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Rock my PC - Musikproduktion am PC in der Sozialen Arbeit

Diploma Thesis, 2008, 124 Pages
Author: Fabian Steuer
Subject: Social Pedagogy / Social Work

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 2008
Pages: 124
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 55  Entries
Language: German
Archive No.: V114997
ISBN (E-book): 978-3-640-18583-2
ISBN (Book): 978-3-640-18785-0
File size: 4929 KB

Abstract

Diese Diplomarbeit soll interessierten (Sozial-) Pädagogen und Musikern eine Hilfestellung geben, wie ein Musikprojekt mit Jugendlichen aufgebaut sein kann und was dafür an Wissen, Können und Gerätschaften benötigt wird. Die Diplomarbeit ist in drei Bereiche gegliedert. Im Ersten Bereich geht es darum zu verstehen, inwieweit Musik mit der Lebenswelt der Jugendlichen in Verbindung gesetzt werden kann. Zudem wird auf die Zielsetzungen und Anforderungen für die Soziale Arbeit im Umgang mit dem ästhetischen Medium Musik näher eingegangen. Im zweiten Teil dieser Diplomarbeit soll dem Leser ein Überblick verschafft werden, was für die Anschaffung, den Aufbau und die Bedienung eines PC-gestützten Tonstudios in der Sozialen Arbeit an Wissen und Equipment benötigt wird. Im dritten Teil wird, angelehnt an die zehn Module und Qualifizierungsbausteine von Soundchecker (siehe Anhang E), der Aufbau eines Musikprojekts geschildert. Zuvor wird auf die Planung und Anforderungen an den Projektleiter eines Musikprojekts eingegangen. In den Modulen gibt es unter anderem eine Einführung in die Musiksoftware Sequel. Diese wird durch Grafiken veranschaulicht, die dem Leser zum schnelleren und leichteren Verständnis dienen sollen. Ebenso werden Graphiken auch in anderen Themenbereichen zu Verdeutlichung angeboten. Weiterführende Literaturhinweise, welche auf Themenvertiefungen verweisen sowie sich im Anhang befindende Kopiervorlagen als Arbeitsmaterial für Durchführungen, sollen dem Leser die Möglichkeit geben, sich auf ein Musikprojekt gut vorbereiten zu können. Am Schluss der Diplomarbeit wird in einem Ausblick auf die Integration der Musik bzw. der Musikprojekte im deutschen Schulsystem eingegangen.


Excerpt (computer-generated)

Rock my PC
Musikproduktion am PC in der Sozialen Arbeit


Diplomarbeit an der Fakultät 11 für angewandte Sozialwissenschaften
der Hochschule München
Diplom-Studiengang Soziale Arbeit

Eingereicht von: Fabian Steuer
München den 10.01.2008

 


Inhaltsverzeichnis

Einleitung 1

1. Musik in der Sozialen Arbeit 3

1.1 Musik als ästhetischer Erfahrungs- und Lernprozess 3

1.1.1 Der Begriff Ästhetik 3

1.1.2 Elemente und Struktur der Ästhetik 4

1.1.3 Zielsetzungen und Aufgaben für die Soziale Arbeit 9

1.2 Lebenswelten der Jugendlichen verstehen 12

1.2.1 Musik im Gesamtkontext betrachten 12

1.2.2 Musikstil Hip-Hop 15

1.3 Arbeitsfelder und Zielgruppen 19

1.4 Qualifikationsanforderungen an Jugendarbeiter 22

2. Musik am PC (Mac) 24

2.1 Tonstudio in der Sozialen Arbeit 24

2.1.1 Komponenten des Tonstudios im Überblick 24

2.1.2 Technische Voraussetzungen 26

2.1.2.1 PC 26

2.1.2.2 Audio-Interface 28

2.1.2.3 MIDI- und Master-Keyboard 29

2.1.2.4 Lautsprecher und Kopfhörer 30

2.1.2.5 Raumgestaltung 32

2.1.2.6 Mikrofon 34

2.1.3 Abnahme von Instrument und Stimme 36

2.1.3.1 Stimme 37

2.1.3.2 Akustikgitarre und andere Saiteninstrumente 38

2.1.3.3 E-Gitarre 40

Seite I

 


2.1.3.4 E-Bass 42

2.1.3.5 Schlagzeug 42

2.2 Musikprogramme im Überblick und ihre Anwendungsmöglichkeiten in der Sozialen Arbeit 43

2.2.1 Ableton Live 44

2.2.2 Cubase und Nuendo 45

2.2.3 FL Studio (Fruity Loops) 46

2.2.4 Music Maker und Samplitude Music Studio 48

2.2.5 Sequel 49

2.2.6 Fazit 50

3. Musikprojekte mit Jugendlichen 52

3.1 Planung und Anforderungen an den Projektleiter eines Musikprojekts 53

3.1.1 Anforderungen 53

3.1.2 Strukturierung und Planung 54

3.2 Module 55

3.2.1 Modul 1: Einführung 55

3.2.2 Modul 2: Ziele und Beurteilung eines Projekts 56

3.2.3 Modul 3: Textarbeit 57

3.2.4 Modul 4: Musikproduktion ,,Gesang" 57

3.2.4.1 Der Umgang mit dem Mikrofon 58

3.2.4.2 Emotion und Stimmung 58

3.2.4.3 Aussprache und Betonung 59

3.2.4.4 Atmung und Körper 59

3.2.5 Modul 5: Musikalisches Grundwissen 60

3.2.5.1 Geräusche und Stille 60

3.2.5.2 Rhythmus und Beat 61

Seite II

 


3.2.5.3 Rock-Rhythmen 62

3.2.5.4 Hip-Hop-Beat 65

3.2.5.5 ,,Orient-Ragga-Beat" für Ragga- und Dancehallmusik 66

3.2.5.6 Der Ausdruck der verschiedenen Tonarten 67

3.2.6 Modul 6: Aktives Musizieren 68

3.2.7 Modul 7: Musikproduktion am PC mit dem Programm Sequel 68

3.2.7.1 Einführung, Übersicht 69

3.2.7.2 Voreinstellungen bei Sequel 69

3.2.7.3 Die drei Anwendungsmöglichkeiten mit Sequel 70

3.2.7.4 Arbeiten mit Loops 71

3.2.7.5 Virtuelles Instrument aufnehmen mit der Hilfe eines Master/MIDI-Keyboard 73

3.2.7.6 Drum-Loop erstellen 74

3.2.7.7 Gesangsspur aufnehmen 75

3.2.7.8 Die Verwendung von Effekten und weiteren Einstellungen 78

3.2.7.9 Das Exportieren eines fertigen Musikstücks 78

3.2.8 Modul 8: CD- und Booklet-Gestaltung 79

3.2.9 Modul 9: Markt und Musik 81

3.2.9.1 Ziele und Ablauf des Moduls 81

3.2.9.2 Der Einfluss der Musikindustrie 82

3.2.10 Modul 10: Veranstaltungen 83

4. Reflexion und Ausblick 86

Kontaktadressen 88

Literaturverzeichnis 90

Weiterführende Literatur 95

Anhang 96

Seite III

 


Anhang A 96

Anhang B 98

Anhang C 101

Anhang D 103

Anhang E 105

Anhang F 111

Anhang G 113

Anhang H 117

Seite IV

 


Einleitung

Musik bewegt. Ich selbst darf dies als Musiker und Zuhörer immer wieder erleben. Sie lässt einen vergessen was auf einem lastet und führt einen in eine Welt, die mit Worten nur schwer zu beschreiben ist. Trotz allem schreibe ich über Musik. Genauer gesagt über Musikproduktion mithilfe des PCs in der Sozialen Arbeit. Die PC-Systeme, die für die Allgemeinheit erschwinglich geworden sind, werden immer leistungsstärker und ermöglichen mithilfe von Programmen ein Tonstudio zu erstellen. Ein Tonstudio, das vor einigen Jahren noch mehrere 10.000 gekostet hätte, ist heutzutage für vielleicht nur ein Zehntel dessen realisierbar. Softwarehersteller wie Steinberg oder Magix haben erkannt, dass sich nun nicht mehr nur professionelle und vermögende Musiker oder Tontechniker ein Tonstudio zulegen, sondern auch unter anderem Jugendliche, deren Budget und Kenntnisse über Musikproduktion verhältnismäßig gering ausfallen. Seitdem kommen Programme, wie Sequel oder Music Maker auf den Markt, die für Laien gedacht sind.

Durch die Globalisierung werden immer kostengünstigere Produkte auf dem Markt angeboten, wodurch eine Zusammenstellung eines PC-gestützten Tonstudios immer erschwinglicher wird. So werden beispielsweise Studiomikrofone, wie das t.bone SC 3001, ab einem Preisen von ca. 30 angeboten, was vor wenigen Jahren noch undenkbar war.

Alles deutet daraufhin, dass die Musikproduktion am PC für den Laien noch nie so günstig und einfach zu ermöglichen war, wie jetzt. Musikprojekte im schulischen und außerschulischen Kontext zeigen, dass Jugendliche sehr daran interessiert sind, abseits des regulären Musikunterrichts, musikalische Erfahrungen zu machen und ihre eigene Musik zu komponieren. Ein Bedarf ist demnach vorhanden. Dennoch gibt es gewisse Schwierigkeiten Angebote für Jugendliche bereit zu stellen, die trotz fehlender Vorkenntnisse Musik am PC produzieren wollen. Dies mag an verschiedenen Dingen liegen. So wird es manchen Sozialpädagogen abschrecken, mit dem komplexen System PC zu arbeiten, wenn ihm der Umgang mit dem Computer nicht vertraut ist. Andere Sozialarbeiter haben vielleicht Schwierigkeiten sich auf Jugendliche einzulassen und scheitern bei dem Versuch deren (musikalische) Lebenswelt zu verstehen. Auch kann sich für den ein oder anderen die Frage stellen, welche Musiksoftware sich für die Anwendung in der Soziale Arbeit eignet und welche finanziellen Kosten bei der Anschaffung eines PC-gestützten Tonstudios aufgewendet werden müssen.

1Vgl. The t.bone SC 300. http://www.thomann.de/de/the_tbone_sc300.htm (Zugriff: 04.01.08)

Seite 1

 


Diese Diplomarbeit soll interessierten (Sozial-) Pädagogen und Musikern eine Hilfestellung geben, wie ein Musikprojekt mit Jugendlichen aufgebaut sein kann und was dafür an Wissen, Können und Gerätschaften benötigt wird.

Die Diplomarbeit ist in drei Bereiche gegliedert. Im Ersten Bereich geht es darum zu verstehen, inwieweit Musik mit der Lebenswelt der Jugendlichen in Verbindung gesetzt werden kann. Zudem wird auf die Zielsetzungen und Anforderungen für die Soziale Arbeit im Umgang mit dem ästhetischen Medium Musik näher eingegangen. Im zweiten Teil dieser Diplomarbeit soll dem Leser ein Überblick verschafft werden, was für die Anschaffung, den Aufbau und die Bedienung eines PC-gestützten Tonstudios in der Sozialen Arbeit an Wissen und Equipment benötigt wird. Im dritten Teil wird, angelehnt an die zehn Module und Qualifizierungsbausteine von Soundchecker (siehe Anhang E), der Aufbau eines Musikprojekts geschildert. Zuvor wird auf die Planung und Anforderungen an den Projektleiter eines Musikprojekts eingegangen. In den Modulen gibt es unter anderem eine Einführung in die Musiksoftware Sequel. Diese wird durch Grafiken veranschaulicht, die dem Leser zum schnelleren und leichteren Verständnis dienen sollen. Ebenso werden Graphiken auch in anderen Themenbereichen zu Verdeutlichung angeboten. Weiterführende Literaturhinweise, welche auf Themenvertiefungen verweisen sowie sich im Anhang befindende Kopiervorlagen als Arbeitsmaterial für Durchführungen, sollen dem Leser die Möglichkeit geben, sich auf ein Musikprojekt gut vorbereiten zu können. Am Schluss der Diplomarbeit wird in einem Ausblick auf die Integration der Musik bzw. der Musikprojekte im deutschen Schulsystem eingegangen Es ist auf keinen Fall mangelnde Würdigung der Leserinnen dieser Diplomarbeit (oder gar der Frauen allgemein), wenn sich Beispiele auf ,,Sozialpädagoge" oder ,,Sänger" beziehen. Die ausschließlich männliche Form steht selbstverständlich immer für beide Geschlechter. Der Grund für diese Schreibweise ist eine bessere Lesbarkeit und Übersicht.

Seite 2


1. Musik in der Sozialen Arbeit

1.1 Musik als ästhetischer Erfahrungs- und Lernprozess

1.1.1 Der Begriff Ästhetik

Was hat Ästhetik mit Sozialer Arbeit zu tun? Dieser Fragestellung soll in dem Kapitel 1.1 nachgegangen und die Zusammenhänge aufgezeigt werden. Die Aufgabe der Sozialen Arbeit ist es, neben den Hilfeleistungen zur Vermeidung der Armut, das Lern- und Entwicklungspotentials der Klienten sowie die Fähigkeiten zur Lebensbewältigung und zur Verbesserung der eigenen Lebenssituation, zu fördern. Hier lässt sich der erste Zusammenhang zur ästhetischen Praxis herstellen, denn die ästhetische Praxis ist eine wichtige Methode in der kulturellen und sozialen Bildungsarbeit, die Jäger und Kuckhermann als ästhetisches Lernen bezeichnen.2

Die Alltagsdefinition von Ästhetik weicht von der wissenschaftlichen, theoretischen Definition stark ab. Meist werden zuallererst mit Ästhetik Vorstellungen von Tanz, Musik, Poesie, Architektur, Kunst sowie andere ,,schöne" Dinge, wie Sinnlichkeit, Erotik, Design, Kreativität usw. in Verbindung gesetzt. Inwiefern aber Ästhetik mit der Sozialen Arbeit in Verbindung gesetzt werden kann, erklären Jäger und Kuckhermann in ihrem Herausgeberwerk, ,,Ästhetische Praxis in der Sozialen Arbeit. Wahrnehmung, Gestaltung und Kommunikation". Für sie hat Ästhetik unterschiedliche Bedeutungen. Zum einen gehört zur Ästhetik all das, was die allgemeine sinnliche Wahrnehmung eines Menschen betrifft. Hiermit ist der alltagstheoretische Zugang gemeint, der nach den Wahrnehmungs- und Deutungsmustern der Adressaten, nach ihrer ästhetischen Sozialisation und nach der Aneignung persön licher und gesellschaftlicher Wirklichkeit fragt. Zum anderen ist, laut den beiden Autoren, die sich dazu einem Zitat von Lehnerer bedienen, wenn etwas als ästhetisch bezeichnet wird, damit auch etwas ,,,ganz besonderes und wertvolles Sinnliches` bezogen auf die, Vollkommenheit, Anmut, Harmonie [..] [und Erg. d. Verf.] die Schönheit eines Gegenstandes`"3 gemeint. In diesem Fall geht es vereinfacht formuliert, um die Praxis und die Theorie der Kunst. Beide Bedeutungen können als zwei unterschiedliche Zugänge der SozialenArbeit zur Ästhetik genutzt werden. Im Ersten, der aisthetischen Praxis ­ den ,,alltagsästhetischen Zugängen"4, wie Jäger und Kuckhermann sie nennen ­ geht es, wie schon er

2Vgl. Jäger/Kuckhermann 2004, S. 26
3Lehnerer 1993, S. 39, zit. nach Jäger/Kuckhermann 2004, S. 11
4Jäger/Kuckhermann 2004, S. 12

Seite 3

 


wähnt um die allgemeinen Wahrnehmungs- und Deutungsmuster des Adressaten. Die ästhetisch (-mediale) Praxishingegen, soll dem Einzelnen ästhetische Erfahrungen durch die Arbeit mit künstlerischen Medien (z.B. Musik und Rhythmik) zugänglich machen und somit Differenzerfahrungen zum Alltag ermöglichen. Es geht hierbei um die gezielte Organisation von ästhetischen Erfahrungen. Zu den zwei Zugängen kommt noch eine dritte Begriffserklärung hinzu. Mit Ästhetik kann auch die Theorie der Ästhetik gemeint sein. Hierbei geht es, laut Jäger und Kuckhermann, die Brock zitieren, um die Theorie, wie ein Mensch wahrnimmt, diese Wahrnehmungen verarbeitet und sich schließlich daraus ein Urteil bildet. Ästhetik ist somit als ein genereller und wesentlicher Teilaspekt jeder menschlichen Tätigkeit zu sehen.5 Grundsätzlich bedarf es für eine ästhetische Handlung und Erfahrung immer eines Mediums (Musik, Bildnerisches Gestalten etc.) eines Produzenten (der eine gestalterische Arbeit anfertigt, in der Deutungsmuster deutlich werden) und eines Rezipienten (der die gestalterische Arbeit wahrnimmt). Wenn diese drei Voraussetzungen nicht gegeben sind kann auch keine ästhetische Handlung und Erfahrung stattfinden.6


1.1.2 Elemente und Struktur der Ästhetik

Kuckhermann und Jäger schreiben, dass ein Objekt von sich aus nie ästhetisch sein kann. Es ist immer der einzelne Mensch, als Subjekt, geprägt durch die eigenen Wahrnehmungsmuster, der einen Gegenstand oder ein Ereignis als ästhetisch beurteilt und empfindet. Die ästhetische Erfahrung entsteht, laut der These der beiden Autoren, in der Beziehung zwischen Subjekt und Objekt. Diese Erfahrung kann auf zwei Ebenen stattfinden, der Elementarästhetik und der Erkenntnisästhetik (siehe Seite 5, Abb. 1). Auf der einen Ebene, der Elementarästhetik, erlebt das Subjekt unmittelbar emotionale Prozesse, ohne rationelle Begründungen (z.B. Geruch und Farbe einer Rose). Auf der Ebene, der Erkenntnisästhetik, empfindet und erkennt das Subjekt bewusst Ereignisse. Hier geht es um ,,differenzierteVerarbeitungen und Bewertungen von Informationen"7. So wird z.B. eine Frau, die eine rote Rose von ihrem Geliebten überreicht bekommt, diese als Zeichen der Liebe und Zuneigung deuten. Die elementarästhetische Reaktion und die erkenntnisästhetische Verarbeitung führen beide dazu, dass sich das Subjekt ein eigenes Urteil bildet. Zu welchem Urteil letztendlich ein Mensch kommt, hängt immer auch von seinen bisherigen Erfahrungen ab. So kann z.B. ein erfahrener Gitarrenspieler eventuell von dem Klang der Saiten einer

5Vgl. Brock 1977, o.S., zit. nach Jäger/Kuckhermann 2004, S. 11f.
6Vgl. Jäger/Kuckhermann 2004, S. 11ff.
7Ebd. S. 13

Seite 4

 


E-Gitarre ableiten, ob es sich um frisch bespannte Saiten handelt und welcher ,,E-Gitarre Typ" gespielt wird (z.B. ,,Les Paul-" oder ,,Strat-Style"). Er macht in diesem Fall seine ästhetischen Erfahrungen hauptsächlich auf der erkenntisästhetischen Ebene. Ein Laie hingegen kann nicht so differenziert über den Klang einer E-Gitarre urteilen, da ihm die dazu entsprechende Erfahrung fehlt. Für ihn klingt sie entweder gut oder nicht, soweit er überhaupt in der Lage sein sollte, die E-Gitarre getrennt vom ganzen Klanggebilde des Songs wahrzunehmen. Seine ästhetischen Erfahrungen finden mehr in der Elementarästhetik statt.8

Abb. 1: Ästhetische Praxis9

Ein Mensch deutet und nimmt somit über bestimmte Muster, die durch vorherige Erfahrungen gebildet wurden, seine Umgebung wahr. Die bereits vorhandenen Erfahrungen beeinflussen die Wahrnehmungs- und Deutungsmuster. Sie bestimmen, wie er seine Realität wahrnimmt, sich in Situationen verhält, welchen Lebensstil er ausbildet und wie er sich selbst sieht und darstellt (vgl. Abb. 1, Subjektebene). Das Subjekt bildet in diesem Prozess seinen eigenen Stil aus und entwickelt eine eigenständige Persönlichkeit. Mit anderen Worten beschrieben, erschließt das Subjekt, sobald es die ,,äußere" Realität erschlossen hat, zugleich seine ,,innere" Realität. Eine Person eignet sich also, durch eine ästhetische Gestaltung auf der Handlungsebene, die äußere Realität an und macht diese zu seiner inneren Realität, was zur Persönlichkeitsentwicklung des Subjekts führt. Die ,,äußere" Realität

8Vgl. ebd. S. 13f.
9Vgl. ebd. S. 15

Seite 5

 



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