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Termpaper, 2008, 33 Pages
Author: B. A. Catharina Trost
Subject: Politics - Political Systems - History
Details
Institution/College: University of Rostock (Wirtschaftswissenschaftliches Institut, Politik)
Tags: Assimilation, Antisemitismus, Juden, Deutschen, Kaiserreich, Antisemitismus, Mommsen, Treitschke
Year: 2008
Pages: 33
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 48 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-20106-8
ISBN (Book): 978-3-640-20640-7
File size: 267 KB
Die Arbeit wurde in der Schriftgröße 14 verfasst.
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Abstract
Diese Arbeit soll sich im Folgenden somit mit den historischen Traditionen der antijüdischen Stereotypen, die auch schon während der Kaiserzeit agierten, beschäftigen. Es soll dabei aufgezeigt werden, wie es zum ersten Auftreten des politischen Antisemitismus während der Kaiserzeit kam. Hierzu wird es von Nöten sein, eine kurze, knappe Entwicklung der Judenfeindlichkeit bis zum 19. Jahrhundert wiederzugeben, um dann die Betrachtungsweise auf die geschichtliche und politische Entwicklung während der Kaiserzeit zu lenken. Dabei soll im Vorwege schon angemerkt sein, dass diese nicht den Anspruch auf Vollständigkeit stellt, sondern vielmehr einige Stationen beleuchtet. Anschließend wird die katholische Kirche mit ihrem Ultramontanismus näher betrachtet. Wie viel trug sie zum allgemein judenfeindlichen Bild der Zeit bei? Auch werden hierfür ausgewählte Zitate wiedergegeben, die die vorgetragenen Argumente unterstützen sollen. Natürlich dürfen die Umstände der damaligen Zeit nicht außer Acht gelassen werden. In Kapitel 3.2 wird es daher um die industrielle Revolution und deren Zusammenhang mit dem Antisemitismus gehen. Hier werden Begleitumstände, wie das Leben in Arbeitervierteln, mit in die Analyse aufgenommen. Die Etablierung des Antisemitismus in der Gesellschaft, sprich: Das Ankommen und die Reaktionen von Politikern, Journalisten und in diesem Zusammenhang sehr wichtig, die der breiten Masse, werden im darauf folgenden Kapitel näher untersucht. Ein weiterer Moment in der Kaiserzeit war der „Berliner Antisemitismusstreit“. Es soll daher einer weiteren Frage nachgegangen werden. Wie kam es dazu und welche Protagonisten spielten eine wesentliche Rolle? Hierfür ist es unablässig eine Analyse, des von Heinrich von Treitschke verfassten Artikels, „Unsere Aussichten“ , aus dem Jahr 1879 vorzunehmen. [...] Im abschließenden Fazit wird eine kurze Zusammenfassung der dargestellten Problematik vorgenommen.
Excerpt (computer-generated)
Universität Rostock
Institut für Politik- und Verwaltungswissenschaften
Proseminar: Antisemitismus
Dozent:
Sommersemester 2008
Assimilation und Antisemitismus: Juden im Deutschen Kaiserreich
von:
Catharina Trost
8. Semester Neuere Geschichte Europas/ Politikwissenschaften M.A.
3
Inhaltsangabe
1.
Einleitung
3
2.
Die
Ursprünge
des
Antisemitismus
5
3. Deutscher Antisemitismus im 19.
Jahrhundert
7
3.1 Die katholische Kirche und der Ultramontanismus
9
3.2 Industrielle Revolution und Antisemitismus
11
3.3 Die Etablierung des Antisemitismus in der Gesellschaft
13
4. Der Ursprung des Berliner Antisemitismusstreits
15
4.1 Die Argumente von Heinrich von Treitschke
16
4.2
Reaktionen
auf
den
Artikel
18
5. Fazit
20
6.
Bibliographie
22
6.1 Aufsätze
24
6.2
Internetquellen
24
4
1. Einleitung
Beginnend mit einem Zitat von Moses Mendelssohn, soll mit der
vorliegenden Arbeit eine Auseinandersetzung mit der Problematik des
Antisemitismus während der Kaiserzeit stattfinden.
Man kann einem verjährten Vorurteil alle Wurzeln durchschneiden,
ohne ihm die Nahrung gänzlich zu entziehen. Es saugt solche
allenfalls aus der Luft. Mit einem Worte, Vernunft und
Menschlichkeit erheben ihre Stimme umsonst; denn
graugewordenes Vorurteil hat kein Gehör."1
Moses Mendelssohn
Der Begriff ,,Antisemitismus" ist sehr vielseitig und hat an
Bedeutungen innerhalb der letzten Jahrhunderte hinzugewonnen. Der
Großteil der Bevölkerung verbindet diesen Begriff vorrangig mit der
Shoah2, besser bekannt als der Holocaust, der während des Nazi-
Regimes unter Hitler stattfand und als eines der größten Verbrechen der
Menschheit gilt. Was war aber vor der Zeit des Nationalsozialismus?
Gab es evtl. auch dort schon antisemitische Strömungen, auf die die
Nationalsozialisten später nur noch aufbauen mussten?
Diese Arbeit soll sich im Folgenden somit mit den historischen
Traditionen der antijüdischen Stereotypen, die auch schon während der
Kaiserzeit agierten, beschäftigen. Es soll dabei aufgezeigt werden, wie
es zum ersten Auftreten des politischen Antisemitismus während der
1 Moses Mendelssohn wurde am 06.09.1729 in Dessau geboren und verstarb am 04.01.1786 in Berlin. Moses
Mendelssohn war einer der berühmtesten Philosophen der deutschen Aufklärung, und der Begründer der
jüdischen Aufklärung. Vgl. Bourel, Dominique: Moses Mendelssohn. Begründer des modernen Judentums. Eine
Biographie. Aus dem Französischen von Horst Brühmann. Zürich 2007. S. 34.
2 Als ,,Shoah", (hebräisch für ,,Unheil", ,,große Katastrophe") bezeichnet man heute im deutschen Sprachraum
den Völkermord an mindestens 5,6 bis 6,3 Millionen Juden in der Zeit des Nationalsozialismus. Heute wird der
Begriff nur selten als Oberbegriff für alle NS-Massenmorde verwendet, sondern meist ausschließlich für den
systematischen Judenmord; manchmal schließt er auch den Genozid an den als ,,Zigeuner" Verfolgten mit ein.
Vgl.: Aly, Götz: ,,Endlösung". Völkerverschiebung und der Mord an den europäischen Juden. Frankfurt am
Main 1998. S. 34 ff. Ebenfalls in: Benz, Wolfgang [Hrsg.]: Dimension des Völkermords. Die Zahl der jüdischen
Opfer des Nationalsozialismus. München 1996. S. 265 ff.
5
Kaiserzeit kam. Hierzu wird es von Nöten sein, eine kurze, knappe
Entwicklung der Judenfeindlichkeit bis zum 19. Jahrhundert
wiederzugeben, um dann die Betrachtungsweise auf die geschichtliche
und politische Entwicklung während der Kaiserzeit zu lenken. Dabei soll
im Vorwege schon angemerkt sein, dass diese nicht den Anspruch auf
Vollständigkeit stellt, sondern vielmehr einige Stationen beleuchtet.
Anschließend wird die katholische Kirche mit ihrem Ultramontanismus
näher betrachtet. Wie viel trug sie zum allgemein judenfeindlichen Bild
der Zeit bei? Auch werden hierfür ausgewählte Zitate wiedergegeben,
die die vorgetragenen Argumente unterstützen sollen.
Natürlich dürfen die Umstände der damaligen Zeit nicht außer Acht
gelassen werden. In Kapitel 3.2 wird es daher um die industrielle
Revolution und deren Zusammenhang mit dem Antisemitismus gehen.
Hier werden Begleitumstände, wie das Leben in Arbeitervierteln, mit in
die Analyse aufgenommen. Die Etablierung des Antisemitismus in der
Gesellschaft, sprich: Das Ankommen und die Reaktionen von Politikern,
Journalisten und in diesem Zusammenhang sehr wichtig, die der breiten
Masse, werden im darauf folgenden Kapitel näher untersucht.
Ein weiterer Moment in der Kaiserzeit war der ,,Berliner
Antisemitismusstreit". Es soll daher einer weiteren Frage nachgegangen
werden. Wie kam es dazu und welche Protagonisten spielten eine
wesentliche Rolle? Hierfür ist es unablässig eine Analyse, des von
Heinrich von Treitschke verfassten Artikels, ,,Unsere Aussichten"3, aus
dem Jahr 1879 vorzunehmen. Hierbei wird es vor allen Dingen um die
Argumente von Treitschkes gehen, die er im Zusammenhang mit dem
Antisemitismusstreit vortrug und welche Reaktionen diese hervorriefen.
Abschließend wird einer seiner verbalen Kontrahenten, Theodor
Mommsen, weltbekannter Historiker des 19. Jahrhundert, als
3 Vgl. Boehlich, Walter: Der Berliner Antisemitismusstreit. Frankfurt am Main 1965. S. 12.
6
ausgewählter Protagonist des ,,Berliner Antisemitismusstreits" vorgestellt.
Bei ihm wird es darum gehen, wie er auf den Aufsatz von von Treitschke
reagierte und welche Wirkungen dieses mit sich brachte. Im
abschließenden Fazit wird eine kurze Zusammenfassung der
dargestellten Problematik vorgenommen.
Die Literaturlage zum Thema Antisemitismus während der
Kaiserzeit ist mannigfaltig. Ausgewählte Politikwissenschaftler, wie
beispielsweise Wolfgang Benz, Götz Aly und auch Walter Boehlich
werden in dieser wissenschaftlichen Arbeit zitiert werden. Mit Hilfe derer
und entsprechender Sekundärliteratur wird versucht werden zu klären,
welche Umstände zu Zeiten der Regierung Wilhelm II.4 herrschten und
warum die jüdische Bevölkerung von Beginn an als Sündenbock
dargestellt wurde.
2. Die Ursprünge des Antisemitismus
Um sich mit den Ursprüngen des Antisemitismus auseinanderzusetzen,
ist es zwingend erforderlich zuerst eine Begriffsklärung vorzunehmen,
um den Wurzeln auf den Grund zu gehen.
Das Wort ,,Antisemitismus", zusammengesetzt aus dem griechisch
anti und Semiten, bedeutet im eigentlichen Sinne Semitengegnerschaft,
obgleich griechisch ,,anti" nicht ,,gegen", sondern ,,anstatt" heißt.5 Der
Begriff des Antisemitismus entstand im 19. Jahrhundert6 und bezeichnet
den Hass oder besser die Feindschaft gegenüber der jüdischen
4 Wilhelm II. hieß mit vollständigem Namen Friedrich Wilhelm Viktor Albert von Preußen und wurde am 27.
Januar 1859 in Berlin geboren und verstarb am 04. Juni 1941 in Doorn in den Niederlanden. Er war der Sohn
Friedrich III. und entstammte der Dynastie der Hohenzollern. Von 1888 bis 1918 war Wilhelm II. Deutscher
Kaiser und König von Preußen. Vgl. Mommsen, Wolfgang J.: War der Kaiser an allem schuld? Wilhelm II. und
die preußisch-deutschen Machteliten. Berlin 2002. S. 95 ff.
5 Das Wort hat seine übliche Bedeutung als politisches Schlagwort erst allmählich erhalten, ausgehend von dem
Wort ,,Antichrist", dessen ursprünglicher Sinn ,,anstelle Christi" sich erst später in ,,Feind Christi" verwandelte.
6 Der Begriff Antisemitismus wurde 1879 von Wilhelm Marr geprägt. Vgl. Laqueur, Walter: Gesichter des
Antisemitismus. Berlin 2008. S. 23 ff.
7
Bevölkerung.7 Eine judenfeindliche Stimmung war in Europa seit dem
11./ 12. Jahrhundert unter den Begrifflichkeiten ,,Judenhass, Judo- oder
Judäophobie"8 bekannt. In der antiken Zeit gab es dagegen nur Angriffe
einzelner Schriftsteller gegen die Juden, die allerdings in Alexandria, wo
komplizierte großstädtische Lebensverhältnisse herrschten, Ton und
Färbung des modernen Antisemitismus annahmen.9
Am Anfang der traditionellen Judenfeindschaft stand der
Ablösungsprozess der frühen Christen vom Judentum, der sich im
Konkurrenzkampf um den wahren Glauben, um die Anhängerschaft und
um die Anerkennung durch Rom manifestierte. Hieraus entstand eine
neue antijüdische Tradition, die teilweise an innerjüdische Streitigkeiten,
wie sie auch schon im Neuen Testament verankert war, anknüpfen
konnte. Das Selbstverständnis der Christen als "Versus Israel"10 im
neuen Bund, führte dazu, den Juden die Zugehörigkeit zum Gottesbund
abzusprechen. Ihnen wurde vorgeworfen, Jesus als Messias verraten
und gekreuzigt zu haben.11 Damit waren sie nach christlicher
Anschauung nicht nur als Feinde des wahren Glaubens, sondern als
Widersacher Jesu und des Christentums par excellence zu betrachten.
Als Gottesmörder, so die Überzeugung in weiten Teilen der Alten Kirche,
waren sie dazu verdammt, heimatlos in der Welt umherzuirren und durch
ihre elende Existenz die Wahrheit des Christentums zu bezeugen.12
Diese theologisch-heilsgeschichtlich begründete Auffassung vom
Judentum und von der jüdischen Existenz in der Diaspora13 ging als
7 Ebenda.
8 Ebenda. S. 26.
9 Vgl. Boehlich: S. 10 ff.
10 Bezeichnet den Begriff: Wahres Israel. Vgl. Laqueur: S. 37.
11 Ebenda. S. 44.
12 Ebenda. S. 45.
13 Ursprünglich wurden mit ,,Diaspora" geschlossene Siedlungen der Juden bezeichnet, die nach dem Untergang
des Reiches Juda 586 v. Chr. zunächst im Babylonischen Exil entstanden und sich in den folgenden
Jahrhunderten von hier und von Palästina aus ausbreiteten, die jüdische Diaspora. Seit der frühen Neuzeit wird
der Begriff auch auf konfessionelle Minderheiten des Christentums bezogen. Der Begriff Diaspora =
Verstreutheit bezeichnet seit dem späten 19. Jahrhundert hauptsächlich religiöse oder ethnische Gruppen, die
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