Untertitel: E-Fulfillment – das Problem der letzten Meile – Strategien, betriebswirtschaftliche Bewertung und Planungsprobleme
Autor: Dipl.-Kfm. Christoph Bauer
Fach: Wirtschaft - Beschaffung, Produktion, Logistik
Details
Institution/Hochschule: Universität Mannheim (Lehrstuhl für ABWL und Logistik)
Tags: E-Logistik
Jahr: 2004
Seiten: 22
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 31 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 263 KB
ISBN (E-Book): 978-3-640-18478-1
ISBN (Buch): 978-3-640-18493-4
Zusammenfassung / Abstract
Im Rahmen dieser Arbeit sollen Strategien zur Überwindung der sogenannten letzten Meile vorgestellt werden. Zuerst erkläre ich den Begriff des E-Fulfillment und werde das Problem der letzten Meile in das E-Fulfillment einordnen. Danach werde ich das Problem der letzten Meile beschreiben und auf die Ursachen des Problems eingehen. Anschließend werde ich zum Hauptteil der Arbeit übergehen: ich stelle einige ausgewählte Strategien zur Überbrückung der letzten Meile vor und werde diese auch bewerten. Die vorgestellten Systeme sind bereits entwickelte und funktionierende Praxisbeispiele von allgemeinen Strategien, die sich zum Teil noch in ihrer Pilot- oder Testphase befinden. Neben den neuen Strategien werde ich auch die bisherigen Strategien, den Ist-Zustand, beschreiben. Abschließend werde ich noch einmal kurz alle Lösungsansätze mit ihren Vor- und Nachteilen sowie Planungsprobleme nennen und eine persönliche Einschätzung geben.
Textauszug (computergeneriert)
E-Logistik
E-Fulfillment das Problem der letzten Meile Strategien,
betriebswirtschaftliche Bewertung und Planungsprobleme
vorgelegt am
Lehrstuhl für ABWL und Logistik
Betreuer:
Universität Mannheim
Sommersemester 2004
von
cand. rer. oec. Christoph Bauer
Mannheim, im Juni 2004
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Begriffe und Problembeschreibung
1
3. Das Problem der letzten Meile ein neues Problem oder nur akut geworden?
3
4. Strategien und betriebswirtschaftliche Wertung
4
4.1. Synchrone Zustellsysteme / Bringsysteme
4
4.1.1. Hauszustellung 4
4.1.1.1.
Beschreibung 4
4.1.1.2.
Kosten 5
4.2. Asynchrone Zustellsysteme / Übergabeterminals
5
4.2.1. Abholung Postfiliale / Paketshop / Depot
6
4.2.1.1.
Beschreibung 6
4.2.1.2.
Kosten 7
4.2.2. DHL Packstation
8
4.2.2.1.
Beschreibung 8
4.2.2.2.
Kosten 10
4.2.3. Tower24 10
4.2.3.1.
Beschreibung 10
4.2.3.2.
Kosten
12
4.2.4. PickPoint AG
12
4.2.4.1.
Beschreibung und Kosten
13
5. Fazit der Lösungsproblematik
14
6. Literaturverzeichnis 17
I
1. Einleitung
Im Rahmen dieser Arbeit sollen Strategien zur Überwindung der sogenannten letzten Meile
vorgestellt werden. Zuerst erkläre ich den Begriff des E-Fulfillment und werde das Problem
der letzten Meile in das E-Fulfillment einordnen. Danach werde ich das Problem der letzten
Meile beschreiben und auf die Ursachen des Problems eingehen. Anschließend werde ich zum
Hauptteil der Arbeit übergehen: ich stelle einige ausgewählte Strategien zur Überbrückung
der letzten Meile vor und werde diese auch bewerten. Die vorgestellten Systeme sind bereits
entwickelte und funktionierende Praxisbeispiele von allgemeinen Strategien, die sich zum
Teil noch in ihrer Pilot- oder Testphase befinden. Neben den neuen Strategien werde ich auch
die bisherigen Strategien, den Ist-Zustand, beschreiben. Abschließend werde ich noch einmal
kurz alle Lösungsansätze mit ihren Vor- und Nachteilen sowie Planungsprobleme nennen und
eine persönliche Einschätzung geben.
2. Begriffe und Problembeschreibung
Was bedeutet E-Fulfillment? ,,Unter E-Fulfillment versteht man den gesamten Prozess der
Auftragsabwicklung, u. a. die Lagerung und Kommissionierung, die Auslieferung an den
Kunden, den Zahlungsverkehr, die Reklamationsbearbeitung, den Betrieb eines Call-Centers
etc."1, kurzum, den stark auf die operative Ebene beschränkten Zusammenhang zwischen
Logistik und E-Commerce.2
Ursprünglich stammt der Begriff der ,,letzten Meile" aus der Telekommunikationsbranche.
Dort beschreibt die letzte Meile die Strecke vom lokalen Verteilerkasten des Telekom-Unter-
nehmens bis zum Hausanschluss des Nutzers.3 In die Logistik übertragen beschreibt die letzte
Meile den Weg einer Sendung vom Depot oder Frachtzentrum eines Transportdienstleisters
zum Empfänger der Sendung. Das Problem der letzten Meile ist also dem Bereich ,,Ausliefe-
rung an den Kunden" einzuordnen.
Das Problem der letzten Meile hat seine Ursache in der häufigen Abwesenheit der Empfänger
beim Zustellversuch. Somit ist das Problem der letzten Meile vor allem ein Problem des
Business-to-Consumer (B2C) und Consumerto-Consumer (C2C) Bereichs. Das Problem der
1 Weyer, J. (2000)
2 Weber, J., Schmitt, A., Engelbrecht, C., Knobloch, U., Wallenburg, C. M. (2002), S. 57
3 Tsakiridou, E. (2003)
1
Abwesenheit des Empfängers stellt sich bei Geschäftskunden, also im Business-to-Business
(B2B) Bereich nicht. Dort gibt es in der Regel, je nach Größe des Unternehmens, einen
Wareneingang mit fixen Öffnungszeiten oder eine Poststelle. Selbst bei kleinen
Einzelhändlern ist in der Regel immer jemand anwesend, der Sendungen zu den normalen
Zustellzeiten (08:00 - 17:00 Uhr) in Empfang nehmen kann. Genau hier liegt das Problem im
x2C Bereich: Konsumenten sind während der Zustellzeiten selbst berufstätig und können ihre
Pakete zu Hause nicht in Empfang nehmen.
Etwa 80 bis 90 Prozent aller online bestellten Waren werden von Kurier-, Express- und Paket-
dienstleistern (KEP) ausgeliefert.4 Deshalb ist das Problem der letzten Meile vor allem auch
ein Problem der KEP-Dienstleister, da durch die Abwesenheit des Empfängers mehrere
Zustellversuche nötig sind und im ungünstigsten Fall das Paket zur Retoure wird. Nach Be-
rechnungen einer Studie der TransCare-Unternehmensberatung im Auftrag des deutschen
Verkehrsforums kostet jeder erfolglose Zustellversuch mindestens 2,50 EUR. Insgesamt
kommt die Studie zum Schluss, dass 50 bis 75 Prozent der Transport- und Logistikkosten bei
Paketlieferungen im B2C-Bereich auf die letzte Meile entfallen.5 Aus diesen Daten wird
ersichtlich, welches Einspar- bzw. Kostensenkungspotential möglich wäre, wenn die KEP-
Dienstleister das Problem der letzten Meile in den Griff bekämen. Vorgelagerte Teile der
Wertschöpfungskette - Vorlauf (Abholung der Pakete bei den Versendern) und Hauptlauf
(Transport der Sendungen zwischen den Frachtzentren, Hubs und Depots) - sind bereits voll
durchrationalisiert und bieten kaum noch nennenswerte Ansatzpunkte zur Optimierung.6 Die
letzte Meile ist somit auch gleichzeitig das letzte Glied bei dem eine Optimierung noch wirk-
lich Vorteile bringt.
Es gibt mittlerweile einige Strategien, sogenannte asynchrone Zustellsysteme, die alle die
Selbstabholung durch die Besteller gemein haben. Nur verzeichnen die neuen und innovativen
darunter noch keinen besonders hohen Bekanntheitsgrad.7 Durch die Bündelung mehrerer
Zustellpunkte zu einem Sammelpunkt, was das Ziel dieser Strategien ist, kann neben höheren
Drop-Faktoren auch eine garantierte Ablieferung, also die Eliminierung des Risikos der Ab-
wesenheit des Empfängers erzielt werden. Der Drop-Faktor gibt an, wie viele Pakete ein
Zusteller pro Zustellpunkt abliefert. Im Privatkundenbereich liegt der Drop-Faktor bei 1,1.
4 Reindl, M., Oberniedermaier, G. (2002), S. 46
5 Hassa, E., Kranke, A. (2004)
6 Deutsches Verkehrsforum (2004)
7 Deutsches Verkehrsforum (2004)
2
Ein Zusteller liefert im Durchschnitt 1,1 Sendungen pro Kunde ab. Mit der ,,Sammelpunkt-
strategie" könnte der Drop-Faktor auf bis zu 100 angehoben werden ein immenses Einspar-
potential. Vor allem dann, wenn man bedenkt, dass pro Fahrzeug und Tour ca. 150 Pakete
gefahren werden.8
3. Das Problem der letzten Meile ein neues Problem oder nur akut
geworden?
Das Problem der letzten Meile ist kein neues Problem. Den Versandhandel und das
Versenden von Privat an Privat gibt es schon seit Jahrzehnten. Unternehmen wie Otto, Quelle
und Neckermann sind schon sehr lange am Markt und kennen das Problem. Stellt sich die
Frage, wieso ist das Problem der letzten Meile seit geraumer Zeit in aller Munde und wieso
wird gerade jetzt fieberhaft nach Lösungsstrategien gesucht? Das liegt an der Entwicklung
und stetigem Wachstum des E-Commerce. Durch die ständig steigende Durchdringung des
Internet wurde das Paketvolumen sowohl im B2C als auch im C2C Bereich erhöht. In Zu-
kunft ist mit weiteren Steigerungen zu rechnen:
- Nach einer vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Studie der
Unternehmensberatung KE-Consult in Zusammenarbeit mit der Stadt Köln, auch bekannt
als B2C-VERRA Studie, sind 70 Prozent der Bevölkerung (über 14 Jahre) des Ballungs-
raum Köln im Jahr 2003 online. ,,Davon haben etwa zwei Drittel bereits im Internet
Waren bestellt. Im Durchschnitt bestellt jeder Internetkunde 7 Produkte pro Jahr.
Insgesamt wurden in 2003 4,5 Mio. Internetbestellungen getätigt." Der B2C Handel soll
bis 2006 um 73 Prozent auf 7,8 Millionen Käufe ansteigen. Dies wird durch Substitution
des klassischen Versandhandels und ,,Neukundengewinnung" für den Internethandel er-
klärt. Außerdem soll die Zahl der durchschnittlich getätigten Käufe pro Jahr ansteigen.9
- Die DHL schätzt, dass im Jahr 2003 alleine durch den Erfolg der Auktionsplattform eBay
das Sendungsvolumen der DHL im B2C und C2C Bereich um über 30 Millionen Pakete
anwuchs.10 Dies entspricht ca. 5 Prozent des Paketvolumens aller KEP-Dienstleister im
Jahr 2001 in diesen Bereichen.
- Das DPWN Vorstandsmitglied Dr. Peter E. Kruse erwartet durch die Änderungen bei der
Gesundheitsreform im Apothekensektor, dass etwa 8 Prozent der ca. 783 Millionen
Rezepte pro Jahr an Versandapotheken fallen könnten. Dadurch würde es zu einem
8 ten Hompel, M., Grün, O. (2002) Seiten D3-4-8, 14, 19
9 KE-Consult Kurte & Esser GbR (2004), Seite 1
10 Deutsche Post World Net AG (2004 a)
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