Bei GRIN registrieren oder einloggen

Your e-mail-address or password is wrong
Jetzt registrieren
Für neue Autoren: kostenlos, einfach und schnell
Dies wird Ihr Benutzername, bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse an

Passwort vergessen

Your e-mail-address or password is wrong

Neues Passwort anfordern
Geschlechtsspezifische Prävention von sexuellem Missbrauch bei Grundschulkindern close

Bitte warten

Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.

Geschlechtsspezifische Prävention von sexuellem Missbrauch bei Grundschulkindern

Bachelorarbeit, 2008, 75 Seiten
Autor: Bachelor of Sience Marie-Christine Nitzsche
Fach: Sachunterricht, Heimatkunde (Grundschulpädagogik)

Details

Kategorie: Bachelorarbeit
Jahr: 2008
Seiten: 75
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 65  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V118642
ISBN (E-Book): 978-3-640-21929-2

Dateigröße: 403 KB

Zusammenfassung / Abstract

„Viele Mädchen und Jungen erleben, dass ihre körperliche Selbstbestimmung nicht akzeptiert wird, bzw. diese für manche Erwachsene gar nicht exsistiert. Sie werden angefasst, berührt, gestreichelt, geküsst, liebkost, festgehalten, auf den Schoß genommen, in der Luft geschwenkt, häufig gegen ihren Willen. Sie trauen sich nicht, ihren Unwillen laut und deutlich zu artikulieren, weil sie sonst `unartige Kinder` sind oder ihre Abwehr nicht respektiert wird. Sie lernen, dass kindliche Körper Erwachsenen zur Verfügung stehen, dass Kinder keinen eigenen Willen haben dürfen.“ Wie schwerwiegend sich eine unterdrückende, durch ein Machtgefälle geprägte und geschlechtsstereotypische Sozialisation von Jungen und Mädchen auf die Prävention von sexuellem Missbrauch auswirkt, macht das Zitat von Gisela Braun sehr deutlich. Durch andauernde Grenzüberschreitung, werden Jungen und Mädchen zu einem sprachunfähigen Opfer sozialisiert. Demnach ist eine bedürfnisignorierende Erziehungshaltung im Elterhaus, wie auch in der Grundschule, einer erwünschenswert nachhaltigen Prävention gegenüber kontraproduktiv. Neben der geschlechtsspezifischen (sexuellen) Sozialisation von Jungen und Mädchen, haben auch geschlechtsspezifische Täterstrategien und Opferprofile einen enormen Einfluss auf die Prävention. Dass sich das Geschlecht auf die Zugänge der Jungen und Mädchen zur Prävention auswirkt und dies auch Konsequenzen für eine adressatengerechte Sexualerziehung hat, soll nun durch diese Bachelorarbeit belegt werden.


Textauszug (computergeneriert)

Geschlechtsspezifische Prävention von

sexuellem Missbrauch bei

Grundschulkindern

BACHELORARBEIT

Im Fach Interdisziplinäre Sachbildung/Sachunterricht


INHALT



0.

EINLEITUNG

1


1. DEFINITION

,,Sexueller Kindesmissbrauch"

3


2. FAKTEN

2.1

Der

,,Grooming-

Prozess"

5

2.1.1 - Vertrauen

6

2.1.2 - Das Bevorzugen des Kindes

6

2.1.3 -

Isolierung

7

2.1.4 - Geheimhaltung 7

2.1.5 -

Grenzüberschreitung

8

2.1.6 - Geschlechtsaspekte des Grooming- Prozesses

9

2.2 Täterprofile und Vorbedingungen des

10

,,Sexuellen Kindesmissbrauchs"

2.2.1 - Vorbedingungen nach Finkelhors

10

2.2.2 - Männer als Täter

12

2.2.3 - Frauen als Täterinnen

13

2.3.

Opferprofile

16

- Jungen als Opfer

78

- Mädchen als Opfer

18

2.4

Geschlechtsspezifische Auswirkungen

19

des sexuellen Missbrauchs

3.

PRÄVENTION

3.1

In der (Grund)schule

21

3.1.1 - Primärprävention

25

3.1.2 - Sekundärprävention

27

3.2

Im Sachunterricht

29

3.2.1 - Gründe für eine Sexualerziehung

30

3.2.2 - Inhalte der Sexualerziehung

33

3.2.3 - Lernziele der Sexualerziehung

36

3.2.4 - Prävention durch Sexualerziehung

36

3.2.5 - Bildungsplan Sachunterricht für die Primarstufe 40

3.3

Geschlechtspezifische Rollenbilder haben Einfluss 42
(auf das Macht- und Geschlechtergefälle)

3.3.1 - ( Sexuelle) Sozialisation von Jungen

44

3.3.2 - ( Sexuelle) Sozialisation von Mädchen

47

3.4

Geschlechtsspezifische Zugänge zur Prävention als

Konsequenz der geschlechtsspezifischen Sozialisation 49


3.4.1 - Zugänge der Jungen inkl. Forderungen an die

Prävention 52

3.4.2 - Zugänge der Mädchen inkl. Forderungen an die

Prävention

56

3.5

Auswertung des Buches ,,Gut, dass ich es gesagt habe..."

61

4. RESUMEE Abschlussbetrachtung

62


5. ANHANG

I.

Literaturverzeichnis

II.

Anlage 1

III.

Anlage 2

IV.

Anlage 3

V.

Anlage 4

VI.

Anlage 5

VII.

Anlage 6 (Auswertung)

VIII.

Anlage 7 (Bildauszüge)


0. EINLEITUNG

,,Viele Mädchen und Jungen erleben, dass ihre körperliche Selbstbestimmung

nicht akzeptiert wird, bzw. diese für manche Erwachsene gar nicht exsistiert. Sie

werden angefasst, berührt, gestreichelt, geküsst, liebkost, festgehalten, auf den

Schoß genommen, in der Luft geschwenkt, häufig gegen ihren Willen. Sie trauen

sich nicht, ihren Unwillen laut und deutlich zu artikulieren, weil sie sonst

`unartige Kinder` sind oder ihre Abwehr nicht respektiert wird. Sie lernen, dass

kindliche Körper Erwachsenen zur Verfügung stehen, dass Kinder keinen eigenen

Willen haben dürfen."2

Wie schwerwiegend sich eine unterdrückende, durch ein Machtgefälle geprägte

und geschlechtsstereotypische Sozialisation von Jungen und Mädchen auf die

Prävention von sexuellem Missbrauch auswirkt, macht das Zitat von Gisela Braun

sehr deutlich.

Durch andauernde Grenzüberschreitung, werden Jungen und Mädchen zu einem

sprachunfähigen Opfer sozialisiert. Demnach ist eine bedürfnisignorierende

Erziehungshaltung im Elterhaus, wie auch in der Grundschule, einer

erwünschenswert nachhaltigen Prävention gegenüber kontraproduktiv.

Neben der geschlechtsspezifischen (sexuellen) Sozialisation von Jungen und

Mädchen, haben auch geschlechtsspezifische Täterstrategien und Opferprofile

einen enormen Einfluss auf die Prävention.

Dass sich das Geschlecht auf die Zugänge der Jungen und Mädchen zur

Prävention auswirkt und dies auch Konsequenzen für eine adressatengerechte

Sexualerziehung hat, soll nun durch diese Bachelorarbeit belegt werden.

Im ersten Teil dieser Arbeit wird den Begriff ,,sexueller Kindesmissbrauch"

definiert.

Darauf hin folgt der sachanalytische Teil. Dieser erläutert wie z.B. der sog.

,,Grooming- Prozess" des Täters oder der Täterin, Jungen und Mädchen

manipulativ zu Opfern macht. Wobei der Schwerpunkt des zweiten Teils, aber

2 Braun, Gisela: Der Alltag ist sexueller Gewalt zuträglich. Prävention als Antwort auf

,,alltägliche" Gefährdungen von Mädchen und Jungen. In Höfling, S. Drewes, D.; Eppel-Waigel, I.

(Hrsg.): Politische Studien, Sonderheft Kindesmissbrauch. Seeg und Augsburg 1999, S. 138

1


eher auf den Unterschied zwischen den männlichen und weiblichen Täter- und

Opfercharakteren liegt. Diese detaillierte Betrachtung des aktuellen

Forschungsstandes wird zeigen, dass sich männliche und weibliche Täter und

Opfer unterscheiden. Ebenso wie deren Strategien und geschlechtsspezifischen

Auswirkungen des sexuellen Missbrauchs. Unausweichlich erscheinen daher

sachgemäße Informationen, um eine geschlechtsspezifische Prävention

nachhaltig realisieren zu können. Diese Hintergrundinformationen begünstigen

den objektiven Umgang mit der Thematik und beugen Hypothesen,

Übergeneralisierungen (was für Jungen gilt, gilt auch für Mädchen) wie auch

falscher Intervention, aus Unwissenheit, vor.

Der dritte Teil der Arbeit bezieht sich auf die Mehrdimensionalität der

Prävention.

Die Ergründung der Komplexität der Prävention erfolgt deduktiv: von einer

Notwendigkeit der Prävention in der Grundschule, über den Sachunterricht als

,,Heimatfach" der Sexualerziehung; der Sexualerziehung selbst, als

ganzheitlicher Erziehungsauftrag; bis hin zu den sich daraus ergebenen

Konsequenzen für eine geschlechtsspezifische Prävention.

Ein besonderer Fokus dieses Kapitels liegt auf der Sexualerziehung, die am

ehesten dafür prädestiniert erscheint Rollenklischees zu hinterfragen und

präventiv zu verändern. Erweiternd zu den präventiven Aspekten der

Sexualerziehung, ermöglicht diese einen positiven Kontakt mit Sexualität.

Abgerundet wird der dritte Teil durch die Auswertung des Buches ,,Gut, dass

ich es gesagt habe..." an Hand verschiedener Präventionsinhalte.

Abgeschlossen wird diese Bachelorarbeit im vierten Teil, durch eine

persönliche Abschlussbetrachtung des Themas.

2


1. DEFINITION

,,Sexueller Kindesmissbrauch"

Der Begriff ,,sexueller Kindesmissbrauch" wird in der aktuellen Literatur nicht

einheitlich benutzt. Die Begrifflichkeit ,,sexuelle Kindesmisshandlung" schließt

sich aber dem gleichen Grundgedanken an, dieser meint nämlich den absolut

unangebrachten, mutwilligen sexuellen Übergriff auf ein Kind.

Die Autorin Karin Frei beschreibt dies wie folgt: ,,(...), wenn ein Erwachsener

beziehungsweise ein Jugendlicher gezielt ein Kind für seine eigene sexuelle

Erregung und/oder Befriedigung braucht und benutzt."3Bei diesem Übergriff ist

das Kind der Macht des Täters oder der Täterin ausgeliefert. Dieses Überschreiten

der Grenzen des Kindes, führt bei diesem zu körperlichen wie auch zu seelischen

Schäden.

,,Sexueller Kindesmissbrauch" darf nicht (nur) mit einer Vergewaltigung

gleichgesetzt werden, sondern beinhaltet ein viel größeres Spektrum an

Missbrauchshandlungen. Um diese aufzuzeigen, soll hier nun eine Auflistung der

Autorin Regina Finke angeführt werden:

,,Missbrauch ist, wenn Mädchen oder Jungen überredet oder angeleitet werden,

· sich nackt zu zeigen oder sich in pornographischer Pose fotografieren zu

lassen;

· Zungenküsse zu geben;

· sich im Intimbereich mit Händen oder Gegenständen berühren zu lassen;

· den Intimbereich des Erwachsenen zum Zwecke seiner Lustbefriedigung

zu berühren ;

· den Erwachsenen mit der Hand oder dem Mund zu befriedigen;

· oralen, analen oder vaginalen Geschlechtsverkehr zu erdulden."4

,,Sexueller Kindesmissbrauch" hat sehr viele Facetten und ist daher schwer in

einer allgemein geltenden Definition festzulegen. Es kommt also auf mehrere

Faktoren an, die je nach Betrachter, der involvierten Personen oder nach

Situation und Handlung gewertet werden müssen.

3 Frei, Karin: Sexueller Missbrauch. Schutz durch Aufklärung. Ravensburg 1997, S. 12

4 Finke, Regina: Weil ich nein sagen darf- Körper, Sexualität und Gefühle: Starke Kinder können

sich besser schützen. Freiburg 1998, S. 7

3


Günther Deegener definiert ,,sexuellen Kindesmissbrauch" wie folgt ,,(...) weil

Einigkeit darüber besteht, dass sexuelle Handlungen zwischen Erwachsenen und

Kindern verwerflich sind, wenn dadurch die Kinder geschädigt werden."5

Zu beachten ist hierbei, dass nicht jede Folge von ,,sexuellem

Kindesmissbrauchs" deutlich auch diesem zuzuordnen ist. Z.B. Abfallende

Leistungen in der Schule, oder Aggressivität des Kindes, sind vielleicht nicht als

unmittelbare Schädigung einzustufen.

,,Sexuellen Kindesmissbrauch" z.B. nur an der Konstellation ,,Erwachsener-

Kind" festzumachen ist unzureichend. Missbrauch kann auch unter

Gleichaltrigen geschehen, mit gleichen oder ähnlichen Auswirkungen für das

Opfer.

5 Deegener, Günther: Kindesmissbrauch erkennen, helfen, vorbeugen. Weinheim und Basel 1998,

S. 22

4


2. FAKTEN

2.1 Der ,,Grooming- Prozess" 6

Wie kann es sein, dass ein Kind dem Täter vertraut? Geschieht der Missbrauch

ohne sichtbare Anzeichen? Hätte man ,,es" kommen sehen müssen?

Diese Fragen stellen sich unmittelbar, wenn man z.B. von betroffenen Jungen und

Mädchen hört oder liest und wieder einmal das Gefühl hat, wie konnte es sein,

dass nichts bemerkt wurde.

Der ,,Grooming Prozess" ermöglicht eine Transparenz in der

Missbrauchsdynamik, die den geschlechtsspezifischen Präventionsmaßnahmen zu

Gute kommt.

,,Wörtlich übersetzt bedeutet ,,grooming" vorbereiten."7 Denn ,,Sexueller

Kindesmissbrauch" findet nicht spontan statt, es ,,überkommt" den Täter auch

nicht ungeplant, sondern hinter der Tat steckt Kalkül. ,,Sie hofieren, belügen,

bestechen und erpressen die Mädchen oder Jungen. Viele Täter beschreiben, wie

sie die Kinder zunächst umwerben, langsam eine Beziehung aufbauen und dann

allmählich mit den sexuellen Übergriffen beginnen."8

Mit dieser Planung und Dynamik beschäftigt sich der ,,Grooming- Prozess", der

nun chronologisch in den folgenden Unterpunkten näher beschrieben wird.

Die Vorbedingungen des ,,Sexuellen Kindesmissbrauchs" nach David Finkelhors,

werden im Punkt 2.2 beschrieben.

6 Bullens, Ruud: Der Grooming- Prozess- oder das Planen des Missbrauchs. In Marquardt-Mau,

Brunhilde (Hrsg.): Schulische Prävention gegen sexuelle Kindesmisshandlung. Weinheim und

München 1995, S. 55 ff.

7Bullens, Ruud: Der Grooming- Prozess- oder das Planen des Missbrauchs. In Marquardt-Mau,

Brunhilde (Hrsg.): Schulische Prävention gegen sexuelle Kindesmisshandlung. Weinheim und

München 1995, S. 55

8 Brockhaus, Ulrike; Kolshorn, Maren: Sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Jungen. Mythen,

Fakten, Theorien. Frankfurt am Main und New York 1993, S. 131

5



Kommentare

Bisher keine Kommentare

Kommentar hinzufügen
Ihr Kommentar wird redaktionell geprüft und dann freigeschaltet

Andere Nutzer haben sich auch für folgende Titel interessiert:


Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:

http://www.grin.com/e-book/118642/geschlechtsspezifische-praevention-von-sexuellem-missbrauch-bei-grundschulkindern
please wait Bitte warten