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Nubi - Eine arabische Kreolsprache in Uganda

Subtitle: Ein Vergleich der Entwicklung und der Sprachstrukturen mit der "Language Bioprogram Hypothesis" von Derek Bickerton

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2008, 19 Pages
Author: Andrea Lieske
Subject: African Studies

Details

Event: Pidgin- und Kreolsprachen
Institution/College: University of Cologne (Institut für Afrikanistik)
Tags: Nubi, Eine, Kreolsprache, Uganda, Pidgin-, Kreolsprachen
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2008
Pages: 19
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 8  Entries
Language: German
Archive No.: V115267
ISBN (E-book): 978-3-640-16833-0
ISBN (Book): 978-3-640-16837-8
File size: 118 KB

Abstract

In dieser Arbeit beschäftige ich mich mit dem Nubi, einer arabischstämmigen Kreolsprache im ostafrikanischen Uganda. Hierbei kontrastiere ich seine Geschichte und seine Sprachstrukturen mit den in Derek Bickertons „Language Bioprogram Hypothesis“ festgehaltenen Annahmen zur Struktur von Kreolsprachen. Die Diskussion über die Trennung von Kreol- und Pidginsprachen sowie die Diskussion über den Sinn einer solchen Trennung will ich an dieser Stelle nur bedingt und in Kürze aufnehmen. Die Verwendung dieser Begriffe erfolgt hier unter der vorausgesetzten Annahme, dass diese keine starren, limitierenden Einheiten sind, sondern verschiedene Stadien in der Entwicklung einer Sprache. Jedwede Wertung oder Qualifizierung einer Sprache durch die Einteilung in Pidgin oder Kreol schließt sich demnach aus. Das Nubi bezeichne ich, diversen Autoren folgend, als Kreol, da es eine stabile Gruppe von Muttersprachlern gibt. Dies entspricht besonders Owens, der betont, dass die Unterschiede zwischen dem klassischen Arabisch, den modernen Varianten des Arabisch und den Kreolformen des Arabischen zu groß sind, um als verschiedene Stadien einer einzigen Sprache betrachtet zu werden. Zunächst stelle ich kurz die Sprache vor, ehe ich mich intensiv der Geschichte dieser „Kreolsprache“ widme. Auch die unterschiedlichen Erklärungen zur Herleitung des Namen Nubi/ Kinubi werden hier mit einbezogen. An dieser Stelle bot es sich auch an, einige der Theorien über die Entstehung der Sprache und ihre Wurzeln einzubinden. Dem Abriss der Geschichte wird dann eine direkte Gegenüberstellung der Strukturen des Nubi mit einzelnen Aspekten der Theorie Bickertons folgen. Anschließend stelle ich meine Schlussfolgerungen aus der Geschichte des Nubi und dem Vergleich seiner Strukturen mit Derek Bickertons Thesen zum Sprachbioprogramm vor. Auf den vorherigen Erkenntnissen basierend folgt hier das Fazit zur Frage, ob sich das Nubi in Bickertons Theorie einbinden lässt. Dabei widme ich mich auch der heutigen Situation der Sprache und der Sprecher eingehend. Die verschiedenen Annahmen zur zukünftigen Entwicklung des Nubi finden hier ebenfalls Raum.


Excerpt (computer-generated)

Hauptseminar Pidgin- und Kreolsprachen

Institut für Afrikanistik

Universität zu Köln

Nubi ­ Eine arabische Kreolsprache in Uganda

Ein Vergleich der Entwicklung und der Sprachstrukturen mit der ,,Language

Bioprogram Hypothesis" von Derek Bickerton

WS 2007 / 2008 Andrea Lieske


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Zum Nubi 4

3. Geschichte des Nubi 6

3.1. Geschichte des Sudan bis 1820 6

3.2. Die Besetzung des Sudan 1820 -1839 6

3.3. Etablierung von Handelsstützpunkten ab 1840 7

3.4. Der Aufstand des Al-Mahdi 8

3.5. Die Kinubi als Teil der ,,indirect rule" 9

3.6. Vom 1. Weltkrieg bis Museveni 10

4. Vergleich der Sprachstrukturen des Nubi mit den Annahmen Bickertons 11

4.1. Einleitung: Die Sprachstrukturen des Nubi 11

4.2. Der Artikel im Nubi 11

4.3. Das Nomen im Nubi 11

4.4. Das Verb im Nubi 12

5. Schlussfolgerungen 14

6. Glossar einiger Eigennamen aus dem Arabischen und dem Nubi 17

7 . Quellen 18

2


1. Einleitung

In dieser Arbeit beschäftige ich mich mit dem Nubi, einer arabischstämmigen Kreolsprache

im ostafrikanischen Uganda. Hierbei kontrastiere ich seine Geschichte und seine

Sprachstrukturen mit den in Derek Bickertons ,,Language Bioprogram Hypothesis"

festgehaltenen Annahmen zur Struktur von Kreolsprachen.

Die Diskussion über die Trennung von Kreol- und Pidginsprachen sowie die Diskussion über

den Sinn einer solchen Trennung will ich an dieser Stelle nur bedingt und in Kürze

aufnehmen.

Die Verwendung dieser Begriffe erfolgt hier unter der vorausgesetzten Annahme, dass diese

keine starren, limitierenden Einheiten sind, sondern verschiedene Stadien in der Entwicklung

einer Sprache. Jedwede Wertung oder Qualifizierung einer Sprache durch die Einteilung in

Pidgin oder Kreol schließt sich demnach aus. Das Nubi bezeichne ich, diversen Autoren

folgend, als Kreol, da es eine stabile Gruppe von Muttersprachlern gibt. Dies entspricht

besonders Owens, der betont, dass die Unterschiede zwischen dem klassischen Arabisch, den

modernen Varianten des Arabisch und den Kreolformen des Arabischen zu groß sind, um als

verschiedene Stadien einer einzigen Sprache betrachtet zu werden.

Zunächst stelle ich kurz die Sprache vor, ehe ich mich intensiv der Geschichte dieser

,,Kreolsprache" widme. Auch die unterschiedlichen Erklärungen zur Herleitung des Namen

Nubi/ Kinubi werden hier mit einbezogen. An dieser Stelle bot es sich auch an, einige der

Theorien über die Entstehung der Sprache und ihre Wurzeln einzubinden.

Dem Abriss der Geschichte wird dann eine direkte Gegenüberstellung der Strukturen des

Nubi mit einzelnen Aspekten der Theorie Bickertons folgen.

Anschließend stelle ich meine Schlussfolgerungen aus der Geschichte des Nubi und dem

Vergleich seiner Strukturen mit Derek Bickertons Thesen zum Sprachbioprogramm vor. Auf

den vorherigen Erkenntnissen basierend folgt hier das Fazit zur Frage, ob sich das Nubi in

Bickertons Theorie einbinden lässt.

Dabei widme ich mich auch der heutigen Situation der Sprache und der Sprecher eingehend.

Die verschiedenen Annahmen zur zukünftigen Entwicklung des Nubi finden hier ebenfalls

Raum.

3


2. Zum Nubi

Das Kinubi oder Nubi ist eine arabisch basierte Kreolsprache in Afrika.

Die Mehrzahl der Sprecher ist in der Region Buganda im ostafrikanischen Staat Uganda zu

finden. Dort leben laut Schätzungen circa 25 000 Sprecher, einige weitere tausend in anderen

Teilen Ugandas1. Sie stellen also in diesem Staat mit seinen knapp 24 600 000 Einwohnern

eine Minorität dar und gehören zu den kleineren der 45 ethnischen Gruppen. Zudem leben sie

in dem Gebiet der stark prägenden mit 28% größten Ethnie, der Buganda. 2

Neben den ugandischen Nubi gibt es im kenianischen Nairobi eine kleinere Gruppe von

Sprechern3.

Die Schätzungen der Gesamtsprecherzahl schwanken allerdings stark, von 30 000 bis 50 000

Muttersprachlern.4

Die Sprache und die Ethnie tragen denselben Namen, der in der Literatur entweder als Nubi

(z.B. Owens) oder Ki-Nubi/ Kinubi (z.B. Verstegh) wiedergegeben wird. Die Verbindung mit

dem Präfix /Ki-/ scheint hierbei auf die umliegenden Bantusprachen zurückzuführen, so steht

dieser Präfix im Kiwahili für ,,Sprache / Sprache der".

In dieser Arbeit verwende ich durchgehend den Begriff Nubi, da er in der Literatur am

weitesten verbreitet ist.

Hierbei zeigt sich schon bei den zahlreichen Thesen zur Herleitung des Namens der Sprache

und der Sprecher wie differenziert das Thema in der Forschung betrachtet wird.

Heine und andere vermuten den Namensursprung bei der Ethnie Nuba, die einen großen Teil

der ägyptischen Armee des 19. Jahrhunderts stellten. Aus diesen Militärangehörigen

entwickelten sich später die heutigen Nubi.

Andere wie Triningham sehen eher den Namen Nuba als namensgebend. Dieser sei als

Bezeichnung der Berge und der Ethnie im sudanesischen Kordofan zum Namen des gesamten

Sudan unter den Ägyptern geworden.

Soghayroun vermutet eine Bezeichnung aller schwarzafrikanischen Truppen Ägyptens als

Nuba, ebenfalls von den Bergen und der Ethnie abgeleitet.

Kaye sieht eine Mischung aus diesen drei Erklärungen als wahrscheinlich an, während die

umstrittene These von Kokole die Namensherkunft in der Ableitung vom

umgangssprachlichen arabischen Wort

Janubi

für Süden vermutet. Eine weitere Idee stammt

1 Vgl. Wellens 2003

2 Vgl Kobert und Rudloff 2004

3 Vgl Wellens 2003, Owens 2001, Holm 1989

4 Vgl Wellens 2003

4



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