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Das Spiel als Weg der Verständigung im interreligiösen Dialog close

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Das Spiel als Weg der Verständigung im interreligiösen Dialog

Examination Thesis, 2008, 69 Pages
Author: Jessica Miklos
Subject: Ethics

Details

Institution/College: University of Hamburg
Tags: Spiel, Verständigung, Dialog
Category: Examination Thesis
Year: 2008
Pages: 69
Grade: 1
Bibliography: ~ 55  Entries
Language: German
Archive No.: V120368
ISBN (E-book): 978-3-640-29025-3


Abstract

Es ist ein nicht zu übersehender wie auch nicht mehr wegzudenkender Fakt der heutigen Gesellschaft: sie ist multikulturell und damit multireligiös. Durch verschiedene, einander bedingende Einflussfaktoren, wie die Globalisierung, die Arbeitermigration und andere Wanderungsbewegungen, hat sich die Bevölkerungsstruktur Deutschlands, und ganz Europas grundlegend verändert. Aus dem christlichen Abendland ist eine bunte Religionslandschaft geworden, die die Pädagogik sowie religiösen Einrichtungen aller Art vor eine große Herausforderung stellt. Es stellt sich die Frage, wie mit der neuen Religionsvielfalt umzugehen ist. Es nicht nur eine Frage des religiösen Nebeneinander, für viele ergeben sich existentielle Fragen. Die Angst nach Entwurzelung dringt in die Köpfe vieler Menschen und oft ist der Frieden zwischen ihnen oder gar auf der Welt gefährdet. Was vor religiösem Hintergrund für eine Konfliktsituation entstehen kann, lässt sich im Nahen Osten erkennen. Seit dem 11. September 2001, dem Tag der Anschläge auf das World Trade Center, welche die schrecklichen Folgen von religiösem Fanatismus deutlich gezeigt haben, ist der Wunsch nach Frieden auf der Welt wieder stark in die Aufmerksamkeit der Bevölkerung gedrungen. Am Gebetstag für den Frieden auf der Welt am 24. Januar 2002 heißt es in der gemeinsamen Erklärung der verschiedenen Religionsgemeinschaften zum Abschluss: „Versammelt hier, in Assisi, haben wir gemeinsam über den Frieden reflektiert, der Geschenk Gottes und Gut der gesamten Menschheit ist. Auch wenn wir unterschiedlichen religiösen Traditionen angehören, bekräftigen wir, dass es zum Aufbau des Friedens nötig ist, den Nächsten zu lieben und die goldene Regel zu beachten: „ Tu dem anderen das, was Du willst, das dir getan wird. In dieser Überzeugung werden wir nicht müde, in der großen Baustelle des Friedens zu arbeiten und dazu halten wir fest...“1 Diese Aussagen sind richtungsweisend für die Zukunft des respektvollen Miteinander der unterschiedlichen Glaubensrichtungen.


Excerpt (computer-generated)


Fachbereich Erziehungswissenschaft

Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft

Fachrichtung: Didaktik der Religionen

Das Spiel als Weg der

Verständigung im

interreligiösen Dialog

Wissenschaftliche Hausarbeit zur Ersten Staatsprüfung für das Lehramt

an der Grund- und Mittelstufe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Das Spiel 6

2.1 Zur Wesensbestimmung des Spiels

8

2.2 Spieltheorien

9

2.2.1 Klassische Spieltheorien

10

2.2.2 Neuere Spieltheorien

10

2.3 Über das Rollenspiel

13

2.3.1 Zum Begriff der Rolle

14

2.3.2 Rollenspiel und andere Formen des darstellenden
Spiels

16

2.3.3 Ziele des Rollenspiels

17

2.3.4 Das Rollenspiel als Einsatzmittel im
interreligiösen Dialog

19

3. Interreligiöser Dialog 21

3.1 Zur Bedeutung

22

3.2 Die 10 Grundregeln des Interreligiösen Dialogs nach
Swidler

23

3.3 Entwicklungen unserer Zeit

26

3.4 Die Theologischen Positionen

30

2


3.4.1 Das Christentum

30

3.4.2 Der Islam

34

3.4.3 Das Judentum

36

4. Die Praxis 40

4.1 Die Beschreibung

41

4.1.1 Der geschichtliche Hintergrund

41

4.1.2 Die Ziele

42

4.1.3 Die Methode.

43

4.1.4 Der Anwendungsrahmen

43

4.1.5 Das Material

44

4.1.6 Die Durchführung

49

4.2 Die Analyse

50

4.2.1 ,,Delicate Balance" in Bezug auf die
Theoriehintergründe des Spiels

50

4.2.2 ,,Delicate Balance" in Bezug auf die
Theoriehintergründe des interreligiösen Dialogs

54

5. Fazit 61

6. Literatur 63

1. Einleitung

3


Es ist ein nicht zu übersehender wie auch nicht mehr wegzudenkender

Fakt der heutigen Gesellschaft: sie ist multikulturell und damit multireligiös.

Durch verschiedene, einander bedingende Einflussfaktoren, wie die

Globalisierung,

die

Arbeitermigration

und

andere

Wanderungsbewegungen,

hat

sich

die

Bevölkerungsstruktur

Deutschlands, und ganz Europas grundlegend verändert.

Aus dem christlichen Abendland ist eine bunte Religionslandschaft

geworden, die die Pädagogik sowie religiösen Einrichtungen aller Art vor

eine große Herausforderung stellt.

Es stellt sich die Frage, wie mit der neuen Religionsvielfalt umzugehen ist.

Es nicht nur eine Frage des religiösen Nebeneinander, für viele ergeben

sich existentielle Fragen. Die Angst nach Entwurzelung dringt in die Köpfe

vieler Menschen und oft ist der Frieden zwischen ihnen oder gar auf der

Welt gefährdet. Was vor religiösem Hintergrund für eine Konfliktsituation

entstehen kann, lässt sich im Nahen Osten erkennen.

Seit dem 11. September 2001, dem Tag der Anschläge auf das World

Trade Center, welche die schrecklichen Folgen von religiösem Fanatismus

deutlich gezeigt haben, ist der Wunsch nach Frieden auf der Welt wieder

stark in die Aufmerksamkeit der Bevölkerung gedrungen.

Am Gebetstag für den Frieden auf der Welt am 24. Januar 2002 heißt es in

der gemeinsamen Erklärung der verschiedenen Religionsgemeinschaften

zum Abschluss:

,,Versammelt hier, in Assisi, haben wir gemeinsam über den Frieden

reflektiert, der Geschenk Gottes und Gut der gesamten Menschheit ist.

Auch wenn wir unterschiedlichen religiösen Traditionen angehören,

bekräftigen wir, dass es zum Aufbau des Friedens nötig ist, den Nächsten

zu lieben und die goldene Regel zu beachten: ,, Tu dem anderen das, was

Du willst, das dir getan wird. In dieser Überzeugung werden wir nicht

müde, in der großen Baustelle des Friedens zu arbeiten und dazu halten

wir fest..."1

Diese Aussagen sind richtungsweisend für die Zukunft des respektvollen

Miteinander der unterschiedlichen Glaubensrichtungen. Denn es gehört zu

1 http://www.kna.de/doku_aktuell/papst_assisi_reden.html

4


den Aufgaben jeder Religion, den Frieden auf der Welt zu fördern. In dem

Sinne ist es unmöglich, auf seinem eigenen Wahrheitsanspruch zu

beharren und anderen die Wahrheit abzusprechen. Es müssen Konzepte

des gegenseitigen Respekts und Verständnisses entwickelt und gelebt

werden.

Doch diesen Respekt, der für den Frieden und die Anerkennung notwendig

ist, können viele Menschen nicht für ,,die andere Religion" aufbringen.

Oft liegen die Gründe dafür in der Vergangenheit und tiefe Wunden gilt es

zu heilen, um gegenseitigen Respekt entstehen zu lassen. Die Frage ist,

inwieweit sich religiös behaftete Wunden wieder heilen lassen. Wie tief

sitzt der Schmerz der Vergangenheit?

Dr. Aviva Doron, UNESCO Vorsitzende der Interkulturellen und

Interreligiösen Dialogstudien der Universität Haifa, entwickelte vor dem

Hintergrund der in Israel vorherrschenden Konfliktsituation das Rollenspiel

,,Delicate Balance"2 zur Förderung von Toleranz und gegenseitigem

Verständnis

der

unterschiedlichen

Glaubensgemeinschaften.

Als

Grundlage diente ihr eine historische Begebenheit, die sich im 13.

Jahrhundert in Toledo, einer Stadt in Spanien zutrug. Unter der Herrschaft

von Alfonso X ist dort ein vorbildliches Beispiel für einen gelingenden

Dialog entstanden.

Sie

nutzt

dabei

Eigenschaften,

die

dem

Rollenspiel

in

der

wissenschaftlichen Anwendung zugesprochen werden und für den

interreligiösen Dialog wichtige Fähigkeiten zum Aufbringen gegenseitigen

Verständnisses sind. Eine besondere Funktion spielt dabei die

Empathiefähigkeit.

Es soll nun untersucht werden, in wieweit ,,Delicate Balance" seinen

Beitrag zur Förderung des interreligiösen Dialogs leisten kann und in

welcher Weise die verschiedenen Aspekte des interreligiösen Dialogs

aufgegriffen wurden.

Im Rahmen dieser Arbeit beschränke ich mich auf die drei großen

monotheistischen Religionen, das Christentum, das Judentum und den

Islam, wobei die fernöstlichen Einflüsse bewusst außer Acht gelassen

2

Doron, Aviva: Delicate Balance; Unesco Chair in Intercultural Dialogue, The University

of Haifa, Produced with the assistance of Unesco in the framework of the Program of

Intercultural and Interreligious Dialogue, 2004

5


werden. Dieses bedeutet nicht, dass sie für einen Dialog zu

vernachlässigen sind, jedoch aufgrund des zu analysierenden Spiels vom

Thema abweichen, welches sich um die besagten Glaubensrichtungen

dreht.

Der Aufbau gliedert sich dabei in drei Teile:

Im ersten Teil wird der Fokus allgemein auf das Phänomen des Spiels

gelegt. Nach allgemeinen Überlegungen über den Begriff des Spiels

werden einige klassische und neuere Spieltheorien vorgestellt, woraufhin

eine Abhandlung über das Rollenspiel folgt, in der die Funktionalität und

die Ziele dieser Methode näher erläutert werden.

Im zweiten Teil, der sich mit dem interreligiösen Dialog beschäftigt,

werden die Entwicklungen unserer Zeit, nach welchen ein Dialog

unabdingbar ist, dargestellt. Darauf folgend werden die dem zugrunde

liegenden theologischen Positionen geschildert.

Der dritte Teil beschäftigt sich dann mit dem Spiel ,,Delicate Balance",

welches in dieser Arbeit auf seine Funktionstüchtigkeit in Bezug auf die

Theorieteile des Spiels sowie des interreligiösen Dialogs geprüft werden

soll.

Kann das Spiel seinen Beitrag zur Förderung gegenseitigen Respekts

leisten?

Sind die für dieses Ziel wichtigen Komponenten beachtet?

Diesen Fragen wird im Folgenden nachgegangen.

2. Das Spiel

6


,,Um zum Ende zu kommen und ein für
allemal, der Mensch spielt nur da,

wo er Mensch im vollen Sinne des Wortes

ist, und er ist nur da wirklich

Mensch, wo er spielt"

( Friedrich Schiller )

Das Spiel. Ein so weit umfassender Begriff, dass man ihn unmöglich mit

einer Definition abhandeln kann. Schon allein die Tatsache, dass das

Spielen kein Menschenprivileg ist, sondern, wie der niederländische

Anthropologe Johan Huizinga (1872 ­ 1945) sagt: ,,Alle Grundzüge des

Spiels sind schon im Spiel der Tiere verwirklicht"3, lässt deutlich werden,

wie schwer zugänglich das Phänomen des Spiels ist. Auch im Tierreich

wird gespielt. Spielen ist also keine kulturelle Erscheinung, da jede Kultur

eine Gesellschaft menschlichen Ursprungs voraussetzt.4

Eine anerkannte Definition Huizingas lautet:

,,Spiel ist eine freiwillige Handlung oder Beschäftigung, die innerhalb

gewisser festgesetzter Grenzen von Zeit und Raum nach freiwillig

angenommenen, aber unbedingt bindenden Regeln verrichtet wird, ihr Ziel

in sich selber hat und begleitet wird von einem Gefühl der Spannung und

Freude und einem Bewusstsein des ,,Andersseins" als das ,,gewöhnliche

Leben". So definiert scheint der Begriff geeignet zu sein, alles zu

umfassen, was wir bei Tieren, Kindern und erwachsenen Menschen Spiel

nennen..."5

Um jedoch nicht vom Kern dieser Arbeit abzuweichen, wird das Spiel hier

auf das ,,menschliche Tun" beschränkt. In vielen Bereichen der

Gesellschaft wird gespielt: Kinder spielen, Erwachsene spielen. Gespielt

wird in allen Variationen: Brettspiele, Glücksspiele, Gewinnspiele,

Puppenspiele, um nur einige zu nennen. Jedoch gibt es einige Merkmale,

die sich nach Hans Scheuerl (1919 ­ 2004) in jeder Form des Spiels

wieder finden lassen.

3 Huizinga, Johan: Homo ludens ­ Vom Ursprung der Kultur im Spiel; Rowohlt Taschenbuch

Verlag, Reinbek bei Hamburg 2004, S. 9

4 vgl. Huizinga 2004, S. 9

5 Huizinga 2004, S. 37

7


2.1 Zur Wesensbestimmung des Spiels

Bei allen Spieltheorien, setzen sie auch an noch so unterschiedlichen

Erklärungsversuchen für das Spielphänomen an, lässt sich doch ein

gemeinsamer Kanon weniger Grundeigenschaften des Gegenstandes

ableiten.

Nach Scheuerl lassen sich sechs Merkmale am Wesen des Spiels

ableiten:

1. Das Moment der Freiheit

Dieses doch alle Spielarten umfassende Wesensmerkmal beinhaltet, dass

der Spieler frei von allen äußeren Zwängen, Ängsten und Nöten sein

muss. Die Abgrenzung nach Außen bedeutet jedoch nicht, dass es

innerhalb des Spiels keine Regeln geben darf, an die sich gehalten werden

muss. Der Spieler muss sich also erst frei machen von äußeren

Einflüssen, um wirklich spielen zu können.

,,Spiel verfolgt keinen außerhalb

seiner selbst liegenden Zweck.6

2. Das Moment der inneren Unendlichkeit

Im Spiel gibt es, anders als bei allem triebhaften Verhalten, nichts, was den

Spieler auf ein Ende warten lässt. Es gibt zwar Triebe, die einen zum Spiel

veranlassen, doch ist der Zustand des reinen Spiels erst einmal erreicht,

ist von einem Zwang zur Beseitigung dieses Zustandes, wie es beim

Triebverhalten üblich ist, nichts mehr zu spüren. Das Spiel drängt auf

Ewigkeit und deswegen nach ständiger Wiederholung.7

3. Das Moment der Scheinhaftigkeit

Da nach Friedrich Schiller (1759 ­ 1805) die Realität und die mi dieser

6 vgl. Scheuerl, Hans: Das Spiel; Beltz Verlag, Weinheim und Basel 1977, S. 69 ff.

7 vgl. Scheuerl 1977, S. 72 ff.

8



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