Please wait
Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 36 Pages
Author: Martin Gronau
Subject: Pedagogy - Science, Theory, Anthropology
Details
Institution/College: Dresden Technical University (Institut für Schulpädagogik und Grundschulpädagogik)
Tags: Lothar, Klingbergs, Modifikation, Hauptseminar, Didaktische, Theorien, Didaktik, Theorie, Lothar Klingberg, Dialektik, dialektische Didaktik, Grundrelationen, Allgemeinbildung, sozialistisch, Inhalt, Lehren, Lernen, Methode, Lehr-Gang, methodischer Gang, Klafki, Heimann, DDR, Sozialismus
Year: 2005
Pages: 36
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 5 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-20109-9
File size: 968 KB
Other users also were interested in the following titles:
Abstract
Diese Hauptseminararbeit erarbeitet auf 26 Textseiten die Grundzüge der didaktischen Theorie Lothar Klingbergs. Dessen dialektisch orientierte Didaktik schafft es besonders aus der impliziten Kritik an den „großen“ westdeutschen Didaktiken heraus noch heute, neue didaktische Erkenntnismomente bereitzustellen, welche zumindest als Ergänzung zu Klafkis und Heimanns Theorien in der gegenwärtigen Lehrerausbildung einen immer größeren Stellenwert gewinnen. Die Arbeit wird abgerundet durch sieben hochauflösende Graphiken bzw. Schemata, in denen diverse Grundmerkmale der dialektischen Didaktik abermals veranschaulicht werden
Excerpt (computer-generated)
TECHNISCHE UNIVERSITÄT DRESDEN
Institut für Schulpädagogik und Grundschulpädagogik
Professur für Schulpädagogik: Allgemeine Didaktik
Wintersemester 2004/2005
Hauptseminar: Didaktische Theorien
Dozent:
Seminararbeit zum Thema:
Die didaktische Theorie Lothar Klingbergs
und deren Modifikation nach 1989
Erarbeitet von:
Martin Gronau
Studiengang: LA Gym. Geschichte/Gemeinschaftskunde
3. Semester
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
3
2. Vorklärungen
5
2.1. Der Mensch Lothar Klingberg: Leben und Werk
5
2.2. Klingbergs dialektisch-materialistische Grundposition
8
3. Klingbergs dialektisch orientierte Didaktik
10
3.1. Der sozialistische Allgemeinbildungsbegriff
10
3.2. Die Prozesstheorie des Unterrichts
11
3.2.1 Die dialektischen Grundrelationen des Unterrichtsprozesses 12
3.2.2 Die Aspektanalyse des Unterrichtsprozesses 13
3.2.3 Die Prozesskomponenten des Unterrichts 14
3.2.4 Die Unterrichtsmethoden als dialektische Einheit von Lehr- und
Lernmethoden 17
4. Die Modifikation Klingbergs Didaktik Ende der 80er Jahre
21
4.1. Das dialektische Verhältnis zwischen Schüler- und Lehrer-Erkenntnisprozessen
...22
4.2. Die verstärkte Subjektposition der Lernenden
22
4.3. Die Konstituierung von Unterrichtsinhalt
25
5. Zusammenfassung
26
6. Literaturverzeichnis
29
7. Abbildungsverzeichnis
30
8. Abbildungen
31
2
1. Einleitung
Ich möchte diese Arbeit nicht mit der einfallslos-anmutenden These beginnen, dass Lothar
Klingberg einer der bedeutendsten und einflussreichsten Didaktiker der deutschen
Nachkriegsgeschichte war. Schließlich spricht die zumeist recht spärliche Rezeption seines
Werkes in der BRD (alt), aber auch in der neueren gesamtdeutschen didaktischen Literatur
eine andere Sprache, und auch die Anwendung seiner Theorie in der Unterrichtspraxis steht
zumindest im größten Teil Deutschlands wohl meilenweit hinter der bildungstheoretischen
Didaktik Klafkis und dem sehr erfolgreichen ,,Berliner Modell" der Lerntheoretiker Heimann,
Otto und Schulz zurück. Auch gab es neben Klingberg in der ehemaligen DDR mit
Drefenstedt, Neuner und Klein noch zahlreiche andere Didaktiker, welche in beiden
deutschen Staaten ehemals ein zumindest ebenso gutes, wenn nicht sogar besseres Ansehen
besaßen.1 So scheint es auch nicht verwunderlich, dass Lothar Klingberg, der 1926 in
Oberschlesien geborene ehemalige Neulehrer und spätere SED-angehörige Professor für
Didaktik und Pädagogik in Leipzig und Potsdam, bis zum ,,Mauerfall" 1989 in der BRD (alt)
allenfalls ein ,,Geheimtipp" unter den Didaktikern der DDR war,2 dem es aufgrund
mangelnder Beachtung, Anerkennung und Rezeption verwehrt bleiben sollte, direkt in die
großen westdeutschen didaktischen Diskurse und Debatten der 60/70er Jahre einzugreifen.
Hauptursache hierfür dürfte Klingbergs DDR-typisches, heutzutage aber eher befremdlich
anmutendes dialektisch-materialistisches und realsozialistisches Vokabular gewesen sein,
welches im Zuge des ,,Kalten Krieges" eine tiefergehende Durchforschung sowie
Durchdringung und Auseinandersetzung mit Klingbergs komplexer didaktischen Theorie
zumindest in der BRD (alt) negativ beeinträchtigte, wenn auch die zahlreichen Übersetzungen
seiner Werke in andere Sprachen erkennen lassen, dass er sich nicht nur in der DDR, sondern
auch international, eine beachtliche, aber von Land zu Land sehr verschiedenartige Reputation
erarbeitet hat.3
Die mit dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober 1990
vollzogene politische Einheit beider deutschen Staaten kann unter derartigen Gesichtspunkten
als Zäsur angesehen werden, weniger jedoch im Wirken und Werk Lothar Klingbergs, als
vielmehr in der Rezeption seines früheren Werkes durch andere didaktische Größen, wie z.B.
die Oldenburger Dozenten Werner Jank und Hilbert Meyer. Das Ende des Kalten Krieges
1 Vgl.
Jank
, Werner/
Meyer
, Hilbert: Didaktische Modelle, Frankfurt a. M. 1991, S. 236.
2 Vgl.
ebenda
.
3 Immerhin gibt es Übersetzungen Klingbergs Arbeiten ins Russische, Spanische, Italienische und Japanische.
Vgl.
Jank
/
Meyer
: Didaktische Modell, 1991, S. 236. Seine wichtigsten Veröffentlichungen waren dabei:
,,Pädagogische Führung und Selbsttätigkeit in der sozialistischen Schule" (1962), ,,Einführung in die Allgemeine
Didaktik" (1972), ,,Unterrichtsprozess und didaktische Fragestellung" (1986), ,,Lehrende und Lernende im
Unterricht" (1990), sowie ,,Lehren und Lernen. Inhalt und Methode" (1995).
3
scheint dabei eine ,,Öffnung" der deutschen Didaktik zur Folge gehabt zu haben, welche eine
zwar kritische, aber auch überwiegend anerkennende Auseinandersetzung mit den bisher eher
stiefmütterlich behandelten DDR-Didaktikern begünstigte, eventuell sogar verursachte. Die
hohe Anzahl der in die neuen Länder übernommenen DDR-Lehrer, welche weiterhin nach
eben jenen didaktischen Theorien lehrten und ihre Unterrichtsprozesse ausrichteten, erforderte
ja regelrecht eine gründliche Durchforschung der realsozialistisch durchtränkten didaktischen
Theorien, wobei -neben zahlreicher Kritik- in der wissenschaftlichen Diskussion auch die
vielen Chancen, Besonderheiten und Vorzüge mancher ,,Ost-Didaktik" (wieder)entdeckt
wurden.
Besonders Lothar Klingbergs dialektisch orientierte Didaktik, mit der speziell ich mich in
dieser Seminararbeit befasse, erlebte dabei eine regelrechte Wiedergeburt. Schritt um Schritt
wächst bis heute die Anerkennung Klingbergs kompletten und äußerst anspruchsvollen
didaktischen Modells, welches zwar einerseits durch verblüffende Ähnlichkeit z.B. mit dem
,,Berliner Modell" auffällt, andererseits aber ganz eigene Akzente setzt (z.B. in Hinblick auf
die nahezu einmalige dialektische Orientierung) und sich durch überwiegend nicht da
gewesene Gründlichkeit und Detailverliebtheit auszeichnet (erkenntlich z.B. an der
umfangreichen Klassifizierung/Systematisierung der Unterrichtsmethoden). Klingbergs
Didaktik schafft es dabei besonders aus der impliziten Kritik an den ,,großen" westdeutschen
Didaktikern heraus noch heute, neue didaktische Erkenntnismomente bereitzustellen, welche
zumindest als Ergänzung zu Klafkis und Heimanns Theorien in der gegenwärtigen
Lehrerausbildung einen immer größeren Stellenwert gewinnen.
Demgemäß werde ich in dieser Seminararbeit auch versuchen, zumindest die Grundbegriffe
und ideen der Klingberg′schen dialektisch orientierten Didaktik darzustellen, wenn es mir
aufgrund des knappen Rahmens auch nicht möglich sein wird, übermäßig gründlich in seine
doch äußerst komplexe und manchmal auch schwer verständliche Theorie einzutauchen.
Dabei werde ich nach einigen vorangestellten Abschnitten zum Leben Lothar Klingbergs und
den Grundlagen/Grundbegriffen seiner wissenschaftlichen Arbeit speziell auf die dialektisch-
orientierte Didaktik eingehen, welche Klingberg vor allem in seiner 1972 erschienenen
,,Einführung in die Allgemeine Didaktik" ausführlich darstellte. Die didaktischen
Grundrelationen des ,,Lehren und Lernens" sowie des ,,Inhalts und der Methode" sollen dabei
ebenso wie der zugrunde gelegte ,,sozialistische Allgemeinbildungsbegriff" und die
klassifizierten vier Prozesskomponenten des Unterrichts behandelt werden, jeweils mit
weiterer Unterteilung und differenzierter Schwerpunktsetzung, wie z.B. im ausführlichen
Abschnitt über die Unterrichtsmethoden. Danach werde ich speziell einige derjenigen Aspekte
4
seiner Theorie aufgreifen, welche Klingberg in diversen Veröffentlichungen der Jahre 1987
bis 1990 weitgehend modifizierte, relativierte und präzisierte. Die 1990 erschienene
Studiensammlung ,,Lehrende und Lernende im Unterricht" soll dabei als Grundlage meiner
Ausarbeitung zur darin vertieften ,,Subjektposition der Lernenden", der ,,Konstituierung von
Unterrichtsinhalt" und Klingbergs ,,konkreter Utopie" einer gewaltfreien, emanzipierten, von
Nächstenliebe und gegenseitiger Achtung geprägten Unterrichtswirklichkeit dienen, bevor ich
in einem abschließenden und zusammenfassenden Kapitel die Frage nach der Bedeutung der
Klingberg′schen Didaktik in der heutigen Lehrerausbildung zu beantworten versuche:
Welcher Stellenwert kommt der dialektisch orientierten Didaktik Klingbergs heutzutage zu?
In
welchem
Verhältnis
steht
Klingbergs
didaktische
Theorie
zur
,,großen"
bildungstheoretischen Didaktik Klafkis und zur lerntheoretischen Didaktik Heimanns? Kurz
gefasst: Lohnt es sich auch für heutige Lehramtsanwärter noch, sich durch Klingbergs
,,dialektisch-materialistisches und realsozialistisches Vokabular" hindurchzuarbeiten, um neue
didaktische Grunderkenntnisse zu gewinnen?
2. Vorklärungen
2.1. Der Mensch Lothar Klingberg: Leben und Werk4
Lothar Klingberg wurde 1926 im oberschlesischen Rosenberg geboren und begann seine
berufliche Laufbahn nach den traumatischen Kriegserlebnissen der Jahre 1939-45 als
Neulehrer in Sachsen.5 Anders als viele seiner Kollegen, die überwiegend aus pragmatischen
Gründen in die schlecht vorbereitete Lehrtätigkeit einstiegen, zeigte Lothar Klingberg schon
früh reges Interesse am Lehrerdasein6 und versuchte dieses auch entsprechend umzusetzen.
So besuchte er schon vor Kriegsende eine Lehrerbildungsanstalt, an welcher der
Volksschulabgänger Klingberg jedoch nie einen Abschluss machte: Zu sehr beeinträchtigte
die näherkommende Ostfront und die sie begleitende Angst, Militarisierung und Fanatisierung
eine normal anmutende Ausbildungspraxis. Da scheint es auch nicht verwunderlich, dass auch
der bisher Kriegsdienst-verschonte7 Lothar Klingberg letztendlich doch in die Armee
4 Zur Erarbeitung biographischer Elemente nutzte ich hauptsächlich Andreas Pudlats Magisterarbeit zum Thema
Lothar Klingberg. Vgl.
Pudlat
, Andreas: Vom Neulehrer zur didaktischen Koryphäe. Die Laufbahn Lothar
Klingbergs: Eine besondere Neulehrerkarriere? Magisterarbeit zur Erlangung des akademischen Grades Magister
Artium. Chemnitz 2003, S. 44-72.
5 Als ,,Neulehrer" wird die Vielzahl kaum ausgebildeter, dafür meist umso engagierterer Lehrer bezeichnet, die
in Folge des Nachkriegslehrermangels in eine schlecht vorbereitete Lehrtätigkeit einstiegen und große
Leistungen auf dem Gebiet des Wiederaufbaus des Bildungswesens und der Entnazifizierung vollbrachten.
6 Rückblickend meinte Klingberg: ,,
Ich war etwa 10 Jahre, da stand für mich fest, du wirst Geschichtslehrer und
nichts anderes
." Desweiteren zeugt die Tatsache von seinem Lehrerwunsch, dass er schon mit seinen
Geschwistern ständig ,,Lehrer" spielte. Vgl.
Pudlat
: Didaktische Koryphäe, S. 44f.
7 Klingberg wurde vermutlich aufgrund eines Herzleidens ausgemustert und nicht zum Kriegsdienst eingezogen,
worauf seine Mitstudenten teilweise mit Mobbing und ähnlichem reagierten. Vgl.
ebenda
.
5
gedrängt wurde, die Grauen des Krieges am eigenen Leib spüren musste und nur mit viel
Glück das Jahr 1945 überlebte.8
Nach Kriegende herrschte aufgrund etwaiger Kriegsverluste und der einhergehenden
konsequenten Entnazifizierung des öffentlichen Dienstes besonders in der Sowjetischen
Besatzungszone ein ungeheurer Lehrermangel, der überwiegend durch die Einsetzung von nur
kurzfristig und mangelhaft ausgebildeten Neulehrern bekämpft werden sollte. Flankiert von
zahlreichen Aufrufen, Neulehrer zu werden, stieg letztlich auch Lothar Klingberg 1945 in den
Schuldienst ein, für den er aufgrund seiner bisherigen Erkenntnisse aus der
Lehrerbildungsanstalt und aufgrund seines großen Interesses an der Lehrtätigkeit
überdurchschnittlich gut geeignet war.
Ergänzend
zu
seiner
selbstständigen
eifrigen
Lektüre
und
den
notwendigen
bildungspolitischen Weiterbildungsmaßnahmen, an denen er wie alle Neulehrer von Zeit zu
Zeit teilhaben musste, versuchte er sich weitergehend für den Lehrberuf zu qualifizieren,
indem er ab 1948 in Leipzig ein Studium der Pädagogik, Geschichte und Musik begann,
welches dann auch den Ausgangspunkt für seine weitere akademische Laufbahn bilden
sollte.9 Im Laufe des Studium wuchs sein Interesse an der wissenschaftstheoretischen
Didaktik immer mehr, was letztendlich dazu führte, dass er der reinen Lehrertätigkeit den
Rücken zukehrte und statt dessen zuerst als wissenschaftlicher Assistent und nach seiner 1956
veröffentlichten Dissertation ,,Strukturprobleme der Unterrichtsstunde" auch als ,,
Doctor
paedagogicae
" an der Universität tätig war. Nach weiteren Schriften und einem 1962
gehaltenen Habilitationsvortrag ,,Zur Problematik der Allgemeinen Pädagogik als Lehrfach"
wurde Lothar Klingberg 1964 Professor für Pädagogik und Didaktik, als welcher er zuerst in
Leipzig, später dann auch an der Pädagogischen Hochschule ,,Karl Liebknecht" in Potsdam
tätig war. Etwa in diese Zeit ist auch die Geburt seiner zwei Söhne Daniel (1960) und Lars
(1962) durch seine Frau Renate einzuordnen, eine sechs Jahre jüngere ehemalige Schülerin
Klingbergs, welche er schon 1953 heiratete. Besonders das Verhalten Daniels, welcher 1984
unerlaubterweise aus der DDR in die Ostberliner Botschaft der USA floh und folglich
auswanderte, bereitete dem häufig vom Ministerium für Staatssicherheit beobachtetem Lothar
Klingberg zuweilen große Schwierigkeiten, obwohl dieser ansonsten bis zur Wende ein ganz
normales und staatskonformes Professorenleben führte, mit all den dazugehörigen
8 Sein großes Glück dokumentiert sich z.B. darin, dass die Stadt Dresden einen Tag nach Klingbergs
Besichtigung von der verheerenden Bombardierung durch die Alliierten fast vollständig zerstört wurde und er
später nur knapp einer Erschießung durch tschechische Partisanen entging. Vgl.
ebenda
.
9 Vorerst hatte Klingberg sein Studium jedoch als reine Weiterbildungsmaßnahme gesehen, und nicht als Beginn
einer akademischen Laufbahn. ,,
Damals, [...] habe ich noch nicht im Traum daran gedacht, Wissenschaftler zu
werden, schon gar kein pädagogischer. Meine Position war, das Studium zu absolvieren in Leipzig und wieder
zurückzukommen auf ein Dorf
." Zit. nach
ebenda
, S. 47.
6
Dissertationsgutachten, Lehrveranstaltungen und Publikationen, die nun einmal den
Professorenalltag bestimmen.
Die vorzeitige Emeritierung im Jahr 1980, die wohl mit bedingt war durch den zeitweise sehr
schlechten Gesundheitszustand Klingbergs, und das fortgeschrittene Alter von 63 Jahren
können dabei als Hauptursachen dafür gesehen werden, dass der ,,Fall der Mauer" 1989 für
ihn keine dermaßen folgenreiche Zäsur darstellte, wie es für viele ehemalige DDR-
Angestellte der Fall war.10 Lothar Klingberg stand schließlich schon länger in keinem direkten
Dienstverhältnis mehr und musste auch keine Angst vor Arbeitslosigkeit und anderen
Strukturproblemen haben. Stattdessen begünstigte der freiere Kontakt mit seinen Kollegen in
den alten Bundesländern seine wissenschaftliche Tätigkeit, die sich weiterhin in Vorträgen,
Kolloquien und Publikationen manifestierte. Aber auch aus familiärer Sicht kann die Wende
für ihn als Glücksfall angesehen werden, da schließlich erst die Grenzöffnung die
Kontaktaufnahme mit dem vermissten Sohn Daniel wieder ermöglichte. Erst am 8. Juli 1999
sollte Lothar Klingbergs Familienleben und wissenschaftliche Tätigkeit abrupt durch die
Folgen eines geplatzten Hirnaneurymas beendet werden, begleitet von zahlreichen
Kondolenzbriefen aus dem In- und Ausland.
Die vielen Beileidsbekundungen zum Tode Lothar Klingbergs machen dabei eines deutlich:
Zumindest in den Ländern, in denen seine Werke veröffentlicht, vielleicht sogar übersetzt
wurden, ganz besonders aber in der DDR selbst und zunehmend auch in der gesamtdeutschen
BRD erarbeitete sich Lothar Klingberg eine starke Reputation. Nicht nur im Nachhinein
betrachtet galt er vielerorts als Autorität, als
,,ein Didaktiker mit großer intellektueller Kraft
und europäischer Gelehrsamkeit, der sich auch unter widrigen Umständen nie hat
kompromittieren lassen."11
Dies wird auch daran deutlich, dass er obwohl bekennender Sozialist- doch die Kluft
zwischen Anspruch und Wirklichkeit sozialistischer Prämissen und Begriffe implizit in seinen
Werken kritisierte, wenn er sich auch mit allgemeiner Kritik am Bildungswesen der DDR
sichtbar zurückhielt.12 Seine sämtlichen Werke, sei es das 1972 erschienene Hauptwerk
,,Einführung in die Allgemeine Didaktik" oder dass erst 18 Jahre später veröffentlichte
,,Lehrende und Lernende im Unterricht", weisen Aspekte von Klingbergs dialektisch-
materialistischer Wissenschaftsposition auf, welche natürlich auch an der praktizierten
realsozialistischen ,,Schönfärberei" empirischer Gutachten zum Bildungswesen zu kritisieren
wusste. In diesem Sinne schreckte Klingberg auch 1987 nicht davor zurück, in einer seiner
10 Vgl.
ebenda
, S. 56.
11 Vgl.
Jank
, Werner/
Meyer
, Hilbert: Didaktische Modelle, 5. völlig überarbeitete Aufl., Berlin 2002, S. 242.
12 Vgl.
ebenda
, S. 244.
7
Comments
No comments yet
Other users also were interested in the following titles:
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit - Formatvorlage / Vorlage für eine Hausarbeit für Microsoft Word
Author: GRIN VerlagPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2005 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit - Formatvorlage / Vorlage für eine Hausarbeit für OpenOffice.org
Author: GRIN VerlagPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2005 Download as PDF-file for 9,99 EUR
Formatvorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit / Vorlage zur Erstellung einer Hausarbeit
Author: Marco FeindlerPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2005 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Author: GRIN VerlagPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2008 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wissenschaftlichen Arbeit
Author: Zoran ZivkovicPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2004 Download as PDF-file for 5,99 EUR
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Author: Claudia NickelPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2006 Download as PDF-file for 4,99 EUR
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Author: Maik PhilippPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2004 Download as PDF-file for 5,99 EUR
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - Hausarbeiten - Seminararbeiten
Author: Mark RichterPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2008
This text can be quoted and accessed from this url: