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Der Bürgerkrieg im Sudan: Die Darfurkrise als moderner, umweltbedingter Konflikt

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 32 Pages
Author: Liz. Phil. I Marco Schmutz
Subject: Sociology - War and Peace, Military

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2007
Pages: 32
Grade: 5 (CH)
Bibliography: ~ 9  Entries
Language: German
Archive No.: V121435
ISBN (E-book): 978-3-640-26026-3
ISBN (Book): 978-3-640-28230-2

Abstract

Diese Seminararbeit befasst sich mit dem Thema des Bürgerkrieges im Sudan, und wie gewalttätige Konflikte durch die Übernutzung der natürlichen Umwelt entstehen können. Im ersten Teil dieser Arbeit wird auf einen Text von Markus Ritter Bezug genommen, welcher sich mit der Theorie moderner, umweltverursachter Konflikte auseinander setzt. Mit diesem Grundwissen, wird folgend der Desertifikationsprozess in der Sahelzone und in der Region Darfur untersucht und es wird erläutert, worin die Ursachen für die Eskalation in Darfur zu suchen sind. Ansatzpunkte bilden hier die natürlichen Voraussetzungen in der Sahelzone, Veränderungen in der Landwirtschaft und die demographische Entwicklung. Nachdem der Desertifikationsprozess und seine Auswirkungen auf Mensch und Umwelt genau untersucht wurden, wird die Sicht auf den Bürgerkrieg im Sudan verschoben. Hauptaugenmerk liegt auch hier in der Region Darfur. Da die Situation in Darfur aber nur schwerlich ohne den Konflikt zwischen dem Nord- und Südsudan zu erfassen ist, wird auch dieser Konflikt angeschnitten. Weiter wird gezeigt, wie sich die Darfurkrise auf die Nachbarstaaten auszuweiten droht. Nachdem der Konflikt in Darfur und seine Ursachen ausführlich erörtert wurden, wird in einem weiteren Abschnitt diskutiert, ob und weshalb man bei der Darfurkrise von einem modernen, umweltverursachten Konflikt sprechen kann. Weiter werden die geopolitische Lage und die Erdölvorkommen des Sudans angesprochen, und es wird hinterfragt, wie diese beiden Punkte auf Grund der internationalen Politik mit dem Bürgerkrieg verflochten sind. Um die aktuellen Entwicklungen und die aktuelle Situation im Sudan besser einzuschätzen können, folgt eine Zusammenfassung der prägenden Ereignisse der letzen zehn Monate. Zum Schluss dieser Arbeit wird ein Fazit gezogen und mögliche Perspektiven oder Entwicklungen für die Zukunft werden thematisiert.


Excerpt (computer-generated)

Oberseminararbeit
Seminar: Krieg und Frieden: Theorie und Kontexte
Sommersemester 2007
Institut für Soziologie der Universität Basel

Basel, Oktober 2007
Autor: Marco Schmutz

Der Bürgerkrieg im Sudan: Die Darfurkrise als moderner,
umweltbedingter Konflikt


Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis 2

Kürzelverzeichnis 3

Karte des Sudan 4

1. Einleitung 5

2. Moderne, umweltverursachte Konflikte 6

3. Der Mensch und seine natürliche Umwelt in der Sahelzone - mit Blick auf den Sudan und die Region Darfur 9

3.2.1 Wasser als limitierender Faktor? 10

3.2.2 Desertifikation, katalytische Effekte und das Gleichgewicht des Ökosystems 11

3.2.3 Das Wachstum der Bevölkerung, Binnenmigration und die Zunahme der Viehbestände 13

4. Die Krise in Darfur als ein ethnopolitisierter Konflikt und als ein Konflikt zwischen Zentrum und Peripherie 16

5. Migrationskonflikte im Sudan 19

5.1 Regionalistische Migrationskonflikte 19

5.2 Grenzüberschreitender (Migrations-) Konflikt mit dem Tschad 21

6. Die Darfurkrise als Umweltkonflikt 22

7. Geopolitische Lage und Ölinteressen im Sudan 24

8. Chronik der letzten, prägenden Ereignisse 28

9. Zwischenstand und Perspektiven für die Zukunft 29

10. Literaturverzeichnis 31

2


Kürzelverzeichnis

ARFWS: Alliance of Revolutionary Forces

AU: African Union

AMIS: AU- Mission in der Region Darfur

bpd: barrels per day

CNPC: China National Petroleum Company

DoP: Declaration of Principles

GNOPC: Greater Nile Petroleum Company

IGAD: International Authority for Development

JEM: Justice and Equality Movement

Km: Kilometer

SLA/M: Sudan Liberation Army/Movement

SPLA: Sudan People′s Liberation Army

UN: United Nations

UNMIS: UN- Mission im Südsudan

USA: United States of America

3


Karte des Sudan

Gefunden auf: http://www.mapsofworld.com/sudan/maps/sudan-map-political.jpg (Stand 18.

Oktober 2007)

4


1. Einleitung

Diese Seminararbeit befasst sich mit dem Thema des Bürgerkrieges im Sudan, und wie gewalttätige Konflikte durch die Übernutzung der natürlichen Umwelt entstehen können. Im ersten Teil dieser Arbeit wird auf einen Text von Markus Ritter Bezug genommen, welcher sich mit der Theorie moderner, umweltverursachter Konflikte auseinander setzt. Mit diesem Grundwissen, wird folgend der Desertifikationsprozess in der Sahelzone und in der Region Darfur untersucht und es wird erläutert, worin die Ursachen für die Eskalation in Darfur zu suchen sind.

Ansatzpunkte bilden hier die natürlichen Voraussetzungen in der Sahelzone, Veränderungen in der Landwirtschaft und die demographische Entwicklung. Nachdem der Desertifikationsprozess und seine Auswirkungen auf Mensch und Umwelt genau untersucht wurden, wird die Sicht auf den Bürgerkrieg im Sudan verschoben. Hauptaugenmerk liegt auch hier in der Region Darfur. Da die Situation in Darfur aber nur schwerlich ohne den Konflikt zwischen dem Nord- und Südsudan zu erfassen ist, wird auch dieser Konflikt angeschnitten.

Weiter wird gezeigt, wie sich die Darfurkrise auf die Nachbarstaaten auszuweiten droht. Nachdem der Konflikt in Darfur und seine Ursachen ausführlich erörtert wurden, wird in einem weiteren Abschnitt diskutiert, ob und weshalb man bei der Darfurkrise von einem modernen, umweltverursachten Konflikt sprechen kann. Weiter werden die geopolitische Lage und die Erdölvorkommen des Sudans angesprochen, und es wird hinterfragt, wie diese beiden Punkte auf Grund der internationalen Politik mit dem Bürgerkrieg verflochten sind. Um die aktuellen Entwicklungen und die aktuelle Situation im Sudan besser einzuschätzen können, folgt eine Zusammenfassung der prägenden Ereignisse der letzen zehn Monate. Zum Schluss dieser Arbeit wird ein Fazit gezogen und mögliche Perspektiven oder Entwicklungen für die Zukunft werden thematisiert.

5


2. Moderne, umweltverursachte Konflikte

Oftmals werden umweltverursachte Konflikte mit dem immer schneller ablaufenden Klimawandel in Verbindung gebracht. Dass die Hauptursache der Ausweitung der Wüsten nicht immer veränderten Klima liegen muss, zeigt Markus Ritter in seinem Essay ,,Konfliktstrategien ­ Wenn Ressourcen knapp sind" (Mäder et al. 2004: S.81-95). Die Hauptgründe der Verwüstung am nördlichen Rand der Sahara in Südmarokko sind im menschlichen Handeln zu suchen. In dieser Region stellen die Überweidung des Bodens durch Nutztiere, die Abrodung der Hölzer als Brennstoff und die Überkultivierung durch die Agrarwirtschaft die Ursache der immer bedrohlicher werdenden, sich ausbreitenden Wüste. Ritter beschreibt, dass diese durch den Menschen ausgelösten Schäden am Nutzland zusammen mit natürlichen Umweltveränderungen regelrechte Konfliktursachen bieten können. Wenn wenig Regen fällt, geht die Desertifikation noch schneller vonstatten, da das Grundwasser vom Menschen übernutzt wird. Der Boden kann weiter erodieren. Ausserdem hat die Abholzung der Bäume zur Folge, dass sich Sicheldünen bilden, welche sich im Extremfall zu gefährlichen Wanderdünen umwandeln können. Folgen der Desertifikation sind Armut und Nahrungsmittelknappheit. Die neu entstandene Bedrohung durch die Umwelt zwingt Menschen zur Migration in andere Regionen.

Diese Folgen der Desertifikation bergen mögliches Konfliktpotential. Die nicht nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen verschärft folglich jene Probleme weiter, deren Ursache in der Veränderung der klimatischen Gegebenheiten zu gründen scheint. Ursachen für umweltverursachte Konflikte sind in einem Netzwerk von Mensch-Umwelt- Beziehungen zu finden. Während klassische umweltbedingte Konflikte durch fossile Ressourcen wie Erze oder Erdöl ausgelöst wurden, betreffen moderne Umweltkonflikte die Regenerierung oder die Knappheit der Existenz sichernden Umweltmedien. Zu diesen zählen sowohl Wasser und Böden, als auch die Vegetation und das Ackerland. Vor allem Staaten mit einem ausgeprägten Agrarsektor und einer Subsistenzwirtschaft sind von Umwelttransformationen betroffen. Ritter nennt vier soziale Effekte der ökologischen Degradation, welche zusammenwirken. Zuerst nimmt die landwirtschaftliche Produktivität ab. Diese Abnahme führt zur Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation und zwingt die Menschen zur Migration. Dies endet letztlich im Zusammenbruch der legitimierten

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