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Analyse des Films "Sans Soleil" von Chris Marker unter besonderer Berücksichtigung der Authentizität im Essayfilm

Termpaper, 2006, 58 Pages
Author: Sabine Dupont
Subject: Cultural Studies

Details

Category: Termpaper
Year: 2006
Pages: 58
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 13  Entries
Language: German
Archive No.: V119225
ISBN (E-book): 978-3-640-23190-4
ISBN (Book): 978-3-640-23205-5
File size: 399 KB

Abstract

Um das Thema Essayfilm zu bearbeiten wurden in den ersten Sitzungen des Seminars „Geschichte, Theorie und Praxis des Essayfilms“ theoretische Grundlage zur literarischen Form des Essays gelegt. Dabei stützte sich dieser Teil auf die Texte von Georg Lucács "Ein Brief an Leo Popper" und Theodor W. Adorno "Der Essay als Form". Nach dieser literarischen Einführung umrissen wir das Wesen des Essayfilms über verschiedene Texte sowie anhand konkreter Filmbeispiele mit anschließendem Diskussionsteil. Da es sich bei der Form des Essayfilms um eine sehr komplexe Art der Filmgestaltung handelt, findet in der folgenden Ausarbeitung vorerst eine grundlegende Betrachtung der wesentlichen Bestandteile des Essayfilms statt. Dabei geht es um zwei Aspekte. Erstens um die speziellen Merkmale des Essayfilms, seiner Entstehung sowie seiner Umsetzung und zweitens um die Abgrenzung des Essayfilms zum Dokumentar-, Autoren- und Kompilationsfilm. Diese Grundlagen sollen dazu dienen ein konkretes Beispiel, den Film "Sans Soleil" von Chris. Marker, genauer zu betrachten. Am Anfang der Analyse steht die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Film „Sans Soleil“. Darauf folgt eine kurze filmanalytische Einführung aus verschiedenen Perspektiven. Für diese Auseinandersetzung ist vorher ein Filmprotokoll zu „Sans Soleil“ erstellt worden, dass als Anhang dieser Arbeit hinzugefügt wurde. Beim Essayfilm handelt es sich um eine dem Dokumentarfilm sehr nahe Filmform. Dem Dokumentarfilm eigen ist die Authentizität. Nach einer kurzen Einführung zur Authentizität geht es darum zu prüfen, inwieweit diese auch im Essayfilm vorkommt. Einzelne Erzählstränge werden auf Basis der Authentizitättheorie untersucht. Inwiefern spielt die Authentizität im Essayfilm eine Rolle oder ist sie irrelevant? Diese Frage bildet den Abschluss der Filmbetrachtung. Die Ergebnisse werden in einem Schlusswort zusammengefasst.


Excerpt (computer-generated)

Universität Lüneburg
Fachbereich Kulturwissenschaften
Sprache und Kommunikation

Seminar: Geschichte, Theorie und Praxis des Essayfilms

Analyse des Films "Sans Soleil" von Chris Marker unter besonderer Berücksichtigung der Authentizität im Essayfilm

Sabine Dupont

 

Inhaltsverzeichnis


1 Einleitung ... 1

2 Theoretische Grundlagen zum Essayfilm ... 2

2.1 Der Essayfilm als Form ... 2
2.2 Die Differenzierung des Essayfilms zu anderen Gattungen ... 6
    2.2.1 Der Dokumentarfilm ... 6
    2.2.2 Der Autorenfilm ... 7
    2.2.3 Der Kompilationsfilm ... 8

3 Filmanalyse von „Sans Soleil“ ... 9

3.1 Einführende Worte zum Leben Chris. Markers ... 9
3.2 Einleitende Filmbeschreibung zu „Sans Soleil“ ... 10
    3.2.1 Die Sprachebene ... 11
    3.2.1 Die Bildebene ... 12
    3.2.3 Die Tonebene ... 13
    3.2.4 Integrierende Betrachtung der vorher erläuterten Ebenen ... 14

4 Authentische Erzählstränge im Essayfilm „Sans Soleil“ ... 14

4.1 Authentizität ... 14
4.2 Die „Zone“ ... 17
4.3 Vertigo ... 18
4.4 Die Korrektur der Authentizität durch weitere Erzählstränge aus „Sans Soleil“ ... 18

5 Schlusswort ... 20

Literaturverzeichnis ... 21

Anhang: Filmprotokoll Sans Soleil

 

 

1 Einleitung

Um das Thema Essayfilm zu bearbeiten wurden in den ersten Sitzungen des Seminars „Geschichte, Theorie und Praxis des Essayfilms“ theoretische Grundlage zur literarischen Form des Essays gelegt. Dabei stützte sich dieser Teil auf die Texte von Georg Lucács "Ein Brief an Leo Popper"1 und Theodor W. Adorno "Der Essay als Form".2 Nach dieser literarischen Einführung umrissen wir das Wesen des Essayfilms über verschiedene Texte sowie anhand konkreter Filmbeispiele mit anschließendem Diskussionsteil.
Da es sich bei der Form des Essayfilms um eine sehr komplexe Art der Filmgestaltung handelt, findet in der folgenden Ausarbeitung vorerst eine grundlegende Betrachtung der wesentlichen Bestandteile des Essayfilms statt. Dabei geht es um zwei Aspekte. Erstens um die speziellen Merkmale des Essayfilms, seiner Entstehung sowie seiner Umsetzung und zweitens um die Abgrenzung des Essayfilms zum Dokumentar-, Autoren- und Kompilationsfilm.
Diese Grundlagen sollen dazu dienen ein konkretes Beispiel, den Film "Sans Soleil" von Chris. Marker, genauer zu betrachten. Am Anfang der Analyse steht die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Film „Sans Soleil“. Darauf folgt eine kurze filmanalytische Einführung aus verschiedenen Perspektiven. Für diese Auseinandersetzung ist vorher ein Filmprotokoll zu „Sans Soleil“ erstellt worden, dass als Anhang dieser Arbeit hinzugefügt wurde.
Beim Essayfilm handelt es sich um eine dem Dokumentarfilm sehr nahe Filmform. Dem Dokumentarfilm eigen ist die Authentizität. Nach einer kurzen Einführung zur Authentizität geht es darum zu prüfen, inwieweit diese auch im Essayfilm vorkommt. Einzelne Erzählstränge werden auf Basis der Authentizitättheorie untersucht. Inwiefern spielt die Authentizität im Essayfilm eine Rolle oder ist sie irrelevant? Diese Frage bildet den Abschluss der Filmbetrachtung. Die Ergebnisse werden in einem Schlusswort zusammengefasst.


2 Theoretische Grundlagen zum Essayfilm


2.1 Der Essayfilm als Form

Die Entwicklung des Essayfilms3 ist abhängig von der technischen Entwicklung des Films und geht mit deren Geschichte einher. Erst in den 1960er Jahren wurde es möglich den Ton synchron zum Bild aufzunehmen.4 Der Dokumentarfilm grenzte sich durch diese technische Innovation vom fiktiven Film ab. Vorher war es üblich den Film mit einem gesprochenen Kommentar zu versehen. Mit dem Essayfilm fand eine der „traditionsreichsten Grenzüberschreitungen“5 vom Dokumentarfilm statt. Der Essayfilm bezweifelte die Objektivität und Authentizität in der Darstellungsform des Dokumentarfilms.6 Es entwickelte sich eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Dokumentarischen, die sich damit beschäftigte, ob es dokumentarische Abbildung im Film geben kann. Es wurde dafür mit dem vorhandenen dokumentarischen Material experimentiert. Die sprachliche Umsetzung basiert auf dem Essay und lehnt sich an die literarische Form des Essays an. Die Bildebene orientiert sich an der Montage. Der Film „Sans Soleil“, der später genauer betrachtet wird, steht exemplarisch für die Gattung des Essayfilms, da er inhaltlich die für den Essayfilm typischen Elemente enthält.
Der Essayfilm klassifiziert sich häufig als Unterkategorie des Dokumentarfilms und wird in Fachliteratur gemeinsam mit dem Dokumentarfilm erwähnt. So z. B. in: „Der Dokumentarfilm seit 1960“ von Wilhelm Roth.7 Allerdings bezeichnet die Betitelung des Kapitels „Der dokumentarische Essay", die Nähe zum Dokumentarfilm. Das der Essayfilm dieser Gattung zugeordnet wird, geschieht aufgrund der Tatsache, dass dokumentarisches Material in essayistischen Filmen verarbeitet wird. Der Dokumentarfilm entwickelte sich zu unterschiedlichen Formen, wobei der Essayfilm am Ehesten dem Performativen Dokumentarfilm der 80er und 90er zugeordnet werden kann.8 Der Performative Dokumentarfilm zeichnet sich im Gegensatz zu der herkömmlichen Nüchternheit in der Darstellung durch eine autonomere, nicht lineare und nicht rein deskriptive Darstellungsform aus. Hierunter lässt sich der Essayfilm am ehesten einordnen. Mittlerweile emanzipiert sich der Essayfilm vom Dokumentarfilm und wird als eigenständige Gattung angesehen, da eine definitive Zuordnung in das Schema einer Dokumentarfilmkategorie nicht möglich ist.
Thematisch behandeln essayistische Filme häufig die Themen Geschichte, Vergangenheit, Erinnerung oder Gedächtnis. Jedoch sind diese Themen nicht zwingend für einen essayistischen Film. Aufgrund einer hohen Komplexität und vieler verschiedenen Ebenen in der Bearbeitung ist es schwierig die Form des Essayfilms zu erfassen. Um sich dieser Vielschichtigkeit zu nähern sollen vorab die wesentlichen Merkmale und Aspekte des Essayfilms genannt und erläutert werden.
Wie der Name des Genres schon aussagt wird ein geschriebener Essay verarbeitet. Dies kann in einem durchgehenden vorgelesenen Stil eines Essays geschehen oder durch eingeschobene gelesene Passagen, die nicht durchgehend verlaufen. Der Kommentar ist die so genannte Stimme aus dem „Off", eine außerfilmische Realität und kann vom Filmemacher selbst gelesen sein. Dieser von der „Off" - Stimme gelesene Text führt den Rezipienten durch den Film und baut den roten Faden auf, da er entweder durchgehend oder wiederkehrend ist. Dabei kann es wichtig sein, ob es eine weibliche oder männliche Stimme ist, welche Betonung eingesetzt wird und welcher Ausdruck der Stimme verliehen wird. Es entsteht im Film, durch die Ebene des Essays eine stark subjektiv geprägte Atmosphäre, denn der Essay ist eine sehr freie Form des Ausdrucks.9 Der Kommentar hat keine unerhebliche Rolle, denn darin wird die Äußerung des Filmautors gesehen. Über den Essay baut der Filmemacher eigene Erfahrungen, Träume, Geschichten, Anekdoten und kritische Aspekte mit in den Film ein. Der Kommentar kann in dreifacher Sichtweise zu den Bildern stehen. Erstens kann er die Bilder kommentieren, um ihnen entgegenzusteuern und das Filmmaterial zu kommentieren. Zweitens kann er unterstützend zu den Bildern des Films stehen. Drittens kann der Kommentar völlig unabhängig und losgelöst vom Filmmaterial agieren.

 

[...]


1 Lucács, Georg (1911): Über Wesen und Form des Essays: Ein Brief an Leo Popper. In: Die Seele und die Formen, Berlin, S. 3 – 39.
2 Adorno, Theodor W. (1984): Der Essay als Form. In: Ders.: Noten zur Literatur. Tiedemann, Rolf (Hrsg.), Frankfurt a. M., 2. Auflage, S. 9 – 33.
3 Essayfilm, Filmessay und essayistischer Film als Begriffe werden hier willkürlich, ohne eine spezifische Bedeutungszuweisung verwendet, wie es in der Literatur über Essayfilme stattfindet. Dort wird je nach Dominanz der Sprachebene (Essayfilm) oder der Filmebene (Filmessay) der entsprechende Begriff eingesetzt und inhaltlich unterschieden. Da es jedoch beim Essayfilm um ein Zusammenspiel aller Ebenen geht ist ein differenzierter Einsatz der Begriffe nicht nötig.
4 Vgl. Roth, Wilhelm (1982): Der Dokumentarfilm seit 1960, München, S. 9.
5 Ebd., S. 185.
6 Vgl. Scherer, Christina (2001): Ivens, Marker, Godard, Jarman. Erinnerung im Essayfilm. München, S. 25.
7 Roth, Wilhelm (1982).
8 Vgl. Nichols, Bill (1995), S. 152.
9 Vgl. Adorno, S. 10.


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