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Textbook, 2008, 23 Pages
Author: Dr. med. Florian Lüders
Subject: Medicine
Details
Tags: Antikoagulation, Alltag
Year: 2008
Pages: 23
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-19345-5
File size: 881 KB
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Fulltext (computer-generated)
Antikoagulation im
klinischen Alltag
Florian Lüders
Antikoagulation
2
Antikoagulation
(griech.
anti
,,gegen" und lat.
coagulatio
,,Zusammenballung")
· ASS
· Clopidogrel
· Cumarine
· Unfraktioniertes Heparin
· Fraktionierte Heparine
· direkte Thrombininhibitoren
· Faktor Xa Inhibitoren
· GP IIb/IIIa- Antagonisten
· Lyse
Source: http://www.medlibrary.de/library/index.php?
title=Antikoagulation&oldid=1724
Principle Authors: Flueders
Acetylsalizylsäure
Acetylsalicylsäure
, kurz
ASS
, ist ein weit verbreiteter schmerzstillender und
blutgerinnungs- und entzündungshemmender sowie fiebersenkender Wirkstoff.
Namensgebend für den Wirkstoff waren die Weidengewächse (lateinisch
Salicaceae
), aus
denen erstmals diese Substanz gewonnen werden konnte. ASS wurde insbesondere unter
dem Markennamen
Aspirin
® bekannt.
Acetylsalizylsäure
3
Geschichte
Durch Kochen von Weidenbaumrinden haben schon Germanen und Kelten Extrakte
verwendet, die der synthetischen Acetylsalicylsäure verwandte Substanzen enthielten. 1763
meldete der in Oxford lebende Geistliche Edward Stone der Royal Society in London, dass
diese aus der Überlieferung bekannte Erkenntnis korrekt sei. 1828 gelang es Johann
Andreas Buchner, das Salicin (den Vorläufer von ASS) aus eben jenen
Weidenrindenextrakten (Weide,
Salix
sp.) zu isolieren. 1853 synthetisierte Charles Frédéric
Gerhardt erstmals unreine Acetylsalicylsäure. Seit 1874 wurde Salicylsäure durch Friedrich
von Heyden großtechnisch in seiner Salicylsäurefabrik Dr. F. v. Heyden in Radebeul
hergestellt und als Medikament eingesetzt, jedoch schränkten der bittere Geschmack und
Nebenwirkungen wie Magenbeschwerden die Einsatzmöglichkeiten ein. Bibergeil (auch
Castoreum), ein Drüsensekret der Analdrüse des Bibers, enthält ebenfalls den Inhaltsstoff
der Weidenbaumrinde, Salicylsäure. Es wurde bis ins 19. Jahrhundert gegen Krämpfe,
hysterische Anfälle, Nervosität u.v.m eingesetzt. Schon in der gräco-romanischen Antike
wurde die Substanz gegen Epilepsie eingesetzt.
1897 wurde die Acetylsalicylsäure erstmals in reiner Form hergestellt. Sowohl Felix
Hoffmann als auch Arthur Eichengrün werden als Erfinder diskutiert.[1] Da letzterer Jude
war, wurde seine wissenschaftliche Arbeit zur Zeit des Nationalsozialismus zunehmend
behindert und seine Leistungen geschmälert. Sicher ist, dass Eichengrün nach der
Zulassung von Aspirin zum Leiter der pharmazeutischen Abteilung bei der Bayer AG
befördert und Hoffmann Leiter der Marketing-Abteilung wurde. Bayer vermarktete jedoch
vorerst das elf Tage später von Hoffmann entwickelte Heroin stärker, da man nach
Versuchen an Menschen davon ausging, dass
Aspirin
zu viele Nebenwirkungen habe.
1949 veröffentlichte Arthur Eichengrün eine Arbeit, in der er schrieb, er habe die
Entwicklung von Aspirin sowie einiger benötigter Hilfsstoffe geplant und koordiniert. Schon
zuvor aus dem KZ fast ein halbes Jahrhundert nach der Erfindung von Aspirin schrieb
Eichengrün der I.G. Farben (Bayer), als er sich, wie er selber sagte, seinem Tode nahe sah,
dass Hoffmann an Aspirin nur in der Weise beteiligt war, dass er die Anordnungen
Eichengrüns befolgte, ohne überhaupt zu wissen, was er im Auftrage Eichengrüns tat.
Während des Nationalsozialismus wurde er weiterhin als Beteiligter oder gar Erfinder
verleugnet, wie dies bei allen jüdischen Errungenschaften üblich war, und öffentlich die
Erfindung des Aspirins vor allem Hoffmann zugesprochen. Eichengrün hat dies selbst, nach
seiner Entlassung, in einer noch aus Zeiten des Nationalsozialismus stammenden
Ausstellung - über deren Pforte ,,Juden ist der Zutritt verboten" prangte auf einer Tafel
zum Thema Aspirin gelesen. Auf ihr wurden Hoffmann und eine andere, mit der
Entwicklung Aspirins nicht in Verbindung stehende Person als Erfinder genannt, ohne
jegliche Erwähnung Eichengrüns. In vielen geschichtlichen Abhandlungen bzw. Lexika zu
dem Thema wird aufgrund dieser Vorgänge während des Nationalsozialismus und der
damit entsprechend beeinflussten Geschichtsbücher vornehmlich Felix Hoffmann als
Erfinder oder wahrscheinlicher Erfinder genannt und die Erklärung Eichengrüns in seiner
1949 veröffentlichen Arbeit oftmals lediglich als Behauptung betitelt.
Das Produkt wurde 1897 Aspirin genannt. Der Name Aspirin leitet sich vom Echten
Mädesüß, auch Spire genannt (veraltet:
Spiraea ulmaria
L. heute:
Filipendula ulmaria
(L.)
Maxim.), einem salicylathaltigen Rosengewächs, ab: ′A′ (für die Acetylgruppe), -′spirin′ (für
den
In
haltsstoff der Spire). 1899 wurde Aspirin® zum Patent angemeldet.
Acetylsalizylsäure
4
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Bayer im Rahmen des Versailler Vertrags gezwungen,
das Patent und die Rechte an der Marke Aspirin® für das Gebiet der Siegermächte USA,
Frankreich und Großbritannien aufzugeben. In den USA kaufte 1918 Sterling Drug die
Markenrechte von der amerikanischen Verwaltung für feindlichen Besitz. In den fünfziger
Jahren des 20. Jahrhunderts verlor Sterling Drug kraft Gerichtsbeschluss die
Exklusivrechte am Namen. Der Name Aspirin wurde so in den USA gemeinfrei. Im Jahre
1994 kaufte ihn Bayer Sterling Drug vom vorübergehenden Eigentümer Kodak für 1
Milliarde Dollar. Seitdem verkauft Bayer in den USA wieder ,,Bayer-Aspirin". Es ist weltweit
das meist gekaufte ASS-Präparat.
Die Funktionsweise der Acetylsalicylsäure, nämlich die Hemmung der
Prostaglandinproduktion, wurde 1971 von John Robert Vane aufgeklärt,[2] wofür er 1982
zusammen mit Sune Bergström und Bengt Samuelsson den Nobelpreis für Medizin
erhielt.[3]
Chemische und physikalische Eigenschaften
Acetylsalicylsäure ist der Trivialname für 2-Acetoxybenzoesäure, wie sie nach den
IUPAC-Regularien heißt. Die phenolische Hydroxylgruppe in
ortho
-Stellung zur
Carbonsäuregruppe der o-Hydroxybenzoesäure ist mit Essigsäure verestert. Dadurch hat
das Gesamtmolekül einen hydrophilen und einen lipophilen Anteil.
Acetylsalicylsäure liegt als weißes Pulver vor oder bildet flache bis nadelförmige Kristalle
mit schwachem Geruch nach Essigsäure. Der pKs-Wert beträgt 3,5. Sie schmilzt bei einer
Temperatur von 135 °C, ihr Zersetzungspunkt liegt bei ca. 140 °C. Acetylsalicylsäure ist gut
löslich in Ethanol, Alkalilauge, aber schlecht löslich in Benzol oder kaltem Wasser (3,3 g·l-1
bei 20 °C). Die Wasserlöslichkeit steigt erheblich beim Erwärmen. Die Dichte von
Acetylsalicylsäure beträgt 1,35 g·cm-3, der Dampfdruck ist gering.
Pharmakologie
Wirkungen
Acetylsalicylsäure wirkt durch Hemmung der Cyclooxygenase COX-1 schon in kleinen
Dosen (3050 mg) gerinnungshemmend, mit steigender Dosis (0,52 g) durch Hemmung
der Cyclooxygenase COX-1 und COX-2 und der daraus folgenden, sinkenden Bildung von
Prostaglandinen auch dezentral schmerzstillend, antirheumatisch sowie fiebersenkend und
schließlich (25 g) entzündungshemmend. Prostaglandine sind unter anderem auch an der
Regelung der Magensäuresekretion und der Magenschleimhautdurchblutung beteiligt, so
dass durch die Hemmung der Prostaglandinsynthese bei höheren Dosierungen und
längerfristiger ASS-Einnahme, beispielsweise im Rahmen der Behandlung von
rheumatischen Beschwerden, Magenbeschwerden und Magenblutungen auftreten können.
Die
Magenunverträglichkeit
beruht auf der (gewünschten) systemischen Hemmung der
Prostaglandinsynthese und lässt sich nicht durch andere Darreichungsformen
(magensaftresistente Tablette oder Zäpfchen) verbessern. Über die Hemmung der
Prostaglandinsynthese kann die Acetylsalicylsäure auch die Entartung von gutartigen
Darmgeschwülsten zu Krebs behindern. Bei der kurzzeitigen Anwendung in Dosierungen
von 5001000 mg bei akuten Schmerzen ist Acetylsalicylsäure ebenso gut verträglich wie
andere freiverkäufliche Schmerzmittel. Bei der intravenösen Gabe von Acetylsalicylsäure
werden hingegen nur selten Magenbeschwerden beobachtet.
Acetylsalizylsäure
5
Wirkmechanismus
Die Wirkung der Acetylsalicylsäure beruht auf einer irreversiblen Hemmung der
Prostaglandin-H2-Synthase, genauer der Cyclooxygenasen COX-1 und COX-2. Diese Enzyme
katalysieren die Bildung von entzündungsverstärkenden Prostaglandinen und Thromboxan
A2, das u. a. thrombozytenaktivierend wirkt. Die Acetylsalicylsäure überträgt bei der
Hemmung einen Acetylrest auf einen Aminosäurerest (Serin 530) kurz vor dem
katalytischen Zentrum. Dadurch kann die Arachidonsäure als Substrat des Enzyms das
aktive Zentrum nicht mehr erreichen und das Enzym wird dauerhaft inaktiviert. Die COX-1
wird durch Acetylsalicylsäure etwa 10100 mal stärker gehemmt als die COX-2. Da
Thrombozyten aufgrund des fehlenden Zellkerns keine Enzyme nachbilden können, ist die
gerinnungshemmende Wirkung auf sie irreversibel - die Wirkungsdauer deckt sich daher
mit der Überlebenszeit der Thrombozyten (811 Tage).
Pharmakokinetik
Acetylsalicylsäure unterliegt einem ausgeprägten First-pass-Metabolismus (z.T. schon in
der Magen- & Darmwand durch spezielle Esterasen) und hat eine orale Bioverfügbarkeit
von etwa 70 %. Im Körper wird sie schnell zu dem Hauptmetaboliten Salicylsäure
umgewandelt. Im Blut geht sie zu 50 bis 70 % eine Bindung an Albumin ein.
Substitution
Bei rheumatischen Erkrankungen werden anstatt Acetylsalicylsäure in Deutschland häufig
andere NSAID (nicht steroidale antientzündliche Pharmaka: Diclofenac, Naproxen,
Ibuprofen), oder die noch auf dem Markt befindlichen, so genannten COX-2-Hemmer
eingesetzt.
Nebenwirkungen und Gegenanzeigen
Die bei analgetischer Dosierung auftretenden Nebenwirkungen sind meist leichterer Art:
Übelkeit, Sodbrennen und Erbrechen werden relativ häufig beobachtet. Bei Asthmatikern
kann Acetylsalicylsäure Ursache von Anfällen sein, die sich dadurch erklären, dass durch
Hemmung der Cyclooxigenasen ein Überangebot an Arachidonsäure vorliegt, die dann die
Bildung von bronchokonstriktorischen (die Bronchien verengenden) Leukotrienen
begünstigt. Eine Kreuzreaktion zu anderen Schmerzmitteln wie beispielsweise Ibuprofen,
Diclofenac oder Naproxen ist häufig.
Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft weist darauf hin, dass
Acetylsalicylsäure aufgrund ihrer Reizwirkung bei regelmäßiger Einnahme
Schleimhautreizungen, Blutungen im Magen-Darm-Trakt und Magengeschwüre
verursachen kann. Bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis
ulcerosa) ist Vorsicht geboten, da Acetylsalicylsäure schubauslösend wirken kann.
Bei Kindern und Jugendlichen mit fieberhaften Erkrankungen sollte Acetylsalicylsäure nicht
eingesetzt werden, da es (möglicherweise nach einer überstandenen Viruserkrankung) das
mitunter tödliche Reye-Syndrom auslösen könnte; es sollte auf alternative Substanzen wie
Paracetamol oder Ibuprofen ausgewichen werden. In Großbritannien ist die rezeptfreie
Abgabe von Acetylsalicylsäure an Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren aus diesem
Grund verboten. Diskutiert wird auch eine suppressive Wirkung auf das unspezifische
Immunsystem, da der Immunmodulator Desoxycholsäure (Literatur) erst nach Abklingen
der Wirkungen der Acetylsalicylsäure aktiv werden kann. Dennoch gibt es auch im
Acetylsalizylsäure
6
Kindesalter Krankheitsbilder, bei denen die Behandlung mit Acetylsalicylsäure durchaus
angezeigt ist. Dazu gehören das rheumatische Fieber oder das Kawasaki-Syndrom.
In der Schwangerschaft darf Acetylsalicylsäure nur in kleinen Mengen verabreicht werden,
da ASS insbesondere im dritten Trimenon zu einem vorzeitigen Verschluss des Ductus
arteriosus botalli des ungeborenen Kindes führen kann. Außerdem besteht durch die
gehemmte Blutgerinnung eine erhöhte Blutungsneigung der Mutter bei der Geburt.
Laut einer Untersuchung der Boston University School of Medicine sterben jährlich 16.500
Amerikaner an Magenblutungen, die durch Aspirin und ähnliche Schmerzmittel verursacht
werden; in 170.000 Fällen kommt es zu schwerwiegenden Magenschäden. Gleichzeitig
kann eine häufige Einnahme zu Magengeschwüren oder Bauchspeicheldrüsenkarzinomen
führen.
Bei Asthmatikern beträgt der Anteil der Patienten mit ASS-Intoleranz etwa 8 bis 20% und
bei Patienten mit Nasenpolypen etwa 6 bis 15%. Diese Allergie wird als Samter-Trias
bezeichnet. Es wird eine genetische (erbliche) Prädisposition vermutet.[4]
Im Tierversuch ergaben sich laut Roter Liste Hinweise auf eine mögliche teratogene
Wirkung bei chronischer Einnahme von ASS während der Schwangerschaft.
Toxizität
Hohe Dosen, beispielsweise 10 g ASS beim Erwachsenen, können bereits zu einer
lebensgefährlichen metabolischen Azidose (Übersäuerung) mit Atemlähmung und
Bewusstlosigkeit führen. Außerdem kann das Innenohr geschädigt werden, was sich in
einem Hörverlust oder Tinnitus äußert. Auch Nierenschädigungen sind beschrieben worden
(Analgetikanephropathie).
Nebenwirkungen der Schmerzmittelgruppe um ASS, der Nichtopioid-Analgetika (also
zusammen mit Paracetamol, Ibuprofen u. a.) gehören zu den 16 häufigsten Todesursachen
in den USA. Da aber die Zahl der Opfer frei verkäuflicher Schmerzmittel in Statistiken nicht
einzeln aufgeführt wird, nimmt die Öffentlichkeit die Gefahren v. a. einer
gewohnheitsmäßigen oder dauernden Einnahme kaum wahr.
Die Gefahrstoffkennzeichnung mit dem Gefahrensymbol und dem R-Satz
gesundheitsschädlich beim Verschlucken
beziehen sich auf größere Mengen des
Wirkstoffes, wie sie bei dessen Produktion gehandhabt werden, selbstverständlich jedoch
nicht auf die Mengen in fertigen Tabletten bei deren Einnahme gemäß Beipackzettel.
Die mittlere letale Dosis (LD50) bei oraler Aufnahme liegt bei Ratten bei 200 mg/kg
Körpergewicht.
Acetylsalizylsäure
7
Fehlindikationen
Als Schmerzmittel zur Unterdrückung von Wundschmerz wie z.B. nach chirurgischen
Eingriffen oder Verletzungen ist Acetylsalicylsäure ungeeignet, da die
gerinnungshemmende Wirkung bis etwa 7 Tage nach der letzten Einnahme anhält und
damit Blutungen begünstigt. Wegen der irreversiblen Hemmung der Cyclooxygenase in den
Thrombozyten ist auch eine Gabe eines Gegenmittels zur sofortigen Aufhebung der
Gerinnungshemmung nicht möglich. Es muss vielmehr abgewartet werden, bis neue,
funktionsfähige Thrombozyten vom Körper gebildet werden. Auf diese Weise kann
eingenommene Acetylsalicylsäure eine dringende medizinische Operation (oder ihren
Termin) vereiteln, denn mangelnde Gerinnung führt zu Komplikationen wie zu großem
Blutverlust. Auf jeden Fall müssen die behandelnden Ärzte über die
Acetylsalicylsäure-Einnahme informiert werden.
Einsatzgebiete
· Schmerzmittel,
· zur Fiebersenkung
· Antirheumatikum,
· Hemmung der Thrombozytenaggregation und damit zur
· Vorbeugung von erneuten Herzinfarkten und Schlaganfällen
(Sekundär/Tertiärprophylaxe) bei bekannten arteriosklerotischen Gefäßveränderungen
verwendet.
· Thrombozytenaggregationshemmer zum Einsatz, wenn beispielsweise bei
Vorhofflimmern aus individuellen Gründen keine Antikoagulation mit Phenprocoumon
in Frage kommt.
Aufgrund seiner positiven Wirkungen bei Polycythaemia vera wurde Aspirin® von der
Europäischen Kommission der Status einer orphan drug erteilt. Somit hat die Bayer
HealthCare AG die alleinigen Vermarktungsrechte für ein ASS-Präparat zur Behandlung
dieser Krankheit.
Resistenzdiskussion
Eine Acetylsalicylsäure-Resistenz unterschiedlicher Ausprägung wurde in einer kleinen
Studie festgestellt, wobei wohl auch die Darreichungsform Einfluss nimmt.[5] Aus diesem
Grund gibt es eine Kontroverse über die Einführung von Geräten, um Patienten, die einen
Gerinnungshemmer benötigen, auf Acetylsalicylsäure-Resistenz testen zu lassen.
Schlussfolgerung wäre bei einem positiven Test, einen anderen Gerinnungshemmer (z. B.
zur Vorsorge gegen erneute Infarkte) zu verschreiben. Clopidogrel ist dafür ein Kandidat,
jedoch ist dieser etwa 100-mal so teuer wie Acetylsalicylsäure. Aus diesem Grund hat die
Pharmaindustrie eine starke Motivation, für die Einführung von
Acetylsalicylsäure-Resistenz-Tests zu werben, während Krankenversicherungen und
teilweise Ärzte diesbezüglich eher zurückhaltend sind.[6]
Acetylsalizylsäure
8
Handelsnamen und Darreichungsformen
Wichtiger Hinweis:
Handelsnamen und Darreichungsformen von Arzneistoffen
unterliegen keiner Standardisierung. Sie können sich daher in einzelnen Ländern
unterscheiden.
Acetylsalicylsäure wird als Monopräparat weltweit in über 500 Fertigarzneimitteln in der
Darreichungsform von Tabletten, Sublingualtabletten, Filmtabletten, Schmelztabletten,
Trinktabletten, Pulver, Kautabletten, Kaudragées, Brausetabletten, Retardtabletten,
Kapseln, Retardkapseln, Injektionslösungen, Suppositorien und Dragées vermarktet.[7]
Nachfolgend einige Beispiele von Handelsnamen:
D:
Acesal®, Alka-Seltzer®, Aspirin®,
Aspirin Direkt®, Aspirin Effect®, Aspirin Migräne®, ASS 100-1A Pharma®, ASS Heumann®,
ASS Fair-Med®, ASS HEXAL®, ASS axcount®, ASS Lich®, ASS STADA®, ASS-Kreuz®,
Ausbüttels ASS®, Delgesic®, DOCPELIN ASS®, Godamed®, Neuralgin ASS®, Sonopain
Acetylsalicylsäure®, Temagin ASS®, Togal ASS®, Werodon-ASS®;
CH:
Alcacyl®,
Alka-Seltzer®, Asa-Tabs®, Aspégic®, Aspirin® Tabl. Parallelimport, Aspirin® Kautabl.,
Aspro® 500 Brausetabl., Medibudget Schmerztabletten ASS®, Togal® ASS Tabl.;
A:
Acekapton®, Alka-Seltzer ®, Aspirin®, Aspirin akut®, Aspro Classic®, Salimont®, Togal
Mono®
Herstellung
Phenol wird mit Kohlenstoffdioxid durch eine Kolbe-Schmitt-Synthese in ortho-Stellung
carboxyliert. Das notwendige Kohlenstoffdioxid wird dabei in situ aus
Natriumhydrogencarbonat erzeugt. Die entstandene Salicylsäure wird anschließend mit
Essigsäureanhydrid an der phenolischen Hydroxylgruppe zu Acetylsalicylsäure verestert
(acetyliert).
Nachweis
Nach Hydrolyse in NaOH kann der Nachweis der freigesetzten Salicylsäure mit FeCl3
(blauer Chelatkomplex) oder Hydroxamsäurereaktion stattfinden. Der Nachweis von Acetat
erfolgt durch Veresterung mit Chlorethan (Entstehung von charakteristisch riechendem
Ethylacetat) oder Versetzen mit La(NO3)3 (blaue Färbung).
Literatur
· Nicolai Kuhnert (1999):
Hundert Jahre Aspirin.
In:
Chemie in unserer Zeit.
Bd. 33, Nr. 4,
S. 213220.
· Kay Brune & Tobias Egger (2002):
Die Entwicklung der antipyretischen Analgetika.
In:
Pharmazie in unserer Zeit.
Bd. 31, Nr. 2, S. 133139. DOI [8]
· Andrew T. Chan
et al.
(2007):
Long-term Aspirin Use and Mortality in Women
[9]. In:
Arch. Intern. Med.
Bd. 167, S. 562572. PMID 17389287
Acetylsalizylsäure
9
Weblinks
·
Laborsynthese von Acetylsalicylsäure
[10] (LambdaSyn)
·
Synthese von Acetylsalicylsäure
[11] (PH Heidelberg)
·
Darstellung von Acetylsalicylsäure
[12] (Chemieversuche.com)
· Biochemische Grundlagen der Aspirin-Wirkung [13] (FIZ Chemie Berlin)
· Aspirin [14] (englisch)
[
External links
[1]
Zum Vortrag von Dr. Walter Sneader über die Entwicklung der Acetylsalicylsäure
(http://
pressearchiv-kubitschek.www.de/pharma-presse/presseerklaerungen/texte/pharma_medikamente/bayer/
bayer_110999.html) (Presseerklärung Bayer AG, 1999) September 1999.
[2] Vane, J. R. (1971):
Inhibition of prostaglandin synthesis as a mechanism of action for
aspirin-like drugs.
In:
Nat. New Biol.
Bd. 231, S. 232235. PMID 5284360
[3] Nobelpreis für Medizin oder Physiologie 1982: ,,Für ihre bahnbrechenden Arbeiten über
Prostaglandine und nahe verwandter biologisch aktiver Substanzen." Informationen der
Nobelstiftung zur Preisverleihung. (http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/1982/)
[4] A. May u. a.:
Familienuntersuchung bei Patienten mit ASS-Intoleranz und
Rhinosinusitis.
In:
HNO
, 48/2000, S. 6504.
[5] Studie zur ASS-Resistenz (http://www.neurologyreviews.com/oct04/nr_oct04_aspirinstroke.html)
auf neurologyreviews.com
[6] K. Schrör & H.-Ch. Diener:
Sekundärprävention bei TIA und Schlaganfall - Clopidogrel
oder ASS?
In:
CARDIOVASC.
2/2001, S. 8. (http://www.cardiovasc.de/index.htm?/hefte/2001/02/
8.htm)
[7] [http://www.pharmavista.net/content/default.aspx
Pharmavista -
Datenbank Internationale Fertigarzneimittel]
[8] http://dx.doi.org/10.1002/
1615-1003(200203)31%3A2%3C133%3A%3AAID%2DPAUZ133%3E3%2E0%2ECO%3B2%2D3
[9] http://archinte.ama-assn.org/cgi/content/abstract/167/6/562
[10] http://www.lambdasyn.org/synfiles/acetylsalicylsaeure.htm
[11] http://www.ph-heidelberg.de/wp/schallie/minilab/aspirin.htm
[12] http://www.chemieversuche.com/versuche/organik/
darstellung_von_acetylsalicylsaure.html
[13] http://www.chemgapedia.de/vsengine/vlu/vsc/de/ch/12/thr/
vlu_thr/aspirin.vlu.html
[14] http://health.howstuffworks.com/aspirin.htm
Source: http://www.medlibrary.de/library/index.php?
title=Acetylsalizylsäure&oldid=1727
Principle Authors: Flueders
Clopidogrel
10
Clopidogrel
Indikation
· Vorbehandlung bei geplanter PCI und stabiler KHK:
300 mg
, min.
6 Std.
vor
Intervention
· Vorbehandlung bei sofortiger PCI (bei STEMI, bei NSTEMI, stabiler KHK):
600 mg
,
frühstmöglich
.
· nach konventioneller Stentimplantation:
75 mg
/tgl.
für
4 Wochen
· nach medikamentenbeschichteten Stent:
75 mg
/tgl.
für
6 bis 12 Monate
. (laut AHA/
ACC: 3 Monate für Sirolimus, 6 Monate für Paclitaxel)
· nach Brachytherapie:
75 mg
/tgl.
für
12 Monate
.
· nach akutem Koronarsyndrom, ohne ST- Hebung:
75 mg
/tgl.
für weitere
9 bis 12
Monate
.
Wirkung
Clopidogrel wirkt durch die
Hemmung der ADP-abhängigen
Thrombozytenaktivierung
(Gi-Protein) durch
irreversible Blockierung des
P2Y12-Rezeptor
.
Der Wirkungseintritt des Medikamentes ist erst nach sieben bis zehn Tagen zu erwarten,
bei Gabe einer üblichen Ladedosis von 300 mg oder - nach der
ISAR-REACT-Studie
besser - 600 mg Clopidogrel dagegen schon nach zwei (bis sechs) Stunden.
Eine Möglichkeit, die Wirkung von Clopidogrel abzuschätzen, bietet die ADP-induzierte
Thrombozytenaggregometrie|Aggregometrie.
Source: http://www.medlibrary.de/library/index.php?title=Clopidogrel&oldid=1729
Phenprocumon
11
Phenprocumon
Handelsnamen:
· Marcumar
· Falithrom
· Marcoumar (in Österreich und der Schweiz)
Indikation
Vorhofflimmern
CHADS2-Score zur Abschätzung des Schlaganfallrisikos bei Vorhofflimmern
C
(
c
hronic heart failure)
Strukturelle Herzerkrankung, die
1 Punkt
Herzinsuffizienz verursacht
H
(
h
ypertension)
Arterielle Hypertonie
1 Punkt
(auch behandelt)
A
(
a
ge)
Alter > 75 Jahre
1 Punkt
D
(
d
iabetes)
Diabetes mellitus
1 Punkt
S
(
s
troke)
Durchgemachter Schlaganfall oder
2 Punkte
transitorische ischämische Attacke
CHADS2
-Score, der in etwas modifizierter Form auch in den aktuellen Leitlinien der
Europäischen Gesellschaft für Kardiologie empfohlen wird.
· Score = 0 beträgt, also kein Risikofaktor für einen Schlaganfall vorliegt, überwiegt das
Risiko einer schweren Blutung und es sollte höchstens eine Antikoagulation mit
Acetylsalicylsäure (ASS, 100-300 mg/Tag) erfolgen.
· Score = 1 muß eine individuelle Abwägung im Einzelfall erfolgen (je nach Schwere und
Häufigkeit des Vorhofflimmerns, Schwere der Risikofaktoren etc.)
· Score >1 sollte eine Antikoagulation mit Cumarinen erfolgen (INR 2-3).
American College of Cardiology/American Heart Association Task Force on practice
guidelines and the European Society of Cardiology Committee for Practice Guidelines
developed in collaboration with the European Heart Rhythm Association and the Heart
Rhythm Society, 2006;
Für die Sekundärprophylaxe wird nicht mehr Phenprocoumon eingesetzt, sondern z.B.
Clopidogrel.
Wirkung
Phenprocoumon
hemmt die Synthese der Vitamin-K-abhängigen Gerinnungsfaktoren in der
Leber, wobei die nötige Gamma-Carboxylierung der Glutamylseitenketten nicht mehr
möglich ist.
Faktoren:
· Prothrombin|II,
· Proconvertin|VII,
· Christmas-Faktor|IX
· Stuart-Prower-Faktor|X
Phenprocumon
12
werden zwar ins Blut abgegeben, sind aber nicht funktionstüchtig. Die Wirkung setzt erst
ein, wenn die noch vorhandenen Gerinnungsfaktoren verbraucht sind (
nach etwa 48-72
Stunden
). Daher kommt es im Notfall nicht zur Anwendung, sondern erst im weiteren
Verlauf einer Erkrankung. Die Plasmahalbwertszeit beträgt ca. 160 Stunden.
Nebenwirkung
· Übelkeit, Erbrechen, Magenschmerzen, Appetitlosigkeit, Diarrhoe, Verstopfung,
· verstärkter Haarausfall (bildet sich wieder zurück),
· Abnahme der Knochendichte bei langfristiger Therapie,
· Blutergüsse und Blutungen auf.
Gefürchtet sind schwer stillbare intracerebrale Blutungen (Hirnblutungen), vor allem bei
versehentlich zu starker Absenkung des Quickwertes und gleichzeitigem Bluthochdruck.
Sehr selten wurde eine livide (fahl-graue) Verfärbung der Haut, erythematöse Dermatitis
oder eine akute Urtikaria beobachtet. Einzelne Fälle von Riechstörungen wurden
beobachtet, auch die Frakturheilung kann möglicherweise länger dauern. In sehr seltenen
Fällen konnte eine Leberentzündung festgestellt werden, welche zu Leberinsuffizienz und
darauffolgender -transplantation führte. Erwähnt werden sollte auch die kutane
Cumarinnekrose (tritt mit Häufigkeiten im Promillebereich auf), von der meist
postmenopausale, adipöse Frauen betroffen sind.
Aufhebung der Wirkung
Nach dem Absetzen des Medikamentes dauert es 10-14 Tage, bis die für eine normal
funktionierende Gerinnung nötigen Gerinnungsfaktoren synthetisiert wurden. Diese Zeit
kann durch die hochdosierte Gabe von Vitamin K auf 6-10 Stunden verkürzt werden, im
Notfall können die fehlenden Gerinnungsfaktoren durch die Gabe eines
Gerinnungsfaktorenkonzentrates (PPSB) auch kurzfristig ersetzt werden.
Während der Einstellungsphase von etwa 5-7 Tagen wird dem Patienten täglich Blut zur
Kontrolle abgenommen und danach seine nächste Marcumar-Dosierung festgelegt, bis der
Zielwert erreicht ist. Ebenso sollte das Absetzen des Medikaments unter ärztlicher
Kontrolle vorgenommen werden, bis das Blut seine normalen Gerinnungswerte erreicht hat.
Kontraindikationen
Kontraindikationen sind unter anderem therapieresistente Hypertonie, diabetische
Retinopathie, bakterielle Endokarditis, gastrointestinale Läsionen (Ulcera, Divertikel,
Polypen, Tumoren, Ösophagusvarizen), Schädel-Hirn-Trauma, intracerebrale Aneurysmen,
größere Operationen in den letzten zwei Wochen, Schwangerschaft und Alkoholismus.
Anwendungstipps
Patienten, denen Phenprocoumon verabreicht wird, erhalten einen ,,Marcumar-Pass" zum
Mitführen, damit im Notfall die eingeschränkte Gerinnungssituation erkennbar ist, selbst
wenn der Patient nicht ansprechbar sein sollte. In einem solchen Pass muss nach jeder
Blutkontrolle der aktuelle Quickwert oder INR-Wert eingetragen werden; auch die aktuelle
verordnete Dosierung sollte stets auf dem aktuellen Stand sein. Ebenso ist in diesem Pass
ein Ziel-Quick oder Ziel-INR vermerkt, auf den der Patient eingestellt ist.
Phenprocumon
13
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung wies 1998 in einer Stellungnahme darauf hin,
dass es bei Einnahme von Phenprocoumon keiner besonderen Diät bedarf. Insbesondere die
Empfehlungen auf Kohl, grünes Blattgemüse und Leber zu verzichten, beruhten auf einer
veralteten Datenlage.
Erlaubte Analgetika, Antiphlogistika und Sedativa
Marcumar-Patienten sollten auf Selbstmedikation, insbesondere mit Analgetika verzichten;
Acetylsalicylsäure ist wegen seiner Thrombozytenaggregationshemmenden Wirkung sehr
gefährlich. Zusätzlich ist die gleichzeitige Anwendung mit Diclofenac/Voltaren
kontraindiziert, da es die Wirkung von Phenprocoumon verstärkt.
Mögliche Kombinationen mit Phenprocoumon:
· Analgetika: Opioide, Metamizol, Paracetamol;
· Antiphlogistika: mit verschärfter Gerinnungskontrolle Ibuprofen;
· Sedativa/Benzodiazepine: Diazepam, Nitrazepam,
Therapeutischer Bereich
Im Allgemeinen wird die Dosis des Marcumars über die Gerinnungswerte (alt: Quickwert;
neu: INR) festgelegt. Selten ist eine Spiegelbestimmung notwendig. Will man eine
Marcumareinnahme beweisen oder widerlegen, ist eine Spiegelbestimmung sinnvoll. Der
therapeutische Blutspiegel liegt zwischen 2,0 und 3,5 mg/dl.
So kann man zum Beispiel bei einer Marcumarüberdosierung (Quickwert: 5%) einen
Phenprocoumonspiegel von 7,5 mg/dl feststellen.
Da Quickwerte, die in verschiedenen Labors bestimmt wurden, nicht unbedingt
vergleichbar sind, gibt es eine methodenunabhängige Größe der WHO, den "International
Normalized Ratio" (INR-Wert).
Beide Werte, Quickwert sowie INR-Wert, drücken aus, wie aktiv das Gewebsthromboplastin
ist, welches für die Blutgerinnung zuständig ist. Beispiel: Ein INR-Wert von 5 besagt, dass
das Blut fünfmal langsamer gerinnt, ein Quickwert von 80 % dass die Aktivität des
Thromboplastins 80 % der Aktivität von normalem Blut beträgt. Der Zielbereich für den
INR Wert liegt normalerweise zwischen 2,5 und 3,5.
Weblinks
· Quick- und INR-Wert [1]
· Dosisrechner [2]
External links
[1] http://www.laborlexikon.de/Lexikon/Infoframe/q/
Quick-Wert_und_INR-Patienteninformation.htm
[2] http://www.INR-Kontrolle.de
Source: http://www.medlibrary.de/library/index.php?title=Phenprocumon&oldid=573
Principle Authors: Flueders
Unfraktioniertes Heparin
14
Unfraktioniertes Heparin
Chemisch gesehen handelt es sich um Polysaccharide (Glykosaminoglykane), bestehend aus
einer variablen Anzahl von Aminozuckern mit einer molaren Masse zwischen 4.000 und
40.000 Häufigkeitsgipfel etwa 15.000). ´
Natürliche Heparine werden am ergiebigsten aus Dünndarmmukosa vom Schwein oder aus
Rinderlungen extrahiert. Heparin wird nicht aus dem Magen-Darm-Trakt resorbiert und
muss deshalb parenteral appliziert werden.
Wirkung:
Heparin bindet nun an Antithrombin III, was die von diesem
katalysierte
Reaktion etwa 1000-fach schneller
ablaufen lässt.
Nebenwirkungen:
· überschießende Blutungsneigung
· erhöhtes Plasma-Kalium
· erhöhte Leberenzyme (GOT, GPT, GGT)
· wesentlich seltener heparininduzierte Thrombozytopenie HIT-Typ I und HIT-Typ II
· Allergische Reaktionen.
Struktur
Heparine sind variabel veresterte Glycosaminoglycane, bestehend aus jeweils
abwechselnden Folgen von D-Glucosamin und einer Uronsäure (D-Glucuronsäure oder
L-Iduronsäure). Ab einer Kettenlänge von fünf Monosacchariden (drei D-Glucosamine und
zwei Uronsäuren) sind sie gerinnungshemmend. Den Kettenbausteinen entsprechend
besitzen sie viele negative Ladungen, über welche sie auch an Antithrombin III koppeln.
Heparine mit Kettenlängen von 5 bis 17 werden als
niedermolekulare Heparine (NMH)
,
mit Kettenlängen ab 18 als
unfraktionierte Heparine (UFH)
bezeichnet.
Biosynthese
Heparin wird primär nicht im Bindegewebe gebildet, sondern fast nur in Mastzellen.
Wirkungsmechanismus
Sowohl NMH als auch UFH binden Antithrombine, vor allem Antithrombin III (AT III). Der
daraus resultierende Komplex wird Sofortinhibitor genannt und beschleunigt die
Inaktivierung von aktivierten Gerinnungsfaktoren um das 1000-fache. NMH inaktiviert
vornehmlich den Prothrombinasekomplex, bestehend aus aktiviertem Faktor X (Stuart
Prower Faktor), aktiviertem Faktor V (Proakzelerin), Calciumionen und Phospholipiden.
UFH inaktiviert neben dem Prothrombinasekomplex auch den aktivierten Faktor II =
Thrombin. Insofern erklärt sich die schneller gerinnungshemmende Wirkung von UFH
gegenüber NMH.
Des Weiteren werden die Faktoren IX (Antihämophilie Faktor B bzw Christmas Faktor), XI
(Rosenthal Faktor), XII (Hagemann Faktor) und Kallikrein inaktiviert.
Ein weiterer Wirkmechanismus besteht darin, dass das Polyanion Heparin Ca-Ionen bindet,
die Verminderung von Ca-Ionen ist gerinnungshemmend.
Unfraktioniertes Heparin
15
Pharmakokinetik
Heparin wird intravenös, subkutan oder perkutan verabreicht. Bei subkutaner Gabe von
UFH resultiert eine 30-%-ige Bioverfügbarkeit. Bei intravenöser Applikation kommt es
initial zu einer schnellen Elimination von 40 % des injizierten UFH (schnell ablaufender
Sättigungsprozess aufgrund der vielen negativen Ladungen bindet UFH am Endothel und
an Makrophagen sowie an Plasmaproteine) mit einer Halbwertszeit von 515 Minuten,
welche dann in eine langsamere Elimination mit einer HWZ von 6090 Minuten (renale
Elimination über glomeruläre Filtration und tubuläre Sekretion). Erst wenn alle
Bindungsstellen abgesättigt sind, wird die Dosis-Wirkungs-Beziehung linear und der
therapeutisch wirksame Spiegel erreicht. UFH ist nicht plazentagängig und tritt nicht in die
Muttermilch ein, es kann somit in der Schwangerschaft und Stillzeit eingesetzt werden.
NMH weisen eine geringere Affinität zu Plasmaproteinen, vaskulären Matrixproteinen,
Makrophagen, Thrombozyten und Endothelzellen auf. Daraus erklärt sich eine bessere
Bioverfügbarkeit, die längere Eliminationshalbwertszeit und die ausschließlich renale
Clearance der NMH. Nach subkutaner Injektion ergibt sich eine 90 % + Bioverfügbarkeit.
NMH ist nicht plazentagängig, ein Übertritt in die Muttermilch ist nicht bekannt.
relative Kontraindikationen
· therapieresistente arterielle Hypertonie und Retinopathie
· Leber- und Nierenerkrankungen mit eingeschränkter Funktion, akute Pankreatitis
· schwere Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus
· fortgeschrittenes Malignom
· fortgeschrittenes Alter (mit erhöhter Morbidität)
· Überempfindlichkeit oder vorausgegangene HIT II
hochdosiert:
· bestehende oder drohende innere Blutungen
· Punktion an Arterien und parenchymatösen Organen, intramuskuläre Injektionen (<7
Tage)
· frische Operationen (Abhängig von Dauer und Art des Eingriffs)
· bakterielle Endokarditis
· Mitralklappenfehler mit Vorhofflimmern
Unerwünschte Wirkungen
· Blutungsgefahr (wie bei allen Antikoagulantien)
das Blutungsrisiko ist sorgfältig abzuwägen. Es ist bei NMH nicht wesentlich geringer
als bei UFH
Gabe des Antidots Protamin (basisches argininreiches Protein vom Lachs ein
Polykation bindet somit an das Polyanion Heparin, UFH und NMH
· Osteoporose und Spontanfrakturen nach längerer Behandlung (bei NMH seltener)
für die Fortsetzung der antikoagulatorischen Therapie sind Cumarine in Erwägung zu
ziehen
· in seltenen Fällen reversibler Haarausfall, und allergische Reaktionen:
Urticaria, Rhinitis, Tränenfluß, Fieber, Bronchospasmus und Blutdruckabfall
Unfraktioniertes Heparin
16
· Heparin-induzierte Thrombozytopenie HIT (= durch Heparin hervorgerufener
Blutplättchenmangel)
· Da Heparin aus Schweinen gewonnen wird, können pathogene Kontaminationen
(Verunreinigungen) den Patienten gefährden. Aus diesem Grund mussten 2008
bestimmte Chargen zurückgenommen werden [1]
Weiterführende Literatur
· arznei-telegramm 7/1993 Heparin [2]
External links
[1] Focus online 7.3.2008 http://www.focus.de/gesundheit/news/
heparin_aid_264274.html
[2] http://www.arznei-telegramm.de/html/1993_07/9307068_02.html
Source: http://www.medlibrary.de/library/index.php?title=Unfraktioniertes_
Heparin&oldid=1723
Principle Authors: Flueders
Fraktionierte Heparine
Indikation
Enoxaparin
Nadroparin
Nadroparin
Dalteparin
Tinzaparin
Certoparin
Reviparin
(Clexane)
(Fraxiparin)
(Fraxodi)
(Fragmin)
(Innohep)
(Mono-
(Clivarin)
Embolex)
Prophylaxe
+
+
+
+
+
+
(Allgemeinchir.)
Prophylaxe
+
+
+
+
+
(Orthopädie)
Prophylaxe (Innere
+
+
(+)
Med.)
Tiefe
+
+
+
+
+
Beinvenenthrombose
Akutes
+
Coronarsyndrom
Hämodialyse
+
+
+
+
Akute Lungenembolie +
+
*
· Lungenembolie nur: leicht- bis mittelschwer
· ´(+)´ nur für ischämischen Insult
Source: http://www.medlibrary.de/library/index.php?title=Fraktionierte_
Heparine&oldid=447
Direkte Thrombininhibitoren
17
Direkte Thrombininhibitoren
· Lepirudin (Refludan®)
· Ximelagatran (Exanta®, wurde Februar 2006 wegen Leberschäden weltweit vom Markt
genommen)
· Hirudin, ein Thrombin-Hemmstoff.
· Argatroban (Argatra®)
· Fondaparinux (Arixtra®).
· Ca-Komplexbildner, z. B. Citrat oder EDTA, die durch Bindung des Calciums
(Chelat-Komplex) eine Gerinnung des Bluts verhindern. Vor allem Citratantikoagulation
findet vermehrt Einsatz bei kontinuierlichen Nierenersatzverfahren. Der Vorteil ist, dass
der Patient selber von der Antikoagulation ausgenommen ist, eine Gerinnungshemmung
findet nur im extrakorporalen Kreislauf statt. Somit können auch Patienten behandelt
werden, die kein Heparin vertragen (HIT II, SHT) oder septisch sind.
· Hirudin, ein Thrombin-Hemmstoff.
Source: http://www.medlibrary.de/library/index.php?title=Direkte_
Thrombininhibitoren&oldid=1706
Principle Authors: Flueders
Hirudin
Hirudin
ist ein Polypeptid, das um die Jahrhundertwende in Greifswald aus dem
medizinischen Blutegel (
Hirudo medicinalis
) gewonnen wurde und der Antikoagulation
(Blutgerinnungshemmung) dient.
1884 entdeckte der britische Physiologe John Berry Haycraft, dass Blutegel beim
Blutsaugen einen Stoff mit stark gerinnungshemmender Wirkung absondern, den er
,,Hirudin" nannte. Die Substanz wurde jedoch erst in den 1950ern isoliert und ihre Struktur
erst 1976 vollständig geklärt.
Die medizinische Verwendung von Hirudin geschieht entweder durch direktes Ansetzen
lebender Egel am Patienten oder mittels des gentechnisch gewonnenen Präparates,
welches dann
Desirudin
(ATC-Code B01AE01) oder
Lepirudin
(ATC-Code B01AE02)
genannt wird. Hirudin ist in der Lage, die Plazenta-Schranke zum ungeborenen Kind zu
Hirudin
18
überwinden sowie in die Muttermilch zu gelangen.
Hirudin bindet sich an die Fibrinogenbindestelle von Thrombin und hemmt über einen
Ausläufer das aktive Zentrum, wodurch dessen Wirkung blockiert wird. Es kommt vor allem
bei Patienten mit Heparininduzierter Thrombozytopenie Typ II (HIT II) zum Einsatz.
Source: http://www.medlibrary.de/library/index.php?title=Hirudin&oldid=468
Faktor Xa Inhibitoren
· Fondaparinux (Arixtra®).
Source: http://www.medlibrary.de/library/index.php?title=Faktor_Xa_
Inhibitoren&oldid=1710
Fondaparinux
Fondaparinux
,
ARIXTRA®
· gehört zur Familie der
Heparinoide
.
·
Wirkung:
Der Gerinnungsfaktor
Xa
wird selektiv gehemmt, was sich im Vergleich zu
Standardheparin oder Niedermolekularem Heparin (NMH) mit geringeren
Nebenwirkungen auf die Thrombozytenfunktion auswirkt und zu gesteigerter
Thrombolyse führt.
· Morphologisch besteht Fondaparinux aus den pharmakophorischen fünf Zuckern im
Heparinmolekül, die für genau diese Hemmung verantwortlich sind.
Indikation:
Thromboseprophylaxe und Antikoagulation z. B. bei Heparininduzierter
Thrombozytopenie Typ II (HIT-II).
Fondaparinux
19
Dosierung:
· 2,5 mg 1-0-0 s.c.: Thromboseprophylaxe für orthopädische Eingriffe an den unteren
Extremitäten.
· 2,5 mg 1-0-0 s.c.: Thromboseprophylaxe für abdominalchirurgische Eingriffe mit
thrombophiler Neigung.
· 2,5 mg 1-0-0 s.c.: Thromboseprophylaxe für intern. Patienten, mit akuten Erkrankungen
und Immobilität.
· 5,0 mg/ 7,5 mg/ 10 mg 1-0-0 s.c.: Tiefe Beinvenenthrombose, Lungenembolie, (keine
hämodynamisch instabilen Patienten).
Fertigspritzen: 2,5 mg entspr. 0,5 ml., 5,0 mg entspr. 0,4 ml., 7,5 mg entspr. 0,6 ml., 10,0
mg entspr. 0,8 ml.,
Weblinks
· ARIXTRA® (fondaparinux sodium) FDA Label [1] (PDF)
External links
[1] http://redpoll.pharmacy.ualberta.ca/drugbank/drugBank/FDA_labels/
021345.pdf
Source: http://www.medlibrary.de/library/index.php?title=Fondaparinux&oldid=461
Principle Authors: Flueders
GP IIb/IIIa-Antagonisten
· Abciximab (ReoPro)®).
· Tirofiban (AGGRASTAT)®).
Source: http://www.medlibrary.de/library/index.php?title=GP_IIb/IIIa-_
Antagonisten&oldid=1720
Principle Authors: Flueders
Abciximab
20
Abciximab
Neben der Blockade des GPIIb/IIIa-Rezeptors wird dem Abciximab auch ein direkter
Antithrombineffekt zugeschrieben. Somit ließe sich eine PTT-Verlängerung unter Abciximab
erklären.
[1]Quelle: Reverter JC et al. Inhibition of platelet-mediated, tissue factor induced thrombin
generation by mouse/human chimeric 7E3 antibody: potential implications for the effect of
C7E3 Fab treatment on acute thrombosis and "clinical restenosis". J Clin Invest 98:863-874
External links
[1] http://www.jci.org/articles/view/118859
Source: http://www.medlibrary.de/library/index.php?title=Abciximab&oldid=1758
Rt-PA (Alteplase)
| Strukturformel = ausblenden
| Freiname = Alteplase
| Andere Namen = recombinant human tissue-type plasminogen activator
(rt-PA)
| Summenformel = C2569H3894N746O781S40
| CAS = 105857-23-6
| Wirkstoffgruppe = Fibrinolytikum
| ATC-Code = *
| Handelsnamen = Actilyse®
| Verschreibungspflicht = ja
| Molare Masse = 59007,95 g/mol
| pKs =
| Dichte =
| Schmelzpunkt =
| Siedepunkt =
| Dampfdruck =
| Löslichkeit =
| Quelle GefStKz =
| Gefahrensymbole =
| R =
| S =
| MAK =
| LD50 =
| WGK =
KkhBild
Konzentr. 1 mg/ml
Konzentr. 2 mg/ml
Lungenembolie
Bolus
10 mg/1-2 Min
5 mg/1-2 Min
Rt-PA (Alteplase)
21
Perfusor
90 mg/2Std.
45 mg/2Std.
Akuter Myokardinfarkt
Bolus
Perfusor
Alteplase
ist der Freiname des rekombinanten gewebespezifischen Plasminogenaktivators
(engl.
recombinant tissue-type plasminogen activator
, rt-PA).
Wirkungsweise
Der gewebespezifische Plasminogenaktivator (t-PA) ist eine Serinprotease, die durch die
Umwandlung von Plasminogen in Plasmin direkt fibrinolytisch wirkt. Der Wirkstoff
Alteplase imitiert die Wirkung des natürlichen gewebespezifischen Plasminogenaktivators.
Verwandte, direkt fibrinolytisch wirkende Substanzen sind Tenecteplase und Reteplase.
Ähnlich, aber indirekt fibrinolytisch wirken außerdem Streptokinase und Urokinase.
Indikationen
· Myokardinfarkt (falls eine Koronarintervention mit entsprechender Rekanalisation
innerhalb akzeptabler Zeiträume nicht verfügbar ist)
· akutem ischämischen Schlaganfall
· akuter massiver Lungenarterienembolie
Unterscheidung:
· lokaler Lysetherapie
· systemischer Lysetherapie
Literatur
· Karow T, Lang-Roth R:
Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie
2007.
Eigenverlag.
· Hoffmeister HM
Bewertung alter und neuer Thrombolytika beim akuten Myokardinfarkt:
Indikation, Caveats und Erwartungen. [1]
Journal für Kardiologie 2002; 9 (Supplementum
C), 35
· Madhani J, Movsowitz H, Kotler MN:
Tissue plasminogen activator (t-PA).
Ther Drug
Monit. 1993 Dec;15(6):54651. Review. PMID 8122292
External links
[1] http://www.kup.at/kup/pdf/2307.pdf
Source: http://www.medlibrary.de/library/index.php?title=Rt-PA_
(Alteplase)&oldid=1760
Principle Authors: Flueders
Lizenz
22
Lizenz
GNU Free Documentation License 1.2
homepage
http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html
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