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Subtitle: Zur Bestimmung des Grundelements soziokultureller Evolution
Termpaper, 2003, 23 Pages
Author: Dipl. Soz. Carolin Schneider
Subject: Sociology - Social System, Social Structure, Class, Social Stratification
Details
Tags: Variation, Evolution
Year: 2003
Pages: 23
Bibliography: ~ 16 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-17905-3
ISBN (Book): 978-3-640-17917-6
File size: 94 KB
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Abstract
Die folgende Arbeit befasst sich mit der Suche nach dem Grundelement soziokultureller Evolution. In Betracht gezogen werden dabei verschiedene systemtheoretische Begriffe. Ausgehend von dem Kommunikationsbegriff, den Luhmann selbst als den Grundbegriff der Systemtheorie geprägt hat, fassen wir in unserer Diskussion auch die Begrifflichkeiten Handlung, Sinn, Form, Semantik und Sozialstruktur als potentielle Grundelemente soziokultureller Evolution ins Auge. In einem ersten Teil versuchen wir, die zum Verständnis unserer Arbeit elementaren Kenntnisse über Evolution zu liefern. Anschließend erläutern wir kurz und ohne Anspruch auf Vollständigkeit im Hinblick auf unsere Diskussion die oben bereits aufgeführten Begriffskonstrukte aus der Systemtheorie. Wir beginnen beim Kommunikationsprozess, gehen über zu sozialen Handlungen, die Luhmann als eine Komplexitätsreduktion gegenüber dem dreistelligen Selektionsprozess von Kommunikation versteht und wenden uns dann dem Sinnbegriff zu; ein Begriff, dem von Luhmann eine hohe Relevanz für die Soziologie eingeräumt wird. Daran schließt sich unmittelbar der Begriff der Form an. Wir schließen den ersten Teil unserer Ausführungen mit einer Vorstellung der Begriffe Semantik und Sozialstruktur ab. Beide Begriffe sind eng miteinander verknüpft und stellen wichtige Elemente bei der Betrachtung der gesellschaftlichen Historie dar. Sie dienen uns also quasi als Spiegel von Evolution. Ob sie als Grundelement soziokultureller Evolution bestimmt werden können, wird sich im zweiten Teil unserer Ausführungen zeigen. Der Chronologie des ersten Teils folgend, diskutieren wir die potentiellen Grundelemente und grenzen, wo nötig und möglich, die einzelnen Begriffe gegeneinander ab. Abschließend gehen wir genauer auf das von uns als Grundelement soziokultureller Evolution angesehene systemtheoretische Begriffskonstrukt ein. Wir schließen unsere Ausführungen mit einem philosophischen Ausblick auf die Ursprünge von Variation.
Excerpt (computer-generated)
Variation für Evolution
~ Zur Bestimmung des Grundelements soziokultureller Evolution ~
Eine Hausarbeit im Rahmen der Veranstaltung:
,,Soziale Genese von Neuerung"
Universität Bielefeld
Fakultät für Soziologie
Sommersemester 2003
Bielefeld, 28. September 2003
Inhaltsverzeichnis
1. Abstract 3
2. Einleitung 3
3. Erster Teil 4
3.1 Evolution 4
3.2 Erläuterungen zu den potentiellen Grundelementen sozio-kultureller Evolution 6
3.2.1 Kommunikation 6
3.2.2 Systeminterne Reduktion kommunikativer Komplexität durch den Begriff der
Handlung 7
3.2.3 Der Sinnbegriff der Gesellschaft 8
3.2.4 Die Form von Sinn 10
3.2.5 Die gesellschaftliche Semantik 11
3.2.6 Zum Begriff der Sozialstruktur 13
4. Zweiter Teil 14
4.1 Diskussion der möglichen Grundelemente soziokultureller Evolution 14
4.1.1 Kommunikation und Handlung versus Sinn 14
4.1.2 Die Relevanz des Formbegriffs im Evolutionsprozess 15
4.1.3 Semantik und Sozialstruktur eine weitreichende Problematik 16
4.2 Sinn als Grundelement soziokultureller Evolution 18
5. Schlussbetrachtung 19
6. Literaturverzeichnis 21
2
1. Abstract
The text tries to outline the basic element of sociocultural evolution. Beginning with a short explanation of Luhmann′s concept of evolution itself and the potential basic elements of evolution, we are going to discuss the fitness of those elements in the second part of our brainwork. Terms of systems theory taken into account for our discussion are communication, action, sense, form, semantic and social structure.
2. Einleitung
Die folgende Arbeit befasst sich mit der Suche nach dem Grundelement soziokultureller
Evolution. In Betracht gezogen werden dabei verschiedene systemtheoretische Begriffe.
Ausgehend von dem Kommunikationsbegriff, den Luhmann selbst als den Grundbegriff der
Systemtheorie geprägt hat, fassen wir in unserer Diskussion auch die Begrifflichkeiten
Handlung, Sinn, Form, Semantik und Sozialstruktur als potentielle Grundelemente
soziokultureller Evolution ins Auge.
In einem ersten Teil versuchen wir, die zum Verständnis unserer Arbeit elementaren
Kenntnisse über Evolution zu liefern. Anschließend erläutern wir kurz und ohne Anspruch auf
Vollständigkeit im Hinblick auf unsere Diskussion die oben bereits aufgeführten
Begriffskonstrukte aus der Systemtheorie. Wir beginnen beim Kommunikationsprozess,
gehen über zu sozialen Handlungen, die Luhmann als eine Komplexitätsreduktion gegenüber
dem dreistelligen Selektionsprozess von Kommunikation versteht und wenden uns dann dem
Sinnbegriff zu; ein Begriff, dem von Luhmann eine hohe Relevanz für die Soziologie
eingeräumt wird. Daran schließt sich unmittelbar der Begriff der Form an. Wir schließen den
ersten Teil unserer Ausführungen mit einer Vorstellung der Begriffe Semantik und
Sozialstruktur ab. Beide Begriffe sind eng miteinander verknüpft und stellen wichtige
Elemente bei der Betrachtung der gesellschaftlichen Historie dar. Sie dienen uns also quasi als
Spiegel von Evolution. Ob sie als Grundelement soziokultureller Evolution bestimmt werden
können, wird sich im zweiten Teil unserer Ausführungen zeigen.
Der Chronologie des ersten Teils folgend, diskutieren wir die potentiellen Grundelemente
und grenzen, wo nötig und möglich, die einzelnen Begriffe gegeneinander ab. Abschließend
gehen wir genauer auf das von uns als Grundelement soziokultureller Evolution angesehene
systemtheoretische Begriffskonstrukt ein. Wir schließen unsere Ausführungen mit einem
philosophischen Ausblick auf die Ursprünge von Variation.
3
3. Erster Teil
3.1 Evolution
Luhmann konstruiert seinen systemtheoretischen Evolutionsbegriff eng an den Vorgaben des Neo- Darwinismus. Er setzt dabei die Angepasstheit des Systems an die umgebene Umwelt als Grundvoraussetzung von Evolution ein und beschreibt Evolution als einen Prozess der Modifikation bestehender Zustände. Bewegungsgrund für Evolutionsprozesse ist die Differenz von Wirklichkeit und Möglichkeit und die damit verbundene Selektivität allen Geschehens.1 Evolution bedeutet Strukturänderungen. Strukturänderungen können ausschließlich durch eigene Operationen innerhalb des Systems vorgenommen werden. Da das System keine Vollkenntnis über seine Umwelt gewinnen kann, tritt die Einstellung des Systems auf Einflüsse aus dieser Umwelt an die Stelle der Vollkenntnis und ermöglicht durch diese Einstellung auf ,,Zufälle" überhaupt erst Evolutionsprozesse. ,,Wir verstehen unter >>Zufall<< eine Form des Zusammenhangs von System und Umwelt, die sich der Synchronisation (also auch der Kontrolle, der >>Systematisierung<<). durch das System entzieht." (Luhmann 1998: 449). ,,In Anlehnung an die erfolgreich arbeitende Theorie präorganischer und organischer Evolution kann auch sozio- kulturelle Evolution begriffen werden als ein spezifischer Mechanismus für Strukturänderungen, und zwar als ein Mechanismus, der ,,Zufall" zur Induktion von Strukturänderungen benutzt." (Luhmann 1975b: 105: Hervorhebungen im Original)..
In Anlehnung an die biologischen Abläufe von Evolution übernimmt Luhmann die drei Begriffe Variation, Selektion und Retention auch für seinen systemtheoretischen Evolutionsbegriff. Unter Variation versteht man die Herstellung einer Variante für mögliche Selektionen in Form einer unerwarteten und redundanten Kommunikation. ,,Variation ist also nicht Spontangenese von Neuem [...], sondern abweichende Reproduktion von Elementen des Systems," beschreibt Luhmann Variation in ,,Gesellschaft der Gesellschaft" (Luhmann 1998: 461).. Diese Variation wird im weiteren Verlauf des Evolutionsprozesses positiv oder negativ selektiert. Eine Variation erzwingt, ähnlich wie ein Sinnzusammenhang, eine Selektion. ,,Jede Variation hat zwangsläufig Selektion zur Folge. Auch wenn keine positive Selektion stattfindet, findet Selektion statt, weil dann die operationsgebundene Variation vergeht, ohne Strukturen zu ändern, und alles so bleibt, wie es war und ist." (Luhmann 1998: 474).. Die Selektion einer neuen Variante erhöht die Systemkomplexität und zwingt das System zur Reduktion dieser durch die Selektion der Variante angestiegenen Komplexität durch eine Restabilisierung, bzw. Retention. ,,Restabilisierung bezeichnet den Einbau von
4
Strukturänderungen in ein strukturdeterminiert operierendes System." (Luhmann 1998: 488)..
Jedem der am Evolutionsprozess beteiligten Mechanismen ordnet Luhmann eine eigene Leitdifferenz zu. Im Fall der Variation verwendet er die Einheit der Differenz von normal und abweichend.2 Selektionen arbeiten mit der Differenz Annahme/ Ablehnung und die Retention benutzt die Differenz von Anpassung und Abgrenzung. ,,Evolution ist dann jede Strukturänderung, die durch Differenz und Zusammenspiel dieser Mechanismen erzeugt wird." (Luhmann 1975b: 105)..
Operationen sind im Evolutionsprozess für Strukturänderungen verantwortlich; Luhmann bezeichnet sie daher auch als systeminterne Funktionsträger. Abhängig sind diese Operationen wiederum von den bereits zur Reduktion der komplexen Verweisungsmöglichkeiten in den drei verschiedenen Sinndimensionen zur Verfügung stehenden Strukturen des Systems.3 Diese Verweisungsmöglichkeiten sind selektierbar. Im Selektionsprozess neuer Verweisungsmöglichkeiten arbeiten Selektionen mit der Problemstellung, ob neue Sinnangebote wiederholenswert und wiederverwendbar sind oder nicht. Durch Operationen können die positiv selektierten Sinnangebote dann symbolisch generalisiert werden und in Strukturen überführt werden. Durch die Integration neuer Strukturen in das System entsteht ein Ungleichgewicht zwischen Varietät und Redundanz4 der Strukturmerkmale und macht eine Readjustierung erforderlich. Oftmals werden aber alte Strukturen nicht komplett durch neue Strukturen ersetzt, sondern ,,überholt"; ihnen wird eine neue Funktion zugewiesen. Obwohl die Strukturänderungen im System selbst auftreten, müssen sie in der Umwelt Bestätigung erfahren.
Abschließend ist festzuhalten, dass Evolution ein Endlosprozess ist, ,,jeder sich stabilisierende Zustand ist katalytischer Ausgangspunkt für weitere Variationen." (Schützeichel 2003: 163).. Luhmann selbst formuliert es ähnlich: ,,Mit dem Übergang der Restabilisierungsfunktion auf die Funktionssysteme wird Stabilität selbst zu einem dynamischen Prinzip und indirekt dann zu einem Hauptanreger von Variation." (Luhmann 1998: 492).. Schützeichel macht an anderer Stelle jedoch darauf aufmerksam, das ,,natürlich [...] auch die Umkehrfolgerung erlaubt [ist]. Es herrscht keine innere Notwendigkeit zur Evolution, sie kann zeitweise aussetzen oder insgesamt aufhören." (Schützeichel 2003: 139)..
1 Vergleiche auch die Leitdifferenz der Sinndimension ,,Sachlich" unter 3.2.3
2 Für diese Unterscheidung ist das soziale Gedächtnis der Gesellschaft von großer Bedeutung. Semantik stellt das Gedächtnis dar, wir kommen darauf unter 3.2.5 zurück.
3 Der Strukturbegriff wird unter dem nächsten Kapitel genauer erläutert.
4 Luhmann geht davon aus, dass ein System, um erfolgreich zu operieren, über soviel Varietät wie möglich bei so wenig Redundanz wie nötig verfügen muss. Genauer können wir auf diesen Sachverhalt in unserer Arbeit nicht eingehen, da er keine Relevanz für unsere Fragestellung hat. Es sei an dieser Stelle z.B. auf das Kapitel im ,,GLU Glossar zu Niklas Luhmann" von Baraldi et.al. verwiesen.
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