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Der argumentative Ort des Erhabenen in Christian Begemanns Buch „Furcht und Angst im Prozeß der Aufklärung. Zur Literatur und Bewußtseinsgeschichte des 18. Jahrhunderts“

Termpaper, 2007, 15 Pages
Author: Angela Beyer
Subject: Philosophy - General Essays, Eras

Details

Category: Termpaper
Year: 2007
Pages: 15
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 3  Entries
Language: German
Archive No.: V122188
ISBN (E-book): 978-3-640-27055-2
ISBN (Book): 978-3-640-27035-4

Abstract

Die vorliegende Arbeit soll den Gegenstand des Erhabenen zum Thema haben. Die Definition des Erhabenen sowie dessen Funktion und Wirkung findet ihren Anfang in der Antike. In der griechischen Kultur geht die Geschichte des Erhabenheitsbegriffes von Hypsos (griechisch: Höhe) bzw. hypsagóres (griechisch: hochredend) aus, womit die „erhöhte Sprache“ gegenüber anderen Menschen gemeint ist. Dabei sollen „fürstlicher Stolz und edle Gesinnung“ zum Ausdruck gebracht werden. Nach Cicero, dem berühmten römischen Politiker, Anwalt und Philosophen beabsichtigt der „erhabene Stil“, (auch genus grande genannt), „[…] den Zuhörer zu bewegen, indem man dessen Gefühle anspricht […].“ Während in der Zeit der Antike „eindrucksvolle Sprache“ und „eindrucksvolle Gedanken“ als erhaben gedeutet wurde, fand die Umstrukturierung des Begriffs ihren Höhepunkt in der Zeit der Aufklärung, in der Naturerscheinungen mit dem Begriff des Erhabenen in Verbindung gebracht wurden. Damit wird offenkundig, dass das ursprüngliche Hauptmerkmal des Erhabenen ein sprachliches war, welches sich im Laufe der Zeit zu einem „materiellen“ veränderte. Der Fokus dieser Arbeit liegt auf dem Konzept des Erhabenen zu Zeiten der Aufklärung, in dem Naturfurcht, Naturbeherrschung und Naturgenuss eine zentrale Rolle spielte. Hierbei werden sowohl Kants als auch Schillers Deutungen vom Erhabenen eine zentrale Rolle spielen. Als wichtigste antike Erörterung des Erhabenen gilt die pseudo-longinische Abhandlung. Die Grunddefinition kann wie folgt zusammengefasst werden: „Das Höchste und Hervorragende der Reden ist das Erhabene.“ Bei der Erzeugung des Gefühls des Erhabenen sind eine „natürliche Begabung“ und eine „künstlerische Ausbildung“ erforderlich, „wobei das Talent von beidem das Wichtigere ist.“ Die Abhandlung nennt fünf Ursachen, die Erhabenheit verursachen können: [...]


Excerpt (computer-generated)

Der argumentative Ort des Erhabenen in Christian

Begemanns Buch ,,Furcht und Angst im Prozeß der

Aufklärung. Zur Literatur und Bewußtseinsgeschichte des

18. Jahrhunderts"

Institut für Religionswissenschaft

Freie Universität Berlin

Risiko, Angst, Religion

WiSe 2006/2007

Angela Beyer

Semester: 6

1


Inhaltsverzeichnis

Einleitung 3

Angsterzeugung und Angstüberwindung 5

Dynamisch- und Mathematisch-Erhabenes 6

Wandel des Naturgefühls 6

Faktoren der Angstüberwindung

Soziokulturel er und gesundheitlicher Faktor 7

Entzweiung mit der Natur 8

Faktor Sicherheit und Phantasie 8

Faktor Wissenschaft und Reflexion 9

Lust- und Unlustgefühl bei Kant und Schil er 10

Schlussbetrachtung 12

2


Einleitung

Die vorliegende Arbeit sol den Gegenstand des Erhabenen zum Thema haben. Die

Definition des Erhabenen sowie dessen Funktion und Wirkung findet ihren Anfang in

der Antike. In der griechischen Kultur geht die Geschichte des Erhabenheitsbegriffes

von

Hypsos

(griechisch: Höhe) bzw.

hypsagóres

(griechisch: hochredend) aus, womit

die ,,erhöhte Sprache" gegenüber anderen Menschen gemeint ist. Dabei sol en

,,fürstlicher Stolz und edle Gesinnung" zum Ausdruck gebracht werden.1 Nach Cicero,

dem berühmten römischen Politiker, Anwalt und Philosophen beabsichtigt der

,,erhabene Stil", (auch

genus grande2

genannt),

,,[...] den Zuhörer zu bewegen, indem

man dessen Gefühle anspricht [...]."

3

Während in der Zeit der Antike ,,eindrucksvol e Sprache" und ,,eindrucksvol e

Gedanken" als erhaben gedeutet wurden4, fand die Umstrukturierung des Begriffs

ihren Höhepunkt in der Zeit der Aufklärung, in der Naturerscheinungen mit dem

Begriff des Erhabenen in Verbindung gebracht wurden. Damit wird offenkundig, dass

das ursprüngliche Hauptmerkmal des Erhabenen ein sprachliches war, welches sich

im Laufe der Zeit zu einem ,,materiel en" veränderte. Der Fokus dieser Arbeit liegt auf

dem Konzept des Erhabenen zu Zeiten der Aufklärung, in dem Naturfurcht,

Naturbeherrschung und Naturgenuss eine zentrale Rol e spielten5. Hierbei werden

sowohl Kants6 als auch Schil ers7 Deutungen vom Erhabenen eine zentrale Rol e

spielen.

Als wichtigste antike Erörterung des Erhabenen gilt die

pseudo-longinische

Abhandlung8. Die Grunddefinition kann wie folgt zusammengefasst werden:

,,Das

1 Ueding, Gert (Hg.) 1994. Erhabene, das. In: Historisches Wörterbuch der Rhetorik. Band 2: Bie-Eul.

Tübingen, Max Niemeyer Verlag GmbH & Co. Kg. 1994:1357.

2 Dieser wird auch

genus grande

genannt und gliedert sich in drei Stilebenen: 1. hoher Stil (genus

grande, sublime), 2. mittlerer Stil (genus medium), 3. niederer Stil (genus humile)

3 Ueding, 1994:1357.

4 Ders.

5 Vergl. Kapitel 4: Naturfurcht, Naturbeherrschung, Naturgenuß. Rekonstruktion der Erfahrung

erhabener Natur im 18. Jahrhundert. In: Begemann, Christian. Furcht und Angst im Prozeß der

Aufklärung. Zu Literatur und Bewußtseinsgeschichte des 18. Jahrhunderts. Frankfurt a. M., Athenäum.

1987:97ff.

6 Kant, Immanuel. Deutscher Philosoph, * 1724 in Königsberg, ebd. 1804 ebd.; aus pietistischem

Elternhaus; seit 1770 Professor für Logik und Metaphysik in Königsberg. Kants Philosophie bedeutet

Abschluss und Überwindung des Aufklärungszeitalters (Aufklärung), zugleich den Ausgangspunkt für

viele neuere philosophische Richtungen (deutsche Philosophie).

7 Schil er, Friedrich von. Deutscher Dichter, * 1759 in Marbach am Neckar, 1759 in Weimar. Die

frühe Lyrik Schil ers steht stark unter Klopstocks Einfluss, sie ist pathetisch und spekulativ.

8 Die Frage nach dem Autor der Abhandlung lässt sich heute nicht mehr klären, im Al gemeinen wird

von Longin bzw. Pseudo-Longin(us) gesprochen. (Ueding, 1994:1358)

3


Höchste und Hervorragende der Reden ist das Erhabene."

9 Bei der Erzeugung des

Gefühls des Erhabenen sind eine ,,natürliche Begabung" und eine ,,künstlerische

Ausbildung" erforderlich, ,,

wobei das Talent von beidem das Wichtigere ist."

10 Die

Abhandlung nennt fünf Ursachen, die Erhabenheit verursachen können: ,,lebhafte

Ideen", ,,die Inspiration heftiger Gefühle", ,,den richtigen Aufbau von Figuren", ,,edle

Formulierung" und ,,einen würdevol en, außergewöhnlich guten Stil."11

In der Zeit der Spätantike und des Mittelalters war Pseudo-Longinus relativ

unbekannt. Gemeinsamkeiten zur

pseudo-longinischen Abhandlung

lassen sich

jedoch bei Augustinus12 finden, welcher den

genus grande

als einen Stil bezeichnete,

,,der die Leidenschaften des Herzens mitreiße."

13

Von besonderem Interesse für diesen Zeitabschnitt ist nach heutigem

Forschungsstand der Ansatz des Galfred von Vinosalvos. Er vertrat die These, dass

die drei Stile sowohl an einen Gegenstand als auch an eine soziale Schicht geknüpft

werden konnten.14 Das Argument des Gegenstandes erfährt, wie sich noch zeigen

wird, im Prozess der Aufklärung anhand verschiedener Naturerscheinungen

Konkretisierung.

Die interessanteste Entwicklung, die wiederum in der Zeit der Renaissance und des

Humanismus zu finden ist, ist die Entstehung eines christlichen

genus grande

. Der

Autor M. Flacius Il yricus15 betonte,

,,daß die Sprache der Bibel in der Regel erhaben

und gehoben sei, womit gemeint war, dass sie gründlich belehre und das Herz rühre,

im Gegensatz zum klassischen erhabenen Stil, der die Gefühle der Adressaten

geschickt für sich nutze und die Fähigkeiten des Redners zur Schau stelle."

16 In

dieser geschichtlichen Epoche findet ein Wiederaufleben der

pseudo-longinischen

Schriften statt. Diese Schriften ließen das Interesse am Konzept des

Erhabenheitsbegriffes stetig steigen.

Die moderne Geschichte des Erhabenen beginnt in Frankreich um 1674, da es

9 Ueding, 1994:1358.

10 Ders.

11 Diese Faktoren können sowohl einzeln als auch in Kombination auftreten und das Erhabene

hervorbringen. Das Erhabene kann auch vorhanden sein, wenn gar nicht gesprochen wird. (Ueding,

1994:1359 f.)

12 Augustinus von Hippo (13. November 354 - 28. August 430) ist einer der bedeutendsten christlichen

Kirchenlehrer und der wichtigste Philosoph an der Zeitenwende zwischen Antike und Mittelalter.

13 Ueding, 1994:1361.

14 Ueding, 1994:1363.

15 Il yricus, Matthias, genannt Il yricus, lutherischer Theologe kroatischer Herkunft, * 1520 in Albona,

1575 in Frankfurt a. M. Schüler Martin Luthers in Wittenberg. War ab 1557 Professor in Jena, wurde

jedoch 1561 wegen von ihm vertretener theologischer Sonderlehren abgesetzt.

16 Ueding, 1994:1364.

4



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