Register or log in at GRIN

Your e-mail-address or password is wrong
Register now
For new authors: free, easy and fast
This will be used as your user name, please specify a valid e-mail address

Lost password

Your e-mail-address or password is wrong

Request a new password
Die Evolution der Inklusion close

Please wait

Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.

Die Evolution der Inklusion

Subtitle: Zur Verschiebung von Inklusionsmechanismen

Intermediate Examination Paper, 2008, 58 Pages
Author: Dipl. Soz. Carolin Schneider
Subject: Sociology - Individual, Groups, Society

Details

Institution/College: Bielefeld University
Tags: Evolution, Inklusion
Category: Intermediate Examination Paper
Year: 2008
Pages: 58
Grade: 1
Bibliography: ~ 8  Entries
Language: German
Archive No.: V116418
ISBN (E-book): 978-3-640-17907-7
ISBN (Book): 978-3-640-17919-0
File size: 312 KB

Abstract

Die Idee zur theoretischen Konzeptionierung dieser Arbeit ist entstanden im Rahmen der Beobachtung wachsender Konkurrenz zwischen Universitäten. Es herrscht nicht mehr das „wissenschaftliche Miteinander“, das kann man bestenfalls noch auf der Ebene der Forschung behaupten, vielmehr wachsen die Universitäten zu „Bildungsdienstleistern“ heran, die sich um die Studierenden bemühen, wie einst nur Unternehmen um ihre Kunden. Auch die Universität Bielefeld ist davon betroffen. Im Rahmen von Bologna und der Umstrukturierung der Hochschullandschaft nimmt die Universität an verschiedensten Ausschreibungen statt, die ihre „Exzellenz“ auf bestimmten Gebieten bestätigen sollen. Die erst vor kurzem entstandene Stelle des Hochschulmarketings soll das Bild der Universität nach außen hin stärken und verbessern und der Bewerbung auf die bundesweit ausgeschriebenen „Eliteuniversitäten“ begegnet die Universität mit der Bildung von „Exzellenzclustern“. Und das alles nur, um mehr Studierende, bessere Studierende an die Universität zu binden. Was passiert hier? Ist die Universität tatsächlich plötzlich ein „Unternehmen Bildung“? Ist das die funktionale Differenzierung des Bildungssystems? Nach den gültigen Definitionen in der Systemtheorie werden psychische Systeme in die einzelnen Funktionssysteme inkludiert. Wie wir im Verlauf dieser Arbeit zeigen wollen, findet Inklusion jedoch im Rahmen der funktionalen Differenzierung von Gesellschaft immer häufiger bereits auf der Ebene der Organisationen statt. Führt also funktionale Differenzierung zwangsläufig die Verschiebung des Inklusionskontextes herbei, oder handelt es sich vielmehr um Partizipation der einzelnen Individuen auf der Ebene der Organisationen, findet doch eine Inklusion in das Funktionssystem statt, die hier nur einen Umweg nimmt? Um diese Fragestellung adäquat beantworten zu können, müssen wir vor der eigentlichen Erhebung und der Diskussion, einige begriffliche und theoretische Bezüge näher definieren.


Excerpt (computer-generated)

Endbericht zur Lehrforschung

WS 2007/2008

Universität Bielefeld

Fakultät für Soziologie


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Funktionssystem ist nicht gleich Funktionssystem 3

2.1 Kommunikation 4

2.1.1 Die binäre Codierung der Kommunikation 5

2.1.2 Zum Begriff der strukturellen Kopplung und der Beobachtung 5

2.2 Die Bedeutung der Inklusion 7

2.2.1 Inklusion als zwingender Mechanismus 8

3. Operationalisierung 9

4. Verfahren der Datenerhebung 10

4.1 Die Stichprobe der Untersuchung 11

4.2 Datenerhebung 11

5. Datenanalyse 12

5.1 Forschungsfrage 1: 12

5.2 Forschungsfrage 2 16

5.3 Forschungsfrage 3 19

6. Diskussion der Ergebnisse 21

7. Kritische Reflexion 25

8. Ausblick 27

9. Literaturverzeichnis 30

10. Anhang 32

2


1. Einleitung

Die Idee zur theoretischen Konzeptionierung dieser Arbeit ist entstanden im Rahmen der

Beobachtung wachsender Konkurrenz zwischen Universitäten. Es herrscht nicht mehr das

,,wissenschaftliche Miteinander", das kann man bestenfalls noch auf der Ebene der Forschung

behaupten, vielmehr wachsen die Universitäten zu ,,Bildungsdienstleistern" heran, die sich

um die Studierenden bemühen, wie einst nur Unternehmen um ihre Kunden. Auch die

Universität Bielefeld ist davon betroffen. Im Rahmen von Bologna und der Umstrukturierung

der Hochschullandschaft nimmt die Universität an verschiedensten Ausschreibungen statt, die

ihre ,,Exzellenz" auf bestimmten Gebieten bestätigen sollen. Die erst vor kurzem entstandene

Stelle des Hochschulmarketings soll das Bild der Universität nach außen hin stärken und

verbessern und der Bewerbung auf die bundesweit ausgeschriebenen ,,Eliteuniversitäten"

begegnet die Universität mit der Bildung von ,,Exzellenzclustern". Und das alles nur, um

mehr Studierende, bessere Studierende an die Universität zu binden.

Was passiert hier? Ist die Universität tatsächlich plötzlich ein ,,Unternehmen Bildung"? Ist

das die funktionale Differenzierung des Bildungssystems?

Nach den gültigen Definitionen in der Systemtheorie werden psychische Systeme in die

einzelnen Funktionssysteme inkludiert. Wie wir im Verlauf dieser Arbeit zeigen wollen,

findet Inklusion jedoch im Rahmen der funktionalen Differenzierung von Gesellschaft immer

häufiger bereits auf der Ebene der Organisationen statt.

Führt also funktionale Differenzierung zwangsläufig die Verschiebung des

Inklusionskontextes herbei, oder handelt es sich vielmehr um Partizipation der einzelnen

Individuen auf der Ebene der Organisationen, findet doch eine Inklusion in das

Funktionssystem statt, die hier nur einen Umweg nimmt?

Um diese Fragestellung adäquat beantworten zu können, müssen wir vor der eigentlichen

Erhebung und der Diskussion, einige begriffliche und theoretische Bezüge näher definieren.

2. Funktionssystem ist nicht gleich Funktionssystem

Zunächst wenden wir uns der Frage zu, in welchem Funktionssystem wir uns bei der

Untersuchung von Webseiten befinden, oder besser: welches System wird von uns

beobachtet?

3


Die erste Beobachtung scheint klar zu machen, wir betrachten Webseiten von

Hochschulen und Fachhochschulen, also Organisationen des Funktionssystems der

Wissenschaft. Wir sollten uns somit und mit aller anschließenden Kommunikation im

Funktionssystem der Wissenschaft befinden. Erst spät fällt auf, wir beobachten Webseiten.

Befinden wir uns also nicht doch im Funktionssystem der Massenmedien? Mit welchem

System kommunizieren wir, wenn wir ,,online" sind? Kommunizieren wir überhaupt?

Die letzte Frage lässt sich wohl am einfachsten beantworten: natürlich kommunizieren

wir. Kommunikation ist nicht die bloße Mitteilung von Information, sondern die Selektion

von Information Mitteilung und Verstehen, also dem Verständnis der Differenz zwischen

Mitteilung und Information. Kommunikation kann also ohne die Anwesenheit, ja ohne die

genaue Kenntnis über den Adressaten, an den sie sich richtet, stattfinden. Es ist tatsächlich so,

dass der Begriff der Kommunikation, wie Niklas Luhmann ihn geprägt hat, erst seine

Relevanz durch das Aufkommen audiovisueller Verbreitungsmedien bekommen hat. Die

Massenmedien kommunizieren mit einem unbekannten Adressaten, ohne die Möglichkeit

einer direkten Rückkopplung, man kann also sagen, die Kommunikation liegt in diesem Fall

auf der Seite der Adressaten, erst sie determinieren durch ihre Selektion die Kommunikation.

Sie sorgen dafür, dass diese Kommunikation weitere Kommunikation an sich anschließt

(indem über das Thema gesprochen wird) und in unserem Fall vielleicht auch, ob der Link

angeklickt wird, ob sich andere Links anschließen und somit die Existenz von Systemen

(psychischer wie funktionaler Natur) gewahrt bleibt. Schließlich ist das Vorkommen von

Kommunikation die grundlegende Voraussetzung für die Existenz sozialer Systeme (vgl.

Luhmann 1987: 192).

2.1 Kommunikation

Doch wie findet Kommunikation mit einem Funktionssystem statt, welches sich nicht der

Massenmedien ,,bedient", um einen möglichst großen Adressatenkreis zu erreichen? Alle

Funktionssysteme verfügen über systemeigene Möglichkeiten der Kommunikation. So

kommuniziert das Funktionssystem der Wirtschaft beispielsweise über Bankautomaten mit

den einzelnen psychischen Systemen.

Was konstituiert in diesem Sinne dann aber ein Funktionssystem der Massenmedien? Handelt

es sich im strengeren Sinne nicht nur um Kommunikationsformen verschiedener Systeme, die

ohne die Existenz eines Funktionssystems der Massenmedien, also eines

4


informationsverarbeitenden Systems mit einem eigenen Systemgedächtnis ebenso gültig und

möglich wären?

,,Mit dem Begriff der Massenmedien sollen im folgenden alle Einrichtungen der

Gesellschaft erfasst werden, die sich zur Verbreitung von Kommunikation

technischer Mittel der Vervielfältigung bedienen" (Luhmann 1996: 10).

Wir haben es also auch bei der Rezipierung von Webseiten mit Kommunikation im System

der Massenmedien zu tun, determiniert der Adressat doch durch seine Selektion von

Mitteilung und Information und dem Verständnis dieser Differenz erst die Kommunikation.

Darüber hinaus ist Öffentlichkeitsarbeit (Public Relations) von Organisationen ebenso wie

der Bestandteil der Werbung Teil der Programmatik des Funktionssystems der Massenmedien

(vgl. Luhmann 1996: 85ff.). Schon die Entstehung der PR aus dem Berufsfeld des

Journalisten heraus (Semesterapparat: Kein Autor 1999: 264) macht diese strategische

Einordnung notwendig und möglich zugleich.

2.1.1 Die binäre Codierung der Kommunikation

Jedes bekannte System operiert und kommuniziert nach einem so genannten binären Code. Im

Funktionssystem der Wissenschaft ist der Code die Unterscheidung zwischen wahr und

unwahr, also lässt sich alle ablaufende Kommunikation des Wissenschaftssystems erklären,

durch die Frage ob die kommunizierten Informationen wahr oder unwahr sind. Die strenge

Binarität erlaubt es dem System, die Komplexität der Kommunikation drastisch zu reduzieren

(Baraldi u.a. 1997: 34ff.) und zugleich die eigenen Operationen zu beobachten und zu

entscheiden, ob sie dem System zugehörig sind, oder nicht. Diesen Vorgang der

Selbstbeobachtung bezeichnet man als operative Schließung des Systems (siehe hierzu auch

Luhmann 1973: 101 ff.; ebd. 1996: 32ff.). Das Mediensystem verwendet den binären Code

Information/Nichtinformation (Luhmann 1996: 40).

Diese Kommunikation ermöglicht uns also die Differenzierung zwischen Information und

,,Nichtinformation". Es schließen sich durch den Besuch weiterer Webseiten, durch

Verlinkung zwischen Webseiten, Kommunikationen an.

2.1.2 Zum Begriff der strukturellen Kopplung und der Beobachtung

Wie kann es aber sein, dass sich Informationen, die sich doch definitiv auf ein

Funktionssystem beziehen, von einem anderen System zur Kommunikation genutzt werden?

5


Handelt es sich hier um Einfluss? Nimmt das Funktionssystem der Wissenschaft Einfluss auf

das System der Massenmedien?

Wir wissen von Luhmann, dass ein System ein anderes, in unserem Fall das

Wissenschaftssystem das System der Massenmedien, nicht beeinflussen kann. Unter dieser

Prämisse wäre das Theorem der Autopoiesis und das der operativen Geschlossenheit

hinfällig: könnte ein System Einfluss auf ein anderes System nehmen, es manipulieren, würde

die Differenz zwischen System und Umwelt, zwischen Selbstreferenz und Fremdreferenz

nicht mehr vollständig existieren, das Axiom der Existenz autopoietischer, selbstreferentieller

und operativ geschlossener Systeme würde die systemtheoretischen Annahmen ins Wanken

bringen.

Mit dem Beweis der Beeinflussung würde sich die Systemtheorie also in ihrer bekannten

Art auflösen. Entfernen wir uns deshalb von dem Verdacht der Beeinflussung (der Versuch

einer Dekonstruktion der Systemtheorie würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen) und

wenden uns der ,,Luhmannschen Erklärung" zu: erklären wir solche Phänomene unter dem

Gesichtspunkt der strukturellen Kopplung (vgl. Luhmann 1998: 92ff.). Hiermit soll das

Verhältnis zwischen Kommunikation und Kommunikation, sowie dasjenige zwischen

Kommunikation und Bewusstsein beschrieben werden (vgl. Luhmann 1993: 162f.; Fuchs

2004: 81ff.). Als psychisches System partizipiere ich in verschiedenen Systemen, bin an

unterschiedlichster Kommunikation beteiligt. Unter dem Begriff der strukturellen Kopplung

können verschiedene, unterschiedlichste Kopplungen gefasst werden, es ist für die weitere

Existenz eines Systems lediglich wichtig, dass die Unterscheidung von System und Umwelt

weiterhin getroffen werden kann bzw. dass Kommunikation an Kommunikation anschließt.

Es ist also nicht wichtig, welche Inhalte kommuniziert werden, welche Mitteilungen aus der

Kommunikation selektiert werden, sondern einfach nur, dass dem so ist. Den an dieser Stelle

häufig gehörten und zitierten Einwand der Relevanz der Information dekonstruiert Luhmann

mit der Feststellung, man müsse die Systemreferenz anderer Systeme aus dem zu

betrachtenden System ausschließen. Es ist nicht von Bedeutung, mit welchen Erwartungen

z.B. ein psychisches System die Kommunikation beobachtet.

Dies führt uns zu einem großen Problem: wenn das Mediensystem und die darunter

gefassten Organisationen keine Möglichkeit haben zu entscheiden, ob die kommunizierten

Informationen für die Beobachter relevant sind, können sie ihre Informationen nicht an den

Beobachter anpassen. Tillmann Sutter beschrieb dieses Phänomen mit dem Ausdruck der so

genannten ,,Blindflüge" (Sutter 2004). Wie kann sich also ein System ganz grundsätzlich auf

6


seine Umwelt einstellen? Im Grunde nur über die Beobachtung der eigenen Operationen im

Prozess der Beobachtung zweiter Ordnung.

Hier schließt sich nun die Betrachtung unserer Webseiten an: Da bei der ablaufenden

Kommunikation immer die Unterscheidung zwischen Information und Nichtinformation als

erster Entscheidungsprozess ansteht, müssen wir uns bei der Betrachtung von Webseiten

somit zwangsläufig im System der Massenmedien befinden. Ein direkter Bezug zum System

der Wissenschaft kann über die strukturellen Kopplungen beider Systeme festgestellt werden:

Nicht zuletzt sind es Informationen aus dem Funktionssystem der Wissenschaft, die an dieser

Stelle kommuniziert werden. Und mehr noch: die strukturelle Kopplung ist in diesem Fall

besonders stark ausgeprägt. Nicht zuletzt ist der Webdesigner, der nicht nur für die graphische

Umsetzung verantwortlich ist, sondern auch die Inhalte, also die Informationen in das

Medium1 einspeist, ein Angestellter der Universität. Doch diese Unterscheidung soll uns bei

der Betrachtung nicht weiter hinderlich sein. Interessiert uns doch vielmehr: Kann diese

Informations- und Kommunikationsmöglichkeit psychische Systeme an das Funktionssystem

binden?

2.2 Die Bedeutung der Inklusion

Wenn wir über Inklusion sprechen, so haben wir in der Regel bereits einen vorgefassten und

alltagssprachlich definierten Begriff vor Augen. Um mit diesem Begriff jedoch arbeiten zu

können und vielmehr noch aufzeigen zu können, wie sich die Bedeutung des Begriffs

innerhalb der funktionalen Ausdifferenzierung von Gesellschaften geändert hat, müssen wir

genau definieren, was Inklusion eigentlich bedeutet.

,,Inklusion bezeichnet eine spezifische Form der Beobachtung von Menschen in

Kommunikationssystemen" (Luhmann 1995: 241). In Abgrenzung zu Parsons

Integrationsbegriff wollen wir unterscheiden zwischen der Integration in die Gesellschaft

(vgl. Parsons 1971), die die Leistungsbeziehungen zwischen den gesellschaftlichen

Funktionssystemen herstellt und der Inklusion von Menschen in die Gesellschaft, welche die

Form der ,,Person" darstellt, die gesellschaftliche Kommunikation zur Beobachtung von

Menschen konstruiert.

,,Dass Bewusstsein und Kommunikationssysteme vollständig getrennt und

überschneidungsfrei operieren, schließt natürlich nicht aus, dass man sich in

1 In strenger definiertem Sinn haben wir es ab der Beobachtung nicht mehr mit einem Medium, sondern nur noch

mit der Form zu tun: bei der semantischen Bezeichnung eines Medium kann es sich nur um die Form handeln.

Vgl. hierzu Luhmann 1987: 114ff.; ebd. 1998: 60ff.

7


Kommunikation auf psychische Systeme bezieht. Die Einheiten, welche die

Kommunikation konstruiert kann man in Fortführung einer alten Tradition als

Personen bezeichnen. Personen sind demnach Strukturen der Autopoiesis

sozialer Systeme, nicht aber ihrerseits psychische Systeme oder gar komplette

Menschen." (Luhmann 1990: 33)

,,Kein Mensch ist eine Person." (Fuchs 2004: 131)

Inklusion bedeutet somit unter diesen Vorannahmen, dass ein autopoietisches psychisches

System, das auf der Basis von Bewusstsein operiert, seine ,,Eigenkomplexität" (Fuchs 2004:

131) der Konstruktion sozialer Systeme ,übereignet′.

2.2.1 Inklusion als zwingender Mechanismus

Inklusion in die Funktionssysteme ist also ein zwingender Mechanismus, der die Autopoiesis

der einzelnen Systeme überhaupt erst ermöglicht (vgl. Stäheli 2004). Allerdings sei noch

einmal darauf verwiesen, dass Inklusion nur eine Attribution ist, also die Beobachtbarkeit2

und Zuschreibung von Kommunikation.

Mit der funktionalen Differenzierung unserer Gesellschaft tritt nun jedoch ein weiterer

Aspekt der Inklusion in den Vordergrund: die Inklusion in Organisationen. Im Gegensatz zur

stratifizierten Gesellschaft verfügt unsere funktional differenzierte Gesellschaft über eine

große Anzahl von Organisationen. ,,Organisation ist, wie die Gesellschaft selbst und wie

Interaktion auch, eine bestimmte Form des Umgangs mit doppelter Kontingenz. Jeder kann

immer auch anders handeln und mag den Wünschen und Erwartungen entsprechen oder auch

nicht ­

aber nicht als Mitglied einer Organisation

" (Luhmann 1998: 829; Hervorhebung im

Original). Ein Mitglied einer Organisation ist durch ihre Mitgliedschaft gebunden an

Regularien und Verhaltensvorschriften, mögen diese noch so marginal sein. Als letzte

Sanktionsmaßnahme von Verstößen ist immer ein Ausschluss aus der Organisation

vorgesehen.

Inklusion in eine Organisation kann also im engeren Sinne als Kommunikation mit einer

sozialen Adresse aufgefasst werden, wobei hier deutlich die soziale Adresse als Struktur von

Kommunikation definiert werden soll und nicht als Eigenschaft einer Institution oder eines

Menschen (vgl. Fuchs 2004: 129).

Das System oder auch die Organisation kann Inklusion also nicht steuern, wohl aber im

Rahmen seiner Differenzierung von systeminterner Kommunikation zu systemexterner

2 Für die Rolle des Beobachters und die Möglichkeit der Attribution von Inklusion im Rahmen von

Differenzbildung vgl. Fuchs 2004: 11ff. und 39ff.

8



Comments

No comments yet

Add Comment
Your comment is reviewed before being published

Other users also were interested in the following titles:

Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit

Author: Claudia Nickel
Presentations, Models, Tutorials, Instructions, 2006 Download as PDF-file for 4,99 EUR

Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens

Author: Maik Philipp
Presentations, Models, Tutorials, Instructions, 2004 Download as PDF-file for 5,99 EUR

This text can be quoted and accessed from this url:

http://www.grin.com/e-book/116418/die-evolution-der-inklusion
please wait Please wait