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Bachelor Thesis, 2008, 44 Pages
Author: Udo Wichmann
Subject: Politics - Political Systems - Germany
Details
Tags: Privatisierung, Deutschen, Bahn, Vergleich, Privatisierungswellen
Year: 2008
Pages: 44
Grade: 2.0
Bibliography: ~ 70 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-19986-0
ISBN (Book): 978-3-640-20567-7
File size: 1516 KB
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Abstract
Am 5. Januar 1994 wurde die Deutsche Bahn AG in das Handelsregister beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg eingetragen. Somit war der erste Schritt zur Privatisierung vollzogen. Nahezu fünfzehn Jahre später soll der Privatisierungsprozess abgeschlossen werden. Während der Reformphase waren Aussagen sowohl von Befürwortern als auch von Kritikern der Privatisierungsidee zu vernehmen.
Excerpt (computer-generated)
Bachelor
Universität Kassel
Bachelor Politikwissenschaft
Arbeit
Abgabedatum: 16.07.2008
Privatisierung der
Deutschen Bahn
Udo Wichmann
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1
2. Theoriebezug
3
2.1 Maarten A. Hajer 3
2.2 Der Diskurskoalitionsansatz der argumentativen Diskursanalyse nach
3
Hajer
2.3 Bezugnahme des Diskurskoalitionsansatzes zu den jeweiligen Privatisie-
7
rungsdebatten ,,1993/1994" und ,,2008"
3. Historischer
Ablauf
10
3.1 Definition
Privatisierung 10
3.2 Bahnstrukturreform 1994
10
3.3 Wandel von 1994 2008 14
3.4 Verschiedene
Privatisierungsmodelle der Deutschen Bahn
22
4.
Dokumentenanalyse
zweier
Bundestagsdebatten von 1994
25
und 2007 Unterschiede der Koalitionen
4.1 Bundestagsdebatte vom 02. Dezember 1993
26
4.2 Bundestagsdebatte vom 21. September 2007
30
5.
Auswertung hat es einen Wandel der Koalitionen
34
gegeben?
5.1 Wandel
der
Koalitionen?
34
6. Literatur-
und
Quellenverzeichnis
37
Privatisierung der Deutschen Bahn Udo Wichmann
1. Einleitung
Am 5. Januar 1994 wurde die Deutsche Bahn AG in das Handelsregister beim
Amtsgericht Berlin-Charlottenburg eingetragen. Somit war der erste Schritt zur
Privatisierung vollzogen. Nahezu fünfzehn Jahre später soll der Privatisierungs-
prozess abgeschlossen werden. Während der Reformphase waren Aussagen so-
wohl von Befürwortern als auch von Kritikern der Privatisierungsidee zu verneh-
men.
Einerseits lobte Bundesverkehrsminister Tiefensee (SPD) die Reformbemühun-
gen am 29. April 2008 im Deutschlandfunk: ,,
Das Geld, was der Bahn zufließt,
soll den Kunden auf den deutschen Strecken zu Gute kommen"
1. Ronald Pofalla,
Generalsekretär der CDU, sprach zudem von
,,einer guten Grundlage"
2 und äu-
ßerte sich ebenso positiv über die Einigung. Andererseits betonte der verkehrs-
politische Sprecher der FDP, Horst Friedrich, dass dem Steuerzahler ein
,,unkal-
kulierbares finanzielles Risiko"
entstünde3. Weitere Kritiker wie Oskar Lafontaine
von der Linksfraktion oder beispielsweise Alois Rhiel, Hessens Verkehrsminister,
sprachen von einer
,,Enteignung des Volkes"
4 oder
,,untauglichen und wenig ver-
braucherfreundlichen Vorlage"
5.
Anhand dieser Aussagen lässt sich feststellen, dass sich Politik und Wirtschaft
innerhalb der Bundesrepublik Deutschland uneinig sind über das Thema Bahn-
privatisierung. Sogar innerhalb der Parteien sind Streitigkeiten entstanden und
Meinungsunterscheide vorhanden. Wieso polarisiert das Thema Bahnprivatisie-
rung derart stark und wer entschließt sich weshalb zu welcher Haltung? Gleich-
wohl formierten sich um die Idee der Bahnprivatisierung eine Gruppe von Befür-
worter und eine Gruppe von Kritikern, die sich fortan entgegenstanden und sich
verbal ,,duellierten". Es entstanden sogenannte Diskurskoalitionen, die sich laut
Maarten A. Hajer, gegenseitig zu überzeugen versuchten bzw. deren Meinung zu
oktroyieren.
1 Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (2008): Interview mit Wolfgang Tie-
fensee.
2 Süddeutsche Zeitung (2008): Union begrüßt SPD-Modell zur Bahnreform.
3 Hamburger Abendblatt (2008): Massive Kritik an Bahnprivatisierung.
4 Ebd.
5 Tagesschau.de (2007): Kabinett winkt Bahnprivatisierung durch.
1 | S e i t e
Privatisierung der Deutschen Bahn Udo Wichmann
Diese Arbeit untersucht auf der Grundlage Hajers Diskurskoalitionstheorie, ob
sich die jeweiligen Diskurskoalitionen während des Privatisierungsprozesses im
Vergleich von 1993/1994 zu 2008 gewandelt haben.
Sofern sich während der Untersuchung eine Veränderung der Diskurskoalitionen
herauskristallisiert, werde ich die Unterschiede darstellen und analysieren. Sollte
jedoch keine grundlegende Veränderung eingetreten sein, werde ich eine Analy-
se der gegebenen Fakten durchführen, welche die Beibehaltung der Meinungen
der jeweiligen Diskurskoalitionen beleuchtet. Des Weiteren untersuche ich, ob
2008 ein kritischeres Umfeld hinsichtlich der Privatisierungsdebatte im Vergleich
zu 1993/1994 herrscht.
Zunächst wird der theoretischen Bezug zu Hajer dargestellt, um die Theorie auf
die jeweiligen Privatisierungsphasen anwenden zu können. Anschließend werden
die historischen Fakten der beiden Privatisierungsphasen und des gesamten
Privatisierungsprozesses dargelegt, um einen Überblick zu verschaffen. Danach
werden die unterschiedlichen Privatisierungsmodelle vorgestellt, die gegenwärtig
diskutiert werden. Im weiteren Verlauf werden Dokumentenanalysen zweier
Bundestagsdebatten von 1993 und 2007 vorgenommen, um die Standpunkte
der jeweiligen Diskurskoalitionen zu analysieren. Die Auswertung wird darstellen,
ob sich ein Wandel vollzogen hat.
2 | S e i t e
Privatisierung der Deutschen Bahn Udo Wichmann
2. Theoriebezug
2.1 Maarten A. Hajer
Maarten A. Hajer ist Professor der Politikwissenschaft seit
1998. Er ist Mitglied der Amsterdamer ,,School for Social
Science Research" (ASSR) und der ,,Amsterdam Institut of
Metropolitan and International Development Studies"
(AMIDSt). Vorher arbeitete Hajer in Den Haag (1996-1998)
und München (1993-1996) als wissenschaftlicher Mitar-
beiter. Er promovierte 1993 an der Universität von Oxford.
Des Weiteren veröffentlichte und verfasste er wichtige Bü-
Maarten A. Hajer
cher und Artikel, wie z.B. ,,Deliberative Policy Analysis"
(1993)6.
2.2 Der Diskurskoalitionsansatz der argumentativen Dis-
kursanalyse nach Hajer
Die
argumentative Diskusanalyse
nach Hajer untersucht politische Prozesse.
Anhand Maarten A. Hajers Beispiels der Debatte um den
,,Sauren Regen"
wird
deutlich, dass der
Analyse argumenta-
tiver Strukturen von
Diskursen für die
Politikwissenschaf-
ten eine große Be-
deutung beigemes-
sen wird.
Ausgangslage eines
Abbildung 1: Das Dreieck der Argumentativen Diskursanalyse.
Diskurses
ist
die
Quelle: Hajer 2003, S.274.
Idee des
,,linguistic
turns"
aus der Philosophie7, in der die Sprache die Realität selbst beeinflusst
6 www.maartenhajer.nl/index.php?option=com_content&task=view&id=19&Itemid=21.
3 | S e i t e
Privatisierung der Deutschen Bahn Udo Wichmann
und nicht als Spiegel der Realität fungiert. Durch die Sprache wird die Welt nicht
nur beschrieben, sondern auch
,,geschaffen",
weil sie in der interpretativen Sozi-
alwissenschaft laut Hajer als ein Medium wahr-genommen wird. Zudem sieht
Hajer die Sprache als ein nützliches Werkzeug, die es dem Politikwissenschaftler
ermöglicht
,,eine Analyse der Strukturierung und Reproduktion von Herrschafts-
beziehungen"
anhand von gesellschaftlichen Diskursen8 durchzuführen. Dabei
wird die Analyse mit drei in Beziehung zueinander stehenden Elementen durch-
geführt: Diskurs, Praktiken und Bedeutung9.
Diskurs wird hierbei als
,,Ensemble von Ideen, Konzepten und Kategorien ver-
standen"
10, wodurch die Bedeutung gewisser Erscheinungen verstärkt wird. Je-
doch distanziert sich Hajer von der Grundannahme, dass ein Diskurs mit einer
Diskussion gleichzusetzen sei, da
,,Diskurse der sprachliche Ausdruck einer
Struktur"
seien11. Das Ziel der Diskursanalyse ist demnach die Identifizierung der
sozialen Interaktion, die durch symbolische und sprachliche Aussagen geprägt
ist. Dabei spricht Hajer die
,,argumentative Rationalität"
an, die dabei hilft, ge-
sellschaftliche Kontroversen besser und einfacher zu verstehen.
Ein zentrales Merkmal von Diskursen ist die
,,Story-Line"
, welche eine kurze,
prägnante Aussage darstellt und als Kurzform bei Diskussionen dient und erklä-
rend unterstützt12. Hajer bezeichnet sie als
,,Wunder der Kommunikation"
13. Be-
dingt durch das Konzept der ,,Story-Line" ist es den Diskussionsteilnehmern mög-
lich sich auszutauschen, auch wenn sie sich
,,nachweislich nicht gänzlich verste-
hen"
. Mit Hilfe von ,,Story-Lines" kann ein Überblick gewonnen werden, der es
einem ermöglicht, Entscheidungen zu treffen ohne jedoch Experte auf dem jewei-
ligen Gebiet zu sein. Zur Darstellung werden oft Metaphern benutzt; Hajer führt
hierbei das Beispiel des
,,Sauren Regens"
an14. ,,Story-Lines" übernehmen somit
einen wichtigen Part bei der Strukturierung von Wissen, der Positionierung von
Akteuren und der Schaffung von Diskursgemeinschaften / Koalitionen zwischen
den Akteuren eines jeweiligen Bereichs. Daher strukturieren ,,Story-Lines" die
7 Hajer 2003, S.272.
8 Hajer 2003, S.273.
9 siehe Abbildung 1: Das Dreieck der Argumentativen Diskursanalyse.
10 Hajer 2003, S.275.
11 Hajer 2003, S.276.
12 Hajer 2003, S.277.
13 Hajer 1995, S.46.
14 Hajer 2003, S.276.
4 | S e i t e
Privatisierung der Deutschen Bahn Udo Wichmann
jeweiligen Handlungsfelder und somit auch spezifische Praktiken der Akteurs-
gruppierungen.
Das Konzept der
Diskurskoalition
ist hierbei von zentraler Bedeutung, da unter-
schiedliche Akteure auf ein bestimmtes
,,Set von Story-Lines"
zurückgreifen15
und somit eine Diskurskoalition bilden. Als
,,Rahmung politischer Probleme"
be-
zeichnet Hajer hierbei die Tatsache, wie jeweilige ,,Story-Lines" verwendet wer-
den, um ambivalenten Erschei-
nungen eine gewisse Bedeutung
zuzuschreiben. Jedoch bezieht
Hajer hierbei das Konzept der
,,Der Ansatz der Diskurskoaliti-
Praktiken mit ein (siehe Abbil-
on geht davon aus, dass Politik
dung 1), welches besagt, dass
ein Prozess ist, in dem Akteure
,,kontextuell eingebettete Routi-
aus verschiedenen sozialen
nen mit einer gewissen Kohä-
Feldern Koalitionen um eine
besondere Story-Line herum
renz versehen sind"
16. Das be-
formieren. Story-Lines sind das
deutet, dass Diskurse ohne Ver-
Medium, durch welches die Ak-
bindung zu Praktiken nicht reali-
teure versuchen, anderen ihre
sierbar sind und durch sie
,,pro-
Sicht der Realität aufzuerlegen,
duziert, reproduziert und trans-
bestimmte soziale Positionen
formiert werden"
.
zu vertreten und Praktiken an-
zuregen sowie alternative so-
Hierbei erscheinen zwei Begriffe
ziale Arrangements zu kritisie-
ren."
von großer Bedeutung: Diskurs-
strukturierung (1) und Diskursin-
(Hajer 2003, S.280)
stitutionalisierung (2). Ersteres
beinhaltet die Dominanz eines
Diskurses, die einen gewissen
Bereich konzeptualisiert, während sich bei der Diskursinstitutionalisierung ein
Diskurs bereits manifestiert hat. Den Einfluss eines Diskurses misst man daher
anhand eines dualen Verfahrens. Sofern die Strukturierung und Institutionalisie-
15 Hajer 2003, S.277.
16 Hajer 2003, S.278.
5 | S e i t e
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