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Subtitle: Ein Fall von Zensur im Theaterbetrieb des 20. Jahrhunderts in Frankreich
Termpaper, 2008, 22 Pages
Author: Grzegorz Olszowka
Subject: Theater Studies
Details
Institution/College: Free University of Berlin (Institut für Theaterwissenschaft der FU-Berlin)
Tags: Franco, Armand, Gatti, Einführung, Methoden, Arbeitens, Krankheit, Politik, Theaterzensur, Jahrhundert
Year: 2008
Pages: 22
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 19 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-19871-9
File size: 203 KB
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Abstract
Die vorliegende Arbeit ist eine theaterhistoriographische Analyse der Hintergründe, Entstehung und der Zensur von Armand Gattis Theaterstück "La passion du général Franco". Im ersten Teil sollen die Hintergründe des theatralischen Schaffens von Armand Gatti bis in die 60er Jahre und die kulturpolitische Situation Frankreichs zu der Zeit erläutert werden, woraufhin im zweiten Teil die Arbeiten an dem Text und an den Aufführungsversuchen von "La passion du général Franco", wie auch der Bezug des Stückes zu der politischen Situation Spaniens analysiert werden, um zuletzt im dritten Teil die Vorgänge um die Zensur des Stückes in ihrem Ablauf, einer zensurtheoretischen Analyse, den Reaktionen und den Transformationen, die das Stück nach der Zensur erfahren hat, zu erörtern.
Excerpt (computer-generated)
Institut für Theaterwissenschaft der FU-Berlin
Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften
SS 2006
Hausarbeit
Einführung in Methoden theaterhistoriographischen Arbeitens: Krankheit, Sex und Politik -
Theaterzensur im 19. und frühen 20. Jahrhundert
Dozent: Dr. Jan Lazardzig
La passion du général Franco
von Armand Gatti
Ein Fall von Zensur im Theaterbetrieb des 20. Jahrhunderts in Frankreich
vorgelegt von:
Grzegorz Olszowka
grzegorzolszowka@gmx.de
Matrikel: 3906791
Simon-Dach-Str. 40 in 10245 Berlin
Abgabedatum: 15. September 2008
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
3
2 Hintergründe
4
2.1 Das theatralische Schaen Armand Gattis bis in die 1960er Jahre . . . .
4
2.1.1 Le quetzal - Der Mythos der eigenen Geschichte .
4
2.1.2 Le poisson noir - Die Legitimität des Widerspruchs .
5
2.1.3 L′Enclos und L′enfant-rat - Die künstlerische Verarbeitung ei-
nes Traumas .
6
2.2 Ein Umriss der kulturpolitischen Situation Frankreichs in den 1960er Jahren 7
2.2.1 Charles de Gaulle .
7
2.2.2 André Malraux .
8
3 "La passion du général Franco"
9
3.1 Die Arbeiten an dem Text "La passion du général Franco" .
9
3.2 Bezüge des Werkes zu der politischen Situation Spaniens 11
3.3 Die Inszenierungsversuche von La passion du général Franco 12
3.3.1 Kassel 1967 12
3.3.2 Paris 1969 13
4 Die Zensur von La passion du général Franco
13
4.1 Der Zensurhergang und die Begründungen 13
4.2 Zensurtheoretische Aspekte 14
4.3 Reaktionen 15
4.4 Transformationen von La passion du général Franco nach der Zensur . . 17
4.4.1 L′interdiction ou Petite Histoire(...) 17
4.4.2 La passion du général Franco par les émigrés eux-mêmes 17
5 Zusammenfassung
19
Literatur
20
2
1 Einleitung
1 Einleitung
Armand Gatti zählt zu den einussreichsten Autoren und Regisseuren des politischen
Theaters in Frankreich. Er war Widerstandskämpfer, zu Tode Verurteilter, Häftling eines
Konzentrationslagers, Journalist, Fallschirmspringer, um nur einige zu nennen. Bekannt
wurde er besonders mit seinen frühen Theaterstücken, wie Le poisson noir und Chant
public devant deux chaises électriques. Durch seine Karriere ziehen sich die Themen von
Macht, Erinnerung und Widerstand, die in stets neuen Formen und in immer neuen Si-
tuation verarbeitet werden. Er arbeitet eng mit politischen und gesellschaftlichen Rand-
gruppen, wie Häftlingen, Immigranten und streikenden Arbeitern zusammen. Anfang
der 60er Jahre wird er von spanischen Immigranten aus Marseille um einen Theatertext
gebeten.
1968 wird die Auührung seines Stückes La passion en violet, jaune et rouge während
den Proben an einem groÿen nationalen Theater in Paris auf Wunsch der spanischen
Regierung verboten. Das Stück parodiert den spanischen Diktator Franco und sein fa-
schistisches Regime. Es kommt zum öentlichen Eklat, denn Theaterzensur ist seit An-
fang des 20. Jahrhunderts in Frankreich abgeschat und ist in dieser Oensichtlichkeit
seitdem nicht wieder vorgekommen1.
Die vorliegende Arbeit ist eine theaterhistoriographische Analyse der Hintergründe, Ent-
stehung und der Zensur von Armand Gattis Theaterstück La passion du général Franco.
Im ersten Teil sollen die Hintergründe des theatralischen Schaens von Armand Gatti
bis in die 60er Jahre und die kulturpolitische Situation Frankreichs zu der Zeit erläutert
werden, woraufhin im zweiten Teil die Arbeiten an dem Text und an den Auührungs-
versuchen von La passion du général Franco, wie auch der Bezug des Stückes zu der
politischen Situation Spaniens analysiert werden, um zuletzt im dritten Teil die Vorgän-
ge um die Zensur des Stückes in ihrem Ablauf, einer zensurtheoretischen Analyse, den
Reaktionen und den Transformationen, die das Stück nach der Zensur erfahren hat, zu
erörtern.
1Robert Abirached; Robert Abirached ; Pascal Ory (Hg.) (1997): Kap. L′Etat et ses Théâtres:
La Tentation de la Censure In La censure en France à l′ère démocratique (1848- ). Paris : Editions
Complexe, S. 261269, hier S. 264
3
2 Hintergründe
2 Hintergründe
2.1 Das theatralische Schaen Armand Gattis bis in die 1960er Jahre
Dante Sauveur Gatti ist am 26. Januar 1924 in Monaco geboren und als Kind eines Stra-
ÿenfegers und einer Putzfrau in einfachen Verhältnissen aufgewachsen. 1942 schlieÿt er
sich in den Wäldern der Berbeyrolle in Corrèze dem maquis, den Widerstandskämpfern
gegen die deutsche Besatzung, an. 1943 wird er verhaftet und zu Tode verurteilt. Auf
Grund seines geringen Alters wird die Exekution ausgesetzt und er wird in das Kon-
zentrationslager Linderman deportiert. Ihm gelingt nach kurzer Zeit die Flucht nach
England, wo er der britischen Luftwae als Fallschirmspringer beitritt. Nach dem Ende
des Krieges arbeitet er als Journalist für Parisien Libéré, Paris-Match, France Observa-
teur, L′Express und Libération. Er nimmt das Pseudonym Armand Gatti an, welches
ihn bis heute begleitet.
2.1.1 Le quetzal - Der Mythos der eigenen Geschichte
Für seine journalistische Arbeit Envoyé spécial dans la cage aux fauves erhält er 1954
den renommierten Prix Albert Londres. Daraufhin wird er von seinem Arbeitgeber,
Le Parisien Libéré als Korrespondent nach Guatemala geschickt, wo er gleich nach
seiner Ankunft Zeuge eines blutigen Putsches wird. Er lernt den im Widerstand täti-
gen Indianer Felipe kennen, der ihm seine Sprache und eine für Gatti völlig neue Welt
zeigt. Die beiden werden von Putschisten überwältigt, Gatti wird als westlicher Journa-
list verschont, Felipe wird vor den Augen Gattis auf der Stelle hingerichtet. Bei seiner
Rückkehr nach Guatemala Ciudad ndet er sich im Kreise der Journalisten und intel-
lectuelles nicht wieder. Die Seinen seien nicht mehr die Seinen gewesen. Dies wird
in Folge der Antrieb für sein erstes Theaterstück. Le quetzal zu schreiben sei, so Gatti,
eine Verpichtung gegenüber Felipe gewesen, Pour faire écho aux paroles de Felipe2 .
Quetzal ist der Name für einen mythischen Vogel der Mayas, der bei seiner Rückkehr
die Befreiung verspricht. Jedoch ist quetzal auch der Name der guatemalischen Wäh-
rung. Somit ist eine Mehrdeutigkeit der Symbole, gerade im Hinblick auf die Thematik
des Widerstands, hergestellt, die in der weiteren Arbeit Gattis zentral bleiben sollte. Die
Mehrdeutigkeit der benutzten Symbole ist einer unter vielen Schlüsseln zum Verständnis
Gattis.
2Armand Gatti; Michel Séonnet (Hg.) (1991a): Oeuvres Théâtrales - Tome I. Verdier, S. 135
4
2 Hintergründe
2.1.2 Le poisson noir - Die Legitimität des Widerspruchs
1955 hat Gatti China besucht und war von zwei zentralen Begegnungen beeinusst. Die
erste war die Begegnung mit dem Schauspieler der Pekinger Oper Mei Lan Fang, der
ihm zeigte, dass ein Stock ein Pferd und gleich darauf ein Fluss sein könnte. Es würde
genügen einen Fuss anzuheben, um eine Schwelle darzustellen 3 . Gatti hat, bezogen auf
diese Lektion, seine eigenen Inszenierungen als mettre en oeuvre la lecon beschrieben.
Die zweite Begegnung war Mao Tse Tung, der ihm auf die Frage Was ist der neue
Mensch?, ein Buch voller weiÿer Seiten reichte und Gatti auorderte, zu unterschreiben.
Die Idee vom Einuss des Einzelnen auf das, was der neue Mensch sein solle, lieÿ Gatti
nicht mehr los. 1958 erscheint Le poisson noir als erstes seiner Stücke. Im gleichen
Jahr erhält es den Prix Fénéon. In Le poisson noir geht es um den historischen
Kaiser Chinas Ts′in Che Houang-ti, der im 2. Jh. v. Chr. die einzelnen chinesischen
Provinzen einte und die fragmentierten Teile der chinesischen Mauer, zu den Grenzen
des heutigen China umbauen lieÿ. Hierbei handelt es sich um das einzige Stück Gattis in
dem Personen aus einem anderen Jahrhundert als dem 20. eine bedeutende Rolle spielen.
Das zentrale Thema von Le poisson noir ist die Frage nach der Legitimität von Macht
und Widerstand: Der Kaiser Ts′in ist bereit für sein Ziel die Einheit Chinas herzustellen,
jeden Preis zu zahlen. So lässt er morden, deportieren und verurteilt seinen eigenen Sohn
zu Tode. Der groÿe Traum lässt keine Schwächen zu. Wer jedoch ist Ts′in zuletzt? Ein
blutiger Tyrann oder ein groÿer Staatsvater und Erbauer? Und wie sind diejenigen zu
verstehen, die sich ihm widersetzen? Rückwärtsgewandte konservative Traditionalisten,
Opfer oder doch weise Aufklärer? Gatti beantwortet diese Frage durch die Person des
Meisters King K′o, der losgeschickt wird, um den Kaiser zu ermorden: Nous pouvons
nous engager dans deux chemins opposés, sans qu′aucune des deux versions de notre
marche ne soure le moindre doute.4 Die beiden Versionen der Wahrheit werden ab
dorthin im Stück als legitim behandelt, mit allen daraus resultierenden Paradoxien.
Seit seinen ersten Stücken verbindet Gattis Stil geträumte Wirklichkeit mit geschicht-
licher, und ruft dabei den Zuschauer zu einer eigenen politischen Tätigkeit und Posi-
tionierung auf. Seine Stücke sind meist kein sich selbst erklärendes Theater und diese
Tatsache macht es schwierig, Gatti mit gängigem theatralem Vokabular zu begegnen. Er
fordert sehr viel vom Zuschauer, will immer einen Mitkämpfer, keinen passiven Konsu-
menten. Diese Forderung äuÿert sich bisweilen in Verachtung für den Zuschauer, auch
3Gatti (1991a), S. 177
4Ebd.
5
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