Register or log in at GRIN

Your e-mail-address or password is wrong
Register now
For new authors: free, easy and fast
This will be used as your user name, please specify a valid e-mail address

Lost password

Your e-mail-address or password is wrong

Request a new password
Der Seldon-Plan close

Please wait

Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.

Der Seldon-Plan

Subtitle: Isaac Asimovs Science-Fiction aus wissenssoziologischer Perspektive quergelesen

Termpaper, 2007, 36 Pages
Author: Peter Sperling
Subject: Sociology - Knowledge and Information

Details

Category: Termpaper
Year: 2007
Pages: 36
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 15  Entries
Language: German
Archive No.: V121907
ISBN (E-book): 978-3-640-26397-4
ISBN (Book): 978-3-640-26411-7

Abstract

Die Wissenssoziologie legt zugrunde, dass die Wirklichkeit sozial konstruiert ist und beschäftigt sich damit, wie diese Wirklichkeit konstruiert wird (vgl. [Berger: 1997], S. 1). Die Literaturwissenschaft betrachtet diese sozial konstruierte Wirklichkeit als faktische Wirklichkeit und unterscheidet dazu die fiktionale Wirklichkeit. Die zuletzt genannte ist die Wirklichkeit, die in Texten als wirklich erscheint, obwohl sie Teil einer nichtwirklichen Welt ist. Sie hat aber prinzipiell keine feste Beziehung zur sozial konstruierten Wirklichkeit. Sowohl in der Wissenssoziologie als auch in der Literatur werden Wirklichkeiten konstruiert. Die Frage, wie diese Konstruktion jeweils erfolgt, ist Mittelpunkt der Literaturwissenschaft und der Wissenssoziologie. Die Aussage, dass die fiktionale Wirklichkeit prinzipiell keine feste Beziehung zur sozial konstruierten faktischen Wirklichkeit hat, stelle ich hier in Frage. Ich behaupte, dass zumindest in der Science-Fiction-Literatur im engeren Sinne zwischen diesen beiden Wirklichkeiten sehr wohl ein Bezug besteht. Beide Wirklichkeiten werden nach denselben Prinzipien konstruiert, auch wenn von anderen Voraussetzungen ausgegangen wird. Die Konstruktion von Wirklichkeit und der Umgang mit Wissen folgen in der fiktiven Wirklichkeit der Science-Fiction-Romane und -Erzählungen den gleichen Regeln und werden von den gleichen Einflussfaktoren bestimmt wie in unserer faktischen Welt. Speziell soll die „Foundation-Trilogie“ in dieser Arbeit untersucht werden. Eine Schlüsselrolle hat in ihr der Seldon-Plan inne, der direkt wissenssoziologische Ideen und Mechanismen beinhaltet. An ihm möchte ich nachweisen, dass wissenssoziologische Aspekte in Asimovs Werken und speziell im vom Seldon-Plan geprägten Foundation-Universum1 eine tragende Rolle spielen. Darüber hinaus möchte ich zeigen, dass die Wissenssoziologie auch über ihren Fachbereich hinaus von Belang ist und deren theoretische Grundlagen für die gesamte Science-Fiction-Literatur eine besondere Bedeutung haben. Es ist nicht möglich, innerhalb dieser Arbeit alle wissenssoziologischen Aspekte, die sich in Asimovs Werk finden lassen, zu untersuchen. Daher beschränke ich mich auf die Romane der Foundation-Trilogie und konzentriere mich dabei auf herausragende Abschnitte. Sozusagen ein wissenssoziologischer Streifzug durch das Foundation Universum. [...]


Excerpt (computer-generated)

Karlsruhe, den 06.04.07

Der Seldon-Plan

Isaac Asimovs Science-Fiction aus wissenssoziologischer Perspektive quergelesen

Hausarbeit im Seminar 2.446
,,Wissenssoziologie"
Wintersemester 2006-2007
an der PH Karlsruhe

Peter Sperling

Lehramt für Grund- & Hauptschule
in den Fächern Deutsch, Chemie, Hauswirtschaft & Textil
V. Semester


Inhaltsverzeichnis

Vorangehendes 1

Zum Inhalt der Arbeit 1

Zu Asimov 3

Die Foundation-Trilogie ,,Die Psychohistoriker" 3

Zur Trilogie 3

Zum Inhalt 3

Die Asimovsche Psychohistorik 4

Der ,,Seldon-Plan" 5

Zum Verhältnis Science-Fiction ­ Soziologie 7

Betrachtungen aus wissenssoziologischer Perspektive 9

Die verschiedenen Ebenen der Wirklichkeit 9

Wissensträger im galaktischen Imperium 10

Laien 10

Experten 11

Spezialisten 12

Professionelle 13

,,Gläubige und Hochstapler" 14

Die Verteilung des Wissens im galaktischen Imperium 16

Explizites Wissen: 17

Implizites Wissen: 18

Allgemeinwissen und Allerweltswissen 19

Vertrautheitswissen 20

Bekanntheitswissen 20

Sonderwissen 21

Geheimwissen 22

Wissen, Nicht-Wissen und Zu-Viel-Wissen 22

Der Seldon Plan und die Konstruktion der Wirklichkeit 24

Wie wirklich ist der Seldon-Plan? 24

Modellbildung von sozialen Handlungen als Voraussetzung für den Seldon-Plan 25

Konstruktionen von Wirklichkeiten und die Perspektivität 27

Menschen als Produkt der Umwelt 28

Im Roman dargestellte Perspektiven 28

Fazit 31

Ausblick 32


Vorangehendes

Laut Robert K. Merton

,,gehört das Nichtwissen als ein Noch-nicht-Wissen zu den wesentlichen Voraussetzungen wissenschaftlichen Arbeitens"

(Knoblauch: 2005, S. 278). Es kann aber nur als Ausgangspunkt für eine wissenschaftliche Arbeit verwendet werden, wenn das Nicht-Wissen vorab beschrieben wird. Das soll in den folgen-den Absätzen geschehen.


Zum Inhalt der Arbeit

Die

Wissenssoziologie

legt zugrunde, dass die Wirklichkeit sozial konstruiert ist und beschäftigt sich damit, wie diese Wirklichkeit konstruiert wird (vgl. Berger: 1997, S. 1). Die

Literaturwissenschaft

betrachtet diese sozial konstruierte Wirklichkeit als faktische Wirklichkeit und unterscheidet dazu die fiktionale Wirklichkeit. Die zuletzt genannte ist die Wirklichkeit, die in Texten als wirklich erscheint, obwohl sie Teil einer nichtwirklichen Welt ist. Sie hat aber prinzipiell keine feste Beziehung zur sozial konstruierten Wirklichkeit (vgl. Schweikle: 1990, S. 157). Sowohl in der Wissenssoziologie als auch in der Literatur werden Wirklichkeiten konstruiert. Die Frage, wie diese Konstruktion jeweils erfolgt, ist Mittelpunkt der Literaturwissenschaft und der Wissenssoziologie.

Die Aussage, dass die fiktionale Wirklichkeit prinzipiell keine feste Beziehung zur sozial konstruierten faktischen Wirklichkeit hat, stelle ich hier in Frage. Ich behaupte, dass zumindest in der Science-Fiction-Literatur im engeren Sinne zwischen diesen beiden Wirklichkeiten sehr wohl ein Bezug besteht. Beide Wirklichkeiten werden nach denselben Prinzipien konstruiert, auch wenn von anderen Voraussetzungen ausgegangen wird. Die Konstruktion von Wirklichkeit und der Umgang mit Wissen folgen in der fiktiven Wirklichkeit der Science-Fiction-Romane und -Erzählungen den gleichen Regeln und werden von den gleichen Einflussfaktoren bestimmt wie in unserer faktischen Welt.

Isaac Asimov schuf in seinen Werken ein fiktives Universum, in dem die allermeisten seiner Romane und Erzählungen, deren Handlungen sich insgesamt über immerhin 18000 Jahre erstreckt (vgl. Brin: 2006, S. 429ff), spielen. Asimov kreierte damit eine umfangreiche und detaillierte fiktive Wirklichkeit. Sie bietet sich zur Untersuchung der Eingangsthese an, da in ihr teilweise psychologische und wissenssoziologische Gedanken und deren Auswirkungen auf die Wirklichkeit explizit angesprochen werden.

Seite 1


Speziell soll die ,,Foundation-Trilogie" in dieser Arbeit untersucht werden. Eine Schlüsselrolle hat in ihr der Seldon-Plan inne, der direkt wissenssoziologische Ideen und Mechanismen beinhaltet. An ihm möchte ich nachweisen, dass wissenssoziologische Aspekte in Asimovs Werken und speziell im vom Seldon-Plan geprägten Foundation-Universum1 eine tragende Rolle spielen. Darüber hinaus möchte ich zeigen, dass die Wissenssoziologie auch über ihren Fachbereich hinaus von Belang ist und deren theoretische Grundlagen für die gesamte Science-Fiction-Literatur eine besondere Bedeutung haben. Es ist nicht möglich, innerhalb dieser Arbeit alle wissenssoziologischen Aspekte, die sich in Asimovs Werk finden lassen, zu untersuchen. Daher beschränke ich mich auf die Romane der Foundation-Trilogie und konzentriere mich dabei auf herausragende Abschnitte. Sozusagen ein wissenssoziologischer Streifzug durch das Foundation Universum. Auf den Inhalt der Romane kann ich aufgrund des Rahmens, den die Arbeit vorgibt, nicht vertiefend eingehen, ich beschränke mich auf eine kurze Inhaltsangabe und weitere Erläuterungen an notwendigen Punkten.

1 In der Sammelausgabe ,,Die Psychohistoriker" von 1983, auf die ich mich hier beziehe, wird anstatt von der Foundation von der Stiftung gesprochen, gemeint ist dasselbe. In allen späteren Übersetzungen wird stets der Begriff Foundation verwendet, für dessen Verwendung ich mich in dieser Arbeit entschieden habe.

Seite 2


Zu Asimov

Isaac Asimov war ein US-amerikanischer Biochemiker und Schriftsteller russischer Herkunft. Er wurde 1920 in Petrowsk, einem Vorort von Smolensk, geboren, lebte aber seit 1923 bis zu seinem Tode 1992 in den USA. Er schrieb hunderte von Büchern, Science-Fiction ebenso wie viele populärwissenschaftliche Bücher über vorwiegend naturwissenschaftliche Themen. (vgl. Saekow: 2007)

Seine herausragendsten Werke sind die Foundation Trilogie und die Robotergeschichten, in denen er sich vor allem mit den ethischen, sozialen und psychologischen Konsequenzen der künstlichen Intelligenz beschäftigt (vgl. Coron: 1995, S. 331).


Die Foundation-Trilogie ,,Die Psychohistoriker"

Zur Trilogie

Die Foundation-Trilogie entstand zwischen 1951 ­ 1953 und besteht aus den Büchern ,,Der Tausendjahresplan (Originaltitel: Foundation)", ,,Der galaktische General (Foundation and Empire)" und ,,Alle Wege führen nach Trantor (Second Foundation)". Zum Foundation-Zyklus gehören weitere Geschichten, die vor und nach der Founda-tion-Trilogie spielen. Verwirrenderweise erschienen sie aber nicht in chronologischer Reihenfolge, so wurde etwa der direkte Vorgänger der Foundation-Trilogie erst 40 Jahre nach deren Erscheinen geschrieben.


Zum Inhalt

Der Kern des Foundation Universums ist die Foundation Trilogie, deren Inhalt in dieser Arbeit vorrangig von Bedeutung ist.Sie erzählt vom Niedergang des galaxisweiten, 25 Millionen Planeten umfassenden Imperiums und von der Entwicklung der Psychohistorik, mit deren Hilfe der vollständige Zusammenbruch der Zivilisation verhindert und der Aufbau einer neuen,

Seite 3


beständigeren Gesellschaft ermöglicht werden soll. Zu diesem Zweck werden zwei Organisationen gegründet. Die eine, die Zweite Foundation, wirkt im geheimen, die andere, die Erste Foundation, ist vordergründig auf dem Planeten Terminus mit dem Sammeln des Gesamtwissens der Galaxis und deren Veröffentlichung in der Enzy klopedia Galaktika beschäftigt. Der Leser erfährt aus unterschiedlichen Perspektiven, wie die historischen Mechanismen, mit denen sich die Psychohistorik beschäftigt, über 400 Jahre hinweg arbeiten.


Die Asimovsche Psychohistorik

Psychohistorik ist der Name einer fiktiven Wissenschaft zur Berechnung der Gesellschaftsentwicklung über Jahrhunderte hinweg, die Hari Seldon gemeinsam mit Gaal Dornik entwickelt hat.

,,Psychohistorie - ... Gaal Dornick hat die Psychohistorie, unter Benutzung nichtmathematischer Begriffe, als jenen Zweig der Mathematik bezeichnet, der sich mit den Reaktionen von großen Menschenmassen auf bestimmte soziale und ökonomische Stimuli befasst ... Allen diesen Definitionen liegt die Voraussetzung zugrunde, dass die Menschenmasse, auf die man sich bezieht, groß genug für eine gültige statistische Berechnung ist. Die notwendige Größe einer solchen Masse lässt sich aus Seldons Erstem Theorem festlegen, das ... Weiterhin ist es erforderlich, dass sich die Menschenmasse selbst nicht ihrer pychohistorischen Analyse bewusst ist, damit ihre Reaktionen wirklich willkürlich...Die Grundlage für eine gültige Psychohistorie liegt in der Entwicklung der Seldon-Funktionen, die ihre Eigenschaften aufzeigen, die kongruent zu denen solcher sozialen und ökonomischen Kräfte wie ... Encyclopedia Galactica"

(Asimov: 1983, S. 21)

Die Psychohistorik versteht sich als Teil der Mathematik, die Seldon-Funktionen beziehen aber auch große Teile der Ökonomie, Psychologie und Soziologie mit ein.

,,[...] durch die Verallgemeinerung des psychologischen Wissens von einem einzelnen auf die Gruppe konnte schließlich auch die Soziologie in mathematischen Formeln ausgedrückt werden"

(Asimov: 1983, S. 477). Im Kern baut die Psychohistorik aber auf die statistische Mechanik und die Gaskinetik auf: Die Richtung und Ge-schwindigkeit eines einzelnen Gasmoleküls in einem System kann nicht vorhergesagt werden. Wendet man aber die Statistik und ein Wissen über die Normalverteiung der Molekülgeschwindigkeiten an, kann das Gesamtverhalten einer Gasmenge recht genau vorhergesagt werden.1

Seite 4


Analog dazu kann mit den Seldon-Funktionen die Wahrscheinlichkeit eines Gesamtverhaltens großer Menschenmengen vorhergesagt werden. In eng begrenzten Bereichen ist dies durchaus nachvollziehbar: Jeder Pendler kann vorhersagen, wann er auf seiner Strecke mit Stau rechnen muss, auch wenn er nicht weiß, welche Personen unterwegs sein werden. Mit ähnlichen Methoden kann eine Uni-Mensa in etwa vorhersagen, wie viele Gäste mittags zum Essen kommen werden. Bei einer Wahlergebnisvorhersage wird das Verfahren schon ungleich schwieriger und das Ergebnis ungenauer. Entsprechend erschließen sich die vollständigen mathematischen und psychologischen2 Grundlagen nur Genies wie ihrem geistigen Vater Hari Seldon.Die Asimovsche Psychohistorik muss von der tatsächlich existierenden Psychohisto-rie abgegrenzt werden. Über die Namensähnlichkeit hinaus besteht kein Zusammenhang.


Der ,,Seldon-Plan"

Hari Seldon überprüfte seine psychohistorischen Gleichungen, indem er die bekannte Geschichte der Menschheit (in den Romanen immerhin ein Zeitraum von über 12 000 Jahren) in sie einsetzte und die Übereinstimmung mit seinen Modellrechnungen kontrollierte. Als nächsten Schritt wandte er seine neue Wissenschaft auf die Zukunft der Menschheit an und erkannte schnell, dass sich das galaxisweite Imperium, das sich unter der Regierung eines Kaisers über immerhin 25 Millionen Planeten erstreckt, am Abgrund befand und eine 30000 jährige Zeit des Niedergangs und der Anarchie bevorstand. Seldon suchte daher mithilfe der Psychohistorik nach Möglich-keiten, diese Zukunft zu beeinflussen. Er fand eine Möglichkeit, durch die geringfügige Veränderung der Ausgangspunkte die Phase des Chaos auf eine Übergangszeit 2 Asimov bezieht sich in der Foundation-Trilogie fast ausnahmslos auf die Psychologie und Mathematik als Grundlagen der Psychohistorik. Die Erweiterung um ökonomische, soziale und vor allem wissenssoziologische Aspekte erscheint mir aber plausibel und zwingend und erfolgt in späteren Werken auch durch Asimov selbst (vgl. Asimov: 1997, S. 99).

Seite 5



Comments

No comments yet

Add Comment
Your comment is reviewed before being published

Other users also were interested in the following titles:

Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit

Author: Claudia Nickel
Presentations, Models, Tutorials, Instructions, 2006 Download as PDF-file for 4,99 EUR

Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens

Author: Maik Philipp
Presentations, Models, Tutorials, Instructions, 2004 Download as PDF-file for 5,99 EUR

This text can be quoted and accessed from this url:

http://www.grin.com/e-book/121907/der-seldon-plan
please wait Please wait