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Ausgewählte Forschungsansätze zur Entwicklung des Wortes deutsch

Termpaper, 2008, 16 Pages
Author: Josie Reuter
Subject: German Studies - Linguistics

Details

Category: Termpaper
Year: 2008
Pages: 16
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 19  Entries
Language: German
Archive No.: V122400
ISBN (E-book): 978-3-640-27599-1
ISBN (Book): 978-3-640-27611-0

Abstract

Diese Hausarbeit soll einen Überblick über die wichtigsten Forschungsansätze zur Entwicklung des Wortes deutsch geben. Genauer wird es um die Entwicklung zum Volksnamen deutsch gehen, die um das Jahr 1200 als abgeschlossen angesehen werden kann. Die eigentliche Forschungsschwierigkeit stellt der Übergang vom appellativen Adjektiv zum Eigennamen dar. Dieser Übergang soll in meiner Arbeit thematisiert werden. So möchte ich zunächst den Einstieg in das Thema über die Etymologie des Wortes deutsch und seine Besonderheiten bereiten. Im nächsten Schritt werde ich auf Jacob Grimm, den Begründer der Forschungen zum Wort deutsch und Johann Leo Weisgerber eingehen. Weisgerber setzte mit seiner Theorie von der “Dreifachen Wurzel“ Maßstäbe, die neben Erweiterungen, z.B. von Frings, natürlich auch Kritik erhalten hat. Im darauf folgenden Teil soll ein Überblick über ausgewählte Probleme in Bezug auf Weisgerbers Forschungsergebnisse gegeben werden. Denn nur so kann verdeutlicht werden, wie kompliziert und verworren der Weg zum Volksnamen deutsch war. Neben Diskussionen um die Semantik von ahd. diutisk und westfr. *peudisk wird es auch um die Existenzfrage eines germanischen Vorläufers des mlat. theodiscus gehen. Dabei werde ich einen Forschungszeitraum von über 150 Jahren untersuchen und auch auf die damit verbundenen politisch-ideologischen Einflüsse eingehen. Ziel der Arbeit ist es daher Klarheit in die Kontroverse um das Wort deutsch und dessen Entwicklung zum Volksnamen zu bringen.


Excerpt (computer-generated)

Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Fakultät für Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften

Institut für Germanistik

Seminar ,,Sprachgeschichte"

WS 2007/2008

Abgabetermin: 19.05.2008

Ausgewählte Forschungsansätze zur Entwicklung

des Wortes deutsch

von

Josie Reuter


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung 2

2 Grundkenntnisse über die Entwicklung des Wortes

deutsch

2

2.1 Etymologie des Wortes

deutsch

2

2.2 Besonderheit des Wortes

deutsch

4

3 Forschungsansätze zur Entwicklung des Volksnamen

deutsch

5

3.1 Jacob Grimms Grundsteinlegung 5

3.2 Weisgerbers ,,Dreifache Wurzel" 6

4 ausgewählte Probleme in Bezug auf Weisgerbers Forschung 8

4.1 Franz Specht zum Bedeutungswandel von westfr. *

peudisk

8

4.2 Von germ. *

theudisk

zu mlat.

theodiscus

? 9

4.3 Zur Semantik von ahd.

diutisk

10

5 Fazit 11

Literaturverzeichnis 13

Monographien 13

Sammelbänder 13

Zeitschriftenaufsätze 14

Lexika 14


1 Einleitung

Diese Hausarbeit sol einen Überblick über die wichtigsten Forschungsansätze zur

Entwicklung des Wortes

deutsch

geben. Genauer wird es um die Entwicklung zum

Volksnamen

deutsch

gehen, die um das Jahr 1200 als abgeschlossen angesehen

werden kann. Die eigentliche Forschungsschwierigkeit stel t der Übergang vom

appel ativen Adjektiv zum Eigennamen dar. Dieser Übergang sol in meiner Arbeit

thematisiert werden. So möchte ich zunächst den Einstieg in das Thema über die

Etymologie des Wortes

deutsch

und seine Besonderheiten bereiten. Im nächsten

Schritt werde ich auf Jacob Grimm, den Begründer der Forschungen zum Wort

deutsch

und Johann Leo Weisgerber eingehen. Weisgerber setzte mit seiner

Theorie von der "Dreifachen Wurzel" Maßstäbe, die neben Erweiterungen, z.B. von

Frings, natürlich auch Kritik erhalten hat. Im darauf folgenden Teil sol ein Überblick

über ausgewählte Probleme in Bezug auf Weisgerbers Forschungsergebnisse

gegeben werden. Denn nur so kann verdeutlicht werden, wie kompliziert und

verworren der Weg zum Volksnamen

deutsch

war. Neben Diskussionen um die

Semantik von ahd.

diutisk

und westfr. *

peudisk

wird es auch um die Existenzfrage

eines germanischen Vorläufers des mlat.

theodiscus

gehen. Dabei werde ich einen

Forschungszeitraum von über 150 Jahren untersuchen und auch auf die damit

verbundenen politisch-ideologischen Einflüsse eingehen. Ziel der Arbeit ist es daher

Klarheit in die Kontroverse um das Wort

deutsch

und dessen Entwicklung zum

Volksnamen zu bringen.

2 Grundkenntnisse über die Entwicklung des Wortes deutsch

Zunächst sol ein Überblick über die Etymologie des Wortes

deutsch

und dessen

Besonderheiten gegeben werden. In diesen Forschungspunkten sind sich die

Sprachwissenschaftler einig und sie können als al gemein gültig angesehen werden.

Um den folgenden Forschungsansätzen und Problembehandlungen besser folgen zu

können, ist es notwendig die Grundlagen klar darzustel en, wie es in den nächsten

Punkten geschehen wird.

2.1 Etymologie des Wortes deutsch

Der nun folgende Teil befasst sich mit der sprachlichen Entwicklung und Herkunft

des Wortes

deutsch

. In diesem Punkt sind sich die Sprachforscher wie Weisgerber,

Weisweiler, Moser und Frings weitgehend einig. Die Diskussion um die semantische

2


Entwicklung wird al erdings erst einmal ausgeklammert und an späterer Stel e näher

erläutert. Es sei nur soviel gesagt, dass zunächst eine Sprache bezeichnet wurde

und erst sehr viel später ein Volk und Land.

Die sprachliche Entwicklung des Adjektivs

deutsch

reicht bis ins Indogermanische

zurück. Laut Weisgerber stel t das indogermanische Substantiv

*teuta

, das vor al em

in Mitteleuropa verbreitet war, die Ausgangsform der Weiterentwicklung zu dem

germanischen Adjektiv

*peudiskaz

dar. Das Substantiv

*teuta

war zudem neben den

Germanen auch bei den Kelten, Italikern und Balten zu finden.1 Im Germanischen

entwickelte sich dann aus indogermanisch

*teuta

das germ.

*peudo

. Sowohl

*teuta

als auch

*peudo

bedeuteten hauptsächlich ,Volk′ bzw. ,Stamm′. Die althochdeutsche

Entsprechung heißt

diot(a)

, die mittelhochdeutsche

diet

und die gotische Variante

piuda

.2 Im 15. Jh. stirbt dieses eigenständige Wort jedoch aus und ist nur noch in

Weiterentwicklungen wie

deutsch

oder in Eigennamen wie

Dietrich

anzutreffen.3 Wie

schon erwähnt, entwickelte sich aus dem indogermanischen Substantiv *teuta das

germanische Adjektiv *peudiskaz. Diese neue Wortverbindung entstand durch das

Aufeinandertreffen von germ. *peudo und des germanischen Suffix ­iska. Dieses

Suffix ­iska zeigte eine Zugehörigkeit an. Weisgerber beschreibt dies genauer so:

,,Das kann in al gemeinem Sinne die Zugehörigkeit bezeichnen[...], oder die

besondere Übereinstimmung in der Art[...] oder die Verbundenheit durch Art und

Herkunft[...]."4 Demnach lautet die Übersetzung von dem germanischen *peudiskaz

,zum Volk bzw. Stamm gehörig′5, ,das Volk betreffend′6 und ,volklich′7. Die späteren

Wortformen treten in den unterschiedlichsten orthographischen Varianten auf,

bedingt durch den geographischen Raum. So gibt es die mittel ateinischen Formen

theodiscus

,

theotiscus

und

teudiscus

.8 Im mittelhochdeutschen sind

diutisch

,

tiutsch

,

tiusch

und

diutsch

bekannt. Die gotische Entsprechung heißt

piudisko

und im

1

vgl. Weisgerber, Joh. Leo: Der Sinn des Wortes Deutsch, Göttingen 1949, S. 30

2

vgl. Weisweiler, Josef: Deutsche Frühzeit, in: Maurer, Friedrich/Stroh, Fritz(Hrsg.): Deutsche

Wortgeschichte. Bd. 1: Vorgeschichte- Germanentum- Deutsche Frühzeit-Höfisches Rittertum- Spätes

Mittelalter, Berlin 1943, S. 140; vgl. auch: Tschirch, Fritz: Geschichte der deutschen Sprache. Erster Teil: Die

Entfaltung der deutschen Sprachgestalt in Vor- und Frühzeit(=Grundlagen der Germanistik, 5), Berlin 1983(3.,

durchgesehene Aufl., bearb. v. Werner Besch), S. 165

3

vgl. Weisgerber (1949), S. 30

4

Weisgerber (1949), S. 30f.

5

vgl. Tschirch (1983), S. 165 ; vgl. auch: Ehrismann, Otfrid: Deota/Diutisk. Zur frühen Semantik des

Wortes deutsch, in: Grosse, Rudolf(Hrsg.): Sprache in der sozialen und kulturellen Entwicklung. Beiträge eines

Kolloquiums zu Ehren von Theodor Frings(1886-1968)(=Philologisch-historische Klasse Bd. 73, Heft 1), Berlin

1990, S. 293-303; vgl. auch: Thomas, Heinz: Der Ursprung des Wortes theodiscus, HZ 247 (1988), S. 297

6

vgl. Tschirch (1983), S. 165

7

vgl. Thomas (1988), S. 297

8

vgl. Moser, Hugo: Deutsche Sprachgeschichte. Mit einer Einführung in die Fragen der

Sprachbetrachtung, Tübingen 1969(6., überarb. Aufl.), S. 99

3



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