Runder Tritt im Radsport - Vergleich der Tretökonomie bei verschiedenen Pedalsystemen mittels EMG

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Details
Autor: Bakk Florian Hoppel
Fach: Sport - Bewegungs- und Trainingslehre
Veranstaltung: Übung Quantitative Forschungsmethoden
Institut: Institut Sportwissenschaften Wien (Institut Sportwissenschaften Wien)
Jahr: 2008
Seiten: 47
Note: 1,00
Literaturverzeichnis: ~ 17 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 453 KB
ISBN (E-Book): 978-3-640-18065-3
ISBN (Buch): 978-3-640-18079-0
Zusammenfassung / Abstract
Der Radsport zählt zu den am meisten verbreiteten – und in der Sportwissenschaft bezüglich Biomechanik und Trainingswissenschaft am häufigsten untersuchten - Sportarten weltweit. In jeder der großen Vielzahl von Disziplinen und deren Unterkategorien werden von Sportlern im Allgemeinen und Hochleistungsathleten im Speziellen teils extreme Leistungen erbracht. So zählt beispielsweise im Straßenradsport die Tour de France mit …. Km in ….Tagen zu den härtesten Herausforderungen, in Österreich speziell sei der Mountainbikemarathon in Bad Goisern erwähnt, welcher mit 203 km mit knappen 6818 Höhenmeter vom Sieger 2006 in unglaublichen 10h und 15 min bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 9.8 km/h absolviert wurde. Angesichts solcher körperlicher Leistungen wird deutlich, dass ebensolche Ergebnisse nicht rein auf einen perfekt erarbeiteten Trainingsplan, sondern zum Beispiel auch auf die Interaktion mit der Biomechanik bzw. der Bewegungswissenschaft zurückzuführen sind. So ist es beispielsweise unerlässlich, dass der Sportler und sein Gerät betreffend Rahmengröße, Sitzhöhe, Übersetzungsverhältnis, Lenkerbreite und Oberrohrlänge optimal aufeinander abgestimmt sind. Weiters spielt in diesem Bereich das Know-how zum Erreichen einer optimalen Rahmengeometrie bzw. -steifigkeit und –gewicht zur Maximierung der Übertragung der Vortriebsenergie der arbeitenden Muskulatur eines Radsportlers in Vortriebsenergie eine nicht zu verachtende Rolle, da jeder Energieverlust in diesem Bereich eine schnellere Ermüdung mit sich zieht und damit über Sieg und Niederlage im Wettkampf entscheidend ist.
Textauszug (computergeneriert)
Bakkarauleatsarbeit
Runder Tritt im Radsport
Vergleich der Tretökonomie bei verschiedenen
Pedalsystemen mittels EMG
Hoppel Florian
Abgegeben am 28.2. 2008
INHALTSANGABE
1
Vorwort und Danksagung
3
2
Einleitung
3
3
Der runde Tritt
5
3.1 Markante Punkte der Tretbewegung
9
3.2 Phasen des runden Tritts
0
3.3 Muskuläre Koordination während deiner Kurbelbewegung
12
3.4 Aktivierte Muskulatur beim runden Tritt
14
3.4.1 Gesäß- und innere Hüftmuskulatur
15
3.4.2 Muskulatur des Oberschenkels (Adduktoren)
15
3.4.3. Muskulatur des Oberschenkels (Vorderseite) 16
3.4.4 Muskulatur des Oberschenkels (Rückseite ischiocrurale
Muskulatur) 16
3.4.5 Muskulatur des Unterschenkels (Extensoren) 17
3.4.6 Muskulatur des Unterschenkels (Peronaeusgruppe) 17
3.4.7 Muskulatur des Unterschenkels (Flexoren) 18
4 Vergleich der Tretökonomie bei verschiedenen Pedalsystemen 18
4.1 Untersuchungsaufbau und Methodik 18
4.2 Probandendaten . 21
4.3 Verwendete Untersuchungsmaterialien 21
4.4 Qualitative Auswertung 22
4.5 Quantitative Auswertung 31
4.5.1
Berechnung der Ergebnisse 32
4.5.2
Diskussion 38
5 Vergleichende Studien 41
5.1 Studie nach Hillebrecht M, Schwirtz A, Stapelfeldt B, Stockhausen W,
Bührle M. 42
5.2 Zusammenfassung 44
6. Literaturverzeichnis 46
2
1 VORWORT UND DANKSAGUNG
Diese Arbeit wurde im Zuge der VU Quantitative Forschungsmethoden am USZ Schmelz
verfasst. Als Grund für die Themenwahl kann in erster Linie persönliches Interesse
meinerseits dem Radsport speziell dem Mountainbikesport - gegenüber gesehen
werden. Da ich im Studium und im Speziellen in meiner Ausbildung zum staatlich
geprüften Mountainbikeinstruktor oftmals mit diesem Thema konfrontiert worden bin,
beschloss ich mich mit diesem Thema eingehender zu beschäftigen.
An dieser Stelle möchte ich mich beim Lehrveranstaltungsleiter Herrn Ass.-Prof. Mag. Dr.
Harald Tschan und dem Leiter der Biomechanikabteilung Herrn Dipl.-Sporting. Dr. Mario
Heller für die Kooperation und die Bereitstellung des Biomechanischen Labors bzw. des
nötigen Equipments bedanken. Weiters möchte ich hier meine beiden Kollegen Herwig
Langer und Peter Cermak erwähnen, ohne deren Hilfe die Entstehung dieser Arbeit nicht
möglich gewesen wäre. Auch sei hier die Unterstützung und Kooperation unserer
Untersuchungsprobanden erwähnt
2 EINLEITUNG
Der Radsport zählt zu den am meisten verbreiteten und in der Sportwissenschaft
bezüglich Biomechanik und Trainingswissenschaft am häufigsten untersuchten -
Sportarten weltweit. In jeder der großen Vielzahl von Disziplinen und deren
Unterkategorien werden von Sportlern im Allgemeinen und Hochleistungsathleten im
Speziellen teils extreme Leistungen erbracht. So zählt beispielsweise im Straßenradsport
die Tour de France mit Km in Tagen zu den härtesten Herausforderungen, in
Österreich speziell sei der Mountainbikemarathon in Bad Goisern erwähnt, welcher mit
203 km mit knappen 6818 Höhenmeter vom Sieger 2006 in unglaublichen 10h und 15 min
bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 9.8 km/h absolviert wurde.
Angesichts solcher körperlicher Leistungen wird deutlich, dass ebensolche Ergebnisse
nicht rein auf einen perfekt erarbeiteten Trainingsplan, sondern zum Beispiel auch auf die
Interaktion mit der Biomechanik bzw. der Bewegungswissenschaft zurückzuführen sind.
So ist es beispielsweise unerlässlich, dass der Sportler und sein Gerät betreffend
Rahmengröße, Sitzhöhe, Übersetzungsverhältnis, Lenkerbreite und Oberrohrlänge
optimal aufeinander abgestimmt sind. Weiters spielt in diesem Bereich das Know-how
3
zum Erreichen einer optimalen Rahmengeometrie bzw. -steifigkeit und gewicht zur
Maximierung der Übertragung der Vortriebsenergie der arbeitenden Muskulatur eines
Radsportlers in Vortriebsenergie eine nicht zu verachtende Rolle, da jeder Energieverlust
in diesem Bereich eine schnellere Ermüdung mit sich zieht und damit über Sieg und
Niederlage im Wettkampf entscheidend ist.
An dieser Stelle wird nun deutlich, dass zur Umsetzung des optimalen Vortriebs auch die
Tretökonomisierung eine bedeutende Rolle spielt. Der in der sportwissenschaftlichen
Fachliteratur oft beschriebene und umstrittene - so genannte ,,runde Tritt" soll laut einer
Vielzahl von Autoren die Tretökonomie und damit den Vortrieb effektivieren und durch
Entlastung der Streckermuskulatur die psychophysische Ermüdungswiderstandsfähigkeit
also die Ausdauerfähigkeit erhöhen. Jedoch finden sich in der Literatur unterschiedliche
Meinungen bzw. Untersuchungsergebnisse bezüglich der Sinnhaftigkeit und der
grundsätzlichen Existenz des Phänomens ,,runder Tritt".
Ziel der vorliegenden Arbeit soll es nun sein, mittels Auswertung von EMG-Signalen die
Existenz des runden Tritts zu beweisen oder zu verneinen. An dieser Stelle sei an die
Arbeiten von Herwig Langer bzw. Peter Cermak verwiesen, deren EMG-Daten im Zuge
der vorliegenden Arbeit an den selben Probanden unter gleichen Bedingungen
aufgenommen wurden, sich aber mit abweichenden Themen beschäftigen.
4
3. DER RUNDE TRITT
Es genügt eben nicht, einfach nur die Pedale von oben nach unten zu drücken, wenn wir unsere
Muskelkraft optimal einsetzen wollen. Es ist unbedingt erforderlich, das Leerbein mit der
Beugemuskulatur der unteren Gliedmaßen anzuheben. Unser Ziel sollte sein, das Drehmoment im
Kettenblatt und in der Tretlagerwelle möglichst konstant zu halten, und das nicht nur über ein
Umdrehung, sondern über die gesamte Dauer des Fahrens
(Gressmann M, 1995, S. 163)
In diesem Kapitel sollen die theoretischen Annahmen betreffend den runden Tritt zum
besseren Verständnis genau erklärt werden. Wie bereits in Kapitel 2 erwähnt, wird im
Radsport dem runden Tritt als Technikleitbild eine hohe Bedeutung zugemessen.
Interessant erscheint in diesem Zusammenhang der Vergleich von theoretischen
Annahmen über die ideale Trittgestaltung bezeichnet als runder Tritt - mit den im Zuge
einer Untersuchung experimentell gewonnenen Daten. Hier stellt sich die Frage ob sich
diese theoretischen Annahmen mit den realen Messwerten decken oder unterscheiden.
Gibt es überhaupt den so oft postulierten runden Tritt oder welches Bewegungsverhalten
kann als runder Tritt bezeichnet werden?
In der Praxis des Radsports ist schon lange bekannt, dass der perfekte runde Tritt
offenbar nur in der Theorie existiert. Viele Autoren beschreiben dass RadfahrerInnen
egal ob Hobby, Amateur oder Profi fast ausnahmslos Vortrieb über die Kraft ihrer
Gesäß- und Oberschenkelstreckmuskulatur erzeugen (vgl. Gressmann 1995, Hillebrecht
M, Schwirtz A, Stapelfeldt B, Stockhausen W, Bührle M, 1997). Hier besteht das Problem,
dass bei einer ausschließlichen Aktivierung der Streckmuskulatur der Vortrieb rein über
Druck am Pedal erfolgt (Druckphase), die Zug-, Hub- und Schubphase wird hierbei außer
Acht gelassen. Diese von Gressmann (1995) als Hackstil bezeichnete Methode bringt
zum einen den Nachteil, dass der Kraftarm des Drehmoments nur zu einem kurzen
Zeitpunkt ideal ist (vgl. Gressmann M, 1995, S. 164), zum anderen muss das Gewicht des
inaktiven Beines (,,Leerbein") in der Tretphase von der kontrahierenden Muskulatur des
Gegenbeines mit angehoben werden muss. Bei einem 80 kg schweren Fahrer würde dies
bedeuten, dass das Leerbein mit einer Kraft von ca. 160 N von der Streckermuskulatur
des anderen Beines hochgehievt werden muss (vgl. Gressmann 1995, S. 163).
Gressmann beschreibt den Energieverlust beim unrunden Treten mit 36%, für die Praxis
würde dies nur mehr eine 64%ige Energieeffizienz bedeuten.
Ein weiteres Beispiel für die Unökonomie des Hackstils bringen Pflug D. und Wochinger
K. (2006/07). Nimmt man bei einer 2.5-stündigen Ausfahrt eine Trittfrequenz von 90 rpm
an (insgesamt 13.500 Umdrehungen) und ein Beingewicht von 15 kg an (reine zusätzliche
5
Hubarbeit des aktiven Beines 20%), werden in jenen 2.5 Stunden 30.500 kg zusätzliche
Hubarbeit geleistet.
Abbildung 1: Kurbelbewegung beim Hackstil und rundem Tritt (Konopka, 1987, S. 61)
Wie bereits kurz erwähnt, wird nur die tangentiale Kraftkomponente am Pedal als
Vortriebskraft wirksam, kommt die Pedalkraft genau senkrecht von oben, wird weder im
oberen, noch im unteren Totpunkt Drehmoment in das Kettenblatt bzw. die Tretlagerwelle
übertragen, da der Kraftarm des Drehmoments null ist.
,,Nur der senkrechte Abstand vom Drehpunkt zum Kraftangriffspunkt wandelt die Kraft in ein
maximales Drehmoment um."
(Gressmann, 1995, S. 160)
6
Betreffend der am Pedal wirkenden Kräfte beschreiben Hillebrecht M, Schwirtz A,
Stapelfeldt B, Stockhausen W, Bührle M, (1997) drei verschiedene Kräfte, welche auf das
Pedal wirksam werden:
F resultierend = einwirkende/resultierende
Kraft
F tangential = vortriebswirksame Kraft
F radial = unwirksame/radiale Kraft
Abbildung 2: Am Pedal angreifende Kräfte nach Hillebrecht M, Schwirtz A, Stapelfeldt B, Stockhausen
W, Bührle M, (1997).
1. Radialkraft sie erzeugt keinen Vortrieb, sondern verursacht primär eine
Längung/Stauchung der Kurbel oder Reibung im Lager
2. Tangentialkraft vortriebswirksame Kraft. Steht immer im rechten Winkel zum
Kurbelarm
3. resultierende Kraft beide genannten Kräfte ergeben die resultierende, tatsächlich
a Pedal angreifende Kraft
Je näher die resultierende Pedalkraft der Tangentialkraft angenähert werden kann, desto
höher ist der biomechanische Wirkungsgrad, die Radialkraft sollte also möglichst gering
gehalten werden. Aus biomechanischer Sicht wäre ein Optimum erreicht, wenn möglichst
die gesamte resultierende Pedalkraft in tangentiale Kraft umgesetzt werden könnte dies
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