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Die Christianisierung der Wortwahl

Subtitle: Die Christianisierung der islamischen Fachbegriffe auf Deutsch

Termpaper, 2008, 16 Pages
Author: Ali Ghandour
Subject: Orientalism / Sinology - Arabistic

Details

Event: Arabische Begriffe und Termini und ihr kulturhistorischer Hintergrund
Institution/College: University of Leipzig (Orientalisches Institut)
Tags: arabisch, übersertzung, islam, integration, sprachwissenschaft
Category: Termpaper
Year: 2008
Pages: 16
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 9  Entries
Language: German
Archive No.: V121826
ISBN (E-book): 978-3-640-26550-3


Abstract

Der Islam hat in der Welt in den letzten Jahrhunderten an Bedeutung gewonnen. Einerseits durch weltökonomische Faktoren, wie die Erdöl-Wirtschaft oder die Expansion der Märkten im Fernen und Nahen Osten, oder durch weltpolitische Faktoren, wie die zahlreichen Konflikten in der Welt, die in Gebieten stattfinden, die überwiegend von Muslimen bevölkert sind. Aber nicht nur die Globalisierung der Wirtschaft oder die Konflikte und Krisen spielen eine Rolle in der Zunahme der Wichtigkeit der Religion des Islam in der Welt. Im Westen (wenn man das Wort verwenden darf) kommt noch der Faktor der Immigration dazu. Dieses Phänomen hat zu der direkten Konfrontation bzw. Begegnung dieser Religion und ihrer Anhänger mit den westlichen Kulturen, Weltanschauungen usw. geführt. Diese Auseinandersetzung fand auf mehreren Ebenen statt. Eine davon ist die sprachliche. Die europäischen Sprachen sind in der Mehrheit säkularisierte Sprachen. Ein gleicher Begriff dient oft zur der Bezeichnung von einer von Religion zu Religion unterschiedlichen Erscheinung. Sie trägt je nach der jeweiligen Religion andere weltliche bzw. theologische Bedeutungen, sie bezieht sich auf unterschiedliche Quellen und vor allem die Erscheinung selbst ist in ihren äußerlichen sowie inneren Merkmalen anders. Die deutsche Sprache entgeht dieser Problematik nicht. Sie neigt auch zur Verwendung von Begriffen, die einerseits säkular benutzt werden, aber anderseits aus einer kirchlichen Tradition stammen. Die christlichen Begriffe, die man in der Verwendung säkularisiert hat, haben ihre Konnotationen trotzdem nicht verloren. Von daher fragt man sich, in weit diese Begriffe dem Islam, der von einer arabischen Sprachtradition herkommt, gerecht werden. Sind sie überhaupt korrekt, spiegeln sie tatsächlich den ursprünglichen Sinn der jeweiligen Erscheinungen in der islamischen Religion. Wenn nein, welche Alternativen bieten sich in der deutschen Sprache? Muss man arabische Wörter eindeutschen oder Begriffe neu schöpfen? Um dieses Thema, das eine Magisterarbeit, ja eine Doktorarbeit wert ist, zu versuchen zu problematisieren, werde ich paar Begriffe, die oft im deutschen Sprachgebrauch verwendet werden, um islamische Phänomenen zu bezeichnen, darstellen. Ich werde den deutschen sowie den arabischen (ursprünglichen) Begriff darstellen und letztlich vergleichen, inwieweit die beiden Begriffe übereinstimmen.


Excerpt (computer-generated)

Universität Leipzig

Orientalisches Institut

Wintersemester 2006/2007

Arabische Begriffe und Termini und ihr kulturhistorischer Hintergrund

Die Christianisierung der Wortwahl

von

Ali Ghandour

Orientalistik / Politikwissenschaft (Magister)

7. Fachsemester


Inhaltverzeichnis

3 Die Einleitung

4 1-Der Glaube und das Verb "glauben"

6 2-Der Unglaube und die Ungläubigen.

9 3- Der Heilige Krieg

12 4- Orthodoxie und Orthodoxe

14 5-Schlussfolgerung

15 Literaturverzeichnis

2


Die Einleitung

Der Islam hat in der Welt in den letzten Jahrhunderten an Bedeutung gewonnen. Einerseits

durch weltökonomische Faktoren, wie die Erdöl-Wirtschaft oder die Expansion der Märkten

im Fernen und Nahen Osten, oder durch weltpolitische Faktoren, wie die zahlreichen

Konflikten in der Welt, die in Gebieten stattfinden, die überwiegend von Muslimen bevölkert

sind. Aber nicht nur die Globalisierung der Wirtschaft oder die Konflikte und Krisen spielen

eine Rolle in der Zunahme der Wichtigkeit der Religion des Islam in der Welt. Im Westen

(wenn man das Wort verwenden darf) kommt noch der Faktor der Immigration dazu. Dieses

Phänomen hat zu der direkten Konfrontation bzw. Begegnung dieser Religion und ihrer

Anhänger mit den westlichen Kulturen, Weltanschauungen usw. geführt. Diese

Auseinandersetzung fand auf mehreren Ebenen statt. Eine davon ist die sprachliche. Die

europäischen Sprachen sind in der Mehrheit säkularisierte Sprachen. Ein gleicher Begriff

dient oft zur der Bezeichnung von einer von Religion zu Religion unterschiedlichen

Erscheinung. Sie trägt je nach der jeweiligen Religion andere weltliche bzw. theologische

Bedeutungen, sie bezieht sich auf unterschiedliche Quellen und vor allem die Erscheinung

selbst ist in ihren äußerlichen sowie inneren Merkmalen anders.

Die deutsche Sprache entgeht dieser Problematik nicht. Sie neigt auch zur Verwendung von

Begriffen, die einerseits säkular benutzt werden, aber anderseits aus einer kirchlichen

Tradition stammen. Die christlichen Begriffe, die man in der Verwendung säkularisiert hat,

haben ihre Konnotationen trotzdem nicht verloren. Von daher fragt man sich, in weit diese

Begriffe dem Islam, der von einer arabischen Sprachtradition herkommt, gerecht werden.

Sind sie überhaupt korrekt, spiegeln sie tatsächlich den ursprünglichen Sinn der jeweiligen

Erscheinungen in der islamischen Religion. Wenn nein, welche Alternativen bieten sich in der

deutschen Sprache? Muss man arabische Wörter eindeutschen oder Begriffe neu schöpfen?

Um dieses Thema, das eine Magisterarbeit, ja eine Doktorarbeit wert ist, zu versuchen zu

problematisieren, werde ich paar Begriffe, die oft im deutschen Sprachgebrauch verwendet

werden, um islamische Phänomenen zu bezeichnen, darstellen. Ich werde den deutschen

sowie den arabischen (ursprünglichen) Begriff darstellen und letztlich vergleichen, inwieweit

die beiden Begriffe übereinstimmen.

3


1-Der Glaube und das Verb "glauben"

Der Unglaube und Glaube sind zwei Begriffe, die bis jetzt noch nicht die Wortkraft und keine

nähere Definition des arabisch-islamisch geprägten Begriffs wiedergegeben haben.

Im Meyers Lexikon steht über Glaube folgendes:

innere Gewissheit, die keines Beweises

bedarf; Grundelement des religiösen Lebens, das für die Existenz des religiösen Menschen

schlechthin entscheidend ist. G. bedeutet primär [gefühlsmäßiges] Vertrauen, feste Zuversicht

und nicht ausschließlich ein Führ-Wahr-Halten außerirdischer, transzendenter

Gegebenheiten

.1

Im lateinischen Sprachgebrauch wird crdo als Synonym für diesen deutschen Begriff

benutzt, er kann vertrauen, jmd. oder einer Sache vertrauen, trauen, Zutrauen schenken,2, aber

auch etwas glauben oder von der Wahrheit einer Sache überzeugt sein, heißen.3.

Diese zweite Erklärung ist die nächste zum Arabischen, Ibnu Man r schrieb in Lisn al-

′arab :

4

"Die Leute des Wissens aus den Sprachwissenschaftlern und andere sind darüber einig, dass

m

n , etwas für wahr halten, heißt."

Al-urni bestätigt die oben genannte Erklärung in seinem Buch "at-Ta′rift". Über man

schrieb er:

5

:

Sprachlich heißt es: etwas mit dem Herzen für wahr halten

Und dann führte er fort:

6

:

Aus der Sicht der Schar′a heißt es: Etwas mit dem Herzen glauben

(al-i′tiq

d

) und es mit

der Zunge bestätigen.

Bemerkenswert hier ist das Wort

al-i′tiq

d.

Es stammt aus ′aqada (etwas binden). Er gibt uns

eine bildliche Darstellung des Aktes des Glaubens. Es ist eine Bindung einer Idee,

Gegebenheit oder Vorstellung an das Herz.

Der Begriff Glaube und die arabischen Formen mn oder I′tiqd überschneiden sich in

manchen Punkten, sodass man den deutschen Begriff "Glauben" schon aus reiner sprachlicher

1 Meyers Lexikon (Digitale Form)

2 Vgl. Georges-LDHW Bd. 1, S. 1737

3 Vgl. Georges-LDHW Bd. 1, S. 1740

4 Ibnu Mandr 1998, S. 141

5 Al-urgni 2006, S. 41

6 Ibid.

4



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