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Buddhismus in Tibet

Subtitle: Was ist übrig geblieben von den Lehren des historischen Buddhas?

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2008, 26 Pages
Author: Elisa Kreutzmann
Subject: Politics - International Politics - Region: Far East

Details

Event: Herrschafts- und Gesellschaftsstrukturen in Tibet
Institution/College: University of Rostock (Institut für Politik- und Verwaltungswissenschaften)
Tags: Buddhismus, Tibet, Herrschafts-, Gesellschaftsstrukturen, Tibet
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2008
Pages: 26
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 23  Entries
Language: German
Archive No.: V122126
ISBN (E-book): 978-3-640-26897-9
ISBN (Book): 978-3-640-26819-1

Abstract

Die neuesten Entwicklungen in Tibet, in denen Aufstände der buddhistischen Mönche gewaltsam durch die chinesische Volksarmee niedergeschlagen werden, zeigen immer wieder die enormen Einflüsse, die der Buddhismus auf das tibetische Volk hat. Nicht zuletzt aufgrund der charismatischen Persönlichkeit des 14. Dalai Lamas konnte die religiöse Führung in Dharamsala, Indien, ihr Ansehen in Tibet erhalten, wenn nicht noch ausbauen. Der tibetische Buddhismus wird in den westlichen Medien oft als eine sehr friedvolle Religion dargestellt. Dieses Bild wird mit einer genaueren Betrachtung der Geschichte des tibetischen Buddhismus zu korrigieren sein. Um die Inhalte des tibetischen Buddhismus darzustellen, ist ein Rückblick auf die Ursprünge der Religion unumgänglich. Diese finden sich im Indien des 6./7. Jahrhunderts v. Chr. und natürlich mit dem Buddha Siddhartha Gautama, dem Religionsstifter selbst. Im Anschluss werden die Charakteristik der buddhistischen Religion und ihre verschiedenen Schulen erklärt, um später Rückschlüsse auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum Urbuddhismus herausstellen zu können. Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit liegt auf dem tibetischen Buddhismus, auch Lamaismus, Vajrayana, Diamant-Fahrzeug, Tantrismus oder tantrischer Buddhismus genannt. Über die Unterscheidung dieser Bezeichnungen kann spätestens nach der Betrachtung des vierten Kapitels über den Buddhismus in Tibet Klarheit geschaffen werden. Dieser Teil ist in die Unterkapitel „Die Entwicklung der buddhistischen Religion in Tibet“, „Die Institution des Dalai Lama“ und „Die religiöse Praxis“ untergliedert. Schließlich folgt eine kurze Analyse der Frage „Was ist übrig geblieben von den Lehren des historischen Buddhas?“, die unweigerlich auf die Rolle des Lama-Kultes, des Tantras und des tibetischen Pantheons hinweisen muss(...) Indische Begriffe werden dabei zum Teil in Pali, zum Teil in Sanskrit geschrieben. In dieser Arbeit wurde, wenn vorhanden, die Sanskrit-Version benutzt.


Excerpt (computer-generated)

Universität Rostock

Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät

Institut für Politik- und Verwaltungswissenschaften

Wintersemester 2007/08

BS: Herrschafts- und Gesellschaftsstrukturen in Tibet:

Entwicklungsformen des Buddhismus in der Peripherie

Buddhismus in Tibet

- Was ist übrig geblieben

von den Lehren des historischen Buddhas?

Elisa Kreutzmann

Lehramt Gymnasium

Sozialwissenschaften (7)

Sport (7)


Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis 2

I. Einleitung 3

II. Die Entstehung des Buddhismus 4

II. I. Quellen 4

II. II. Indien im Zeitalter des historischen Buddhas 5

II. III. Siddhartha Gautama 7

III. Die buddhistische Religion und ihre verschiedenen Schulen ... 11

IV. Buddhismus in Tibet 16

IV.I. Die Entwicklung der buddhistischen Religion in Tibet 16

IV.II. Die Institution des Dalai Lama 19

IV.III. Die religiöse Praxis 21

V. Was ist übrig geblieben von den Lehren des historischen

Buddhas? 23

VI. Quellen 24

2


I. Einleitung

Die neuesten Entwicklungen in Tibet, in denen Aufstände der buddhistischen

Mönche gewaltsam durch die chinesische Volksarmee niedergeschlagen werden,

zeigen immer wieder die enormen Einflüsse, die der Buddhismus auf das tibetische

Volk hat. Nicht zuletzt aufgrund der charismatischen Persönlichkeit des 14. Dalai

Lamas konnte die religiöse Führung in Dharamsala, Indien, ihr Ansehen in Tibet

erhalten, wenn nicht noch ausbauen.

Der tibetische Buddhismus wird in den westlichen Medien oft als eine sehr friedvolle

Religion dargestellt. Dieses Bild wird mit einer genaueren Betrachtung der

Geschichte des tibetischen Buddhismus zu korrigieren sein.

Um die Inhalte des tibetischen Buddhismus darzustellen, ist ein Rückblick auf die

Ursprünge der Religion unumgänglich. Diese finden sich im Indien des 6./7.

Jahrhunderts v. Chr. und natürlich mit dem Buddha Siddhartha Gautama, dem

Religionsstifter selbst.

Im Anschluss werden die Charakteristik der buddhistischen Religion und ihre

verschiedenen Schulen erklärt, um später Rückschlüsse auf Gemeinsamkeiten und

Unterschiede zum Urbuddhismus herausstellen zu können.

Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit liegt auf dem tibetischen Buddhismus, auch

Lamaismus, Vajrayana, Diamant-Fahrzeug, Tantrismus oder tantrischer Buddhismus

genannt. Über die Unterscheidung dieser Bezeichnungen kann spätestens nach der

Betrachtung des vierten Kapitels über den Buddhismus in Tibet Klarheit geschaffen

werden. Dieser Teil ist in die Unterkapitel ,,Die Entwicklung der buddhistischen

Religion in Tibet", ,,Die Institution des Dalai Lama" und ,,Die religiöse Praxis"

untergliedert.

Schließlich folgt eine kurze Analyse der Frage ,,Was ist übrig geblieben von den

Lehren des historischen Buddhas?", die unweigerlich auf die Rolle des Lama-Kultes,

des Tantras und des tibetischen Pantheons hinweisen muss.

Die vorliegende Arbeit gehört in den Bereich der Internationalen Politik, da der

Buddhismus in Tibet das politische und gesellschaftliche Geschehen in diesem Land

seit dem 8. Jahrhundert n. Chr. ständig in unterschiedlichem Maße beeinflusste und

immer noch beeinflusst.

3


Die Literaturauswahl zu diesem Thema ist ausgesprochen groß und das gilt auch für

den deutschsprachigen Bereich. Dieser Umstand liegt vor allem an dem großen

Interesse der nichtasiatischen Länder an dieser Religion und dem mystischen Land

Tibet. Originale buddhistische Texte sind zwar vor allem ins Englische übersetzt

worden, dennoch gibt es auch hierfür deutsche Ausgaben. Indische Begriffe werden

dabei zum Teil in Pali, zum Teil in Sanskrit geschrieben. In dieser Arbeit wurde, wenn

vorhanden, die Sanskrit-Version benutzt.

II. Die Entstehung des Buddhismus

Die Entstehung des Buddhismus beginnt mit der Geburt des historischen Buddhas

Shakyamuni, dem Fürstensohn Siddhartha Gautama (Pali: Siddhattha Gotama).

Genaue Lebensdaten konnten bisher noch nicht festgelegt werden. Quellen gibt es

zwar zahlreiche, jedoch bestehen diese zumeist teilweise aus Legenden, deren

Wahrheitsgehalt nicht oder sehr schwer festzustellen ist. Man kann davon ausgehen,

dass die ältesten erhaltenen Werke die Ursprungslehre und biographische Elemente

des ,,Erleuchteten" am nahesten widergeben. Ebenfalls wird es durch einen Vergleich

verschiedenster Werke möglich, anhand von Übereinstimmungen sich der Wahrheit

zu nähern.

II. I. Quellen

Die buddhistische Ursprungsliteratur setzt sich vor allem aus dem sogenannten

,,Dreikorb", dem tripaka, zusammen. Dies ist eine Sammlung von Schriften, die in drei

Teile untergliedert ist: Der Korb der logias, den Lehrreden des historischen Buddhas,

der Korb des vinaya, Schriften über die Ordensdisziplin, und der Korb des

abidharma, Auslegungen der Lehre Buddhas (vgl. Eliade 1995, S. 264). Die

Lehrreden des Shakyamuni, die Sutras, stellen die Leitsätze der buddhistischen

Religion dar. In Form von kurzen Lehr- und Merksätzen beginnt jedes Sutra mit der

Formel ,,Also habe ich gehört" und wurde der Tradition zufolge von einem Mönch

namens Ananda, dem Lieblingsschüler des historischen Buddhas, verfasst (vgl.

Faure 1998, S. 104).

Als erste zusammenfassende Verschriftlichung gilt der Pali-Kanon, unter Kaiser

Asoka auf dem dritten buddhistischen Konzil zu Pataliputra zusammengetragen. Es

heißt ,,der hochangesehene Mönch Moggaliputta Tissa (hatte) diese Versammlung

4


von tausend Mönchen einberufen, um auf ihr die Texte der >wahren Religion<

zusammengestellt" (Mehlig 1987, S. 11). Das rund 240 Jahre nach dem Tode des

Religionsstifters verfasste Werk, welches vor allem die Grundlage der Theravada-

Strömung darstellt, soll später von einem jüngeren Bruder oder Sohn Asokas nach

Sri Lanka gebracht worden sein (vgl. Mehlig 1987, S. 11).

Bis zur ersten Verschriftlichung des religiösen Kanons in Pali-Sprache, wurden die

Lehren und ihre Ergänzungen wahrscheinlich ausschließlich traditionsgemäß in

mündlicher Form weitergegeben.

Der später entstandene Sanskrit-Kanon setzt sich aus den abgeänderten bzw.

erweiterten Lehren des Mahayana-Buddhismus zusammen. Er enthält zusätzliche

Schriften, ,,zu ihnen zählt insbesondere das Lotus-Sutra, das in China und Japan

jahrhundertelang enormes Ansehen genoss" (Faure 1998, S. 105). Ebenfalls

hervorzuheben sind das Herz-Sutra (Hridaya) und das Diamant-Sutra, die zum

Prajnaparamita-Sutra gehören. Es sind Abhandlungen zur Verwirklichung des

Wissens (vgl. Faure 1998, S. 105).

Infolge einer sehr komplexen Aufspaltung des Mahayana-Buddhismus in

verschiedenste Sekten entstanden auch viele nicht-kanonische Werke. Innerhalb der

Prajnaparamita-Schule bildete sich gegen das zweite Jahrhundert n. Chr. die

systematische Philosophie der Madhyamikas heraus. Die in ihr enthaltene ,,Lehre

von der Leere" (Sunyavada) dient noch heute dem tibetischen Buddhismus als eine

der wichtigsten Grundlagen religiösen und weltlichen Denkens.

Ebenfalls ist das Abhidharmakosa, wahrscheinlich im 4. Jahrhundert n. Chr. von

einem der bedeutendsten Denker der Yogacara-Schule, Vasubandhu, verfasst, ein

sehr wichtiges Textbuch der tibetischen, chinesischen und japanischen

Mahayanisten (vgl. Mehlig 1987, S. 13).

II. II. Indien im Zeitalter des historischen Buddhas

Um darstellen zu können, wie und warum sich der Buddhismus so erfolgreich

verbreiten und durchsetzen konnte, ist die Betrachtung der gesellschaftlichen und

politischen Situation des ursprünglichen Indien vor dem 6. Jahrhundert v. Chr.

unerlässlich.

Das Land Indien im heutigen Sinn gab es noch nicht. Es bestand eine Vielzahl von

Fürstentümern unterschiedlicher Ausdehnung. Hervor traten die zwei Großreiche

Kosala und Magadha. Dem gegenüber bildeten sich einige kleinere Reiche zu

5


Konföderationen, um nicht an Macht zu verlieren (vgl. Mylius 1983, S. 17). Das

Geburtsland des historischen Buddhas ist die Adelsrepublik Kapilavastu. Gelegen im

heutigen Grenzgebiet zwischen Indien und Nepal, wurde sie von Fürst Shuddhodana

regiert, unterstand jedoch dem König des großen Nachbarreiches Kosala (vgl.

Schweer 2000, S. 11).

Das bestimmendste Element der gesellschaftlichen Ordnung war im ursprünglichen

Indien ein strenges Kastensystem, das sogar bis in die heutige Zeit teilweise Bestand

hat. Dieses entwickelte sich aus der eingeführten Ständeordnung der Nachfahren der

Aryas. Sie eroberten ab Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. Großteile von Nord- und

Zentralindien vom Westen her über die Gangesebene (vgl. Schweer 2000, S. 10.).

Den dort lebenden Ureinwohnern, die in Stämmen organisiert waren, wurden mit der

Kastenordnung viele ihrer Rechte genommen (vgl. Uhlig 1995, S. 13). Denn sie

bildeten fast ausschließlich die vierte und letzte Kaste der Shudras, also der

Tagelöhner und Sklaven. Die dritte Kaste waren die Vaishyas, sie setzte sich

zusammen aus den Händlern und Bauern. Über den Adligen und Kriegern, der Kaste

der Kshatriyas, standen allein die Brahmanen. Diese Priester der in jener Zeit

vorherrschenden Religion des Hinduismus besaßen eine unvorstellbar geistige und

kultische Macht (vgl. Uhlig 1999, S. 33). Der Grund für diesen Einfluss ist unter

anderem in den Veden, einem heiligen und mystischen Wissen, zu finden. Durch

sogenannte Rishis, übersetzt als Verkünder und Offenbarer, wurde dieses Wissen

ursprünglich auf brahmanische Priester übertragen. Es handelt sich hierbei um

allumfassende Einblicke in kosmische und weltliche Zusammenhänge. Der Zugang

wurde geschaffen durch die Vorstellung von Brahman, ,,dem ewigen,

unvergänglichen und unzerstörbaren Absoluten - der gegensatzlosen All-Einheit -,

die weder Unterschiede noch Dualismus kennt" (Uhlig 1999, S. 36) und daher mit

,,westlichen" Ansichten kaum zu erfassen ist.

Die Veden wurden in einer Art Geheimsprache an die Gläubigen herangetragen, was

einerseits eine Exklusivität der Priester, andererseits ein Gefühl der Teilhabe an dem

mystischen Wissen im gemeinen Volk sicherte. In den beschwörenden Formeln der

Veden wird das Opfer als verbindendes Element zwischen Menschen und Göttern,

zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos, angesehen. Der Brahmane, die ,,Urgestalt

religiösen Seins" (Uhlig 1999, S. 37), gilt als der Vermittler. Sie waren es auch, die

diese Vorstellung im Volk bewahrten und verstärkten. Neben einem enormen

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