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Die Beziehungen zwischen Candomblé und katholischem Christentum

Subtitle: Synkretismus und Anti-Synkretismus in Bahia

Termpaper, 2007, 19 Pages
Author: Martin Büdel
Subject: African Studies

Details

Event: Seminar
Institution/College: University of Bayreuth
Tags: Beziehungen, Candomblé, Christentum, Seminar
Category: Termpaper
Year: 2007
Pages: 19
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 13  Entries
Language: German
Archive No.: V117194
ISBN (E-book): 978-3-640-19564-0
ISBN (Book): 978-3-640-19576-3
File size: 67 KB

Abstract

Die ethnische, kulturelle und religiöse Vielfalt Brasiliens, hat ihre Grundlage in der Kolonialzeit und nicht zuletzt im Import von Sklaven, die überwiegend aus West- und Zentralafrika nach Brasilien gebracht wurden. Für die Forschung über Synkretismus in der Religion stellen diese geschichtlichen Ereignisse entscheidende Fixpunkte dar. Auch für die Entwicklung der brasilianischen Gesellschaft, von der portugiesischen Kolonialzeit hin zu einem freien Nationalstaat spielt die schrittweise Eingliederung der Sklaven in das Sozialgefüge eine wichtige Rolle. Mit der Ankunft der afrikanischen Sklaven begann eine Interaktion verschiedener afrikanischer Religionen mit indianischen Vorstellungen und nicht zuletzt mit dem katholischen Christentum. Um das Konzept des Synkretismus in der Religionswissenschaft kritisch zu betrachten, möchte ich die Diskussion um den Begriff an den Verbindungen zwischen dem afro-brasilianischen Candomblé und dem Katholizismus in Brasilien exemplarisch aufarbeiten. Zunächst möchte ich dazu einen Überblick über die historischen Ereignisse als Hintergrund für die (Anti-) Synkretismus-Debatte im Bezug auf Candomblé und Katholizismus geben. Dabei möchte ich der Frage nachgehen, welche afrikanischen Traditionen dem Candomblé zugrunde liegen und in welchen Bereichen diese mit dem Christentum in Brasilien in Berührung kamen. Ich möchte dabei keinen chronischen und umfassenden Geschichtsbericht liefern, sondern lediglich einige wichtige Aspekte in der historischen Entwicklung herausstellen. In einem zweiten Teil möchte ich ausgehend von einer allgemeinen Diskussion um Definition und Verwendung des Synkretismus-Konzepts, dessen Anwendung auf die konkrete Situation in Bahia untersuchen. Neben der Frage nach der Haltung der offiziellen Kirche mit dem Klerus und den PriesterInnen im Candomblé gegenüber Synkretismus in ihrer Religion soll auch der Erfahrungsbereich der Gläubigen eine Rolle spielen.2 Dabei stellt sich für mich vor allem die Frage, inwiefern das wissenschaftliche Konzept Synkretismus die Glaubenswirklichkeit der Menschen widerspiegelt. [...]


Excerpt (computer-generated)

Kulturwissenschaftliche Fakultät

Seminar im Studiengang Kultur und Gesellschaft Afrikas im Wintersemester 2006/07


Afroamerikanische Religionen

Hausarbeit zum Thema

Die Beziehungen zwischen Can

domblé und katholischem Christentum

Synkretismus und

Anti-Synkretismus in Bahia

Verfasser:

Martin Büdel, 3. Fachsemester




Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Historischer Überblick 4

2.1 Der Sklavenhandel 4

2.2 Von der Kolonialzeit zum Nationalstaat 6

2.3 Afrikanische Traditionen und brasilianischer Katholizismus 7

3. Synkretismus und Anti-Synkretismus in Bahia 9

3.1 Das Synkretismus-Konzept ­ eine Definitionsfrage 9

3.2 Die Haltung der offiziellen Glaubensgemeinschaften 11

3.3 Die Glaubenswelt der Laien 13

4. Zusammenfassung und Schlussfolgerung 15

Literaturverzeichnis 17

2


1. Einleitung

Die ethnische, kulturelle und religiöse Vielfalt Brasiliens, hat ihre Grundlage in

der Kolonialzeit und nicht zuletzt im Import von Sklaven, die überwiegend aus

West- und Zentralafrika nach Brasilien gebracht wurden. Für die Forschung über

Synkretismus in der Religion stellen diese geschichtlichen Ereignisse

entscheidende Fixpunkte dar. Auch für die Entwicklung der brasilianischen

Gesellschaft, von der portugiesischen Kolonialzeit hin zu einem freien

Nationalstaat spielt die schrittweise Eingliederung der Sklaven in das

Sozialgefüge eine wichtige Rolle. Mit der Ankunft der afrikanischen Sklaven

begann eine Interaktion verschiedener afrikanischer Religionen mit indianischen

Vorstellungen und nicht zuletzt mit dem katholischen Christentum. Um das

Konzept des Synkretismus in der Religionswissenschaft kritisch zu betrachten,

möchte ich die Diskussion um den Begriff an den Verbindungen zwischen dem

afro-brasilianischen Candomblé und dem Katholizismus in Brasilien exemplarisch

aufarbeiten.

Zunächst möchte ich dazu einen Überblick über die historischen Ereignisse als

Hintergrund für die (Anti-) Synkretismus-Debatte im Bezug auf Candomblé und

Katholizismus geben. Dabei möchte ich der Frage nachgehen, welche

afrikanischen Traditionen dem Candomblé zugrunde liegen und in welchen

Bereichen diese mit dem Christentum in Brasilien in Berührung kamen. Ich

möchte dabei keinen chronischen und umfassenden Geschichtsbericht liefern,

sondern lediglich einige wichtige Aspekte in der historischen Entwicklung

herausstellen.1

In einem zweiten Teil möchte ich ausgehend von einer allgemeinen Diskussion

um Definition und Verwendung des Synkretismus-Konzepts, dessen Anwendung

auf die konkrete Situation in Bahia untersuchen. Neben der Frage nach der

Haltung der offiziellen Kirche mit dem Klerus und den PriesterInnen im

Candomblé gegenüber Synkretismus in ihrer Religion soll auch der

1 Gute Einführungen in die geschichtlichen Ereignisse geben u.a. Becker 1995: 7-62 und Bastide

1971: 7-23.


Erfahrungsbereich der Gläubigen eine Rolle spielen.2 Dabei stellt sich für mich

vor allem die Frage, inwiefern das wissenschaftliche Konzept Synkretismus die

Glaubenswirklichkeit der Menschen widerspiegelt.

2. Historischer Überblick

Ausgangspunkt für die soziale und kulturelle Interaktion der verschiedenen

ethnischen Gruppen aus der sich die brasilianische Gesellschaft entwickelt hat ist

der Sklavenhandel seit dem 16. Jahrhundert. Die, durch dieses

menschenverachtende System geschaffene Ausgangslage prägt das

Sozialgefüge Brasiliens bis heute. Trotz der erzwungenen Konversion zum

katholischen Glauben haben sich die Afro-Brasilianer kulturelle und dabei vor

allem religiöse Traditionen und Vorstellungen erhalten.

2.1 Der Sklavenhandel

Peter Clarke sieht im Candomblé Brasiliens das Ergebnis eines langen

Prozesses, der mit dem Sklavenhandel im 15. Jahrhundert begann (Clarke 1998:

19). Den Annahmen von Philipp Curtin nach wurden in der Zeit des Atlantischen

Sklavenhandels bis zu 9,6 Millionen Sklaven nach Amerika transportiert. Davon

wurden über 3,6 Millionen allein nach Brasilien gebracht (Becker 1995: 23).

Ralph Becker bezeichnet damit den Sklavenhandel als die ,,größte

interkontinentale Migration der Weltgeschichte vor dem 19. Jahrhundert" (Becker

1995: 8) ­ mit weit reichenden Folgen für die kulturelle und soziale Identität von

vielen Individuen und der Gesellschaften in Amerika.

Der Herkunftsort der brasilianischen Sklaven ist überwiegend Westafrika, vor

allem Bahia ist von den Nachkommen der Yoruba, aus dem heutigen Nigeria und

Benin dominiert. Bis zu 70 % der heutigen Bevölkerung im Stadtumfeld von

Salvador de Bahia ist afrikanischen Ursprungs.3 Die Abstammung der Sklaven

2 Im Mittelpunkt steht dabei Clarkes Text ,,Accounting for recent Anti-Syncretistic Trends in

Candomblé Catholic Relations"

3 Siehe Rehbein 1989: 34

4



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