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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 21 Pages
Author: Christian Johannsmann
Subject: Theology - Miscellaneous
Details
Tags: Time, Repräsenation, Aboriginal-Zeitvorstellungen
Year: 2006
Pages: 21
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 22 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-18058-5
File size: 74 KB
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Abstract
„Until the 1970’s, Aboriginal people in Australia were virtually without a voice. Administrators, missionaries, scientists, novelists, spoke of them, and occasionally for them, with such authority as to make a native voice seem unnecessary, even impossible” (Beckett 1994: 97). Wie und in was für einem Kontext diese “fremden Stimmen” nun über die Zeitvorstellungen der Aboriginals sprachen und sprechen, also wie diese Zeitvorstellungen repräsentiert sind, ist Thema dieser Hausarbeit. Dabei haben sich für mich zwei dominante Muster herausgestellt, die ich in Hinblick auf unsere im Seminar erarbeitete Arbeitsdefinition von Zeitvorstellungen in der Religionsgeschichte miteinander vergleichen möchte. Auf der einen Seite stehen die mehr oder wenigen klassischen Theorien über mythische Zeitvorstellungen, in denen Personen vor allem als statisch und unwandelbar beschrieben werden. Sie finden sich häufig in der Darstellung von Zeitvorstellungen der Aboriginals wieder. Für ersteres ist Cassirer zu nennen, für letzteres teilweise Stanner und eher populäre Veröffentlichungen. Ihnen stehen auf der anderen Seite die mehr oder weniger aktuellen Theorien gegenüber, die vor dem Hintergrund der Landrechtsdebatten Wandel und Tradition untersuchen. Hierfür sind beispielsweise die Arbeiten von Duelke und Bos zu nennen. Bevor ich auf diese im einzelnen eingehe, werde ich aber zunächst auf allgemeine Annahmen und Vorrausetzungen bezüglich Methode und Inhalt eingehen. Danach werde ich die beiden Theorien jeweils für sich vorstellen und sie in Bezug zu den einzelnen Konstituenten unserer Arbeitsdefinition von Zeitvorstellung setzten. Diese sei hier kurz wiedergegeben: „Religiöse Zeitvorstellungen sind kulturspezifische historisch fassbare Konzepte der Weltdeutung („Theorie“) und soziale Konstruktion von Wirklichkeit („Praxis“), die diskursiv greifbar/ relevant werden in häufig zusammenhängend gedachten Konstituenten wie Linearität, Zyklizität, Kontinuität und/ oder Irreversibilität von Ereignisabläufen, Prozessualität und biographischen Kristallisationspunkten („Kairen“)“. Abschließend folgt im Fazit der Vergleich der gegenüberstehenden Seiten.
Excerpt (computer-generated)
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Philosophische Fakultät
Institut für Religionswissenschaft
Hauptseminar: Zeitvorstellungen in der Religionsgeschichte
WS 2005/06
Hausarbeit
,,Time is what you make out of it"
- Repräsentation mythischer und Aboriginal-
Zeitvorstellungen
Christian Johannsmann
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Annahmen und Vorraussetzungen 4
1.1 Komparatistik 4
1.2 Dreaming und Sacred Sites 6
2. Vergangenheit und Gleichzeitigkeit 8
2.1 Kontext 8
2.2 Zeitvorstellung 11
3. Landrechte und christliche Einflüsse 12
3.1 Kontext 12
3.2 Zeitvorstellung 15
4. Fazit 16
5. Literaturverzeichnis 18
2
Einleitung
,,Until the 1970′s, Aboriginal people in Australia were virtually without a voice.
Administrators, missionaries, scientists, novelists, spoke of them, and occasionally for them,
with such authority as to make a native voice seem unnecessary, even impossible" (Beckett
1994: 97). Wie und in was für einem Kontext diese "fremden Stimmen" nun über die
Zeitvorstellungen der Aboriginals sprachen und sprechen, also wie diese Zeitvorstellungen
repräsentiert sind, ist Thema dieser Hausarbeit. Dabei haben sich für mich zwei dominante
Muster herausgestellt, die ich in Hinblick auf unsere im Seminar erarbeitete Arbeitsdefinition
von Zeitvorstellungen in der Religionsgeschichte miteinander vergleichen möchte.
Auf der einen Seite stehen die mehr oder wenigen klassischen Theorien über mythische
Zeitvorstellungen, in denen Personen vor allem als statisch und unwandelbar beschrieben
werden. Sie finden sich häufig in der Darstellung von Zeitvorstellungen der Aboriginals
wieder. Für ersteres ist Cassirer zu nennen, für letzteres teilweise Stanner und eher populäre
Veröffentlichungen. Ihnen stehen auf der anderen Seite die mehr oder weniger aktuellen
Theorien gegenüber, die vor dem Hintergrund der Landrechtsdebatten Wandel und Tradition
untersuchen. Hierfür sind beispielsweise die Arbeiten von Duelke und Bos zu nennen.
Bevor ich auf diese im einzelnen eingehe, werde ich aber zunächst auf allgemeine Annahmen
und Vorrausetzungen bezüglich Methode und Inhalt eingehen. Danach werde ich die beiden
Theorien jeweils für sich vorstellen und sie in Bezug zu den einzelnen Konstituenten unserer
Arbeitsdefinition von Zeitvorstellung setzten. Diese sei hier kurz wiedergegeben: ,,Religiöse
Zeitvorstellungen sind kulturspezifische historisch fassbare Konzepte der Weltdeutung
(,,Theorie") und soziale Konstruktion von Wirklichkeit (,,Praxis"), die diskursiv greifbar/
relevant werden in häufig zusammenhängend gedachten Konstituenten wie Linearität,
Zyklizität, Kontinuität und/ oder Irreversibilität von Ereignisabläufen, Prozessualität und
biographischen Kristallisationspunkten (,,Kairen")". Abschließend folgt im Fazit der
Vergleich der gegenüberstehenden Seiten.
An dieser Stelle sei noch auf die Problematik um den Begriff ,,Aborigine" verwiesen. Dieser
ist für die unterschiedlichen Gruppen vereinheitlichend. Zwar haben diese natürlich auch viele
Gemeinsamkeiten, der Begriff entspricht aber nicht mehr deren Selbstverständnis, die häufig
ihre Eigenbezeichnungen wie Murri, Koorie oder Nungar vorziehen (Rieländer 1992: 2). Ich
spreche deshalb von Aboriginals, da das Substantiv des Adjektivs ,,Aborginal" weniger
verallgemeinernd ist und somit auch die Eigenbezeichnungen nicht direkt ausschließt.
3
1. Annahmen und Vorraussetzungen
In diesem Kapitel gehe ich allgemein auf Komparatistik und das Dreaming und die Sacred
Sites ein, um in Methode und Inhalt näher einzuleiten.
1.1 Komparatistik
Für (die heutige) Komparatistik sind meiner Meinung nach vor allem zwei Elemente zentral:
Zum einen spezifische Kenntnisse und neue Erkenntnisse aus dem Vergleich zu generieren
und zum anderen Eurozentrismen aufzudecken und zu überwinden. Ersteres war in der
Geschichte der Religionswissenschaft schon immer sehr bedeutend, letzteres hat dagegen viel
an Bedeutung hinzugewonnen, da aufgedeckt werden konnte wie Eurozentrismen Theorien,
Konstrukte etc. bestimmen und verfälschen können1.
Smith, Martin und Platvoet legen diese Aufdeckung in ihren Texten zur Komparatistik
ausführlich dar. Smith hebt dazu vor allem hervor, dass die Vergleichskategorien christliche
Kategorien beziehungsweise Kategorien christlichen Denkens und christlicher Tradition
waren (und auch immer noch sind), wobei besonders problematisch war, dass sie als universal
übertragbar galten. Das führte unter anderem dazu, dass Glaubensvorstellungen viel stärker
betrachtet wurden als rituelle Handlungen. Insbesondere aber durch die Arbeit von
Historikern und Anthropologen erwies sich die Begrenztheit solcher Kategorien (1995: 277).
Martin bezieht dazu noch allgemeiner Position: ,,Method is dependent". Er erläutert diese
These damit, dass verschiedene soziale Gruppen Eigenschaften und Kennzeichen ihrer
Umwelt und Lebenswelt je unterschiedlich gewichten und dass Forscher dazu tendieren Daten
anderer Forscher in ihrem eigenen Sinne zu verallgemeinern. Dabei können sogar
ideologische Verallgemeinerungen entstehen, die mit einem bestimmten Interesse verbunden
sind (1982: 45- 47). Die Daten der Forschung sind somit immer auch selektiv. Platvoet
schließlich verbindet die Frage des Eurozentrismus mit Subjektivität und Objektivität.
Zunächst hebt er dabei ähnlich wie Martin hervor, dass der Blick auf andere Gesellschaften
immer von eigenen Werten, Wahrnehmung und Verallgemeinerung bestimmt ist (1982: 5)
und somit gewissermaßen unbewusst immer ethnozentrisch ist. Die Problematik von
Subjektivität und Objektivität wird dann bei qualitativer Forschung besonders deutlich: Bei
dieser ist der Forscher mit den Daten selbst verbunden und nicht von diesen trennbar (1982:
8). Zudem steht er in den kulturellen Prägungen seiner Mitwelt, die eine gänzlich offene
1 Hierunter lassen sich auch essentialistische Vorannahmen fassen, die die Gefahr bergen, ,,hinter den
Erkenntnissen" eine allgemeine Form von Religiösität ,,aufzudecken" (Martin 2000: 52).
4
Herangehensweise verhindern (1982: 11). Somit ist Objektivität im Sinne eines
vorurteilsfreien und standpunktlosen Wissens nicht möglich. Um nun aber nicht in
gewissermaßen beliebige Subjektivität zu verfallen, ist Selbstreflektion vonnöten. Indem man
sich den Prägungen seines eigenen Standpunktes bewusst wird und diese auch in die
Methodik einbindet, kann man dieser Falle entgehen (1982: 12). So nimmt man quasi eine
mittlere Position zwischen Subjektivität und Objektivität ein. Eurozentrismen sind somit wohl
nie gänzlich auszuschließen, wohl aber aufdeckbar.
Das kann vor allem durch Vergleiche beziehungsweise vergleichende Arbeit geschehen.
Indem man empirische Befunde bestimmter Thematiken gegenüberstellt, kann man anhand
bestimmter Kriterien Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufdecken. Durch bestimmte
Analogien lassen sich so spezifische Kenntnisse und neue Erkenntnisse generieren. Die
Thematiken müssen dabei nicht unbedingt historisch zusammenhängen (Holdrege 1994: 806).
Bei einer Beschränkung auf nur solche zusammenhängenden Thematiken würde man
sicherlich Verallgemeinerungen und Typologien größtenteils ausschließen können, allerdings
droht dann auch die Gefahr in isolierte Regionalwissenschaften zu verfallen. Weiterhin ist es
wichtig diese Thematik begrenzt zu halten, um wiederum nicht zu verallgemeinernd zu
werden und Typologien zu vermeiden (Holdrege 1994: 805- 806). Dementsprechend sollte
die Definition, in der man die Vergleichskriterien zugrunde legt, nicht mehr und nicht
weniger als den Charakter einer Arbeitsdefinition haben (Platvoet 1982: 29). So können die
Kriterien gegenüber neuen Erkenntnissen aus dem Vergleich flexibel bleiben, man hat aber
trotzdem Anhaltspunkte, von denen man ausgehen kann, um das Feld zu untersuchen2. Dieses
Feld lässt sich demzufolge als Vorstellung und als heuristische Strukturanalogie denn als feste
Kategorie oder typologisches Muster fassen.
Die Bedeutung, die Merkmale der Komparatistik zu reflektieren, zeigt sich in einem Zitat von
Platvoet: ,,Man cannot desist from making comparisons" (1982: 19). Das hört sich zunächst
genauso universalistisch an wie die Theorien, die Platvoet kritisiert3. Aufgrund ihrer
Darlegungen ist aber klar, dass sie dies so meint, das Vergleiche gewissermaßen zum sozialen
Leben gehören. Zudem begründet sie diese kognitionspsychologisch. So lässt sich sagen, dass
Beschreibungen der Umwelt und Lebenswelt immer auch implizite Vergleiche sind
beziehungsweise sich an Bekanntem orientieren. Damit ist deutlich wie wichtig eine
reflektierte Komparatistik ist.
2 Platvoet betrachtet Religion zudem mit de Waal-Malefijt als Prozess der Kommunikation zwischen Gläubigen
und ihren ,,meta-empirical beings", was sie statischen Doktrinen gegenüberstellt (1982: 27). Auch für eine
solche ,,dynamische Kommunikation" ist eine Arbeitsdefinition gewinnbringend, da sie auf die Veränderungen
dieses Prozesses reagieren kann.
3 Korrekter wäre ,,Men" anstatt ,,Man."
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