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Die Herausbildung eines neuen Zeitbewusstseins im Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert

Termpaper, 2004, 18 Pages
Author: Christian Horn
Subject: German Studies - Literature of History, Eras

Details

Event: Prosa der Romantik
Institution/College: Justus-Liebig-University Giessen
Tags: Herausbildung, Zeitbewusstseins, Jahrhundert, Prosa, Romantik
Category: Termpaper
Year: 2004
Pages: 18
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 18  Entries
Language: German
Archive No.: V116400
ISBN (E-book): 978-3-640-18617-4
ISBN (Book): 978-3-640-18813-0
File size: 120 KB

Abstract

Im folgenden wird das Problem des neuen Zeitbewusstseins um 1800 behandelt, das sich als eine Verzeitlichung in den Künsten, den Wissenschaften und im historischen Denken dieser Zeit manifestiert hat und den Ursprung für das moderne Zeitverständnis markiert. Um ein Verständnis dieses Komplexes zu ermöglichen, skizziere ich zunächst den Epochenbruch um 1800 in einer allgemeinen Darstellung (Kapitel II) und gehe daran anschließend im Schwerpunkt der Ausarbeitung auf die Herausbildung einer neuen Einstellung zur Zeit an der Epochenschwelle ein (Kapitel III). In diesem Teil der Hausarbeit reflektiere ich die Zeitbegriffe von Novalis und Schiller sowie die Thesen zur Verzeitlichung von Michel Foucault und Reinhart Koselleck, um auf der Grundlage der so aufgestellten Thesen die Verzeitlichung in der Kunst und Wissenschaft um 1800 im abschließenden Kapitel zu umreissen (Kapitel IV). Die Teile der Hausarbeit sind in ihren Schwerpunkten aufeinander bezogen und ergeben in ihrer Gesamtheit ein umfassendes Bild des neuen Zeitverständnisses, das sich am Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert herausgebildet hat. [...]


Excerpt (computer-generated)

Veranstaltung:

,,Prosa der Romantik"

(Proseminar)

Hausarbeit
im Wintersemester 2004/2005
(3. Fachsemester)

Thema:
Die Herausbildung eines neuen
Zeitbewusstseins im Übergang
vom 18. zum 19. Jahrhundert

Verfasser:
Christian Horn

Giessen, im Mai 2005

 


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung 3
II. Eine Skizze des Epochenbruchs um 1800 4
III. Das neue Zeitbewusstsein 6
1. Zeitlichkeit bei Novalis und Schiller 6
2. Verzeitlichung bei Foucault und Koselleck 9
2.1 Foucault: Das Zeitalter der Geschichte 9
2.2 Koselleck: Vergangene Zukunft 11
IV. Die Verzeitlichung in Kunst und Wissenschaft 13
Literaturverzeichnis 16

2

 


I. Einleitung

Im folgenden wird das Problem des neuen Zeitbewusstseins um 1800 behandelt, das sich als eine Verzeitlichung in den Künsten, den Wissenschaften und im historischen Denken dieser Zeit manifestiert hat und den Ursprung für das moderne Zeitverständnis markiert. Um ein Verständnis dieses Komplexes zu ermöglichen, skizziere ich zunächst den Epochenbruch um 1800 in einer allgemeinen Darstellung (Kapitel II) und gehe daran anschließend im Schwerpunkt der Ausarbeitung auf die Herausbildung einer neuen Einstellung zur Zeit an der Epochenschwelle ein (Kapitel III). In diesem Teil der Hausarbeit reflektiere ich die Zeitbegriffe von Novalis und Schiller sowie die Thesen zur Verzeitlichung von Michel Foucault und Reinhart Koselleck, um auf der Grundlage der so aufgestellten Thesen die Verzeitlichung in der Kunst und Wissenschaft um 1800 im abschließenden Kapitel zu umreissen (Kapitel IV).

Die Teile der Hausarbeit sind in ihren Schwerpunkten aufeinander bezogen und ergeben in ihrer Gesamtheit ein umfassendes Bild des neuen Zeitverständnisses, das sich am Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert herausgebildet hat.

3

 


II. Eine Skizze des Epochenbruchs um 1800

Die Zeit von etwa 1750 bis 18301 ist in der geisteswissenschaftlichen Forschung allgemein als eine Schwellenzeit2 anerkannt, deren umfassende Umbrüche das Zeitverständnis der Menschen verändert und alle wissenschaftlichen Disziplinen sowie die Künste (insbesondere die Literatur) nachhaltig modifiziert haben, indem sie diese verzeitlichte. Die frühromantische Philosophie und die kritische Verzahnung derselben mit Kant, Fichte und Herder3 ist einer der wichtigsten Motoren für diese Entwicklung, was bereits Eichendorff in seiner ,,Geschichte der poetischen Literatur Deutschlands" herausgestellt hat:

,,Es war, als erinnerte das altgewordene Geschlecht [der Menschheit] sich plötzlich wieder seiner schönen Jugendzeit, und eine tiefe Erschütterung ging durch alle Gemüther, da Schelling, Steffens, Görres, Novalis, die Schlegel und Tieck ihr Tagewerk begannen. Es bedarf wohl nur dieser Namen, um den Umfang dieser geistigen Erschütterung anzudeuten, die alle Richtungen der neuern Bildung, Politik, Philologie und Medicin nicht ausgeschlossen, erfrischend und belebend durchdrang."4

Ein weiteres wesentliches Element des Epochenbruchs um 1800 sind unbestritten die tiefgreifenden gesellschaftlichen Auswirkungen der Französischen Revolution als ,,modellstiftender Schlüsselvorgang an der Schwelle zu unserer Moderne"5 auf das Geschichtsbild der Menschen. Erstmals wurde die eigene Zeit als grundsätzlich neu ­ in einem qualitativen Sinn ­ empfunden.6 In Wechselwirkung mit der fortgeschrittenen Ablösung der religiösen Zeitvorstellung (Abfolge der Weltreiche) wurde die Zukunft erstmals als offener, positiv besetzter Wert empfunden und als ein ,,Ort der sittlichen Selbstverwirklichung und mündigen Selbstgestaltung"7 verstanden. Die Gegenwart war nur noch mit Blick auf die vergangenen Entwicklungen sinnvoll deutbar, womit die Einbindung der Menschheits- und Weltgeschichte in die Abfolge der Zeit manifestiert worden ist.

1 Der genannte Zeitraum ist die großzügigste Datierung des Epochenbruchs.
2 Ebenfalls gebräuchlich ist der von Reinhart Koselleck geprägte Begriff der ,,Sattelzeit" um 1800.
3 Vgl. Pfotenhauer 1991 und Behler 1989, S. 61ff.
4 Zitiert nach Hummel 1994. S 344. (Hervorhebungen vom Verfasser)
5 Koselleck 1988. S. 15.
6 Dieses neue Bewusstsein kann unter anderem an der Einführung des Revolutionskalenders abgelesen werden, der den Beginn einer neuen Epoche symbolisieren sollte.
7 Kubin 1994. S. 336.

4

 



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