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Theorievergleich zwischen Talcott Parsons und Harold Garfinkel

Termpaper, 2008, 15 Pages
Author: Walter Wolf
Subject: Sociology - Classics, Basics and Theoretical Directions

Details

Category: Termpaper
Year: 2008
Pages: 15
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 11  Entries
Language: German
Archive No.: V122384
ISBN (E-book): 978-3-640-27643-1


Abstract

In den Sozialwissenschaften gibt es eine Vielzahl von konkurrierenden Theorien, die beanspruchen, bestimmte Sachverhalte zu erklären. Aus praktischen Gründen ist es jedoch normalerweise nicht möglich, mehr als zwei Theorien miteinander zu konfrontieren. Ein Theorievergleich, dem das Konzept der Emergenzkonstellation als Vergleichsmaßstab zugrunde liegt, bietet die Option, Differenzen von Theorien systematisch heraus zu arbeiten. Im Mittelpunkt des Untersuchungsgegenstandes steht die Handlungs- und Systemtheorie von Talcott Parsons und die ethnomethodologische Theorie von Harold Garfinkel. Das Ziel meiner Arbeit besteht darin, diese Theorieangebote aufeinander zu beziehen und sie systematisch zu vergleichen und dabei die Spannweite ihrer Theorien zu analysieren. Es macht also Sinn, einen genauen Blick auf das Phänomen der Emergenzkonstellation zu werfen und sich die Frage zu stellen, wie das Problem der sozialen Ordnung jeweils gelöst werden kann? Welches Menschenbild wird der Parsonsschen und Garfinkelschen Theorie zu Grunde gelegt? Wie wird das Problem der Intersubjektivität gelöst? Bestehen Unterschiede in der Ausprägung der Emergenz? Und in welche Einheiten der Soziologie lassen sich die Theorien eingliedern (Makro-/Mikrosoziologie)?


Excerpt (computer-generated)

AM 2: Einführung in die Soziologische Theorie I

Semester: Wintersemester 2007/8

Seminar: Übung zur Einführung in die Soziologische Theorie I

Theorievergleich

zwischen

Talcott Parsons und Harold Garfinkel

Name: Walter Wolf

Studiengang: BA Sozialwissenschaften

Abgabedatum: 31.03.2008


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Handlungs- und Systemtheorie: Talcott Parsons 3

3. Ethnomethodologie: Harold Garfinkel 6

4. Theorievergleich zwischen Talcott Parsons und Harold Garfinkel 8

5. Ergebnis 12

6. Literaturverzeichnis 14

2


1. Einleitung

In den Sozialwissenschaften gibt es eine Vielzahl von konkurrierenden Theorien, die bean-

spruchen, bestimmte Sachverhalte zu erklären. Aus praktischen Gründen ist es jedoch norma-

lerweise nicht möglich, mehr als zwei Theorien miteinander zu konfrontieren. Ein Theorie-

vergleich, dem das Konzept der Emergenzkonstellation als Vergleichsmaßstab zugrunde liegt,

bietet die Option, Differenzen von Theorien systematisch heraus zu arbeiten. Im Mittelpunkt

des Untersuchungsgegenstandes steht die Handlungs- und Systemtheorie von Talcott Parsons

und die ethnomethodologische Theorie von Harold Garfinkel. Das Ziel meiner Arbeit besteht

darin, diese Theorieangebote aufeinander zu beziehen und sie systematisch zu vergleichen

und dabei die Spannweite ihrer Theorien zu analysieren. Es macht also Sinn, einen genauen

Blick auf das Phänomen der Emergenzkonstellation zu werfen und sich die Frage zu stellen,

wie das Problem der sozialen Ordnung jeweils gelöst werden kann? Welches Menschenbild

wird der Parsonsschen und Garfinkelschen Theorie zu Grunde gelegt? Wie wird das Problem

der Intersubjektivität gelöst? Bestehen Unterschiede in der Ausprägung der Emergenz? Und

in welche Einheiten der Soziologie lassen sich die Theorien eingliedern (Makro-

/Mikrosoziologie).

Die vorliegende Arbeit orientiert sich dabei im Wesentlichen an fünf Büchern. Nichtsdesto-

trotz bleiben aber auch andere neuere wissenschaftliche Untersuchungen nicht ohne Berück-

sichtigung. Im Rahmen dieser Arbeit konnte leider nicht auf alle Dimensionen des Theorie-

vergleichs zwischen Parsons und Garfinkel eingegangen werden, sondern mussten Schwer-

punkte gesetzt werden, die es genau zu untersuchen galt. Der Fokus dieser Arbeit richtet sich

zuallererst auf die Darstellung der jeweiligen Theorien und geht dann in den systematischen

Vergleich über, der die oben genannten Fragen zu beantworten versucht.

2. Handlungs- und Systemtheorie: Talcott Parsons

In seinem ersten großen Werk ,,The Structur of Social Action" versucht Parsons, die notwen-

digen und hinreichenden Bausteine für eine allgemeine Theorie des sozialen Handelns zu er-

gründen und entwickelt aus der Synthese der gegensätzlichen Denkströmungen des Positivis-

mus und des Idealismus (Wenzel 1986: 21) eine voluntaristische Handlungstheorie. Als Vor-

aussetzung für den voluntaristischen Handlungsbegriff sieht Parsons die Vereinbarkeit von

Naturkausalität mit der Willensfreiheit. Die Prüfung auf Vernünftigkeit des Handlungsent-

wurfs übernehmen die Normen selbst (Schneider 2005, Bd.1: 86). Parsons möchte in seiner

Theorie das Problem sozialer Ordnung lösen. Dazu distanziert er sich von dem utilitaristi-

schen Handlungsmodell, denn dieses gebe keine Auskunft über die Herkunft der Ziele und

3


beschränke sich auf die handlungsinterne Relation von Mittel und Zweck. Es sei im Gegen-

satz zur voluntaristischen Handlungstheorie nicht in der Lage, wesentliche Fakten des sozia-

len Handelns zu erklären und eine befriedigende Lösung des Ordnungsproblems zu entwi-

ckeln (Wenzel 1986: 23).

,,Empirischer Prüfstein für die Konfrontation der konkurrierenden

Handlungskonzeptionen [wurde] das Problem sozialer Ordnung, wie es (..) Hobbes (1588-

1679) unter utilitaristischen Prämissen formuliert [hat]"

(ebd.: 91)

.

Dazu ging Hobbes von

der Vorstellung eines Naturzustandes unter den Menschen aus, in dem ein Krieg aller gegen

alle herrscht und es weder eine Herrschaft noch kollektiv anerkannte Normen gibt. Jeder

Handelnde lässt sich von seinem Egoismus leiten und versucht seine Bedürfnisse mit den da-

zu am besten geeigneten Mitteln und Wegen zu befriedigen. Um eine soziale Ordnung aller-

dings zu festigen, müssen nach Parsons Betrug und Gewalt als Mittel für die Realisierung der

eigenen Handlungsziele ausscheiden. Dazu müssen über das Kriterium rationaler Effektivität

hinaus zusätzliche normative Standards angenommen werden. Hierauf aufbauend wird der

sogenannte ,,action frame of reference" konzipiert (ebd.: 85; 99). Was Parsons als gegeben

unterstellt, ist die Existenz normativer Ordnung. D.h., die Norm wird als eigenständiger, nicht

auf Ziele, Mittel und Bedingungen reduzierbarer Bestandteil in den Handlungsrahmen einge-

fügt. So vertritt er die These, dass die Erkenntnis der sozialen Realität auf einen kategorialen

Bezugsrahmen angewiesen ist und soziale Ordnung nur auf der Basis eines kulturell bestimm-

ten Wert- und Normenkonsens möglich sei. Die Verinnerlichung von Werten und Normen

führt schon dann zur individuellen Befriedigung, wenn Werte und Normen kollektiv geteilt

werden und sich die Akteure mit ihnen identifizieren. So kann jeder auf die Unterstützung des

anderen bauen, falls er Opfer einer Normverletzung wird. Erst wenn diese Bedingung erfüllt

ist, kann mit der Geltung einer Ordnung überhaupt sicher gerechnet werden (Münch 1999:

29).

Die gemeinsam geteilten normativen Standards werden in einem ,,System gemeinsamer Wer-

te" zusammengefasst, dessen Elemente in Werte und Normen differenziert werden. In der

weiteren Entfaltung seiner Theorie hat Parsons die so eingeführten Unterscheidungen zu un-

terschiedlichen Systemen subsumiert und in einem neuen konzeptuellen Rahmen miteinander

verbunden (Schneider 2005, Bd.1: 111.)

Damit hat Parsons die voluntaristische

Handlungstheorie zum Strukturfunktionalismus weiterentwickelt und diesen schließlich zu

einer Soziologischen Systemtheorie ausgebaut.

,,Das Problem der Ordnung wird hier in der

Relation zwischen drei ,,Subsystemen" des menschlichen Handelns gesehen, in der Relation

zwischen dem sozialen System, dem Persönlichkeitssystem und dem kulturellen System"

(Münch 1999: 33).

Soziale Systeme erscheinen dabei als Systeme von Rollen bzw. Rollener-

4



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