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“Brain Drain“ oder “Brain Circulation“?

Subtitle: Internationale Migration von deutschen Hochqualifizierten

Scholary Paper (Seminar), 2008, 27 Pages
Author: Jenny Neuber
Subject: Sociology - Individual, Groups, Society

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2008
Pages: 27
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 15  Entries
Language: German
Archive No.: V121554
ISBN (E-book): 978-3-640-26355-4
ISBN (Book): 978-3-640-26367-7

Abstract

Die Internationale Migration zeigte sich oft als ein unverstandenes Phänomen aufgrund der geringen Bedeutung in der Migrationsforschung, was wiederum an dem geringen Interesse an dem Thema Auswanderung lag. Es existieren zu diesem Gegenstand wenig umfangreiche Quellen und so erfordert es vielmehr eine Einbeziehung verschiedener, deren Zusammenführung ein differenziertes Bild über die Struktur und Dynamik der Migrationsbewegungen ergibt. Die unterschiedlichen Datenquellen und Zugänge werden zu Beginn dieser Arbeit in kurzer Form dargestellt. Im nächsten Teil wird die Entwicklung der Aus- und auch Einwanderung von deutschen Staatsbürgern näher betrachtet und anschließend die Zielländer und das Bildungs- und Qualifikationsniveau als Selektivität der Migranten dargestellt. Um der Frage nach einem tatsächlichen Brain Drain nachzugehen, beziehen sich die danach folgenden Kapitel auf das Ausmaß und die Formen der Auswanderung Hochqualifizierter. An dieser Stelle sollen nicht nur die zahlenmäßigen Daten benannt werden, es soll auch speziell auf die Wanderungsgedanken, die Realisierung dieser Pläne und die Motive der Auswanderung eingegangen werden. Interessant sind hier auch die Untersuchungen zur Dauer des Auslandsaufenthaltes. Der letzte große Punkt bei der Betrachtung der Arbeitsmigration widmet sich dem klassischen Einwanderungsziel – den USA. Um das Verständnis der Phänomene zur Auswanderung Deutscher und speziell zur Migration der Hochqualifizierten zu gewährleisten, geht es im Fazit noch einmal zusammenfassend um die Frage, ob in Deutschland tatsächlich von einem Brain Drain gesprochen werden kann oder die Phänomene nicht ganz so definiert zu betrachten sind.


Excerpt (computer-generated)

Seminararbeit

"Brain Drain" oder "Brain Circulation"?

Internationale Migration von deutschen

Hochqualifizierten

Technische Universität Chemnitz

Philosophische Fakultät

Allgemeine Soziologie I

Übung/Seminar: Migration und Integration

28.07.2008 SS 2008

Jenny Neuber

Nebenfach Soziologie

9. Fachsemester


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 1

2. Datenquellen zur Untersuchung des Migrationsgeschehens in Deutschland 3

3. Entwicklung der Auswanderung deutscher Staatsangehöriger 4

4. Zielländer der deutschen Auswanderer 5

5. Bildungs- und Qualifikationsniveau der deutschen Auswanderer 7

6. Ausmaß und Formen der Abwanderung deutscher Hochqualifizierter 9

6.1

Wanderungsgedanke vs. Konkrete Wanderungspläne 14

6.2

Aufenthaltsdauer der deutschen Hochqualifizierten im Ausland 15

6.3

USA ­ das klassische Einwanderungsland für Hochqualifizierte 16

6.3.1

Entwicklung des Qualifikationsniveaus der Deutschen in den USA 18

6.3.2

Aufenthaltsdauer der deutschen Hochqualifizierten in den USA 19

7. Fazit 20

8. Literaturverzeichnis 23

9. Abbildungsverzeichnis 24


1. Einleitung

In den letzten Jahren hat sich in Deutschland die Debatte über die Auswanderung Deutscher

immer mehr in den Fokus von Wissenschaft, Politik und auch Medien gestellt. Im Jahr 2006

erhielt diese Diskussion durch die Veröffentlichung der Wanderungsstatistik einen neuen

Impuls. Erstmals kam es demnach 2005 zur höchsten verzeichneten Emigration deutscher

Staatsbürger seit 1954 und führte erstmalig seit den 60er Jahren zu einem Überschuss von

Auswanderungen im Vergleich zu den Einwanderungen (vgl. Bundesamt für Migration und

Flüchtlinge 2006:120). Die vielen öffentlichen und politischen Debatten machen deutlich,

dass die internationale Migration ein bis heute wenig verstandenes Phänomen darstellt. Dies

ist nicht nur in Deutschland der Fall, denn auch Großbritannien, die skandinavischen Länder,

die Niederlande, Frankreich oder auch die USA, Kanada und Australien begannen parallel

öffentliche Diskussionen zu diesem Thema (vgl. Sauer, Ette 2007:5). Grund dieser vielen

Debatten ist die Tatsache, dass der Bereich der Emigration in der Migrationsforschung lange

Zeit wenig Beachtung fand (Lederer 2004:38).

Innerhalb dieser Debatten tritt ein weiteres Thema immer mehr in den Mittelpunkt des

Interesses vieler Untersuchungen ­ die Auswanderung Hochqualifizierter. Auch diese Arbeit

setzt sich mit dem Phänomen auseinander, dass laut verschiedenster Studien und Berichte

immer mehr höher Qualifizierte aufgrund von besseren Arbeitschancen und -bedingungen ihr

Glück im Ausland versuchen (vgl. Sauer, Ette 2007; Diehl, Dixon 2005). ,,Haltet die Forscher!

Die wissenschaftlichen Eliten fliehen ins Ausland ..." (Lepenies 2003). Mit dieser Überschrift

warnt der Soziologie-Professor Wolf Lepenies in einem Artikel der süddeutsche.de vor der

internationalen Migration der Hochqualifizierten. Die Debatte, ob Deutschland nicht nur mehr

ein Einwanderungsland, sondern auch zu einem Auswanderungsland geworden ist, wird

nicht nur von Wissenschaftlern viel diskutiert, auch die Medien und die Politik setzen sich mit

dieser immer mehr auseinander (vgl. Diehl, Dixon 2005:714).

Der Begriff für die Auswanderung Hochqualifizierter kam erstmals in Großbritannien in den

1960er Jahren auf ­ ,,Brain Drain" nannten die Wissenschaftler nun dieses neu diskutierte

Phänomen. Zitiert nach Mahroum bedeutet dieses laut der Ecyclopedia Britannica: ,,...

departure of educated or professional people from one country, economic sector, or field for

another usually for better pay or living conditions." (Mahroum 1998). Diese Form der

Migration bezieht sich auf eine eher dauerhafte Abwanderung und steht in Verbindung mit

einem Verlust an Humankapital und Innovationsfähigkeit (vgl. Sauer, Ette 2007:15). Eine

weitere Form der Auswanderung dieser ,,Eliten" (Lepenies 2003) ist die weniger negativ

behaftete Darstellung des ,,Brain Circulation". Dieser Prozess steht in enger Verbindung mit

den gedeihenden internationalen Verflechtungen in Wirtschaft und Wissenschaft (vgl. Diehl,

Dixon 2005:715) und wird von Mahroum folgenermaßen definiert: ,,Brain Circulation ... [is] ...

1


the cycle of moving abroad to study, then taking a job abroad, and later returning home to

take advantage of a good opportunity ..." (Mahroum 2003). Brain Circulation bezieht sich so

auf eine eher temporäre Auswanderung, welche im Vergleich zum Brain Drain zu einem

Wissenstransfer und so zu einer Steigerung des Humankapitals führt. Diese

migrationsbedingten Prozesse sind ein weltweites Phänomen, denn nicht nur die

Entwicklungsländer und deren Organisationen, sondern auch die OECD-Länder kennen und

erfahren diese. Sauer und Ette machen in ihrer Studie ,,Auswanderung aus Deutschland"

deutlich, dass nicht ,,... unbedingt die Quantität ein Grund zur Besorgnis [ist], sondern die

Zusammensetzung oder Selektivität." (2007:6). Somit ist es für die genauere Betrachtung der

Auswanderung deutscher Staatsbürger wichtig, nicht nur zu untersuchen, wie viele deutsche

Hochqualifizierte jährlich Deutschland den Rücken kehren, sondern sich auch mit der

Selektivität dieser zu befassen.

Wie schon erwähnt, zeigt sich die Internationale Migration oft als ein unverstandenes

Phänomen aufgrund der geringen Bedeutung in der Migrationsforschung, was wiederum an

dem geringen Interesse an dem Thema Auswanderung lag. Es existieren zu diesem

Gegenstand kaum umfangreiche Quellen und so erfordert es vielmehr eine Einbeziehung

verschiedener, deren Zusammenführung ein differenziertes Bild über die Struktur und

Dynamik der Migrationsbewegungen ergibt. Die unterschiedlichen Datenquellen und

Zugänge werden zu Beginn dieser Arbeit in kurzer Form dargestellt. Im nächsten Teil wird

die Entwicklung der Aus- und auch Einwanderung von deutschen Staatsbürgern näher

betrachtet und anschließend die Zielländer und das Bildungs- und Qualifikationsniveau als

Selektivität der Migranten dargestellt. Um der Frage nach einem tatsächlichen Brain Drain

nachzugehen, beziehen sich die danach folgenden Kapitel auf das Ausmaß und die Formen

der Auswanderung Hochqualifizierter. An dieser Stelle sollen nicht nur die zahlenmäßigen

Daten benannt werden, es soll auch speziell auf die Wanderungsgedanken, die Realisierung

dieser Pläne und die Motive der Auswanderung eingegangen werden. Interessant sind hier

auch die Untersuchungen zur Dauer des Auslandsaufenthaltes. Der letzte große Punkt bei

der Betrachtung der Arbeitsmigration widmet sich dem klassischen Einwanderungsziel ­ den

USA. Um das Verständnis der Phänomene zur Auswanderung Deutscher und speziell zur

Migration der Hochqualifizierten zu gewährleisten, geht es im Fazit noch einmal

zusammenfassend um die Frage, ob in Deutschland tatsächlich von einem Brain Drain

gesprochen werden kann oder die Phänomene nicht ganz so definiert zu betrachten sind.

2


2.

Datenquellen zur Untersuchung des Migrationsgeschehens in Deutschland

Seit 1950 stellt die Wanderungsstatistik die wichtigste Datenquelle zur Darstellung der

Struktur und Dynamik der räumlichen Wanderungsbewegungen von und nach Deutschland

dar. Die Gesamtheit der Daten ergeben sich aus den von den Meldeämtern erfassten

Einträgen zu einem Wechsel der Haupt- und Nebenwohnungen von Deutschen und auch

von Ausländen über die Gemeindegrenzen hinaus. Dieser Wohnungswechsel kann innerhalb

Deutschlands oder über die Grenzen ins Ausland erfolgen. Neben der Frage nach dem

Zielland können durch die Formulare der Ämter auch das Herkunftsland, das Geschlecht, der

Familienstand, das Alter, die Staatangehörigkeit und die Religionszugehörigkeit erfasst

werden ­ nur die Dauer des Aufenthaltes zwischen zwei Wanderungsbewegungen wird nicht

erfragt. All diese Daten können zum Beispiel vom Bundesministerium für Migration und

Flüchtlinge verwendet werden, die sich mit Hilfe dieser näher mit der Selektivität der

Migration auseinander setzen. Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden stellt die

Ergebnisse der einzelnen Bundesländer zu einer Gesamtstatistik zusammen und

veröffentlicht diese regelmäßig (vgl. Sauer, Ette 2007:27). Nutzer der Wanderungsstatistik

sind verschiedene Bundesministerien und Bundesbehörden, Landesministerien und

Landesbehörden, internationale Organisationen, Wirtschaftverbände, Medien und Presse

sowie Privatpersonen (vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland 2007:4). Das

Bundesministerium für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zählt hier zu den Hauptnutzern.

Dieses erstellt regelmäßig im Auftrag der Bundesregierung einen Migrationsbericht, der sich

intensiv mit den Wanderungsbewegungen in Deutschland auseinandersetzt. Neben der

Wanderungsstatistik verwendet das BAMF auch Statistiken der einzelnen

Zuwanderergruppen und bezog erstmals 2006 das Ausländerzentralregister (AZR) als

weitere Datenquelle mit ein und kann so noch besser die verschiedenen Migrantengruppen

berücksichtigen. In diesem Register werden alle Daten von Ausländern erfasst, welche sich

länger als drei Monate in der Bundesrepublik aufhalten oder ein Visum bei einer deutschen

Auslandsvertretung beantragt haben (vgl. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 2008,

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 2007:9). Weitere Möglichkeiten zur Untersuchung

der Auswanderung Deutscher bieten Statistiken über die Visavergabe, die

Auswandererdatenbanken, die Deutsche Rentenversicherung, die Daten der Zentralen

Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit, die Daten des

Raphaelswerks über die Beratung von Auswanderern oder auch die prozessproduzierten

Statistiken des Passregisters des Auswärtigen Amtes und allgemeine und spezielle

Bevölkerungsumfragen. Die meisten dieser Datenquellen liefern jedoch keine zuverlässigen

Informationen, da die Anzahl der Auswanderungen deutlich untererfasst bleiben (vgl. Sauer,

Ette 2007:27).

3


All diese Quellen zur Betrachtung des Migrationsgeschehens in Deutschland sind zur

Planung und Steuerung von Migration und auch Integration notwendig und eröffnen

Möglichkeiten, aktuelle Migrationsströme zu erkennen und dementsprechende Maßnahmen

zu planen und einzuleiten.

3.

Entwicklung der Auswanderung deutscher Staatsangehöriger

Den im vorhergehenden Kapitel benannten Möglichkeiten der Datenerfassung von Zu- und

Fortzügen deutscher Auswanderer, kann die Entwicklung der Größenordnungen und der

Dynamik der Migranten entnommen werden.

Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg gab es durch Beschränkungen der Alliierten nur für

Ehepartner und Kinder ausländischer Staatangehöriger und für Verfolgte des

nationalsozialistischen Regimes die Möglichkeit, aus Deutschland auszuwandern. Weltweit

gab es zudem kaum ein Land, das deutsche Einwanderer zugelassen hätte. Deshalb blieb

die Zahl der deutschen Überseemigranten zwischen 1945 und 1948 auf ca. 32.000

beschränkt. Zu dieser Zeit waren vor allem westeuropäische Länder wie Frankreich und

Großbritannien die Hauptziele der Auswanderer. Mit der Gründung der Bundesrepublik gab

es nun auch für alle anderen die Möglichkeit, ins Ausland zu emigrieren und auch die

wichtigsten Einwanderungsländer wie die USA, Kanada und Australien zeigten sich nun

bereit, die Einreise Deutscher zu akzeptieren und sahen sie aufgrund eines

Arbeitskräftemangels nun sogar als gut qualifizierte und hoch motivierte Fachkräfte an.

Aufgrund dieser Entwicklungen gab es in den folgenden Jahren einen ,,... explosionsartigen

Anstieg der Auswanderzahlen ..." (Bade, Oltmer 2004:69). Im Jahr 1954 wurden 107.381

Fortzüge deutscher Staatsangehöriger aus dem Bundesgebiet registriert. Werden die

Angaben zur ehemaligen DDR mit einbezogen, so lagen die Fortzüge bei 167.335 Fällen

deutscher Auswanderer (vgl. Sauer, Ette 2007:28). Ab dem Jahr 1957 setzte jedoch ein

kontinuierlicher Rückgang ein, der sich bei jährlich ca. 50.000 bis 65.000 Abwanderungen ab

den 1970er Jahren einpendelte, bis sie ab 1989 auf über 100.000 pro Jahr anwuchsen, was

durch die Wanderungen zu und aus der ehemaligen DDR zu erklären ist (vgl. Bundesamt für

Migration und Flüchtlinge 2007:120). Die höheren Fortzugszahlen nach 1991 sind dadurch

begründet, dass sowohl aus Westdeutschland als auch aus Ostdeutschland (und damit aus

einem größeren Gebietsstand) Fortzüge verzeichnet wurden. Zwischen den Jahren 1991

und 2001 gab es in der Entwicklung der Auswanderung große Schwankungen: Während von

1991 bis 1994 ein leichter Anstieg der Emigration deutscher Staatsangehöriger auf 138.280

Fälle erfasst wurde, sank diese Zahl auf 109.507 Fälle im Jahr 2001. Seit 2002 sind die

Fortzüge deutscher Staatsangehöriger wieder kontinuierlich gestiegen; 2006 haben 155.290

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