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Subtitle: Rekrutierungswesen und Auszeichnungen
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2008, 36 Pages
Author: Jens Wegmann
Subject: Archaeology
Details
Institution/College: University of Marburg (Institut für Klasssiche Archäologie)
Tags: Heer, Kaiserzeit, Legionen, Roms
Year: 2008
Pages: 36
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 20 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-19754-5
File size: 10114 KB
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Abstract
Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um die schriftliche Ausarbeitung des Referates ‚Das römische Heer der Kaiserzeit - Rekrutierungswesen und Auszeichnungen’, welches im Wintersemester 2007 / 2008 im Rahmen des Hauptseminars ‚Die Legionen Roms’ unter der Leitung von Herrn PD Dr. XXX vorgetragen wurde. Das Referat gliederte sich in zwei Teile. Der erste Teil hatte die Erläuterung des kaiserzeitlichen Rekrutierungswesens zum Thema. Im zweiten Teil wurde ein Einblick in die verschiedenen Auszeichnungen des römischen Militärs gewährt. Die nun hier vorliegende Ausarbeitung möchte, einen keineswegs erschöpfenden Einblick in die komplexe Materie des kaiserzeitlichen Rekrutierungswesen und den vielfältigen römischen Militärauszeichnungen geben. Das Heer der römischen Republik und das der Kaiserzeit unterschieden sich grundlegend. Erkenntlich wird dies besonders bei näherer Betrachtung der Organisationsstrukturen des Militärs während dieser beiden Epochen der römischen Geschichte. Seit ungefähr dem Ende des 2. Jhr. v. Chr. ist ein Strukturwandel innerhalb der republikanischen Armee zu verzeichnen, der sich in den veränderten Anforderungen, die von diesem Zeitpunkt an verstärkt von außen an das aus römischen Bürgern bestehende Heer gestellt wurden, begründete. Auseinandersetzungen mit Kimbern und Teutonen, sowie die zunehmende territoriale Expansion Roms, erforderten eine vermehrte und bisweilen auch dauerhafte militärische Präsenz in einigen der eroberten Gebiete. Feldzüge waren nicht mehr nur auf die Sommermonate beschränkt, wie es bis zu diesem Zeitpunkt üblich war, sondern einzelne Einheiten blieben, sofern es die militärische Großwetterlage erforderte, längerfristig in entfernten Territorien stationiert. Aus dieser Notwendigkeit entstanden für die nicht geringe Anzahl derjenigen Soldaten des republikanischen Heeres, die sich aus der Bauernschaft rekrutierten, große Probleme. Die längere Abwesendheit von ihren Gehöften bedeutete, dass ihre Felder brach fielen. Der Spagat zwischen einer ausreichenden Getreideversorgung der eigenen Bevölkerung und einer ebenso ausreichenden militärischen Präsenz in den erworbenen Territorien erwies sich für die Entscheidungsträger in der römischen Politik und dem Militär als äußerst problematisch.
Fulltext (computer-generated)
Philipps Universität Marburg
07.01.2008
WS 2007 / 2008
Fachbereich 06
B.A. ,Archäologische Wissenschaften′
Veranstaltung: ,Die Legionen Roms′
,Das römische Heer der Kaiserzeit
-
Rekrutierungswesen und Auszeichnungen′
Jens Wegmann
7. Semester
Inhaltsverzeichnis:
I.
Einleitung 1
II.
System und Methodik der Rekrutierung und Ausbildung von Freiwilligen im
kaiserzeitlichen Heer 1
II.a. Einführung 1
II.b. Die Musterung 2
II.c. Exkurs: Die Grundausbildung 8
II.d. Vom Rekruten zum Soldaten 9
II.e. Zusammenfassung 12
III.
dona militaria
Militärische Auszeichnungen des römischen Heeres 13
III.a. Einführung 13
III.b. CORONA OBSIDIONALIS 14
III.c. CORONA CIVICA 15
III.d. CORONA MURALIS und CORONA VALLARIS 17
III.e. TORQUES 18
III.f. PHALERAE 19
III.g. Zusammenfassung 19
IV.
Abbildungsteil 21
V.
Bibliographie 28
VI.
Hand Out 30
I. Einleitung
Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um die schriftliche Ausarbeitung des Referates ,Das
römische Heer der Kaiserzeit - Rekrutierungswesen und Auszeichnungen′, welches im
Wintersemester 2007 / 2008 im Rahmen des Hauptseminars ,Die Legionen Roms′ unter der
Leitung von Herrn PD Dr. Ulrich - Walter Gans vorgetragen wurde.
Das Referat gliederte sich in zwei Teile. Der erste Teil hatte die Erläuterung des kaiserzeitlichen
Rekrutierungswesens zum Thema. Im zweiten Teil wurde ein Einblick in die verschiedenen
Auszeichnungen des römischen Militärs gewährt.
Die nun hier vorliegende Ausarbeitung möchte, einen keineswegs erschöpfenden Einblick in die
komplexe Materie des kaiserzeitlichen Rekrutierungswesen und den vielfältigen römischen
Militärauszeichnungen geben.
II. System und Methodik der Rekrutierung und Ausbildung von
Freiwilligen im kaiserzeitlichen Heer
II.a.
Einführung
Das Heer der römischen Republik und das der Kaiserzeit unterschieden sich grundlegend.
Erkenntlich wird dies besonders bei näherer Betrachtung der Organisationsstrukturen des Militärs
während dieser beiden Epochen der römischen Geschichte.
Seit ungefähr dem Ende des 2. Jhr. v. Chr. ist ein Strukturwandel innerhalb der republikanischen
Armee zu verzeichnen, der sich in den veränderten Anforderungen, die von diesem Zeitpunkt an
verstärkt von außen an das aus römischen Bürgern bestehende Heer gestellt wurden, begründete.
Auseinandersetzungen mit Kimbern und Teutonen, sowie die zunehmende territoriale Expansion
Roms, erforderten eine vermehrte und bisweilen auch dauerhafte militärische Präsenz in einigen der
eroberten Gebiete. Feldzüge waren nicht mehr nur auf die Sommermonate beschränkt, wie es bis zu
diesem Zeitpunkt üblich war, sondern einzelne Einheiten blieben, sofern es die militärische
Großwetterlage erforderte, längerfristig in entfernten Territorien stationiert. Aus dieser
Notwendigkeit entstanden für die nicht geringe Anzahl derjenigen Soldaten des republikanischen
Heeres, die sich aus der Bauernschaft rekrutierten, große Probleme. Die längere Abwesendheit von
ihren Gehöften bedeutete, dass ihre Felder brach fielen. Der Spagat zwischen einer ausreichenden
Getreideversorgung der eigenen Bevölkerung und einer ebenso ausreichenden militärischen Präsenz
in den erworbenen Territorien erwies sich für die Entscheidungsträger in der römischen Politik und
dem Militär als äußerst problematisch.
1
Unter dem Eindruck dieser Ereignisse und den daraus gewonnenen Erfahrungen zeichnete sich ab,
dass das republikanische Bürgerheer mit seinen bis dahin bewährten Strukturen den andersartigen
Aufgaben und Anforderungen nicht mehr gewachsen war. Um die Oberhand in seinem, bis zu
diesem Zeitpunkt geschaffenen Einflussbereich auch auf längere Frist behalten zu können, war die
Umwandlung und Neustrukturierung des republikanischen Bürgerheeres zu einer professionellen
und gut ausgerüsteten Berufsarmee die notwendige und logische Konsequenz. Diese Wandlung
wurde, verkürzt gesagt, an der Wende des 2. zum 1. Jhr. v. Chr. durch die Heeresreformen des
Popularen Gaius Marius (*156 v.Chr. - 13.1.86 v.Chr) eingeleitet. Mit seinen Reformen schuf
Marius den Unterbau für die kaiserzeitliche Armeeorganisation.1 Dabei ist anzunehmen, dass
Marius das römische Heer nicht ad hoc gänzlich ,neu erfand′, sondern, dass die von ihm
angestoßenen Reformen das Resümee einer sich bereits seit Jahrzehnten innerhalb der
republikanischen Armee abzeichnenden Entwicklung waren.
Diverse antike Schriftquellen geben Aufschluss über die vielschichtige Geschichte und Entwicklung
des römischen Heerwesens. Für die späte Republik sind hier einerseits der ,
Bellum Iuguhrtum
′ des
Sallust (*1.10.86 v.Chr. - 13.5.34 v.Chr) und ,
De Bello Gallico
′ von Caesar (*13.7.100 v.Chr. -
15.3.44 v.Chr) zu nennen. Andererseits die ,
Naturalis Historiae
′ des Plinius Secundus (*23/24 -
79 n.Chr.), der in Griechisch verfasste ,
Bellum Iudaeicum
′ des Opportunisten Flavius Iosephus
(*37/38 n.Chr. - um 100), die ,
Annales
′ des Tacitus (*55 n.Chr. - nach 116 n.Chr.), sowie das
ebenfalls in griechischer Sprache verfasste Geschichtswerk des Cassius Dio (*um 163 n.Chr. - um
235 n.Chr.) für die Kaiserzeit. Besonders aber der Schriftsteller Flavius Vegetius (4. Jhr. n.Chr.)
befasst sich in seinem Werk ,
De re militari
′ ausgiebig mit der Materie der Anwerbung und
Ausbildung von Rekruten für die römische Armee und ist somit nicht nur im Rahmen dieser Arbeit
eine der antiken Hauptquellen für diesbezügliche Informationen.
II.b. Die Musterung
Den exemplarisch angeführten Berechnungen von Yann Le Bohec zu Folge benötigte das römische
Imperium bei einer militärischen Gesamtstärke von 25 Legionen (die Zahl der Legionen schwankte
während der gesamten römischen Kaiserzeit erheblich), zuzüglich der Marine und den
Auxiliartruppen jährlich etwa 18.000 neue Rekruten, um die erlittenen Verluste und Abgänge zu
ersetzen. Bei der Auffrischung der Truppen bediente sich der Staat erst der Freiwilligen, die bei
Rekrutierungsstellen vorstellig wurden. Reichte deren Zahl nicht aus, um erlittenen Verluste zu
kompensieren, Krisenzeiten eine Aufstockung der Kontingente notwendig machten oder sich
1 Junckelmann, Marcus: Die Legionen des Augustus. 11989 Mainz.S.86.
2
schlechterdings nicht genügend, den Anforderungen entsprechende, Freiwillige meldeten, wurden
Rekruten einberufen. Konnte die erforderliche Sollstärke auch durch die Einberufung von Rekruten
nicht erreicht werden wurden zusätzlich Veteranen reaktiviert.2 Die Überwachung der Rekrutierung
von Freiwilligen oblag in Friedenszeiten gemeinhin den Statthaltern der einzelnen Provinzen,
welche letztinstanzlich die Verantwortung dafür trugen.3 In Kriesenzeiten hingegen konnten
spezielle Beamte mit der Truppenaushebung (lat.:
dilectus
) beauftragt werden. Sie wurden als
missi ad dilectum
,
legati ad
dilectum
,
diletatores
oder
inquisitores
bezeichnet.4
Das elaborierte System, nach welchem Freiwillige seit dem frühen Prinzipat auf ihre Tauglichkeit
für den Militärdienst untersucht wurden gliederte sich in zwei Stufen deren erste die Musterung
(lat.:
probatio
) darstellte.5 Vegetius zu Folge erfolgte die Musterung durch einen Offizier der mit
der Überprüfung der für den Militärdienst erforderlichen Qualifikationen betraut war. Die
Freiwilligen wurden in einer medizinischen Untersuchung sprichwörtlich auf Herz und Nieren
geprüft. Aus Vegetius Werk geht hervor, dass eine gut physische Verfassung von wesentlicher
Bedeutung war. Der verantwortliche Offizier sollte, ähnlich der Begutachtung von Nutztieren, deren
körperliche Verfassung sich laut Vegetius an Hand ähnlicher Kriterien feststellen lässt, auf
Körperhaltung und Körpersprache, Gliedmaßen, Gesicht und Augen achten. Der potentielle Rekrut
sollte sich durch einen breiten, muskulösen Oberkörper, kräftige Arme und starke Hände
auszeichnen.6
Was die Größe anbelangt, so behauptet Vegetius, dass die ideale Größe eines Soldaten in der
,Vorzeit′ zwischen fünf und sechs römischen Fuß lag.7 Welchen Zeitraum er damit ungefähr meint,
geht aus seinen Ausführungen jedoch nicht hervor. Von Nero (*15.12.37 n.Chr. - 09.06.68 n.Chr.)
ist in diesem Zusammenhang allerdings bekannt, dass er während seiner Regierungszeit von 54 bis
68 n.Chr. eine Legion mit einem Mindestmaß von mindestens sechs römischen Fuß ausheben ließ;
die
Legio I Italica
oder auch ′Phalanx Alexanders des Großen′. Die
Legio I Italica
ist hier insofern
erwähnenswert, da anzunehmen ist, dass zu Neros Zeiten sechs römische Fuß nicht als Mindestmaß
gegolten haben dürften, sondern wahrscheinlich eine außergewöhnliches Gardemaß darstellten.
Gemäß dem Codex Theodosianus lag das erforderliche Mindestmaß um 367 n.Chr. bei fünf Fuß
und sieben Fingerbreiten (lat.:
digitus
).8 Die Überprüfung der Größe erfolgte durch das Anlehnen
2
Le Bohec, Yann.: Die römische Armee. 11989 Paris.S.77.
3 Le Bohec, Yann.: Die römische Armee. 11989 Paris.S.76.
4 Le Bohec, Yann.: Die römische Armee. 11989 Paris.S.77.
5 Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 11989 Edinburgh.S.3.
6 Vegetius: De re militari. I,6.
7 nach
Kinne, Andreas: Tabellen und Tafeln zur Grabungstechnik - ein Hilfsmittel für die archäologische
Geländearbeit.42006 Dresden.S.8.
1 röm. Fuß = 29,6 cm
8 nach
Kinne, Andreas: Tabellen und Tafeln zur Grabungstechnik - ein Hilfsmittel für die archäologische
Geländearbeit.42006 Dresden.S.8.
1 röm. digitus = 1,85 cm
3
des Freiwilligen gegen einen auf das Mindestmaß genormten Pfosten.9 Eine zu geringe Körpergröße
bedeutet aber nicht zwangsweise den Ausschluss vom Kriegsdienst. Laut Vegetius verfügte der
rekrutierende Offizier im Rahmen der Vorgaben über einen gewissen Spielraum. Bei der Bewertung
der Tauglichkeit sollte nicht allein die Körpergröße als ausschlaggebender Faktor berücksichtigt
werden, sondern vielmehr der körperliche Zustand, da es zweckdienlicher erschien leistungsfähige
denn groß gewachsene Freiwillige zu rekrutieren. 10
Rekruten sollten nach Vegetius′ Meinung möglichst aus ländlich geprägten Regionen im Norden
des Imperiums stammen. Freiwillige aus diesen Gebieten seien für den Kriegsdienst besser
geeignet, da sie einerseits durch das kühlere Klima, andererseits durch die harte physische Arbeit,
welche das Landleben in diesen Regionen mit sich bringe, widerstandsfähiger gegen Verletzungen
seien.11 Freiwillige aus der Stadt hingegen seien das urbane Leben mit seinen zahlreichen
Annehmlichkeiten zu sehr gewöhnt, so dass sie sich nur schwerlich in das entbehrungsreiche und
von Disziplin geprägte Leben der Armee eingliederten.12 Aus einem ähnlichen Grunde seien auch:
′...Fischer, Vogelfänger, Zuckerbäcker, Leinweber, und überhaupt alle die sich mit Arbeiten
beschäftigen, die auch von Frauenzimmern besorgt werden können und auch sollen,
[...]
für das
Kriegswesen nicht geeignet.′
13 Bewerber, deren berufliche Tätigkeit sich durch eine intensive
physische Beanspruchung auszeichnete seien Letzteren vorzuziehen.
Auf die physische Verfassung eines Rekruten wurde bei der Bewertung seiner Tauglichkeit also
besonders Wert gelegt. Dennoch scheint es Fälle gegeben zu haben, in denen Rekruten trotz einer
körperlichen Beeinträchtigung für tauglich erklärt wurden. So berichtet Arrius Menander: ′
Qui cum
uno testiculo natus est quive amisit, iure militabit secundum divi Traiani rescriptu.
′14 Durch eine
kaiserliche Weisung wurde den hiervon Betroffenen der Kriegsdienst, trotz der körperlichen
Versehrtheit, ermöglicht.15
Das Alter steht in engem Zusammenhang mit der physischen Verfassung eines Freiwilligen.
Vegetius erörtert auch dieses Kriterium ausführlich in einem gesonderten Kapitel. Seinen
Ausführungen ist dabei zu entnehmen, dass das ideale Eintrittsalter zum Militärdienst in den
Legionen der Beginn der Pubertät sei. Die begründe sich Vegetius darin, dass der Körper in dieser
Phase noch im Wachstum sei, noch nicht an Altersverschleiß leide und das Kriegshandwerk dank
9 Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 11989 Edinburgh.S.6.
10 Vegetius: De re militari. I,6.
11 Vegetius: De re militari. I,2.
12 Vegetius: De re militari. I,3.
13 Vegetius: De re militari. I,7.
14
Arrius Menander: On Military Affairs. I, 49, 16, 4
15 Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 11989 Edinburgh.S.7.
4
der jugendlichen Auffassungsgabe rasch zu erlernen sei. Cassius Dio gibt in einer seiner Schriften
das 35. Lebensjahr als obere Altersgrenze für den Kriegsdienst an.16 Ebenso wie der
Geschichtsschreiber Titus Livius (*um 59 v.Chr. - 17n.Chr.).17 Allerdings ist, unter
Berücksichtigung der im betreffenden Abschnitt von Livius geschilderten Begleitumstände der
Aushebung fraglich, in wie fern die von ihm genannte Altersgrenze auch in Friedenszeiten gegolten
hat. Livius berichtet: ,
Sogar Freigelassene hatten auf die Fahnen geschworen, wenn sie Kinder und
das dienstfähige Alter hatten.
′18
Die Ergebnisse einer Analyse der Laufbahnen von fünfhundert Legionären zeigen jedoch, dass die
Angaben des Vegetius, am unteren Ende der Altersskala als auch die des Cassius Dio und die des
Livius am oberen Ende der Skala, größtenteils der Realität entsprachen. Die Auswertung der
Laufbahnen ergab, dass alle Legionäre zwischen dem 13. und 36. Lebensjahr der Armee beitraten,
dreiviertel von ihnen zwischen dem 18. und 23. Lebensjahr. 19
Dass laut Livius selbst Freigelassene rekrutiert wurden unterstreicht die Dringlichkeit der
beschriebenen Aushebung umso mehr. Freigelassenen oder gar Sklaven war der Dienst in den
Legionen, wie eine Korrespondenz zwischen Plinius dem Jüngeren (*61/ 62 n.Chr. - um 113
n.Chr.) und Kaiser Traian (*53 n.Chr. - 117 n.Chr.) belegt, ansonsten nicht erlaubt. Der
betreffende Briefwechsel gewährt einen Einblick in die rechtliche Stellung der Unfreien und
besonders der Sklaven: Zwei Sklaven hatten unerkannt und entgegen der Vorschriften versucht dem
Militär beizutreten. Sie hatten bereits die Musterung und auch die Grundausbildung abgeschlossen,
als ihre rechtliche Stellung bekannt wurde. Plinius, der zu diesem Zeitpunkt mit dem Amt des
Statthalters der Provinz Bithynien betraut war (um 111 n.Chr.), wendet sich nun in dieser
Angelegenheit Rat suchend an Kaiser Traian:
,,
Semporius Caelianus (whose merit I must always mention with esteem) having discovered two
slaves among the recruits has sent them to me. But I deferred passing sentence till I had conferred
with you, the glorious founder, and firm support of military discipline, concerning the punishment
proper to be inflicted upon them. My principal doubt is, that though they have taken the military
oath, they are not yet entered into any particular legion. I beg therefore, Sir, you would let me know
what method I shall pursue, especially as it is an affair in wich example is concerned
.".20
Den Zeilen des Plinius ist deutlich zu entnehmen, dass die freie Geburt ein bedeutsames Kriterium
für die Zulassung zum Militärdienst darstellte. Ohne einen solchen Nachweis, oder konnte die freie
16 Cassius Dio: LV,23,1
17 Livius: Ab urbe contita. XXII, 11,8
18 Livius: Ab urbe contita. XXII, 11,8
19 Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 11989 Edinburgh.S.7.
20 Plinius: Epistulae. X.29
5
Geburt auch nur nicht zweifelsfrei belegt werden, blieb der Dienst in einer römischen Legion
zumindest in Friedenszeit verwehrt.21 Ausschließlich in Krisen- oder Kriegzeiten, wenn eine
Verstärkung der Truppen unbedingt erforderlich war, der Bedarf an Soldaten aber nicht mehr in
ausreichendem Maße durch Freiwillige, Einberufene oder Veteranen gedeckt werden konnte, ging
das römische Militär vereinzelt dazu über Unfreie zu rekrutieren.22 Die auf diese Wiese rekrutierten
Soldaten leisteten ihren Dienst jedoch gemeinhin nicht in den regulären Einheiten ab, sondern in
gesonderten Hilfstruppen (lat.:
cohors voluntariorum
).23 Die Rekrutierung von Unfreien und deren
Dienst im römischen Heer stellte demnach etwas Exzeptionelles dar, da sich in Krisenzeiten auch
gewöhnlich Freiwillige in ausreichendem Maße fanden.
Ebenso wie es Unfreien und Sklaven nicht erlaubt war, war es auch Personen ohne römisches
Bürgerrecht, Ehebrechern, vormaligen Deserteuren oder Verbannten nicht erlaubt Dienst in den
Legionen zu leisten.24
Um ihre freie Geburt und das römische Bürgerrecht nachweisen zu können und somit ihre
einwandfreie Reputation zu unterstreichen, ließen sich potentiellen Rekruten zu diesem Zweck
Referenzschreiben (lat.:
epistula commendaticia
) von Vertrauenspersonen ihrer Wahl ausstellen.
Meist handelte es sich bei den Ausstellenden um Personen aus dem näheren Umfeld des
Freiwilligen, die gewissen politischen oder anderweitigen Einfluss besaßen, den sie im Sinne des
Rekruten geltend machen konnten. Aus dem 2. Jhr. n.Chr. ist ein solches Referenzschreiben des
Freiwilligen Theon erhalten geblieben:
,,
To Julius Domitius,
tribunus militum legionis
, from Aurelius, his
beneficarius
. I have once
previously recommended my friend Theon to you, and now again ,Sir, I ask you to look upon him as
if he were me, as he is a man worthy of your regard. He has left his own family, property, and
buisness, and followed me, and through he has relieved me from worry. I therefore request an
introduction for him to you. He can tell you about our business. Whatever he has said, he has done.
I have a high regard for the man
[...]
May I wish you and your people, Sir, every happiness and
success for many years to come. Look upon this letter, Sir, and imagine that I am talking with
you.
"25
Den an den musternden Offizier adressierten höflichen, aber auch mit subtilem Nachdruck
versehenen Zeilen des Bürgens (lat.:
beneficarius
) ist zu entnehmen, dass Theon bereits zum
wiederholten Male versuchte aufgenommen zu werden. Mit an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit ist also davon auszugehen, dass ein solches Referenzschreiben letztendlich nur
21 Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 11989 Edinburgh.S.9f.
22Arrius Menander: On Military Affairs: I, 49,16,4,10
24 Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 11989 Edinburgh.S.9f.
25
Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 11989 Edinburgh.S.12.
6
unterstützende Funktion bei der Bewertung der Tauglichkeit eines Rekruten besaß und etwaige
andere Defizite praktisch nicht zu neutralisieren vermochte.26
Erfüllte der Freiwillige nach seiner Musterung jedoch alle der zuvor genannten relevanten Kriterien
in ausreichendem Maße, wurde er für tauglich befunden (lat.:
probatus
). Der Freiwillige stieg damit
zum Rekruten (lat.:
tiro
) auf und wurde von diesem Zeitpunkt an als ein solcher in den Akten der
zuständigen Militärverwaltung geführt.27
In der für jeden neuen Rekruten angelegten Akte wurden verschiedene persönliche und für den
Militärdienst relevante Informationen vermerkt. Neben dem Datum der Tauglichkeitserklärung und
dem Namen des hierfür verantwortlichen Offiziers enthielt eine solche Akte außerdem den
vollständigen Name des Rekruten, Angaben zu dessen Alter, Charakter und Gesundheitszustand,
sowie zu Identifikationszwecken einen Vermerk über unverkennbare individuelle Körpermerkmale
(lat.:
incosimi
) wie z.B. Narben.28 Parallel zur Erstellung der Akte erfolgte die Zuweisung eines
jeden probaten Freiwilligen zu einer Einheit, bei der er nachfolgend die Grundausbildung zu
absolvieren hatte. Dem Rekruten wurde von seiner Rekrutierungsstelle zusätzlich ein Schreiben mit
seinen persönlichen Angaben ausgestellt und ihm zur Vorlage bei seiner zugewiesenen, zukünftigen
Einheit mitgegeben. Mitunter waren die Einheiten denen die Rekruten zugewiesen wurden in
entfernten Regionen des römischen Imperiums stationiert, so dass häufig größere Distanzen
zwischen dem Ort der Musterung und dem zugewiesenen Militärposten überwunden werden
mussten. Die dabei anfallenden Reisekosten fielen auf die Rekruten zurück, welche diese vom
zuvor erhaltenen Antrittsgeld (lat.:
viaticum
) finanzierten.29 Traf der Rekrut bei seiner neuen Einheit
ein, wurde seine Ankunft vom Dienst habenden Offizier in den Tagesbefehlen (lat.:
acta diurna
)
vermerkt.
Rekruten besaßen einen rechtlichen Sonderstatus. Einerseits galten sie nach absolvierter Musterung
nicht mehr als Zivilisten, andrerseits, da die Grundausbildung noch nicht mit Erfolg absolviert
worden war, auch noch nicht als Soldaten.30 Wichtig war die rechtliche Stellung für die
disziplinarische Maßregelung der in militärischen Angelegenheiten noch unerfahrenen Rekruten.
Gemeinhin wurden Rekruten bei eventuellen Vergehen gegen die Dienstvorschriften weniger hart
bestraft als voll ausgebildete oder altgediente Soldaten.31 So wurde unter Anderem das erstmalige
unerlaubte Entfernen eines Rekruten von der Truppe oder das Verkaufen der Ausrüstung nicht
26 Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 11989 Edinburgh.S.11.
27 Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 11989 Edinburgh.S.12.
28 Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 11989 Edinburgh. S17f.
29 Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 11989 Edinburgh.S.19f.
30 Le Bohec, Yann: Die römische Armee. 11989 Paris.S.80.
31 Arrius Menander: 49,16,4,15.
7
geahndet. Bei einem erneuten Verstoß gegen die Dienstvorschriften, erfolgte jedoch eine
Sanktionierung nach Vorschrift, da nun davon ausgegangen wurde, dass der Rekrut mit den
Direktiven des Militärs vertraut war.32
II.c.
Exkurs: Die Grundausbildung
Vegetius widmet einen Teil seines hier bereits mehrfach zu Rate gezogenen Werkes der
Beschreibung der militärischen Grundausbildung in der römischen Armee im 4. Jhr. n. Chr.. Seine
sachlich gefassten, anschaulichen Ausführungen geben, bis zu einem gewissen Grad, Aufschluss
über die gängige Ausbildungspraxis seiner Epoche und die dabei vermittelten Inhalte:
,,
Alles hat seine Zeit zum lernen, und Waffenübung ist nicht so leicht, als sie scheint, zu lernen, sie
mag für einen Fußgänger
[Fußsoldaten]
, Pfeilschützen oder Reiter seyn. Alle Bewegungen des
Leibes und seiner Glieder, das Stehen bleiben an Ort und Stelle, das Schwenken ohne die Reihen zu
verwirren, die Wurfpfeile mit Kraft und treffend zu schleudern, Gräben zu ziehen, Pallisaden
geregelt zu setzen, mit dem Schilde sich zu schützen, dagegen sein Hiebe und Stiche mit Erfolge
anzubringen, das will, das muß gelernt und stets geübt auch werden, will man, daß der Neuling zum
Soldaten werde, und so den ihm gegenüber stehenden Feind nicht fürchte, wohl gar auf dem
Schlachtfelde sich gerne sehe.
"33
Einerseits ist den Zeilen zu entnehmen, dass die Grundausbildung recht komplex strukturiert war
und nicht ausschließlich das Erlernen der Grundlagen des militärischen Handwerkes zum Ziel hatte.
Vielmehr erfolgte wohl bereits in dieser Phase eine militärfachspezifische Ausbildung der Rekruten,
welche sich je nach Truppengattung unterschied und dabei die jeweils unterschiedlichen
Anforderungen und Einsatzmöglichkeiten berücksichtigte. Andererseits ist der angeführten
Textstelle zu entnehmen, dass es dabei aber auch unweigerlich notwendig war den Rekruten in
ausreichendem Maße Zeit zu gewähren, damit die einzelnen Elemente der Ausbildung zu Genüge
verinnerlicht werden konnten.
Vegetius zu Folge erstreckte sich die Grundausbildung gewöhnlich über einen Zeitraum von
mindestens vier Monaten, in denen der Umgang mit verschiedenen Offensiv- und Defensivwaffen,
wie auch das Einhalten taktischer Formationen während eines Gefechtes erlernt und durch
32 Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 11989 Edinburgh.S.16f.
33 Vegetius: De re militari. I.4.
; Übersetzung derselben Textstelle nach
Davies, Roy W.: Service In The Roman Army.
11989 Edinburgh.S.15,Z.
: `
A recruit must have time to learn everything. For the art of weapons whether you wish to
train a cavalaryman , foot-archer or infantry man must not seem small or light, to teach them the whole range of
arms drill and movements, not to desert their posts, to keep their ranks, to throw their weapons with great force and
accuracy, to dig ditches, to plant a palisade with skill, to handle their shield and deflect the oncoming weapons of the
enemy by holding it at an angle, to avoid a blow with skill and deliver one with bravery.
′
8
Übungsmärsche mit Gepäck oder Schwimmen die Kondition verbessert werden sollte.34 Der
Schulung und der körperlichen Abhärtung dienten wohl auch die verschiedenen von Rekruten zu
Übungszwecken vollbrachten Schanz- und Bauarbeiten. Zwei aus der ehemaligen Provinz
Cyreneica im Nordwesten der heutigen Türkei stammende Meilensteine sind ein epigraphisches
Zeugnis solcher Tätigkeiten. Den Inschriften: ,VIAM [TRAIAN] FECIT PER TIRONES LECTOS
EX PROVINCIA CYRENSI′35 ist zu entnehmen, dass die betreffende Straße zweifelsohne durch
Rekruten der römischen Armee, oder zumindest unter derer aktiver Beteiligung, angelegt wurde.
Die Errichtung von Feldlagern durch Rekruten erscheint im Hinblick auf die Ergebnisse
archäologischer Untersuchungen in den Kastellen Haltwhistle in Nordengland, Llandrindod in
Wales und dem südlich von Xanten gelegenen Alpen Veen (s. Abb. 2) ebenfalls wahrscheinlich.36
Die Entwicklung der Rekruten wurde während der gesamten Zeit ihrer Ausbildung von dem jeweils
zuständigen Ausbilder (lat.:
campidoctor
) überwacht. Er überprüfte die Leistungsfähigkeit durch
regelmäßige Übungseinheiten und vermerkte dabei Fort- oder auch Rückschritte in der persönlichen
Akte eines jeden Rekruten. Auf diese Weise konnte die Entwicklung des Einzelnen nachvollzogen
und beurteilt werden, ob der betreffende Rekrut am Ende der Grundausbildung tatsächlich für den
Kriegsdienst geeignet war.37 Dabei erhöhte ein differenziertes Sanktionierungssystem zudem den
Leistungsdruck unter den Rekruten. Während das System einerseits zufrieden stellende Leistungen
verschiedenartig belohnte, strafte es andererseits unzureichende Leistungen u.a. durch die
Reduzierung der persönlichen Getreideration ab.38
II.d. Vom Rekruten zum Soldaten:
Die erfolgreiche Absolvierung der Grundausbildung hing von der Gesamtbewertung der Leistungen
ab, welche der Rekrut innerhalb der vier Monate zu erbringen hatte. Die Leistungen wurden anhand
der erstellten Aufzeichnungen kritisch bewertet. Wurden sie für zufrieden stellend befunden, stand
der Aufnahme in die Armee nichts mehr im Wege, andernfalls wurde der Betreffende nachträglich
als für den Kriegsdienst untauglich erklärt. Nach dem Abschluss der Ausbildung wurden die
Rekruten dann Vegetius zu Folge ,,
... eindeutig in der Haut bezeichnet...
".39 Wie genau sich diese
eindeutige Kennzeichnung auf der Haut gestaltete, darüber herrscht wegen des schlechten
34 Vegetius: De re militari. I,9 - I,14; I,18; I,19; I,27; II,23; III,4.
35 Merlin, Alfred (Hrsg.): L′Annee Epigraphique Revue des Publications Épigraphique. Paris 21968: Bd. 13, Jhrg.
1951 1955; 1951, 210.
und
Merlin, Alfred (Hrsg.); L′Annee Epigraphique Revue des Publications Épigraphique.
Paris 21968. Bd. 14, 1956 1960 Bd. 14, Jhrg. 1956 1960; 1957, 133.
36 Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 11989 Edinburgh.S.16.
und
Johnson, Anne: Römische Kastelle des 1.
und 2. Jahrhunderts n. Chr. in Britannien und den germanischen Provinzen des Römerreiches. Mainz 11987. S.57.
37 Vegetius:De re militari. I,6;I,8; I,13
und
II,5.
38 Vegetius:De re militari. I,13.
39
Vegetius: De re militari. II,5.
9
Überlieferungszustandes und multiplen Übersetzungsmöglichkeiten der Textstelle, nach wie vor
Uneinigkeit. Bereits Lipowsky, aus dessen 1827 erschienen Übersetzung die hier zitierte Textstelle
entstammt, setzt sich mit dieser Problematik auseinander. Unter zu Hilfenahme anderer historischer
Quellen weist Lipowsky darauf hin, dass die von verschiedenen Seiten geäußerte Annahme, es
handele sich bei dieser eindeutigen Kennzeichnung auf der Haut um eine Art Brandmarkung, mehr
als unwahrscheinlich sei. Die Unwahrscheinlichkeit einer solchen Verfahrensweise begründet sich
darin, dass in römischer Zeit vor allem Sklaven gebrandmarkt (lat.:
notae serviles
) wurden, um
deren Zugehörigkeit zum Besitz ihres′ Herren kenntlich zu machen. Eine derartige Prozedur bei
römischen Legionären stünde, Lipowsky zu Folge, in krassem Gegensatz zum Selbstverständnis
und Ehrgefühl eines frei geborener römischen Bürgers, welcher hierdurch als Sache und Besitztum
einer höheren Instanz, in diesem Falle des römischen Militärs, ausgewiesen würde. 40
Bis zu diesem Punkt schließt sich auch der Autor der hier vorliegenden Arbeit Lipowskys
Argumentation an. Warum Lipowsky jedoch im Folgenden davon ausgeht, dass eine derartige
Kennzeichnung anstatt durch Einbrennen durch Ätzung erfolgt sein soll, bleibt unklar. Immerhin
bleibt das Ergebnis auch bei einer Ätzung dasselbe: es verbleibt eine eindeutige Bezeichnung auf
der Haut, welche vor dem Hintergrund der von Lipowskys auf Selbstverständnis und Ehrgefühl des
frei geborenen römischen Bürgers ausgerichteten Argumentation als irrational erscheint.
Roy Davies steht der ′eindeutigen Bezeichnung auf der Haut′ ebenfalls kritisch gegenüber, da aus
dem kaiserzeitlichen Militärwesen keine anderen Nachweise für eine reguläre Anwendung solcher
Praktiken bekannt seien. Die betreffende Textstelle bei Vegetius sei, so Davies, nicht im wörtlichen
Sinne zu verstehen, sonder als militärfachspezifische Phrase, welche die Aushändigung einer Art
Identifikationsmarke (lat.:
signaculum
) aus Blei beschreibt.41
Mit dem Erhalt des
signaculum
erreichte der Rekrut erneut eine neue Stufe in der militärischen
Hierarchie und wurde von diesem Zeitpunkt in der Verwaltung der betreffenden Einheit als
,vollständig ausgebildet′ (lat.:
signatus
) geführt. Hiernach erfolgte Abnahme des militärischen
Treueides (lat.:
sacramentum militae
oder
iusiurandum
), nach dessen Schwur der ,vollständig
ausgebildete′
Rekrut erst offiziell als Soldat (lat.:
miles
) in den Akten vermerkt wurde.42 Erst mit
diesem Vermerk in den Akten der betreffenden Einheit (lat.:
in numeros ferre
) erfolgte die
Annerkennung des Betreffenden als Soldat.43
40
Lipowsky, Felix Joseph: Des Flavius Vegetius Renatus fünf Bücher über Kriegswissenschaft und Kriegskunst der
Römer. 11827 Sulzbach.S.79f.
41
Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 11989 Edinburgh.S.13.
42
Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 11989 Edinburgh.S.26.
43
Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 11989 Edinburgh.S.16ff.
10
Der
miles
erhielt den Sold eines Gefreiten, welcher im 1. Jhr. n. Chr. ca. 1.200 Sesterzen betrug und
verglichen mit der Besoldung hochrangiger Offiziere, welche unter Umständen fast das 160-fache
verdienen konnten, verschwindend gering wirkt.44 Zudem zog das Militär die während der
Ausbildung angefallenen Lebenserhaltungskosten noch zusätzlich ratenweise vom Sold ab.45
Abhängig von den individuellen Veranlagungen und dem Bildungsniveau eines Soldaten bot das
römische Militär die Möglichkeit verschiedene Laufbahnen einzuschlagen. Dazu bestand neben
dem regulären Dienst in der kämpfenden Truppe auch die Option eine Anstellung als
Schreibstubenbediensteter (lat.:
librarius
) in der Militärverwaltung zu bekommen. Beide
Dienstposten ermöglichten realistische Aufstiegschancen. Dies belegt unter anderem der
Werdegang des Legionärs Petronius Fortunatus. Nach weniger als vier Jahren Dienst in der
Administration wurde Fortunatus zum Feldzeichenträger (lat.:
signifer
) befördert und ihm damit
eine zugleich hoch angesehene und als Kassenwart seiner Einheit verantwortungsvolle Aufgabe
übertragen.
Freiwillige verpflichteten sich bei ihrer Rekrutierung eine festgelegten Zeitraum in den regulären,
aktiven Einheiten der Legionen und Auxiliartruppen abzuleisten. Dieser Dienst wurde
sub aquila
unter dem Adler bezeichnet. Generell ist festzustellen, dass sich die Dienstzeit je nach Einheit und
auch zu verschiedenen Epochen unterscheiden konnte. So betrug die Dienstzeit in der Praetorianer
Garde in der Kaiserzeit durchschnittlich nur 16 Jahre, währenddem Angehörige der Auxiliartruppen
zur gleichen Zeit 25 Jahre abzuleisten hatten. Unter den ersten drei Kaisern Augustus (27 v. Chr.
14 n. Chr.), Tiberius (14 n. Chr. 37 n. Chr.) und Caligula (37 n. Chr. 41 n. Chr.) betrug die
durchschnittliche Dienstzeit eines Legionärs
sub aquila
28,1 Jahre.
An die Zeit
sub aquila
schlossen sich in der Theorie noch weitere 5 Jahre Dienst in einem separat
organisierten Veteranenverband an (lat.:
sub vexillo
). Die eigentliche Aufgabe der
Veteranenverbände bestand darin die regulären Truppen ausschließlich während der
Kampfhandlungen zu verstärken. In der Theorie waren altgediente Soldaten
sub vexillo
vom
Routinedienst befreit, in der Praxis jedoch unterschieden sich
sub aquila
und
sub vexillo
meist nicht
wesentlich voneinander. In Bedarfsfällen war es auch nach Ablauf der fünf Jahre
sub vexillo
Zeit
noch möglich, dass ein Veteran erneut, als so genannter
evocatus
Herbeigerufener eingezogen
werden konnte. Die Stellung als
evocatus
brachte aber diverse Privilegien, wie z.B. die Beförderung
zum Centurio oder doppelte Besoldung, mit sich.46
44
Maxfield , Valerie A.: The Military Decorations Of The Roman Army. 11981 London.S. 48.
45
Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 11989 Edinburgh.S.20.
46
Junckelmann, Marcus: Die Legionen des Augustus. 11989 Mainz.S.103.
11
Über die Dienstzeit in den Auxiliarverbänden der römischen Armee ist bekannt, dass sie in
claudischer Zeit (41 - 54 n. Chr.) gemeinhin 25 Jahre betrug.47 Die Leistung der in diesen Einheiten
dienenden Soldaten wurde am Ende ihrer Dienstzeit durch die Verleihung des römischen
Bürgerrechts und dem Recht eine nichtrömische Frau zu heiraten (lat.:
conubium
) honoriert. Die
Verleihung der Privilegien wurde schriftlich auf einer Bronzetafel (lat.:
diploma
) fixiert und durch
deren Aushändigung an den Betreffenden offiziell anerkannt (s. Abb.1).48
Unter denjenigen, die über die notwendigen physischen, psychischen und provenienziellen
Vorraussetzungen verfügten, war es durchaus beliebter einer Legion beizutreten als den
Auxilliartruppen, da die Besoldung dort dreimal höher lag.49 Vegetius berichtet, dass sich die
Verhältnisse in späterer Zeit allerdings verschoben hätten. Scheinbar wurde der Dienst in den
Auxiliartruppen zum Anfang des 3. Jhr. v. Chr. wegen der in diesen Einheiten weniger schweren
Arbeit, laxer Disziplin und größerer Karrierechancen beliebter als in den regulären Legionen.50
II.e. Zusammenfassung
Bei diesen langen Dienstzeiten drängt sich unweigerlich die Frage auf, was den Dienst in der
Armee, trotz der harten Lebensbedingungen noch attraktiv machte. Die Attraktivität begründet sich
mit aller Wahrscheinlichkeit in den Aufstiegs- und Karrierechancen, der Aussicht auf Wohlstand
sowie gesellschaftlichem Ansehen und nicht zu letzt auch in der für Soldaten der Auxiliartruppen
besonders attraktiven Aussicht auf die Verleihung des römischen Bürgerrechts und der damit
einhergehenden Privilegien. Das Sanktionierungssystem, in dem es möglich war, sich durch exakt
umrissene Leistungen hervorzutun und in verschiedener Weise in der Hierarchie aufzusteigen,
zeigte für viele einen verlockenden beruflichen Werdegang auf. Der Dienst in der Armee bot,
verglichen mit den Perspektiven in anderen Berufszweigen der damaligen Epochen, eine durchaus
realistische Aussicht auf Wohlstand und gesellschaftliches Ansehen.
Die vorhergegangen Ausführungen weisen in den bisher angesprochenen Teilbereichen des
römischen Militärwesens - Rekrutierung, Ausbildung und Abmusterung - auf eine durchdachte,
vielschichtige und aufwändige Organisationsstruktur hin. Das gemeinhin auf Freiwilligkeit
basierende Rekrutierungssytem des römischen Militärs während der Kaiserzeit stellte
gewissermaßen die zivile wie auch militärische Seite zufrieden: Aus der Bevölkerung wurden, mit
Ausnahmen, nur die Männer in Dienst genommen, die dienen wollten und die notwendigen
47
Junckelmann, Marcus: Die Legionen des Augustus. 11989 Mainz.S.104.
48
Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of The Roman Army. 11981 London.S. 50.
49
Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 11989 Edinburgh.S.23.
50
Vegetius: De re militari. II.3.
und
Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 11989 Edinburgh.S.24.
12
Standards dafür erfüllten. Jene hingegen, welche den Militärdienst ablehnten, wurden gewöhnlich
auch nicht herangezogen.51
Die sorgsame Auswahl und Ausbildung des kämpfenden Personals - der Soldaten - bildete die
Grundlage der Effizienz der römischen Armee.52 Um eben dieser Effizienz Willen, stellte der
römische Staat bewusst hohe Ansprüche an potentielle Rekruten. Niederschlag fanden diese
Qualitätsansprüche in einem ausgearbeiteten und differenzierten Rekrutierungsverfahren, welches
zwar einerseits die Menge der für tauglich befundenen Rekruten deutlich begrenzte, andererseits
aber Rekruten und später, nach deren Grundausbildung, Soldaten hervorbrachte, deren militärische
Fertigkeiten für die Antike unzweifelhaft enorm waren.53
III.
,dona militaria′ Militärische Auszeichnungen des römischen
Heeres:
III.a. Einführung
Über militärische Auszeichnungen ist grundsätzlich zu sagen, dass sie eine positive
Disziplinarmaßnahme darstellen. Armeeangehörige, die sich durch Leistungen verdient machen,
welche objektiv über das zu Erwartende hinausgehen oder durch großen persönlichen Einsatz im
Sinne des Militärs gekennzeichnet sind, sollen auf diese Weise honoriert und Moral sowie
Motivation der kämpfenden Truppe gestärkt werden.54 Stellenwert und Prestige der
Auszeichnungen waren und sind nach wie vor im modernen Militärwesen bestimmt durch die dafür
zu erbringenden, teilweise klar umrissenen, Leistungen.
Im Militärwesen des römischen Reiches konnten außerordentliche Verdienste verschiedenartig
belohnt werden. Zum einen durch ,praktischen′ Auszeichnungen (lat.:
donativa
) zu denen
Extrarationen, Solderhöhungen, Beförderungen oder einmalige Prämienzahlungen gehörten. Zum
anderen durch Auszeichnungen mit einem rein symbolisch repräsentativen Charakter (lat.:
dona
militaria
), welche annähernd den auch im modernen Militärwesen verwendeten Orden oder
Ehrenzeichen entsprechen.
Neben den literarischen Zeugnissen verschiedener antiker Autoren, zu denen in diesem
Zusammenhang die Werke des Aulus Gellius und Plinius zählen, stehen bei der Bearbeitung dieses
Themas des Weiteren natürlich auch archäologische Hinterlassenschaften wie Inschriften,
Skulpturen, Reliefs oder Grabsteine römischer Soldaten (s. Abb. 3) als gehaltvolle Quellen zur
51 Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 11989 Edinburgh.S.28.
52 Le Bohec, Yann.: Die römische Armee. 11989 Paris.S.81.
53 Le Bohec, Yann.: Die römische Armee. 11989 Paris.S.78.
54 Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of The Roman Army. 11981 London.S. 55.
13
Verfügung. Funde von
dona militaria
selbst sind jedoch äußerst selten. 55 Eine plausible Erklärung
für diesen eklatanten Mangel an Fundmaterial findet sich bei Tacitus. Er berichtet, dass Soldaten in
Zeiten finanzieller Not dazu übergingen, ihre teilweise aus Edelmetallen gefertigten
dona militaria
einzuschmelzen. Ein entsprechender Umgang mit
dona militaria
ist auch für die nachantiken
Epochen anzunehmen.56
Für alle hier angeführten Quellengattungen ist allerdings einschränkend anzumerken, dass sie zwar
Aufschluss über Formengebung, Ausgestaltung und die für die Verleihung notwendigen Verdienste
der
dona militaria
geben, aber nur in eingeschränktem Maße Rückschlüsse auf die Strukturen des
dahinter stehenden Vergabesystems zulassen.57
Im Folgenden sollen exemplarisch einige der unter der Bezeichnung
dona militaria
zusammengefassten Auszeichnungen des römischen Militärs näher erläutert werden.
III.b. CORONA OBSIDIONALIS:
Plinius berichtet von der
corona obsidionalis
, dass sie ,,[...]
nie anders als nach einem völlig
hoffnungslosen Falle Jemandem zu Theil
[wurde]
, und nur wenn ein ganzes gerettetes Heer sie
Einem zuerkannte
.
Alle andern
[Auszeichnungen]
gaben die Feldherren, diese allein gaben die
Soldaten ihrem Anführer
[...]
.
"58 Die Verleihung der
corona obsidionalis
erfolgte also nicht wie es
in den hierarchischen Strukturen des Militärs anzunehmen wäre ,von oben′, sondern in umgekehrter
Weise. Eine Erklärung hierfür ist, dass die
corona obsidionalis
an denjenigen verliehen wurde, der
sich für das Aufheben einer Belagerung einer Stadt, eines Dorfes oder eines Lagers durch feindliche
Truppen verantwortlich zeichnete. Schwerlich konnte ein einzelner Soldat die kampflose oder
gewaltsame Aufhebung einer Belagerung erreichen. Die für hierfür notwendigen
Verantwortlichkeiten bündelten sich letztendlich im Aufgabenbereich eines ranghohen Offiziers,
konsequenter Weise meist dem des Feldherrn, durch dessen taktisches Kalkül und Weitsicht eine
Belagerung beendet werden konnte. Nur in einem Fall ist die Verleihung der
corona obsidionalis
an
einen Mannschaftsgrad, einen Centurio, bekannt.59
Die Verleihung erfolgte, wie Plinius weiter berichtet, durch die geretteten Bewohnern oder
Soldaten. Möglicherweise handelte es sich anfangs bei der aus Gras oder sonstigen Pflanzen
geflochtenen, und auch als
corona graminea
bekannten Ehrung, um eine Art spontane
Dankesbezeugung der Geretteten, aus der sich später dann eine militärische Auszeichnung
55 Tacitus: Historien. I, 57, 14.
56 Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of The Roman Army. 11981 London.S. 53.
57 Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of The Roman Army. 11981 London.S. 61f.
58 Plinius: Historiae Naturalis. XXII,4.
59 Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of The Roman Army. 11981 London.S. 68.
14
entwickelte.60 ,[...]
Man flocht sie aus grünem Kraute, welches da gepflückt war, wo Jemand die
Belagerte gerettet hatte.
[...]′61 Auf Grund dessen besaß sie keinen materiellen Wert. Ihr
symbolischer Wert war jedoch, vor dem Hintergrund der für die Verleihung notwendigen
Leistungen, umso größer. Es dürfte schwierig gewesen sein sich um die
corona obsidionalis
verdient zu machen, da die Vorraussetzungen einer Belagerung erst einmal gegeben sein mussten.
Plinius listet eine handvoll Personen auf, die mit dieser Auszeichnung versehen wurden. Als der
Erste gilt der der römischen Vorzeit entstammenden und u.a. von Plinius mystifizierten Kriegsheros
Lucius Siccus Dentatus. Plinius zufolge nahm Dentatus im Laufe seines Wirkens im 6. oder 5. Jhr.
v. Chr. angeblich an 120 Schlachten Teil und errang dabei diverse Auszeichnungen. Die
corona
obsidionalis
allerdings nur ein einziges Mal. Ebenso erhielt der Tribun P. Decius Mus die
coronae
obsidionalis
während seiner Teilnahme an den Kämpfen des ersten Samnitischen Krieges.62 Die
letzte bekannte Verleihung erfolgte, während des Marischen Krieges im 1. Jhr. v. Chr., an Sulla
(*138 v. Chr. 78 v. Chr.). Zwar ist aus dem Jahre 363 n. Chr. eine weitere Verleihung der
corona obsidionalis
bekannt, allerdings nicht für Leistungen im Rahmen der von Plinius
beschrieben Bedingungen.
Das Aussehen der
corona obsidionalis
lässt sich nur aus den literarischen Quellen erschließen. Eine
verlässliche Rekonstruktion ist auf Grund dessen nicht möglich. 63
III.c. CORONA CIVICA:
Nach der
corona obsidionalis
war die
corona civica
(s. Abb. 4 und 5) die höchste militärische
Auszeichnung: Sie besaß ebenfalls rein symbolischen Charakter. 64 Die Bedingungen die erfüllt
werden mussten um sie zu erhalten werden in den ,
Noctes Atticae
′ des Aulus Gellius (2. Jhr. n.
Chr.) erörtert:
"
The crown is called ,civic′ which one citizen gives to another who has saved his life in battle, in
recognition of the preservation of his life in battle and safety.
′65 und weiter:′[...]
that it was custom
to award the civic crown only when the man who had saved the life of a fellow citizen had at the
same time slain the nemy who threatened him, and has not given ground in that battle; under other
conditions
[...]
the honour of the civic crown was not granted.
"66
60 Aulus Gellius: Noctes Atticae. V,6. 8 10.
61 Plinius: Historiae Naturalis. XXII,4.
62 Plinius: Historiae Naturalis. XXII,4.
63 Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of The Roman Army. 11981 London.S. 68f.
64 Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of The Roman Army. 11981 London.S. 70.
65 Aulus Gellius: Noctes Atticae. V,6.12 13.
66 Aulus Gellius: Noctes Atticae. V,6.13.
15
In der Regel dürfte der Verleihung dieser Auszeichnung die von Aulus Gellius geschilderten
Erfordernisse erfüllt worden sein. Doch einschränkend führt er im Folgenden den Fall eines
Soldaten an, der zwar durch Erschlagen zweier Feinde das Leben eines römischen Bürgers in der
Schlacht, rettete, seine Position wegen des immensen feindlichen Ansturms allerdings nicht halten
konnte. Die Notwendigen Vorraussetzungen waren also nicht in Gänze erfüllt. Kaiser Tiberius (14 -
37 n. Chr.) gestand dem Soldaten die Auszeichnung per Dekret dann doch, auf Grund der von ihm
bewiesenen Tapferkeit, zu.67
Die
corona civica
konnte an alle Ränge vergeben werden und war zudem mit großem Prestige
verbunden. Der Betreffende hatte durch die Verleihung das Recht bei offiziellen Anlässen, wie
Spielen oder Theaterbesuchen bei den Senatoren zu Platz zu nehmen, die sich darüber hinaus bei
seinem Eintreten zu erheben hatten. Ebenso gewährte die
corona civica
den männlichen
Verwandten des Ausgezeichneten das Privileg von allen Bürgerpflichten befreit zu sein. Unklar ist
aber nach wie vor, ob die
corona civica
ausschließlich römischen Bürgern vorbehalten war oder ob
jeder, der das Leben eines oder mehrerer römischer Bürger unter den gegebenen Vorraussetzungen
rettete, berechtigt war diese Auszeichnung zu erhalten. 68
Erstmals erwähnt wird die
corona civica
anscheinend in einer Komödie des Caecilius Statius (168
v. Chr.) von der ein Fragment bei Aulus Gellius erhalten ist.69 Caecilius Statius bezeichnet sie als
corona iligna
, also als eine aus Eichenblättern gefertigte Krone. Plutarch geht auf die vegitabile
Gestaltung ein und gibt drei mögliche Erklärungen für ihr Aussehen:
,,
Is it because it is easy to find an abundance of oak leaves everywhere on a campain? Or is it
because the chaplet is sacred to Jupiter and Juno, whom they regard as guardians of the city? Or is
the custom of ancient inheritance from the Arcadians, who have a certain kinship with the oak? For
they are thought to have been the first men sprung from the earth, even as the oak was the first
plant.
"70
Die möglicherweise letztmalige Erwähnung der
corona civica
findet
sich
in einer Inschrift, die
in
severische Zeit datiert.71 Aus der Inschrift geht die Verleihung der
corona aurea civica
an den
Centurio C. Didius Saturnius hervor. Allerdings kann hierbei nicht mit Sicherheit gesagt werden, ob
es sich bei der an C. Didius Saturnius verliehenen Auszeichnung tatsächlich um die in diesem Falle
67 Aulus Gellius: Noctes Atticae. V,6.14.
68 Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of The Roman Army. 11981 London.S. 70f.
69 Aulus Gellius: Noctes Atticae. V,6.12.
70 Plutarch: Questiones Romani. 92.
71 Cagnat, René : (Hrsg.): L′Annee Epigraphique Revue des Publications Épigraphique. Paris 21968: Bd. 2, Jhrg.
1894 1900; 1900, 95.
16
nur anders benannte
corona civica
handelt, oder ob es sich um eine eventuelle Neuschöpfung bzw.
Kombination zweier verschiedener
coronae
handelt.72
III.d. CORONA MURALIS und CORONA VALLARIS
Erstmalige, wenn auch nur indirekte, Erwähnung findet die
corona muralis
(s. Abb. 6) bei
Polybios.73 Seinen Angaben zufolge wurde die
corona muralis
bei Belagerungen an den ersten
Soldaten auf den Mauern einer feindlichen Stadt vergeben.74
Aulus Gellius präzisiert die Ausführungen des Polybios und gibt an, dass die
corona muralis
an
denjenigen vergeben wurde, der es schaffte die Mauern erklimmen und mit Gewalt in die Stadt
eindringen konnte. Die Verleihung erfolgte, so Aulus Gellius weiter, durch den Kommandanten der
Einheit dem der Betreffende angehörte.75 Bis in die späte Republik wurde diese Auszeichnung
unabhängig vom Rang vergeben. Dies änderte sich während der Kaiserzeit, in der keine Verleihung
der
corona muralis
an Ränge unter einem Centurio bekannt ist. Daraus lässt sich erschließen, dass
die
corona muralis
von da an offensichtlich ihre ursprüngliche Bedeutung als Würdigung der
Erstürmung einer Stadtmauer, welche meistens durch Mannschaftsdienstgrade erfolgt sein dürfte,
verloren hatte. Aulus Gellius beschreibt das Aussehen der aus Gold gefertigten
corona muralis
als
einem Mauerabschnitt in Kleinformat ähnlich.76 Eine solche, der Beschreibung des Aulus Gellius
entsprechende, Darstellung findet sich auf dem Grabstein des Sextus Vibius Gallus (s. Abb. 7).
Vor einem ähnlichen Hintergrund wie die
corona muralis,
wurde die
corona vallaris
(s. Abb. 8)
vergeben. Im Unterschied zur
corona muralis
würdigte sie jedoch die Erstürmung eines feindlichen
Lagers und wurde an den Soldaten vergeben, der zuerst die Befestigungsanlagen des Lagers (lat.:
vallum
) überwand. Eine alternative Bezeichnung, unter der sie ebenfalls beakannt war, war wohl
corona castrensis
(von lat.
castra
,das Militärlager′).77 Nicht nur in den zu erfüllenden
Anforderungen, sondern auch in der Formengebung, ähnelten sich
corona muralis
und
vallaris
. Die
corona muralis
besaß eine runde Form, die
corona vallaris
(s. Abb. 9) hingegen eine rechteckige.
Bedingt durch die augenscheinlichen Verwandtschaft der
coronae
in Bezug auf Gestaltung und
Anforderungen, ist anzunehmen, dass eine der beiden
coronae
möglicherweise aus der jeweils
Anderen hervorgegangen und somit eine spätere Innovation sein könnte.78
72 Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of The Roman Army. 11981 London.S. 72.
73 Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of The Roman Army. 11981 London.S. 76.
74 Polybios: Historiae. VI,39,5.
75 Aulus Gellius: Noctes Atticae. V,6,16
76 Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of The Roman Army. 11981 London.S. 77.
77 Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of The Roman Army. 11981 London.S. 79.
78 Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of The Roman Army. 11981 London.S. 80f.
17
Betreffend der erstmaligen Vergabe der
corona vallaris
ist aber, wegen der unzureichenden
Quellenlage, keine sichere Angabe zu machen. Unter den Auszeichnungen die der ebenso
hochdekorierte wie legendäre römische Krieger Lucius Siccus Dentatus laut Dionysius von
Halikarnassos und Plinius, erringen konnte findet sich keine
corona vallaris
.79
Daher ist anzunehmen, da Dentatus mit fast dem gesamten Repertoire der damals bekannten
militärischen Auszeichnungen versehenen war, dass die
corona vallaris
erst in späterer Zeit Einzug
in den Reigen der militärischen Auszeichnungen fand. Des Weiteren ist aus der gesamten römisch -
republikanischen Epoche kein einziger Empfänger mit Namen bekannt. Allerdings gibt es, Valerie
Maxwell zufolge Hinweise darauf, dass die
corona vallaris
doch bereits in römisch -
republikanischer Zeit vergeben wurde.
Ebenso wie viele andere Auszeichnungen verlor auch die
corona vallaris
während der Kaiserzeit
ihre eigentliche Spezifizierung als Auszeichnung und wurde häufig aus ganz unterschiedlichen
Gründen vergeben.80
III.e. TORQUES
Die Verwendung von
torques
(s.Abb.10) ist aus dem persischen, skythischen und vor allem aus
dem keltischen Kulturraum bekannt. Die dort ansässigen und von den Römern als barbarisch
angesehenen Völkerschaften trugen
torques
als Schmuck oder Standessymbol um den Hals.
Wie die
torques
Einzug in den Reigen der römischen Militärauszeichnungen fanden ist nicht sicher.
Eine mögliche Erklärung ist jedoch, dass römische Soldaten, die im Zuge der Expansion Roms
vermehrt mit diesen Völkerschaften in Kontakt kamen, dem niedergestreckten Gegner Schmuck
und Ausrüstungsgegenstände als Beutegut abnahmen. Die so erbeuteten Stücke könnten anfangs als
inoffizielle Siegessymbole und Auszeichnungen verwendet worden sein, die dann in den Reigen der
offiziellen Auszeichnungen aufgenommen wurden. Während des Prinzipats wurden die
torques
als
eine geringwertige Auszeichnung eingestuft, davon zeugt die hohe Anzahl der Verleihungen.
Die für den Erhalt der
torques
zu erbringenden Leistungen waren nicht spezifiziert. Vielfach
wurden die
torques
auch in Kombination mit anderen Auszeichnungen verliehen (s. Abb.11).
Ebenso konnten
torques
auch an ganze Einheiten verliehen werden, welche die Auszeichnung dann
in ihr Feldzeichen aufnahmen. Durch die nicht unerhebliche Zahl der Darstellungen von
torques
auf
Bild- oder Grabsteinen ist über die Tragweise dieser Auszeichnung bekannt, dass die damit
ausgezeichneten Soldaten die
torques
nicht in der ,barbarischen′ Weise um den Hals trugen,
sondern sie auf ihren Panzern auf Höhe der Schlüsselbeine befestigten (s. Abb.3). Des Weiteren ist,
79 Dionysius Halikarnasensis: Antiquitates Romanae: XX,36,4 37,3.
und
Plinius: Historiae Naturalis. XXII,4
80 Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of The Roman Army. 11981 London.S. 79f.
18
im Gegensatz zu den verschiedenen
coronae
, keine einheitliche, standardisierte Ausgestaltung der
torques
festzustellen. Ebenso wenig standardisiert war das zur Herstellung der
torques
verwendete
Material, bei dem es sich wahlweise um Bronze, Silber und Gold handeln konnte. 81
III.f. PHALERAE
Eine durchaus ähnliche Genese ist bei der Verwendung der
phalerae
(s. Abb.12) als militärische
Auszeichnung festzustellen. Ursprünglich wurden sie, bevor sie Aufnahme in den Fundus römischer
Ehrenzeichen fanden, als Abdeckungen der Riemenverteiler beim Pferdegeschirr verwendet.
Ebenso wie bei den
torques
waren die für den Erhalt der
phalerae
notwendigen Bedingungen nicht
klar umrissen und sie konnten somit aus ganz unterschiedlichen Gründen vergeben werden. In der
Kaiserzeit wurden sie häufig in Kombination mit anderen Auszeichnungen vergeben, wobei es sich
bei den Ausgezeichneten meist um Mannschaftsränge handelte.
Die flachen, tellerartigen und einer Medaille ähnlichen
phalerae
unterschieden sich in der
Materialwahl, der Ausarbeitung und der Motivik. Häufig anzutreffende Motive auf den aus
Edelmetall oder Glas hergestellten
phalerae
sind u.a. Rosettenmuster sowie anthropomorphe oder
mythische Figuren. Sieben bis neun
phalerae
wurden von einem ledernen Gehänge
zusammengehalten, dass über dem Panzer, auf der Brust getragen wurde (s. Abb. 13).82
III.g. Zusammenfassung
Bei den hier exemplarisch angeführten Dekorationen handelt es sich keineswegs um alle bekannten
militärischen Auszeichnungen des römischen Militärs. Kurz Erwähnung fanden an dieser Stelle
bereits die
donativa
, auf die hier näher einzugehen, den vorgegebenen Rahmen gesprengt hätte.
Selbiges gilt für die hier nicht erörterten
dona militaria
, zu denen u.a. die
corona navalis/rostrata
und
aurea
sowie
hasta pura
,
corniculum
,
clipeus
,
patella
und
armillae
zählen.
Die hier erwähnten sechs
dona militaria
geben, mit Hilfe verschiedener Quellengattungen, jedoch
einen guten Eindruck von der Vielfältigkeit der Auszeichnungen um derer sich Militärangehörige
verdient machen konnten. Bisweilen waren die für den Erhalt einer Auszeichnung notwendigen
Bedingungen, wie im Falle der
corona civica
, exakt umrissen. In anderen Fällen, so bei den
torques
und
phalerae
, ist bekannt, dass keine festgelegten Bedingungen zum Erhalt der Auszeichnungen
existierten und sie aus ganz verschiedenen Gründen vergeben werden konnten. Wurden während
der republikanischen Zeit Auszeichnungen unabhängig vom Rang vergeben und damit mit dem
somit in erster Linie der Verdienst des Betreffenden geehrt, ist mit Beginn der Kaiserzeit eine
81 Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of The Roman Army. 11981 London.S. 86f.
82 Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of The Roman Army. 11981 London.S. 92f.
19
Tendenz zu verzeichnen, die bestimmte Auszeichnungen, wie die
torques
, nur einem bestimmten
Klientel zugestand. Zudem ist zu vermerken, dass seit der ersten Hälfte des 2. Jhr. n. Chr.
Auszeichnungen viel freizügiger miteinander kombiniert wurden, als in der Zeit davor.83
83 Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of The Roman Army. 11981 London.S. 55.
20
IV. Abbildungsteil:
1a
1b
A
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en 1 a
c:
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Br onze gef ertigten Tafeln wurden
be i der E
ntlassung an aus dem
Dienst
scheidende
Soldaten
üb ergeben. Auf de n
diploma
war
di e mit de m Ende der regulären
Di enstzeit
verbundene
Verleihung
des
römischen
B ürgerrech ts und / oder des
co
numbiu
ms
nachha ltig vermerkt.
A
US:
Ca
mpbell, Br
ian: The Roman
Ar
my 31 v. C
hr. - 337 n. Chr.
11994 NewYork. Abb.13, 14 und
15.
1c
21
Abbildung 2:
Haltwhistle
Der
Kartenausschnitt
zeigt die geographische
Verteilung der Kastelle
Haltwhistle, Llandrindod
Llandrindod
und Alpen Veen. Alle
Alpen - Veen
drei Kastelle wurden von
Rekruten zu Ausbildungs-
zwecken errichtet.
Abbildung 3:
Grabsteine römischer Soldaten geben oftmals
Aufschluss über das Aussehen römischer
Militärauszeichnungen (lat.
dona militaria
).
Häufig werden die bestatteten Soldaten mit einer
Auswahl der von ihnen errungenen Ehrungen
dargestellt.
Die Abbildung zeigt das bei Xanten gefundene
Kenotaph des Marcus Caelius. Caelius war
Centurio der XVIII Legion und fiel 9 n. Chr. im
bello variano
.
AUS:
Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of
The Roman Army. 11981 London. Taf.2a.
22
Abbildung 4:
Stilisierte Darstellung der
corona civica.
Das
mögliche Aussehen der auch als
corona iligna
bezeichneten Auszeichnung lässt sich durch
verschiedene antike Schriftquellen, wie Aulus
Gellius oder Plutarch, annähernd rekonstruieren.
AUS:
Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of
The Roman Army. 11981 London. Abb.6.
Abbildung 5:
Römischer Paradehelm der in einem thrakischen
Fürstengrab gefunden wurde. Der aus Bronze
gefertigte Helm war versilbert und wird von einer
corona civica
gekrönt.
AUS:
Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of
Abbildung 6:
Stilisierte Darstellung der
corona muralis
.
AUS:
Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of
The Roman Army. 11981 London. Abb.6.
23
Abbildung 7:
Darstellungen der
corona muralis
und einer
weiteren Auszeichnung (lat.
vexillum
) auf der
rechten Seite des Grabsteins des Sextus Vibius
Gallus.
Eine eindeutige Bestimmung der drei
coronae
auf
diesem, aus Amastris in Bithynien stammenden,
Grabstein, konnte an Hand der Beschreibungen
des Aulus Gellius und den zusätzlich auf dem
Stein angebrachten zweisprachigen Inschriften
erfolgen.
AUS:
Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of
Abbildung 8:
Stilisierte Darstellung der
corona vallaris
.
AUS:
Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of
The Roman Army. 11981 London. Abb.6.
24
Abbildung 9:
Darstellungen der
corona vallaris
im unteren
Drittel der linken Seite des Grabsteins von Sextus
Vibius Gallus.
Im Gegensatz zur verwandten
corona muralis
besaß die
corona vallaris
eine rechteckige Form.
AUS:
Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of
The Roman Army. 11981 London. Taf.3a.
Abbildung 10:
Stilisierte Darstellung dreier
torques
.
AUS:
Maxfield, Valerie A.:
The
Military
Decorations
Of
The
Roman
Army.
11981
London. Abb.9.
25
Abbildung 11:
Der Grabstein des Tiberius Claudius Maximus.
Maximus soll für die Gefangennahme des
Dakerkönigs Decebalus verantwortlich gewesen
sein.
Im oberen Bildfeld des Grabsteins ist ein
römischer Reiter zu sehen der einen am Boden
liegenden Daker niederreitet. Möglicherweise
handelt es sich hierbei um eine Darstellung des
Maximus und Decebalus.
Im darunter liegenden Bildfeld finden sich die von
Tiberius Claudius Maximus errungenen
Auszeichnungen: zwei
torques
und ein Paar
Armreifen (lat.
amrillae
). Es ist nicht mit
Sicherheit festzustellen, ob es sich bei den
abgebildeten Auszeichnungen um alle von
Tiberius
Claudius
Maximus
errungenen
Dekorierungen handelt, oder ob sie als
pars pro
toto
stehen.
AUS:
Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of
The Roman Army. 11981 London. Taf.8a.
26
Abbildung 12:
Verschiedene
phalerae
.
AUS:
Maxfield,
Valerie
A.:
The
Military
Decorations Of The Roman Army. 11981
London. Taf.15.
Abbildung 13:
Das lederne Gehänge, welches die
phalerae
zusammenhielt wurde über dem Panzer getragen.
AUS:
Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of
The Roman Army. 11981 London. Abb.11..
27
V.
Bibliographie:
· Aulus Gellius: Noctes Atticae. in: Rolfe, John C.: The Attic Nights of Aulus Gellius. Bd. I
III. 41960/1961 Cambridge.
· Campbell, J.B.: The Emperor and the Roman Army. 11989 Oxford.
· Cagnat, René : (Hrsg.): L′Annee Epigraphique Revue des Publications Épigraphique.
Paris 21968: Bd. 2, Jhrg. 1894 1900; 1900, 95.
· Cassius Dio: Historiae. in: Cary, Earnest: Roman History. Bd.6, 41982 Cambridge.
· Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 11989 Edinburgh.
· Dionysius Halikarnassensis: Antiqitates Romanae. XX,36,4 37,3. in: Gabba, Emilio:
Dionysius And The History Of Archaic Rome. 11991 Berkley.
· Johnson, Anne: Römische Kastelle des 1. und 2. Jahrhunderts n. Chr. in Britannien und den
germanischen Provinzen des Römerreiches. 11987 Mainz.
· Junckelmann, Marcus: Die Legionen des Augustus. 11989 Mainz.
· Kinne, Andreas: Tabellen und Tafeln zur Grabungstechnik - Ein Hilfsmittel für die
archäologische Geländearbeit. 42006 Dresden.
· Le Bohec, Y.: Die römische Armee. 11989 Paris.
· Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of The Roman Army. 11981 London.
· Merlin, Alfred (Hrsg.): L′Annee Epigraphique Revue des Publications Épigraphique. Paris
21968: Bd. 13, Jhrg. 1951 1955; 1951, 210.
28
· Merlin, Alfred (Hrsg.); L′Annee Epigraphique Revue des Publications Épigraphique. Paris
21968. Bd. 14, 1956 1960 Bd. 14, Jhrg. 1956 1960; 1957, 133.
· Plinius: Epistulae. in: Heinemann, William (Hrsg.): Pliny: Letters.Bd.II, 81963 Cambridge.
· Plinius: Historiae Naturalis. in: Leberecht Strack, Max Ernst Dentrich (Hrsg.): Caius Plinius
Secundus: Naturgeschichte. 1968 Darmstadt.
· Plutarch: The Roman Questions.in: Babbit, Frank Cole: Plutarch′s Moralia. Bd.V., 31962
Cambridge.
· Polybios: Historiae.in: Paton, William R.: The Histories. 1979 Cambridge.
· Tacitus: Historien. in: Borst, Joseph: Tacitus: Historien.11959 München.
· Titus Livius: Ab urbe condita. in: Hillen, Hans Jürgen (Hrsg.): Titus Livius: Römische
Geschichte. 1987 Darmstadt.
· Vegetius: De Re Militari. in: Lipowsky, Felix Joseph: Des Flavius Vegetius Renatus fünf
Bücher über Kriegswissenschaft und Kriegskunst der Römer. 11827 Sulzbach.
29
Philipps Universität Marburg
09.11.2007
b. Die Musterung:
Archäologisches Seminar
WS 2007 / 2008
·
Laut Vegetius verschiedene Faktoren bei der Musterung
Veranstaltung: ,Die Legionen Roms′
(lat.:
probatio
) ausschlaggebend:
Referent: Jens Wegmann
Physische Faktoren:
Die römische Armee der Kaiserzeit - Rekrutierung,
Größe
Dienstzeit und Auszeichnungen der Legionäre
Statur / Gesundheitliche Verfassung
Alter
I. System und Methodik der Rekrutierung in der kaiserzeitlichen
Psychische Faktoren:
Armee:
Charakter
Moralische Einstellung
a. Einführung:
Weitere Faktoren:
·
Vermehrte Expansion Roms erforderte Veränderung der Armeestruktur
Römisches Bürgerrecht
·
Militärische Präsenz im römischen Einflussbereich konnte schwerlich mit
Freie Geburt
einem aus Kleinbauern bestehenden Bürgerheer gewährleistet werden
Ehrenhafter Beruf
Keine Vorstrafen
·
Konsequenz war die Umstrukturierung zu einer Berufsarmee
Sprachkenntnisse
·
Geschah im wesentlichen durch die Heeresreformen des Marius zw. dem
·
Wurden alle Anforderungen erfüllt, wurde der Freiwillige als
probatus
1. und 2. Jhr. v. Chr.
tauglich eingestuft
·
Anforderungen die an die Rekruten gestellt wurden waren, um der
Von nun an Rekrut (lat.:
tiro
)
Schlagkraft Willen, sehr hoch
Zwischenstatus: Weder Zivilist noch Soldat!
Auszahlung des einmaligen ,Begrüßungsgeldes` (lat.:
viaticum
) an
·
Überwachung der Rekrutierung von Freiwilligen erfolgte in
den Rekruten
Friedenszeiten durch den Provinzstatthalter
·
Zuteilung des Rekruten zu einer Einheit, bei der er unter Beobachtung
·
In Krisenzeiten zusätzliche Aushebungen (lat.:
dilecti
) durch Beamte
eine viermonatige Grundausbildung erhielt
·
Potentielle Interessen konnten sich bei Rekrutierungsstellen auf ihre
c. Vom Rekruten zum Soldaten:
Tauglichkeit prüfen lassen
·
Nach erfolgreich absolvierter Grundausbildung erhielt der Rekrut eine
·
Rekruten mussten sich komplexem, zweistufigem System der Auswahl
Art Identifikationsmarke (lat.
signaculum
)
unterwerfen
·
Erhielt mit dem Erhalt des
signaculum
einen neuen Status;
signatus
30
Archäologische Quellen (Inschriften, Bildsteine,
·
Nach Treueschwur voll ausgebildet und nun Soldat (lat.
miles
)
Skulpturen, selten Auszeichnen selbst erhalten)
·
Erhielt von nun an Sold
Problem:
Sowohl Schrift- wie auch Archäologische Quellen geben in den
meisten Fällen ausschließlich Auskunft über die Gestaltung aber
nicht über das System der Vergabe der Auszeichnungen.
·
Abhängig von den individuellen Fähigkeiten und Bildung bestand die
Möglichkeit Karriere zu machen
·
Auszeichnungen entstanden aus der Notwendigkeit ein Gleichgewicht
d. Die Dienstzeit:
zwischen Disziplin und Belohnung herzustellen
·
Reguläre Dienstzeit
(lat.:
,sub aquila`
unter dem Adler) eines
Legionärs betrug um 6 n. Chr. (in der Theorie) 20 Jahre
b. Auszeichnungen der Römischen Armee an Hand einiger Beispiele:
·
Anschließend
5 weitere Jahre
,sub vexillo`
in einem Veteranenverband
CORONA OBSIDIONALIS:
In der Theorie vom Regeldienst befreit und nur für die
eigentlichen Kampfhandlungen herangezogen
·
Sog. ,Belagerungskrone`
·
Nach dem Dienst
,sub vexillo`
Heranziehung als
,evocatus`
·
Verliehen an Militärs die die Belagerung einer Stadt oder eines Dorfes
(Herbeigerufener) möglich
durch Feinde beendeten
Ging einher mit Privilegien wie höherem Sold und
Beförderung
·
corona obsidionalis
war aus Gras gefertigt und besaß demnach keinen
materiellen Wert
·
Dienst in der Praetorianer Garde deutlich kürzer (16 Jahre); nebenbei
noch andere Vorzüge:
·
Symbolischer Wert hingegen immens
höheres Gehalt
Nähe zur Stadt
·
Konnte nur schwer errungen werden, da Umstände erst gegeben sein
mussten
·
Dienstzeit der
Angehörigen der
Hilfstruppen
(lat.: ,
auxiliae`
) in
claudischer Zeit: 25 Jahre
·
Keine bildlichen Darstellungen der corona obsidionalis bekannt; nur
schriftliche Überlieferung (u.a. Plinius d. Ä.)
·
Danach in der Regel Erhalt des römischen Bürgerrechts und des
,
conubium`
, dem Recht eine nichtrömische Frau zu heiraten
CORONA CIVICA
(s. Abb.1)
:
Vergeben als metallene Urkunde (lat.:
,diploma`
)
·
Nach der
corona obsidionalis
die höchste Auszeichnung
II. Dona Militaria:
·
Ebenfalls rein symbolischer Charakter
a. Einführung:
·
wurde an Soldaten verliehen die im Gefecht, dass Leben eines oder
·
Verschiedene Quellen zu den militärischen Auszeichnungen:
mehrerer römischer Bürger gerettet hatten und den Ort gegen
Schriftquellen
anstürmende Feinde verteidigt hatten
31
·
Gefertigt aus Eichenblättern
·
Nicht spezifiziert
CORONA MURALIS
(s. Abb.2)
:
·
Wurden meist in einem ledernen Gehänge mit neun
phalerae
vergeben; Gehänge wurde über dem Panzer getragen
·
Verliehen für die Erstürmung der Mauern einer feindlichen Stadt
·
phalerae
eines Gehänges konnten unterschiedlich gestaltet sein
·
Wurde allerdings nie an Ränge unter einem Centurio vergeben
·
Motive variierten:
·
Verlor demnach ihre ursprüngliche Bedeutung, da Mannschaften
Mythischen Figuren
normalerweise die Mauern stürmten
Menschen
Löwenköpfe
·
Hatte die Form einer ,runden` Mauer oder eines Mauerabschnittes
Vögelköpfe
CORONA VALLARIS
(s. Abb.3)
:
·
Aus Bronze, Silber oder auch Gold hergestellt
·
Verliehen für die Erstürmung der Befestigung eines feindlichen Lager
III.
Literaturangaben:
·
Starke Ähnlichkeit zur
corona muralis
lassen Verwandtschaft annehmen
o
Campbell, J.B.: The Emperor and the Roman Army. 11989 Oxford.
·
Wahrscheinlich erst ab dem 3 Jhr. n. Chr. vergeben
o
Davies, Roy W.: Service In The Roman Army. 11989 Edinburgh.
TORQUES
(s. Abb.4)
:
o
Hillen, Hans Jürgen (Hrsg.): Titus Livius: Römische Geschichte. 1987
Darmstadt.
·
Auch verbreitet als Schmuckgegenstände oder Standessymbole
verschiedener ,barbarischer` Völker
o
Junckelmann, Marcus: Die Legionen des Augustus. 11989 Mainz.
·
Adaption der
torques
als militärische Auszeichnung geht vermutlich auf
o
Leberecht Strack, Max Ernst Dentrich (Hrsg.): Caius Plinius Secundus:
Beutegegenstände zurück
Naturgeschichte. 1968 Darmstadt.
o
Le Bohec, Y.: Die römische Armee. 11989 Paris.
·
Keine spezifizierten Anforderungen
o
Maxfield, Valerie A.: The Military Decorations Of The Roman Army.
·
Konnten an Einzelne wie auch an ganze Einheiten verliehen werden
11981 London.
PHALERAE
(s.Abb. 5 und 6)
:
o
Vegetius: De Re Militari. in: Lipowsky, Felix Joseph: Des Flavius
Vegetius Renatus fünf Bücher über Kriegswissenschaft und Kriegskunst
·
Ebenso wie die
torques
gehen die
phalerae
auf
Gebrauchsgegenstände zurück
der Römer. 11827 Sulzbach.
Schmuck
Riemenverteiler beim Pferdegeschirr
32
IV. Abbildungen:
Abb.1:
corona civica
Abb.5 und 6:
Verschiedene phalerae und das dazugehörige Ledergehänge
Abb.2:
corona muralis
Abb.3:
corona vallris
Abb. 4:
torques
33
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