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Subtitle: als Steuerungsinstrumente des Buchmarktes
Termpaper, 2007, 34 Pages
Author: Elvis Castro
Subject: Book Science
Details
Institution/College: Johannes Gutenberg University Mainz (Institut für Buchwissenschaft)
Tags: Premio, Miguel, Cervantes, Literaturpreise, Literaturwettbewerbe, Steuerungsinstrumente, Buchmarktes
Year: 2007
Pages: 34
Grade: 2
Bibliography: ~ 19 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-24114-9
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Abstract
Der Cervantespreis platziert sich als eine literarischen Institution innerhalb eines, nach Bourdieus Theorie (1999) verwendeten Begriffs, literarischen Feldes, das sich über zwei Kontinente ausweitet, in welchen eigene Machtfelder herrschen. Dabei setzt die Konsolidierung des literarischen Feldes dessen Interaktion mit anderen Feldern durch ihre Instanzen bzw. Institutionen voraus. Die Natur des Cervantespreises und dessen Beitrag zur Konsolidierung des hispanoamerikanischen literarischen Feldes bietet die Gelegenheit unter diesem theoretischen Rahmen die Hauptfunktionen des Preises, sowie dessen politische Instrumentalisierung zu beschreiben. Die vorliegende Arbeit versucht aufzuzeigen, welche Funktionen im allgemeinen der Cervantespreis leistet, nämlich: eine soziale Funktion, indem durch ihn dem Preisträger symbolisches und ökonomisches Kapital zugesprochen, bzw. der Erwerb dessen ermöglicht wird; eine repräsentative Funktion als Selbstpräsentation der verleihenden Institutionen, sowie des Preisträgers, und eine kulturpolitische Funktion, indem die spanische Sprache und Literatur zelebriert, und die hispanoamerikanischen Kultur gepflegt wird. Der Cervantespreis stellt somit ein unverzichtbares Instrument symbolischer Kulturpolitik dar, und ist Teil eines literarischen Feldes, dessen Achse Miguel de Cervantes y Saavedra und sein Werk, vor allem Don Quijote, verkörpern. Die Selbstpräsentation der verleihenden Institutionen, der Preisträger als Repräsentant der Institution, aber auch als unabhängiger Autor in seiner Dankrede, lassen die Bedeutung des Preises wieder erkennen, und drücken die Verhältnisse zwischen den beteiligten Instanzen aus. Die Preisträger werden im Bezug auf den Namenspatron des Preises ausgewählt. Cervantes und sein Werk bilden den Pol dieses kulturellen Feldes, an den die daran beteiligten Schriftsteller und Instanzen sich orientieren. Cervantes Werk wird als Synonym für Sprache und Literatur gleichgesetzt, worin die höchsten kulturellen Ideale und universellen Werten sich ablesen lassen, die Spanien und Lateinamerika verbinden. Um diese Position, die Cervantes eingeräumt wird, nachvollziehen zu können, erscheint es notwendig, einen Überblick über sein Leben und Einfluss seines Werkes vorzustellen, soweit das im Rahmen dieser Arbeit möglich ist.
Excerpt (computer-generated)
Cervantes-Preis
»Premio Miguel de Cervantes«
Hauptseminar:
Literaturpreise und Literaturwettbewerbe als Steuerungsinstrumente des
Buchmarktes
SS 2007
Johannes Gutenberg Universität Mainz
-Institut für Buchwissenschaft-
Vorgelegt von:
Elvis Castro
Am 02. Juli 2007
Inhaltverzeichnis
Einleitung 1
1.
Namespatron: Miguel de Cervantes y Saavedra 2
1.1 Lebenslauf 2
1.2 Bedeutung Cervantes′ Werkes 7
1.2.1 La Galatea 8
1.2.2 Novelas Ejemplares: Die Exemplarischen Novellen 8
1.2.3 Don Quijote 9
1.3 Cervantes im zwei Kontinenten 12
2.
Cervantespreis 15
3.
Nominierung 20
4.
Die Jury 21
5.
Verleihungszeremonie 23
6.
Preisträger und Rezeption des Preises 24
7.
Schlussbemerkung 28
Literaturverzeichnis 30
II
Einleitung
Der Cervantespreis platziert sich als eine literarischen Institution innerhalb eines, nach
Bourdieus Theorie (1999) verwendeten Begriffs, literarischen Feldes, das sich über zwei
Kontinente ausweitet, in welchen eigene Machtfelder herrschen. Dabei setzt die Konsolidierung
des literarischen Feldes dessen Interaktion mit anderen Feldern durch ihre Instanzen bzw.
Institutionen voraus.
Die Natur des Cervantespreises und dessen Beitrag zur Konsolidierung des
hispanoamerikanischen literarischen Feldes bietet die Gelegenheit unter diesem theoretischen
Rahmen die Hauptfunktionen des Preises, sowie dessen politische Instrumentalisierung zu
beschreiben.
Die vorliegende Arbeit versucht aufzuzeigen, welche Funktionen im allgemeinen der
Cervantespreis leistet, nämlich: eine soziale Funktion, indem durch ihn dem Preisträger
symbolisches und ökonomisches Kapital zugesprochen, bzw. der Erwerb dessen ermöglicht
wird; eine repräsentative Funktion als Selbstpräsentation der verleihenden Institutionen, sowie
des Preisträgers, und eine kulturpolitische Funktion, indem die spanische Sprache und Literatur
zelebriert, und die hispanoamerikanischen Kultur gepflegt wird.
Der Cervantespreis stellt somit ein unverzichtbares Instrument symbolischer
Kulturpolitik dar, und ist Teil eines literarischen Feldes, dessen Achse Miguel de Cervantes y
Saavedra und sein Werk, vor allem Don Quijote, verkörpern. Die Selbstpräsentation der
verleihenden Institutionen, der Preisträger als Repräsentant der Institution, aber auch als
unabhängiger Autor in seiner Dankrede, lassen die Bedeutung des Preises wieder erkennen, und
drücken die Verhältnisse zwischen den beteiligten Instanzen aus.
Die Preisträger werden im Bezug auf den Namenspatron des Preises ausgewählt.
Cervantes und sein Werk bilden den Pol dieses kulturellen Feldes, an den die daran beteiligten
Schriftsteller und Instanzen sich orientieren. Cervantes Werk wird als Synonym für Sprache und
Literatur gleichgesetzt, worin die höchsten kulturellen Ideale und universellen Werten sich
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ablesen lassen, die Spanien und Lateinamerika verbinden. Um diese Position, die Cervantes
eingeräumt wird, nachvollziehen zu können, erscheint es notwendig, einen Überblick über sein
Leben und Einfluss seines Werkes vorzustellen, soweit das im Rahmen dieser Arbeit möglich
ist.
1. Namenspatron: Miguel de Cervantes y Saavedra
1.1 Lebenslauf
Das genaue Geburtsdatum Cervantes′ findet man in keiner Biographie oder keinem Werk über
ihn. Damals wurde das Geburtsdatum generell nur bei Angehörigen der Königsfamilie
festgehalten. Man vermutet, dass er am 29. September 1547, am Tag des Erzengels Michael,
geboren wurde, da er auf den Namen Miguel getauft wurde (Vgl. Byron: 1984, S. 9; Siehe auch
Dieterich: 1994, S. 11).
Er wurde als viertes von sieben Kindern einer verarmten adeligen Familie in Alcalá de
Henares geboren. Seine Eltern waren Rodrigo de Cervantes, ein Wundarzt, und Leonor de
Cortinas.
In dem Humanisten Juan López de Hoyos, dem Leiter der Höheren Schule, die
Cervantes besuchte, fand er einen Freund und Förderer. Cervantes entdeckte seine Liebe für
alles Geschriebene und begann selbst zu schreiben (Vgl. Dieterich: 1994, S. 12 ff.).
Das Jahr 1568 bedeutet den ersten großen Wendepunkt in seinem Leben. Denn er gerät
an einem Dezembertag in ein Duell, in dem er seinen Gegner schwer verwundet und
anschließend fliehen muss. Damit begann seine Wanderschaft als fahrender Ritter (Vgl.
Franzbach: 1991, S. 6).
Die Gründe für dieses Duell sind unbekannt, es handelte sich vermutlich um gekränkte
Ehre oder eine unangemessene Liebesbeziehung.
In Abwesenheit wird Cervantes dazu verurteilt, dass ihm öffentlichen seine rechte
Hand abzuhacken sei und einer anschließenden Verbannung von zehn Jahren aus dem
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Königreich. Er flieht daraufhin nach Italien, wo die spanische Krone keine Rechtshoheit besaß,
und tritt im Jahr 1569 als Kammerdiener in den Dienst des Kardinals Claudio Aquavivo (Vgl.
Dieterich: 1994, S. 12-15 ff.).
Ein Jahr später tritt Cervantes in die in Neapel stationierte spanische Marine ein und
wird Soldat. Als Soldat nimmt er am 7. Oktober 1571 an der berühmten Seeschlacht bei
Lepanto teil, bei der die Spanier das Eindringen der Türken in den Mittelmeerraum verhindern.
Obwohl er stark an Fieber erkrankt ist, will Cervantes »lieber kämpfend für Gott und seinen König
sterben als unter Deck liegend abzuwarten« (ebd.).
Dabei erhält er zwei Schüsse in die Brust und verliert seine linke Hand, diese Schlacht
war eine der wichtigsten Erfahrungen in seinem Leben. Es erfüllt ihn mit Stolz, dabei gewesen
zu sein, und lässt Bilder daraus immer wieder in seine Werke einfließen. Sobald seine
Verwundungen ausgeheilt sind, meldet er sich zum Feldzug nach Tunesien. Im Jahr 1575,
gerade als Cervantes beginnt, seine Heimkehr zu planen, gerät er zusammen mit seinem Bruder
in die Gefangenschaft algerischer Seeräuber, die fünf Jahre lang andauert (ebd.).
Cervantes plante mehrere Fluchtversuche, jedoch alle ohne Erfolg. Er wurde enttarnt.
Dabei nimmt er die volle Verantwortung auf sich, obwohl er mit seiner Hinrichtung rechnen
musste. Das verhalf ihm zu einer Sonderstellung unter den Gefangenen, für die er dichtete und
denen er seine Kunst vorlas . Damit wurde er zu einem Anziehungspunkt für seine
Schicksalsgefährten. Seine Tapferkeit und Zielstrebigkeit verschaffte Ihm sogar bei den
Sklavenhaltern großes Ansehen. Am 19. September 1580 konnte Cervantes von dem
Trinitariern Juan de Gil freigekauft werden. Am 24. Oktober trat Cervantes in Begleitung
weiterer fünf Losgekaufter die Heimreise an (ebd.).
In seinem ersten Theaterstück Los tratos de Argel oder beispielsweise in den 40 Kapiteln
des Don Quijote I verarbeitete er seine Erfahrungen aus der Gefangenschaft (Vgl. Dieterich:
1994, S. 14-25).
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1
Die Freiheit ist ein zentrales Thema in Cervantes Werken. Dies beschäftigte Ihn umso mehr,
als er sie doch nicht nur einmal verlor. Es gibt auf Erde kein größeres Glück, das dem
gleichkommt, die (verlorene) Freiheit wieder zu gewinnen, heißt es in Don Quijote I (Kap. 40).
Jahre später in Dom Quijote II (Kap. 58) belehrt der Ritter seinen Knappen: »Die Freiheit Sancho,
ist einer der wertvollsten Güter, die der Himmel dem Menschen gab. Alle Schätze, die die Erde einschließt und
das Meer birgt, können nicht mit ihr verglichen werden. Für die Freiheit, wie auch für die Ehre kann und muß
man das Leben wagen. Auf der andern Seite ist die Gefangenschaft, das Schlimmstes, was den Menschen
widerfahren kann«. Die Umstände seines Lebens finden wir in seinem Werk wieder (ebd.).
Denn er war hoch verschuldet und die Enttäuschung seine Offizierslaufbahn (wegen
seiner Behinderung) zu beenden war groß. So arm und verzweifelt, wie der Eifersüchtige von
Extremadura, der exemplarischen Novelle, war Cervantes, der als letzten Ausweg die Auswanderung
nach Übersee angesehen hatte. Er bewarb sich vergeblich um einen Staatsdienstposten, sich in
den Wettbewerb des literarischen Lebens einzuschalten war eine Alternative, um die nackte
Existenz zu sichern. So arbeitete er 1583 im Madrid am Schäferroman La Galatea und als
Theaterautor (Vgl. Dietreich: 1994, S. 24-28 ff.).
Im Jahr 1584 heiratet er Catalina de Salazar y Palacios. Im selben Jahr gebiert sie ihm
seine geliebte die Tochter Isabel. Gleich danach erscheint La Galatea. Cervantes nennt sich
fortan Miguel de Cervantes y Saavedra. 1585-1587 versuchte er seinen Lebensunterhalt als
Händler zu bestreiten (ebd.).
Im September 1587 wurde Cervantes zum Königlich Kommissar berufen, und
beauftragt Getreide und Öl in Andalusien aufzukaufen. Keine einfache Aufgabe, wie sich
herausstellte, da die Bauern nach einer schlechten Ernte zu den amtlich festgesetzten Preisen
1 Dieses Thema bietet sich für den Vergleich der Cervantespreisträger unter einander und mit Cervantes selbst, wie
z. B. Carpentier (1977), (Guillén (1976), J. C. Onetti (1980) u. a. Sowohl auf einer autobiographischen Ebene, als
auf literarischer Ebene finden wir ähnliche Muster. (Vgl. Serrano-Vicente: Premios Cervantes; Una Literatura en dos
continenetes: 1994, S. 41-65 ff.).
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