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Subtitle: Die Entwicklung der europäischen Außenpolitik im Spannungsfeld von Vergemeinschaftung und nationalstaatlicher Souveränität (GASP, ESVP)
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 26 Pages
Author: Daniel Daimer
Subject: Politics - International Politics - Topic: European Union
Details
Institution/College: Free University of Berlin (Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft)
Tags: Nenner, Doppelhut, Möglichkeiten, Grenzen, Außen-, Sicherheitspolitik
Year: 2006
Pages: 26
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 26 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-21017-6
ISBN (Book): 978-3-640-21021-3
File size: 162 KB
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Abstract
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs prägte der Ost-West-Konflikt als globaler Konflikt die Weltordnung, standen die Außenpolitiken der (west-) europäischen Staaten unter dem Zeichen der Bipolarität und der Einbindung in die NATO. Der seit 1957 eingeleitete Ansatz der europäischen Integration beschränkte sich zunächst auf wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit, eine europäische Außenpolitik wurde für die folgenden 40 Jahre als „out of bounds“ betrachtet. Während die ökonomische, politische und gesellschaftliche Integration voranschritt, wurde die Sicherheit im Kalten Krieg durch die NATO (und damit durch die USA) und durch die Verteidigungsstärke der Mitgliedstaaten gewährleistet. Durch das Entstehen einer gemeinsamen politischen Ordnung für Europa, gab es immer wieder Ansätze, wenn nicht zu einer gemeinsamen Außenpolitik, so doch zu einer stärkeren Koordinierung und Absprache zwischen den Mitgliedsstaaten – die EPZ. Nach dem Ende des Kalten Krieges und dem Zusammenbruch der Sowjetunion sahen sich die europäischen Staaten neuen Herausforderungen ausgesetzt. Im EU-Vertrag von Maastricht wurde die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) geschaffen, die nunmehr als zweite Säule in einen einheitlichen institutionellen Rahmen mit der EG verbunden war. Trotzdem bleibt eine viel kritisierte Diskrepanz zwischen der wirtschaftlichen Macht der EU und ihrer außenpolitischen Stärke. Nicht zuletzt im Irakkonflikt schien Europa seine gemeinsame Stimme verloren zu haben. Im Rahmen dieser Arbeit wird die Entwicklung von der EPZ über die GASP im Maastrichter Vertrag bis zu ihrer Stellung im Verfassungsentwurf als historischer Transformationsprozess untersucht werden und die damit einhergehenden Veränderungen in den Mitteln und Verfahren einer europäischen Außenpolitik. Im ersten Teil wird die Entwicklung der koordinierten europäischen Außenpolitik im Rahmen der Europäischen Politischen Zusammenarbeit (EPZ) zwischen 1969 und 1991 untersucht werden. Der zweite Teil der Arbeit behandelt die GASP als zweite Säule der Tempelkonstruktion, wie sie durch den Maastrichter Vertrag von 1992 eingeführt wurde. Im dritten Teil wird die aktuelle Entwicklung vom Vertrag von Amsterdam von 1997 über die Europäische Sicherheitsstrategie zum Verfassungsentwurf des Konvents 2003 verfolgt. [...]
Excerpt (computer-generated)
Freie Universität Berlin
Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften
Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft
SoSe 2006
HS 15411: Möglichkeiten und Grenzen einer gemeinsamen
Außen- und Sicherheitspolitik der EU
Vom kleinsten gemeinsamen Nenner zum Doppelhut
Die Entwicklung der europäischen Außenpolitik im Spannungsfeld von Vergemeinschaftung
und nationalstaatlicher Souveränität
Daniel Daimer
Studiengang: Politikwissenschaft (Neue DPO)
Fachsemester: 6
Inhaltsverzeichnis
1
Einleitung und Fragestellung 3
2
Die Entwicklung der Europäischen Politischen Zusammenarbeit 5
2.1
Die EVG und die Fouchet-Pläne 5
2.2
Der Luxemburger Bericht 1970 6
2.3
Der Kopenhagener Bericht 1973 7
2.4
Der Londoner Bericht 1981 8
2.5
Die Einheitliche Europäische Akte 1986 9
3
Die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik im Maastrichter Vertrag 11
3.1
EPZ oder GASP? 11
3.2
Der institutionelle Rahmen der GASP 12
3.3
Das Kohärenzgebot in der europäischen Außenpolitik 13
3.4
Die Zielsetzungen der GASP 13
3.5
Die Instrumente und Entscheidungsverfahren der GASP 14
4
Neuere Entwicklungen in der GASP 16
4.1
Die GASP im Vertrag von Amsterdam 16
4.2
Die institutionelle Struktur der GASP nach Amsterdam 17
4.3
Sicherheitsstrategie und Verfassungsentwurf 19
5
Fazit und Schluss 22
6
Literaturverzeichnis: 24
2
1 Einleitung und Fragestellung
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs prägte der Ost-West-Konflikt als globaler Konflikt
die Weltordnung, standen die Außenpolitiken der (west-) europäischen Staaten unter dem
Zeichen der Bipolarität und der Einbindung in die NATO. Der seit 1957 eingeleitete Ansatz
der europäischen Integration beschränkte sich zunächst auf wirtschaftliche und politische
Zusammenarbeit, eine europäische Außenpolitik wurde für die folgenden 40 Jahre als ,,out of
bounds" betrachtet.1 Während die ökonomische, politische und gesellschaftliche Integration
voranschritt, wurde die Sicherheit im Kalten Krieg durch die NATO (und damit durch die
USA) und durch die Verteidigungsstärke der Mitgliedstaaten gewährleistet. Durch das
Entstehen einer gemeinsamen politischen Ordnung für Europa, gab es immer wieder Ansätze,
wenn nicht zu einer gemeinsamen Außenpolitik, so doch zu einer stärkeren Koordinierung
und Absprache zwischen den Mitgliedsstaaten die EPZ.
Nach dem Ende des Kalten Krieges und dem Zusammenbruch der Sowjetunion sahen sich die
europäischen Staaten neuen Herausforderungen ausgesetzt. Im EU-Vertrag von Maastricht
wurde die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) geschaffen, die nunmehr als
zweite Säule in einen einheitlichen institutionellen Rahmen mit der EG verbunden war.2
Trotzdem bleibt eine viel kritisierte Diskrepanz zwischen der wirtschaftlichen Macht der EU
und ihrer außenpolitischen Stärke. Nicht zuletzt im Irakkonflikt schien Europa seine
gemeinsame Stimme verloren zu haben.
Im Rahmen dieser Arbeit wird die Entwicklung von der EPZ über die GASP im Maastrichter
Vertrag bis zu ihrer Stellung im Verfassungsentwurf als historischer Transformationsprozess
untersucht werden und die damit einhergehenden Veränderungen in den Mitteln und
Verfahren einer europäischen Außenpolitik. Im ersten Teil wird die Entwicklung der
koordinierten europäischen Außenpolitik im Rahmen der Europäischen Politischen
Zusammenarbeit (EPZ) zwischen 1969 und 1991 untersucht werden. Der zweite Teil der
Arbeit behandelt die GASP als zweite Säule der Tempelkonstruktion, wie sie durch den
Maastrichter Vertrag von 1992 eingeführt wurde. Im dritten Teil wird die aktuelle
Entwicklung vom Vertrag von Amsterdam von 1997 über die Europäische
Sicherheitsstrategie zum Verfassungsentwurf des Konvents 2003 verfolgt. Dabei wird die
1 Vgl. Deighton, Anne, The European Security and Defence Policy, in: JCMS 40/2002, S. 721.
2 Vgl. Schröder, Maximilian H., Von der EPZ zur GASP. Versuch einer Bilanz, in: Integration 3/97, S. 189.
3
Geschichte der EPZ und GASP chronologisch als Wettstreit von intergouvernementalen und
supranationalen Kräften der Integration betrachtet werden. Schließlich wird überprüft werden,
ob sich entlang dieses ,,roten Fadens" Muster einer fortschreitenden Integration der
Außenpolitik erkennen lassen.
Um den gegeben Rahmen nicht zu sprengen wird Außenpolitik im Sinne von Außenhandels-
oder Entwicklungspolitik ebenso wenig betrachtet werden, wie die Erweiterungsrunden der
EU. Des weiteren kann nur am Rande auf die weltpolitischen Umstände eingegangen werden,
obwohl die untersuchten Verträge und Entwicklungen selbstverständlich nicht im ,,luftleeren
Raum" entstanden sind, sondern von diesen Umständen beeinflusst und teilweise erst
angestoßen sind.
Die Auswahl an Literatur zu den Themen ,,Europäischen Politische Zusammenarbeit " und
,,Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik" ist riesig. Für die chronologische Entwicklung
der europäischen Außenpolitik in EG, EPZ und GASP wurden dieser Arbeit neben
verschiednen Standardwerken besonders die Monographien von Frank R. Pfetsch, Jan Höhn
und Marc Gottschald zugrunde gelegt. 3 Des Weiteren wurden die Texte der Verträge und
Berichte untersucht. Zur neuesten Entwicklung sind die Artikel von Wolfgang Wessels und
Thomas Risse zu nennen, bei der Analyse nimmt der deliberative Ansatz von Helene Sjursen
eine zentrale Stellung ein.4
3 Pfetsch, Frank R., Die Europäische Union. Eine Einführung, München 1997; Höhn, Jan, Außenpolitik der EG-
Staaten im Fall der KSZE. Geschichte, Struktur, Entscheidungsprozess, Aktion, Möglichkeiten und Grenzen,
München 1978; Gottschald, Marc, Die GASP von Maastricht bis Nizza, Baden-Baden 2001.
4 Wessels, Wolfgang, Der Verfassungsvertrag im Integrationstrend. Eine Zusammenschau zentraler Ergebnisse,
in: Integration 4/2003, S. 284 - 300; Risse, Thomas, Auf dem Weg zu einer gemeinsamen Außenpolitik? Der
Verfassungsentwurf und die europäische Außen- und Sicherheitspolitik, in: Integration 4/2003, S. 564 575;
Sjursen, Helene, Understanding the Common Foreign and Security Policy: Analytical Building Blocs, ARENA
Working Paper 9/03, www.arena.uio.no/publications/wp03_9.pdf, Zugriff 30.7.2004.
4
2 Die Entwicklung der Europäischen Politischen Zusammenarbeit
2.1 Die EVG und die Fouchet-Pläne
Die ersten Ansätze einer gemeinschaftlich koordinierten Außenpolitik lassen sich 1950 in
dem Plan des französischen Ministerpräsidenten René Pleven für eine Europäische
Verteidigungsgemeinschaft (EVG), angesiedelt im institutionellen Rahmen der Montanunion
finden.5 Geplant war die Aufstellung einer europäischen Armee. Der Gründungsvertrag zur
EVG wurde tatsächlich von allen Regierungen der Mitglieder der Montanunion am 25.5.1952
unterzeichnet. Der Vertrag scheiterte jedoch, als die französische Nationalversammlung am
30.8.1954 die Beratungen über die EVG unterbrach. Der nächste Versuch, einen politischen
Rahmen der Zusammenarbeit zwischen den EWG-Staaten zu schaffen, eingeschlossen einer
außenpolitischen Komponente, waren die Fouchet-Pläne 1961 / 1962. Wieder scheiterte das
Vorhaben an unterschiedlichen Integrationsvorstellungen der Franzosen gegenüber den
anderen EWG-Staaten.
Erst das Scheitern beider Pläne war der Anlass, eine schrittweise Teilintegration auf
wirtschaftlichem Gebiet quasi als Minimallösung durchzuführen. 6 Und im Übrigen hatte
bereits die Idee der EGKS einen politischen Hintergrund: ,,Aufrechterhaltung friedlicher
Beziehungen", so steht es in der Präambel des EGKS-Vertrages, Versöhnung verfeindeter
Nationen, Kontrolle Deutschlands. Auch die Montanunion war letztlich als erster Schritt auf
dem Weg zu einem langfristig auf eine Politische Union angelegten Ziel konzipiert worden.
Das Bewusstsein über die Notwendigkeit einer gemeinsamen europäischen Außenpolitik war
bei den europäischen Staatsmännern also durchaus gegeben. An der Aufstellung eines für alle
EWG-Staaten verfolgbaren Konzepts scheiterte man jedoch.
5 Zur folgenden Darstellung, vgl. Glöckler-Fuchs, Juliane, Institutionalisierung der europäischen Außenpolitik,
München/Wien 1997, S. 80 96.
6 Vgl. Kneuer, Marianne, Die Erweiterungspolitik Europas als politisches Ziel. Eine Analyse der Beweggründe
des europäischen Einigungsprozesses, in: PM 413/2004, S.25.
5
2.2 Der Luxemburger Bericht 1970
Den Anstoß für die Entwicklung einer allgemeinen europäischen Außenpolitik gaben die
Staats- und Regierungschefs der EG-Mitgliedstaaten am 2. Dezember 1969 auf ihrem Gipfel
in Den Haag, indem ,,sie [...] die Außenminister mit der Prüfung der Frage [beauftragten],
wie, in der Perspektive der Erweiterung, am besten Fortschritte auf dem Gebiet der
politischen Einigung erzielt werden können".7 In der Folge entstand der Luxemburger
Bericht, der die Europäische Politische Zusammenarbeit EPZ, den Vorläufer der heutigen
Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik GASP, begründete. Verabschiedet am 27.
Oktober, sollte auf europäischer Ebene ein Konsultationsmechanismus zu Fragen der
Außenpolitik errichtet werden und eine Abstimmung der einzelstaatlichen Standpunkte
erfolgen. Der Grundgedanke des Luxemburger Berichts war die Möglichkeit zur praktischen
außenpolitischen Zusammenarbeit, allerdings auf der Basis des kleinsten gemeinsamen
Nenners. Diese Einstellung kristallisierte sich zum kennzeichnenden Merkmal der EPZ
heraus.8
Als Instrumente sah der Luxemburger Bericht zum Ersten halbjährliche Tagungen der
Außenminister vor, die sich ansonsten im Ministerrat der EG, zweimal jährlich im NATO-Rat
und dreimal im Rat der WEU trafen. Im Falle von aktuellen Krisensituationen sollte es auch
möglich sein, dass die Regierungen zu außerordentlichen Konsultationen zusammentrafen.9
Die Treffen wurden von einem Politischen Komitee vorbereitet, das sich aus den Leitern der
Politischen Abteilungen der damals sechs Außenministerien zusammensetzte. Das Komitee
konnte Arbeitsgruppen zur thematischen (nicht organisatorischen) Bearbeitung von
außenpolitischen Sonderaufgaben einsetzen. Von der Errichtung eines gemeinsamen
Sekretariats wurde abgesehen, da dieses den auf nationale Souveränität bedachten Staaten zu
gemeinschaftlich wirkte.10 Der Kommission und der Europäischen Parlamentarischen
7 Kommuniqué der Konferenz der Staats- und Regierungschefs der EG-Mitgliedstaaten vom 2.
Dezember 1969 in Den Haag, abgedruckt in: Auswärtiges Amt (Hrsg.), Dokumentation: Gemeinsame Außen-
und Sicherheitspolitik der Europäischen Union (GASP), Bonn 1994, S. 30.
8 Vgl. Höhn, Außenpolitik, S.104.
9 Vgl. Luxemburger Bericht: Erster Bericht der Außenminister an die Staats- und Regierungschefs der EG-
Mitgliedstaaten vom 27. Oktober 1970, abgedruckt in: Auswärtiges Amt (Hrsg.), Dokumentation: Gemeinsame
Außen- und Sicherheitspolitik der Europäischen Union (GASP), Bonn 1994, S. 33ff.
10 Vgl. Pfetsch, Europäische Union, S.211.
6
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