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Die RAF und die Medien

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2008, 31 Pages
Author: Maike Doll
Subject: Politics - Political Systems - History

Details

Event: Die sozial-liberale Koalition 1969-1982
Institution/College: University Karlsruhe (TH) (Institut für Geschichte)
Tags: RAF, Medien, Rote Armee Fraktion
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2008
Pages: 31
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 20  Entries
Language: German
Archive No.: V116145
ISBN (E-book): 978-3-640-17680-9
ISBN (Book): 978-3-640-17691-5
File size: 139 KB

Abstract

In dieser Arbeit wird die Frage nach der Rezeption der RAF gestellt. Dazu wird zunächst die Geschichte der RAF dargestellt. Danach wird die Art und Weiser der Berichterstattung über die RAF und ihrer Attentate beschrieben. Abschließend wird die Aufnahme der RAF-Thematik in Literatur, Film und bildender Kunst betrachtet. Der Forschung zu diesem Thema ist sehr lückenhaft. Umfangreiches Quellenmaterial ist zwar vorhanden, die Originaltöne und vor allem die Zeitungsberichte werden auch als Quellen auch häufig genutzt, das Verhältnis zwischen der RAF und den Medien wird aber nicht intensiver behandelt. Bisher gibt es nur wenige „methodisch fundierte[…] Arbeiten zum kommunikativen Wechselspiel zwischen RAF und Medien bzw. zur Mediennutzung oder zur Kommunikationsstrategie der RAF“. Aber auch zu der Behandlung der RAF-Thematik in der Literatur, im Film und in der bildenden Kunst gibt es kaum Studien. Diese sind jedoch von Interesse, da sie Aufschluss über die Historisierung der RAF geben könnten. Hilfreich für diese Arbeit waren vor allem Andreas Elters Propaganda der Tat und Aufsätze zum Thema aus Wolfgang Kraushaars Aufsatzsammlung Die RAF und der linke Terrorismus. Für das Kapitel über die RAF in der alltäglichen Berichterstattung erwies sich der Ausstellungskatalog der Ausstellung Zur Vorstellung des Terrors als nützlich, da darin chronologisch Artikel der Bildzeitung, der Frankfurter Allgemeine Zeitung, der Süddeutschen und der Magazine Stern und Der Spiegel gesammelt sind.


Excerpt (computer-generated)

Universität Karlsruhe (TH)

Institut für Geschichte

SS 2008

HS Die sozial-liberale Koalition 1969-1982

Die RAF und die Medien

Maike Doll

Geschichte (KB) / Germanistik (NB), B.A.

6. Fachsemester


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 2

2. Die Geschichte der Roten Armee Fraktion 4

2.1 Die erste Generation 4

2.2 Die zweite Generation 6

2.3 Die dritte Generation 11

3. Die RAF und die Medien 13

3.1 Die RAF in den Medien 13

3.1.1 Die RAF in der täglichen Berichterstattung 13

3.1.2 Die RAF in der Literatur 18

3.1.3 Die RAF im Film 21

3.1.4 Die RAF in der bildenden Kunst 23

3.2

Die Bedeutung der Medien für die RAF 24

4. Fazit 27

5. Literaturverzeichnis 28

1


1. Einleitung

Die Geschichte der Roten Armee Fraktion (RAF) erweckt seit der Gründung der

terroristischen Gruppe immer wieder öffentliches Interesse. Natürlich war die RAF,

die in dieser Art keine vergleichbaren Vorgänger in der deutschen Geschichte hatte,

ein großes Thema in der Presse. Vor allem die terroristischen Aktionen der RAF, die

versuchten oder erfolgreichen Festnahmen und Prozesse gegen die RAF-Mitglieder

nahmen breiten Raum in der öffentlichen Diskussion und in den Medien ein. Im

Deutschen Herbst im Terrorjahr 1977 wurde fast täglich über die Terroristen

berichtet. Und auch noch bis in die Gegenwart finden Meldungen über neue

Entwicklungen im Zusammenhang mit der RAF Platz in der Berichterstattung. So

wurden beispielsweise in der jüngsten Vergangenheit mehrfach über die

bevorstehende Entlassung von noch inhaftierten Terroristen oder ganz aktuell über

die Entdeckung von bisher unveröffentlichter Polizeifotos aus dem Gefängnis

Stuttgart-Stammheim am Morgen nach der Todesnacht im Oktober 1977 berichtet.

In der Regel setzen sich aber nicht nur die Medien mit den die Epoche prägenden

Verhältnissen und Ereignissen auseinander, sondern auch die Kunst. So wurden auch

die Ereignisse um die RAF bald in den Bereichen der Literatur, des Films und der

bildende Kunst aufgearbeitet.

In dieser Arbeit wird die Frage nach der Rezeption der RAF gestellt. Dazu wird

zunächst die Geschichte der RAF dargestellt. Danach wird die Art und Weiser der

Berichterstattung über die RAF und ihrer Attentate beschrieben. Abschließend wird

die Aufnahme der RAF-Thematik in Literatur, Film und bildender Kunst betrachtet.

Der Forschung zu diesem Thema ist sehr lückenhaft. Umfangreiches Quellenmaterial

ist zwar vorhanden, die Originaltöne und vor allem die Zeitungsberichte werden auch

als Quellen auch häufig genutzt, das Verhältnis zwischen der RAF und den Medien

wird aber nicht intensiver behandelt. Bisher gibt es nur wenige ,,methodisch

fundierte[...] Arbeiten zum kommunikativen Wechselspiel zwischen RAF und Medien

bzw. zur Mediennutzung oder zur Kommunikationsstrategie der RAF"1. Aber auch zu

der Behandlung der RAF-Thematik in der Literatur, im Film und in der bildenden

1 Elter, Andreas: Die RAF und die Medien. Ein Fallbeispiel für terroristische Kommunikation, In:

Kraushaar, Wolfgang (Hrsg.): Die RAF und der linke Terrorismus, Bd. 2, Hamburg 2006, S. 1061.

2


Kunst gibt es kaum Studien. Diese sind jedoch von Interesse, da sie Aufschluss über

die Historisierung der RAF geben könnten.

Hilfreich für diese Arbeit waren vor allem Andreas Elters Propaganda der Tat und

Aufsätze zum Thema aus Wolfgang Kraushaars Aufsatzsammlung Die RAF und der

linke Terrorismus. Für das Kapitel über die RAF in der alltäglichen Berichterstattung

erwies sich der Ausstellungskatalog der Ausstellung Zur Vorstellung des Terrors als

nützlich, da darin chronologisch Artikel der Bildzeitung, der Frankfurter Allgemeine

Zeitung, der Süddeutschen und der Magazine Stern und Der Spiegel gesammelt sind.

3


2. Die Geschichte der Roten Armee Fraktion

Die Geschichte der RAF lässt sich in mehrere Phasen unterteilen, die dadurch geprägt

waren, dass jeweils eine neue Generation aktiv wurde. Der Grund dafür war die

Verhaftung oder der Tod der Mitglieder der Vorgängergeneration.

In der Geschichtsschreibung geht man von insgesamt drei Generationen aus: die

erste Generation, die Gründer der RAF, deren führende Köpfe ab 1972 alle inhaftiert

waren, die zweite Generation, die radikaler als die erste Generation war, sowie die

dritte Generation, deren Täter bis heute kaum bekannt sind, da sie bei ihren

Attentaten kaum Spuren hinterließen.

Seit kurzer Zeit wird darüber spekuliert, dass sich eine vierte Generation gebildet

haben könnte. Im Februar 2001 leitete der Generalbundesanwalt ein

Ermittlungsverfahren wegen der erneuten Gründung einer terroristischen Vereinigung

gegen zwei ehemalige, noch nicht gefasste Mitglieder der dritten Generation ein2.

Informationen über weitere Ermittlungsergebnisse drangen bis heute nicht an die

Öffentlichkeit, so dass man zurzeit davon ausgehen kann, dass es eine vierte

Generation nie gegeben hat.

2.1 Die erste Generation

Die Rote Armee Fraktion entstand insbesondere aus der Radikalisierung eines Teils

der Außerparlamentarischen Opposition der ausgehenden 1960er Jahre, die sich

gegen die Große Koalition und den Vietnamkrieg wendete.

Zu den ersten Aktionen der Gruppe, die erst später als RAF bezeichnet wurde,

zählten die Kaufhausbrandstiftungen in Frankfurt am Main, an denen unter anderem

Andreas Baader beteiligt war. Die Täter wurden zwei Tage später verhaftet und

später zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Im Jahr 1970 wurde Andreas Baader gewaltsam aus der Haft befreit. Die Journalistin

Ulrike Meinhof gab vor, ein Interview mit ihm führen zu wollen und überlistete dabei

mithilfe der späteren RAF-Mitglieder Inge Goergens und Ingrid Schubert die

Justizbeamten und floh mit Baader3.

2 Vgl. Verfassungsschutzzwischenbericht des Landes Nordrhein-Westfalen:

http://www.im.nrw.de/inn/doks/vs/z2001.pdf, S. 42f.

3 Vgl. Geiss, Imanuel: Geschichte griffbereit, 3. Aufl. München 2002, S. 1091.

4


Noch im selben Jahr besuchte eine kleine Gruppe um Baader und Meinhof ein

terroristisches Trainingslager in Jordanien. Da sich der Kampf in den Bergen

Jordaniens jedoch von dem in den Städten unterschied, änderte die RAF ihre

Vorgehensweise und organisierte sich nach dem Stadtguerilla-Vorbild der

lateinamerikanischen Tupamaros4.

In Deutschland mieteten die Mitglieder der RAF unter falschem Namen Wohnungen,

bevorzugt in möglichst großen, anonymen Wohnblocks, an. Um ihre Aktionen und

das Leben im Untergrund finanzieren zu können, überfielen sie in dieser Zeit mehrere

Banken.

Als am 9. Oktober 1970 mehrere RAF-Mitglieder in einer ihrer konspirativen

Wohnungen verhaftet wurden, wurde die RAF in einen Teil im Gefängnis und einen

Teil im Untergrund gespalten. Bis 1972 hatte die Polizei alle Köpfe der so genannten

ersten Generation der RAF inhaftiert. Zum so genannten Stammheim-Prozess gegen

diese RAF-Mitglieder kam es erst 1975. Er dauerte bis 1977.

Doch selbst aus dem Gefängnis heraus beteiligten sich die Terroristen an der

Planung der Attentate der zweiten Generation, ganz besonders an denen des

Terrorjahres 1977.

Drei Wochen nach dem Attentat an Generalbundesanwalt Siegfried Buback im April

1977 ging der Stammheimprozess gegen inhaftierte Köpfe der ersten Generation zu

Ende. Ulrike Meinhof hatte sich während des Prozessverlaufs erhängt, Holger Meins

war in Folge seines Hungerstreiks gestorben. Am 28. April wurden Andreas Baader,

Gudrun Ensslin und Jan-Carl Rapse wegen mehrfachen vollendeten und versuchten

Mordes, der Herbeiführung von Sprengstoffexplosionen und der Beteiligung an einer

kriminellen Vereinigung als Mitglied zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt5.

,,Ende des Terrorjahres 77 [setzten sich die inhaftierten Terroristen] mit ihrem

Selbstmord [aufgrund der gescheiterten Entführungen des Arbeitgeberpräsidenten

Hanns Martin Schleyer und der Lufthansa-Maschine Landshut] noch einmal

schlagartig ins Rampenlicht"6. Nur Irmgard Möller überlebte den Selbstmordversuch

4 Vgl. ebenda.

5 Vgl. Pflieger, Klaus: Die Rote Armee Fraktion ­ RAF. 14.5.1970 bis 20.4.1998, 2. erw. u. akt. Aufl.,

Baden-Baden 2007, S. 77.

6 Rupps, Martin: Helmut Schmidt, Stuttgart 2003, S. 241.

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