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Erziehungsmittel in der Erziehung

Scholary Paper (Seminar), 2008, 17 Pages
Author: Ronnie Berzins
Subject: Pedagogy: Common Didactics, Educational Objectives

Details

Event: Pädagogik Seminar 2
Institute: Theologisches Seminar Adelshofen
Tags: Erziehungsmittel, Erziehung, Pädagogik, Seminar
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2008
Pages: 17
Grade: 1,75
Bibliography: ~ 19  Entries
Language: German
Archive No.: V116765
ISBN (E-book): 978-3-640-19066-9
ISBN (Book): 978-3-640-26243-4
File size: 149 KB

Abstract

Kleine und größere Kinder werden ihre Wege einmal alleine gehen müssen, dies kann ihnen niemand abnehmen. Aber wie das Kind seinen Weg später alleine gehen wird, daran sind die Erzieher maßgeblich beteiligt. Die Aufgabe des Erziehers ist es, dem Kind oder Jugendlichen zu helfen, mit seinen Trieben, Anlagen und der Umwelt fertig zu werden. Um dieses Ziel zu erreichen, sind bestimmte Erziehungsmittel notwendig. Diese werde ich im ersten Teil ausführlich darstellen, im zweiten Teil werde ich der Frage nach dem Einsatz und Umgang von Erziehungsmitteln nachgehen. Im dritten Teil behandle ich den Zusammenhang zwischen Erziehungsmitteln und Lebensstil und am Ende gebe ich noch ein kurzes Resümee. Die Übertragung auf die Gemeinde werde ich in die Ausarbeitung integrieren und nicht erst am Ende aufführen. Das Thema dieser Ausarbeitung lautet „Erziehungsmittel in der Erziehung“. Bevor wir aber über Erziehungsmittel sprechen, muss geklärt werden, was Erziehungsmittel überhaupt sind und wie sie angewendet werden sollen. Erziehungsmittel sind Maßnahmen und Situationen, mit deren Hilfe Erzieher versuchen, auf die Heranwachsenden einzuwirken. Durch dieses Einwirken sollen die Einstellung oder die Motive des Heranwachsenden gebildet, gefestigt oder verändert werden. Erziehungsmittel können unter anderem Lob, Tadel, Erinnerung und Ermahnung oder die Strafe sein. Auch Situationen des Spiels, des Wetteiferns, der Arbeit, der Gewöhnung und des Gesprächs, sowie die Vorbildfunktion eines Anderen, gehören zu den Erziehungsmitteln. Dies ist natürlich nur eine grundlegende Definition, die jeder Pädagoge oder Erzieher für sich selbst ausweiten und füllen muss. Und genau darin besteht auch das Problem. Das gleiche Erziehungsmittel kann in verschiedenen Situationen oder durch verschiedene Personen angewendet eine völlig andere Auswirkung haben . Deshalb versucht man, die verschiedenen Erziehungsmittel einzuteilen.


Fulltext (computer-generated)

Erziehungsmittel in der Erziehung


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

3

1. Die Bedeutung der Erziehungsmittel

3

1.1 Was sind Erziehungsmittel?

3

1.2 Einteilung der Erziehungsmittel

3

1.2.1 Evolutionshilfen

3

1.2.2 Progressionshilfen

4

1.2.3 Gegenwirkende Maßnahmen

4

1.2.4 Transformationsmaßnahmen

4

1.2.5 Direkte Erziehungsmittel

4

1.2.6 Indirekte Methode

4

1.2.7 Praktische Auswertung

4

2 Wie können Erziehungsmittel eingesetzt werden?

5

2.1 Grundvoraussetzungen für Erziehungsmittel

5

2.2 Die Erziehungsmittel

6

2.2.1 Lob und Belohnung

6

2.2.2 Ermutigung

6

2.2.3 Tadel

7

2.2.4 Strafe

7

2.2.5 Aufgabe und Arbeit

8

2.2.6 Wettbewerb und Leistungsmessung

9

2.2.7 Das Spiel

9

2.3 Der richtige Einsatz von Erziehungsmitteln

9

2.3.1 Einsatz von Erziehungsmitteln im Al gemeinen

9

2.3.2 Ermutigung

10

2.3.3 Aufgabe

11

3. Zusammenhang zwischen Erziehungsmittel und Lebensstil

12

3.1 Hat der Lebensstil Auswirkungen auf das Erziehungsmittel?

12

3.2 Wie kann der Lebensstil die Wahl und Wirkung des Erziehungsmittels beeinflussen? 13

3.2.1 Der Lebensstil des Erziehers

13

3.2.2 Hat das Wesen oder Lebensziel des Heranwachsenden Auswirkungen auf das

Erziehungsmittel?

14

3.3 Die Autorität des Erziehers

14

4. Anwendung in der Gemeinde

15

Literaturverzeichnis

16


Einleitung

Kleine und größere Kinder werden ihre Wege einmal al eine gehen müssen, dies kann ihnen

niemand abnehmen. Aber

wie

das Kind seinen Weg später al eine gehen wird, daran sind die

Erzieher1 maßgeblich beteiligt. Die Aufgabe des Erziehers ist es, dem Kind oder Jugendlichen

zu helfen, mit seinen Trieben, Anlagen und der Umwelt fertig zu werden2.

Um dieses Ziel zu erreichen, sind bestimmte Erziehungsmittel notwendig. Diese werde ich im

ersten Teil ausführlich darstel en, im zweiten Teil werde ich der Frage nach dem Einsatz und

Umgang von Erziehungsmitteln nachgehen. Im dritten Teil behandle ich den Zusammenhang

zwischen Erziehungsmitteln und Lebensstil und am Ende gebe ich noch ein kurzes Resümee.

Die Übertragung auf die Gemeinde werde ich in die Ausarbeitung integrieren und nicht erst

am Ende aufführen.

1. Die Bedeutung der Erziehungsmittel

Das Thema dieser Ausarbeitung lautet ,,

Erziehungsmittel in der Erziehung

". Bevor wir aber

über Erziehungsmittel sprechen, muss geklärt werden, was Erziehungsmittel überhaupt sind

und wie sie angewendet werden sol en.

1.1 Was sind Erziehungsmittel?

Erziehungsmittel sind Maßnahmen und Situationen, mit deren Hilfe Erzieher versuchen, auf

die Heranwachsenden einzuwirken. Durch dieses Einwirken sol en die Einstel ung oder die

Motive des Heranwachsenden gebildet, gefestigt oder verändert werden. Erziehungsmittel

können unter anderem Lob, Tadel, Erinnerung und Ermahnung oder die Strafe sein. Auch

Situationen des Spiels, des Wetteiferns, der Arbeit, der Gewöhnung und des Gesprächs,

sowie die Vorbildfunktion eines Anderen, gehören zu den Erziehungsmitteln3. Dies ist

natürlich nur eine grundlegende Definition, die jeder Pädagoge oder Erzieher für sich selbst

ausweiten und fül en muss. Und genau darin besteht auch das Problem. Das gleiche

Erziehungsmittel kann in verschiedenen Situationen oder durch verschiedene Personen

angewendet eine völ ig andere Auswirkung haben4. Deshalb versucht man, die verschiedenen

Erziehungsmittel einzuteilen5.

1.2 Einteilung der Erziehungsmittel

Es wird versucht, verschiedenen Phasen oder Situationen wie Gewöhnung, Belehrung oder

Inspiration,

einzelne

Erziehungsmittel

zuzuordnen.

Außerdem

wird

zwischen

Entscheidungshilfen, Erweiterungshilfen oder Hilfen zur Anpassung an eine Situation

unterschieden. Das Problem an diesen Einteilungsversuchen, vor al em der Einteilung von

bestimmten Mitteln zu bestimmten Situationen oder Intensionen, gestaltet sich aber als

äußerst schwierig. Ein erster Versuch ist eine Vierteilung in Evolutionshilfen,

Progressionshilfen, gegenwirkende Maßnahmen und Transformationsmaßnahmen. Diese

Vierteilung möchte ich kurz erläutern.

1.2.1 Evolutionshilfen

Es wird versucht, durch sichernde, unterstützende und fortlenkende Einwirkung auf den

Leistungs- und Reifestand im Psychischen und Physischen auf das Kind einzuwirken6. Durch

dieses Einwirken wird versucht, eine Änderung der Entwicklung (Evolution) des Kindes

herbeizuführen. Der Gedanke dabei ist, dass die menschliche Entwicklung immer das Produkt

1 Immer wenn ich in der Ausarbeitung vom Erzieher im Allgemeinen rede, sind damit die Eltern, Verwandte und

Freunde genauso gemeint, wie der Lehrer in der Schule oder der Jugendkreisleiter.

2 W. Jentsch/ H. Hartmut, Evangelischer Erwachsenen Katechismus, Kursbuch des Glaubens, Gütersloh 11975, 612.

3 Vgl. E. E. Geißler, Erziehungsmittel, Bad Heilbrunn 61982, 22.

4 Vgl. ebd. 33

5 Die Frage, ob in der Erziehung überhaupt von Erziehungsmitteln gesprochen werden darf, kann in dieser

Ausarbeitung nicht behandelt werden. Hier verweise ich auf weiterführende Literatur. Z.B. Geisler, a.a.O.. oder W.

Brezinka, Erziehungsziele, Erziehungsmittel, Erziehungserfolg, München/ Basel 1981, 107-137.

6 Vgl. Geißler, a.a.O., 24-25.


eines Reifeprozesses und Lernvorgängen ist. Somit muss auf diesen Reife- und Lernprozess

(Entwicklung) Einfluss genommen werden.

1.2.2 Progressionshilfen

Hier kommt es nicht so sehr auf die Entwicklung an, sondern auf einen zunehmenden

Wissensstand. Bei diesen Erziehungsmitteln werden also mehr die Bildung und die Kultur des

Kindes angesprochen. Als Progressionshilfen könnte man also al es bezeichnen, was formal

und inhaltlich zum Wissenserwerb (Kultur und Bildung) beiträgt. Es geht aber nicht nur um das

bloße Wissen von Wertverhältnissen oder politischen und moralischen Normen, sondern auch

darum, diese später zu leben und zu repräsentieren7.

1.2.3 Gegenwirkende Maßnahmen

Man hört schon im Namen, dass es nun nicht mehr um Hilfen für das Kind geht, sondern um

konkrete Maßnahmen, die dann direkt auf das Kind einwirken. Die beiden oben genannten

,,Hilfen" zielen darauf ab, das Kind in seiner Entwicklung voran zu bringen. Maßnahmen

dagegen sol en einer falschen oder negativen Entwicklung des Kindes entgegenwirken und

diese ,,falsche" Entwicklung stoppen oder korrigieren. Die gegenwirkenden Maßnahmen

basieren auf zwei verschiedenen Model en. Die Gegenwirkung sol entweder durch Furcht und

Leiden erzielt werden oder durch die ,,natürliche Strafe" geschehen8.

1.2.4 Transformationsmaßnahmen

Versucht man, mit den gegenwirkenden Maßnahmen langfristig eine Veränderung beim Kind

zu erreichen, stößt man wahrscheinlich schnel an seine Grenzen. Denn mit einer bloßen

Gegenwirkung ist es meist nicht getan. Es sol nicht versucht werden, das Kind zu

,,verwandeln" oder zu ,,verändern", sondern die Motivation und die Motive des Kindes sol en

sich ändern. Wenn diese Veränderung dann eintritt, ist es eine lang anhaltende Veränderung9.

Dies ist immer noch ein sehr einfacher Versuch, Erziehungsmittel zu strukturieren. In der

pädagogischen Literatur werden diese Versuche immer noch genauer aufgeschlüsselt. Der

richtige Weg wäre aber, sie zu vernetzten und nicht klar abzutrennen. Nun kommt aber keine

Wissenschaft ohne eine Struktur aus. Neben dieser Vierteilung gibt es noch den Versuch

einer Zweiteilung. Dieser Versuch kommt nicht von einer Intension her, sondern von der

Frage, ,,wie wirkt sich ein Erziehungsmittel in einer bestimmten Situation aus?" Diese

Unterscheidung besteht dann nur aus den direkten und den indirekten Erziehungsmitteln10.

1.2.5 Direkte Erziehungsmittel11

Der Erzieher wirkt meistens direkt auf das Kind ein, zum Beispiel durch Lob oder Tadel, durch

Strafe oder Führung. Das Umfeld hat dabei nur eine begrenzte Einwirkung auf das Kind. Das

Entscheidende ist, dass der Impuls al eine vom Erzieher zum Kind geht.

1.2.6 Indirekte Methode12

Der Erzieher wirkt nicht direkt auf das Kind durch Lob, Tadel oder ähnliches ein, sondern

schafft Situationen oder nutzt vorhandene Situationen aus, um auf das Kind einzuwirken. Dies

geschieht zum Beispiel beim Arbeiten, Spielen oder Wetteifern.

Nun könnte man fragen, warum diese Model e wichtig sind und ob diese theoretischen

Model e denn für uns von Nutzen sein können. Ich wol te in diesem ersten Abschnitt vor al em

einmal die Grundlagen klären, die zum weiteren Verständnis der Ausarbeitung wichtig sind.

Aber al eine diese Model e können schon einen praktischen Nutzen für uns haben. Diesen

möchte ich im nächsten Punkt kurz behandeln.

1.2.7 Praktische Auswertung

Oft sind in Gemeinden und Kirchen, sei es in der Jungschar, in der Kinderkirche oder auch in

Erwachsenenkreisen, nur die gegenwirkenden Maßnahmen bekannt oder kommen sehr stark

zum Ausdruck. Es ist ja auch oft die einfachste Methode, eine Gruppe oder einen Kreis in den

Griff zu bekommen. Es wird versucht, auf vorhandene Störungen oder Fehlentwicklungen

7 Vgl. ebd., 24-25

8 Vgl. ebd., 24-25

9 Vgl. ebd., 25-26

10 Vgl. ebd., 31-33

11 Vgl. ebd., 32-33

12 Vgl. ebd., 32-33


einfach direkt zu reagieren und entgegen zu wirken. Die natürlichen Strafen sind hierfür auch

gut geeignet, aber ich denke, das Kernproblem wird dadurch nicht angegangen und eine

grundlegende und längerfristige Änderung des Verhaltens oder der Einstel ung tritt nicht ein.

Wenn ich immer nur auf Situationen reagiere, dann werde ich nur schwer etwas ändern

können. Der praktische Nutzen für eine Gemeinde oder Kirche wäre, diese Modelle näher zu

erläutern, zu zeigen, dass es direkte und indirekte Maßnahmen gibt, dass die Erzieher

versuchen sol en, nicht nur direkt auf die Kinder einzuwirken, sondern auch Situationen

schaffen sol en wie das Spiel oder ähnliches. Natürlich möchte ich nicht sagen, dass es diese

Ansätze in Gemeinden und Kirchen nicht gibt, aber die Erwähnung sol die Wichtigkeit

ausdrücken und dazu ermutigen, auch indirekte Erziehungsmittel anzuwenden.

Das wäre dann auch die nächste Frage, wie ich Erziehungsmittel überhaupt einsetzten und

anwenden kann ­ gefolgt von der Frage, was die einzelnen Erziehungsmittel überhaupt sind.

2 Wie können Erziehungsmittel eingesetzt werden?

Ein Erziehungsmittel wirkt nie genau gleich und hat daher auch nicht immer den gewünschten

Erfolg. Deshalb möchte ich zuerst etwas Grundlegendes über die Wirkungsweise von

Erziehungsmitteln schreiben, um dann in den nächsten Punkten die einzelnen

Erziehungsmittel näher zu betrachten.

2.1 Grundvoraussetzungen für Erziehungsmittel

Als Grundvoraussetzung nennt Ross Campbel einen emotional gefül ten Liebestank13. Man

könnte sogar sagen, ein gefül ter emotionaler Liebestank ist die Grundbedingung dafür, dass

ein Erziehungsmittel die richtige Wirkung auf das Kind hat. Diese doch sehr abstrakten

Begriffe fül t Campbel durch ein Beispiel14. Seine 16-jährige Tochter war einige Tage auf

einem Zeltlager und sein 17-jähriger Sohn übernahm daheim sehr viel mehr Verantwortung

als üblich. Dann kam die Schwester wieder nach Hause und sein Sohn wurde auf einmal

weinerlich, unzufrieden und reizbar, was er normalerweise nicht war. Natürlich hätte Campbel

seinen Sohn zurechtweisen oder ihm Hausarrest geben können. Doch das Erziehungsmittel

des Tadels wäre hier falsch gewesen, warum? Sein Sohn stel t ihm die Frage: ,,Liebt ihr mich

auch wenn meine Schwester wieder da ist und ich nicht mehr so viel tun kann?" Hätte

Campbel hier mit einem Tadel reagiert, hätte das sein Sohn als ,,du liebst mich nicht mehr"

aufgefasst. Ein emotional gefül ter Liebestank ist also die von den Eltern mit Ja beantwortete

Frage ,,Liebst du mich?". Erst wenn das Kind weiß, dass es geliebt wird, dann erzielt ein

Erziehungsmittel die richtige Wirkung. Bei den meisten Eltern liegt das Problem nicht daran,

dass sie ihre Kinder nicht lieben, sondern daran, dass sie diese Liebe nicht zeigen15. Wenn

dieser Tank nicht gefül t ist, weil die Liebe nicht gezeigt wird, dann kommt es nicht zum

Schuldverständnis und zur Reue des Kindes, sondern zu Gegenreaktionen wie Trotz oder

Wut16. Dies sol ten wir auch immer in der Gemeindearbeit bedenken. Wissen die Kinder und

Jugendlichen wenn ich Tadel ausspreche, dass ich sie liebe? Oder sie zumindest gerne habe

und der Tadel nicht gegen sie persönlich gerichtet ist, sondern gegen ihre Tat?

Ist die Frage nach dem gefül ten Tank beantwortet, gibt es noch eine zweite Frage, die die

Auswirkung eines Erziehungsmittels stark beeinflusst. Die Frage, wie es dem Kind oder

Jugendlichen physisch und psychisch geht. Ist das Kind hungrig, müde, krank oder hat es

Streit mit anderen? Dies gilt vor al em bei kleineren Kindern. Aber auch bei größeren Kindern

und Jugendlichen kann die Beantwortung dieser Frage schon sehr viel klären17. Natürlich sind

dies al es immer nur Teilaspekte, die auf ein größeres Ganzes hinweisen, aber erst wenn die

Fragen nach dem Zustand des Kindes und dem gefül ten Liebestank beantwortet sind, kann

man über die Wirkungsweise von Erziehungsmitteln nachdenken. Ich denke, diese zwei

Fragen müssen von den Eltern nicht stundenlang erarbeitet werden, denn sie kennen ihre

Kinder. Aber Erzieher im Sinn von Gemeindemitarbeiter in Jungschar oder Teenykreis

müssen sich mit dieser Frage manchmal genauer beschäftigen. Grundsätzlich gilt aber immer:

13 Vgl. R. Campbell, Kinder sind wie Spiegel, Marburg an der Lahn, 121999, 80

14 Vgl. ebd., 80

15 Vgl. ebd., 48

16 Vgl. ebd., 79-87

17 Vgl. ebd., 83


Erziehungsmittel sol en so eingesetzt werden, dass sie das Selbstwertgefühl des Kindes oder

des Jugendlichen erhöhen, anstatt das Kind zu erniedrigen oder sein Selbstverständnis zu

verletzen.

Doch bevor ich über den konkreten Einsatz von Erziehungsmitteln schreibe ist es wichtig, die

Erziehungsmittel zu kennen, deshalb werde ich diese kurz darstel en.

2.2 Die Erziehungsmittel

In der Einleitung habe ich geschrieben: ,,Erziehungsmittel sind Maßnahmen und Situationen,

mit deren Hilfe Erzieher versuchen, auf die Heranwachsenden einzuwirken". Diese

Maßnahmen und Situationen stel e ich nun kurz dar.

2.2.1 Lob und Belohnung

Lob und Belohnung sind einige der wenigen positiven Erziehungsmittel, die dem Kind das

Selbstwertgefühl und das Selbstverständnis verstärken und unterstützen. Lob und Belohnung

bewirken also, dass sich das Kind in seinem Verhalten bestätigt sieht und dieses Verhalten

dann auch öfters zeigen wird. Durch Lob und Belohnung werden also das Selbstbewusstsein

und die innere Motivation des Kindes gestärkt18. Al erdings muss der Erzieher beim Lob und

beim Belohnen seine Motive hinterfragen. Versucht der Erzieher Lob und Belohnung für seine

Zwecke zu missbrauchen, dann hat Lob und Belohnung nicht den gewünschten

erzieherischen Effekt der Stärkung und Förderung des Selbstbewusstseins. Beim Lob und der

Belohnung sol te also immer darauf geachtet werden, dass das Kind nicht die falsche

Motivation vermittelt bekommt. Lob kann bei einem trotzigen oder zornigen Kind zudem eine

,,aufschließende" Wirkung haben und nicht zuletzt schaffen Lob und Belohnung eine gute

Atmosphäre zwischen Erzieher und Kind19. Dabei ist zu beachten, nicht den Charakter des

Kindes zu loben mit Ausdrücken wie ,,Du bist ein Genie", sondern die Tat gelobt oder belohnt

wird mit ,,Das hast du gut gemacht" oder ähnlichem. Aus solchem Lob oder solcher Belohnung

kann das Kind für sich seine eigenen Schlüsse ziehen. Wird der Charakter des Kindes gelobt

und an anderer Stel e getadelt mit Kommentaren wie ,,Du bist zu nichts nütze", besteht die

Gefahr, dass das Kind diesen Spagat zwischen Lob und Tadel seines Charakters nicht

schafft20.

Über das Lob könnte man noch viel schreiben. Ich denke, wichtig ist, dass Lob und

Belohnung eines der wichtigsten und positivsten Erziehungsmittel sind. Al erdings sol te

dieses Erziehungsmittel auch verantwortlich eingesetzt werden, so dass das Kind oder der

Jugendliche dadurch gestärkt wird und nicht zu einer Marionette des Lobes und der

Belohnung wird.

2.2.2 Ermutigung

Die Ermutigung wol te ich nicht zusammen mit Lob und Belohnung behandeln, denn die

Ermutigung kann auch bei falschem Verhalten oder Fehlern ausgedrückt werden. Hier könnte

man Lob und Belohung nicht einsetzen21. Die Ermutigung wirkt zum einen natürlich

ermutigend, dann aber auch bestätigend auf das Kind. Der Heranwachsende nimmt durch

Ermutigung neue oder schwierige Aufgaben an, denn die Ermutigung fördert und bestärkt sein

Selbstvertrauen. Natürlich ist die Ermutigung oft ein langer und schwieriger Weg, den man als

Erzieher mit dem Kind und Jugendlichen geht, im Gegensatz zum Ausüben von Druck oder

falschem Lob und Belohnung, die ­ zumindest kurzfristig ­ viel schneller zum Ziel führen.

Doch ist der Weg der Ermutigung der richtige, denn nur er führt ein Kind in die

Selbstständigkeit und schafft es, die Eigenmotivation des Kindes zu stärken22. Auf die

Ermutigung möchte ich später noch einmal genauer eingehen, denn ich denke, die

Ermutigung ist genau das, was Kinder und vor al em Jugendliche heute brauchen, wo der Ruf

nach Disziplin und eigener Motivation wieder so laut wird23. Die Frage ist ja, wie ich heute in

18 Vgl. B. Brokate/ B. Block, Schwarze Pädagogik, München 2007, 10-11

19 Vgl. Geißler, a.a.O., 110 und 113

20 Vgl. R. Ruth, Elternbuch, Wuppertal 1986, 55

21 Vgl. Geißler. a.a.O., 108

22 Vgl. R. Ruthe, Die Kunst zu ermutigen, Moers 92007, 15-17

23 Vgl. Ein Bericht über die heutige Disziplindebatte im Spiegel. http://www.spiegel.de/spiegel/inhalt/0,1518,436592,00.html,

Datum des Zugriffes: 10, September, 2008


der Gemeinde und Familie durch Ermutigung auf meine Kinder und Jugendlichen positiv auf

die Erziehung einwirken kann. Doch zuerst möchte ich noch grundlegend bleiben.

2.2.3 Tadel

Der Tadel sol einem schlechten oder fehlenden Verhalten entgegen wirken. Das Kind lernt

die Unterscheidung zwischen Richtig und Falsch, wenn es gelobt und getadelt wird. Jedoch

ist es mit einem Tadel oft nicht getan. Es reicht nicht aus, einfach nur einen Fehler oder ein

Fehlverhalten festzustel en, sondern es müssen auch Hilfen zum Überwinden des Fehlers

oder des Fehlverhaltens geschaffen werden24. Wird das Kind durch einen Tadel lediglich

beschämt oder erniedrigt und bekommt keine Lösung angeboten, hat der Tadel wenig Sinn für

das Kind. Es wird den Fehler viel eicht nicht noch einmal machen, aber nicht aus Wissen und

verstanden haben, sondern aus Furcht vor dem Tadel. Der Tadel ist also durchaus eine

positive Form der Erziehungsmittel, denn das Kind lernt Richtig und Falsch zu unterscheiden

und kann bei richtigem Einsatz des Tadels lernen, besser zu handeln. Dies sol te vor allem in

der Kinderarbeit und Jungschararbeit bedacht werden. Wer tadelt sol te dem Kind helfen, sich

zu ändern und nicht nur ein Fehlverhalten feststel en. Natürlich wissen gerade Kinder oft

genau, was sie falsch gemacht haben, und gerade in solchen Situationen sol te dem Kind

geholfen werden.

2.2.4 Strafe

Auf die Strafe werde ich später nicht genauer eingehen, deshalb werde ich die Strafe hier

etwas ausführlicher behandeln. Durch die Strafe sol beim Kind unerwünschtes Verhalten

verhindert, verringert oder vermieden werden, doch Strafe ist nicht gleich Strafe. Ich möchte

zwei Meinungen gegenüberstel en. Larry Christenson schreibt in seinem Buch Die christliche

Familie: ,,

Die meisten Eltern machen den Fehler, Schläge als letzte Zuflucht zu benutzen.
Wenn Vernunft, Bitte, Schmeicheleien, Spott und Drohung fehlschlagen, geben zornige und
verzweifelte Eltern zuletzt auf und schlagen ihr Kind. Gott meint nicht, dass Schläge die letzte
Verteidigung der kämpfenden Eltern sind. Sie sind das erste Mittel der Eltern, um in
Gehorsam gegen Gott Ungehorsam des Kindes in Ordnung zu bringen

"25. Dies belegt

Christenson auch mit einigen Bibelstel en wie dieser aus Sprüche 29,15 ,,

Rute und Tadel gibt
Weisheit; aber ein Knabe, sich selbst überlassen, macht seiner Mutter Schande

" oder aus

Hebräer 10, 31 ,,

Schrecklich ist′s, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen"

und Hebräer

12, 11

,,Jede Züchtigung aber, wenn sie da ist, scheint uns nicht Freude, sondern Leid zu
sein; danach aber bringt sie als Frucht denen, die dadurch geübt sind, Frieden und
Gerechtigkeit.

". Christenson überträgt diese Stel en eins zu eins auf den leiblichen Vater der

Kinder. Natürlich betont Christenson immer auch die Liebe, die im Vordergrund stehen muss.

Dagegen schreibt Campbel ganz anders von Strafe:

,,Es ist nie einfach, eine geeignete Strafe
zu finden. Die Strafe muss dem Vergehen entsprechen. Ein Kind hat ein sehr sicheres Gefühl
für Fairness und Konsequenz, es merkt wenn Eltern zu heftig reagieren (...) Körperliche
Züchtigung ist manchmal bei einer ausgesprochen trotzigen Haltung nötig, aber sie ist erst
das allerletzte Mittel"26.

Unterschiedlicher könnten die Meinungen wohl kaum sein. Doch beide Autoren sprechen

bestimmt aus Erfahrung und begründen daher auch ihre Theorie sehr gut. Es geht also um

den Einsatz der Strafe als Erziehungsmittel. Im gemeindlichen und schulischen Kontext muss

man das Erziehungsmittel in Form von Schlagen wohl kaum thematisieren, da hier der

Gesetzgeber bereits eine klare Grundlage geschaffen hat, die dies verbietet27. Ein

grundlegendes Probleme für mich ist, dass die Strafe oft sofort mit Schlagen gleich gestel t

wird, dies ist aber ein entscheidender Fehler. Die Strafe ist zuerst ganz grundsätzlich einmal

ein Erziehungsmittel, das auf ein Verhalten des Kindes folgt, um es zu bestrafen. Was das für

eine Strafe ist, ist zuerst einmal völlig offen. An erster Stel e sol ten selbstverständlich die

natürlichen Strafen stehen. Natürliche Strafe bedeutet, dass das Kind den sachlichen

Zusammenhang zwischen Strafe und Vergehen einsehen und verstehen kann. Das heißt, die

24 Vgl. Geißler, a.a.O., 137

25 L. Christenson, die Christliche Familie, Darmstadt 1978, 112

26 Campbell, a.a.O., 95-96

27 Für die Diskussion, ob die Prügelstrafe wieder eingeführt werden soll, ist in dieser Ausarbeitung nicht der Platz,

hier muss auf weiterführende Literatur verwiesen werden.


Strafe ist für das Kind nachvol ziehbar und verständlich28. Damit ist die Frage nach der

Prügelstrafe aber immer noch nicht beantwortet. Christenson betont immer wieder den

biblischen Zusammenhang zwischen Prügelstrafe und Gottes Erziehung mit uns. Ich würde

Christenson den Vorwurf machen, dass er die Bibeltexte für seine Zwecke missbraucht und

keine ordentliche Exegese macht. Zum anderen würde ich die Frage stel en, welches

Gottesbild die Kinder bekommen, wenn sie immer und sofort geschlagen werden. Was ist mit

dem liebenden Vater und dem vergebenden Jesus? Und als letztes würde ich die Frage

stel en, was er mit sämtlichen neuen pädagogischen Erkenntnissen macht, die in den letzten

Jahren gewonnen wurden. Natürlich kann ich Christenson auch verstehen, wenn er in einer

Zeit, wo die Auswirkungen der antiautoritären Erziehung immer mehr bekannt werden, den

Ruf nach den ,,alten Werten" aufnimmt. Ich glaube sogar, dass viele Christen damals auf ein

solches Buch gewartet haben, denn Schlagen ist die einfachste Art der Erziehung. Die Kinder

gehorchen aufs Wort und sind anständig. Doch würde ich die Frage stel en, wie lange sie dies

sind. Natürlich hat diese Art der Erziehung den Vorteil, dass ich die Kinder scheinbar im Griff

habe und sie erzogen habe, doch werden solche Kinder nicht oft ein falsches Gottesbild

haben und später sich entweder immer ducken ohne Rückgrad zu haben oder sie werden

genauso gewalttätig wie sie erzogen wurden.

Hier finde ich den Ansatz von Campbel den richtigen. Strafe muss in bestimmten Situationen

sein, aber das Strafmaß muss der Tat angemessen sein und Schlagen muss die letzte Art der

Strafe sein. Strafe und auch die körperliche Strafe sol dem Kind ja helfen und es nicht in

seinem Selbstverständnis und seinem Wert verletzen oder demütigen. Wie oben genannt ist

der Weg der natürlichen Strafe die pädagogisch beste Art zu strafen, wenn eine Situation eine

Strafe erfordert. Ein einfaches Beispiel kann dies verdeutlichen: Ein Kind wird beim

Abschreiben erwischt, der Lehrer lässt ihn als Strafe die Arbeit nachschreiben oder setzt das

Kind an einen anderen Platz. Die Strafe wäre angemessen und nachvol ziehbar. Müsste das

Kind dagegen als Strafe den Schulhof kehren, würde für das Kind kein Zusammenhang

zwischen Vergehen und Strafe bestehen. Bei natürlichen Strafen erfolgt die Bestrafung also

als eine Konsequenz aus dem Verhalten des Kindes. Das Strafmaß ist al erdings abhängig

von der körperlichen und seelischen Belastbarkeit des Kindes29.

Damit möchte ich meine Ausführungen über die Strafe als Erziehungsmittel schon beenden,

denn im gemeindlichen Al tag spielt die Strafe eine untergeordnete Rol e. Die bisher

genannten Erziehungsmittel gehören eher in die Kategorie der direkten Erziehungsmittel. Im

nächsten Abschnitt möchte ich noch einige indirekte Erziehungsmittel beschreiben. Dabei

muss ich vorausschicken, dass man direkte und indirekte Mittel nie ganz trennen kann.

2.2.5 Aufgabe und Arbeit

Jede Aufgabe und jede Arbeit, die das Kind vom Erzieher bekommt, stel t es vor eine

Herausforderung, die bewältigt werden muss. Das Kind kann entscheiden, ob es die

Herausforderung annimmt oder sie ablehnt30. Die Aufgabe des Erziehers besteht nun darin,

Situationen zu schaffen, in denen das Kind Aufgaben oder Arbeiten annehmen kann und

diese auch bewältigen kann. In diesen Situationen kann der Erzier natürlich auch direkt auf

das Kind einwirken, zum Beispiel durch Lob oder Ermutigung.

Das Kind erfährt in der Aufgabe und Arbeitssituation, dass es Mühe macht, Leistung zu

erbringen, aber vor al em auch, dass Leistung zu der Erfül ung eines Ziel führt und Freunde

mit sich bringt. Das Kind sol in seine Leistung Vertrauen bekommen und lernen, mit

Rückschlägen umzugehen31.

Diese Art Situationen zu schaffen, finden wir in den Gemeinden heute in der

Erlebnispädagogik oder ähnlichem. Und ich denke, das ist ein richtiger Weg. Die Kinder und

Jugendlichen werden in ihrem Sein bestätigt, indem ihnen Aufgaben und Verantwortung

übertragen werden und ihnen Vertrauen entgegen gebracht wird. Wichtig ist, die Jugendlichen

28 Vgl. T. Dietrich, Zeit- und Grundfragen der Pädagogik, eine Einführung in pädagogisches Denken, Bad Heilbrunn

8 1998, 115-133

29 Vgl. ebd., 118

30 Vgl. J. Herderer, Pädagogik, München 1981, 171

31 Vgl. ebd., 70-71


aus einer reinen Konsum- und Zuhörerschaft heraus zu nehmen. Die Grenze ist da, wo zu

großer Leistungsdruck entsteht.

2.2.6 Wettbewerb und Leistungsmessung

Dem Mensch ist von Natur aus Ergeiz gegeben und diesen möchte er auch zeigen. Das ist bei

Kindern nicht anders. Auch sie wol en sich beweisen, Leistung bringen und dafür eine

Belohnung oder Anerkennung bekommen. Es ist zu bedenken, dass dies vom Erzieher immer

in positiver Weise genutzt werden sol , siehe dazu 2.2.1 Lob und Tadel. Noch im Mittelalter

war es so, dass durch die Geburt der Stand des Menschen entschieden wurde. Heute muss

sich ein Kind bereits in der Schule beweisen und seine Leistung entscheidet darüber, welche

Schule er besucht und welchen Abschluss es später machen wird. Dass das Kind diesem

Druck standhalten kann, muss es vorbereitet werden. Es gilt, Situationen zu schaffen, in

denen der Heranwachsende seine Leistungen zeigen kann, in denen er seine Stärken und

Schwächen erproben kann. Vor al em sol te hier auch gelernt werden, mit Versagen

umzugehen. Es müssen also Situationen geschaffen werden, in denen das Kind Leistung

bringen darf und zeigen kann, dass es etwas kann. Kinder wol en das. Auf der anderen Seite

muss auch die Möglichkeit gegeben werden, mit Versagen umzugehen32.

Ich denke, diese Art, Situationen zu schaffen, ist ein gängiger Bestandteil in unseren

Gemeinden. In der Jungschar und Jugendarbeit werden beim Sport und Spiel solche

Situationen geschaffen und dies sol te so bleiben, dass sich Kinder, Jugendliche und

Erwachsene messen dürfen. Es sol ten nicht immer Spiele gespielt werden, wo al e gewinnen.

Es darf eine Leistungsmessung und einen Wettbewerb geben. Es darf einen Gewinner und

einen Verlierer geben, nur sol te auf Ausgewogenheit der Spiele geachtete werden und vor

al em sol te gezeigt werden, dass der Wert eines Menschen nicht von dieser Leistung

abhängt. Es gilt, den Spagat zu schaffen zwischen der Anerkennung der Leistung und dem

Wert des Menschen.

2.2.7 Das Spiel

Im Spiel kann das Kind eine Vielzahl von Verhaltensregeln und Funktionsweisen kennen

lernen. Das Spiel bietet dem Kind einen ,,realen Erfahrungscharakter". Das Kind lernt greifen,

zupacken, reagieren und auf andere einzugehen, auf Regeln zu achten, zu verlieren und zu

gewinnen33. In der Zeit des Spiels lernen das Kind und der Jugendliche durch die sozialen

Verhaltensformen. Im Spiel können das Kind und der Jugendliche den Umgang mit anderen

lernen, zum Beispiel Streitigkeiten klären. Das Spiel ist elementarer Bestandteil der

Erziehungsmittel und sol te in jeder Altersgruppe und Gemeindearbeit zum Einsatz kommen.34

Es gäbe noch eine Vielzahl von anderen Erziehungsmitteln. Al e einzeln und explizit

darzustel en, würde jedoch das Thema und den Inhalt dieser Ausarbeitung sprengen. Aber

um über Erziehungsmittel zu diskutieren und zu sprechen, gehören nun mal die Grundlagen.

Deshalb habe ich diese dargestel t und erläutert. Jetzt komme ich zum Thema, wie ich diese

Erziehungsmittel richtig einsetzen kann.

2.3 Der richtige Einsatz von Erziehungsmitteln

Den al erwichtigsten Grundsatz beim Einsatz von Erziehungsmitteln möchte ich noch einmal

wiederholen und an den Anfang dieses Abschnittes setzten.

Grundsätzlich sol te jedes Erziehungsmittel so eingesetzt werden, dass das Selbstwertgefühl

das Selbstverständnis und den Wert des Kindes erhöhen und das Kind sein Leben später in

unserer Gesel schaft al eine leben kann35. Zuerst möchte ich den Einsatz der Erziehungsmittel

im Al gemeinen behandeln.

2.3.1 Einsatz von Erziehungsmitteln im Allgemeinen

Vor al em Campbel und Ruthe, die ich in dieser Ausarbeitung zitiere, haben sehr gute

grundsätzliche Hinweise zum Einsatz von Erziehungsmitteln. Diese möchte ich

32 vgl. S. Werner, Prüfen - Beurteilen - Benoten, Bad Heilbrunn 1996, 1-11

33 Vgl. R. Bachmeister, Piaget, www.uni-koblenz.de/~wberger/hp/downloads/file/tds_

Piaget

.pdf

Datum der

Zugriffs, 11. September 2008

34 Beim Thema Spiel möchte ich auf weiterführende Literatur verweisen, vor allem die Literatur des Herrn Piaget.

35 Vgl. Campbell, a.a.O., 78


zusammenfassend kurz darstel en, da sie einen guten Überblick bieten und zudem meist eins

zu eins für den Einsatz in der Gemeindearbeit und Erziehung übernommen werden können.

Im Folgenden möchte ich spezifisch auf einige Erziehungsmittel und deren Einsatz

eingehen36.

Der Erzieher sol te beim Einsatz von Erziehungsmitteln immer versuchen, mehr positive

Anleitung zu einem guten Verhalten und zur Leistung zu geben, als negatives Verhalten oder

Lustlosigkeit zu bestrafen oder zu tadeln37. Der Erzieher muss sich also Gedanken machen,

wie er das Kind durch Lob oder Ermutigung zu einem bestimmten Verhalten bewegen kann.

Es geht darum, Situationen zu schaffen, in denen das Kind ein bestimmtes Verhalten erlernen

kann, ohne bestraft zu werden. Dies erfordert wie immer mehr Aufwand vom Erzieher, wird

aber auf Dauer eine längere und positivere Wirkung haben. Bevor Erziehungsmittel eingesetzt

werden, muss eine gute Grundlage zwischen Erzieher und Kind geschaffen werden.

Vertrauen und ein gefül ter ,,Liebestank" sind dabei die Grundvoraussetzungen, dass die

Erziehungsmittel den gewünschten Effekt haben. Es muss dabei immer gefragt werden, ob es

das richtige Erziehungsmittel für diese spezielle Situation ist. Hier möchte ich noch einmal auf

das Beispiel von Cambpel und seinem Sohn verweisen. Oder wäre es richtig, einem Kind fünf

Wochen Hausarrest zu geben, wenn es

aus Versehen

eine Vase hinuntergeworfen hat? Nach

dem richtigen Erziehungsmittel zu suchen, ist nicht immer einfach, doch loht es sich, sich

darüber Gedanken zu machen38. Der Erzieher muss beim Einsatz von Erziehungsmitteln

konsequent sein. Dies gilt natürlich für Tadel und Strafe genauso wie für Lob und

Anerkennung. Eine versprochene Belohnung muss genauso gegeben werden wie eine

ausgesprochene Strafe. Die Leistung sol te genauso anerkannt werden wie eine schlechte

Leistung nicht gut geredet werden sol te39. Natürlich muss man hier flexibel bleiben, aber ein

inkonsequentes verhalten hat immer negative Auswirkungen40. Diese grundlegenden Dinge

sol ten immer beachtet werden. Deshalb werde ich im Folgenden das hier genannte nicht bei

jedem Erziehungsmittel noch einmal schreiben.

Diese Aufzählung ist natürlich sehr al gemein gehalten. In den nächsten drei Punkten werde

ich die Erziehungsmittel in der Praxis behandeln. Dies möchte ich anhand dieser Frage tun:

,,Wie kann ich Kindern und Jugendlichen helfen, die Bibel aus eigenem Antrieb zu lesen oder

zu beten? Wie kann ich als Erzieher zu einem geistlichen Leben ,,erziehen?"41 Diese Fragen

möchte ich anhand der zwei Erziehungsmittel

Ermutigung

und

Aufgabe

behandeln42.

2.3.2 Ermutigung

Ermutigung kann ein Kind ganz neu motivieren, Aufgaben, Ängste oder schwierige

Lebenssituationen anzunehmen. Das gilt natürlich in der Erziehung daheim und in der Schule

genauso wie in der Gemeinde. In der Elberfelder Bibel wird das Wort

ermutigen

zwei Mal in

der Fußnote als Alternative zum Trösten angeboten, und zwar in Epheser 6, 22 und Kolosser

4,8. Viel wichtiger finde ich, dass Paulus in seinen Briefen ständig Worte der Ermutigung

ausspricht. Paulus ermutigt zum Gebet, Gaben zu geben, zu trösten und treu zu bleiben43. Ich

denke, dass Paulus hier von Ermutigungen spricht, denn es sind keine Befehle oder guten

Wünsche. Paulus ermutigt die Gemeinden, etwas zu tun. Paulus befiehlt nicht einfach oder

stel t diese Ermutigung in einen leeren Raum. Nein, Paulus zeigt immer wieder,

warum

es

wichtig ist, etwas zu tun. Ich denke, daraus können wir einiges lernen. Eine Ermutigung ist

kein Befehl, sondern sol eine Hilfestel ung des Erziehers sein, dort wo man ratlos oder

36 Hier möchte ich auch die Hompage des Jugendamtes der Stadt Nürnberg empfehlen, die mit ihrem Motto ,,Stark

durch Erziehung" auf genau dieses Thema eingeht. Besonders zu empfehlen ist die Pdf-Datei unter dem Link:

http://www.jugendamt.nuernberg.de/downloads/kampagne_erziehung/ke_broschuere_acht_sachen.pdf

Diese Broschüre gibt es in 15 Sprachen und kann eine gute und kurze Hilfe für Familien und Gemeinden sein. Pdf

Datei auch im Anhang 1

37 Vgl. Campbell a.a.O., 78

38 Vgl. ebd., 80

39 Vgl. Ruthe, a. a. O., 47

40 Geißler, a.a.O., 172

41 Faktoren wie das Gebet oder Gottes Wirken möchte ich nicht mit einbeziehen, sehe sie aber sehr wohl als ein

Handeln Gottes.

42 Ich möchte anfügen, dass ich diese Bibelstel en jetzt unter dem Gesichtspunkt der Ermutigung gelesen habe,

natürlich können und sollen diese Bibelstellen auch anders interpretiert oder exegetisiert werden.

43 Vgl. Römer 4,5; Römer 12,9-21; 1Korinther16,1-13; uvm.


verzweifelt ist oder dort wo bereits gute Ergebnisse erzielt wurden. Die Ermutigung zielt also

immer auf das gleiche Ziel, dass Kind oder Jugendlicher weitermacht, nicht aufgibt oder

stehen bleibt.

Jetzt stel t sich die Frage nach der oben genannten praktischen Anwendung. Zum einen gilt

wieder das Prinzip, dass ich wissen muss, wo das Kind oder der Jugendliche steht. Ich muss

eine Beziehung zu ihm aufbauen oder zumindest ein Gespür für die Situation bekommen, in

der er gerade steht. Einem Kind und Jugendlichen die ,,Richtigkeit" zu vermitteln, dass in der

Bibel zu lesen doch wichtig und gut sei, reicht nicht aus. In den seltensten Fäl en wird ein Kind

oder Jugendlicher in der Bibel lesen, weil sein Erzieher es ihm sagt. Ich muss dazu ermutigen.

Dies kann ganz praktisch geschehen, indem ich mir die Zeit nehme, mit ihm zusammen Bibel

zu lesen. Ich kann ihm Stel en zeigen, wo er anfangen kann und ihn ermutigen, das jetzt

selber zu tun. Er kann al e Fragen aufschreiben, die er hat und wir reden darüber. In einem

nächsten Schritt kann ich versuchen, ihm den Gebrauch einer Konkordanz zu zeigen und ihn

wieder durch Worte ermutigen, sie zu benutzen. Im Gespräch kann deutlich werden, wie die

Bibel in seinen Al tag redet und auch hier kann ich Gott vertrauen, dass er das tun wird. Die

Ermutigung besteht also zum einen darin zu zeigen, was die Bibel uns al es zu bieten hat, wie

sie in das Leben spricht, und zum anderen darin, seine Erfahrungen mitzuteilen und darüber

zu sprechen. In einem weiteren Schritt könnten wir zusammen eine Studienbibel lesen oder

etwas in einem Kommentar nachlesen. Das hört sich ziemlich trivial an, ist aber bestimmt

nicht so einfach. Aber einem Kind, das nicht Rad fahren kann, montiere ich doch Stützräder

und schiebe es an und sage immer wieder ,,das machst du gut, trete einfach weiter". Später

montiere ich die Stützräder ab und das Kind kann dann irgendwann frei fahren. Und so sol

das auch bei Kindern und Jugendlichen sein. Ich muss sie durch ,,gezielte" Ermutigung dazu

,,erziehen", dass sie als erwachsene Christen ihr Leben selber leben können. Die Ermutigung

ist hier nur ein kleiner Teilaspekt. Mir ist aufgefal en, dass Kinder und Jugendliche meist nicht

einfach in der Bibel lesen. Wenn ich mich aber mit ihnen zusammen hinsetze und mit ihnen

zusammen lese und sie ermutige, daheim zu lesen und dann immer wieder auch nachfrage,

dann beginnt etwas zu wachsen. Ermutigung ist also ein langer, aber ein guter Weg. Vor

al em nach Rückschlägen ist es hilfreich, dass jemand nicht einfach aufgibt.

2.3.3 Aufgabe

Jede neue Aufgabe stel t ein Kind oder einen Jugendlichen vor eine neue Herausforderung.

Um diese anzunehmen, braucht er Ermutigung, wenn er keine Eigeninitiative zeigt (siehe

dazu 2.3.2). Das gute an Aufgaben ist die Bewältigung. Das Kind oder der Jugendliche ist

reifer geworden. Der Heranwachsende hat eine positive Erfahrung gemacht und kann sich

beim nächsten Mal mehr zutrauen. Natürlich wird das nicht immer so sein, doch sol te dies

das Ziel jeder Aufgabenstel ung sein. Zuerst einmal muss ich einen Rahmen schaffen, der es

mir ermöglicht, eine Aufgabe zu stel en. Durch die Aufgabe sol en die Kinder und

Jugendlichen ja gefördert werden. Das heißt, die Aufgabe muss zu bewältigen sein, darf aber

nicht so leicht sein, dass sie mit ,,links" bewältigt werden kann. Auch dieses Erziehungsmittel

möchte ich wieder unter der oben genannten Frage betrachten, wie ich Kinder und

Jugendlichen helfen kann, die Bibel aus eigenem Antrieb zu lesen oder zu beten. Wie kann

ich als Erzieher zu einem geistlichen Leben ,,erziehen"?

Eine gute Möglichkeit sind Bücher wie Jesus First44, in denen man sich jeden Tag oder

bestimmte Tage in der Woche, eventuel auch nur an einem Tag in der Woche trifft, um die

gestel ten Aufgaben im Buch zu besprechen. Im Gegenteil zur Ermutigung geht es hier um ein

ganz konkretes Ziel. Zum Beispiel heißt eine Aufgabe, heute mindestens einem Menschen,

den man nicht kennt, das Evangelium zu sagen. Dann bespricht man, wie es den Kindern

oder Jugendlichen ergangen ist oder was gut und was schlecht war. Dieses Buch hat somit

ganz konkrete Aufgaben, die es zu erfül en gibt. Oder das ,,Jesus Experiment"45, das gerade

Jugendliche anspricht, die keinen oder nur einen unsicheren gemeindlichen Hintergrund

haben. Es ist ein Kurs über vier Wochen, der kostenlos ist und es gibt jeden Tag Botschaft in

virtuel er Video- Form. Vor al em Jugendlichen, die man auf einer Freizeit kennen gelernt hat

44 R. Werner, Jesus First, das 7 Wochen Programm, Witten 62008.

45 http://www.jesus-experiment.de/


und die man dann wieder gehen lassen muss, ohne dass sie eine Gemeinde haben, kann ich

diese konkrete Aufgabe mit auf den Weg geben und ihnen damit helfen, an Jesus dran zu

bleiben.

Als dritte Möglichkeit möchte ich noch das Jugendbibel ese-Heft ,,Pur"46 für Jugendliche oder

,,Guter Start"47 für Kinder nennen. Das Heft bietet die Möglichkeit, vorgegebene Bibeltexte und

eine kleine Auslegung dazu zu lesen. Diese Aufgabe kann ich Kindern und Jugendlichen gut

stel en, sie herausfordern, Bibel zu lesen und das Gelesene umzusetzen. Natürlich sol te ich

sie dabei begleiten. Dies kann eine sehr hilfreiche Aufgabe sein.

Das sind natürlich komplexe Aufgaben, die auch viel Zeit in Anspruch nehmen. Es gibt schon

ganz einfache Dinge, die hier weiter helfen können. Es muss im Jugendkreis oder auch in der

Kinderkirche und Jungschar ja nicht immer eine vorgetragene Andacht sein. Eine klassische

Bibelarbeit, in der Aufgaben verteilt werden, kann hier wahre Wunder wirken. Anstatt den Text

nur vorzulesen, einfach einen kopierten Text auslegen und dann Stifte verteilen. Die konkrete

Aufgabe kann lauten, al e Wörter, die das ,,zeitliche Geschehen" betreffen anzustreichen oder

ähnliches. Diese Aufgabe ist auch unter dem Stichwort ,,POZEK"48 bekannt. Über solche

Aufgaben kann ich als Erzieher zum Arbeiten mit der Bibel anleiten. Aufgaben zu verteilen, zu

kontrol ieren und dann auch zu besprechen braucht mehr Zeit als eine Andacht zu halten oder

Spiele selber vorzubereiten. Wenn ich also konkrete Aufgaben auch für das geistliche Leben

gebe, mache ich es dem Kind oder Jugendlichen für sein späteres Leben erheblich einfacher,

diese Dinge in eigener Motivation zu tun. Aufgaben müssen aber gut gewählt sein und

erfül bar sein.

Wie perfekt Erziehungsmittel auch eingesetzt oder wie perfekt Situationen für das Kind und

den Jugendlichen geschaffen werden, so ist immer doch der Zusammenhang zwischen dem

Erziehungsmittel und dem Erzieher ein wichtiger Faktor für die Auswirkungen. Wie sich der

Lebensstil des Erziehers auf das Erziehungsmittel auswirken kann, möchte ich im nächsten

Abschnitt behandeln.

3. Zusammenhang zwischen Erziehungsmittel und Lebensstil

Es stel t sich also die Frage, ob die Erzieher durch ihren eigenen Lebensstil die Auswirkungen

von Erziehungsmitteln beeinflussen können und ob der Lebensstil Einfluss auf die Wahl des

Erziehungsmittels hat. Man könnte aber auch umgekehrt fragen, ob das Verhalten des

Kindes, des Jugendlichen Auswirkungen auf die Wahl und Wirkung des vom Erzieher

angewendeten Erziehungsmittels hat?

Als erstes möchte ich die Frage behandeln, ob der Lebensstil überhaupt eine Auswirkung auf

das Erziehungsmittel hat.

3.1 Hat der Lebensstil Auswirkungen auf das Erziehungsmittel?

Ja, der Lebensstil hat immer Auswirkungen auf das Erziehungsmittel. Ist die Ehe von Mann

und Frau zum Beispiel gestört, so wird dies Auswirkungen auf die Erziehung haben. Denn

Kinder wünschen und sehnen sich nach einer harmonischen Ehe der Eltern49. Streiten sich

die Eltern sehr häufig und sind dadurch immer gestresst oder sind die Eltern ständig müde,

weil beide einen langen Arbeitstag haben, so werden sie wahrscheinlich auch ungeduldig mit

ihren Kindern sein oder Strafen bevorzugen, die scheinbar eine schnel e Lösung bringen.

Dieses Beispiel macht deutlich, das der Lebensstil immer Auswirkungen auf die Wahl und

Wirkung des Erziehungsmittels haben wird. Dies gilt in gleicher Weise auch für Erzieher.

Deshalb die Frage, wie können die Erzieher durch ihren Lebensstil die Wahl und Wirkung von

Erziehungsmitteln beeinflussen?

46 T. Riewesell, Bibel esebund, pur, Bibellesen für teens, Marienheide, erscheint 4 Mal im Jahr.

47 M. Dröge, Bibel esebund, Guter Start, Marienheide, erscheint 4 Mal im Jahr.

48

P

erson,

O

rt,

T

hema,

Z

eit,

E

reignis,

K

ern - eine in der Kinderarbeit bekannte Methode, um eine Bibelarbeit

vorzubereiten.

49 Vgl. W. Faix, Die christliche Familie, Bonn 2000, 105


3.2 Wie kann der Lebensstil die Wahl und Wirkung des Erziehungsmittels
beeinflussen?

3.2.1 Der Lebensstil des Erziehers

Der Titel des Buches von Campbel ,,Kinder sind wie Spiegel" beantworte bereits einen Teil

dieser Frage. Kinder spiegeln in ihrem Sein das Verhalten und die Erziehung der Eltern

wider50. Viele Eltern machen die Erfahrung, dass sie ihre Kinder so erziehen, wie sie selbst als

Kinder erzogen worden sind. Christenson ist der Meinung, dass dort, wo sich die Eltern über

moralische Werte nicht sicher sind, die Kinder später ein unmoralisches Leben führen51. Dies

sind al es Auswirkungen des Lebensstils der Eltern auf die Kinder. Die Auswirkung des

Lebensstils des Erziehers auf das Kind oder den Jugendlichen sind aber ähnlich ­ besonders

in der Zeit der Pubertät, wenn sich ein Jugendlicher eher einer Peergroup anschließt, oder

sich zumindest von den Eltern weg bewegt.

Der Lebensstil des Erziehers steht also immer im Zusammenhang mit der Wahl und der

Wirkung des Erziehungsmittels. Ein einfaches Beispiel kann dies bestätigen. Sagt der

Erzieher dem Kind, es dürfe nicht bei Rot über die Ampel gehen und geht dann selbst bei Rot,

so wird das Kind das Verbot hinterfragen oder einfach nicht gehorchen. Genauso verhält es

sich auch mit der Wahl des Erziehungsmittels. Kommt ein Erzieher mit seinem eigenen Leben

nicht klar und ist ständig ,,schlecht drauf", so wird er es kaum schaffen, dem Kind Liebe,

Geborgenheit und Vertrauen zu vermitteln und entgegenzubringen. Dieser Erzieher wird sich

keine Gedanken über das Kind machen, sondern irgendein Erziehungsmittel wählen. Die

Theorie W. Brezinkas, in seinem Buch ,,Erziehungsziele, Erziehungsmittel, Erziehungserfolg52

beschrieben, bestätigt diese beiden Beispiele.

Die einfache pädagogische Wahrheit, dass der Lebensstil des Erziehers immer Auswirkungen

auf die Wahl und die Wirkung des Erziehungsmittels hat, kann man auch ganz einfach auf

eine geistliche Ebene übertragen53. Vereinfacht ausgedrückt möchte ich das einmal so

formulieren: Lebt der Erzieher in einer Beziehung zu Gott, so sol te das Kind oder der

Jugendliche das auch an der Wahl der Erziehungsmittel spüren. Wobei das Kind und der

Jugendliche das nicht erst an der Wahl des Erziehungsmittels spüren sol ten, sondern schon

in der Art, wie der Erzieher mit dem Kind oder Jugendlichen im Al gemeinen umgeht.

In der Gemeinde könnte sich das ganz praktisch in der Bereitschaft zu vergeben zeigen. So

wie Jesus uns vergeben hat, so könnte ein Erzieher dann auch dem Kind oder Jugendlichen

vergeben. Das bedeutet nicht, dass es keine Strafe mehr geben sol , sondern viel mehr, dass

in der Strafe und vor al em nach der Strafe deutlich wird, dass die Tat vergeben ist und mit der

Strafe dies dann auch erledigt ist. Das Kind muss nach einer Strafe nicht um neue

Wertachtung für sich kämpfen54.

Aber nicht nur der Lebensstil kann die Wahl und Wirkung des Erziehungsmittels beeinflussen,

sondern auch der Menschentyp. Ist man eher ein cholerischer Typ, wird man schnel er und

impulsiver strafen. Der Melancholiker dagegen wird eher weniger strafen, doch dem Kind und

Jugendlichen immer mehr Misstrauen entgegenbringen55. Diese beiden Beispiele sind

natürlich nur exemplarisch. Ein Erzieher sol te sich und seinen Typ gut kennen, um nicht

einseitig in der Wahl des Erziehungsmittels zu sein. Um beim Beispiel des cholerischen Typs

zu bleiben, möchte ich folgendes anmerken: Dieser Typ wird, wenn er sich nicht kennt, schnel

eine Strafe verhängen, die nicht angemessen ist und muss sie viel eicht im Nachhinein

verringen. Weiß ein cholerischer Mensch aber um diese Tatsache, dass er schnel , impulsiv

und öfters überreagiert, kann er versuchen, nicht immer gleich eine Strafe zu verhängen,

sondern erst über die Tat nachdenken und dann eine Strafe verhängen56.

50 Vgl. R. Campbell a. a. O., 11-15

51 Vgl. L. Christenson, a. a. O., 107

52 Vgl. W. Brezinka, Erziehungsziele, Erziehungsmittel, Erziehungserfolg, München/ Basel, 57-60

53 Natürlich kann man Pädagogik und eine geistliche Ebene nicht trennen und das möchte ich auch nicht, aber ich

brauche eine Begrifflichkeit zur Übertragung.

54 J.M. Drescher, 7 Dinge, die ihr Kind braucht, 8 Dinge, die ihre Familie braucht, Dillenburg 2000, 14-17

55 Vgl. R. Ruthe, Typen und Temperamente, Moers 52006, 81-89 und 144-150

56 Vgl. T. Lahaye, Dein Temperament in Gottes Hand, Bad Liebenzell 21982, 32, 68 und 115


3.2.2 Hat das Wesen oder Lebensziel des Heranwachsenden Auswirkungen auf das
Erziehungsmittel?

Auch diese Frage kann mit Ja beantwortet werden. Zum einen hängt dies mit dem

Temperament des Kindes oder Jugendlichen zusammen und zum anderen mit der Erziehung.

Temperament

Ist das Kind oder der Jugendliche wie oben genannt ein cholerischer Typ, muss der Erzieher

dies bei der Wahl des Erziehungsmittels beachten, da dieses Kind oder der Jugendliche eher

impulsiv handelt und oft nicht genau über seine Tat nachdenkt. Wenn es dem Kind oder

Jugendlichen echt leid tut, sol te keine so harte Strafe verhängt werden. Der Heranwachsende

braucht Situationen, in denen er lernen kann, mit seinem Temperament umzugehen. Ein

melancholisches Kind dagegen braucht viel mehr Ermutigungen und Aufgaben, da es von

Natur aus nicht die selbe Eigeninitiative und Motivation wie ein cholerisches Kind hat.

Das heißt also, ein Erzieher sol te nicht nur sich kennen, sondern auch die vier

Temperamente und sie bei Kindern und Jugendlichen einschätzen können. Ich denke, in den

Gemeinden wird über vieles geredet und gepredigt, aber es sol te auch über diese vier

Temperament und den Umgang mit ihnen geredet werden. Es würde es dem Erzieher in

Gemeinde und Kirche so viel leichter machen.

Erziehung

Wurde ein Kind im ,,Laissez-fair-Stil" erzogen, kann es sein dass dieses Kind schnel aufgibt,

keine eigene Motivation besitzt oder auch einfach nie auf die Anweisungen des Erziehers

hört. Hier sol te versucht werden, dem Kind klare Grenzen zu zeigen, es aber auch bei

Aufgaben durch Lob und Anerkennung zu motivieren. Ein Kind, das sehr konservativ oder mit

Schlängen erzogen wurde, braucht viel Freiheit zur Entfaltung. Ihm muss ich zeigen, dass es

auch Fehler machen darf57. Das Kind sol lernen, sich etwas zu zu trauen und seinen

Selbstwert nicht aus dem Gehorsam, sondern aus seinem Können und einfach aus seinem

,,Dasein" gewinnen. Auch dies sol te in den Gemeinden und Kirchen gesagt werden, so könnte

man Kindern und Jugendlichen echt helfen, aus ihren Mustern und Problemen heraus zu

kommen. Der Erzieher darf nicht unbewusst die gleichen Erziehungsmittel anwenden, die das

Kind oder der Jugendliche daheim erfährt.

3.3 Die Autorität des Erziehers

Die Autorität des Erziehers hat auf die Wirkung eines Erziehungsmittels natürlich großen

Einfluss. Doch kann Autorität auch falsch verstanden werden. Pädagogische Autorität kann

dem Kind oder Jugendlichen helfen, ein Gebot oder Verbot, das nicht verstanden wurde,

trotzdem einzuhalten. Oder wenn das Kind oder der Jugendliche einen Lehr- oder Lernstoff

für unwichtig oder uninteressant hält, sol te er diesen trotzdem lernen und verarbeiten, weil er

die Autorität des Erziehers achtet58. Diese Art von Autorität sol te auch in den Gemeinden und

Kirchen gelebt werden, überal da, wo Dinge nicht erklärt oder veranschaulicht werden

können. Diese Autorität hilft den Kindern und Jugendlichen, sich in einer Welt zu Recht zu

finden, die sie oft noch nicht verstehen.

Es gibt aber auch falsch verstandene Autorität. Diese falsche Autorität zeigt sich in

unkontrol ierten Strafen oder in der Unberechenbarkeit des Erziehers. Wenn ein Erzieher

seine Autorität al ein durch Härte und durch Strafen zu bekommen versucht, wird er nie diese

positive Autorität, von der ich oben geschrieben habe, erlangen. Diese Autorität wird von den

Kindern und Jugendlichen dann meistens als Angst vor dem Erzieher oder vor den Strafen

empfunden. Diese Art der Autorität schadet der Wirkung von Erziehungsmitteln mehr als dass

sie hilft. Wer Strafe und Härte einsetzt, um Autorität zu bekommen, sol te seine

Erziehungsmittel und Motivationen einmal hinterfragen.

57 Vgl. E. Geißler, a.a.O., 66-67

58 Vgl. ebd., 113-116


4. Anwendung in der Gemeinde

Grundsätzlich sol te immer die Motivation des Erziehers hinterfragt werden. Dann sol te klar

sein, dass in der Gemeinde eine Offenheit für Fragen besteht und das Fehler gemacht

werden dürfen. Die Erziehungsmittel Lob, Anerkennung und Ermutigung sol ten vor dem

Tadel und der Strafe angewendet werden. Der Tadel und die Strafe dürfen aber nicht auf

Kosten einer falsch verstandenen ,,Gnade" ganz ausgeklammert werden. Es sol ten in der

Gemeinde Situationen und das Umfeld geschaffen werden, in denen sich die Kinder und

Jugendlichen mit ihren Temperamenten ausprobieren dürfen und nicht gleich in ein geistliches

Korsett gesteckt werden. Dies al es sollte nicht jeder für sich al eine tun, sondern in einer

Teamarbeit und in der Gemeinschaft.

Dies sind natürlich al es einfach gesagte Wahrheiten, die oft so schwer umzusetzen sind. Ich

denke, dies kann aber durch Vorträge und vor al em durch die ganz gezielte Schulung von

Mitarbeitern erreicht werden. Was aber noch viel wichtiger ist ist, dass der Erzieher die oben

genannten Dinge auch selber tut und ein Bewusstsein in der Gemeinde für die Anliegen der

Pädagogik schafft.

Zudem möchte ich auf die konkreten Beispiele in dieser Ausarbeitung verweisen, weshalb ich

die Anwendung in der Gemeinde auch so kurz gehalten habe.


Literaturverzeichnis

Brezinka, W.: Erziehungsziele, Erziehungsmittel, Erziehungserfolg. München/ Basel: Uni

Taschenbücher, 1981.

Brokate, B. u. B. Block.: Schwarze Pädagogik. München: Grin Verlag, 2007.

Campbel , R.: Kinder sind wie Spiegel. Marburg an der Lahn: Franke Buchhandlung, 1999.

Christenson, L.: Die christliche Familie. Darmstadt: Leuchter Verlag, 1978.

Dietrich, T.: Zeit- und Grundfragen der Pädagogik, eine Einführung in pädagogisches Denken.

Bad Heilbrunn: Julius Klinkenhardt Verlag 1998.

Drescher, J.M.: 7 Dinge, die ihr Kind braucht, 8 Dinge, die ihre Familie braucht. Dil enburg:

Schulte & Gert Verlag 2000.

Dröge, M.: Guter Start. Marienheide: Bibel esebund, erscheint 4 Mal im Jahr.

Faix, W.: Die christliche Familie. Bonn: pro Mundis, Verlag für Wissenschaft und Kultur, 2000.

Geißler, E.E.: Erziehungsmittel. Bad Heilbrunn: Julius Klinkenhardt Verlag, 1982.

Herderer, J.: Pädagogik. München: Herder Verlag, 1981.

Jentsch, W. u. H. Hartmut.: Evangelischer Erwachsenen Katechismus, Kursbuch des Glaubens.

Gütersloh: Gütersloher Verlaghaus, 1975.

Lahaye, T.: Dein Temperament in Gottes Hand. Bad Liebenzel : Telos Verlag, 1982.

Riewesel , T.: Pur, Bibel esen für teens. Marienheide: Bibel esebund, erscheint 4 Mal im Jahr.

Ruthe, R.: Das Elternbuch Wuppertal: R. Brockhaus Verlag, 1986.

Ruthe, R.: Die Kunst zu ermutigen. Moers: R. Brockhaus Verlag, 2007.

Ruthe, R.: Typen und Temperamente. Moers: Brendow Verlag, 2006.

Steffan, B.: Handlugsformen: http://www.paed2.ewf.uni-

erlangen.de/lehrveranstaltungen/ergebnisse/sem_erzmeth_04/2004_5_27_erzmeth/handlung

sformen.pdf

Datum des Zugriffs: 10. September 2007.

Werner, R.: Jesus First, das 7 Wochen Programm. Witten: R. Brockhaus 2008.

Werner, S.: Prüfen - Beurteilen ­ Benoten. Bad Heilbrunn: Julius Klinkenhardt Verlag, 1997.



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