinheiten wie eine Großfamilie mit großen
Wirtschaftseinheiten wie einer Nationalökonomie verglichen. In gewisser Weise findet also die bereits
mehrfach erwähnte Kontrastierung von mikro- und makroökonomischen Einheiten statt. Die
wesentliche Einsicht, die in einem Analogieverfahren auf eine historische Perspektivierung übertragen
werden kann, besteht in der Parameterdeterminierung der Wirtschaft und des Wirtschaftens durch die
Wirtschaftsordnung, wobei hinsichtlich der konkreten Ausprägung der Wirtschafsordnungen dann gilt:
"In den Wirtschaftsordnungen in der industrialisierten Welt sollte eine Ratio zur Geltung kommen, die
das bewältigt, was in der kleinen Eigenwirtschaft die Ratio des Leiters tagtäglich vollzieht."11
Mit der Konnotation der Wirtschaftsordnung wird die Basis der in der Unterrichtseinheit folgenden
Stunden gelegt. In drei Schritten werden unterschiedliche Ausprägungen von Wirtschaftsordnungen
exemplarisch vorgestellt und analysiert. In einem ersten Schritt wird die freie Marktwirtschaft
behandelt. Hierbei ist sicherlich auch bereits die heutzutage vielfach anzutreffende Renaissance des
Neoliberalismus mit seinen Forderungen "nach Deregulierung oder Privatisierung, nach Entlastung der
Einkommen aus Arbeit und Kapital von Steuern und Abgaben"12 anzudeuten. In einem nächsten
Schritt werden die freie Marktwirtschaft und die Zentralverwaltungswirtschaft verglichen, deren
Hauptmerkmal Weisungen der politischen Führung an "eine staatliche Planungsbehörde mit vielen
einzelnen Fachabteilungen ... für die Ausarbeitung und Koordinierung der Wirtschaftspläne"13 sind.
Der letzte diesbezügliche Schritt bildet die soziale Marktwirtschaft, die am besten folgendermaßen
charakterisiert werden kann: "Als freiheitlich wurde diese Ordnung aufgrund ihrer
marktwirtschaftlichen Grundausrichtung, als sozial wegen der von öffentlicher Seite vorgenommenen
Korrekturen angesehen."14
8 Dörge, F.-W., Steffens, H., Verbraucher und Markt, S. 1
9 Vgl. Weber, M., Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus, S. 49 ff.
10 Wirtschaft heute, S. 10
11 Eucken, W., Grundsätze der Wirtschaftspolitik, S. 7
12 Petersen, T., Die ökonomische Theorie der Politik und die Verfassung der Freiheit, S. 10
13 Gönner, H., Zentralverwaltungswirtschaft, S. 202
14 Granados, G., Gurgsdies, E., Lern- und Arbeitsbuch Ökonomie, S. 273
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