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Das Experteninterview

Hausarbeit, 2007, 34 Seiten
Autor: MScN Stefanie Monke
Fach: Pflegewissenschaften

Details

Veranstaltung: Modul Qualitative Methoden der Pflegeforschung, Kurs Erhebung qualitativer Daten
Institution/Hochschule: Philosophisch-Theologische Hochschule der Pallottiner Vallendar (Pflegewissenschaftliche Fakultät)
Tags: Experteninterview, Modul, Qualitative, Methoden, Pflegeforschung, Kurs, Erhebung, Daten
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2007
Seiten: 34
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 16  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V116602
ISBN (E-Book): 978-3-640-18356-2
ISBN (Buch): 978-3-640-18376-0
Dateigröße: 143 KB
Anmerkungen :



Zusammenfassung / Abstract

Das Experteninterview ist in der empirischen Sozialforschung eine häufig eingesetzte Methode. Es wird in der Politik- und Implementierungsforschung, in der Industriesoziologie, in der Eliten- und Verwendungsforschung und in vielen Bereichen angewandter Sozialforschung eingesetzt. Das Hauptinteresse in dem Interview gilt dem Expertenwissen, der Expertise einer Person (vgl. Bohnsack et al. 2003, S. 57). Vor dem Hintergrund der zunehmenden Verbreitung des Experteninterviews in der Pflegewissenschaft wird diese Interviewform als Methode der qualitativen Sozialforschung im ersten Teil der vorliegenden Hausarbeit vorgestellt. Ein weiteres Kapitel beschäftigt sich mit der Frage, wer in den Kreis der Experten für diese Interviewform heran gezogen werden kann. Die nachfolgenden Kapitel beinhalten die konkrete Anwendung des Experteninterviews sowie die Auswertung der Daten. Ein Exkurs stellt am Ende der Arbeit das Experteninterview in der Gesundheits- und Pflegeforschung vor. Eine kritisch methodologische Diskussion über das Experteninterview bildet den Abschluss der vorliegenden Hausarbeit.


Textauszug (computergeneriert)

Hausarbeit

erstellt im Masterstudiengang Pflegewissenschaft MSc.
der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar

als Modulteilprüfung
im Modul 1.1 ,,Qualitative Methoden der Pflegeforschung"
Kurs 1.1.2 ,,Erhebung qualitativer Daten"

Angefertigt im Wintersemester 2006/2007
mit dem Titel: ,,Das Experteninterview"

angefertigt von Stefanie Monke
eingereicht am 20. März 2007

 


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung 3
2 Das Experteninterview  3
3 Wissenschaftstheoretische und methodologische Grundlagen  5
3.1 Strategie und Vorgehensweise der empirischen Sozialforschung  6
3.2 Methodologische Einordnung des Experteninterviews  7
4 Der Kreis der Experten für das Experteninterview 8
4.1 Der Experte und das Expertenwissen nach Meuser und Nagel  9
4.1.1 Experten mit Betriebswissen 9
4.1.2 Experten mit Kontextwissen  10
4.1.3 Experten für die Exploration  10
4.2 Der Expertenbegriff nach Bogner und Menz  10
4.2.1 Der voluntaristische Expertenbegriff  10
4.2.2 Der konstruktivistische Expertenbegriff  11
4.2.3 Der wissenssoziologische Expertenbegriff  11
4.3 Der Experte nach Gläser und Laudel  11
4.3.1 Der Experte als privilegierte Person in einem Funktionskontext  11
4.3.2 Der Experte als Person mit besonderem Wissen über soziale Sachverhalte 12
4.4 Die Anwendung des Experteninterviews und Auswahl der Experten  13
4.5 Anwendungsformen des Experteninterviews  14
5 Das leitfadengestützte Experteninterview als Erhebungsmethode  15
5.1 Von der Forschungsfrage zum Interviewleitfaden 15
5.2 Von der Forschungsfrage zur Auswahl der Experten  16
5.3 Die Leitfragen und Leitfadenkonstruktion 17
5.4 Typisierung der Interviewleitfragen  18
5.5 Leitfadenfunktion  19
5.6 Praktische Hinweise zur Leifadenkonstruktion  19
5.7 Überlegungen zur Datenerhebung 20
5.7.1 Zeitplanung  20

1

 


5.7.2 Auswahl der Fallgruppe und Fallgröße 21

5.8 Durchführung des Experteninterviews und die Rolleneinnahmen der Interviewers  21

5.9 Die Interviewsituation als potenzielle Problemzone  23

5.10 Hinweise zur Datenauswertung  24

6 Das Experteninterview in der Gesundheits- und Pflegeforschung  25

6.1 Anwendungsbeispiele der Gesundheits- und Pflegeforschung  25

6.2 Anwendungshäufigkeit und methodische Reflexion  27

7 Kritik an der Methode des Experteninterviews  27

7.1 Kritik am Expertenbegriff und Expertenwissen  27

7.2 Andere Verfahren zum Interview mit Experten  28

8 Zusammenfassung  28

9 Literaturverzeichnis  30

2

 


1 Einleitung

Das Experteninterview ist in der empirischen Sozialforschung eine häufig eingesetzte Methode. Es wird in der Politik- und Implementierungsforschung, in der Industriesoziologie, in der Eliten- und Verwendungsforschung und in vielen Bereichen angewandter Sozialforschung eingesetzt. Das Hauptinteresse in dem Interview gilt dem Expertenwissen, der Expertise einer Person (vgl. Bohnsack et al. 2003, S. 57).

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Verbreitung des Experteninterviews in der Pflegewissenschaft wird diese Interviewform als Methode der qualitativen Sozialforschung im ersten Teil der vorliegenden Hausarbeit vorgestellt.

Ein weiteres Kapitel beschäftigt sich mit der Frage, wer in den Kreis der Experten für diese Interviewform heran gezogen werden kann. Die nachfolgenden Kapitel beinhalten die konkrete Anwendung des Experteninterviews sowie die Auswertung der Daten.

Ein Exkurs stellt am Ende der Arbeit das Experteninterview in der Gesundheits- und Pflegeforschung vor. Eine kritisch methodologische Diskussion über das Experteninterview bildet den Abschluss der vorliegenden Hausarbeit.

2 Das Experteninterview

Das Experteninterview ist eines der am häufigsten genutzten Verfahren in der empirischen Sozialforschung. Es gibt exklusive Einblicke in das Expertenwissen und in Strukturzusammenhänge sowie Wandlungsprozesse von Handlungssystemen. Das Ziel des Experteninterviews ist die Entdeckung des Unbekannten, des ,,Insiderwissens" einer Person (Liebhold et al. 2005). Das Experteninterview dient dazu schnell und leicht gute Interviews zu führen. Diese Methode trifft auf eine breite Zustimmung bei Fachexperten (vgl. Bogner et al. 2005 a, S. 7 f.).

Lamnek bezeichnet das Experteninterview als eine ermittelnde und informatorische Interviewform um Wissensbestände zu erfahren. Der Befragte gilt als Informationslieferant für Sachverhalte (vgl. Lamnek 2005, S. 333 f.).

3

 


Experteninterviews sind nicht einfache ,,Informationsgespräche", in denen Wissen und Meinungen erhoben werden (vgl. Bogner et al. 2005 a, S. 16). Da sich die Experten oftmals der Relevanz ihres Handelns nicht bewusst sind, kann Expertenwissen nicht direkt abgefragt werden, sondern muss aus den Äußerungen der Experten rekonstruiert werden. Deswegen gilt das Experteninterview als rekonstruktive Untersuchungsmethode. Ziel ist die systematische Rekonstruktion der unbewussten Logik von Entscheiden und Routinen im Expertenhandeln (vgl. Bohnsack et al. 2003, S. 58 u. Gläser et al. 2004, S.11).

Das Experteninterview wird nach Bortz als eine Variante der qualitativen Einzelbefragung eingestuft. Es gilt als Sammelbegriff für offene oder teilstandarisierte Befragungen von Experten zu einem vorgegebenen Bereich oder Thema (vgl. Bortz 2006, S. 315).

Galt lange Zeit eine standarisierte Befragung als ,,Königsweg der praktischen Sozialforschung", war die Aufmerksamkeit für andere qualitative Interviewformen gering. 1967 berichtet Scheuch von einer Interviewform, die nicht standarisiert und quantitativ auszuwerten ist. Er nennt dies eine Art ,,Sonderform der Befragung", das so genannte Experteninterview. Er führt den Vorteil dieser Interviewmethode auf, weil der Forscher Teil der Interaktion im Interview ist und sie dadurch flexibel gestalten kann. Scheuch empfiehlt für die Führung dieser ,,Sonderform der Befragung" einen Interviewleitfaden zu benutzen, um vorwissenschaftliches Wissen zu vertiefen (vgl. Bogner 2005 a, S. 17 f.).

Auch Koolwijk begreift 1974 das Experteninterview als nicht standarisierte Interviewmethode mit dem Auftrag, ein ,,ermittelndes und informatorisches Interview" zu sein, vergleichbar einem journalistischem Interview, das nah an der Alltagskommunikation ist. Experteninterviews bleiben in dieser Blickweise eine Vorstufe zum eigentlichen Forschungsvorhaben, ein Instrument der Exploration und nicht der Theoriengenerierung. Daher ist das Experteninterview über viele Jahre in der Sozialwissenschaft ein eher ,,randständiges Verfahren" geblieben. Erst die Einsicht in die besonderen Qualitäten qualitativer Forschung seit den 70er Jahren in Deutschland und deren Konsolidierung in den 80er Jahren wird die Frage nach dem Nutzen von Experteninterviews nicht mehr gestellt. Diskussionen um das Experteninterview drehen sich heute um die Frage von Ein- und Ausschlusskriterien und wer zu dem Kreis der befragten Experten gehören darf. Als Ausgangs- und Bezugspunkt der aktuellen Diskussion um das Experteninterview gilt der Artikel von Meuser und Nagel aus dem

4

 


Jahre 1991 mit dem Titel: ,,Experteninterviews - vielfach erprobt, wenig bedacht". Es gibt daneben nur wenig weitere Versuche, die Methode des Experteninterviews systematisch zu begründen (vgl. Bogner 2005 a, S. 17 ­ 20).

Das Experteninterview ist durch drei Hauptmerkmale gekennzeichnet:

- die Befragten müssen Experten für einen bestimmten Gegenstandbereich sein

- der Fokus liegt auf dem Wissensschatz des Befragten, es besteht weniger Interesse an der Person und ihrer Biographie

- eine hohe Pragmatik in der Interviewführung mittels Leitfaden und der selektiven Datenauswertung (vgl. Flick 2002, S. 206)

Die Auswertung der Experteninterviews soll gemeinsame Wissensbestände der Experten zu einem bestimmten Themengebiet herausstellen und in theoretische Diskurse einbinden. Sie erfolgt in sechs Schritten:

1.Themenorientierte Transkription

2. Paraphrasierung

3. thematische Übersicht

4. thematischer Vergleich zwischen den Interviews

5. Konzeptualisierung und Begriffsbildung

6. Einbindung in theoretische Diskurse (vgl. Bohnsack et al. 2003, S. 58)

3 Wissenschaftstheoretische und methodologische Grundlagen

Das Experteninterview gehört nach Meuser und Nagel dem genuin qualitativem Paradigma an. Hierüber gibt es jedoch in der Sozialwissenschaft konträre Positionen, die das Experteninterview als zur quantitativen Sozialforschung zugehörig bezeichnen. Der Fokus richtet sich heute jedoch weniger auf die Relevanz der Streitigkeiten zwischen den Wissenstheoretikern, viel mehr geht es um die Anerkennung des Experteninterviews als eigenständige Erhebungsmethode in der qualitativen Sozialforschung. Dies ist in der scientific community keineswegs allgemeingültig anerkannt (vgl. Bogner et al. 2005 b, S. 34 f. u. Bogner et al. 2005 a, S. 19). Nachfolgend wird die methodologische Verortung des Experteninterviews als eigenständige Methode erläutert.

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