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Subtitle: Motivation der künstlerischen Titelgebung Odilon Redons im Kontext der graphischen Folge 'A Edgar Poe' und weiterer Werke
Scholary Paper (Seminar), 2008, 43 Pages
Author: Natalie Jergeschew
Subject: Art - Art Theory, General
Details
Institution/College: Free University of Berlin (Kunsthistorisches Institut )
Tags: Edgar, Phantasien, Redon), Titel, Werken, Kunst
Year: 2008
Pages: 43
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 11 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-26036-2
ISBN (Book): 978-3-640-26064-5
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Abstract
Odilon Redons graphische Blätter, ein Großteil im Zeitraum zwischen 1870 und 1890 entstanden, implizieren undurchsichtige und surreal erscheinende Welten, die im Verbund mit ihren Titelangaben selbigen Eindruck vervielfachen – eine Implosion im Auge des Betrachters! Da nun die Betrachtung der Titel-Werk-Beziehung im Falle des Künstlers durch die Verneinung der bloßen Wiedergabe der Realität als Deutungsakt schlechthin angesehen werden kann, soll die vorliegende Ausarbeitung dazu dienen, grundsätzliche Manifestationen Odilon Redons im Kontext der Beziehungen zwischen ‚Realität’ und Kunst, Sprache und Phantasie zu verdeutlichen, dabei im Auge behaltend, welche wesentlichen Einflüsse Redon in seinen jungen Jahren erfahren hat. Aus den Ansprüchen, die Redon hierbei an seine eigene Kunst stellt, erwächst ebenso das Verständnis der Beziehung zwischen Bildmotivik und Bildsprache, die Konzeption der Redonschen Bildtitel und deren Wichtigkeit, wobei man stets im Hinterkopf behalten muss, das jener in unmittelbarer Kenntnis von zeitgenössischen Schriften eines u.a. Charles Baudelaires und Gustave Flauberts direkt mit einer Verbalisierung unbewusster Visionen in Kontakt kam. Aus welchen Motivationen heraus hat Redon seine Werke betitelt? Welches Betitelungssystem hat er entwickelt? Und wie haben sich seine Motivationen zur Titelgebung und die Titel in ihrer Wirkung selbst in die Rezeption derer niedergeschlagen? Da das Oeuvre seiner graphischen Arbeiten, der in meiner Ausführung behandelten Noirs, circa 500 Blätter umfasst, habe ich mich dazu entschlossen, jene so eben gezeichneten Fragestellungen an Hand ausgewählter Arbeiten zu beleuchten, nämlich der graphischen Blätter, die in Verbindung mit dem literarischen Werk des Amerikaners Edgar Allan Poe stehen. Diese Auseinandersetzung ist Stoff für eine der womöglich kontroversesten Rezeptionen des graphischen Oeuvres Redons, da es nicht möglich ist, Titel so wie Werk formal eigenständig und folgernd in Beziehung zu betrachten, da „[...] the specific discourse of artists’ own words, and the structures of criticality that stitch the work of art into systems of meanings.“ den Umgang mit genau diesem Gleichnis in Frage stellen. Redon wird 1909, mehr als zwanzig Jahre nach der Veröffentlichung des Albums A Edgar Poe, seine Affinitäten zu jenem Schriftsteller negieren, in dem er ohne Scherz behauptet: „Ich liebe Edgar Poe nicht. Er hat mir niemals plastische Phantasien vermittelt.“
Excerpt (computer-generated)
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HAUSARBEIT IM FACH KUNSTGESCHICHTE . MODUL THEORIE UND METHODEN
SS 08 . SEMINAR 13480 . TITEL VON WERKEN BILDENDER KUNST
KUNSTHISTORISCHES INSTITUT DER FREIEN UNVERSITÄT ZU BERLIN
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
,ICH LIEBE EDGAR POE NICHT,
ER HAT MIR NIEMALS PLASTISCHE PHANTASIEN VERMITTELT.′
[ODILON REDON]
MOTIVATIONEN DER KÜNSTLERISCHER TITELGEBUNG ODILON REDONS
IM KONTEXT DER GRAPHISCHEN FOLGE A EGDAR POE
UND WEITERER WERKE
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
EINGEREICHT AM 30.09.2008 VON NATALIE JERGESCHEW
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
G L I E D E R U N G
0
HINFÜHRUNG
2
1
WESENTLICHE EINFLÜSSE AUF UND INTENTIONEN VON ODILON REDONS
4
KÜNSTLERISCHEM AUSDRUCK IN FORM DER NOIRS
1.1
SYMBOLISTISCHE SPRACHBILDER EINES CHARLES BAUDELAIRE UND EDGAR ALLAN POE
6
1.2
DER PRINZ DES TRAUMES ERÖFFNET DEM BETRACHTER DEN ,
RÊVE D´UN RÊVE′
7
1.3
DIE IDEE DER SUGGESTIONSKRAFT: DER AUSGANGSPUNKT DER TITEL-WERK-
9
BEZIEHUNG IN DER KUNST REDONS
2
DAS STIGMA DES ,EDGAR POE DES ARTS GRAPHIQUES′
12
2.1
ODILON REDONS KÜNSTLERISCHE BEZUGNAHME AUF EDGAR ALLAN POE IM KONTEXT 13
DER BILDMOTIVIK UND TITELGEBUNG
2.1.1 ANALYSE AN HAND DES ALBUMS
A EDGAR POE
14
2.1.2 BETRACHTUNG WEITERER REFERENZEN ZUM WERK EDGAR ALLAN POES
16
2.2
DAS PROBLEM INHALTLICHER PARALLELEN UND DIE FRAGE NACH ADAPTION UND
19
ILLUSTRATION DURCH ODILON REDON
3
ZUR BILDSPRACHE DER SPRACHBILDER ODILON REDONS
21
4
ANHANG
22
4.1
ANSCHAUUNGSMATERIALIEN
22
4.2
LITERATURVERZEICHNIS
40
4.3
PERSÖNLICHE ERKLÄRUNG
42
________________________________________________________________
ANMERKUNG:
DER FORTLAUFENDE TEXT IST IN DER SCHRIFTART TIMES NEW ROMAN,
SCHRIFTGRÖßE 12 MIT 1,5 ZEILENABSTAND VERFASST
1
0
H I N F Ü H R U N G
Odilon Redons graphische Blätter, ein Großteil im Zeitraum zwischen 1870 und 1890
entstanden, implizieren undurchsichtige und surreal erscheinende Welten, die im Verbund mit
ihren Titelangaben selbigen Eindruck vervielfachen1 eine Implosion im Auge des
Betrachters! Da nun die Betrachtung der Titel-Werk-Beziehung im Falle des Künstlers durch
die Verneinung der bloßen Wiedergabe der Realität als Deutungsakt schlechthin angesehen
werden kann, soll die vorliegende Ausarbeitung dazu dienen, grundsätzliche Manifestationen
Odilon Redons im Kontext der Beziehungen zwischen ,Realität′ und Kunst, Sprache und
Phantasie zu verdeutlichen, dabei im Auge behaltend, welche wesentlichen Einflüsse Redon
in seinen jungen Jahren erfahren hat. Aus den Ansprüchen, die Redon hierbei an seine eigene
Kunst stellt, erwächst ebenso das Verständnis der Beziehung zwischen Bildmotivik und
Bildsprache, die Konzeption der Redonschen Bildtitel und deren Wichtigkeit, wobei man stets
im Hinterkopf behalten muss, das jener in unmittelbarer Kenntnis von zeitgenössischen
Schriften eines u.a. Charles Baudelaires und Gustave Flauberts direkt mit einer
Verbalisierung unbewusster Visionen in Kontakt kam. Aus welchen Motivationen heraus hat
Redon seine Werke betitelt? Welches Betitelungssystem hat er entwickelt? Und wie haben
sich seine Motivationen zur Titelgebung und die Titel in ihrer Wirkung selbst in die
Rezeption derer niedergeschlagen? Da das Oeuvre seiner graphischen Arbeiten, der in meiner
Ausführung behandelten
Noirs
2, circa 500 Blätter umfasst, habe ich mich dazu entschlossen,
jene so eben gezeichneten Fragestellungen an Hand ausgewählter Arbeiten zu beleuchten,
nämlich der graphischen Blätter, die in Verbindung mit dem literarischen Werk des
Amerikaners Edgar Allan Poe stehen. Diese Auseinandersetzung ist Stoff für eine der
womöglich kontroversesten Rezeptionen des graphischen Oeuvres Redons, da es nicht
möglich ist, Titel so wie Werk formal eigenständig und folgernd in Beziehung zu betrachten,
da ,,
[...] the specific discourse of artists′ own words, and the structures of criticality that
stitch the work of art into systems of meanings.
"3 den Umgang mit genau diesem Gleichnis in
Frage stellen. Redon wird 1909, mehr als zwanzig Jahre nach der Veröffentlichung des
Albums
A Edgar Poe
, seine Affinitäten zu jenem Schriftsteller negieren, in dem er ohne
1 siehe Anhang, Abbildung 7
2 Noirs lautet die Bezeichnung seiner Kohlezeichnungen und Lithographien, die, wie der Begriff impliziert, in
ihrer ,Farbdigkeit′ mit dem Helldunkel wirken. Es gibt z. T. kontroverse Definitionen des Begriffes Noirs:
Huysmanns zitiert Redon mit der gegebenen Definition, Redon schreibt in seinen Tagebüchern selbiges,
Gamboni, Dario beschreibt die Noirs lediglich als jene Kohlezeichnungen Redons, Oktavia, Christ gibt den
Noirs sowohl die Definition Redons als auch derer ausschließlich der Bezeichnung der Kohlezeichnungen. Ich
werde mich auf Redons Definition, die man bei Huysmanns nachlesen kann, beziehen.
3 Welchman, John C. zit. n. WELCHMAN, John C.: Invisible Colors. A Visual History of Titles, Yale University
Press, New Haven 1997, S. 10
2
Scherz behauptet: ,,
Ich liebe Edgar Poe nicht. Er hat mir niemals plastische Phantasien
vermittelt.
"1
1 Redon, Odilon zit. n. CHRIST, Oktavia: Odilon Redon, Visionen eines Künstlerpoeten, Dietrich Reimer Verlag,
Berlin 1994, S. 77
3
1
W E S E N T L I C H E E I N F L Ü S S E A U F U N D I N T E N T I O N E N V O N O D I L O N
R E D O N S K Ü N S T L E R I S C H E M A U S D R U C K I N F O R M D E R N O I R S
Odilon Redon,1 der 1840 in Bordeaux geboren wurde, wuchs auf Grund seiner
problematischen Gesundheit gezeichnet durch epileptische Anfälle, fern von seiner Familie
auf dem Weingut Peyrelebade bei seinem Onkel auf. Schon als Kind beschäftigte sich Redon
mit Naturphänomenen, wobei er im Austausch mit dem Botaniker Armand Clavaud, den er
1860 kennen lernt, dieses Interesse vertiefen kann (mikroskopische Beobachtungen zählten
u.a. zu seinen Erfahrungen). Jene Isolation, die Redon bereits im Kindes- und Jugendalter
erfährt, wird ihn auch später in seiner Figur als Künstler begleiten.2 Er hat sich überwiegend
in (von anerkannten und quasi populären Künstlerszenen des Akademiestils und der
Impressionisten) unabhängigen Vereinigungen und Salons bewegt,3 somit galt ihm in
gewisser Weise ein autonomer Freiraum wie eine Distanzierung ebenso, was sein
Kunstverständnis anbelangt. Weiterhin besaß Redon Kenntnis der wissenschaftlichen
Korrespondenzen und Forschungen in Hinblick auf Geisteskrankheiten, dem Nicht-
Bewussten4 und der Formen von Traumzuständen u.ä., die seit circa 1840 in Europa eine erste
Intensität des Interesses annahmen und wissenschaftlich untersucht wurden.5
1873 entdeckt Redon die Kohle als
das
Medium zur Übertragung seiner Phantasie.
Dies bedeutet für ihn, eine ,,[...]
schlichte Substanz ohne jede Schönheit an sich, erleichtert
meine Studien des Helldunkel und des Unsichtbaren erheblich.
"6 Als
Noirs
wird er jene
Blätter7 bezeichnen, ebenso seine Lithographien, wobei er die Anwendung des
lithographischen Verfahrens zu Beginn als reines Reproduktionsmittel angesehen hat, in
denen die
Noirs
jedoch
,,ihre ungebrochene Macht, ihren reinsten Ausdruck finden
[...]
"8
1 Dessen Geburtsname Betrand-Jean Redon lautet
2 Es ist bekannt, dass Redon in den 1860er und 1870er Jahren an Depressionen litt
3 z.B. Vereinigungen/Salons/u.ä. der frühen Jahre:: Mitglied der
Société de Sainte Cécile
, Bordeaux, 1860, eine
Vereinigung, in der Kunst und Poesie gepflegt wurden; Besuch im
Salon der Berthe de Rayssac
, Paris, 1875, in
jenem Salon wurden Naturalismus und Realismus abgelehnt; Mitbegründer, Präsident, späterer Vizepräsident
der
Société des Artistes Indépendants
, weiterhin Organisator des ersten
Salon des Indépendants
, Paris, 1884;
in den folgenden Jahren Teilnahme an verschiedenen Salons, Messen bis zu Redons Tod 1916
4 Der Begriff
Unterbewusstsein
wird erst um 1900 durch die Schriften Sigmund Freuds wissenschaftlich auf eine
nächste Ebene der Bedeutung gehoben
5 Selbiges gilt für technische Innovationen wie beispielsweise den Heißluftballon, der kurz vor der französischen
Revolution 1789 entwickelt wurde
6 Redon, Odilon zit. n. HOLLEIN, Max; STUFFMANN, Margret (Hrsg.): Wie im Traum. Odilon Redon, Hatje Cantz
Verlag, Ostfildern 2007, anlässlich der Ausstellung Odilon Redon in der Schirn Kunsthalle Frankfurt 28. Januar
bis 29. April 2007, S. 46
7 Redon verwendet für die Kohlezeichnungen farbiges Papier (rosa, blau, gelb, etc.)
8 Redon, Odilon zit. n. HERAEUS, Stefanie: Traumvorstellung und Bildidee, Surreale Strategien in der
französischen Graphik des 19. Jahrhunderts, Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1998, S. 100
4
konnten und die lithographische Reproduktion seiner Kohlezeichnungen grundlegender
Bestandteil seines Schaffens werden sollte.
Noirs
wird als übergreifende Bezeichnung für alle Blätter und Alben stehen, die
Redon mittels dieser Bezeichnung kategorisiert. Dadurch wird, unabhängig davon, dass jedes
Einzelblatt einen Titel trägt und jene Titel den unterschiedlichsten Intentionen ihrer
sprachlichen Findungen obliegen, der Leitbegriff
Noirs
als Grundaussage auf jede autonome
Arbeit zu übertragen ist, ebenso wie auf die Titel der lithographischen Alben. Die Bedeutung
des Wortes
Noirs
, in einer Pluralität existierend, impliziert das Gefühl eines umhüllenden
Unbekannten in einer ebenso schleierhaften Vielzahl, in dem der Betrachter sicherlich nichts
Positivem begegnen wird. Und richtet man den Blick auf die ,,
Visionen",1
wie es u.a.
Welchman und Huysmans beschreiben, die sich hinter der Bezeichnung
Noirs
verbergen, ist
einem die Welt eines unsagbar grausamen Figurenkabinetts von Wesen, die menschliche
Züge tragen und zugleich einen anderen Ursprung besitzen als den des
homo sapiens
,
eröffnet, die in absurden und undenkbar surrealen Landschaften, Sphären, Universen Qualen
der Einsamkeit, Momente der Rückbesinnung auf den Ursprung, den Tod oder bloße zur
Schau Stellung einer Existenz von Chimären, Augäpfeln, Sirenen, Zyklopen, Einäugigen,
vermenschlichten Spinnen, Geköpften, Verlassenen, Gnomen, keimenden Monaden,
Mollusken, schauenden Blumen, die sich alle zugleich in einem Kosmos bewegen, der
unserem nicht greifbar ist, doch zugleich eine fatale Ernsthaftigkeit und Ohnmacht darstellt.
Referenzen, die sich hieraus im Grunde nur zum vollsten Verständnis für Redon selbst
erschließen, lassen sich auf Bereiche der Philosophie, der Kenntnisnahme mythologischer
Figuren und Fabelwesen, Religion, den Einfluss bestimmter literarischer Quellen und
womöglich sogar auf Naturphänomene ausweiten, wobei Redon vehement verneint, dass
mikroskopische Beobachtungen als Quelle für seine
Noirs
dienten.2
,,[...]
[t]he very name he eventually gave to his drawings and lithographs the noirs
indicates the frequent bitterness and the irony of Redon´s vision.
"3
1 Siehe Anhang, Abbildungen 13 15
2 Vgl. HOLLEIN, Max; STUFFMANN, Margret (Hrsg.): Wie im Traum. Odilon Redon, Hatje Cantz Verlag,
Ostfildern 2007, anlässlich der Ausstellung Odilon Redon in der Schirn Kunsthalle Frankfurt 28. Januar bis 29.
April 2007, S. 119
3 Eisenman zit. n. WELCHMAN, John C.: Invisible Colors. A Visual History of Titles, Yale University Press, New
Haven 1997, S. 88
5
1.1 S Y M B O L I S T I S C H E S P R A C H B I L D E R E I N E S
C H A R L E S B A U D E L A I R E U N D E D G A R A L L A N P O E
Wie aus Redons Selbsterkenntnissen ersichtlich ist, hat Armand Clavaud ihn dazu
veranlasst, Baudelaires, Poes und Flauberts Bücher zu lesen ,,
schon zum Zeitpunkt ihres
Erscheinens
".1 Bereits als junger Mann hatte sich Redon demnach mit eben jenen
Schriftsstellern auseinandergesetzt, zu denen später seine lithographischen Zyklen entstehen
sollten. Inspirationsquelle in den literarischen Vorlagen zu finden war für Redon anscheinend
kein Widerspruch, solange der literarische Gedanke nicht die einzige Bedingung eines Bildes
darstellte und er ,,
sich immer der bildnerischen Eingebung unterordnete.
"2 Redons
Lithographien zur literarischen Vorlagen sind laut dem Künstler selbst nicht als Illustration zu
verstehen, sondern als Interpretation.
Der Amerikaner Edgar Allan Poe,3 der Schriftsteller und Lyriker in sich vereinte, gilt
als wichtigstes Vorbild einer phantastischen Literatur, die sich aus Fiktion, Kriminalität und
Horror speist, ebenso aus seinen privaten Ängsten und Visionen.4 Dessen literarisches Werk
diente als Identifikation für die literarische Entwicklung in Frankreich, die Mitte des 19.
Jahrhunderts einsetzte, als weiterführende Idee der Romantik zum Symbolismus hin.
Zwischen 1856 und 1865 hat Charles Baudelaire5 Poes Geschichten in fünf Bänden übersetzt
und veröffentlicht.
Poe ist das wichtigste Vorbild Baudelaires, der selbst in seiner lyrischen Ausdruckswelt, wie
der Gedichtband
Fleurs Du Mal
zeigt, eine stark expressive und zugleich symbolträchtige
Bilderwelt entwickelt, die ebenso mit den Grenzen des Verfalls von Existenzen und Systemen
spielt und grausame Szenarien modriger Dunkelheit entwickelt wie sein Vorbild Poe. Denkt
man an Baudelaire, so denkt man gleichzeitig an eine Poetik des Bösen.6 ,,
Ebenso wie
Baudelaire verdient Odilon Redon - "
, der durch eben diese auch die poetische
Charakteristika in Form und Inhalt Poescher Werke mit auf den Weg gegeben bekommen hat,
,,
das großartige Lob, einen neuen Schauder erfunden zu haben!"7
1 Redon, Odiln zit. n. CHRIST, Oktavia: Odilon Redon, Visionen eines Künstlerpoeten, Dietrich Reimer Verlag,
Berlin 1994, S. 24
2 Redon, Odilon zit. n. CHRIST, Oktavia: Odilon Redon, Visionen eines Künstlerpoeten, Dietrich Reimer Verlag,
Berlin 1994, S. 83
3 Geboren 1809, als Edgar Poe (übernahm den Zunamen Allan erst später von seinen Pflegeeltern), gestorben
1849
4 Siehe Anhang, Abbildungen 16 und 17
5 Geboren 1821, gestorben 1867
6 Siehe Anhang, Abbildung 18
7 Hennequin, Emile zit. n. CHRIST, Oktavia: Odilon Redon, Visionen eines Künstlerpoeten, Dietrich Reimer
Verlag, Berlin 1994, S. 22
6
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