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Subtitle: Vorlesungsschwerpunkt "Sicherheit in der Medizintechnik"
Lesson Plan, 2009, 21 Pages
Author: Dipl.-Ing. [FH] Thomas Lekscha
Subject: Biomedical technic
Details
Tags: Erarbeitung, Vorlesungskonzeptes, Fachhochschulbereich, Ausbildung, Medizintechnikern
Year: 2009
Pages: 21
Bibliography: ~ 12 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-25296-1
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Abstract
Dieses Unterweisungskonzept soll zur Erarbeitung eines Vorlesungs- scripts, speziell zur Ausbildung von Medizintechnikern, im Rahmen eines Ingenieur- oder Bachelorstudiums an einer Fachhochschule dienen. Es sollen grundlegende Aspekte zum Inhalt einer Vorlesung mit dem Schwerpunkt „Sicherheit in der Medizintechnik“ angesprochen und dargestellt werden. In diesem Unterweisungskonzept sollen Hinweise und Verfahrensanweisungen zur Erstellung einer Vorlesung bzw. eines Vorlesungsscripts gegeben werden.
Fulltext (computer-generated)
Erarbeitung eines Vorlesungskonzeptes
für den Fachhochschulbereich
zur Ausbildung von angehenden Medizintechnikern
Vorlesungsschwerpunkt ,,Sicherheit in der Medizintechnik"
Thomas Lekscha
GLIEDERUNG
-
Einleitung 1
-
Sicherheit in der Medizintechnik 1
-
Vorlesungsziel 2
- Wesentliche
gesetzliche
Vorschriften 3
-
Aufgaben eines Medizintechnikers 5
- Mechanische
Sicherheit 6
- Elektrische
Sicherheit
6
-
Strom, Spannung, Widerstand 7
-
Widerstände des menschlichen Körpers 8
-
Die Wirkung des Stroms auf den menschlichen Körper 9
-
Elektrische Sicherungsmaßnahmen 9
-
Systeme der Stromversorgung 11
- Elektrische
Schutzklassen 12
-
Einteilung von medizinisch genutzten Räumen 13
-
Ströme und Ableitströme in der Medizintechnik 14
-
Elektrische Sicherheitsmessungen 15
-
Sicherheitstechnische Kontrolle 16
- Schlusswort
17
- Literaturverzeichnis
18
4
Einleitung
Dieses Unterweisungskonzept soll zur Erarbeitung eines Vorlesungs-
scripts -speziell zur Ausbildung von Medizintechnikern- im Rahmen
eines Ingenieur- oder Bachelorstudiums an einer Fachhochschule dienen.
Es sollen grundlegende Aspekte zum Inhalt einer Vorlesung mit dem
Schwerpunkt ,,Sicherheit in der Medizintechnik" angesprochen und
dargestellt werden. In diesem Unterweisungskonzept sollen Hinweise
und Verfahrensanweisungen zur Erstellung einer Vorlesung bzw. eines
Vorlesungsscripts gegeben werden.
Sicherheit in der Medizintechnik
Die Sicherheit in der Medizintechnik befasst sich mit einer Vielzahl von
angrenzenden Fachgebieten. Zur Sicherheit in der Medizintechnik gehören
unter anderem die elektrische Sicherheit, die mechanische Sicherheit aber
auch die chemische bzw. hygienische Sicherheit an und von medizin-
technischen Apparaten bzw. medizintechnischen Einrichtungen.
In dem vorliegendem Unterweisungskonzept wird speziell auf die elektrische
Sicherheit von medizintechnischen Apparaten bzw. medizintechnischen
Einrichtungen eingegangen. Der Aspekt der mechanischen Sicherheit
kann in Vorlesungsveranstaltungen wie ,,Werkstoffkunde" oder ,,Kunststoffe
in der Medizin" angesprochen und erarbeitet werden. Der Aspekt der
chemischen bzw. hygienischen Sicherheit kann in den Vorlesungsveran-
staltungen wie ,,Mikrobiologie" und ,,Chemie" besprochen und erarbeitet
werden. Die Sicherheit in der Medizintechnik ist für angehende
Medizintechniker (Dipl.-Ing. oder Bachelor) ein wesentlicher Bestandteil
1
ihres Studiums und sollte didaktisch in einer speziell ausgerichteten
Vorlesung vermittelt werden. Parallel zur Vorlesung sollten Labortermine
angeboten werden, in denen die theoretisch erlangten Kenntnisse am
medizintechnischen Gerät vertieft werden können.
Vorlesungsziel
In der Vorlesung ,,Sicherheit in der Medizintechnik" sollten nachfolgende
Vorlesungsziele angestrebt und vermittelt werden.
Die Lehrveranstaltung soll dem angehenden Medizintechniker den
verantwortlichen Umgang mit medizintechnischen Geräten bzw.
Einrichtungen vermitteln. Dabei sollen Themen aus dem Bereich der
besonderen Anforderungen an die Entwicklung und Konstruktion von
medizintechnischen Apparaten besprochen werden. Dem angehenden
Medizintechniker sollen die besonderen Gefahren, die vom medizin-
technischen Gerät ausgehen können, und deren Vermeidung an und mit
praktischen Beispielen vermittelt werden.
Der Umgang mit den gesetzlichen Grundlagen und fachspiezifischen
Verordnungen und Normen sollen dem angehenden Medizintechniker an
Fallbeispielen und praktischen Vorfällen erläutert werden.
Nach dem erfolgreichen Besuch der Vorlesungsreihe ,,Sicherheit in der
Medizintechnik" soll der Student in der Lage sein, praxisbezogene Beispiele
mit und an medizintechnischen Apparaten bewerten, und Lösungsansätze
zur Vermeidung von sicherheitsrelevanten Fehlerquellen entwickeln zu
können.
2
Wesentliche gesetzliche Vorschriften
Da die Sicherheit in der Medizintechnik viele angrenzende Fachgebiete
streift, sollen (und können) in der Vorlesung nur die grundlegenden
gesetzlichen Vorschriften und Verordnungen bzw. Normen angesprochen
werden. Die wesentlichen gesetzlichen Grundlagen, im täglichen Umgang
mit dem medizintechnischen Apparat sind folgende:
-
Das Medizinproduktegesetz (MPG) [1]
Aktuelle Fassung vom 23. Mai 2002 (BGBl. I S. 1678)
Zweck dieses Gesetzes ist es, den Verkehr mit Medizinprodukten zu
regeln und dadurch für die Sicherheit, Eignung und Leistung der
Medizinprodukte sowie die Gesundheit und den erforderlichen
Schutz der Patienten, Anwender und Dritter zu sorgen.
-
Die Medizinprodukte- Betreiberverordnung (MPBetreibV) [2]
Aktuelle Fassung vom vom 31. Oktober 2006 (BGBl. I S. 2407)
Diese Verordnung gilt für das Errichten, Betreiben, Anwenden und
Instandhalten von Medizinprodukten nach § 3 des Medizinprodukte-
gesetzes mit Ausnahme der Medizinprodukte zur klinischen Prüfung
oder zur Leistungsbewertungsprüfung.
-
DIN EN 60601-1-2; VDE 0750-1-2:2007-12 [3]
Medizinische elektrische Geräte - Teil 1-2: Allgemeine Festlegungen
für die Sicherheit einschließlich der wesentlichen Leistungs-
merkmale - Ergänzungsnorm: Elektromagnetische Verträglichkeit -
Anforderungen und Prüfungen (IEC 60601-1-2:2007, modifiziert);
Deutsche Fassung EN 60601-1-2:2007
3
-
DIN EN 62353; VDE 0751-1:2008-08 [4]
Medizinische elektrische Geräte - Wiederholungsprüfung und
Prüfung nach der Instandsetzung von medizinischen elektrischen
Geräten (IE 62A/504/CDV:2005); Deutsche Fassung prEN
62353:2005 Ausgabe: 2008-08
-
DIN VDE 0701-0702; VDE 0701-0702:2008-06 [5]
Prüfung nach Instandsetzung, Änderung elektrischer Geräte -
Wiederholungsprüfung elektrischer Geräte - Allgemeine
Anforderungen für die elektrische Sicherheit
Ausgabe: 2008-06, Norm
-
DIN VDE 0100-710;2004-06 [6]
Errichten von Niederspannungsanlagen - Anforderungen
für Betriebsstätten, Räume und Anlagen besonderer Art -
Teil 710: Medizinisch genutzte Bereiche (IEC 60364-7-
710:2002, modifiziert) Ausgabe: 2004-06, Norm-Entwurf
-
BGV A3 [7]
Unfallverhütungsvorschrift
Elektrische Anlagen und Betriebsmittel
Ausgabe: 2005-01
Durchführungsanweisungen
Elektrische Anlagen und Betriebsmittel
Ausgabe: 2005-01
4
Die Auflistung der wesentlichen (grundlegenden) Gesetzestexte bzw.
Vorlagen und Normen stellt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit.
Sie stellt jedoch die minimale Grundlektüre zur Konzepterstellung einer
Vorlesung zur ,,Sicherheit in der Medizintechnik" dar.
Aufgaben eines Medizintechnikers
Zu Beginn der Vorlesung soll den Studenten das Berufsfeld eines
Medizintechnikers dargestellt und verdeutlicht werden. Es werden im
Wesentlichen drei Berufsfelder vorgestellt und mit praktischen Beispielen
unterlegt:
-
Der Medizintechniker in der Entwicklung
-
Der Medizintechniker im Vertrieb
-
Der Medizintechniker im Service.
Der Medizintechniker in der Entwicklung von medizintechnischen Apparaten
wird sein Studienschwerpunkt auf den konstruktiven Teil auslegen. Hier
werden Vorlesungsvorschläge unterbreitet und zusätzliche wichtige
Wahlpflichtfächer angeboten.
Der Medizintechniker im Vertrieb von medizintechnischen Apparaten wird
seinen Studienschwerpunkt auf den kaufmännischen Teil verlegen. Hier
sollte der Student fachbereichsübergreifende Vorlesungen mit betriebs-
wirtschaftlichen Inhalten besuchen.
Beim Medizintechniker im Service von und mit medizintechnischen
Apparaten, werden bei der beruflichen Ausrichtung die sicherheits-
technischen Aspekte von besonderer Bedeutung sein.
5
Der Servicetechniker muss mit der elektrischen und mechanischen
Sicherheit von medizintechnischen Geräten besonders gut vertraut sein.
Ein wesentliches Ziel einer Vorlesung ,,Sicherheit in der Medizintechnik"
sollte es auch sein, die Studenten von Beginn an auf deren individuellen
Vorlieben und Kenntnisse (Entwicklung, Vertrieb, Service) anzusprechen
und Hilfestellung bei der Findung des richtigen Berufsfeldes zu leisten.
Mechanische Sicherheit
Die mechanische Sicherheit von medizintechnischen Apparaten sollte
neben der elektrischen Sicherheit ca. ein Viertel der Vorlesung in Anspruch
nehmen. Bei der mechanischen Sicherheit von medizintechnischen Geräten
spielt die Werkstoffkunde und auch Grundlagen der Konstruktionstechnik
eine maßgebliche Rolle. Grundvoraussetzung sollte daher sein, dass die
Studierenden diese Vorlesungen vor der Vorlesung ,,Sicherheit in der
Medizintechnik" besucht haben. Beim Thema der mechanischen Sicherheit
sollten praktische Beispiele, am Gerät, in die Vorlesung einfließen.
Stichpunkte, die in einer Vorlesung erarbeitet werden sollten, sind unter
anderem: Kunststoffalterung, Ermüdungsbrüche, Wahl des falschen
Fertigungsmaterials, Desinfektion von Werkstoffen und Anwendungsfehler
Elektrische Sicherheit.
Die elektrische Sicherheit an einem medizintechnischen Apparat bzw. an
einer medizintechnischen Einrichtung sollte ca. drei Viertel der Vorlesung
,,Sicherheit in der Medizintechnik" in Anspruch nehmen.
Dieser Teil der Vorlesung sollte elektrotechnische und physikalische
6
Grundlagen bzw. deren Fachvorlesungen voraussetzen. Da die
medizintechnischen Apparate zu 90% Strom betrieben sind, ist eine
zusätzliche Aufarbeitung der elektrotechnischen Grundlagen in einer
Vorlesung ,,Sicherheit in der Medizintechnik" - zum besseren Verständnis
der Vorgänge - zwingend erforderlich.
Strom, Spannung, Widerstand
Die vorlesungstechnische Aufbereitung dieser Begriffe ist die Grundvoraus-
setzung zum Verstehen der elektrischen Gefahrenquellen von medizin-
technischen Geräten am menschlichen Körper.
Es sollte in der Vorlesung kurz auf die Entstehung bzw. Erzeugung des
elektrischen Stromes eingegangen werden. Der Unterschied zwischen
Gleich- und Wechselstrom soll erfragt und an praktischen Beispielen
dargestellt werden. Zum Beispiel wird ein medizintechnisches Gerät mit
einer 230 V Wechselspannungsversorgung einem gleichspannungs-
betriebenem Gerät gegenübergestellt.
Bei dem Begriff Spannung wird in Analogie verfahren. Wichtige Begriffe,
die erarbeitet werden sollten sind: Wechselspannung, Gleichspannung,
Wechselstrom, Gleichstrom, Frequenz, Periode, Effektivwert, Crestfaktor.
Der Begriff Widerstand nimmt in der Sicherheit von medizintechnischen
Apparaten einen besonderen Stellenwert ein. Es sollten in einer Vorlesung
die Unterschiede zwischen rein ohmschen Widerständen und allgemeinen
Impedanzen oder Scheinwiderständen dargestellt werden. Da sich der
menschliche Körper nicht wie ein rein ohmscher Widerstand verhält, muss
für die Betrachtung der elektrischen Sicherheit im Umgang mit dem
medizintechnischen Apparat, der Körper des Menschen an Hand seiner
7
spezifischen Widerstandswerte erklärt, und Parallelen bzw. Unterschiede
zur reinen Elektrotechnik bzw. zu ohmschen-, kapazitiven- und induktiven-
Widerständen dargestellt werden.
Widerstände des menschlichen Körpers
Zur Erläuterung der Widerstandswerte des menschlichen Körpers soll
auf die Ermittlung der Werte bzw. die Erstellung und Entstehung von
Widerstandstabellen eingegangen werden. Hilfreich sind hier die ersten
Versuche zur Ermittlung der Widerstandswerte an Tieren (Schweine, Hunde,
Schafe). Die Übertragung und Umrechnung dieser versuchstechnisch
ermittelten Werte auf den menschlichen Körper und dessen Besonderheiten
ist Vermittlungsziel. Stichpunkte zur Erarbeitung dieser Widerstandwerte
und zur Verdeutlichung der Besonderheit des Haut- bzw. Organwiderstands
sind: Aufbau des menschlichen Gewebes, Hautbeschaffenheit, Frequenz,
Übergangswiderstand, Einwirkzeit, Alter- und Konstitution des Menschen,
Elektrolyt.
Hilfreich zur Verdeutlichung eines Stromflusses durch den menschlichen
Körper bzw. Nachweis von spezifischen Körperimpedanzen, kann ein kleiner
Selbstversuch mit einer 9V-Blockbatterie und / oder einem Klingeltrafo sein.
Den Studenten können so -mit einfachen Mitteln- die unterschiedlichen
typbedingten Übergangswiderstände am Menschen verdeutlicht werden.
Weiterhin kann mit diesen Mitteln (Spannungsquelle, Körperwiderstand und
Stromfluss) das Ohmsche Gesetzt wiederholt und am praktischen Beispiel
verdeutlicht werden.
8
Die Wirkung des Stroms auf den menschlichen Körper
Den Studenten soll in der Vorlesung verdeutlicht werden, welche Gefahren
vom elektrischen Strom (vom fehlerbehafteten medizintechnischen Gerät)
ausgehen können. Es soll insbesondere der Unterschied zwischen der
physikalischen und der physiologischen Wirkung des elektrischen Stroms
erarbeitet werden.
Physikalisch
-
Wärmewirkung beim Stromdurchgang durch den Körper
-
Auskochen von Gewebsflüssigkeit bei hoher Stromstärke
-
Zerstörung von Eiweißen
-
Strommarken am menschlichen Körper
Physiologisch
-
Einwirkung auf das Nervensystem
- Muskelverkrampfungen
- Störung
des
Reizleitungssystems
Beispiele und Bilder der Berufsgenossenschaften (Stromunfälle) können
die Unterschiede zwischen physikalisch und physiologisch verdeutlichen.
Elektrische Sicherungsmaßnahmen
Die elektrischen Sicherungsmaßnahmen dienen in der Elektrotechnik zur
Begrenzung von ungewollten Überströmen (Ströme, die einen bestimmten
vorgegebenen Grenzwert überschreiten). Den Studenten sollen in der
9
Vorlesung ,,Sicherheit in der Medizintechnik" die wesentlichen elektrischen
Sicherungsmaßnahmen bzw. Sicherungsmodule vorgestellt und erklärt
werden. Die Grundlage dieser Sicherungsmaßnahmen, die Srombe-
grenzung, soll an Hand von Rechenbeispielen (Ohmsche Gesetz und
unterschiedliche Haut-Übergangswiderstände) erarbeitet werden.
Folgende Sicherungsmaßnahmen bzw. Sicherungsmodule sollten
besprochen und berechnet werden:
- Schmelzsicherungen
Prinzip und unterschiedliche Typen
(Nach dem Auslösen nicht wieder verwendbar)
- Sicherungsautomaten
Prinzip und unterschiedliche Typen
(Nach dem Auslösen wieder verwendbar)
- Fehlerstromschutzschalter
Prinzip und unterschiedliche Typen
(Nach dem Auslösen wieder verwendbar)
- Isolationsüberwachungsmodul
Prinzip und unterschiedliche Typen
(Nur Meldung keine Abschaltung).
Es hat sich gezeigt, dass zur Verdeutlichung der Sicherungsmaßnahmen,
Schautafeln, mit den unterschiedlichen Sicherungsmodulen, sehr hilfreich
sind. Schautafeln können die Sicherungsmodule als passive Bauteile
zeigen oder, mit Hilfsstromkreisen ausgestattet, eine Auslösung der Bauteile
(Ansprechen des Sicherungsmoduls) erlauben. Eine praktische Darstellung
eines Summenwandlers bzw. einer Isolationsüberwachung unterstützt die
Verdeutlichung des theoretischen Ansatzes.
10
Systeme der Stromversorgung (Netzformen)
Um die Besonderheiten der elektrischen Stromversorgung in medizinisch
genutzten Bereichen zu verstehen, müssen die unterschiedlichen Strom-
versorgungssysteme angesprochen und ihre Unterschiede herausgearbeitet
werden. Die DIN VDE 0100-300 [8] gibt im Wesentlichen drei Arten der
Versorgungssysteme und dessen Bezeichnungen vor:
-
Das TN- System
-
Das TT- System
-
Das IT- System.
In der Vorlesung sollten die charakteristischen Merkmale dieser Systeme
an Hand der aktiven Leiterzahl und der entsprechenden typbedingten
Erdverbindung dargestellt werden. Die Erklärung der Buchstabenfolge zur
Kennzeichnung eines Netzes sollte unterstützt durch Netzform-Bilder
(siehe DIN VDE 0100-300) erarbeitet werden.
Erster Buchstabe, Beziehung des Versorgungssystems zur Erde:
- T = direkte Verbindung eines Punktes zu Erde
- I = entweder sind alle aktiven Teile von Erde getrennt oder ein
Punkt über große Impedanzen mit Erde verbunden.
Zweiter Buchstabe, Beziehung der Körper der elektrischen Anlage zu Erde:
- T= direkte elektrische Verbindung der Körper zu Erde
- N= direkte elektrische Verbindung der Körper mit dem geerdetem
Punkt des Versorgungssystems (Sternpunkt).
11
Elektrische Schutzklassen
Elektrische Betriebsmittel werden in unterschiedliche Schutzklassen
unterteilt. Die Unterteilung dieser Betriebsmittel erfolgt nach der Schutz-
maßnahme ,,Schutz des Menschen vor ungewollten Fehlerströmen".
Die Europanorm EN 61140 [9] beschreibt unterschiedliche Schutz-
maßnahmen, unter anderem auch die vier Schutzklassen für elektrisch
betriebene Betriebsmittel. Die Schutzklassen:
- Schutzklasse
0
Es besteht neben einer Grundisolierung kein besonderer Schutz
gegen einen Stromschlag. Der Anschluss an ein Schutzleitersystem
ist nicht vorgesehen.
- Schutzklasse
1
Alle elektrisch Leitfähigen Teile sind mit einem Schutzleitersystem
verbunden, welches sich auf Erdpotenzial befindet.
- Schutzklasse
2
Bei der Schutzklasse II besteht eine verstärkte oder doppelte
Isolierung zwischen dem Netzstromkreis und der Ausgangs-
spannung. Es besteht kein Anschluss an ein Schutzleitersystem.
- Schutzklasse
3
Betriebsmittel dieser Schutzklasse arbeiten mit Schutzklein-
spannung, das heißt 50V Wechselspannung oder 120V Gleich-
spannung.
Ziel der Vorlesung ,,Sicherheit in der Medizintechnik" muss es auch sein,
dass die Studierenden, elektrisch betriebene Betriebsmittel in die
12
zugehörigen Schutzklassen einordnen, und somit eventuelle weitere
Schutzmaßnahmen ermitteln und bestimmen können. Die zugehörigen
Symbole der Schutzklassen, sind der IEC 60417 [10] zu entnehmen.
Einteilung von medizinisch genutzten Räumen
Die Einteilung von medizinisch genutzten Räumen oder Bereichen in
Raumgruppen wird in der DIN VDE 0100-710 [11] geregelt. Die Einteilung
der Räume erfolgt auf Grund der elektrischen Sicherheit für den Menschen
und im Speziellen für den Patienten. Die Räume oder Bereiche werden
in die Gruppen 0 bis 2 eingeteilt, wobei die Raumgruppe 0 die höchste
Sicherheit für den Patienten darstellt.
Ein angehender Medizintechniker muss sich mit der Raumeinteilung
befassen, weil auf Grund der Zuordnung auch elektrische Sicherheits-
maßnahmen bzw. Installationen ausgelegt und realisiert werden. Ein Ziel
soll es sein, die Studierenden für die besondere Problematik der elektrischen
Sicherheit in medizintechnischen Gebäuden und Räumen zu sensibilisieren.
Anhand von Raumbeispielen, soll den Studenten die Einteilung erklärt und
erleichtert werden. Beispiele von Raumgruppen:
- Raumgruppe
0
Wartezimmer, Patientenannahme, Sprechzimmer, Verbandszimmer
- Raumgruppe
1
Aufwachräume, Endoskopieräume, EKG-Räume, Entbindungs-
räume, Radiologische Diagnostik
- Raumgruppe
2
Operationsräume, Intensivstationen, Herzkatheterräume.
13
Ströme und Ableitströme in der Medizintechnik
Aus Erfahrung fällt es den Studenten schwer, die Vielzahl von unter-
schiedlichen Strömen -speziell in der Medizintechnik- auseinanderzuhalten
und zuzuordnen. Als Grundvoraussetzung sollten jedoch nachfolgende
Ströme in einer Vorlesung ,,Sicherheit in der Medizintechnik" besprochen
und an praktischen Beispielen erklärt werden.
Wichtige Ströme und ihre Erläuterungen im medizintechnischen Bereich
nach DIN EN 62353 [12]:
- Erdableitstrom
Strom, der vom Netzteil des Betriebsmittels durch oder über die
Isolierung in den Schutzleiter fließt
- Geräteableitstrom
Strom, der von Netzteilen über den Schutzleiter oder über
berührbare leitfähige Teile des Gehäuses und der Anwendungsteile
zur Erde fließt
- Patientenableitstrom
Strom, der von den Patientenanschlüssen über den Patienten zur
Erde fließt.
Weiterhin sind zwei wichtige, für die Sicherheit in der Medizintechnik
zwingend erforderliche, Widerstände bzw. Widerstandswerte zu erwähnen:
- Schutzleiterwiderstand
Widerstand zwischen den leitfähigen Teilen eines Betriebsmittels,
welche mit einem Schutzleiter verbunden sind, und dem Schutz-
kontakt des Netzsteckers. Er sollte gegen null Ohm tendieren.
14
- Isolationswiderstand
Der Durchgangswiderstand einer Isolierung, der mit einer definierten
Gleichspannung bestimmt wird. Er sollte gegen unendlich Ohm
tendieren.
Die vorab genannten Ströme und Widerstände sollen in einer Vorlesung das
Grundgerüst für Fehlerströme bzw. Ströme an medizintechnischen Geräten
bilden. Sie stellen nicht alle vorkommenden Ströme in der Medizintechnik
dar. Dennoch können von diesen Grundströmen bzw. Fehlerströmen alle
maßgeblichen zusätzlichen Ströme abgeleitet werden. Die Erfahrung zeigt,
dass Studenten der Medizintechnik, wenn sie die Basisströme verstanden
haben, relativ leicht Ableitungen zu weiteren Strömen herleiten können.
Elektrische Sicherheitsmessungen
Bei den elektrischen Sicherheitsmessungen werden mit speziellen, für die
Medizintechnik ausgelegten Messmitteln, die oben genannten Ströme und
Widerstände gemessen. Nachdem die Ströme und Widerstände in der
Vorlesung theoretisch besprochen wurden, sollten sie am praktischen
Beispiel, also am medizintechnischen Apparat, gemessen werden. Eine
Verdeutlichung der Messtheorie ist in Laborversuchen anzustreben.
Ziel dieser praktischen Versuche soll es sein, den Studenten den Umgang
mit unterschiedlichen Messgeräten zu vermitteln, und Ihnen die Scheu vor
Messgeräten und deren Anwendungen zu nehmen.
Sinnvoll ist es, die aufgezeigten Messschaltungen der DIN EN 60601-1-2
und der DIN EN 62353 im Laborversuch nachzuvollziehen.
15
Sicherheitstechnische Kontrolle
Nachdem die Studierenden die theoretischen Grundlagen der
Besonderheiten der Sicherheit in der Medizintechnik kennengelernt haben,
sollen sie in der Lage sein, eine sicherheitstechnische Kontrolle nach §6
der Medizinprodukte- Betreiberverordnung durchzuführen. Es soll ihnen
vermittelt werden, dass die Sicherheitstechnische Kontrolle (STK) folgende
wesentlichen Gliederungen bzw. Prüfpunkte beinhaltet:
-
Bezeichnung des medizintechnischen Gerätes
Art, Typ, Gerätenummer, Gerätehersteller
-
Sichtprüfung des medizintechnischen Gerätes
Bei der Sichtprüfung werden das Gehäuse, dessen Anbauteile und
alle Bedienelemente auf sichtbare Beschädigungen geprüft
- Funktionsprüfung
Bei der Funktionsprüfung werden alle relevanten typbedingten
Ausgangsparameter vom medizintechnischen Gerät geprüft
- Elektrische
Sicherheitsmessung
Bei der elektrischen Sicherheitsmessung werden die auf Seite 14
und 15 erwähnten Parameter gemessen und deren Istwerte mit den
in verschiedenen Normen vorgeschriebenen Sollwerten verglichen.
Nach der Sicherheitstechnischen Kontrolle (STK) soll der Student, der
angehende Medizintechniker, in der Lage sein, eine Einschätzung oder
Bewertung zur Sicherheit des geprüften medizintechnischen Gerätes
abzugeben. Das Prüfergebnis quittiert der Prüfer mit dem Datum der
Prüfung und seiner Unterschrift.
16
Schlusswort
Diese Konzepterstellung wurde auf Grund jahrelanger Erfahrung des
Autors im Vorlesungsbereich, und im Speziellen in medizintechnischen
Spezialgebieten, erstellt. Dieses Konzept stellt ein Grundgerüst, speziell
zur Ausbildung von Medizintechnikstudenten dar. Es erhebt nicht den
Anspruch auf Vollständigkeit. Bei dieser Konzepterstellung wurde darauf
geachtet, die ausschlaggebenden Grundlagen vorzustellen. Anhand dieser
Grundlagen können individuelle Vorlesungen erstellt und auf angrenzende
Vorlesungsgebiete erweitert werden.
Die Erfahrung zeigt, dass die Vermittlung des theoretischen Stoffes,
besonders in der Sicherheit der Medizintechnik, durch laborbegleitende
Versuche am medizintechnischen Apparat erheblich erleichtert wird.
Eine Vorlesungsvorbereitung für das Fach ,,Sicherheit in der Medizintechnik"
ist ohne die Einplanung von laborbegleitenden, praktischen Versuchen nicht
zu empfehlen.
Diese Vorlesungskonzepterstellung, soll als ,,roter Faden" zur Ausarbeitung
von individuellen Vorlesungen im Bereich der Medizintechnik verstanden
werden.
17
Literaturverzeichnis
[1]
Gesetz über Medizinprodukte (Medizinproduktegesetz-MPG)
Medizinproduktegesetz in der Fassung der Bekanntmachung
vom 7. August 2002 (BGBl. I S. 3146), zuletzt geändert durch
Artikel 1 des Gesetzes vom 14. Juni 2007 (BGBl. I S.1066)
[2]
Verordnung über das Errichten, Betreiben und Anwenden von
Medizinprodukten
(Medizinprodukte-Betreiberverordnung-
MPBetreibV) in der Fassung der Bekanntmachung vom 21. August
2002 (BGBl. I s: 3396), geändert durch Artikel 386 der Verordnung
vom 31. Oktober 2006 (BGBl. I S. 2407)
[3]
DIN EN 60601-1-2; VDE 0750-1-2:2007-12
Medizinische elektrische Geräte - Teil 1-2: Allgemeine Festlegungen
für die Sicherheit einschließlich der wesentlichen Leistungs-
merkmale - Ergänzungsnorm: Elektromagnetische Verträglichkeit -
Anforderungen und Prüfungen (IEC 60601-1-2:2007, modifiziert);
DIN Deutsches Institut für Normung e.V. und VDE Verband der
Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. Berlin
[4]
DIN EN 62353; VDE 0751-1:2008-08
Medizinische elektrische Geräte - Wiederholungsprüfung und
Prüfung nach der Instandsetzung von medizinischen elektrischen
Geräten (IE 62A/504/CDV:2005); DIN Deutsches Institut für
Normung e.V. und VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik
Informationstechnik e.V. Berlin
18
[5]
DIN VDE 0701-0702; VDE 0701-0702:2008-06
Prüfung nach Instandsetzung, Änderung elektrischer Geräte -
Wiederholungsprüfung elektrischer Geräte - Allgemeine
Anforderungen für die elektrische Sicherheit. DIN Deutsches Institut
für Normung e.V. und VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik
Informationstechnik e.V. Berlin
[6]
DIN VDE 0100-710;2004-06
Errichten von Niederspannungsanlagen - Anforderungen für
Betriebsstätten, Räume und Anlagen besonderer Art - Teil 710:
Medizinisch genutzte Bereiche (IEC 60364-7-710:2002, modifiziert).
DIN Deutsches Institut für Normung e.V. und VDE Verband der
Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. Berlin
[7]
BGV A3 Berufsgenossenschaftliche Vorschriften
Unfallverhütungsvorschrift / Durchführungsanweisungen
Elektrische Anlagen und Betriebsmittel
Ausgabe: 2005-01; HVBG Hauptverband der gewerblichen
Berufsgenossenschaften in Kooperation mit dem Carl Heymanns
Verlag 2005
[8]
DIN VDE 0100-300, 1996-01
Errichten von Starkstromanlagen mit Nennspannungen bis 1000V,
Teil 3: Bestimmungen allgemeiner Merkmale (IEC 364-3:1993,
modifiziert). DIN Deutsches Institut für Normung e.V. und VDE
Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V.
Berlin
19
[9]
DIN EN 61140 (VDE 0140-1); 2007-03
Schutz gegen elektrischen Schlag- Gemeinsame Anforderungen für
Anlagen und Betriebsmittel (IEC 61140:2001+A1:2004, modifiziert).
DIN Deutsches Institut für Normung e.V. und VDE Verband der
Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. Berlin
[10]
IEC 60417:1973 + IEC 417A:1974 bis IEC 417M:1994
Graphische Symbole für Einrichtungen (Bildzeichen).
International Electrotechnical Commission, Genf.
Beuth Verlag GmbH
[11]
DIN VDE 0100-710; 2002-11
Errichten von Niederspannungsanlagen, Anforderungen für
Betriebsstätten, Räume und Anlagen besonderer Art; Teil 710:
Medizinisch genutzte Bereiche. DIN Deutsches Institut für Normung
e.V. und VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informations-
technik e.V. Berlin
[12]
DIN EN 62353 (VDE 0751-1); 2008-08
Medizinische elektrische Geräte- Wiederholungsprüfungen und
Prüfungen nach Instandsetzung von medizinischen elektrischen
Geräten (IEC 62353:2007). DIN Deutsches Institut für Normung e.V.
und VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik
e.V. Berlin
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