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Zwischen Naturparks und indianischen Freiräumen

Subtitle: Interessenkonflikte bei der Ausweisung von Schutzgebieten am Beispiel der Entwicklungen in der brasilianisch-peruanischen Grenzregion

Scholary Paper (Seminar), 2008, 17 Pages
Author: Paul Jörg Koch
Subject: Ethnology / Cultural Anthropology

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2008
Pages: 17
Bibliography: ~ 7  Entries
Language: German
Archive No.: V118990
ISBN (E-book): 978-3-640-22547-7
ISBN (Book): 978-3-640-22714-3
File size: 6270 KB

Abstract

Die Verschriftlichung des Referats Zwischen Naturparks und indianischen Freiräumen - Entwicklungen in der brasilianisch-peruanischen Grenzregion beschäftigt sich grundsätzlich mit dem Problem der konkurrierenden Landnutzungskonzepte Naturschutz vs. Völkerschutz vor dem Hintergrund der letzten Rückzugsgebiete indigener z.T. in Isolation lebender nichtkontaktierter Völker. Mehr als 60 indigene Völker des Amazonas leben heute nach wie vor in weitgehender Isolation (RUMMENHÖLLER 2002:251). Sie sind in kleinen Gruppen organisiert und betätigen sich hauptsächlich der Jagd- und Sammelwirtschaft, so dass sie aus der Luft kaum auszumachen sind (RUMMENHÖLLER 2008:15). Der bedeutendste zusammenhängende Lebensraum nicht-kontaktierter Ethnien erstreckt sich entlang der peruanisch-brasilianischen Grenze und konzentriert sich dabei hauptsächlich auf schlecht zugängliche Flussoberläufe (RUMMENHÖLLER 2008:14). Der Fortbestand der Isolation hängt von externen und internen Faktoren ab (RUMMENHÖLLER 2008:14). Externe Faktoren beziehen sich dabei auf die „räumlichen Freizügigkeiten“ die den Völkern zugestanden werden, interne auf die Fähigkeit „sich immer wieder auf veränderte Lebensbedingungen und externe Bedrohungen einzustellen“ (RUMMENHÖLLER 2008:14). Durch die rasch voranschreitende Abholzung und Besiedlung, welche zu den externen Faktoren gehören, werden die Rückzugsgebiete dieser isoliert lebenden Indigenen zunehmend knapper (RUMMENHÖLLER 2002:251). Bei Aufgabe der Isolation, Kontakt mit Holzfällern oder durch forcierte Kontaktaufnahme von Seiten fundamentalistischer Missionare (vgl. RUMMENHÖLLER 2008:19-20) kann es zur Infizierung der isolierten Indigenen mit westlichen Krankheiten wie Windpocken, Masern oder Grippe und somit zum „Massensterben“ kommen, dem im Worst-Case-Szenario ganze Stämme zum Opfer fallen können (RUMMENHÖLLER 2002:251). „Bei der Eingliederung in die Nationalgesellschaft können indigene Völker [zudem] leicht Opfer von Diskriminierung, Aggressionen und Ausbeutung werden, die in extremen Fällen auch zu Prostitution und Bettelei führen“ (zit. RUMMENHÖLLER 2008:14).


Excerpt (computer-generated)

Philipps-Universität Marburg

Sommersemester 2008

Fachbereich 3, Völkerkunde im Nebenfach

Autor: Paul Jörg Koch

- Zwischen Naturparks und indianischen Freiräumen -

Interessenkonflikte bei der Ausweisung von Schutzgebieten am Beispiel der

Entwicklungen in der brasilianisch-peruanischen Grenzregion


Gliederung

1 Einleitung 3

2 politisch-rechtliche Entwicklungen des Völker- und Naturschutzes im Untersuchungsgebiet 4

2.1 Brasilien 5

2.2 Peru 7

3 Fallbeispiel Nationalpark Alto Purús 10

3.1 Nutzungskonflikte 12

3.2 Konzeptkritik 14

4 Fazit 15

Literaturverzeichnis 16

2


1 Einleitung

Die Verschriftlichung des Referats

Zwischen Naturparks und indianischen Freiräumen -

Entwicklungen in der brasilianisch-peruanischen Grenzregion

beschäftigt sich grundsätzlich

mit dem Problem der konkurrierenden Landnutzungskonzepte

Naturschutz vs. Völkerschutz

vor dem Hintergrund der letzten Rückzugsgebiete indigener z.T. in Isolation lebender nicht-

kontaktierter Völker.

Mehr als 60 indigene Völker des Amazonas leben heute nach wie vor in weitgehender

Isolation (RUMMENHÖLLER 2002:251). Sie sind in kleinen Gruppen organisiert und

betätigen sich hauptsächlich der Jagd- und Sammelwirtschaft, so dass sie aus der Luft kaum

auszumachen sind (RUMMENHÖLLER 2008:15). Der bedeutendste zusammenhängende

Lebensraum nicht-kontaktierter Ethnien erstreckt sich entlang der peruanisch-brasilianischen

Grenze und konzentriert sich dabei hauptsächlich auf schlecht zugängliche Flussoberläufe

(RUMMENHÖLLER 2008:14).

Der Fortbestand der Isolation hängt von externen und internen Faktoren ab

(RUMMENHÖLLER 2008:14). Externe Faktoren beziehen sich dabei auf die ,,räumlichen

Freizügigkeiten" die den Völkern zugestanden werden, interne auf die Fähigkeit ,,sich immer

wieder auf veränderte Lebensbedingungen und externe Bedrohungen einzustellen"

(RUMMENHÖLLER 2008:14). Durch die rasch voranschreitende Abholzung und

Besiedlung, welche zu den externen Faktoren gehören, werden die Rückzugsgebiete dieser

isoliert lebenden Indigenen zunehmend knapper (RUMMENHÖLLER 2002:251). Bei

Aufgabe der Isolation, Kontakt mit Holzfällern oder durch forcierte Kontaktaufnahme von

Seiten fundamentalistischer Missionare (vgl. RUMMENHÖLLER 2008:19-20) kann es zur

Infizierung der isolierten Indigenen mit

westlichen Krankheiten

wie Windpocken, Masern

oder Grippe und somit zum ,,Massensterben" kommen, dem im W

orst-Case

-Szenario ganze

Stämme zum Opfer fallen können (RUMMENHÖLLER 2002:251). ,,Bei der Eingliederung in

die Nationalgesellschaft können indigene Völker [zudem] leicht Opfer von Diskriminierung,

Aggressionen und Ausbeutung werden, die in extremen Fällen auch zu Prostitution und

Bettelei führen" (zit. RUMMENHÖLLER 2008:14).

3


2 politisch-rechtliche Entwicklungen des Völker- und Naturschutzes im

Untersuchungsgebiet

Bis zum Ende des 19.Jh. blieb Amazonien eine von Nationalstaaten und -Bürgern

weitgehende unberührte Landschaft, in der viele noch nicht kontaktierte indigene

Volksgruppen ungestört von äußeren Einflüssen lebten. Mit dem Kautschukboom kam es zur

rasanten Erschließung und Besiedlung des Gebietes durch Brasilianer, Peruaner, Europäer

und US-Amerikaner. Damit einher gingen Nutzungskonflikte, die zunehmende

Umweltzerstörung, sowie die gewaltsame Verdrängung und Vertreibung der indianischen

Völker an die unwegsamen Flussoberläufe (RUMMENHÖLLER 2002:252). Wer nicht

fliehen konnte wurde umgebracht oder als rechtloser Sklave in der Kautschukwirtschaft

eingesetzt (RUMMENHÖLLER 2002:252-253). Um 1918 zum Ende des Kautschukbooms

verließen viele ,,Nicht-Indianer" die Region (RUMMENHÖLLER 2002:253), so dass sich

den verbliebenen Indigenen optimale Bedingungen für eine Neubesiedlung der, von den

Zuwanderern weitgehend verschont gebliebenen, Areale boten (RUMMENHÖLLER

2002:253).

Trotzdem wurden die indigenen Völker Amazoniens immer wieder durch Holzfäller,

Missionare und Zuwanderer bedroht, so dass Maßnahmen auf politischer Ebene erforderlich

wurden, um dass Ausmaß der unwiderruflichen Zerstörung einzugrenzen.

Der folgende Abschnitt beschäftigt sich mit den politisch-rechtlichen Entwicklungen bzgl. des

Völker- und Naturschutzes im Grenzgebiet der Nationalstaaten Brasilien und Peru.

4



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