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Presentation (Pre-University), 2007, 9 Pages
Author: Felix Schäfer
Subject: German - Discussion and Essays
Details
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Fulltext (computer-generated)
Vergleichende Analyse eines klassischen und eines
modernen Gedichts
Ich werde mich in dieser Arbeit mit den folgenden Gedichten zunächst einzeln
beschäftigen und diese daraufhin vergleichen: "Das Göttliche" von Johann Wolfgang
von Goethe aus dem Jahre 1783, und "Nur zwei Dinge" von Gottfried Benn von
1953.
Johann Wolfgang von Goethe: Das Göttliche
Das Gedicht "Das Göttliche" schrieb Goethe in der Übergangszeit von Sturm und
Drang und Klassik. Er befasst sich darin mit den Idealen, die ein edler Mensch
anzustreben hat. Als Vorbild des Menschen diene eben "das Göttliche"; man solle
sich ein Beispiel an den "höheren Wesen" nehmen, um einen idealen, humanen
Verstand zu erlangen. Das Gedicht ist in neun Strophen eingeteilt; es ist kein festes
Reimschema zu erkennen. Allgemein scheint sich Goethe in diesem Text eher auf
die inhaltlichen Aspekte als auf die Form zu konzentriert zu haben.
In der ersten Strophe nennt Goethe die ersten Tugenden eines jeden Menschen:
"Edel sei der Mensch, Hilfreich und gut!"(z.1,2). Diese allein unterschieden ihn von
"allen (anderen) Wesen"(z.5). Die Fähigkeit, gut und hilfreich zu sein, unterscheide
uns also zum Beispiel von Tieren, die ausschließlich triebgesteuert handeln. Goethe
richtet seine ersten Worte hier indirekt an den Leser, indem er den Konjunktiv
verwendet. Es ist darüber hinaus ein Postulat an die Gesellschaft, diesen Idealen zu
folgen. Diese Idealvorstellung präzisiert er in den folgenden Strophen.
In der zweiten Strophe spricht er per Metapher die Götter als "unbekannte, höhere
Wesen"(z.7.8) an, die als beispielhafte Vorbilder zur Bildung menschlicher Ideale
anzusehen seien:
"Ihnen gleiche der Mensch.."(z.10).
Die folgenden beiden Strophen stellen die Rolle der Natur in diesem Zusammenhang
dar. Sie wird hier als Gegensatz zum Menschen dargestellt, da sie "unfühlend"(z.13)
- gemeint ist hier eher unparteiisch - sei. Sie unterscheide nicht zwischen "böse und
gut", und behandle Verbrecher wie jeden anderen auch: "Und dem Verbrecher /
Glänzen wie dem Besten / Der Mond und die Sterne."(z.17-20). Weiterhin
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thematisiert Goethe die unberechenbare Naturgewalt. Er spricht hier von Kräften wie
Wind, Flüssen und Gewittern, die ebenfalls jeden unerwartet mitreißen und ergreifen
könnten:"Und ergreifen / Vorübereilend / Einen um den andern."(z.23-25).
In der fünften Strophe behauptet Goethe, das Glück sei ebenso zufällig und neutral.
Mal treffe es "des Knaben / lockige Unschuld"(z.28,29), mal "den kahlen / Schuldigen
Scheitel"(z.30,31). Das Glück unterscheide also ebensowenig zwischen Schuldigen
und Unschuldigen. Goethe verwendet hier die Jugend als Symbol der Unschuld, das
Alter als Symbol des Sünders.
Indem er die Natur und das Glück personifiziert, versucht er, sein Beispiel klarer
darzustellen: "unfühlend ist die Natur"(z.13,14) bzw. "...das Glück / Tappt unter die
Menge"(z.26,27).
Die sechste Strophe weist auf die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens hin. Das
hier erwähnte "ewige, ehrne, / Große Gesetz"′(z.32-33) kann als das natürliche
Gesetz der Sterblichkeit gedeutet werden. Diesem Gesetz müsse der Mensch sich
unterordnen, und könne ihm nicht entfliehen: "...Müssen wir alle / Unseres Daseins /
Kreise vollenden."(z.34-36).
Nachdem die Natur und das Glück neutral seien, könne nur der Mensch "das
Unmögliche"(z.38) vollziehen. Er könne eben diese Unterscheidung zwischen Gut
und Böse durchführen und so "wählen und richten"(z.12), "Den Guten lohnen, / Den
Bösen strafen"(z.44,45). Goethe lässt hier die vorher so hoch angepriesenen Götter
außen vor und stellt den Menschen als Vertreter der göttlichen Gerechtigkeit dar.
Hiernach eröffnet Goethe weitere Ideale eines edlen Lebens: man solle "heilen und
retten"(z.46), also Mitgefühl zeigen und danach Handeln, und seine Vernunft
anwenden, um "Alles Irrende, Schweifende / Nützlich (zu) verbinden."(z.47,48)
Gemeint ist die Fähigkeit des Menschen, hilfreiche Zusammenhänge in vorher
verworrenen Dingen zu erkennen und zu nutzen. Außerdem wird die Fähigkeit des
Menschen erläutert, "...dem Augenblick / Dauer zu verleihen."(z.41,42). Goethe
könnte hier das Erinnerungsvermögen meinen, das es den Menschen ermöglicht, in
den Erinnerungen anderer dem in Strophe sechs beschriebenen Kreislauf der
Vergänglichkeit zu entfliehen. So könnte eine zu Lebzeiten beliebte Person in den
Erinnerungen ihrer Bekannten eine Art Unsterblichkeit erreichen.
In der darauf folgenden neunten Strophe wird die Bedeutung der
"Unsterblichen"(z.50) dargelegt. Dies könnte man erneut als Metapher für das
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Göttliche interpretieren, die der Mensch zum Erlangen des Idealzustands
nachahmen soll: "Täten im Großen, / Was der Beste im Kleinen / Tut oder
möchte".(z.52-54). Weiterhin bemerkt Goethe, man verehre diese Wesen "als wären
sie Menschen"(z.51). Dieses menschengeschaffene Götterbild als unsterbliche,
ideale, menschenähnliche Wesen bringt den Mensch und das Göttliche auf ähnliche
Ebenen, was es den Menschen erleichtert, an sie zu glauben und sie als Vorbild zu
betrachten.
Man könnte diese Strophe jedoch auch anders interpretieren. So könnte Goethe mit
den "Unsterblichen" die Menschen meinen, die aufgrund ihrer edlen Taten im
Gedächnis der Nachwelt bleiben(Strophe 7). Die Handlungsweisen dieser
"Unsterblichen", die die lebenden Menschen "verehren, als wären sie
Menschen"(z.50-51), müsse man nachahmen, um selber diese Unsterblichkeit zu
erlangen. Die Flucht aus dem Kreislauf der Vergänglichkeit ist für einen Menschen
jedoch nur bedingt möglich: So kann sein Geist doch noch sterben, wenn er
irgendwann vergessen wird. Im Vergleich hierzu wäre die Unsterblichkeit der Götter
bedingungslos, da sie nicht an Erinnerungen gebunden sind, und auch nicht den
natürlichen Tod fürchten müssen. Vielleicht lässt Goethe die Bedeutung dieser
Strophe bewusst offen, um weiter die Ähnlichkeit des Göttlichen und des edlen,
humanen Menschen zu zeigen.
Mit der letzten Strophe kommt Goethe an den Anfang zurück, mit leicht geänderter
Formulierung wiederholt er die ersten beiden Verse. Zusätzlich spricht er den Fleiß
als Tugend an, mit der der Mensch "unermüdet.../ Das Nützliche, Rechte"(z.57,58)
schaffen solle. Mit den abschließenden Versen 59 und 60, "(der edle Mensch...) Sei
uns ein Vorbild / Jener geahneten Wesen ", setzt Goethe das Göttliche und den
edlen Menschen endgültig auf eine Ebene. Man müsse sich an den Göttern
orientieren, die erwähnten Ideale anstreben, um selbst auf eine gottähnliche Ebene
zu gelangen, die einen zwar nicht vom Kreislauf der physischen Sterblichkeit befreie,
auf der man allerdings die Unsterblichkeit in den Gedanken anderer finden könne.
Das Gedicht lässt sich in mehrere Bereiche aufteilen: Inhaltlich ist zu erkennen, dass
die Strophen eins und zehn bzw. zwei und neun symmetrisch zusammengehören.
Die erste und letzte Strophe geben hier sowohl den inhaltlichen als auch die
formellen Rahmen des Gedichts an. Die Strophen zwei und neun unterstreichen
beide die Bedeutung des Göttlichen und umgreifen daher ebenfalls inhaltlich das
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Gedicht. Weiterhin stimmen inhaltliche und formelle Zäsuren überein, wobei die
Strophen drei und vier, die Natur behandelnd, zusammengehören, ebenso wie die
Strophen sieben und acht, die Aufgaben und Fähigkeiten des Menschen
behandelnd, eine Einheit bilden.
Die länge der einzelnen Strophen variiert, wobei der Großteil aus sechs Versen
besteht. Die abweichenden Strophen scheinen aber nicht bewusst eine veränderte
Länge zu haben; Sie ist eher auf die Länge der jeweiligen Inhalte, die Goethe
vermitteln will, zurückzuführen.
Weiterhin auffällig ist die konsequente Benutzung von Metaphern zum Ausdrücken
der Götter und des Göttlichen. Tatsächlich taucht im Gedicht kein Wort des
Wortstamms "Gott" auf, was bei dem Titel verwunderlich wirkt aber vielleicht auch
gewollt ist. So hält es Goethe allgemein, sodass ein jeder das für sich passende
Götterbild einsetzen kann und die Möglichkeit der persönlichen Interpretation
entsteht.
Zusammenfassend kann man dieses Gedicht der Klassik zuordnen: Die Vorstellung
der gesellschaftlichen Ideale, das Anstreben der Humanität und der vernunftgeprägte
Bezug auf das Göttliche weisen klar darauf hin. Gegen eine Einodnung zur Klassik
spricht die äußere Form: Goethe hält sich an kein Versmaß, ein Reimschema fehlt
ebenfalls. Das Gedicht hätte in dieser Form wohl auch als Prosatext gedruckt werden
können. Trotz offener Form liest sich das Gedicht aufgrund der doch sehr lyrischen
Sprache äußerst flüssig.
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Gottfried Benn: Nur zwei Dinge
Das Gedicht "Nur zwei Dinge" wurde von Gottfried Benn in der Nachkriegszeit
geschrieben. Der Autor, der zu Lebzeiten (1886-1956) sowohl den Ersten als auch
den Zweiten Weltkrieg erlebte, wurde durch den von seinem Beruf als Militärarzt und
Pathologe geprägten Schreibstil bekannt. Benn erfuhr folglich viel Leid und hinterließ
diesen Eindruck auch in seinen Werken. So auch in diesem Gedicht, das er wenige
Jahre vor seinem Tod schrieb. Er beschreibt die Sinnlosigkeit und Vergänglichkeit
des Lebens. Man könnte den Text auch als indirekte Kritik an der Gesellschaft
deuten. Das Stück teilt sich in 3 Strophen auf, die den Vorgang der Desillusionierung,
also der Erkenntnis, dass das Leben an sich sinnlos ist, stufenweise aufbauen. Auf
weitere formale Eigenschaften werde ich weiter unten zu sprechen kommen.
In der ersten Strophe formuliert der Autor die These, dass einen die Frage nach dem
Sinn des Lebens in einer jeden Situation stets weitertreibe: "Durch so viel Formen
geschritten, / durch Ich und Wir und Du, / doch alles blieb erlitten / durch die ewige
Frage: wozu?". Die Frage scheint für Benn nicht beantwortbar, er bezeichnet sie als
"ewig". Mit der Formulierung "durch Ich und Wir und Du"(z. 1-4) möchte er
möglicherweise eine Verbindung zwischen sich selbst und dem Leser herstellen. Er
verbindet sich zunächst selbst mit dem Leser ("ich und wir..."), schließt dann direkt
auf ihn und spricht ihn an ("...und du"). Mit der Frage "wozu?"leitet er die nächsten
Strophe ein.
Die folgende Strophe negiert im Prinzip die erste wiederum: Benn behauptet, die
Frage nach dem Sinn des Lebens sei eine "Kinderfrage"(z.5). Gemeint ist hier, dass
die Frage an sich naiv ist, da man sie nicht beantworten könne. Der Autor legt dar,
man müsse das "fernbestimmte"(z.9) ertragen, sich quasi dem Schicksal beugen. Es
gebe keinen Sinn im Leben, es bestehe nur darin, zu ertragen, ohne nachzufragen:
"...ertrage / ob Sinn,ob Sucht,.ob Sage"(z.8).
In der letzten Strophe kommt Benn auf den Titel an sich zu sprechen; er bestimmt
die "zwei Dinge". Zunächst führt Benn einen Vergleich der Natur und des
menschlichen Lebens durch. Er spricht hier die Vergänglichkeit an: "Ob Rosen, ob
Schnee, ob Meere, / was alles erblühte, verblich"(z.10,11) . Für ihn gebe es im Leben
nur zwei Dinge: "die Leere / und das gezeichnete Ich"(z.12,13). Mit der Leere meint
Benn hier das Fehlen jeglichen Sinns in den Handlungen des Menschen. Das
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"gezeichnet(e) (Ich)" kann man im wahrsten Sinne des Wortes verstehen. Das
Individuum wird von der Gesellschaft gezeichnet, ihm wird also eine bestimmte
Aufgabe und Stellung aufgeprägt (oder aufgezeichnet), der er sich fügen muss.
Im Verlauf des Gedichtes scheint der Autor die radikale Ernüchterung des sinnvollen
Lebens zu vollführen. Er kritisiert die Gesellschaft, die im Endeffekt für diese passive
Abhängigkeit verantwortlich ist. Benn scheint aber auch keine Lösung zum Problem
zu kennen, er möchte nur darauf aufmerksam machen. Die Stimmung des Gedichts
könnte man als fatalistisch, also schicksalsergeben, ja fast als melancholisch
beschreiben.
Formal lässt sich folgendes feststellen: die erste und letzte Strophe folgen dem
Schema eines Kreuzreims; es lässt sich hierzu auch ein inhaltlicher Zusammenhang
zwischen den sich reimenden Versen finden: "Durch so viele Formen geschritten,...
doch alles bleib erlitten"(z.1,3). Die 2. Strophe varriert in der Länge, sie ist fünf Verse
lang und folgt dem Reimschema "abaab".Die hinzugefügte mittlere Strophe "es gibt
nur eines: ertrage"(z.7) könnte man als Mitte des Gedichts deuten. Es steht genau
bei der Hälfte der Verse und drückt eine, wenn nicht die zentrale These des Gedichts
aus: das passive Ertragen des fernbestimmten.
Allgemein passt das Gedicht zur Nachkriegsstimmung; Benn, der unter den
Nationalsozialisten schreibverbot erhalten hatte, drückt in diesem Gedicht seine Kritik
an der Gesellschaft aus und möchte den Leser desillusionieren. Er möchte die
Illusion des sinnvollen Menschenlebens aufheben und zeigen, dass ein Leben ohne
Sinn nur von Schicksalsergebenheit geprägt sein kann.
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Vergleich
Anmerkung: Da nach der getrennten Analyse die Kernthesen der beiden Gedichte
mit Textbezug (Angaben von Zitaten und Zeilen) soweit klar sein dürfte, habe ich im
Vergleich hiervon abgesehen.
Die Gedichte lassen sich in verschiedenen Punkten vergleichen: In Bezug auf die
Form ist festzustellen, dass Benns Gedicht einen geordneteren Aufbau hat:
Reimschema und die Verszahl der Strophen scheinen mehr durchdacht als bei
Goethe. Dies ist eher ungewöhnlich, da in der Klassik eine strenge literarische Form
angestrebt wurde, die in Richtung der Moderne allgemein immer mehr in den
Hintergrund gerückt ist.
Grundlegend verschieden ist das Menschenbild der beiden Gedichte. Goethe stellt
den Menschen als vernünftiges, selbstständiges Individuum dar, das aktiv nach
göttlichen Idealen strebt. Dieser Mensch sei etwas besonderes; er könne richten, und
so als alleiniges Wesen das Gute vom Bösen unterscheiden und angemessen
handeln. Benn hingegen stellt den Menschen als Wesen dar, das von der
Gesellschaft eine Stellung und Aufgabe aufgeprägt bekommt, und dies passiv und
abhängig ertragen muss. Für ihn ist nicht wie bei Goethe das Streben nach Idealen
die Aufgabe des Menschen, sondern das erkennen der Wirklichkeit, der Prozess der
Desillusionierung und das Anerkennen der Sinnlosigkeit des Lebens.
Vergänglichkeit ist ein in beiden Gedichten thematisierter Begriff. Benn vergleicht
hier den Menschen mit der Natur, mit der Sterblichkeit von "Rosen,..Schnee,..(und)
Meeren"(z.10). Er sieht zunächst wie Goethe den Tod als Bestandteil jedes Lebens.
Goethe sieht die Vergänglichkeit zwar auch als Teil eines verbindlichen Kreislaufs
an, doch könne man ihm als idealer Mensch entfliehen: Indem man, z.B. durch gute
Taten und tugendgerechtes Handeln in den Erinnerungen anderer bleibe, könne man
den natürlichen Tod zwar nicht verhindern, aber ein Weiterleben in Gedanken
erreichen. Die Gesetzmäßigkeiten der Sterblichkeit gelten also sowohl für Benn als
auch für Goethe, doch relativiert Goethe den Begriff des Todes und deutet auf einen
Ausweg hin.
Die Natur findet ebenfalls beidseitige Erwähnung. Goethe personifiziert die Natur als
gefühlslose, unberechenbare, unparteiische Macht, die im Gegensatz zum
Menschen als vernünftiges, fühlendes, zu richten fähiges Wesen steht. Dieses
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Kontrastbild teilt Benn nicht: Er sieht den Menschen als Teil der Natur an und
begründet diesen Zusammenhang in der beiden Vergänglichkeit.
Was ebenfalls auffällt, ist, dass Benn in seinem Gedicht kein Wort über das Göttliche
verliert. Er sieht es scheinbar als unwichtig für den Zustand des Menschen an. Es
scheint sogar, dass er jeglichen Bezug auf Götter ablehnt: Einem gläubigen
Menschen würde einleuchten, bei einer so schwerwiegenden Sinnesfrage einen
Bezug auf das Göttliche zu suchen. Man könnte die fehlende Erwähnung damit
begründen, dass er sein Vertrauen in Gott mit dem erfahrenen Leid in seinem Leben
verloren hat, und nun ein Menschenbild ohne göttlichen Bezug vertritt. Goethe sieht
das Göttliche als Grundlegendes Vorbild an, das es nachzuahmen gilt. Es sei eine
Grundlage des menschlichen Strebens nach Idealen, und so wichtiger Bestandteil
humanen Handelns.
Die Stimmung der beiden Gedichte ist klar gegensätzlich. Goethe ruft die Menschen
dazu auf, aktiv zu sein, um ein humaner, vernünftiger, idealer Mensch zu werden. Er
preist den Menschen als die Spitze der Schöpfung (z.37,38) und redet in einer
euphorischen, optimistischen Art und Weise. Die Stimmung in Benns Gedicht wirkt
bedrückend; als Pessimist möchte er zeigen, dass die Suche nach dem Sinn des
Lebens vergebens sei. Er verachtet die Gesellschaft, die das Individuum zu einem
passiven, abhängigen Wesen mache. Diese melancholische, fast depressive
Stimmung möchte er auf den Leser übertragen. Dies gelingt ihm mit Imperativen
(z.7,9) mit denen er den Leser direkt anspricht. Goethe versucht den Leser eher
indirekt für sich zu gewinnen. Mit allgemeinen Formulierungen (z.1,2) und der
Verwendung der ersten Person Plural (z. 6,9,34 u.a.) möchte er ein Gemeinschafts-
und Zugehörigkeitsgefühl vermitteln.
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