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Untertitel: Die Bevölkerung auf dem Gebiet des heutigen Kruger National Parks
Hauptseminararbeit, 1999, 32 Seiten
Autor: Sascha Wisotzki
Fach: Afrikawissenschaften
Details
Institution/Hochschule: Humboldt-Universität zu Berlin (Seminar für Afrikawissenschaften)
Tags: Südafrika, Apartheid, Kruger National Park
Jahr: 1999
Seiten: 32
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 26 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-640-24713-4
ISBN (Buch): 978-3-640-24577-2
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Zusammenfassung / Abstract
Stevenson Hamilton nennt seinen Bericht über die Gründung des Kruger National Parks "South African Eden". Der Park ist heute sicher ein Paradies für Tiere, allerdings musste die Bevölkerung auf dem Gebiet des Kruger National Parks ihre Heimat unfreiwillig verlassen, um dieses Paradies entstehen zu lassen. Es stellten sich mir die Fragen, wer waren diese Menschen, die entweder als "blutrünstige Barbaren", "teuflische, grausame Wilderer" oder als "couragierte, treue eingeborene Ranger" beschrieben werden? Wo kamen sie her, und wie sahen ihre sozialen und politischen Strukturen aus, und welches Schicksal erlitten sie, nachdem sie kein Platz mehr auf dem Land hatten, das so unangetastet sein sollte, wie der Gott es schuf? Als Quellen stehen einige zeitgenössische Beschreibungen der Völker des Gebietes von Lestrade und Warmelo zur Verfügung. Bei der Geschichte des Parkes werde ich mich in erster Linie auf den Gründer des Parkes Stevenson-Hamilton und seine Tochter Jane Carruthers, die viel zu dem Kruger National Park veröffentlicht hat, berufen. Die Veränderungen, die sich in der neueren Zeit für die Bevölkerung ergeben haben, und ihre Vertreibung aus dem Park werde ich anhand der Publikationen von Patrick Harries versuchen nachzuzeichnen.
Textauszug (computergeneriert)
Humboldt-Universität zu Berlin
Seminar für Afrikawissenschaften
HS.: Von der Frontier zur Peripherie
Die Vertreibung
aus dem
Paradies
Die Bevölkerung auf dem Gebiet
des heutigen Kruger National Parks und ihr Schicksal
von
Sascha Wisotzki
Inhaltsverzeichnis
Vorwort 3
Zur Terminologie 4
Die Quel en 6
Die Geschichte des Kruger National Parks 9
Die Bevölkerung des südlichen Afrikas 12
Die Bevölkerung auf dem Gebiet des Kruger National Parks 14
Die Venda-sprechenden Völker 15
Die Tsonga-sprechenden Völker 18
Das Schicksal der Bevölkerung 20
Nachwort 29
Bibliographie 30
2
Vorwort
Stevenson Hamilton nennt seinen Bericht über die Gründung des Kruger National
Parks "South African Eden". Der Park ist heute sicher ein Paradies für Tiere, aber der
Titel hat auch einen von ihm sicher nicht beabsichtigten Doppelsinn. So wie die
Menschen aus dem Paradies vertrieben wurden, so mußte auch die Bevölkerung des
Kruger National Parks ihre Heimat verlassen.
Es stel ten sich mir die Fragen, wer waren diese Menschen, die entweder als
"blutrünstige Barbaren"1, "teuflische, grausame Wilderer"2 oder als "couragierte, treue
eingeborene Ranger"3 beschrieben werden? Wo kamen sie her, und wie sahen ihre
sozialen und politischen Strukturen aus, und welches Schicksal erlitten sie, nachdem
sie kein Platz mehr auf dem Land hatten, das so unangetastet sein sol te, wie der Gott
es schuf4?
Als Quel en stehen einige zeitgenössische Beschreibungen der Völker des
Gebietes von Lestrade und Warmelo zur Verfügung. Bei der Geschichte des Parkes
werde ich mich in erster Linie auf den Gründer des Parkes Stevenson-Hamilton und
seine Tochter Jane Carruthers, die viel zu dem Kruger National Park veröffentlicht hat,
berufen.
Die Veränderungen, die sich in der neueren Zeit für die Bevölkerung ergeben
haben, und ihre Vertreibung aus dem Park werde ich anhand der Publikationen von
Patrick Harries versuchen nachzuzeichnen.
1Carruthers, J.; Paul Kruger and the Kruger National Park; S.281.
2ebenda; S.271.
3ebenda.
4ebenda; S.279.
3
Zur Terminologie
Bei dieser Arbeit stel te sich mir das Problem, adäquate Bezeichnungen für die
afrikanischen Organisationsstrukturen und ihre Repräsentanten zu finden. Dafür gibt es
aus meiner Sicht zwei Gründe: der eine ist, dass es in der deutschen Sprache keine
Ausdrücke gibt, die diese Personen und Gemeinschaften auch nur annähernd
beschreiben. Das Wort ′Stamm′, abgesehen davon, dass es mir negativ belegt zu sein
scheint, bezeichnet eine "ethnische Einheit, die sich durch sprachliche und kulturel e
Homogenität auszeichnet"5. Diese Definition trifft auf afrikanische Gemeinschaften nicht
zu, da sie sich durch eine große soziale Durchlässigkeit, sprachliche Vielfältigkeit und
sehr große Flexibilität auszeichnen6. Der Versuch, in Fremdsprachen zu fliehen und
stattdessen ′tribe′ oder ′Ethnie′ zu benutzen, ist meiner Meinung nach wenig hilfreich.
′Tribe′ bedeutet Stamm und trägt somit nichts zur Klärung des Problems bei. ′Ethnie′
heißt Volk7, und als Volk bezeichnet man eine "Gesamtheit von Menschen, die sich
durch Kultur, Sprache und Geschichte verwandt glauben"8. Der Begriff erscheint mir
aus dem gleichen Grund ungeeignet wie ′Stamm′ oder ′tribe′. Der andere Grund ist die
unübersehbare Fül e der verschiedensten Gemeinschaften mit al en ihren Facetten. So
ist es gar nicht möglich, einen für ganz Afrika zutreffenden Begriff zu finden. Auf
ähnliche Schwierigkeiten trifft man bei Häuptling und ′chief′, Klan, Sippe oder Familie.
Ich werde in dieser Arbeit meistens die Begriffe Volk, Klan, Familie und
Oberhäupter verwenden. Sie sind so unzutreffend wie al e anderen auch, aber sie
kommen mir neutral und historisch unbelastet vor. Wenn es mir im Kontext sinnvol
erscheint, werde ich auch von Stämmen und Häuptlingen sprechen und versuchen, die
Begriffe klar zu definieren.
5Brockhaus
6Harding, L; Einführung in das Studium der Afrikanischen Geschichte; S.39-40.
7Neues Deutsches Wörterbuch; S.290.
8ebenda; S.1000.
4
Des Weiteren werde ich bei Völker- oder Sprachennamen nur den Wortstamm
verwenden. Ich bin mir bewusst, dass dies in den afrikanischen Klassensprachen
unmöglich ist. Die korrekte Anwendung der Vorsilben bringt für den Leser keinen
Vorteil, und deshalb werde ich also z.B. Suto statt Basuto, wenn ich das Volk meine,
schreiben und ihre Sprache auch Suto statt Sisuto nennen.
5
Die Quellen
Es ist sehr schwierig, die ursprüngliche Bevölkerung des Parks zu beschreiben oder in
bestimmte Zugehörigkeiten einzuteilen, wie Stämme, Völker oder Nationen. Das hängt
einmal damit zusammen, dass sich unsere Vorstel ungen eines politischen oder
sozialen Gemeinwesens schwer mit den afrikanischen Gegebenheiten vereinbaren
lassen9, und zum anderen damit, dass al e Berichte über die Völker in Afrika mehr oder
weniger stark von den Vorstel ungen der Autoren10 geprägt sind. So beschreibt z. B.
der
Missionar Merensky, der 1860 in den Süden des jetzigen Kruger National Parks
vordrang, die afrikanischen Führer, die seinen missionarischen Ideen abgeneigt waren,
als blutrünstige Despoten, andere, die sich seinen Ideen aufgeschlossen zeigten, als
fürsorgliche Landesfürsten11. Auch meinte er, Christen an ihrem Gesichtsausdruck zu
erkennen, da der scheue, lauernde und unstete Blick verschwunden sei12.
Auch Junods Beschreibungen, er war als Missionar im südlichen Afrika tätig,
sind von europäischen Vorstel ungen geprägt, und er schließt daher von einer
einheitlichen Sprache mit verschiedenen Dialekten auf eine Nation im europäischen
Sinne13. Der Begriff Nation beschreibt eine "Lebensgemeinschaft von Menschen mit
dem Bewußtsein gleicher politisch-kulturel er Vergangenheit und dem Wil en zum
Staat."14 Diese Definition trifft auf die Gesel schaften im südlichen Afrika nicht zu, da sie
ständigen Bewegungen und Veränderungen unterworfen waren. Eine Fixierung dieser
Entwicklung geschah durch die Festschreibung des ′Stammesrechts′ während der
Kolonialzeit oder in diesem Fal durch die Eingeborenenverwaltung der Süd-
afrikanischen Union15.
So ist unser Wissen über die vorkolonialen Kulturen sehr gering, da die
zeitgenössischen Chronisten lange meinten, dass die afrikanischen mündlichen
Überlieferungen unserer Vorstel ung von historischer Authentizität nicht genügten und
9Harding, L.; Einführung in das Studium der Afrikanischen Geschichte; S.32-47.
10Harries, P; Exclusion, Classification and internal Colonialism; S.87.
11Merensky, A.; Missionsleben in Transvaal; S.39.
12ebenda; S.50.
13Junod, H.; The life of a South African Tribe; Band I; S.14.
14Duden, Das Fremdwörterbuch; S.524.
15Harding, L.; Einführung in das Studium der Afrikanischen Geschichte; S.40-41.
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