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Analyse der ECVET-Einführung im Rahmen des deutschen Berufsbildungssystems

Examination Thesis, 2008, 81 Pages
Author: Carla Seel
Subject: Economics / Business: Didactics, Economic Pedagogy

Details

Category: Examination Thesis
Year: 2008
Pages: 81
Grade: 2,3
Bibliography: ~ 45  Entries
Language: German
Archive No.: V117044
ISBN (E-book): 978-3-640-18940-3

File size: 1899 KB

Abstract

Die Schaffung eines Europäischen Qualifikationsrahmens in Verbindung mit der Entwicklung eines Leistungspunktesystems im Bereich der Berufsbildung, dem European Credit Transfer System for Vocational Education and Training, kurz ECVET, stellt eine neue und ehrgeizige Stufe in der Bemühung der EU dar, den europäischen Bildungsmarkt transparenter und dynamischer zu gestalten. Die Idee ist, Lernergebnisse, Abschlüsse und Arbeitserfahrungen in ein Leistungspunktesystem zu „übersetzen“ und sie auf diese Weise gleich einer europäischen Währung für die berufliche Bildung über Grenzen hinweg nutzbar zu machen. Dadurch soll jeder europäische Bürger die Chance erhalten, das eigene Kompetenzprofil nach Belieben zusammenzustellen. Am 9. April 2008 wurde der Vorschlag für eine Empfehlung des Europäischen Parlaments und des Rates zur Einrichtung des ECVET vorgelegt und so arbeiten die europäischen Länder derzeit unter Hochdruck an einer Ausgestaltung der nationalen Systeme nach ECVET. Die Aufgabenstellung dieser Arbeit ist, die ECVET-Einführung im Rahmen des deutschen Berufsbildungssystems zu analysieren. Die Frage ist, wie ein deutsches Leistungspunktesystem aussehen kann und welche Vorteile für das deutsche, insbesondere das duale System zu erwarten sind.


Excerpt (computer-generated)

Analyse der ECVET-Einführung im Rahmen des
deutschen Berufsbildungssystems

Schriftliche Hausarbeit im Rahmen der Ersten Staatsprüfung,
dem Landesprüfungsamt für Erste Staatsprüfungen für Lehrämter an Schulen

vorgelegt von:

Carla Seel
Aachen, den 01.10.2008

Institut für Wirtschaftsdidaktik
Fakultät für Wirtschaftswissenschaften
RWTH Aachen

 


Inhaltsverzeichnis

Einleitung 4
1. ECVET im Kontext von EQR und DQR 7
1.1 ECVET 7
1.2 Der Europäische Qualifikationsrahmen 11
1.3 Konturen eines Deutschen Qualifikationsrahmens 16
2. ECVET in der Praxis 18
2.1 Das Volkswagen-Projekt EuroB 18
2.1.1 Schneidung von Einheiten 19
2.1.2 Beschreibung der Einheiten 22
2.1.3 Prüfung von Kompetenzen 27
2.1.4 Bewertung 29
2.2 BMBF: Ausbildung nach Bausteinen 32
2.2.1 Der deutsche Weg 32
2.2.2 Das Baustein-Modell nach Euler/Severing 33
2.2.3 Ausbildung nach Bausteinen für den Ausbildungsgang Industriemechaniker/in 38
2.2.3.1 Schneidung von Einheiten 38
2.2.3.2 Beschreibung der Einheiten 40
2.2.3.3 Prüfung von Kompetenzen 42
2.2.3.4 Bewertung 42
2.3 Der 3. Weg in der Berufsausbildung in NRW 44
2.3.1 Ausbildung nach Bausteinen für den Ausbildungsgang Maschinen- und Anlagenführer/in 44
2.3.2 Schlussfolgerungen der fachlichen Begleitung 46
2.3.3 Bewertung 48
3. Bestandsaufnahme der Diskussion über die ECVET-Einführung 49
4. Einschätzung 60
Literaturverzeichnis 66
Anhang 75

2

 


Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Einheiten von Lernergebnissen und ECVET-Punkte 9
Abb. 2: EQR und ECVET für Transparenz und Übertragbarkeit von Lernergebnissen 12
Abb. 3: Kompetenzmatrix EuroB 21
Abb. 4: Kompetenzstandard EuroB 25
Abb. 5: Vorgeschlagene Reihenfolge bei der Vermittlung der Ausbildungsbausteine des Ausbildungsberufes Industriemechaniker 39
Abb. 6: Struktur des Ausbildungsbausteins Nr. 6 ,,Montieren, in Betrieb nehmen und Optimieren von technischen Systemen" 40
Abb. 7: Inhalte des Ausbildungsbausteins Nr. 6 ,,Montieren, in Betrieb nehmen und Optimieren von technischen Systemen" 41

3

 


Einleitung

Die Schaffung eines Europäischen Qualifikationsrahmens in Verbindung mit der Entwicklung eines Leistungspunktesystems im Bereich der Berufsbildung, dem European Credit Transfer System for Vocational Education and Training, kurz ECVET, stellt eine neue und ehrgeizige Stufe in der Bemühung der EU dar, den europäischen Bildungsmarkt transparenter und dynamischer zu gestalten. Die Idee ist, Lernergebnisse, Abschlüsse und Arbeitserfahrungen in ein Leistungspunktesystem zu ,,übersetzen" und sie auf diese Weise gleich einer europäischen Währung für die berufliche Bildung über Grenzen hinweg nutzbar zu machen. Dadurch soll jeder europäische Bürger die Chance erhalten, das eigene Kompetenzprofil nach Belieben zusammenzustellen. Am 9. April 2008 wurde der Vorschlag für eine Empfehlung des Europäischen Parlaments und des Rates zur Einrichtung des ECVET vorgelegt und so arbeiten die europäischen Länder derzeit unter Hochdruck an einer Ausgestaltung der nationalen Systeme nach ECVET.

Die Aufgabenstellung dieser Arbeit ist, die ECVET-Einführung im Rahmen des deutschen Berufsbildungssystems zu analysieren. Die Frage ist, wie ein deutsches Leistungspunktesystem aussehen kann und welche Vorteile für das deutsche, insbesondere das duale System zu erwarten sind.

Dazu ist die Analyse wie folgt aufgebaut: Das erste Kapitel befasst sich mit den Hintergründen der ECVET-Entwicklung auf europäischer Ebene. Es zeigt die zentralen Charakteristika des Leistungspunktesystems auf und stellt es in Beziehung zu den neuesten Entwicklungen ­ dem Entwurf des Europäischen wie des Deutschen Qualifikationsrahmens ­ ohne die ECVET nicht gelingen kann. In Kapitel 2 werden drei Projekte dargestellt, die sich auf die ECVET-Umsetzungsebene begeben haben: Das Projekt Europäisierung der Berufsbildung der Volkswagen Coaching GmbH, das Konzept des Bundesministeriums für Bildung und Forschung Ausbildung nach Bausteinen, sowie Der 3.Weg in der Berufsausbildung in NRW. Während die ersten zwei Projekte Ergebnisse hinsichtlich der möglichen Konstruktion von Lerneinheiten erwarten lassen, liegen hinsichtlich des 3. Weges erste Umsetzungserfahrungen vor. Diese Studien sollen Aufschluss und Hinweise

4

 


geben, wie ECVET auf Basis der vorhandenen Strukturen in Deutschland umgesetzt werden kann. Kapitel 3 greift die aktuelle deutsche Diskussion über die angestrebte Flexibilisierung des dualen Systems durch eine ECVET-Einführung auf und zeigt erhoffte aber auch befürchtete Auswirkungen auf. Kapitel 4 schließt mit einer Einschätzung darüber, wie ein deutsches Leistungspunktesystem aussehen kann hinsichtlich der Schneidung, der Beschreibung und der Prüfung von Lerneinheiten, welche Zielsetzungen in Deutschland voraussichtlich verfolgt werden und welche Verbesserungen sich m. E. durch eine Einführung erzielen lassen.

Hinweise zur ECVET-Konstruktion finden sich auf europäischer Ebene nur in sehr abstrakter Form, da die einzelnen Berufsbildungssysteme in den europäischen Staaten sich nach den jeweiligen kulturellen Eigenheiten herausgebildet haben. Von besonderer Bedeutung ist deshalb die Frage, wie sich die Gestaltungsprinzipien auf Basis der deutschen Ordnungsmittel - den Rahmenlehrplänen und Ausbildungsordnungen ­ umsetzen lassen. Damit vergleichbare Schlussfolgerungen hinsichtlich einer ECVET-Konstruktion gezogen werden können, orientiere ich mich im Rahmen der Untersuchung am dualen Ausbildungsgang des Industriemechanikers bzw. der Industriemechanikerin. Die metallverarbeitende Industrie nimmt in der deutschen Wirtschaft eine starke Stellung ein und so sind die industriellen Metallberufe seit jeher Vorreiter hinsichtlich neuer Ausbildungskonzepte und curricularer Neuordnungsverfahren.

Das Projekt Europäisierung der Berufsbildung der Volkswagen Coaching GmbH soll dem Konzept des Berufsbildungsministeriums Ausbildung nach Bausteinen gegenübergestellt werden, da hier deutlich wird, dass die Wirtschaft und die Bundesregierung hinsichtlich der ECVET-Gestaltung unterschiedliche Vorstellungen verfolgen. Das Projekt Der 3.Weg in der Berufsausbildung in NRW wird ebenfalls in die Betrachtung einbezogen, weil eine theoretische Annäherung des Themas für eine Einschätzung der Machbarkeit nicht ausreicht. Die ersten Erfahrungen zeigen, dass Anspruch und Wirklichkeit der ECVET-Einführung in der Praxis durchaus auseinander fallen können.

5

 


Ein weiterer Schwerpunkt dieser Arbeit liegt neben der curricularen Machbarkeit auf möglichen Prüfungsformen. ECVET impliziert eine modulare Gestaltung und damit auch Überlegungen, wie Module in Zukunft geprüft und zertifiziert werden können. In diesem Zusammenhang werden die Vorschläge Eulers und Severings ausführlicher dargestellt. Ihr Gutachten diente als Grundlage für das ECVET-Konzept, wie es derzeit vom Bildungsministerium verfolgt wird. Negative Auswirkungen des ECVET werden vor allem für eine geregelte berufliche Erstausbildung erwartet. Als eine der Wenigen hat Drexel in ihrem Gutachten eine nüchterne Abwägung der Risiken und Chancen einer ECVET-Einführung vorgenommen, weswegen ihr im Diskussionsteil besondere Berücksichtigung zukommt.

Zum Thema ,,Einführung eines Leistungspunktesystems im Rahmen des deutschen Berufsbildungssystems" bieten sich auch andere Zugänge an, die im Rahmen dieser Arbeit nicht behandelt werden. So beispielsweise die Frage, welche Erfahrungen hinsichtlich der Einführung in Österreich vorliegen, das ein duales Ausbildungssystem aufweist, welches dem deutschen System recht ähnlich ist. Hier verweise ich auf den Endbericht des österreichischen Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung, welcher im Zuge der Entwicklung eines österreichischen Qualifikationsrahmens in Auftrag gegeben wurde. Er beinhaltet vertiefende Analysen hinsichtlich des Status Quo lernergebnisorientierter Qualifikationsbeschreibungen und berücksichtigt internationale Erfahrungen.1 Der Beitrag von Weiß enthält darüber hinaus Rückschlüsse für eine deutsche ECVET-Gestaltung.2 Ebenso konnten die rechtlichen Implikationen einer ECVET-Einführung in dieser Arbeit nicht diskutiert werden. Vergleiche hierzu die Analysen Hähnleins.3

1 Vgl. Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung (Hrsg.): Entwicklung eines Nationalen Qualifikationsrahmens für Österreich - Vertiefende Analysen, Endbericht. Wien, Dezember 2007.
Online: http://www.bmwf.gv.at/uploads/tx_bmwfcontent/NQR_Studien-Endberich_Dez07.pdf (01.09.2008).
2 Vgl. Weiß, R.: Beruflichkeit und Modularisierung schließen sich nicht aus: Die Alpenländer machen es vor! In: BiBB (Hrsg.): Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis ­ BWP, 4/2006. Bielefeld 2006. S. 3 - 4.
3 Vgl. Hähnlein, A.: Rechtliche Aspekte der Implementierung und der Anwendung des ECVET. Sowie Ders.:ECVET-Instrumente zur Herstellung von Vertrauen. In: Loebe, H.; Severing, E. (Hrsg.): ECVET ­ Einführung eines Leistungspunktesystems für die Berufsbildung. Schlussbericht des Forschungsinstituts Betriebliche Bildung. Band 50, Bielefeld 2008. S. 44 ­ 56, sowie S. 57 ­ 66.

6

 


1. ECVET im Kontext von EQR und DQR

Das European Credit Transfer System for Vocational Education and Training (ECVET) als Instrument zur Förderung der Mobilität von Arbeitnehmern und Lernenden ist Teil des Gesamtprojekts zur Entwicklung der europäischen Zusammenarbeit im Bereich der Berufsbildung, kurz ,,Brügge-Kopenhagen-Prozess", und in seiner Wirkungsweise eng verknüpft mit anderen neuen Transparenz- und Mobilitätsinstrumenten, wie dem Europäischen Qualifikationsrahmen, dem Europass und dem zur Zeit entstehenden Deutschen Qualifikationsrahmen.4

1.1 ECVET

Die Entwicklung des Leistungspunktesystems erfolgt gegenwärtig. Am 9. April 2008 wurde der Vorschlag für eine Empfehlung des Europäischen Parlaments und des Rates zur Einrichtung des ECVET vorgelegt.5 Eine endgültige Empfehlung für die Umsetzung steht noch aus. Das Leistungspunktesystem zunächst nur auf die Berufsbildung zu beziehen, stellt einen Kompromiss dar.

So wollte die Europäische Kommission im Juni 2005 das Leistungspunktesystem für Lebenslanges Lernen insgesamt und übergreifend zeitnah etablieren, scheiterte jedoch am Widerstand der Technischen Arbeitsgruppe und den Kritikern aus Minister- und Sozialpartnerkreisen, die sich für eine Beschränkung und Erprobung auf den Bereich der Berufsbildung aussprachen, und gegen einen sofortigen Einbezug des Hochschulleistungspunktesystems.6 Perspektivisch wird jedoch ein

4 Zu den einzelnen Elementen des Europasses, wie Lebenslauf, Sprachenpass, Mobilitätsnachweis etc., sowie den Ausgangspunkten europäischer Berufsbildungsinitiativen vgl. Euler, D.; Sloane, P. (Hrsg.): Europäische Herausforderungen und Potenziale der Qualifikationsforschung in der beruflichen Bildung. Band 35, Paderborn 2007. S.75 ­ 80.
5 Vgl. Europäische Kommission: Vorschlag für eine Empfehlung des Europäischen Parlaments und des Rates zur Einrichtung des Europäischen Leistungspunktesystems für die Berufsbildung (ECVET). Brüssel, 09.04.2008. Online: http://ec.europa.eu/education/policies/educ/ecvet/com180_de.pdf (01.09.2008).
6 so das, nach dem Bruch mit der ECVET-TAG nicht länger veröffentlichte Dokument ,,ELC" (European Learning Credits for Lifelong Learning) der Europäischen Kommission vom 30.05.2006. Vgl. Kunze, K.: Entwicklung und Etablierung europäischer Instrumente für die berufliche Bildung- Verlauf des europäischen Leistungspunktesystems. Universität Rostock, Stand August 2007. S. 4. Online:
http://mano.chilltimes.de/cmsmadesimple/uploads/File/veroeffentlichungen/ECVET_EQF_Bericht_Aug07.pdf (01.09.2008).

7

 


Leistungspunktesystem angestrebt, dass ECVET und ECTS vereint und auch informell erworbene Kompetenzen einbezieht.7

Bezogen auf die Berufsbildung soll das ECVET ähnlich funktionieren wie die Anrechnung im Ausland erbrachter Studienleistungen durch das ECTS. Ein entscheidender Unterschied besteht jedoch in der Messung der Credits.8 Während das ECTS einem quantitativen Ansatz folgt, Credits also nach Inputfaktoren, wie der Arbeitsbelastung und der theoretischen Lernzeit (workload) festlegt, ist ECVET ausgerichtet auf die qualitativen Lernergebnisse (learning outcomes), als Output von Arbeits- oder Lernprozessen. Lernergebnisse meint ,,die Gesamtheit der Kenntnisse, Fähigkeiten und/oder Kompetenzen, die eine Person nach Durchlaufen eines Lernprozesses erworben hat und/oder nachzuweisen in der Lage ist. Lernergebnisse (learning outcomes) sind Aussagen über das, was ein Lernender am Ende einer Lernperiode wissen, verstehen, können soll."9

Angestrebt wird eine outcome-orientierte Messung und Darstellung der Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen, unabhängig von Lernort, Lerndauer oder anderer Inputfaktoren. Diese Grundsatzentscheidung wurde in der ECVET-Expertengruppe bereits frühzeitig getroffen, weil sie den stark variierenden Lernsettings der Berufsbildungssysteme im Gegensatz zum Hochschulbereich am ehesten Rechnung trage.10 Das Leistungspunktesystem

Vgl. ferner Schopf, M.: EUROPASS, EQF, ECVET und CQAF ­ reformiert die EU jetzt die deutsche Berufsbildung? In: bwp@ Berufs- und Wirtschaftspädagogik ­ online, Ausgabe 8, Juli 2005. S. 6. Online: http://www.bwpat.de/ausgabe8/schopf_bwpat8.pdf (01.09.2008).
7 Europäische Kommission: Vorschlag für eine Empfehlung des Europäischen Parlaments und des Rates zur Einrichtung des Europäischen Leistungspunktesystems für die Berufsbildung (ECVET). Brüssel, 09.04.2008, S. 16 ff. Online: http://ec.europa.eu/education/policies/educ/ecvet/com180_de.pdf (01.09.2008).
8 Wie folgt verwende ich Leistungs-, Kreditpunkte synonym, ziehe aber aufgrund semantischer Feinheiten die Bezeichnung Credits vor. Kreditpunkte wird dem englischen Credit Points in seiner Übersetzung nicht gerecht. Die Bezeichnung Leistungspunkte verfehlt den Sinn, da es sich um eine numerische Größe handelt, die bestimmte Schwerpunkte sichtbar macht, in Form von Lernergebnissen, nicht Leistungen im engeren Sinn, wird aber im europäischen Kontext benutzt.
9 Vgl. Europäische Kommission: Auf dem Weg zu einem Europäischen Qualifikationsrahmen für Lebenslanges Lernen. Arbeitsunterlage der Kommissionsdienststellen. Brüssel, 8.7.2005, S.13. Online: http://ec.europa.eu/education/policies/2010/doc/consultation_eqf_de.pdf (01.09.2008).
10 Vgl. den Beitrag von Heidemann, W. (einem Mitglied der TAG): EQF und ECVET: Meilenstein zur Verwirklichung Lebenslangen Lernens oder Zerstörung deutscher Beruflichkeit? In: Dehnbostel, P.; Elsholz, U.; Gillen, J. (Hrsg.): Kompetenzerwerb in der Arbeit. Perspektiven arbeitnehmerorientierter Weiterbildung. Berlin 2007. S. 263 ­ 277.

8

 


dient der persönlichen Akkumulierung von Lern- und Arbeitserfahrungen sowie der Übertragbarkeit und Anerkennung, bei Auslandsaufenthalten oder einem vorzeitigen Abbruch der Ausbildung.

Konkret sieht das ECVET-Konzept vor, gewisse Lerneinheiten (units) als Teile einer Qualifikation zu identifizieren. Auf europäischer Ebene wird eine Lerneinheit lediglich bestimmt als kohärenter Satz von Kenntnissen, Fähigkeiten und Kompetenzen, der bewertet werden kann.11 Der ECVET-Punktewert einer Qualifikation im Ganzen (x, siehe Abbildung 1) ist gleich der Summe der Credits für die einzelnen Einheiten (a + b + c + d + e + f). Im Sinne des Vorschlags der Kommission sollen für die Lernergebnisse eines Jahres formaler Berufsausbildung 60 Punkte vergeben werden, für eine dreijährige Ausbildung im Rahmen des dualen Systems demnach 180 Punkte.12

Abb. 1: Einheiten von Lernergebnissen und ECVET-Punkte

Quelle: verändert übernommen von Europäische Kommission: Vorschlag für eine Empfehlung des Europäischen Parlaments und des Rates zur Einrichtung des Europäischen Leistungspunktesystems für die Berufsbildung (ECVET). Brüssel, 09.04.2008, S. 13. Online: http://ec.europa.eu/education/policies/educ/ecvet/com180_de.pdf (01.09.2008).

Credits für einzelne Lerneinheiten können im Rahmen grenzüberschreitender Austausche in einem europäischen Gastland erworben und unter Verständigung der beteiligten Institutionen über Vergabe- und Anrechnungsmodalitäten im Heimatland des Auszubildenden auf die Ausbildung angerechnet werden. Die [...]

11 Vgl. Europäische Kommission: Vorschlag für eine Empfehlung des Europäischen Parlaments und des Rates zur Einrichtung des Europäischen Leistungspunktesystems für die Berufsbildung (ECVET). Brüssel, 09.04.2008, S. 22. Online: http://ec.europa.eu/education/policies/educ/ecvet/com180_de.pdf (01.09.2008).
12 Vgl. ebenda, S. 10.

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