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Termpaper, 2007, 15 Pages
Author: Angela Beyer
Subject: Philosophy - General Essays, Eras
Details
Institution/College: Free University of Berlin (Religionswissenschaft)
Tags: Erhabenen, Christian, Begemanns, Buch, Angst, Prozeß, Aufklärung, Literatur, Bewußtseinsgeschichte, Jahrhunderts“, Risiko, Angst, Religion
Year: 2007
Pages: 15
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 3 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-27055-2
ISBN (Book): 978-3-640-27035-4
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Abstract
Die vorliegende Arbeit soll den Gegenstand des Erhabenen zum Thema haben. Die Definition des Erhabenen sowie dessen Funktion und Wirkung findet ihren Anfang in der Antike. In der griechischen Kultur geht die Geschichte des Erhabenheitsbegriffes von Hypsos (griechisch: Höhe) bzw. hypsagóres (griechisch: hochredend) aus, womit die „erhöhte Sprache“ gegenüber anderen Menschen gemeint ist. Dabei sollen „fürstlicher Stolz und edle Gesinnung“ zum Ausdruck gebracht werden. Nach Cicero, dem berühmten römischen Politiker, Anwalt und Philosophen beabsichtigt der „erhabene Stil“, (auch genus grande genannt), „[…] den Zuhörer zu bewegen, indem man dessen Gefühle anspricht […].“ Während in der Zeit der Antike „eindrucksvolle Sprache“ und „eindrucksvolle Gedanken“ als erhaben gedeutet wurde, fand die Umstrukturierung des Begriffs ihren Höhepunkt in der Zeit der Aufklärung, in der Naturerscheinungen mit dem Begriff des Erhabenen in Verbindung gebracht wurden. Damit wird offenkundig, dass das ursprüngliche Hauptmerkmal des Erhabenen ein sprachliches war, welches sich im Laufe der Zeit zu einem „materiellen“ veränderte. Der Fokus dieser Arbeit liegt auf dem Konzept des Erhabenen zu Zeiten der Aufklärung, in dem Naturfurcht, Naturbeherrschung und Naturgenuss eine zentrale Rolle spielte. Hierbei werden sowohl Kants als auch Schillers Deutungen vom Erhabenen eine zentrale Rolle spielen. Als wichtigste antike Erörterung des Erhabenen gilt die pseudo-longinische Abhandlung. Die Grunddefinition kann wie folgt zusammengefasst werden: „Das Höchste und Hervorragende der Reden ist das Erhabene.“ Bei der Erzeugung des Gefühls des Erhabenen sind eine „natürliche Begabung“ und eine „künstlerische Ausbildung“ erforderlich, „wobei das Talent von beidem das Wichtigere ist.“ Die Abhandlung nennt fünf Ursachen, die Erhabenheit verursachen können: [...]
Excerpt (computer-generated)
Der argumentative Ort des Erhabenen in Christian
Begemanns Buch ,,Furcht und Angst im Prozeß der
Aufklärung. Zur Literatur und Bewußtseinsgeschichte des
18. Jahrhunderts"
Institut für Religionswissenschaft
Freie Universität Berlin
Risiko, Angst, Religion
WiSe 2006/2007
Angela Beyer
Semester: 6
1
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
Angsterzeugung und Angstüberwindung 5
Dynamisch- und Mathematisch-Erhabenes 6
Wandel des Naturgefühls 6
Faktoren der Angstüberwindung
Soziokulturel er und gesundheitlicher Faktor 7
Entzweiung mit der Natur 8
Faktor Sicherheit und Phantasie 8
Faktor Wissenschaft und Reflexion 9
Lust- und Unlustgefühl bei Kant und Schil er 10
Schlussbetrachtung 12
2
Einleitung
Die vorliegende Arbeit sol den Gegenstand des Erhabenen zum Thema haben. Die
Definition des Erhabenen sowie dessen Funktion und Wirkung findet ihren Anfang in
der Antike. In der griechischen Kultur geht die Geschichte des Erhabenheitsbegriffes
von
Hypsos
(griechisch: Höhe) bzw.
hypsagóres
(griechisch: hochredend) aus, womit
die ,,erhöhte Sprache" gegenüber anderen Menschen gemeint ist. Dabei sol en
,,fürstlicher Stolz und edle Gesinnung" zum Ausdruck gebracht werden.1 Nach Cicero,
dem berühmten römischen Politiker, Anwalt und Philosophen beabsichtigt der
,,erhabene Stil", (auch
genus grande2
genannt),
,,[...] den Zuhörer zu bewegen, indem
man dessen Gefühle anspricht [...]."
3
Während in der Zeit der Antike ,,eindrucksvol e Sprache" und ,,eindrucksvol e
Gedanken" als erhaben gedeutet wurden4, fand die Umstrukturierung des Begriffs
ihren Höhepunkt in der Zeit der Aufklärung, in der Naturerscheinungen mit dem
Begriff des Erhabenen in Verbindung gebracht wurden. Damit wird offenkundig, dass
das ursprüngliche Hauptmerkmal des Erhabenen ein sprachliches war, welches sich
im Laufe der Zeit zu einem ,,materiel en" veränderte. Der Fokus dieser Arbeit liegt auf
dem Konzept des Erhabenen zu Zeiten der Aufklärung, in dem Naturfurcht,
Naturbeherrschung und Naturgenuss eine zentrale Rol e spielten5. Hierbei werden
sowohl Kants6 als auch Schil ers7 Deutungen vom Erhabenen eine zentrale Rol e
spielen.
Als wichtigste antike Erörterung des Erhabenen gilt die
pseudo-longinische
Abhandlung8. Die Grunddefinition kann wie folgt zusammengefasst werden:
,,Das
1 Ueding, Gert (Hg.) 1994. Erhabene, das. In: Historisches Wörterbuch der Rhetorik. Band 2: Bie-Eul.
Tübingen, Max Niemeyer Verlag GmbH & Co. Kg. 1994:1357.
2 Dieser wird auch
genus grande
genannt und gliedert sich in drei Stilebenen: 1. hoher Stil (genus
grande, sublime), 2. mittlerer Stil (genus medium), 3. niederer Stil (genus humile)
3 Ueding, 1994:1357.
4 Ders.
5 Vergl. Kapitel 4: Naturfurcht, Naturbeherrschung, Naturgenuß. Rekonstruktion der Erfahrung
erhabener Natur im 18. Jahrhundert. In: Begemann, Christian. Furcht und Angst im Prozeß der
Aufklärung. Zu Literatur und Bewußtseinsgeschichte des 18. Jahrhunderts. Frankfurt a. M., Athenäum.
1987:97ff.
6 Kant, Immanuel. Deutscher Philosoph, * 1724 in Königsberg, ebd. 1804 ebd.; aus pietistischem
Elternhaus; seit 1770 Professor für Logik und Metaphysik in Königsberg. Kants Philosophie bedeutet
Abschluss und Überwindung des Aufklärungszeitalters (Aufklärung), zugleich den Ausgangspunkt für
viele neuere philosophische Richtungen (deutsche Philosophie).
7 Schil er, Friedrich von. Deutscher Dichter, * 1759 in Marbach am Neckar, 1759 in Weimar. Die
frühe Lyrik Schil ers steht stark unter Klopstocks Einfluss, sie ist pathetisch und spekulativ.
8 Die Frage nach dem Autor der Abhandlung lässt sich heute nicht mehr klären, im Al gemeinen wird
von Longin bzw. Pseudo-Longin(us) gesprochen. (Ueding, 1994:1358)
3
Höchste und Hervorragende der Reden ist das Erhabene."
9 Bei der Erzeugung des
Gefühls des Erhabenen sind eine ,,natürliche Begabung" und eine ,,künstlerische
Ausbildung" erforderlich, ,,
wobei das Talent von beidem das Wichtigere ist."
10 Die
Abhandlung nennt fünf Ursachen, die Erhabenheit verursachen können: ,,lebhafte
Ideen", ,,die Inspiration heftiger Gefühle", ,,den richtigen Aufbau von Figuren", ,,edle
Formulierung" und ,,einen würdevol en, außergewöhnlich guten Stil."11
In der Zeit der Spätantike und des Mittelalters war Pseudo-Longinus relativ
unbekannt. Gemeinsamkeiten zur
pseudo-longinischen Abhandlung
lassen sich
jedoch bei Augustinus12 finden, welcher den
genus grande
als einen Stil bezeichnete,
,,der die Leidenschaften des Herzens mitreiße."
13
Von besonderem Interesse für diesen Zeitabschnitt ist nach heutigem
Forschungsstand der Ansatz des Galfred von Vinosalvos. Er vertrat die These, dass
die drei Stile sowohl an einen Gegenstand als auch an eine soziale Schicht geknüpft
werden konnten.14 Das Argument des Gegenstandes erfährt, wie sich noch zeigen
wird, im Prozess der Aufklärung anhand verschiedener Naturerscheinungen
Konkretisierung.
Die interessanteste Entwicklung, die wiederum in der Zeit der Renaissance und des
Humanismus zu finden ist, ist die Entstehung eines christlichen
genus grande
. Der
Autor M. Flacius Il yricus15 betonte,
,,daß die Sprache der Bibel in der Regel erhaben
und gehoben sei, womit gemeint war, dass sie gründlich belehre und das Herz rühre,
im Gegensatz zum klassischen erhabenen Stil, der die Gefühle der Adressaten
geschickt für sich nutze und die Fähigkeiten des Redners zur Schau stelle."
16 In
dieser geschichtlichen Epoche findet ein Wiederaufleben der
pseudo-longinischen
Schriften statt. Diese Schriften ließen das Interesse am Konzept des
Erhabenheitsbegriffes stetig steigen.
Die moderne Geschichte des Erhabenen beginnt in Frankreich um 1674, da es
9 Ueding, 1994:1358.
10 Ders.
11 Diese Faktoren können sowohl einzeln als auch in Kombination auftreten und das Erhabene
hervorbringen. Das Erhabene kann auch vorhanden sein, wenn gar nicht gesprochen wird. (Ueding,
1994:1359 f.)
12 Augustinus von Hippo (13. November 354 - 28. August 430) ist einer der bedeutendsten christlichen
Kirchenlehrer und der wichtigste Philosoph an der Zeitenwende zwischen Antike und Mittelalter.
13 Ueding, 1994:1361.
14 Ueding, 1994:1363.
15 Il yricus, Matthias, genannt Il yricus, lutherischer Theologe kroatischer Herkunft, * 1520 in Albona,
1575 in Frankfurt a. M. Schüler Martin Luthers in Wittenberg. War ab 1557 Professor in Jena, wurde
jedoch 1561 wegen von ihm vertretener theologischer Sonderlehren abgesetzt.
16 Ueding, 1994:1364.
4
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