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Scholary Paper (Seminar), 2005, 18 Pages
Author: Matthias Krüger
Subject: History - Middle Ages, Early Modern
Details
Institution/College: Ernst Moritz Arndt University of Greifswald (Historisches Institut)
Tags: Fluchtlinien, Planung, Stadt, Mittelalters, Bürgerhaus, Genese, Formen, Nutzung
Year: 2005
Pages: 18
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 24 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-21287-3
File size: 117 KB
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Abstract
Die Neubildung der europäischen Stadt vollzog sich auf der Grundlage des Feudalsystems. Aus dem Zusammenschluss von politisch-herrschaftlicher Funktion und Marktfunktion entstand in den Jahrhunderten des Mittelalters die Bürgerstadt. „Mit dem Feudalsystem war die Siedlungsdreiheit von Burg, Stadt und Dorf verbunden.“ In Abhängigkeit zum feudalen Oberbau separierten sich vor allem drei Gesellschaften: Burg, Stadt und Land und damit Adel, Bürger und Bauern. Trotz dieser Trennung waren sie in vielfältiger Weise, vor allem in Wirtschaftsbeziehungen, funktionell verknüpft. Während die Grundherrschaft über die Gemeinden unverändert blieb, ist es einer großen Zahl von Städten in der Zeit der Desorganisation der Feudalgewalten gelungen, sich aus dieser Abhängigkeit zu befreien. Es entstanden die freien Reichsstädte in Deutschland, die „villes franches“ in Frankreich, die „villa franca“ in Italien und die „freetowns“ in Großbritannien.“ Aus diesen unabhängig gewordenen Städten sind Städtebünde, wie der Nürnberger Städtebund und als größte Organisation des Mittelalters die Hanse, entstanden. Die Zersplitterung der Feudalgesellschaft brachte die Ständegesellschaft hervor, welche sich aufgrund der besitzmäßigen Trennung von Stadt und Land dazu gezwungen sah, sich mit der Produktion von materiellen Gütern und Diensten einen virtuellen Lebensraum zu schaffen. Die Stadt nahm in der politischen Landschaft des Mittelalters eine privilegierte Stellung ein. Als freie Reichsstadt oder als Stadtstaat besaß sie alle Institutionen und Aufgabenbereiche, welche dann später vom absolutistischen Flächenstaat übernommen wurden. Dazu zählten Verteidigung, Rechtssprechung, Aufgabenbereiche der sozialen und technischen Infrastruktur (beispielsweise Schulen, Spitäler, Sicherhäuser und Bäder) und Kontrollfunktionen über die ökonomische und bauliche Tätigkeit der Bürger. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, insbesondere dem der Verteidigung, bedurfte es einem gewissen Maße an planerischer Tätigkeit. Auch Stadterweiterungen, die Grundstücksvergabe, der Bau eines Hafens oder die Anlegung eines Marktes erforderten planerisches Geschick, damit beispielsweise diese Institutionen in der Bevölkerung Anklang fand. Nicht desto trotz herrscht in der heutigen Literatur zur Erforschung der mittelalterlichen Stadt Unstimmigkeit bezüglich der Planung der Stadt im Mittelalter. Die Meinungen der Wissenschaftler driften dabei stark auseinander.
Excerpt (computer-generated)
Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald
Historisches Institut
Proseminar: Das hansische Bürgerhaus Genese, Formen und Nutzung
Thema der Hausarbeit:
Fluchtlinien und Planung in der Stadt des Mittelalters
Hauptfächer: Geschichtswissenschaft/Politikwissenschaft
von
Matthias Krüger
Inhaltsverzeichnis
I.
Einleitung
S. 03
II.
Begrifflichkeiten
S. 04
III.
Stadtentstehung
S. 05
a. Voraussetzungen und Ursprünge
S. 05
b. Gründe für das Anlegen einer Stadt
S. 07
c. Die Gründungsstadt
S. 08
d. Probleme beim Städtebau
S. 10
IV.
Geplante oder gewachsene Stadt?
S. 11
V.
Fluchtlinien als Bestandteil der Stadtplanung
S. 12
VI.
Schluss
S. 14
VII. Literaturverzeichnis
S. 16
2
I.
Einleitung
Die Neubildung der europäischen Stadt vollzog sich auf der Grundlage des Feudalsystems.
Aus dem Zusammenschluss von politisch-herrschaftlicher Funktion und Marktfunktion
entstand in den Jahrhunderten des Mittelalters die Bürgerstadt.1 ,,Mit dem Feudalsystem
war die Siedlungsdreiheit von Burg, Stadt und Dorf verbunden."2 In Abhängigkeit zum
feudalen Oberbau separierten sich vor allem drei Gesellschaften: Burg, Stadt und Land und
damit Adel, Bürger und Bauern. Trotz dieser Trennung waren sie in vielfältiger Weise, vor
allem in Wirtschaftsbeziehungen, funktionell verknüpft. Während die Grundherrschaft über
die Gemeinden unverändert blieb, ist es einer großen Zahl von Städten in der Zeit der
Desorganisation der Feudalgewalten gelungen, sich aus dieser Abhängigkeit zu befreien. Es
entstanden die freien Reichsstädte in Deutschland, die ,,villes franches" in Frankreich, die
,,villa franca" in Italien und die ,,freetowns" in Großbritannien." Aus diesen unabhängig
gewordenen Städten sind Städtebünde, wie der Nürnberger Städtebund und als größte
Organisation des Mittelalters die Hanse, entstanden.3 Die Zersplitterung der
Feudalgesellschaft brachte die Ständegesellschaft hervor, welche sich aufgrund der
besitzmäßigen Trennung von Stadt und Land dazu gezwungen sah, sich mit der Produktion
von materiellen Gütern und Diensten einen virtuellen Lebensraum zu schaffen.
Die Stadt nahm in der politischen Landschaft des Mittelalters eine privilegierte Stellung
ein. Als freie Reichsstadt oder als Stadtstaat besaß sie alle Institutionen und
Aufgabenbereiche, welche dann später vom absolutistischen Flächenstaat übernommen
wurden. Dazu zählten Verteidigung, Rechtssprechung, Aufgabenbereiche der sozialen und
technischen Infrastruktur (beispielsweise Schulen, Spitäler, Sicherhäuser und Bäder) und
Kontrollfunktionen über die ökonomische und bauliche Tätigkeit der Bürger. Um diesen
Anforderungen gerecht zu werden, insbesondere dem der Verteidigung, bedurfte es einem
gewissen
Maße
an
planerischer
Tätigkeit.
Auch
Stadterweiterungen,
die
Grundstücksvergabe, der Bau eines Hafens oder die Anlegung eines Marktes erforderten
planerisches Geschick, damit beispielsweise diese Institutionen in der Bevölkerung
Anklang fand. Nicht desto trotz herrscht in der heutigen Literatur zur Erforschung der
mittelalterlichen Stadt Unstimmigkeit bezüglich der Planung der Stadt im Mittelalter. Die
Meinungen der Wissenschaftler driften dabei stark auseinander. Während die Einen den
1 Hotzan, Jürgen: dtv-Atlas zur Stadt Von den ersten Gründungen bis zur modernen Stadtplanung,
München, 1994, S. 31.
2 Lichtenberger, Elisabeth: Die Stadt Von der Polis zur Metropolis, Darmstadt, 2002, S. 22.
3 Ebd.
3
Menschen des Mittelalters planerische Tätigkeit nur bedingt zusprechen und eher von einer
gewachsenen Stadt ausgehen, die dann im Nachhinein überformt wurde, gehen Andere
davon aus, dass eine Fläche vermessen und abgesteckt wurde, und sich dann praktisch aus
dem Nichts eine neue Stadt entwickelte. Dieser Diskrepanz in der Forschungsliteratur
widmet sich diese Hausarbeit. Es soll der Versuch unternommen werden, eine Antwort auf
die Frage zu geben, ob die mittelalterliche Stadt geplant wurde und in welchem Ausmaß
sich die Planung vollzog. Unabkömmlich dafür ist es zunächst zu untersuchen, was der
Begriff Stadt im Mittelalter bedeutet. Im Anschluss daran soll gezeigt werden, wie die
mittelalterlichen Städte entstanden sind und wo die Ursprünge der ,,deutschen" Stadt liegen.
Die Anlässe für eine Stadtgründung sind ebenso Thema des dritten Kapitels wie das
Phänomen der Gründungsstadt. An deren Beispiel lässt sich am ehesten planerisches
Handeln nachvollziehen und auch belegen. Thema des sich anschließenden Kapitels sind
die vielfältig auftretenden Probleme beim Städtebau im Mittelalter, Wasser als
unabkömmlicher Faktor für eine Stadt ist hier von besonderer Bedeutung. Im fünften wird
kurz darauf eingegangen welche der beiden Theorien, ob gewachsene oder geplante Stadt,
am schlüssigsten ist. Im letzten Abschnitt wird dann die Fluchtlinie oder auch Baulinie als
Teil der planerischen Tätigkeit behandelt.
II.
Begrifflichkeiten
Die mittelalterliche Stadt lässt sich nur schwer mit unserem heutigen Verständnis von einer
Stadt vergleichen. So ist der willkürliche Schwellenwert von 2000 Einwohnern nicht
zutreffend für eine Stadt im Mittelalter. Der Großteil der Städte blieb weit unter diesem
Wert. Auch der städtische Mauerring, in seiner rechtlichen und militärischen Bedeutung,
bietet nicht genügend Aussagekraft. Die Befestigung einer Stadt ergibt kein zureichendes
definitorisches Kriterium, da es durchaus befestigte Marktflecken und Dörfer gegeben hat,
und sich anderseits gelegentlich unbefestigte Städte finden lassen.4 Die Stadtbefestigung
war eher eine zeitbedingte ,,Modeerscheinung" die dem Schutzbedürfnis der Bürger
entsprang. Sie war sicherlich sehr wirkungsvoll, da ,,die Art der Kriegsführung im
Mittelalter auf die politische Nötigung des Gegners durch Schädigung abzielte und nicht
auf die Schlachtenentscheidung auf freiem Felde, und der Vorteil klar in der Defensive
lag."5 Dennoch markiert die Mauer den Bereich eines besonderen Stadtrechts, ,,... nämlich
4 Isenmann, Eberhard: Die deutsche Stadt im Spätmittelalter 1250 1500, Stadtgestalt, Recht, Stadtregiment,
Kirche, Gesellschaft, Wirtschaft, Stuttgart, 1988, S. 20.
5 Ebd., S. 21.
4
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