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Bachelorarbeit, 2008, 75 Seiten
Autor: Bachelor of Sience Marie-Christine Nitzsche
Fach: Sachunterricht, Heimatkunde (Grundschulpädagogik)
Details
Tags: Geschlechtsspezifische, Prävention, Missbrauch, Grundschulkindern
Jahr: 2008
Seiten: 75
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 65 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-640-21929-2
Dateigröße: 403 KB
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Zusammenfassung / Abstract
„Viele Mädchen und Jungen erleben, dass ihre körperliche Selbstbestimmung nicht akzeptiert wird, bzw. diese für manche Erwachsene gar nicht exsistiert. Sie werden angefasst, berührt, gestreichelt, geküsst, liebkost, festgehalten, auf den Schoß genommen, in der Luft geschwenkt, häufig gegen ihren Willen. Sie trauen sich nicht, ihren Unwillen laut und deutlich zu artikulieren, weil sie sonst `unartige Kinder` sind oder ihre Abwehr nicht respektiert wird. Sie lernen, dass kindliche Körper Erwachsenen zur Verfügung stehen, dass Kinder keinen eigenen Willen haben dürfen.“ Wie schwerwiegend sich eine unterdrückende, durch ein Machtgefälle geprägte und geschlechtsstereotypische Sozialisation von Jungen und Mädchen auf die Prävention von sexuellem Missbrauch auswirkt, macht das Zitat von Gisela Braun sehr deutlich. Durch andauernde Grenzüberschreitung, werden Jungen und Mädchen zu einem sprachunfähigen Opfer sozialisiert. Demnach ist eine bedürfnisignorierende Erziehungshaltung im Elterhaus, wie auch in der Grundschule, einer erwünschenswert nachhaltigen Prävention gegenüber kontraproduktiv. Neben der geschlechtsspezifischen (sexuellen) Sozialisation von Jungen und Mädchen, haben auch geschlechtsspezifische Täterstrategien und Opferprofile einen enormen Einfluss auf die Prävention. Dass sich das Geschlecht auf die Zugänge der Jungen und Mädchen zur Prävention auswirkt und dies auch Konsequenzen für eine adressatengerechte Sexualerziehung hat, soll nun durch diese Bachelorarbeit belegt werden.
Textauszug (computergeneriert)
Geschlechtsspezifische Prävention von
sexuellem Missbrauch bei
Grundschulkindern
BACHELORARBEIT
Im Fach Interdisziplinäre Sachbildung/Sachunterricht
INHALT
0.
EINLEITUNG
1
1. DEFINITION
,,Sexueller Kindesmissbrauch"
3
2. FAKTEN
2.1
Der
,,Grooming-
Prozess"
5
2.1.1 - Vertrauen
6
2.1.2 - Das Bevorzugen des Kindes
6
2.1.3 -
Isolierung
7
2.1.4 - Geheimhaltung 7
2.1.5 -
Grenzüberschreitung
8
2.1.6 - Geschlechtsaspekte des Grooming- Prozesses
9
2.2 Täterprofile und Vorbedingungen des
10
,,Sexuellen Kindesmissbrauchs"
2.2.1 - Vorbedingungen nach Finkelhors
10
2.2.2 - Männer als Täter
12
2.2.3 - Frauen als Täterinnen
13
2.3.
Opferprofile
16
- Jungen als Opfer
78
- Mädchen als Opfer
18
2.4
Geschlechtsspezifische Auswirkungen
19
des sexuellen Missbrauchs
3.
PRÄVENTION
3.1
In der (Grund)schule
21
3.1.1 - Primärprävention
25
3.1.2 - Sekundärprävention
27
3.2
Im Sachunterricht
29
3.2.1 - Gründe für eine Sexualerziehung
30
3.2.2 - Inhalte der Sexualerziehung
33
3.2.3 - Lernziele der Sexualerziehung
36
3.2.4 - Prävention durch Sexualerziehung
36
3.2.5 - Bildungsplan Sachunterricht für die Primarstufe 40
3.3
Geschlechtspezifische Rollenbilder haben Einfluss 42
(auf das Macht- und Geschlechtergefälle)
3.3.1 - ( Sexuelle) Sozialisation von Jungen
44
3.3.2 - ( Sexuelle) Sozialisation von Mädchen
47
3.4
Geschlechtsspezifische Zugänge zur Prävention als
Konsequenz der geschlechtsspezifischen Sozialisation 49
3.4.1 - Zugänge der Jungen inkl. Forderungen an die
Prävention 52
3.4.2 - Zugänge der Mädchen inkl. Forderungen an die
Prävention
56
3.5
Auswertung des Buches ,,Gut, dass ich es gesagt habe..."
61
4. RESUMEE Abschlussbetrachtung
62
5. ANHANG
I.
Literaturverzeichnis
II.
Anlage 1
III.
Anlage 2
IV.
Anlage 3
V.
Anlage 4
VI.
Anlage 5
VII.
Anlage 6 (Auswertung)
VIII.
Anlage 7 (Bildauszüge)
0. EINLEITUNG
,,Viele Mädchen und Jungen erleben, dass ihre körperliche Selbstbestimmung
nicht akzeptiert wird, bzw. diese für manche Erwachsene gar nicht exsistiert. Sie
werden angefasst, berührt, gestreichelt, geküsst, liebkost, festgehalten, auf den
Schoß genommen, in der Luft geschwenkt, häufig gegen ihren Willen. Sie trauen
sich nicht, ihren Unwillen laut und deutlich zu artikulieren, weil sie sonst
`unartige Kinder` sind oder ihre Abwehr nicht respektiert wird. Sie lernen, dass
kindliche Körper Erwachsenen zur Verfügung stehen, dass Kinder keinen eigenen
Willen haben dürfen."2
Wie schwerwiegend sich eine unterdrückende, durch ein Machtgefälle geprägte
und geschlechtsstereotypische Sozialisation von Jungen und Mädchen auf die
Prävention von sexuellem Missbrauch auswirkt, macht das Zitat von Gisela Braun
sehr deutlich.
Durch andauernde Grenzüberschreitung, werden Jungen und Mädchen zu einem
sprachunfähigen Opfer sozialisiert. Demnach ist eine bedürfnisignorierende
Erziehungshaltung im Elterhaus, wie auch in der Grundschule, einer
erwünschenswert nachhaltigen Prävention gegenüber kontraproduktiv.
Neben der geschlechtsspezifischen (sexuellen) Sozialisation von Jungen und
Mädchen, haben auch geschlechtsspezifische Täterstrategien und Opferprofile
einen enormen Einfluss auf die Prävention.
Dass sich das Geschlecht auf die Zugänge der Jungen und Mädchen zur
Prävention auswirkt und dies auch Konsequenzen für eine adressatengerechte
Sexualerziehung hat, soll nun durch diese Bachelorarbeit belegt werden.
Im ersten Teil dieser Arbeit wird den Begriff ,,sexueller Kindesmissbrauch"
definiert.
Darauf hin folgt der sachanalytische Teil. Dieser erläutert wie z.B. der sog.
,,Grooming- Prozess" des Täters oder der Täterin, Jungen und Mädchen
manipulativ zu Opfern macht. Wobei der Schwerpunkt des zweiten Teils, aber
2 Braun, Gisela: Der Alltag ist sexueller Gewalt zuträglich. Prävention als Antwort auf
,,alltägliche" Gefährdungen von Mädchen und Jungen. In Höfling, S. Drewes, D.; Eppel-Waigel, I.
(Hrsg.): Politische Studien, Sonderheft Kindesmissbrauch. Seeg und Augsburg 1999, S. 138
1
eher auf den Unterschied zwischen den männlichen und weiblichen Täter- und
Opfercharakteren liegt. Diese detaillierte Betrachtung des aktuellen
Forschungsstandes wird zeigen, dass sich männliche und weibliche Täter und
Opfer unterscheiden. Ebenso wie deren Strategien und geschlechtsspezifischen
Auswirkungen des sexuellen Missbrauchs. Unausweichlich erscheinen daher
sachgemäße Informationen, um eine geschlechtsspezifische Prävention
nachhaltig realisieren zu können. Diese Hintergrundinformationen begünstigen
den objektiven Umgang mit der Thematik und beugen Hypothesen,
Übergeneralisierungen (was für Jungen gilt, gilt auch für Mädchen) wie auch
falscher Intervention, aus Unwissenheit, vor.
Der dritte Teil der Arbeit bezieht sich auf die Mehrdimensionalität der
Prävention.
Die Ergründung der Komplexität der Prävention erfolgt deduktiv: von einer
Notwendigkeit der Prävention in der Grundschule, über den Sachunterricht als
,,Heimatfach" der Sexualerziehung; der Sexualerziehung selbst, als
ganzheitlicher Erziehungsauftrag; bis hin zu den sich daraus ergebenen
Konsequenzen für eine geschlechtsspezifische Prävention.
Ein besonderer Fokus dieses Kapitels liegt auf der Sexualerziehung, die am
ehesten dafür prädestiniert erscheint Rollenklischees zu hinterfragen und
präventiv zu verändern. Erweiternd zu den präventiven Aspekten der
Sexualerziehung, ermöglicht diese einen positiven Kontakt mit Sexualität.
Abgerundet wird der dritte Teil durch die Auswertung des Buches ,,Gut, dass
ich es gesagt habe..." an Hand verschiedener Präventionsinhalte.
Abgeschlossen wird diese Bachelorarbeit im vierten Teil, durch eine
persönliche Abschlussbetrachtung des Themas.
2
1. DEFINITION
,,Sexueller Kindesmissbrauch"
Der Begriff ,,sexueller Kindesmissbrauch" wird in der aktuellen Literatur nicht
einheitlich benutzt. Die Begrifflichkeit ,,sexuelle Kindesmisshandlung" schließt
sich aber dem gleichen Grundgedanken an, dieser meint nämlich den absolut
unangebrachten, mutwilligen sexuellen Übergriff auf ein Kind.
Die Autorin Karin Frei beschreibt dies wie folgt: ,,(...), wenn ein Erwachsener
beziehungsweise ein Jugendlicher gezielt ein Kind für seine eigene sexuelle
Erregung und/oder Befriedigung braucht und benutzt."3Bei diesem Übergriff ist
das Kind der Macht des Täters oder der Täterin ausgeliefert. Dieses Überschreiten
der Grenzen des Kindes, führt bei diesem zu körperlichen wie auch zu seelischen
Schäden.
,,Sexueller Kindesmissbrauch" darf nicht (nur) mit einer Vergewaltigung
gleichgesetzt werden, sondern beinhaltet ein viel größeres Spektrum an
Missbrauchshandlungen. Um diese aufzuzeigen, soll hier nun eine Auflistung der
Autorin Regina Finke angeführt werden:
,,Missbrauch ist, wenn Mädchen oder Jungen überredet oder angeleitet werden,
· sich nackt zu zeigen oder sich in pornographischer Pose fotografieren zu
lassen;
· Zungenküsse zu geben;
· sich im Intimbereich mit Händen oder Gegenständen berühren zu lassen;
· den Intimbereich des Erwachsenen zum Zwecke seiner Lustbefriedigung
zu berühren ;
· den Erwachsenen mit der Hand oder dem Mund zu befriedigen;
· oralen, analen oder vaginalen Geschlechtsverkehr zu erdulden."4
,,Sexueller Kindesmissbrauch" hat sehr viele Facetten und ist daher schwer in
einer allgemein geltenden Definition festzulegen. Es kommt also auf mehrere
Faktoren an, die je nach Betrachter, der involvierten Personen oder nach
Situation und Handlung gewertet werden müssen.
3 Frei, Karin: Sexueller Missbrauch. Schutz durch Aufklärung. Ravensburg 1997, S. 12
4 Finke, Regina: Weil ich nein sagen darf- Körper, Sexualität und Gefühle: Starke Kinder können
sich besser schützen. Freiburg 1998, S. 7
3
Günther Deegener definiert ,,sexuellen Kindesmissbrauch" wie folgt ,,(...) weil
Einigkeit darüber besteht, dass sexuelle Handlungen zwischen Erwachsenen und
Kindern verwerflich sind, wenn dadurch die Kinder geschädigt werden."5
Zu beachten ist hierbei, dass nicht jede Folge von ,,sexuellem
Kindesmissbrauchs" deutlich auch diesem zuzuordnen ist. Z.B. Abfallende
Leistungen in der Schule, oder Aggressivität des Kindes, sind vielleicht nicht als
unmittelbare Schädigung einzustufen.
,,Sexuellen Kindesmissbrauch" z.B. nur an der Konstellation ,,Erwachsener-
Kind" festzumachen ist unzureichend. Missbrauch kann auch unter
Gleichaltrigen geschehen, mit gleichen oder ähnlichen Auswirkungen für das
Opfer.
5 Deegener, Günther: Kindesmissbrauch erkennen, helfen, vorbeugen. Weinheim und Basel 1998,
S. 22
4
2. FAKTEN
2.1 Der ,,Grooming- Prozess" 6
Wie kann es sein, dass ein Kind dem Täter vertraut? Geschieht der Missbrauch
ohne sichtbare Anzeichen? Hätte man ,,es" kommen sehen müssen?
Diese Fragen stellen sich unmittelbar, wenn man z.B. von betroffenen Jungen und
Mädchen hört oder liest und wieder einmal das Gefühl hat, wie konnte es sein,
dass nichts bemerkt wurde.
Der ,,Grooming Prozess" ermöglicht eine Transparenz in der
Missbrauchsdynamik, die den geschlechtsspezifischen Präventionsmaßnahmen zu
Gute kommt.
,,Wörtlich übersetzt bedeutet ,,grooming" vorbereiten."7 Denn ,,Sexueller
Kindesmissbrauch" findet nicht spontan statt, es ,,überkommt" den Täter auch
nicht ungeplant, sondern hinter der Tat steckt Kalkül. ,,Sie hofieren, belügen,
bestechen und erpressen die Mädchen oder Jungen. Viele Täter beschreiben, wie
sie die Kinder zunächst umwerben, langsam eine Beziehung aufbauen und dann
allmählich mit den sexuellen Übergriffen beginnen."8
Mit dieser Planung und Dynamik beschäftigt sich der ,,Grooming- Prozess", der
nun chronologisch in den folgenden Unterpunkten näher beschrieben wird.
Die Vorbedingungen des ,,Sexuellen Kindesmissbrauchs" nach David Finkelhors,
werden im Punkt 2.2 beschrieben.
6 Bullens, Ruud: Der Grooming- Prozess- oder das Planen des Missbrauchs. In Marquardt-Mau,
Brunhilde (Hrsg.): Schulische Prävention gegen sexuelle Kindesmisshandlung. Weinheim und
München 1995, S. 55 ff.
7Bullens, Ruud: Der Grooming- Prozess- oder das Planen des Missbrauchs. In Marquardt-Mau,
Brunhilde (Hrsg.): Schulische Prävention gegen sexuelle Kindesmisshandlung. Weinheim und
München 1995, S. 55
8 Brockhaus, Ulrike; Kolshorn, Maren: Sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Jungen. Mythen,
Fakten, Theorien. Frankfurt am Main und New York 1993, S. 131
5
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