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Friedrich Schiller Universität Jena, Institut für Philosophie
Philosophische Fakultät
Hauptseminar: Die Vorsokratiker
Sommersemester 2008
Welche Bedeutung haben Liebe und Hass im Zyklus des Werdens und
Vergehens bei Empedokles?
von
Doreen Kötschau
Lehramt Regelschule Ethik/ Deutsch
4. Fachsemester
Abgabetermin: 15. September 2008
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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis....................................................................................................................... 2
1. Einleitung ............................................................................................................................... 3
2. Welche Bedeutung haben Liebe und Hass im Zyklus des Werdens und Vergehens bei
Empedokles? .............................................................................................................................. 4
2.1 Charakteristik von Liebe und Hass .................................................................................. 4
2.2. Liebe und Hass im Zusammenspiel mit den Elementen ................................................. 5
2.2.1 Die Elemente bei Empedokles .................................................................................. 5
2.2.2 Kreislauf der Elemente unter Einwirkung von Liebe und Hass................................ 7
2.3 Werden und Vergehen...................................................................................................... 9
2.4. Die Menschwerdung ..................................................................................................... 10
2.5. Die Porentheorie............................................................................................................ 12
3. Schluss.................................................................................................................................. 13
Literaturverzeichnis.................................................................................................................. 15
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1. Einleitung
Liebe und Hass sind Mächte, die die Menschheit beherrschten und beherrschen, früher und
heute. Bei dem vorsokratischen Philosophen Empedokles werden sie sogar als göttliche
Mächte
1
definiert. Wie kommt Empedokles zu dieser Bezeichnung?
Der altgriechische Philosoph Empedokles lebte etwa um 485- 425 vor Christus
2
. Er stammt
aus Akragas, welches heute Arigento heißt. Der Lebenslauf Empedokles' ist abenteuerlich
und was davon stimmt, ist schwer zu bestimmen. Fest steht, dass er einen ähnlichen Ruf
genoss wie Pythagoras, also den eines Schamanen, eines wundersamen Mannes, eines
Mystikers und Propheten. Im Gegensatz dazu ist er aber auch ein Naturbeobachter, Physiker
und Astronom gewesen. ,,Er behauptete, das ihm zur Verfügung stehende Wissen bilde den
Schlüssel für die Beherrschung der Naturgewalten, mit ihm könne der Mensch die Winde
anhalten, den Regen herbeirufen und sogar die Toten aus dem Hades zurückholen. Er glaubte
fest an die Seelenwanderung."
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Sein Tod ist sagenumwoben, so soll er in den Schlund des
Ätna gestürzt sein.
Empedokles hinterließ mehrere Fragmente. Die beiden bekanntesten sind die philosophische
Dichtung ,,Von der Natur" und die religiösen Gedichte unter dem Titel ,,Entsühnungen".
Beide sind im Versmaß des homerischen Epos verfasst. Des weiteren soll Empedokles
Tragödien, politische sowie medizinische Schriften verfasst haben, von denen manche
verschollen sind, manche umstritten.
Empedokles geht von vier Urstoffen aus Feuer, Wasser, Luft und Erde die von den beiden
Kräften Liebe und Hass bewegt werden. Mit Hilfe dieser Grundkonstruktion erklärt er die
Welt und ihre Zusammenhänge.
Doch welche Bedeutung haben die beiden Kräfte genau in seiner Philosophie?
Diese Hausarbeit soll sich mit der Frage beschäftigen: Welche Bedeutungen haben Liebe und
Hass im Zyklus des Werdens und Vergehens bei Empedokles? Dabei werde ich zuerst Liebe
und Hass charakterisieren, danach werde ich mich mit den vier Elementen beschäftigen, da
diese der Grundstein vom Werden und Vergehen sind, welches ich im nächsten Abschnitt
erläutern werde. Als letztes erläutere ich Werden und Vergehen im größeren Zusammenhang,
nämlich in der Kosmogonie der Weltperioden bei Empedokles.
1
Vgl. Mansfeld, Japp: Die Vorsokratiker: griechisch/ deutsch., übers. und erl. Von Japp Mansfeld, Stuttgart:
Reclam 1983, S. 58.
2
Ebd. S. 56.
3
Guthrie, William.: Die griechischen Philosophen von Thales bis Aristoteles. Göttingen: Vandenhoeck &
Ruprecht 1950, S. 41.
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2. Welche Bedeutung haben Liebe und Hass im Zyklus des Werdens und Vergehens bei
Empedokles?
2.1 Charakteristik von Liebe und Hass
Liebe und Hass sind entgegengesetzte Kräfte. Liebe wird auch als Aphrodite, Kypris oder
Harmonie bezeichnet. Sie gewinnt abwechselnd mit dem Hass die Oberhand. Der Unterschied
zwischen Liebe und Streit liegt im Charakter eben dieser Kräfte. Beide sind überall anwesend,
auch der Streit.
Liebe und Hass sind körperliche aber auch persönliche Mächte; sie werden sogar mit Göttern
gleichgesetzt, jedoch sind sie nur ,,triebhaft wirkende Naturkräfte, durchaus keine
zweckbewusste Intelligenzen."
4
Diese Aussage grenzt Liebe und Streit deutlich vom
Vergleich mit Göttergestalten ab. Sie sind lediglich Kräfte, die in der Natur wirken und von
Anfang an in ihr enthalten waren.
Der Streit steckt in den Gliedern des Sphairos, bis seine Zeit gekommen ist. Der Sphairos ist
eine aus der Alleinherrschaft der Liebe durch Allverschmelzung hervorgegangene Gottheit
5
.
,,Aber als der mächtige Streit in den Gliedern [des Sphairos] herangewachsen und zu Ehren
emporgestiegen war, als die Zeit erfüllt ward, die nun wechselseitig von einem breiten Eide
gezogen ist [...] (fr. 30)"
6
.
Man kann sich Liebe und Streit als Atmosphären vorstellen. Die Atmosphäre des Streits hat
eine allseitige Ausdehnung: ,,[...] und gesondert von ihnen [den Elementen] der verderbliche
Streit, gleich stark auf allen Seiten [...](fr. 17)"
7
. Dagegen ist die Liebe nur in Länge und
Breite gleich ausgedehnt: ,,[...] und die Liebe unter ihnen [den Elementen], gleich an Länge
und Breite (fr. 17)"
8
. Die Liebe bewegt sich also unter den Elementen, hat keine körperliche
Ausdehnung wie der Streit Jedoch sollte die Liebe nicht unterschätzt werden. Sie ist für
Empedokles eine Art Macht, die alles einschließt. Sie ist halb Atmosphäre, halb Person
(Aphrodite).
9
Der Streit hat zwar eine bessere Ausdehnung aber er ist nicht stärker als die
Liebe, weil diese durch ihre immense Macht an Stärke gewinnt.
4
Capelle, Wilhelm: Die Vorsokratiker: Die Fragmente und Quellenberichte übersetzt und mit einer Einleitung
versehen von Wilhelm Capelle. Berlin: Akademie Verlag 1961, S. 186.
5
Vgl. Schmitz, Hermann: Der Ursprung des Gegenstandes: von Parmenides bis Demokrit. Bonn: Bouvier 1998,
S. 300.
6
Capelle, Wilhelm: Die Vorsokratiker: Die Fragmente und Quellenberichte übersetzt und mit einer Einleitung
versehen von Wilhelm Capelle. Berlin: Akademie Verlag 1961, S. 200.
7
Capelle, Wilhelm: Die Vorsokratiker: Die Fragmente und Quellenberichte übersetzt und mit einer Einleitung
versehen von Wilhelm Capelle. Berlin: Akademie Verlag 1961, S. 196.
8
Ebd.
9
Schmitz, Hermann: Der Ursprung des Gegenstandes: von Parmenides bis Demokrit. Bonn: Bouvier 1998, S.
302.
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