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Das Müllkippen-Syndrom

Subtitle: Syndrome des globalen Wandels

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2008, 39 Pages
Author: Paul Jörg Koch
Subject: Geography / Earth Science - Economic Geography

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2008
Pages: 39
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 48  Entries
Language: German
Archive No.: V119457
ISBN (E-book): 978-3-640-22900-0
ISBN (Book): 978-3-640-23065-5
File size: 841 KB
Notes :
48 Einträge im Literaturverzeichnis, davon 33 Internetquellen.


Abstract

Die vorliegende Ausarbeitung beschäftigt sich mit dem Müllkippen-Syndrom. Das Müllkippen-Syndrom, als der „Umweltverbrauch durch geregelte und ungeregelte Deponierung zivilisatorischer Abfälle“ (WBGU 1996, 2: 5), wurde erstmals im Jahr 1996 vom wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) als eigenständiges Syndrom beschrieben. Vorher war es gemeinsam mit dem Altlasten-Syndrom unter Bitterfeld-Syndrom zusammengefasst. Charakteristisch für das Müllkippen-Syndrom ist, dass Mülldeponien nicht dem Schadstoffpotenzial des abgelagerten Abfalls genügen und es somit zur Gefährdung von Umwelt und Gesundheit kommt (WBGU 1994: 171). Vor allem in den weniger „entwickelten“ Ländern der Welt gehen enorme Umweltrisiken von, häufig am Rande großer Agglomerationen angelegten, Müllkippen mit weitgehend ungeregelter Abfallentsorgung aus (KRAAS 1994: 101). So werden z.B. die riesigen Abfalldeponien in der unmittelbaren Umgebung vieler afrikanischer Ballungszentren als „tickende Zeitbomben“ beschrieben (WBGU 1996, 2: 130). Diese Betroffenheit wird zusätzlich durch den finanziell motivierten Müllexport aus Industrieländern in „Entwicklungs­und Transformationsländer“, in denen die Deponierung z.B. aufgrund geringerer Umweltstandards weniger kostenintensiv ist, gefördert (WBGU 1997: 146; WÖHLCKE 1987: 44; vgl. 2.5). Darüber hinaus ist dieses Syndrom jedoch nicht nur in den ärmeren Ländern der Welt, sondern „in der Nähe der großen Besiedlungsgebiete aller Kontinente“ anzutreffen (WBGU 1996, 2: 130). Bezüglich des Ausmaßes der Umweltgefährdung sind nämlich die lokalen Umweltstandards und deren Umsetzung und nicht der Grad der Entwicklung einer Nation, als maßgeblich zu betrachten (WBGU 1996, 2: 130). So waren in den USA, einem der reichsten Länder der Welt, „Ende der 90’er Jahre“ des 20.Jh. nur etwa 10% der landesweit 100.000 Mülldeponien, aufgrund der relativ geringen Umweltstandards, „grundwassersicher“ abgedichtet (WBGU 1997: 95).


Excerpt (computer-generated)

Philipps-Universität Marburg

Oberseminar Syndrome des globalen Wandels

Das Müllkippen-Syndrom

Syndrome des globalen Wandels

Paul Jörg Koch

 

Gliederung


1 Einleitung ... 3-4

2 Müllkippen-Syndrom ... 5-20

2.1 Ursachen ... 5-7
2.2 Auswirkungen ... 7-12
2.3 Entwicklung und Situation in Deutschland ... 13-16
2.4 Spezialfall „wilde Müllkippe Ozean“ ... 17
2.5 Spezialfall internationaler Müllhandel ... 18-19
2.6 Mögliche Darstellung: Fließschema ... 20

3 Fallbeispiele ... 21-29

3.1 Sao Paulo ... 21-27
3.2 Keputih-Deponie ... 27-29

4 Kurzfristige Maßnahmen zur „Symptombekämpfung“ ... 29

5 Strategien zur Syndromverhütung ... 29-32

6 Fazit ... 32-33

Literaturverzeichnis ... 34-38

 

 

1 Einleitung

Die vorliegende Ausarbeitung beschäftigt sich mit dem Müllkippen-Syndrom.

Das Müllkippen-Syndrom, als der „Umweltverbrauch durch geregelte und ungeregelte Deponierung zivilisatorischer Abfälle“ (WBGU 1996, 2: 5), wurde erstmals im Jahr 1996 vom wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) als eigenständiges Syndrom beschrieben. Vorher war es gemeinsam mit dem Altlasten-Syndrom unter Bitterfeld-Syndrom zusammengefasst. Charakteristisch für das Müllkippen-Syndrom ist, dass Mülldeponien nicht dem Schadstoffpotenzial des abgelagerten Abfalls genügen und es somit zur Gefährdung von Umwelt und Gesundheit kommt (WBGU 1994: 171).

Vor allem in den weniger „entwickelten“ Ländern der Welt gehen enorme Umweltrisiken von, häufig am Rande großer Agglomerationen angelegten, Müllkippen mit weitgehend ungeregelter Abfallentsorgung aus (KRAAS 1994: 101). So werden z.B. die riesigen Abfalldeponien in der unmittelbaren Umgebung vieler afrikanischer Ballungszentren als „tickende Zeitbomben“ beschrieben (WBGU 1996, 2: 130). Diese Betroffenheit wird zusätzlich durch den finanziell motivierten Müllexport aus Industrieländern in „Entwicklungsund Transformationsländer“, in denen die Deponierung z.B. aufgrund geringerer Umweltstandards weniger kostenintensiv ist, gefördert (WBGU 1997: 146; WÖHLCKE 1987: 44; vgl. 2.5).

Darüber hinaus ist dieses Syndrom jedoch nicht nur in den ärmeren Ländern der Welt, sondern „in der Nähe der großen Besiedlungsgebiete aller Kontinente“ anzutreffen (WBGU 1996, 2: 130). Bezüglich des Ausmaßes der Umweltgefährdung sind nämlich die lokalen Umweltstandards und deren Umsetzung und nicht der Grad der Entwicklung einer Nation, als maßgeblich zu betrachten (WBGU 1996, 2: 130). So waren in den USA, einem der reichsten Länder der Welt, „Ende der 90’er Jahre“ des 20.Jh. nur etwa 10% der landesweit 100.000 Mülldeponien, aufgrund der relativ geringen Umweltstandards, „grundwassersicher“ abgedichtet (WBGU 1997: 95).

Ein aktuelles Problem welches in gesteigertem Maße die Industrie- und Schwellenländer betrifft und bisher jeglicher Lösung entbehrt, ist die Entsorgung radioaktiven Mülls, welcher bezüglich des Zeithorizonts eine Sonderstellung einnimmt, da die Lagerstätten über mehrere Jahrtausende hinweg vollständig von der Umwelt abgeschlossen bleiben müssen (WBGU 1996, 2: 130). In Abhängigkeit vom jeweiligen Sicherheitsstandard bleibt ein fortwährendes Risiko der Entweichung radioaktiver Strahlung bestehen (WBGU 1999: 217).

Auf einer internen Umfrage des WBGU basierend, entstand eine Einstufung der vom WBGU beschriebenen Syndrome nach globaler Relevanz, Dringlichkeit und Wissensdefizit. Hieran wurden die einzelnen Syndrome mit einem Indexwert auf der Skala von 1 (niedrig) bis 4 (hoch) versehen. Wie Abb.1 zeigt, besteht im Vergleich zu anderen Syndromen eine relativ hohe globale Relevanz (3,3) und Dringlichkeit (3,3). Obwohl Ursache-Wirkungs- Mechanismen weitgehend bekannt sind, bestehen weiterhin erhebliche Wissensdefizite, wie aus dem Indexwert von 2,5 zu entnehmen ist.

Abb.1: Globale „Rangfolge der Syndrome gemäß der Relevanzkriterien“ (nur in der Download-Version verfügbar)


2 Müllkippen-Syndrom


2.1 Ursachen

Hieran wird zwischen direkt wirkenden, inneren (on-side) und indirekt wirkenden, äußeren (off-side) Ursachen unterschieden, wobei die Direkten zum Auftreten der Symptome (Qualität) führen und die Indirekten für die Rahmenbedingungen, welche das Ausmaß des Syndroms (Quantität) bestimmen, Verantwortung zeichnen.

Zu den direkten Ursachen des Müllkippen-Syndroms gehört die nicht dem Schadstoffpotenzial genügende Deponierung von Siedlungs- und Industrieabfällen. Diese ist oftmals darauf zurückzuführen, dass technische Umweltschutzmaßnahmen bei der Planung nicht beachtet oder für nicht notwendig erachtet werden (WBGU 1994: 171) oder diese im Laufe der Betriebszeit aufgrund von Abnutzungserscheinungen an Funktionalität verlieren (vgl. 2.2). Außerdem kann es zur Schadstoffentweichung kommen, wenn außergewöhnliche Wetterphänomene und Extremwettereignisse, deren Anzahl im Rahmen der globalen Erderwärmung stetig zunimmt, nicht in die Planung miteinbegriffen werden (WBGU 1999: 220). Fehlende Regelungen für eine geordnete Abfallentsorgung führen in den meisten Fällen zur Abfallbeseitigung auf die kostengünstigste Weise, wobei die Abfalleinbringung häufig unsortiert, unkontrolliert und ungeordnet erfolgt (WBGU 1994: 171).

Demgegenüber sind die indirekten Ursachen oftmals vielschichtiger, können sich gegenseitig bedingen oder verstärken und sind in vielen Fällen schwerer zu prognostizieren, da sie häufig von externen Faktoren abhängig sind. Im Allgemeinen kommt es aufgrund eines relativ schnell ansteigenden Müllaufkommens zu Tragfähigkeitsproblemen der Abfallinfrastruktur, welche die unsachgerechte Müllentsorgung auf z.T. wilden, also illegalen, nicht kontrollierten Müllkippen begünstigen (WBGU 1993: 129-130). Gründe für einen solch raschen Anstieg können Industrialisierungsprozesse (WBGU 2001: 34, 48), Urbanisierung im Allgemeinen (WBGU 1994: 146) und Wachstum der Megastädte im Besonderen (NOLTE&WALDMANN 2000; WBGU 2001: 34), die Ausbreitung westlicher Konsum- und Lebensstile (BAFU 2008, 1; WBGU 2001: 34, 45) und die damit häufig verbundene Anspruchssteigerung (WBGU 2001: 48), Suburbanisierung (WBGU 1996, 2: 118), Bevölkerungswachstum (BAFU 2008, 1; WBGU 1993: 129-130; WBGU 2001: 34, 48), Wirtschaftswachstum (BAFU 2008, 1; WBGU 1994: 146), Verkürzung der Produktlebenszeiten (WBGU 1994: 146), Migration (WBGU 1993: 129-130; WBGU 2001: 45), Tourismus (WBGU 1994: 181), Markt- und Politikversagen (WBGU 2001: 48), Anstieg der Kaufkraft breiter Teile der Gesellschaft (OULD CHIH&ROSE 2001: 18) und Weitere darstellen. Darüber hinaus ist es als besonders problematisch zu betrachten, wenn der internationale Warenhandel und die Globalisierung der Märkte zur Verbreitung verpackungsreicher Produkte, sowie von Materialen die in den Konsumregionen nicht aufbereitet oder nachhaltig deponiert werden können, führt (BAFU 2008, 1; WBGU 2001: 48). Defizite in der gesellschaftlichen Umweltbildung und Gewissenlosigkeit der Abfallemittenten können zudem selbst einer gutorgansierten Abfallwirtschaft Probleme bereiten (BAFU 2008, 1).

 

[...]



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