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Research Paper, 1999, 119 Pages
Authors: Timo Neubauer, Ole Rühaak
Subject: Art - Architecture / History of Construction
Details
Tags: neuseeländische Baugeschichte, Maori, koloniale Architektur, georgianische Architektur, Californian Bungalow Style, bikulturelle Architektur, Art Deco, Regionalismus, Moderne, Ian Athfield, Roger Wal
Year: 1999
Pages: 119
Grade: 1,3
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-18077-1
File size: 99350 KB
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Excerpt (computer-generated)
Neuseeland - Ein Land auf architektonischer Selbstfindung
Universität Hannover
Institut für regionale Architektur und Siedlungsplanung
bearbeitet von
Timo Neubauer und Ole Rühaak
4. Juni 1999
...Als wir weiter heran kamen, entdeckte man, daß es ein Indianer war, der mit einer Keule oder Streit-Axt bewafnet, auf der Felsenspitze stand, und hinter ihm erblickte man in der Ferne, am Eingang des Waldes, zwo Frauenpersonen, deren jede einen Spieß in der Hand hielt. Sobald wir mit dem Boot bis an den Fuß des Felsens hingekommen waren, rief man ihm in der Sprache von Taheiti zu: Tayo Harre maï, d.i. Freund komm hier! Allein das tat er nicht, sondern blieb an seinem Posten, auf seine Keule gelehnt stehen und hielt in dieser Stellung eine lange Rede, die er bey verschiednen Stellen mit großem Nachdruck und Heftigkeit aussprach, und alsdann zugeleich die Keule um den Kopf schwenkte. Da er nicht zu bewegen war näher zu kommen, so ging Capitain Cook vorn ins Boot, rief ihm freundlich zu und warf ihm sein und andrer Schnupftücher hin, die er jedoch nicht auflangen wollte. Der Capitain nahm also etliche Bogen weiß Papier in die Hand, stieg unbewaffnet auf dem Felsen aus und reichte dem Wilden das Papier zu. Der gute Kerl zitterte nunmehro sichtbarer Weise über und über, nahm aber endlich, wiewohl immer noch mit vielen deutlichen Merkmalen von Furcht, das Papier hin. Da er dem Capitain jetzt so nahe war, ergriff ihn dieser bei der Hand und umarmte ihn, indem er des Wilden Nase mit der seinigen berührte, welches ihre Art ist, sich untereinander zu begrüßen. Dieses Freundschaftszeichen benahm ihm mit einemmale alle Furcht, denn er rief die beyden Weiber zu sich, die auch ungesäumt herbey kamen, indes daß von unsrer Seite ebenfalls verschiedne ans Land stiegen, um dem Capitain Gesellschaft zu leisten. Nunmehro erfolgte zwischen uns und den Indianern eine kleine Unterredung, wovon aber keiner etwas rechtes verstand, weil keiner in des andern Sprache hinreichend erfahren war. Herr Hodges zeichnete gleich auf der Stelle einen Umriß ihrer Gesichtsbildung und aus ihren Mienen ließ sich abnehmen, daß sie begriffen, was er vor hatte. Sie nannten ihn desfalls tóa-tóa, welches Wort vermuthlich eine Beziehung auf die bildenden Künste haben müßte
Zitat: Georg Forster
Aus: Reise um die Welt, Berlin 1778 - 1780
Inhaltsverzeichnis
Vorwort ... 6
Teil 1- Geographische Einführung ... 7
Lage und Größe ... 7
Plattentektonik ... 7
Naturräumliche Gliederung ... 9
Klima ... 11
Flora und Fauna ... 13
Bevölkerung ... 15
Wirtschaft ... 16
Land- und Forstwirtschaft ... 17
Industrie, Bergbau, Energie ... 18
Handel und Dienstleistung ... 18
Teil II - Der Selbstfindung auf der Spur ... 19
Architektur der Ureinwohner ... 21
Das Maorihaus - whare ... 22
Die ersten Europäer ... 24
Von Schilf und Holz ... 26
Häuser aus Erde ... 26
Abkehr von der lokalen Bauweise ... 27
Entwicklung des Holzhauses ... 28
Häuser aus Stein ... 29
Erste bedeutendere Gebäude ... 29
Koloniale Architektur ... 32
Gothic Revival ... 34
Cottages, Villas und Country Houses ... 37
Untergang der Maorikultur ... 39
Erste Ansätze eigener Identität ... 40
J. W. Chapman-Taylor ... 40
Basil Hooper ... 42
William Gummer ... 43
Historisierende Zwischenphase ... 44
Der Neo-Georgian-Style ... 44
Californian Bungalow Style ... 46
Konservative Lösungen ... 46
Moderne ... 50
Akademische Stildiskussion ... 52
State Houses ... 54
Centennial Exhibition 1940 ... 56
Einfluß europäischer Modernisten ... 57
Die Scheune als Startpunkt ... 63
Architektur als Individualismus ... 65
Skandinavische Einflüsse ... 66
Neue Ideen ... 68
Auf dem Holzweg ... 69
Häuser von der Stange ... 70
Internationale Einflüsse ... 71
Der Athfield - Walker Schock ... 74
Der Glasbox entgegen ... 78
Fortschritt aus dem Verständnis der Tradition ... 78
Konstruktivismus aus Wellington ... 81
Der Bienenkorb ... 82
Veränderungen im Kirchenbau ... 84
Experiment, Erörterung und Zerstörung ... 85
Glas und Prunk der Postmoderne ... 86
Warren & Mahoney ... 88
Kontroverse Beispiele ... 89
Strukturale Ornamente und Fassadismus ... 91
Walker und Athfield ... 92
Internationalismus ... 94
Regionalismus und Heimatstil ... 96
Die neuen State Houses ... 99
Wiederentdeckung der Moderne - neuer Regionalismus ... 101
Der neue Regionalismus ... 104
Kaninchenställe mit Penthouse ... 106
Neue Wahrzeichen ... 110
Bikulturelle Architektur ... 113
Teil III - Fazit ... 115
Anhang ... 118
Abbildungsverzeichnis ... 118
Literaturverzeichnis ... 120
Vorwort
Gleichsam als Paradies von überwältigender Schönheit bietet sich Neuseeland dar, das in die Mythologie als „Land der langen weißen Wolke“ (Aotearoa) eingegangen ist. Wohl kaum irgendwo sonst auf dem Erdenrund ist die Naturlandschaft auf relativ engem Raum vielgestaltiger und abwechslungsreicher als auf diesen beiden Inseln im Südpazifik. Hier, im Kampfraum zweier Kontinentalplatten, kann man das Werden einer Landschaft fühlbar miterleben. Hier bebt öfter mal die Erde, spritzen Geysire hoch in die Lüfte, blubbert heißer Schlamm aus Erdtrichtern und speit der eine oder andere Vulkan gelegentlich Feuer. In vergleichsweise geringer Entfernung von diesen „Hot Spots“ türmen sich die majestätischen Gipfel der Southern Alps auf. Imposante Fjorde und dereinst von Gletschern ausgehobelte Flußtäler geben Zeugnis davon, daß es auch auf der Südhalbkugel Eiszeiten gab. Hier immergrüner Urwald mit mehrere Meter hohen Farnen und Kauri-Baumriesen, dort wüstes Ödland, hier glitzernde Gletscher, schroffe Berggipfel und kristallklare Flüsse, dort weiße und goldfarbene Sandstrände am wohltemperierten, türkisblauen Meer, hier lichte Parklandschaften und sattgrüne Schafweiden, dort dichter Wirtschaftswald, gepflegte Weingärten und Obstplantagen. Diese Gegensätzlichkeit kann man nur in Neuseeland erleben.
Die frühen polynesischen Einwanderer hatten sich schnell auf ihre neue Heimat im Land der langen weißen Wolke eingestellt und entwickelten bald eine eigenständige Kultur. Sie machten regen Gebrauch von den schier unerschöpflichen Ressourcen der üppigen Eilande. Aus dem Überfluß an Holz fertigten sie mächtige Kiegskanus und bauten imposanten Versammlungshäuser. Sie wußten die zahlreichen heißen Quellen ebenso für sich zu nutzen, wie Pounamu, die neuseeländische Jade aus der sie kunstfertig Waffen und Schmuck schnitzten. Als vor gut zwei Jahrhunderten die ersten Europäer neuseeländischen Boden betraten, folgte ein rücksichtsloser und ungleicher Kampf. Die Auseinandersetzung endete damit, daß in nur wenigen Dekaden jegliche kulturelle und architektonische Identität der Ureinwohner verdrängt und durch europäische Muster ersetzt war. Seitdem befindet sich das Land in einem neuerlichen Prozeß der Selbstfindung, der bis zum heutigen Tage anhält. Wir folgen Aotearoa in diesem Prozeß und versuchen auf dem Weg die Funken neuer architektonischer Identität aufzuspüren und zu beschreiben - in der Hoffnung, daß daraus einmal ein großes Feuer wird, welches dem Land gibt, was es noch nicht hat: eine Architektur, die ebenso einzigartig und unverwechselbar ist, wie seine Natur.
Teil 1- Geographische Einführung
Lage und Größe
Neuseeland liegt etwa 25 Flugstunden von Frankfurt entfernt bzw. drei Flugstunden südöstlich von Australien im Südpazifik, etwa auf halbem Wege zwischen dem Äquator und dem Südpol. (siehe Abb. 1)
!! Abbildung ist nur im PDF-Dokument enthalten !!
Abb. 1, Weltkarte
Mit einer Fläche von insgesamt rund 270.500 qkm ist Neuseeland ein Viertel kleiner als Deutschland. Die beiden Hauptinseln erstrecken sich vom 34. Bis zum 47. Grad südlicher Breite. Vom südlichsten Punkt bis zum äußersten Norden sind es 1.770 Kilometer. Die Ausdehnung von West nach Ost reicht vom 166. Bis zum 179. Grad östlicher Länge. Kein Ort auf den beiden Inseln ist mehr als 110 km vom Meer entfernt.
Das Staatsgebiet Neuseelands umfaßt neben den beiden Hauptinseln (Nord- und Südinsel) weitere kleinere Inseln und Inselgruppen. Am größten ist Steward Island im Süden mit einer Fläche von rund 1.700 qkm. Zu den weiter entfernten Inseln zählen die nördlich liegenden Kermadec Inseln, die östlich liegenden Chatham- und Bounty Inseln sowie südlich die Campbell- und Auckland Inseln. Weitere neuseeländische Inselgruppen sind die in Polynesien gelegenen Tokelau- und Cook Inseln, sowie die Insel Niue. Die Cook Islands und Niue sind als selbstverwaltende Gebiete mit eigener Regierung an Neuseeland angeschlossen. Weiterhin beansprucht Neuseeland das 4,75 Mio. qkm große Ross Dependency in der Antarktis. Diese unbesiedelte Südpolargebiet setzt sich zusammen aus der Ross See, dem Ross Schelfeis und dem östlichen sowie dem nordöstlichen Victorialand.
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