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Subtitle: Literarische Männerfreundschaften im Bürgertum
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2008, 26 Pages
Author: Andreas Blotko
Subject: Women Studies / Gender Studies
Details
Institution/College: Ruhr-University of Bochum (Historisches Institut)
Tags: Jahrhundert, Epoche, Freundschaft, Bürgertum, Selbstzeugnissen
Year: 2008
Pages: 26
Grade: sehr gut (1,3)
Bibliography: ~ 27 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-20130-3
ISBN (Book): 978-3-640-20649-0
File size: 122 KB
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Abstract
Wenn man an das 18. Jahrhundert denkt, dann verbindet man damit das Jahrhundert der großen Männerfreundschaften und Geselligkeiten. Oftmals wirken diese Gedanken melancholisch, an eine bessere Zeit. Erklärungsbedürftig erscheint die historische Redewendung, das 18. Jahrhundert sei das Jahrhundert der Freundschaft gewesen. Ziel dieser Hausarbeit ist es, genau dieser Frage nachzugehen. Kann das 18. Jahrhundert wirklich als das Jahrhundert der Männerfreundschaften verstanden werden? Gibt es ein einheitliches, gesellschaftliches Bewusstsein und ein soziales Handlungsmodell, welches sich unter dem Wort Freundschaft fassen lässt? Oder herrscht in dieser Frage nur ein einseitiges historisches Bewusstsein? Ein weiterer Punkt meiner Arbeit sind die Äußerungsformen der Freundschaft. Wie wurden literarische Freundschaften (unter Männern) kommuniziert und wie waren die Merkmale von Männerfreundschaften im 18. Jahrhundert? Welche Bedeutung hat Freundschaft unter Männern im 18. Jahrhundert und kann man in diesem Zusammenhang auch von Erotik sprechen? Ausgehend von der Literatur u.a. von Wolfram Mauser und Barbara Becker- Cantarino (1991) und den ausgewählten Quellen, sollen exemplarisch die Männerfreundschaften zwischen Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller sowie die Freundschaft zwischen Johann Wilhelm Gleim und Georg Heinse beleuchtet werden, um die Ausgangsfrage illustrativ zu beantworten. Die Betrachtung von Frauenfreundschaften, die in der Forschung in den letzten Jahren einen sehr großen Stellenwert eingenommen haben, wird in dieser Hausarbeit als Vergleichskonzept miteinbezogen. Eine tiefer gehende Darstellung von Frauenfreundschaften im 18. Jahrhundert kann im Rahmen dieser Arbeit nicht geleistet werden. Sie dienen jedoch dazu, eine differenzierte Anschauung von literarischen Männerfreundschaften zu ermöglichen. Selbstredend kann man nicht alle Männerfreundschaften des 18. Jahrhunderts einbeziehen. Ich beziehe mich in dieser Arbeit auf Männerfreundschaften unter Literaten.
Excerpt (computer-generated)
Ruhr-Universität Bochum
Historisches Institut
Seminar: Bürgertum in Selbstzeugnissen
Andreas Blotko
Das 18. Jahrhundert als Epoche der Freundschaft?
Literarische Männerfreundschaften im Bürgertum
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Der Freundschaftsbegriff im Bürgertum 4
2.1. Definition von Freundschaft und Geselligkeit 4
2.2. Formen der Freundschaftskommunikation 6
2.3. Gründe für Freundschaften 8
3. Ausprägungen von Männerfreundschaften im Bürgertum .. 11
3.1. Merkmale von Männerfreundschaften 11
3.2. Die Freundschaft zwischen Goethe und Schiller 12
3.3. Die Freundschaft zwischen Gleim und Heinse 16
4. Exkurs: Zwischen Freundschaft und Erotik? 18
5. Literaturverzeichnis 23
2
1. Einleitung
Wenn man an das 18. Jahrhundert denkt, dann verbindet man damit das
Jahrhundert der großen Männerfreundschaften und Geselligkeiten. Oftmals
wirken diese Gedanken melancholisch, an eine bessere Zeit. Erklärungs-
bedürftig erscheint die historische Redewendung, das 18. Jahrhundert sei das
Jahrhundert der Freundschaft gewesen.
Ziel dieser Hausarbeit ist es, genau dieser Frage nachzugehen. Kann das 18.
Jahrhundert wirklich als das Jahrhundert der Männerfreundschaften verstanden
werden? Gibt es ein einheitliches, gesellschaftliches Bewusstsein und ein
soziales Handlungsmodell, welches sich unter dem Wort Freundschaft fassen
lässt? Oder herrscht in dieser Frage nur ein einseitiges historisches
Bewusstsein? Ein weiterer Punkt meiner Arbeit sind die Äußerungsformen der
Freundschaft. Wie wurden literarische Freundschaften (unter Männern)
kommuniziert und wie waren die Merkmale von Männerfreundschaften im 18.
Jahrhundert? Welche Bedeutung hat Freundschaft unter Männern im 18.
Jahrhundert und kann man in diesem Zusammenhang auch von Erotik
sprechen?
Ausgehend von der Literatur u.a. von Wolfram Mauser und Barbara Becker-
Cantarino (1991) und den ausgewählten Quellen, sollen exemplarisch die
Männerfreundschaften zwischen Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich
Schiller sowie die Freundschaft zwischen Johann Wilhelm Gleim und Georg
Heinse beleuchtet werden, um die Ausgangsfrage illustrativ zu beantworten.
Die Betrachtung von Frauenfreundschaften, die in der Forschung in den letzten
Jahren einen sehr großen Stellenwert eingenommen haben, wird in dieser
Hausarbeit als Vergleichskonzept miteinbezogen. Eine tiefer gehende Darstel-
lung von Frauenfreundschaften im 18. Jahrhundert kann im Rahmen dieser
Arbeit nicht geleistet werden. Sie dienen jedoch dazu, eine differenzierte
Anschauung von literarischen Männerfreundschaften zu ermöglichen.
Selbstredend kann man nicht alle Männerfreundschaften des 18. Jahrhunderts
einbeziehen. Ich beziehe mich in dieser Arbeit auf Männerfreundschaften unter
Literaten.
3
2. Der Freundschaftsbegriff im Bürgertum
2.1. Definition von Freundschaft und Geselligkeit
,,Mein bestes Goldstück würde ich leichter vermissen, als den kleinsten
Brief von meinem Uz, die ich aufhebe, wie ein Mädchen seine
Liebesbriefe, und sie lese, wenn ich, in meiner Einsamkeit mir einen
recht vergnügten Abend machen will."1
Der Verfasser dieser Zeilen, es handelt sich hierbei ganz konkret um Johann
Wilhelm Gleim, betont die Wichtigkeit der Freundschaft zu seinem Freund
Johann Peter Uz. Es gibt für ihn nichts Wertvolleres als die Briefe seines
Freundes und die haben einen so großen Wert, dass Gleim auf jeden anderen
materiellen Wert verzichten könnte. Für ihn haben die Freundschaftsbriefe den
Rang von Liebesbriefen.2
Sowohl Gleim als auch andere Literaten des 18. Jahrhunderts verbanden mit
dem Begriff der Freundschaft sowohl philosophische als auch sozialethische
Leitvorstellungen des 18. Jahrhunderts. Mit dem Begriff der Freundschaft
verstand man das Glück in einer Gemeinschaft mit Gleichgesinnten, genauso
wie die Gewissheit ein empfindsames Subjekt zu sein. Unter Freundschaft
begriff man also Individualität und frei gewählte Vergesellschaftung in einem.3
Die Begriffsgeschichte beider Ausdrücke kann jedoch nie die ganze Dimension
des Phänomens ´Freundschaft´ abdecken und gibt wenig Hilfestellung bei der
Beantwortung der Frage, was Freundschaft im 18. Jahrhundert überhaupt
bedeutet. Sie ist in vielen Beziehungen uneindeutig und begriffsgeschichtliche
Untersuchungen im engeren Sinne gibt es kaum.4 Untersuchungen zum Thema
Freundschaft im 18. Jahrhundert, die nur die Texte bearbeiten in denen das
Wort Freundschaft vorkommt, würden am Thema vorbeigehen. Denn für das
1
Spalding, Johann Joachim: Briefe an Gleim. Lebensbeschreibung. Hamburg 2002. S.
245.
2
Vgl. Adam, Wolfgang: Freundschaft und Geselligkeit im 18. Jahrhundert. Katalog des
Freundschaftstempels im Gleimhaus in Halberstadt. Leipzig 2000. S.9.
3
Vgl. Schnegg, Brigitte: Gleichgestimmte Seelen. Empfindsame Inszenierung und
intellektueller Wettstreit von Männern und Frauen in der Freundschaftskultur der
Aufklärung, in: WerkstattGeschichte 2001. S. 23.
4
Vgl. Meyer-Krentler, Eckardt: Der Bürger als Freund. Ein sozialethisches Programm
und seine Kritik in der neuen deutschen Erzählliteratur. München 1984. S. 13.
4
Gefühl der Nähe und Sympathie, das zwischen nicht verwandten Männern und
Frauen entstehen konnte, ermöglichte der Sprachgebrauch des 18. Jahrhunderts
eine ganze Reihe von Wortverbindungen und Ausdrücken, wie zum Beispiel
edle Empfindung, Vertrauen, Zärtlichkeit, moralische Zärtlichkeit oder
zärtliche Liebe.5 Insbesondere in der Definition von Freundschaft und Liebe
sind im 18. Jahrhundert die Bedeutungen verwischend. Barbara Becker-
Cantarino stellt fest, dass Freundschaft und Liebe unterschiedliche zwischen-
menschliche Beziehungen und Gefühle ansprechen.6 Beide Empfindungen
schließen sich jedoch nicht prinzipiell aus und aus Freundschaft könne sich
durchaus Liebe entwickeln.7 Auch Gerhard Sauder stellt fest, dass
Freundschaft nicht nur da ist, wo der Begriff fällt, sondern auch unter anderem
in Begriffen wie ,,Zärtlichkeit" erscheint.8
Seit Mitte des 18. Jahrhunderts hat sich das Freundschaftsdenken jedoch über
die Vorstellung einer allgemeinen Menschenliebe verändert. Dies bedeutete,
dass nun gerade nicht mehr jeder Mensch in Freundschaft geliebt wurde,
sondern nur noch diejenigen sich zusammenschlossen, die im ,,Gleichklang der
Seelen" lebten.9
Für viele bedeutete Freundschaft somit eine glückbringende Bindung an eine
ganz bestimmte Person, die sie selbst gewählt haben und dem man sich mit
seiner eigenen Subjektivität vollkommen öffnen konnte. Im Gegenzug öffnete
sich der andere ebenfalls vorbehaltlos, und man teilte Erfahrungen und
Empfindungen.10
Im Verhältnis zwischen Geselligkeit und Freundschaft entwickelte sich
spätestens ab der Mitte des 18. Jahrhunderts eine neue Denkweise. Das
Phänomen der Freundschaft wurde tiefgehender emotionalisiert. Benutzte
Adjektive wie z.B. zärtlich und natürlich, die im Geselligen gebraucht wurden,
beschrieben recht anschaulich welche Qualität die Freundschaft im 18. Jahr-
5
Vgl. Adam. S. 2.
6
Vgl. Barbara Becker-Cantarino: Zur Theorie der literarischen Freundschaft im 18. Jahr-
hundert am Beispiel der Sophie La Roche. In: Frauenfreundschaft - Männerfreund-
schaft, Tübingen 1991. S. 57.
7
Vgl. Ebd.
8
Vgl. Gerhard Sauder: Der zärtliche Klopstock. In: Friedrich Gottlieb Klopstock. Text
und Kritik. Hrsg.: Heinz Ludwig Arnold. München: Text und Kritik 1981. S. 13.
9
Vgl. Meyer-Krentler. S. 9.
10
Vgl. Schnegg. S. 23.
5
hundert besaß und wie sie sich definierte. Die persönliche Zuneigung war vom
tiefsten ehrlich und im Gebrauch der Dialoge zusehends zärtlicher.11
Als Definition für Freundschaft im 18. Jahrhundert kann man festhalten, dass
in Freundschaft eine von Sympathie gekennzeichnete, juristisch undefinierte
Beziehung zweier nicht verwandter männlicher oder weiblicher Privatpersonen
zu verstehen war, die auf freiwilliger Basis beruhte.12 Freundschaft wurde
durch ihr empfindsames Handeln ausgebaut und ihre Dauer war auf
permanente kommunikative Akte angewiesen.13
Diese kommunikativen Akte konnten sich auf verschiedene Weise darstellen.
Im Folgenden soll auf die unterschiedlichen Formen eingegangen werden, in
denen Freundschaft korrespondiert und gepflegt wurde. Im Besonderen wird
die Rolle des Briefes herausgestellt.
2.2. Formen der Freundschaftskommunikation
Freundschaft im 18. Jahrhundert artikulierte sich auf vielfältige Weise.
Einerseits durch fiktionale und narrative Texte, die Freunde und Freundschaft
zeigten, andererseits in Briefen und in der Lyrik, die als Ausdruck von
Freundschaftshaltung dienten. In Briefen und in der Lyrik fand sich oftmals ein
statischer sprachlicher Ausdruck von Befindlichkeiten, sie hatten jedoch einen
sehr persönlichen Zusammenhang mit dem Leben des Schreibenden.14
Besonders seit den 1770er Jahren entwickelte sich eine Form rasant. Bis über
die Jahrhundertwende fand man in Zeitschriften eine Unmenge an Freund-
schaftsgedichten. Diese waren meist konkret an einen Freund oder eine
Freundin gerichtet und fassten eine sehr intime persönliche Beziehung lyrisch
auf. 15
11
Vgl. Sauder. S. 15.
12
Vgl. Nötzold-Linden, Ursula: Freundschaft. Zur Thematisierung einer vernachlässigten
soziologischen Kategorie. Wiesbaden 1994. S. 115.
13
Vgl. Ebd.
14
Vgl. Ebd.
15
Vgl. Pfeiffer, Joachim: Männerfreundschaften in der Literatur des 18. Jahrhunderts. In:
Freiburger Frauenstudien 6, Freiburg 2001. S. 210.
6
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