Please wait
Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.
Scholarly Research Paper, 2008, 15 Pages
Author: Maria Prass
Subject: Social Pedagogy / Social Work
Details
Institution/College: Alice Salomon University of Applied Sciences Berlin AS
Tags: Geschlecht, Aggression, Diversity, Studies-, Gender, Queer, Studies
Year: 2008
Pages: 15
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 10 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-20997-2
ISBN (Book): 978-3-640-28227-2
File size: 123 KB
Other users also were interested in the following titles:
Abstract
Täglich unterscheiden wir zwischen Mann und Frau, bei dem Gang auf die Toilette, beim Kaufen von Schuhen und bei Grundsatzdiskussionen in Partnerschaften. Sicher sind wir stetig darum bemüht weder Mann noch Frau in ein Schema zu drängen, trotzdem passiert es immer wieder. Es liegt wohl in der menschlichen Natur sich Konstrukte zu schaffen, auch sogenannte Schubladen, um Dinge möglichst schnell einzuordnen und nicht mehr darüber nachzudenken. Schubladen oder selbst geschaffene Konstrukte vereinfachen das menschliche Leben auf den ersten Blick ungemein. Allerdings verursacht es auch Denkschemata, bei deren genauerer Betrachtung wir ins Grübeln kommen. Vor einigen Tagen beobachtete ich in der Bahn zwei Frauen. Sie plauderten über das alt bekannte Thema der Partnerschaft. Eine von beiden berichtete, dass ihr Freund ihr fremdgegangen sei und sie ihm daraufhin körperlich gezüchtigt hätte. Interessant hierbei ist eigentlich, dass die andere Frau, also die Zuhörerin, das scheinbar für vollkommen „normal“ erachtete. Ich kam also ins Grübeln darüber, warum es anscheinend, und hier stelle ich lediglich eine Vermutung an, gesellschaftlich akzeptiert ist, wenn eine Frau einen Mann bei einem Treuebruch körperlich züchtigt, wenn hingegen ein Mann eine Frau züchtigt, nehme ich an, wäre die Reaktion der Zuhörerin anders ausgefallen. Es ist also allgemein verpönt, wenn ein Mann eine Frau schlägt. Warum ist es meiner Auffassung nach gesellschaftlich nicht verpönt, wenn eine Frau einen Mann körperlich züchtigt. Auf die mir selbst gestellte Frage, warum dies so ist, musste ich meine „Schubladen“ überprüfen. Dabei fand ich heraus, dass man Frauen wahrscheinlich nicht so für „gefährlich“ hält wie Männer, aber warum ist das so? Lässt sich dies durch die biologische Ausstattung begründen oder gibt es mehrere Faktoren warum es so ist. Unterscheiden sich die Formen von Aggressionen bei Männern und Frauen oder ist es schlicht und ergreifend ein weiterer Denkfehler der Gesellschaft und mir? Diese und weitere Fragen möchte ich mir in dieser Facharbeit beantworten. Beginnen werde ich mit der Aggressionsentstehung. Es folgt eine Kategorisierung von Aggressionen, in welcher ich versuchen werde weitere Einflussfaktoren zu benennen und partiell auszuführen. Anhand der gewonnenen Erkenntnisse möchte ich auf den Geschlechterunterschied eingehen, woran sich dann mein Fazit knüpft.
Excerpt (computer-generated)
Geschlecht und Aggression
Diversity Studies Gender und Queer Studies
Maria Prass
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Aggressionsentstehung 3
3. Formen der Aggression 5
4. Geschlechterspezifische Aggression? 6
5. Geschlechterspezifische Sozialisation? 7
6. Fazit 10
7.Literatur- und Quel enverzeichnis 12
8. Anhang 13
1
1. Einleitung
Täglich unterscheiden wir zwischen Mann und Frau, bei dem Gang auf die Toilette,
beim Kaufen von Schuhen und bei Grundsatzdiskussionen in Partnerschaften.
Sicher sind wir stetig darum bemüht weder Mann noch Frau in ein Schema zu
drängen, trotzdem passiert es immer wieder. Es liegt wohl in der menschlichen
Natur sich Konstrukte zu schaffen, auch sogenannte Schubladen, um Dinge
möglichst schnel einzuordnen und nicht mehr darüber nachzudenken. Schubladen
oder selbst geschaffene Konstrukte vereinfachen das menschliche Leben auf den
ersten Blick ungemein. Al erdings verursacht es auch Denkschemata, bei deren
genauerer Betrachtung wir ins Grübeln kommen.
Vor einigen Tagen beobachtete ich in der Bahn zwei Frauen. Sie plauderten über
das alt bekannte Thema der Partnerschaft. Eine von beiden berichtete, dass ihr
Freund ihr fremdgegangen sei und sie ihm daraufhin körperlich gezüchtigt hätte.
Interessant hierbei ist eigentlich, dass die andere Frau, also die Zuhörerin, das
scheinbar für vol kommen ,,normal" erachtete.
Ich kam also ins Grübeln darüber, warum es anscheinend, und hier stel e ich
lediglich eine Vermutung an, gesel schaftlich akzeptiert ist, wenn eine Frau einen
Mann bei einem Treuebruch körperlich züchtigt, wenn hingegen ein Mann eine
Frau züchtigt, nehme ich an, wäre die Reaktion der Zuhörerin anders ausgefal en.
Es ist also al gemein verpönt, wenn ein Mann eine Frau schlägt. Warum ist es
meiner Auffassung nach gesel schaftlich nicht verpönt, wenn eine Frau einen Mann
körperlich züchtigt.
Auf die mir selbst gestel te Frage, warum dies so ist, musste ich meine
,,Schubladen" überprüfen. Dabei fand ich heraus, dass man Frauen wahrscheinlich
nicht so für ,,gefährlich" hält wie Männer, aber warum ist das so? Lässt sich dies
durch die biologische Ausstattung begründen oder gibt es mehrere Faktoren
warum es so ist. Unterscheiden sich die Formen von Aggressionen bei Männern
und Frauen oder ist es schlicht und ergreifend ein weiterer Denkfehler der
Gesel schaft und mir?
2
Diese und weitere Fragen möchte ich mir in dieser Facharbeit beantworten.
Beginnen werde ich mit der Aggressionsentstehung. Es folgt eine Kategorisierung
von Aggressionen, in welcher ich versuchen werde weitere Einflussfaktoren zu
benennen und partiel auszuführen. Anhand der gewonnenen Erkenntnisse möchte
ich auf den Geschlechterunterschied eingehen, woran sich dann mein Fazit knüpft.
2. Aggressionsentstehung
Bevor ich Theorien zur Aggressionsentstehung schildere, möchte ich vorweg den
Begriff ,,Aggression" klären. ,,Unter Aggression versteht man al e
Verhaltensweisen, die eine direkte oder indirekte Schädigung von Organismen
und/oder Gegenstände beabsichtigen."1
Es gibt verschiedene Theorien darüber, wie Aggressionen entstehen. Die drei,
meines Erachtens nach bedeutendsten, Theorien sind die:
- Triebtheorie2
- Frustrations- Aggressions- Theorie und
- Aggression als erlerntes Verhalten3.
Die Psychoanalyse geht von einem Lebens- und Todestrieb aus. Aggressionen
sind hier als eine Äußerungsform des Todestriebs zu begreifen. Die Aggression
agiert also als ein Ventil, andernfal s könnte es nach Freud zu Krankheiten
kommen. Zu erwähnen ist an dieser Stel e die Kritik an seiner Trieblehre. Die Kritik
besteht darin, dass der Thanatos4 nicht nachgewiesen werden kann. Die
Frustrations- Aggressions- Theorie hingegen geht im Kern davon aus, dass auf
jede Frustration5 eine Aggression folgt. Al erdings beinhaltet diese Theorie nicht die
1 Vgl. Hobmair, Hermann, 1996: 144
2 Psychoanalytisch Theorie
3 Lerntheorien
4 Todestrieb
5,, Unter Frustration versteht man die Störung einer zielgerichteten Handlung, Enttäuschungen und
Versagungen." Aus: Hobmair, Hermann, 1996: 145
3
kognitiven Fähigkeiten eines Menschen, welche ihn befähigen Frustrationen
kognitiv zu bewältigen. Lernpsychologische Theorien gehen davon aus, dass
Aggressionen nicht biologisch determiniert sind, sondern dass aggresessives
Verhalten ein erlerntes Verhalten ist. Auch mit einzuschließen ist hier das
Model lernen nach Bandura, nach welchem ein Individuum sich Verhaltensweisen
durch Beobachtung und Nachahmung einer anderen Person aneignet.
Meiner Ansicht nach kann man prinzipiel davon sprechen, dass Menschen durch
ihre biologische Anlage die Vorraussetzungen dafür haben aggressiv zu reagieren,
wobei soziologische, sozial-ökologische und physiologische6 Faktoren nicht außer
acht gelassen werden dürfen. Des Weiteren spielen stammesgeschichtliche und
kulturhistorische Einflüsse ebenfal s eine große Rol e. Auch sind es persönliche
Erfahrungen und Erlebnisse die unser aggressives Verhalten bestimmen.
Hervorheben ist jedoch, dass al e bereits oben ausgeführten Theorien keine
geschlechterspezifische Unterscheidung aufweisen. Folglich gibt es also nach
diesen Theorien keinen Unterschied zwischen Mann und Frau bei der
Aggressionsentstehung, jedoch gibt es Stereotypen, die besagen, dass zB. Ein
Mann seine Wut offen ausdrückt, hingegen die Frau ,,schmol t" und Angst hat ihre
Wut zu zeigen. Also besteht der Geschlechterunterschied bei Aggressionen
viel eicht nicht in ihrer Entstehung, sondern in ihrem Ausdruck und der damit
verbunden Motivation?
6 Meint hier Hormone und Neurotransmitter die der Regulation von aggressivem Verhalten dienen.
4
3. Formen der Aggression
Jedes menschliche Handeln ist ziel- und sinnorientiert. Demzufolge hat auch
aggressives Verhalten ein Ziel, dB. Es steckt immer eine Erwartungshaltung und
Motivationsmuster dahinter. Man unterscheidet zwischen drei Formen der
Aggression. Zum Einen die Reaktive Aggression7, die assertive Aggression8 und
die Aggression mit einer Schädigungsabsicht. Ein Beispiel für eine assertive
Aggression könnte sein, dass Aggressionen bei Männern weitestgehend auf eine
Rangthematik, folglich eine Wettkampfmotivation zurückzuführen sind. Bei der
assertiven Aggression reagiert der Mensch auf eine Frustration mit physischer
Aggressivität.9 Dies erinnert sehr an die in Punkt 2 ausgeführte Frustrations-
Aggressions- Theorie. Daneben existieren verschiedene Ausdrucksformen von
Aggression. Die Definition von Aggression umfasst ein breites Spektrum an
Verhaltensweisen, um später eventuel e Geschlechterunterschiede darzustel en,
ist es von großer Bedeutung eine Differenzierung vorzunehmen.
Man unterscheidet zwischen der direkten und indirekten Aggression. Die direkte
Aggression ist unmittelbare gegen das Opfer gerichtet, unabhängig ob dies verbal
oder körperlich geschieht. Unter der indirekten Aggression versteht man eine
Verschiebung der Aggression. Es kann sich hier um ein Ersatzobjekt handeln, wie
z.B. der Freund des eigentlichen Opfers. Auch die sog. ,,üble Nachrede" kann eine
Form der indirekten Aggression sein. An dieser Stel e ist nochmals zu betonen,
dass hier nicht zwischen physischer und verbaler Gewalt unterschieden wird.
Daneben wird weiterhin zwischen feindseliger, instrumentel er und expressiver
Aggression unterschieden. Die feindselige Aggression mein die Bloße Schädigung
des Opfers. Christiane Micus beschreibt diese Art der Aggression als ,,Aggression
um der Aggression willen."10 Hinter der instrumentel en Aggression steht stets ein
Ziel, außerhalb des aggressiven Handelns. Expressive Aggressionen sind
7 Auch Frustrationsaggression.
8 Auch Wettkampfaggression.
9 http://www.uni-köln.de/phil-
fak/paedsem/psych/medien/ss04/geschlechtsunterschiede/aggression/Aggression.ppt
10 Vgl. Micus, Christiane, 2002: 26
5
,,affektbedingt und affektbegleitet."11 Sie dienen folglich dem Abbau von inneren
Spannungen. Es gibt eine Reihe weitere Aggressionsformen wie z.B. das
Schweigen, provozierte- und nicht- provozierte Aggressionen, sowie die Selbst-
und Fremdaggression.12 Al erdings möchte ich mich in dieser Facharbeit nicht auf
die Aggressionsformen fokussieren.
4. Geschlechterspezifische Aggression?
In einem Experiment von Maccoby und Jackling stel te man aus 94
durchgeführten Geschlechtsvergleichen 1974 fest, dass Mädchen häufiger
aggressiven Situationen auswichen und seltener welche initi erten als Jungen.
Diese Befunde galten für Kinder ab 2 Jahren. Auch Brown kam bereits 9 Jahre
zuvor auf ähnliche Ergebnisse. Er stel te erstmalig einen Zusammenhang zwischen
Testosteron und Aggression dar.13
Der Bundeskriminalbericht von 2006 zeigt, dass 75,9% der Tatverdächtigen
männlich waren und lediglich 29,1% vom weiblichen Geschlecht.14 Ich möchte
darauf hinweisen, dass es sich hier um Tatverdächtige handelt, ob die Taten im
Zusammenhang mit Aggression gebracht werden können, ist fraglich. Die hohe
Prozentzahl des Bundeskriminalberichtes und die gemachten Experimente
könnten darauf hinweisen, dass Männer aggressiver sind als Frauen. Al erdings ist
zu beachten, dass es verschiedene Formen von Aggressionen gibt, welche ich
bereits in Punkt 3 erwähnt habe.
Meinem Erachten nach müssen die unterschiedlichen Aggressionsformen hier
besondere Beachtung finden. Den andersgearteten Umgang mit Aggressionen
bestätigen z.B. Crick und Grotpeter im Jahre 199515 aus den USA. Demzufolge ist
die Aussage, Männer seien aggressiver als Frauen hinfäl ig. Probleme bei der
Operationalisierung von Aggression und Geschlechterunterschiede sind hierbei zu
11 Ebd.
12 Vgl. Micus, Christiane, 2002: 25- 28
13 www.uni-regensburg.de/Fakultaeten/phil_Fak_II/Grundschul_Paedagogik/content/Habilitation/A-
sexunt/03pers.rtf
14 Siehe Anhang Tab. 1
15 Vgl. www.diss.fu-berlin.de/2006/107/06FERTIG_MKLS_Theorie_04.pdf
6
berücksichtigen. Die Untersuchung von realen Aggressionssituationen ist mehr
ethisch unmoralisch als realistisch. Auch sind oft die Auslösenden Situationen von
Differenzen geprägt. Es kann z.B. ein spielerisches Raufen als aggressives
Verhalten interpretiert werden. Sozialisationsbedingte Faktoren finden oft keine
bzw. kaum Beachtung in den Auswertungen.
Es ist also möglich, dass die bereits belegte Differenz im aggressiven Verhalten
von Männern und Frauen ihren Ursprung in der jeweiligen Sozialisation findet.
Mädchen und Jungen werden in unserer Gesel schaft unterschiedlich sozialisiert,
beginnend bei der Farbwahl der Kinderkleidung und mündet in der Verbreitung von
Verhaltensweisen, die man bei einem Jungen oder einem Mädchen für ,,geeignet"
hält. Im nachstehenden Punkt werde ich versuchen eine Erklärung für den
geschlechterspezifischen Umgang mit Aggression zu finden, wobei ich meinen
Fokus auf die geschlechtersignifikante Sozialisation legen werde.
5. Geschlechterspezifische Sozialisation?
Es zeigte sich bereits im Punkt 2, dass es keine geschlechterspezifische Theorie
für die Aggressionsentstehung gibt. Die Sozialisation meint ,,einen Prozess der
Eingliederung eines Individuums in die bestehende gesel schaftliche Ordnung."16
Der Mensch entwickelt durch die Sozialisation Fähigkeiten zum sozialen Handeln,
dazu gehören auch ,,die umfassenden Kulturstile einer Gesel schaft."17 Demzufolge
,, werden auch die spezifischen Merkmale von Individuen geformt, weil sie nicht nur
ein Aneignungsprozess ist, sondern auch ein Prozess der Identitätsbildung."18
Unser ,, typisch" weibliches und männliches Verhalten ist also anerzogen. Die
Kinder erfahren von Anfang an eine Gesel schaft, die klare Kategorien vorgibt: es
gibt Männer und es gibt Frauen. Man muss betonen, dass sich diese
Kategorisierungen auf ein Minimum beschränken.
16 Vgl. Psychrembel- klinisches Wörterbuch, 2004: 1700
17 Vgl. Joas, Hans, 2003: 124
18 Ebd.
7
Mädchen und Jungen erfahren unterschiedliche Aufgaben, Erwartungen und ggf.
Subventionen, selbst im Spielverhalten werden starke Differenzierungen
vorgenommen. Ein Mädchen bekommt zu Weihnachten eine Puppe von ihren
Eltern geschenkt, ein Junge hingegen ein motorisiertes Automobil.
Mein subjektiver Eindruck bzgl. des Spielverhaltens von Jungs, ist die Bekräftigung
eines aggressiven Spielerhaltens. Wenn sich z.B. in einem Spiel, gespielt von
einem Jungen, zwei ,,Actionfiguren" bekämpfen wird dies meist nicht von den
Eltern unterbunden, aber wenn es sich in diesem Fal e um ein Mädchen mit zwei
Puppen handeln würde, würde dies schnel unterbunden werden. Es ist bei den
Mädchen meinen Erfahrungen nach
wahrscheinlicher, dass es zu
Aggressionshemmungen führt. Im Gegensatz dazu entwickelt sich bei dem, in
seinem aggressiven Spielverhalten bestärkten, Jungen eventuel ein Gespür dafür,
wann Aggressionen ,,erlaubt" sind. Dies könnte eine Erklärung für
geschlechterspezifische Aggression sein.
Es ist also festzustel en, dass unterschiedliche aggressive Verhaltensmuster
sozialisiert werden können. Die Struktur in der Gesel schaft beeinflusst die
Sozialisation der in ihr lebenden Individuen. Sie legt fest, welche Fähigkeiten
innerhalb einer Gesel schaft von Nöten sind, sie sol en eine funktionale Integration
ermöglichen.
Ein sozialisiertes ,,typisch" männliches und weibliches Verhalten ist für eine
Integration also von Nöten. Im Umkehrschluss bedeutet das für mich, wenn ein
Individuum von diesem Muster abweicht, wird es sich nicht vol ständig in die
Gesel schaft integrieren können, unabhängig davon ob es von dem Individuum so
gewollt ist oder nicht.
Mein in der Einleitung angeführtes Beispiel, welches sich auf die körperliche
Züchtigung eines Mannes aufgrund von Untreue bezog, zeigt auf den ersten Blick
ein eher untypisches Beispiel für ein weibliches aggressives Verhalten. Nachdem
ich dann meine ,,Schubladen" überprüfte, stel te ich fest, dass aggressives
Verhalten sich auch nach Situationen determiniert. Gerade und vor Al em in den
Medien z.B. bei einer Serie werden oft ähnliche Sachverhalte dargestel t, in denen
8
die Frauen zu körperlichen Züchtigung neigen. Es ist also festzustel en, dass nicht
ausschließlich die Sozialisation uns in Verhaltensweisen prägt, sondern auch
andere Instanzen wie zum Beispiel das Fernsehen. Natürlich unter
Berücksichtigung der Identitätsentwicklung.
Denn letztlich ist es die Identitätsentwicklung die uns Werte und Normen
übernehmen lässt oder diese ablegt. Wenn familiäre Werte und Normen ihre
Gültigkeit nicht verlieren, dann kann man nach Marcia19 von einer Übernommen
Identität sprechen. Verhaltensweisen der eigenen Familie werden somit
übernommen, dies kann z.B. zu geschlechterspezifischen Aggressionen führen.
Auch wenn die familiären Werte vorerst ihre Verbindlichkeit verlieren und
anschließend neue Werte erprobt werden, kann es dennoch dazu kommen, dass
die familiären Werte weiter bestehen bleiben. In diesem Fal spricht man von einer
Diffusen Identität. Des Weiteren kann man von einem Moratorium in der
Identitätsentwicklung sprechen. Neue Werte werden erprobt, al erdings kann sich
das Individuum nicht zwischen den neuen und familiären Werten entscheiden, was
wiederum zu Diskrepanzen führt. Wenn neu erarbeitete Werte übernommen
werden, kann man von einer Erarbeiteten Identität sprechen.20
Es sind also mehrere Faktoren, die zu geschlechterspezifischen Aggressionen
führen können, wobei feststeht, dass Männer und Frauen aggressives Verhalten
zeigen, dies drückt sich lediglich anders aus.
19 Kanadischer Entwicklungspsychologe.
20 Vgl. www.paed.uni-muenchen.de/~epp/studium-neu/epss06/VorlesungSS_10.ppt
9
6. Fazit
Meine mir selbst gestel te Frage, warum es gesel schaftlich akzeptiert ist, wenn
eine Frau einen Mann aufgrund von Untreue züchtigt, ist mir weitestgehend klar
geworden. Weitestgehend, da ich glaube das dieses Thema noch wesentlich mehr
beinhaltet, als das was ich im Rahmen dieser Facharbeit darstel en konnte.
Es gibt verschiedene Model e darüber, warum es zu geschlechterspezifischen
aggressiven Verhalten kommt. Das Model der biologischen Verursachung d.B.
Aggression bzw. Aggressivität wird ausschließlich durch biologische Faktoren
beeinflusst. Ein anderes Model sieht die Umwelt als Verursacher von Aggression.
Dabei formen gesel schaftliche Verhältnisse und das biologische Geschlecht die
Geschlechterrol e, mit welcher eine Grundorientierung in Einstel ung oder
Persönlichkeitseigenschaften einhergeht. Ein weiteres Model erklärt aggressives
Verhalten mit der Interaktion zwischen dem biologische Geschlecht,
Geschlechterrol en und al gemeinen Grundorientierungen. Schlussendlich schließt
ein anderes Model zu dem vorhergehenden noch interne und externe Kontext-
und Rückkopplungseffekte als Moderatoren mit ein.21
Al e Gender- Model e und Gender- Aggressions- Model e bilden für mich
Erklärungsmodel e, warum und vor al em wie es zu geschlechterspezifischen
Aggressionen kommt. Je komplexer diese Model e erscheinen, für desto
wahrscheinlicher halte ich sie. Doch dabei vergesse ich immer wieder, dass nicht
eines dieser Model al e Faktoren, die nun einmal zum Leben dazu gehören, mit
einbezieht.
Im späteren Berufsfeld werde ich viel eicht mit Kindern oder/und Erwachsenen
arbeiten. Ich wählte mir das Thema Aggression und Geschlecht, da es überal
vertreten ist. Ich denke durch die Auseinandersetzung mit einem Thema, auch
wenn ich bisher nur einen verhältnismäßig kleinen Einblick hatte, erhält man eine
andere Sicht der Dinge. Es ist von hoher Relevanz später geschlechterspezifische
Unterschiede in den Lebenslagen der Klienten zumindest wahrzunehmen. Man
kann die Lage von seinen Klienten nie vol ständig verstehen oder durch Empathie
21 Vgl. Kleiter, Ekkehard, 2002: 45-51
10
nachempfinden, man kann aber versuchen dem nahe zu kommen. Daraus entsteht
die Notwendigkeit geschlechterspezifischer Angebote und Maßnahmen in der
Sozialen Arbeit. Viel eicht hätte ich ohne diese Facharbeit, ohne dieses Thema,
nicht erkannt, dass auch eine Mutter ohne offensichtliche Aggression auch
Aggressionen in sich trägt. Auch ich habe ein Bild, ein Muster, meine Schubladen.
Für mich ist die Facharbeit von Bedeutung, da ich auch meine ,,Schubladen
auskrame" und al tägliche Gegebenheiten hinterfrage und mich damit
weiterentwickle.
Quantitativ sind mehr Frauen als Männer in der Sozialen Arbeit vertreten, auch das
Thema Aggression kann ein Grund dafür sein. Denn Frauen sind nach der ,,Pro-
Identität" fürsorglich, liebevol , kinderlieb, anpassend, verstehend und einfühlsam.22
Also augenscheinlich nicht oder weniger aggressiv. Das dies nach dem Stand der
Forschung nicht so ist, ist auch für mich überraschend.
Geschlechterperspektiven finden in dem Studium der Sozialen Arbeit kaum den
adäquaten Stel enwert, obwohl es sich bei genauerer Betrachtung um Grundlagen
handelt. Wir werden in unserem Berufsfeld immer auf verschiedene Geschlechter
bzw. Geschlechterrol en treffen, auch werden wir immer auf Aggression treffen.
Deshalb finde ich dieses Thema für die Soziale Arbeit unerlässlich.
Ich denke das Ausmaß von Aggressivität ist nicht zu erfassen. Auch möchte ich
mein Fazit nicht mit klaren Ergebnissen beenden, damit ein eindeutiger Schluss
erkennbar wird. Mehr möchte ich aufzeigen wie vielfältig, ambivalent und
unterschiedlich Aggression, Menschen und kontextuel e Bedeutungen von
Geschlecht sind. Interessant ist, dass ich nicht einmal männlich oder weiblich
definiert habe, mir dennoch trotzdem klar ist, was ich meine. Vor al em aber
glaube ich, dass diese Arbeit dem Komplexen Thema oder Phänomen nicht
gerecht wird. Eigentlich ist es notwendig sich außerhalb von vereinfachten
Kategorisierungen mit dem Thema auseinandersetzen, aber auch ich habe einen
mir vorgegebenen Rahmen. Und trotzdem habe ich das Gefühl, diese Arbeit hat
nie ein Ende und hatte nie einen Anfang.
22 Vgl. Kleiter, Ekkehard, 2002:42
11
7.Literatur- und Quellenverzeichnis
- Bundeskriminalamt: Polizeiliche Kriminalstatistik, Bundesrepublik
Deutschland. Wiesbaden: 2006. 54. Ausgabe
- Hobmair, Hermann: Psychologie. Troisdorf: Bildungsverlag EINS. 1996
- Joas, Hans: Lehrbuch der Soziologie. Frankfurt am Main: Campus Verlag.
2003
- Kleiter, Ekkehard: Gender und Aggression- Männlcihe und weibliche
Aggression im Rahmen der Sozialpersönlichkeit bei Jugendlichen und
Erwachsenen. Weinheim und Basel: Beltz Verlag. 2002
- Micus, Christiane: Friedfertige Frauen und wütende Männer? Theorien und
Ergebnisse zum Umgang der Geschlechter mit Aggression. München:
Juventa Verlag. 2002
- Psychrembel- klinisches Wörterbuch, Fulda: de Gruyter. 2004
- http://www.uni-köln.de/phil-
fak/paedsem/psych/medien/ss04/geschlechtsunterschiede/aggression/Aggression.
ppt (Stand 27.03.2008)
- www.paed.uni-muenchen.de/~epp/studium-neu/epss06/VorlesungSS_10.ppt
(Stand 30.03.2008)
- www.diss.fu-berlin.de/2006/107/06FERTIG_MKLS_Theorie_04.pdf
(Stand 24.03.2008)
- www.uni-
regensburg.de/Fakultaeten/phil_Fak_II/Grundschul_Paedagogik/content/Habilitatio
n/A-sexunt/03pers.rtf (Stand 27.03.2008)
12
8. Anhang
Tabel e 1
Vgl. Bundeskriminalbericht, 2006: 268
13
Comments
No comments yet
Other users also were interested in the following titles:
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit - Formatvorlage / Vorlage für eine Hausarbeit für Microsoft Word
Author: GRIN VerlagPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2005 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit - Formatvorlage / Vorlage für eine Hausarbeit für OpenOffice.org
Author: GRIN VerlagPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2005 Download as PDF-file for 9,99 EUR
Formatvorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit / Vorlage zur Erstellung einer Hausarbeit
Author: Marco FeindlerPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2005 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Author: GRIN VerlagPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2008 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wissenschaftlichen Arbeit
Author: Zoran ZivkovicPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2004 Download as PDF-file for 5,99 EUR
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Author: Claudia NickelPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2006 Download as PDF-file for 4,99 EUR
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Author: Maik PhilippPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2004 Download as PDF-file for 5,99 EUR
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - Hausarbeiten - Seminararbeiten
Author: Mark RichterPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2008
This text can be quoted and accessed from this url: