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Termpaper, 2005, 20 Pages
Author: Jens Wegmann
Subject: Archaeology
Details
Institution/College: Ruhr-University of Bochum (Institut für Archäologische Wissenschaften)
Tags: Curia, Forum, Romanum, Forum, Romanum
Year: 2005
Pages: 20
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 18 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-19159-8
File size: 10836 KB
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Abstract
Das Wort curiae bezeichnete im ursprünglichen Sinne die politisch einflussreichen dreißig Geschlechterverbände in die Romulus die römische Gesellschaft angeblich unterteilt haben soll1. Zur Verkündung der religiösen Feiertage oder aus Anlass von Opferungen soll, so die Quellen, der pontifex minor die curiae auf dem Capitol zusammengerufen haben. Dies dürfte die Herkunft des Wortes Curia darstellen. Einige Jahrhunderte später bezeichnete das Wort Curia ein Gebäude auf dem Forum Romanum. Es war der vorrangige Tagungsort des römischen Senats, ein Platz der Zusammenkunft der politisch Ton angebenden oder zumindest einflussreichen Klasse. Für lange Zeit bildete das Gebäude das politische Zentrum Roms. Diese Hausarbeit beschäftigt sich, keines Falls erschöpfend, mit den verschiedenen Bauphasen die dieses Gebäude im Laufe seiner Geschichte durchlaufen hat. Die Rekonstruktion der verschiedenen Curiae Gebäude muss sich aus Mangel an auswertbaren Überresten größtenteils auf andere Quellen stützen. Es ist also schwierig sich ein Bild von den vorherigen Curiae zu machen. Dennoch werde ich versuchen möglichst akkurat die vergangenen Gebäude wiederauferstehen zu lassen. Im letzten Teil werde ich auf das heute noch zu sehende Curiagebäude des Diocletian eingehen und einen kurzen Abriss über die Funktion der Curia nach dem Zusammenbruch des römischen Reiches geben.
Fulltext (computer-generated)
Ruhr Universität - Bochum
02.12.2005
WS 2005/2006
Fakultät für Geschichtswissenschaften
Institut für Archäologische Wissenschaften
Veranstaltung: Das Forum Romanum
,Die Curia auf dem Forum Romanum′
Jens Wegmann
B.A. ,Geschichte′ / B.A. , Archäologische
Wissenschaften′
3. Semester
Inhaltsverzeichnis:
I.
Einleitung 1
II.
Die Curia Calabra 1
III.
Die Curia Hostilia 2
IV.
Die Curia Iulia 4
V.
Die Curia des Diocletian von der Antike bis Heute 6
VI.
Zusammenfassung 8
VII.
Literatur- und Quellenangaben 9
VIII.
Abbildungen 11
I. Einleitung
Das Wort
curiae
bezeichnete im ursprünglichen Sinne die politisch
einflussreichen dreißig Geschlechterverbände in die Romulus die
römische Gesellschaft angeblich unterteilt haben soll1.
Zur Verkündung der religiösen Feiertage oder aus Anlass von
Opferungen soll, so die Quellen, der
pontifex minor
die
curiae
auf dem
Capitol zusammengerufen haben. Dies dürfte die Herkunft des Wortes
Curia darstellen. Einige Jahrhunderte später bezeichnete das Wort Curia
ein Gebäude auf dem Forum Romanum. Es war der vorrangige
Tagungsort des römischen Senats, ein Platz der Zusammenkunft der
politisch Ton angebenden oder zumindest einflussreichen Klasse. Für
lange Zeit bildete das Gebäude das politische Zentrum Roms.
Diese Hausarbeit beschäftigt sich, keines Falls erschöpfend, mit den
verschiedenen Bauphasen die dieses Gebäude im Laufe seiner
Geschichte durchlaufen hat. Die Rekonstruktion der verschiedenen
Curiae Gebäude muss sich aus Mangel an auswertbaren Überresten
größtenteils auf andere Quellen stützen. Es ist also schwierig sich ein
Bild von den vorherigen Curiae zu machen. Dennoch werde ich
versuchen
möglichst
akkurat
die
vergangenen
Gebäude
wiederauferstehen zu lassen. Im letzten Teil werde ich auf das heute noch
zu sehende Curiagebäude des Diocletian eingehen und einen kurzen
Abriss über die Funktion der Curia nach dem Zusammenbruch des
römischen Reiches geben.
II. Die Curia Calabra
Die Curia Calabra und ihre Funktionen zu rekonstruieren ist besonders
problematisch. Da keine archäologisch auswertbaren Überreste erhalten
sind, muss sich eine Rekonstruktion auf die wenigen literarischen
Überlieferungen stützen. Es ist somit fast unmöglich gesicherte Angaben
1 Hausmaninger, Univ.-Dozent Dr. Herbert: Art. Curia, in: Der kleine Pauly.Lexikon der Antike, Bd. I (1964),
S. 1558.
1
zum Aufbau und zur Funktion zu machen, deshalb sind alle Angaben nur
unzureichende Vermutungen.
Aufgrund der Bezeichnung Curia lässt sich vermuten, dass der Curia
Calabra ähnlich sakral - politische Aufgaben zukamen wie den Curien
der späteren Jahrhunderte. Die Bezeichnung ,Calabra′ leitet sich
wahrscheinlich vom lateinischen Wort ,calare′ ab, welches soviel wie
,zusammenrufen′ oder ,ausrufen′ bedeutet2. Möglicherweise war die
Curia Calabra also eine Art Versammlungsplatz oder Halle. Ihr
vermutlicher Standort war auf dem Capitolshügel3.
Die Curia soll Schauplatz von Opferungen zugunsten des Jupiter und
regelmäßiger Mondbeobachtungen zur Bestimmung der religiösen
Feiertage gewesen sein. Vor der Einführung des Kalenders rief der
pontifex minor
monatlich die Bewohnern Roms zur Bekanntgabe der
Daten zusammen, welche anhand der Mondzyklen errechnet worden
waren4. Die Funktion als Versammlungsplatz und Ort sakraler
Handlungen, lässt darauf schließen, dass es sich möglicherweise um
einen Komplex, bestehend aus einer Augurenhütte oder eventuell einem
Tempel, mit angrenzender Versammlungsfläche handelte5.
III. Die Curia Hostilia
Die Curia Hostilia war der eigentliche Tagungsort des römischen Senats.
Ihr Bau wird dem dritten römischen König Tulius Hostilius
zugeschrieben6. Vermutlich stand sie an der Nordseite des Forum
Romanum. Es lässt sich nicht mit absoluter Sicherheit sagen in welche
Richtung der Eingang zeigte. Anhand der Rekonstruktion der anderen
republikanischen Gebäude aus der Zeit und den Überlieferungen des
Plinius lässt sich allerdings vermuten, dass er sich im Süden befand7. Die
Tatsache, dass sie sich so dem Geschehen auf dem politischen Zentrum
2 Varro: L.L., V. 13
3 Serv. Aen.: VIII, 654
Macrob. Sat.: I. 15. 10
4 Serv. Aen.: VIII, 654
Varro: L.L., VI. 27
Macrob. Sat.: I. 15. 10 - 19
5 Ashby, Thomas und Platner, Samuel Ball: Curia Calabra, in: A topographical dictionary of ancient Rome.
Rom (1965), S. 142
Richardson, Lawrence: Curia Calbra, in: A new topographical dictionary of ancient Rome (1992), S. 102
6 Varro. L.L., V. 155
7 Plin. nat.: VII, 212
2
Rom geöffnet hätte und die später Curia Iulia ebenso ausgerichtet war
untermauert diese Vermutung.
Von dieser Annahme ausgehend lag dem Eingang vorgelagert und mit
der Curia auf einer Achse liegend der öffentliche Versammlungsplatz,
das Comitium(Abb. 1)8.
Ebenso wie das Comitium und höchstwahrscheinlich auch die vorige
Curia Calabra, war die Curia Hostilia als Tempel geweiht9. Es liegt nahe,
dass der Senat so versuchte beim Treffen von politischen Entscheidungen
den Segen der Götter auf seiner Seite zu haben.
Die Überlieferung berichtet, dass vermutlich an der Westfassade der
Curia ein Gemälde des Malers Quintus Fabius Pictor angebracht war,
welches den Sieg des M. Valerius Messala über Hiero und die Karthager
im Jahre 263/264 v. Chr. zeigte10. Die genaue Lage ist jedoch nicht
gesichert, ebenso wenig, ob es sich überhaupt um ein Gemälde handelte.
Bei der Tabula Valeria genannten Wandverzierung könnte es sich
möglicherweise auch um eine Tafel mit horatianischen valerianischen
Gesetzestexten gehandelt haben.
Sofern die Tabula Valeria denn an der Westfassade angebracht war, muss
sie spätestens beim Bau der Basilika Porcia im Jahre 184 v. Chr. entfernt
worden sein. Nach Fertigstellung der Basilika Porcia wäre es nicht mehr
möglich gewesen die Tabula Valeria einzusehen, da der Blick versperrt
gewesen wäre. Möglicherweise ist sie anderswo aufgehängt worden oder
gar dem benachbarten Neubau einverleibt worden11.
Im Jahre 80 v. Chr. baute Sulla (*138 - 78 v. Chr.) die Curia um und
ließ während der Umbaumaßnahmen die beiden an den Ecken des
Comitiums stehenden Statuen des Phytagoras und Alcibiades entfernen12.
Die Curia wurde von da an, nach Sullas Gentilnomen, auch Curia
Cornelia genannt.
Im Jahre 52 v. Chr. legte ein vom Volkstribun Clodius Sextus
aufgehetzter Mob Feuer, wodurch die Basilika Porcia und die Curia
Hostilia komplett niederbrannten. Nachdem Brand ließ Sullas Sohn
8 Liv.: XLV, 24. 12
9 Varro. ap. A. Gellium. XIV.7.7.
10 Plin. nat.: XXXV, 22
11 Richardson, Lawrence: Curia Calbra, in: A new topographical dictionary of ancient Rome (1992), S. 102
12 Plin. nat.: XXXIV
3
Faustus im Auftrag des Senats die Curia an derselben Stelle neu errichten
und erheblich vergrößern.13
Bereits 44 v. Chr. wurde die gerade neu errichtete Curia wieder
abgerissen. Warum dies geschah ist nach wie vor unklar. Cassius Dio
berichtet, dass unter Leitung des Lepidus, einem Anhänger Caesars, auf
dem Gelände der Curia ein Tempel zu Ehren der Felicitas errichtet
werden sollte. Allerdings sind bisher keine Überreste eines solchen
Tempels gefunden worden14. Es ist möglich, dass dieser Tempel bei
späteren Umbaumaßnahmen in anderen Gebäuden aufgegangen ist.
Möglicherweise fiel der durch Sullas Sohn errichtete Bau der Curia
Hostilia/Cornelia aber auch einer Art ,damnatio memoriae′ zum Opfer,
mit der der Name Sulla aus dem politischen Bewusstsein des Staates
gestrichen werden sollte15.
Am wahrscheinlichsten jedoch ist die Vermutung, dass die Curia
Hostilia/Cornelia der Neugestaltung des Forum Romanum und dem Bau
des Forum Iulium durch Gaius Julius Caesar zum Opfer fiel. Der Abriss
durch Caesar, der eine neue Curia als monumentalen Eingang zu seinem
Forum haben wollte, dürfte bei Volk und Oberschicht sicherlich auf
große Kritik gestoßen sein16. Zeigte er doch wie wenig Respekt Caesar
dem Senat entgegenbrachte.
IV. Die Curia Iulia
Kurz nachdem Caesar den Neubau der nach ihm benannten Curia Iulia in
Auftrag gegeben hatte wurde er ermordet. Sein Adoptivsohn Augustus
stellte den Bau 29 v. Chr fertig17 und weihte ihn als Tempel18. Laut
Plinius war die Curia Iulia
in comitio
errichtet worden und hatte
wahrscheinlich auch dieselbe Ausrichtung wie die vorherige Curia
13 Cass. Dio: XLIV, 5.2
Cic. Mil.: 90
Cic. fin.: V, 2
14 Richardson, Lawrence: Curia Calbra, in: A new topographical dictionary of ancient Rome (1992), S. 102
15 Cass. Dio.: XLIV, 5
16 C.H. Beck/Kolb: Rom Geschichte einer Stadt in der Antike. München 11995. S. 264, Z. 1ff.
17 Mon. Anc.: IV, 1
Suet. Cal.: 60
Cass. Dio.: LI, 22
18 Varr. Ap. Gell.: XIV, 7.7
4
Hostilia19. Allerdings dürfte sie aus ästhetischen und bautechnischen
Gründen ein wenig versetzt gestanden haben20.
Caesars Absicht folgend, orientiert sich die Curia Iulia eher zum Forum
Iulium, als zum Forum Romanum. Auf Grund der Tatsache, dass der
Eingang nach Süden ausgerichtet war, wurde und wird sie immer noch
dem Forum Romanum zugeordnet(Abb. 2). Anhand eines Münzbildes
lässt sich die Erscheinung der Curia Iulia rekonstruieren(Abb.3).
Ihrem Eingang vorgelagert war ein, erhöht auf einem Podium gelegener
Porticus mit ionischen Säulen. Vermutlich diente der Porticus auch als
Rednertribüne. Wegen des fehlenden Treppenaufgangs betrat man die
Curia wahrscheinlich über an den Seiten gelegene Stufen21. Über der
breiten Eingangstür sind drei fast ebenso große Fenster zu sehen. Darüber
wiederum ist auf der Münze ist die Inschrift ,IMPCAESAR′ zu lesen,
was diese Gebäude eindeutig als die Curia Iulia identifiziert. Die Figur
im Giebel lässt sich genau nicht zuordnen.
Auf dem Dachgiebel thront eine über den Globus schreitende Statue der
Viktoria von der angenommen wird, dass sie aus Tarent gestohlen wurde.
In ihren Händen sind ein Siegeskranz und Waffen zu erkennen. Eine
Anspielung auf die Weltherrschaft Roms. Rechts und links von ihr, auf
den Ecken des Giebels stehen zwei Kriegerfiguren mit Lanzen oder
Rudern in den Händen22. Möglicherweise sollte diese Konstellation an
den Sieg in der Seeschlacht von Actium erinnern. Die Curia Iulia ist
ebenfalls auf den Anaglypha Traiani zu sehen23.
Im Innern der Curia soll von Augustus ebenfalls eine Statue der Viktoria
aufgestellt worden sein24. Desweiteren sollen zwei Portraits des
Philocares und ein Gemälde des attischen Malers Nicias (4 Jhr. v. Chr.)
den Innenraum geschmückt haben25.
Vermutlich errichtete Augustus das im Nordwesten an die Curia
angrenzende Chalcidium und das Secretarium Senatus. Der Secetarium
Senatus genannte, von einem Säulengang eingefasste, Bau wird den
19 Plin. nat.: XXXV, 27, 131
20 Richardson, Lawrence: Curia Iulia, in: A new topographical dictionary of ancient Rome (1992), S. 103
21 Richardson, Lawrence: Curia Iulia, in: A new topographical dictionary of ancient Rome (1992), S. 102
22 C.H. Beck/Kolb: Rom Geschichte einer Stadt in der Antike. München 11995. S. 357, Z. 7ff.
23 Ashby, Thomas und Platner, Samuel Ball: Curia Iulia A topographical dictionary of ancient Rome. Rom
(1965), S. 144
24 Cass. Dio.: LI, 22.1
25 Pli. nat.: XXXV, 27 f.
5
augutaeischen Baumaßnahmen zugerechnet, auch wenn seine Existenz
bis zur Zeit Diocletians nicht gesichert ist26. Er maß 18,17 m x 8,92 und
diente
vermutlich, als Rückzugsort für Besprechungen der Senatoren. Das
Chalcidium diente wohl als Archiv.
Domitian restaurierte die Curia Iulia im Jahre 94 v. Chr und weihte das
Chalcidium seiner Schutzgöttin Minerva.27 Im Zuge der vermehrten
Barbareneinfälle brannte die Curia 283 n. Chr. im Feuer von Carnius bis
auf die Grundmauern nieder.
IV. Die Curia des Diocletian - Von der Antike bis
Heute
Das heute noch existierende Curia Gebäude auf dem Forum geht auf
Diocletian zurück, der es nach dem Brand von 283 v. Chr. neu errichten
ließ28(Abb.4). Mit hoher Wahrscheinlichkeit dürfte sich der Neubau an
der Curia Iulia orientiert haben, entspricht das Aussehen der heutigen
Curia doch in vielerlei Hinsicht dem der Curia Iulia auf dem Münzbild.
Die Curia des Diocletian besitzt bei einer Länge von 25,20 m und einer
Breite von 17,61 m eine Grundfläche von ca. 444 m2 29. Der
Haupteingang befindet sich, dem Forum Romanum zugewandt, an der
Südfassade und misst ca. 5,90 m Höhe (Abb.5) Zwei weitere Türen
finden sich in der Nordwand des Gebäudes, ihre Funktion ist allerdings
nach wie vor nicht genau bekannt.
Auf dem Epistyl des Vordereingang befand sich die Inschrift:
[i]mperant[e... | [n]eratius in ...| [c]uriam sen[atus]... . Diese wurde im
Frühmittelalter, als man aus der Curia eine Kirche machte, entfernt. Hoch
darüber befinden sich drei große Fenster die bereits auf dem Münzbild
der Curia Iulia hervorstechen und geradezu charakteristisch für dieses
26 Ashby, Thomas und Platner, Samuel Ball: Art. Curia Iulia, in: A topographical dictionary of ancient Rome.
Rom (1965), S. 144
27 Hier. Chron.: 1161
Notit. Reg.: VIII
28 Hieron. Chron.: 148
29 Richardson, Lawrence: Curia Iulia, in: A new topographical dictionary of ancient Rome (1992), S. 103
Ashby, Thomas und Platner, Samuel Ball: Art. Curia Iulia, in: A topographical dictionary of ancient Rome.
Rom (1965), S. 145
6
Gebäude sind. An jeder der drei anderen Seitenwände befindet sich
ebenfalls ein Fenster.
Der untere Teil der äußeren Fassade war mit Marmorplatten und das
darüber liegende Mauerwerk mit Stuck verkleidet. Von der Verkleidung
ist jedoch kaum etwas erhalten, so dass heute nur das ehemals versteckte
Ziegelmauerwerk zu sehen ist.
Im Innenraum ist der Boden mit einem
opus sectile
Mosaik ausgelegt,
welches gut erhalten ist (Abb. 6). Einander gegenüberliegend befinden
sich an den Längsseiten der Curia zwei Stufenpodeste. Auf diesen
befanden sich Bänke oder Sessel, die so genannten
subselliae
, auf denen
die Senatoren während einer Sitzung Platz nehmen konnten (Abb. 7.).
Ein weiteres, allerdings deutlich kleineres, Stufenpodest für den
jeweiligen Sitzungsleiter liegt an der Nordseite des Innenraums. Dort
befindet sich auch der Überrest des Sockels der augustaeische
Viktoriastatue(Abb. 8). Die Innenwände waren ebenfalls mit Marmor
verziert, die Verkleidung wurde aber 1562 zerstört.
Papst Honorius I. (625 638 n. Chr.) wandelte die Curia in eine Kirche
um. Während des Umbaus wurden die schweren bronzenen
Eingangstüren entfernt und fanden eine neue Verwendung im
Baptisterium San Giovanni in Laterano. Bei der Demontage fand man
mehrere Münzen, darunter eine aus der Zeit des Domitian. Eine Apsis
wurde angefügt, Nischen in die Wände geschlagen und man bestattete
einige Leichen im Fundament, dem Treppenaufgang und unter dem
Pflaster des Comitiums. Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Eingang
der Curia mehrmals angehoben, um ihn dem sich ebenfalls anhebenden
Pflaster anzupassen.
Das Chalcidium wurde während des Baus der Via Bonella in den Jahren
1585 1590 abgerissen. Aus dem Secretarium Senatus machte man die
Basilika San Martina. Heute liegt das Secretarium Senatus, auf Grund der
mehrmaligen Bodenanhebung, unter der Erde und dient als Krypta.
Zwischen 1935 und 1938 gab man die Kirche San Adriano auf und stellte
den ursprünglichen Zustand der Curia wieder her.
7
Heute beherbergt das fast komplett restaurierte Gebäude aktuelle
archäologische Austellungen30 (Abb. 9).
V. Zusammenfassung
Über Jahrhunderte hinweg prägten die verschiedenen Gebäude der Curia
auf dem Forum Romanum kontinuierlich das Erscheinungsbild des
politischen Zentrums Roms. Verlor der in der Curia tagende Senat
spätestens seit dem Zusammenbruch der Republik zusehends an
Bedeutung, behielt die Curia hingegen ihren hohen, wenngleich auch
vorrangig repräsentativen, Stellenwert. In späterer Zeit war sie nur noch
Herberge eines quasi bedeutungslos gewordenen politischen Organs.
Im Laufe der Zeit brannte die Curia mehrmals nieder, wurde aber immer
wieder an fast derselben Stelle neu errichtet und restauriert. Dies zeigt
welche immense Bedeutung ihr durch Jahrhunderte zukam.
Sie symbolisiert wie kaum ein anderes Gebäude in Rom, die
Stadtgeschichte sowie den Aufstieg, den Verfall und schließlich den
Zusammenbruch des römischen Weltreiches.
Bereits im frühen Mittelalter wurde das Gebäude die Kirche San Adriano
umfunktioniert und teilweise umgebaut. In den 30er Jahren des 20.
Jahrhunderts entschloss man sich den ursprünglichen Zustand der Curia
wiederherzustellen und sie zu restaurieren. Der Funktion als Kirche ist es
zu verdanken, dass dieses eindrucksvolle, geschichtsträchtige Gebäude
über die Jahrhunderte bis heute erhalten blieb. Weiterhin prägt es das
Erscheinungsbild
des
Forum
Romanum.
30 Richardson, Lawrence: Curia Iulia, in: A new topographical dictionary of ancient Rome (1992), S. 103
Ashby, Thomas und Platner, Samuel Ball: Art. Curia Iulia, in: A topographical dictionary of ancient Rome.
Rom (1965), S. 145
8
VI. Literatur- und Quellenangaben
· Ashby, Thomas / Platner, Samuel Ball: A topographical dictionary of ancient
Rome. Rom 11965
· Alfonso Bartoli CVRIA SENTUS lo scavo e il restauro. Rom 11963.
· Cassius Dio: Dio′s Roman history: in 9 Volumes / with an english translation by
Earnest Cary, Camebridge , Mass, 11954
· C.H. Beck/Kolb: Rom Geschichte einer Stadt in der Antike. München 11995.
· Gion,Olof(Hrsg.): M. Tullius Cicero. de finibus bonorum et malorum. München
11988.
· Wessner, Paul (Hrsg.): Ciceros Rede für T. Annius Milo. mit dem Kommentar des
Asconius und den Bobienser Scholien, Berlin 21968
· Hieronymus
Chronicon:
Eusebius
Caesariensis:
Die
Chroniken
des
Chronicon.(Hrsg.) Rudolf Helm 11956
· Köb, Ingrun: Rom ein Stadtzentrum im Wandel. Untersuchungen zur Nutzung
des Forum Romanum und der Kaiserfora während der Kaiserzeit. Hamburg 12000
· Hillen, Hans Jürgen(Hrsg.): Livius. Ab urbe condita. Römische Geschichte:
lateinisch und deutsch, Darmstadt 11974
· Macrobius Saturnalis
· Monumentum Ancyranum: Augustus: Imperium Romanum, Imperator. Meine
Taten: nach dem Monumentum Ancyranum, Apolloniense und Antiochenum;
lateinisch griechisch deutsch = res gestae divi Augustae/ Augustus. Ed.
Ekkehard Weber. 1. Auflage der Neuausgabe, München 1970
9
· König, Roderich(Hrsg.): Gaius Plinius Secundus: Naturkunde. naturalis historia.
lateinisch-deutsch, Darmstadt 11973
· Richardson, Lawrence: A new topographical dictionary of ancient Rome.
Baltimore u.a. 11992
· Steinby, Eva Magaretha: Lexikon Topographicum urbis Romae. A-C, Rom 11993
· Sueton Caligula 1. Caesarenleben: neu herausgegeben und erläutert /Sueton. Mit
einer Einl. Von Rudolf Till, Stuttgart, 11941 2.Suetonius: in two volumes / with an
english translation by J. C. Rolfe, London
· Varro, Marcus Terentius.: de lingua Latina. On the latin language: in two volumes
/ Varro With an english traslation by Roland G. Kent, London, 11958
· Zanker, Paul: Forum Romanum Die Neugestaltung durch Augustus. Tübingen
11972.
· Ziegler, Konrad (Hrsg.): Der kleine Pauly.Lexikon der Antike. Bd. I, Stuttgart
11964.
10
VII. Abbildungen:
(Abb. 1)
Die Lage der Curia Hostila
(Aus: C.H. Beck/Kolb: Rom Geschichte einer Stadt in der Antike. München 11995. S. 204)
(Abb. 2)
Die Lage der Curia Iulia
(Aus: Zanker, Paul: Forum Romanum Die Neugestaltung durch Augustus. Tübingen 11972. S.41)
11
(Abb. 3)
Das Münzbild der Curia Iulia
(Aus: Alfonso Bartoli CVRIA SENTUS lo scavo e il restauro. Rom 11963. S.5, Fig.1)
12
Abb. 4
Die Curia des Diocletian wie sie heute steht
(Aus:
Alfonso Bartoli CVRIA SENTUS lo scavo e il restauro. Rom 11963. TAV. XVIII)
13
(Abb. 5)
Der Haupteingang der Curia des Diocletian
(Aus: Alfonso Bartoli CVRIA SENTUS lo scavo e il restauro. Rom 11963. TAV. XLI Fig.2)
14
(Abb. 6)
Der Innenraum der Curia des Diocletian
(Aus: Alfonso Bartoli CVRIA SENTUS lo scavo e il restauro. Rom 11963.TAV. LIX)
15
(Abb. 7)
Der Aufbau der Curia Iulia und der Nachfolgenden nach Zanker
(Aus: Zanker, Paul: Forum Romanum Die Neugestaltung durch Augustus. Tübingen 11972. S.10)
(Abb. 8)
Das Stufenpodest am Südende mit dem Sockel der Viktoria Statue
(Aus: Alfonso Bartoli CVRIA SENTUS lo scavo e il restauro. Rom 11963. TAV. XLVIII, Fig.2)
16
(Abb. 9)
Der Abriss der Kirche San Adriano
(Aus: Alfonso Bartoli CVRIA SENTUS lo scavo e il restauro. Rom 11963. S27, Fig.11)
17
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