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Doha Development Agenda im Kontext des Rationalismus

Subtitle: Antizipation und Begutachtung des Akteursverhaltens der Doha Development Agenda

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2008, 26 Pages
Author: Daniel Brücher
Subject: Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2008
Pages: 26
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 14  Entries
Language: German
Archive No.: V120065
ISBN (E-book): 978-3-640-24047-0


Abstract

Die Hauptseminararbeit legt den Fokus zunächst auf die Historie der Doha Development Agenda (DDA). Es werden mehrere Themengebiete wie Argrarverhandlungen, Vergabe von Zwangslizenzen zur Produktion von Medikamenten gegen HIV/AIDS, TBC und Malaria diskutiert. Anhand von Überlegungen aus der "Neuen Politischen Ökonomie" wird ein zu erwartendes Akteursverhalten prognostiziert und anhand der Verhandlungsfortschritte bewertet. Handeln die Akteure rein Nutzenorientiert? Oder ist das "Netzwerk" der WTO ein Instrument normativer, institutionalistischer Verhandlungsideologien? Diese Frage soll in einem pragmatischen Ansatz anhand des Akteursverhaltens bewertet werden.


Excerpt (computer-generated)

TU Darmstadt - Institut für Politikwissenschaft

Seminar: Internationale Organisationen

Doha Development Agenda im Kontext des Rationalismus

von

Daniel Brücher

Inhaltsverzeichnis

Einleitung 2

Rational Choice Theory nach Mancur Olson 4

Einführung 4

Entstehung und Ziel einer Interessensgruppe 4

Faktoren für die Effizienz einer Interessensgruppe 5

Kosten und Nutzen 6

Prognostiziertes Akteursverhalten 7

Doha Development Agenda 10

Einführung 10

Beteiligte Länder 10

Inhalte und Ziele 11

Agrarverhandlungen 11

Handelsregeln 12

Antidumping 12

Antisubventionen

13

Zugang zu Medikamenten (TRIPS) 13

Umwelt 14

Erklärung des Fortgangs der Doha Runde anhand des Rationalismus 15

Verlauf der Verhandlungen 15

Überprüfung des prognostizierten Akteursverhaltens 18

Zugang zu Medikamenten

18

Umweltschutz

19

Agrarverhandlungen

20

Probleme bei der Verwendung des rationalistischen Erklärungsansatzes 21

Al gemeine Kritik am Rationalismus 21

Bewertungsrahmen 22

Fazit 23

Literatur 24

Bücher 24

Internet 24


Einleitung

Die Doha Runde ist eine der wichtigsten Möglichkeiten globale Reformen auf al en

Gebieten, wie z.B. wirtschaftlicher Entwicklung, Gesundheitswesen, Umweltschutz,

Handelsregeln durchzuführen. Zwar gibt es auch eine beträchtliche Anzahl anderer

internationaler Abkommen, wie z.B. das Kyoto Protokol zur Reduzierung von

Treibhausgasen. Diese Abkommen und Konferenzen sind jedoch häufig thematisch

viel stärker fokussiert als die Doha Development Agenda und stel en keine dermaßen

außergewöhnliche und seltene Chance Einflussnahme auf globale Verhandlungen

dar. Der Fortgang der DDA ist jedoch sehr schleppend und zögerlich. Ausgehend

von den vielen unterschiedlichen Interessenslagen der Teilnehmerstaaten, stand die

Frage, nach welchen Maximen und Handlungsweisen die einzelnen Akteure handeln.

Ziel der Doha Runde ist es, Problemen der Entwicklungsländer auf dem Weltmarkt

entgegenzuwirken. Dies sol auch und insbesondere durch die Liberalisierung des

Handels erfolgen. Die Industriestaaten machen relativ wenige Zugeständnisse um

Entwicklungsländer in dieser Hinsicht zu stärken und für eine bessere

Chancengleichheit zu sorgen. Auf Basis von M. Olson ,,Die Logik des kol ektiven

Handelns" stel en wir die These auf: ,,Al e Akteure der Doha Development Agenda

handeln ausschließlich nach der Maximierung ihres individuel en (nationalen)

Nutzens."

Exemplarisch sol anhand des Rationalismus, insbesondere unter Berücksichtigung

der ,,Logik des Kol ektiven Handelns" nach Mancur Olson, das Akteursverhalten

beschrieben werden. Daher teilt sich die vorliegende Arbeit in drei wesentliche Teile.

Zunächst sol die hier verwendete Ausprägung des Rationalismus vorgestel t werden.

Davon ausgehend werden die wesentlichen Handlungsmaximen extrahiert und das

zu erwartende Akteursverhalten, aus rationalistischer Sicht beschrieben.

Im folgenden Teil werden die Inhalte und der Fortgang der DDA beschrieben.

Aufgrund der Vielschichtigkeit können nur exemplarisch Teilaspekte ausgewählt und

dargestel t werden. Auf entsprechende, weiterführende Literatur wird an den

entsprechenden Stel en verwiesen.

Im abschließenden Teil wird überprüft, ob und in wiefern das prognostizierte

Akteursverhalten tatsächlich zu beobachten war. An dieser Stel e wird auch

2


entsprechende Kritik an der Verwendung des Rationalismus zur Analyse der DDA

eingebracht und diskutiert. Ziel ist es hierbei die Schwächen, als auch die Stärken in

der Betrachtung der DDA anhand des Rationalismus herauszustel en.

Darmstadt, im August 2008

3


Rational Choice Theory nach Mancur Olson

Einführung

Mancur Olson legte 1965 mit ,,Die Logik des kol ektiven Handelns" eine detail ierte

Theorie vor, anhand der das Akteursverhalten1 in Interessensgruppen vorhersagbar

und nachvol ziehbar gemacht werden sol te. Bezeichnend für seine Theorie ist, dass

entsprechende Parameter für die Effizienz einer Akteursgruppe genau benannt

werden.

Entstehung und Ziel einer Interessensgruppe

Zunächst wird für das Zustandekommen einer Interessensgruppe das Fehlen eines

Kol ektivgutes vorausgesetzt. Wird das Mangelempfinden von mehreren Akteuren

geteilt, organisieren sich mehrere Akteure, mit dem Ziel dieses gut als Kol ektivgut

bereitzustel en. Dabei kann es sich zum einen um ein al gemeines Kol ektivgut

handeln. Ein al gemeines Kol ektivgut, kommt zu Gute, auch jenen, die nicht in

entsprechender Interessensgruppe organisiert sind.

Beispiel: Die Interessensgruppe ,,Sichere Strasse" setzt sich aus mehreren

beunruhigten Bürgern zusammen. Sie sorgen für die Bereitstel ung des

Kol ektivgutes ,,Straßensicherheit", indem an unübersichtlichen Kreuzungen

Warnschilder angebracht werden. Al e Straßenverkehrsteilnehmer profitieren somit

vom Kol ektivgut ,,Straßensicherheit".

Alternativ kann ein Kol ektivgut nur für jene bereitgestel t werden, die an der

Bereitstel ung des Kol ektivgutes beteiligt sind. Dann handelt es sich um ein

exklusives Kol ektivgut

1 Im Folgenden kann Akteur für ein Individuum stehen, beispielsweise einen Lehrer, der an seiner Schule ein

bestimmtes Kol ektivgute (z.B. Verschönerung des Schulhofes) erlangen möchte. Zudem kann ein Akteur,

insbesondere im Kontext der später erwähnten Doha-Runde, für einen Staat, eine NGO oder ein Unternehmen

stehen. Das hier verwendete ,,Akteur" schließt als neutrale form die weibliche, als auch die männliche Form mit

ein.

4


Beispiel: Die Anwohner der ,,Exklusiv-Wohnanlage" verbessern die Beleuchtung der

Wege innerhalb der Wohnanlage. Hierbei kommen nur die Anwohner (Bereitstel er

des Kol ektivgutes) in den Nutzen des Kol ektivgutes

Das Bestehen einer Interessensgruppe ist somit Zweckgebunden. Ist das

Kol ektivgut bereitgestel t, fäl t das gemeinsame Ziel und somit der Grund für das

Bestehen der Interessensgruppe weg, sodass sich diese auflöst.

Faktoren für die Effizienz einer Interessensgruppe

Olson stel t bestimmte Parameter, wie die Größe der Akteursgruppe, in der Gruppe

gegebene selektive und kol ektive Anreize als wesentlich für die Fähigkeit der

Bereitstel ung eines Kol ektivgutes heraus. Grundlage für die Entscheidung eines

Akteurs ist ein individuel es Kosten-Nutzen Kalkül, anhand dessen die einzelnen

Akteure entscheiden ob und in welchem Maße sie in die Erlangung des

Kol ektivgutes investieren. Je größer die selektiven Anreize sind und je mehr ein

Akteur vom erlangen des Kol ektivgutes profitiert, umso größer werden seine

Investitionen in die Bereitstel ung des Kol ektivgutes sein. Im Gegenzug dazu heißt

es, je geringer die selektiven Anreize und umso geringer der Mehrwert für einen

Akteur, umso geringer sind dessen Investitionen. Das von Olson beschriebene

Trittbrettfahrerproblem (free-rider problem) beschreibt genau jene Problematik.

Olsons Theorie folgend sind kleine Gruppen handlungsfähiger als große, weil eine

Abstimmung

unter

den

Akteuren

über

die

Ziele

einen

geringeren

Organisationsaufwand bedingt, der zugleich geringere finanziel e Kosten bedeutet.

Olson geht davon aus, dass sich in kleinen Interessensgruppen die einzelnen

Akteure persönlich kennen. Dadurch entsteht ein sozialer Druck die entsprechenden

Investitionen (Zeit, Know How, monetäre Ressourcen) vorzunehmen. Ihre Mitglieder

sind bei nicht Erbringung leichter zu sanktionieren sowie leichter durch selektive

Anreize anzuspornen.

5


Kosten und Nutzen

Die Begriffe von Kosten und Nutzen können je nach Kontext unterschiedlichen Inhalt

haben. Nachfolgend sol eine Auflistung möglicher Kosten und Nutzen gemacht

werden um die Verwendung der Begriffe, in diesem Kontext zu verdeutlichen.

Kosten:

· Finanziel e Ressourcen

· Zeitlicher Aufwand

· Mitgliedsgebühren der Interessensgruppe

· Koordinationsaufwand für Gruppenorganisation

o Abstimmen über Zeit und Ort der Treffen

o Abstel en von Mitarbeitern/Ressourcen

o Kosten für Tagungsräume, Anreise etc.

· Nicht zu realisierende Gewinne2

Nutzen:

· Finanziel e Vorteile

· Zusicherung von Rechten

o Vertriebsrechte

o Zugang zu Märkten

Al e Akteure treffen ihre individuel en Abwägungen anhand eines Kosten-Nutzen

Kalküls und entscheiden sich ob und in welcher Form sie sich, in der Bereitstel ung

des Kol ektivgutes beteiligen. Dabei kann es auch sein, dass al e Akteure zu dem

Schluss kommen, dass sie nicht in die Bereitstel ung des Kol ektivgutes investieren.

In diesem Fal wird das Kol ektivgut nicht bereitgestel t.

Ändern sich die Parameter (Kosten steigen oder sinken; Nutzen ändert seine

Relevanz), können die Akteure zu jedem Zeitpunkt (sofern keine Gruppeninternen

Verträge, die rechtliche Lage etc. sie daran hindern) ihre Entscheidung ändern und

die Investitionen reduzieren oder anheben um z.B. ein Kol ektivgut schnel er

bereitstel en zu können.

2 Nicht zu realisierende Gewinne sind an sich keine Kosten. Werden durch veränderte oder neue Policys zu

erwartende Gewinne in nicht zu realisierende Gewinne verwandelt, tritt eine Reduzierung des Nutzwertes ein.

Dies kann als Kostenäquivalent angesehen werden.

6



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