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Examination Thesis, 2008, 91 Pages
Author: Christine Langer
Subject: Geography / Earth Science - Didactics of Geography
Details
Institution/College: Dresden Technical University (Institut für Geografie)
Tags: Armut, Entwicklungsländer, Geografieunterricht, Erdkundeunterricht
Year: 2008
Pages: 91
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 25 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-27356-0
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Abstract
„Armut geht uns alle an“ oder „Armut hat viele Gesichter“. - Dies sind nur zwei von vielen schlagkräftigen Überschriften, die in der Literatur, aber auch auf Werbeplakaten diverser Hilfsorganisationen zu finden sind, wenn es um das Thema Armut geht, speziell dann wenn es sich um die Armut in Entwicklungsländern handelt. Weltweit leben rund 1,2 Mrd. Menschen in extremer Armut und haben zum täglichen Überleben gerade einmal 1 US$ zur Verfügung. Die Zahl der Menschen, die am Tag nur maximal 2 US$ zum Überleben zur Verfügung haben, ist noch beträchtlich höher. Sie liegt nach Schätzungen bei 3,5 Mrd. Menschen.1 Das heißt, dass mehr als die Hälfte aller Menschen der Erde in Armut leben und ein Drittel von ihnen in extremer Armut. Für Menschen, die in Wohlstand leben, ist es kaum vorstellbar, wie man in extremer Armut, mit nur so wenig Mitteln überleben kann. In Anbetracht der großen Zahl der in Armut lebenden Menschen ist es nicht verwunderlich, dass Armut viele Gesichter hat. Je nach der Perspektive, ob man nun direkt von der Armut betroffen ist oder sie als Außenstehender beobachtet, ergibt sich jeweils ein spezifisches Bild der Armut in den Köpfen der Menschen. Für die einen bedeutet Armut, im Leben auf die „kleinen und großen Extras“ verzichten zu müssen. Für die anderen ist Armut ein Ausdruck von Hunger, Mangelerscheinungen und Unterentwicklung. Die einen verbinden mit dem Thema das Bild eines Bettlers am Bahnhof oder in der Innenstadt, andere wiederum sehen das Bild eines abgemagerten, krank aussehenden Kindes in Afrika, bei den Gedanken an Armut vor sich.
Excerpt (computer-generated)
Technische Universität Dresden
Fakultät Forst-, Geo- und Hydrowissenschaften
Institut für Geografie
Examensarbeit
zur Erlangung des akademischen Grades
1. Staatsexamen
Armut in Entwicklungsländern als Thema des
Geografieunterrichts
vorgelegt von:
Christine Langer
Dresden, 07.10. 2008
Inhaltsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis 4
Abbildungsverzeichnis 5
1 Einleitungskapitel 6
2 Begriffsklärungen 10
2.1 Entwicklungsländer 10
2.2 Armut 13
3 Ursachen der Armut in den Entwicklungsländern 20
3.1 Interne Ursachen 20
3.2 Externe Ursachen 23
3.3 Natürliche Bedingungen und Selbstverschuldung als weiter
Ursachen für die Armut 25
4 Auswirkungen der Armut in Bezug auf das Leben der Betroffenen 29
4.1 Dimensionen der Armut 29
a) Ökonomische Dimension 30
b) Politische Dimension 31
c) Menschliche Dimension 32
d) Schutzbezogene Dimension 34
e) Soziokulturel e Dimension 34
f) ,,Feminisierung der Armut" 35
g) Umweltzerstörung 36
4.2 Teufelskreise der Armut 37
5 Strategien der Armutsbekämpfung 40
5.1 Grundsätze der Armutsbekämpfung 41
5.2 Bekämpfung der Armut durch internationale und staatliche
Entwicklungshilfe 43
a) Armutsbekämpfung innerhalb der Mil enniums-Entwicklungsziele..45
b) Das Aktionsprogramm 2015 der BRD 47
2
5.3 Armutsbekämpfung durch die NROs 49
a) NROs des Nordens 50
b) NROs des Südens 53
6 Die Thematik ,,Armut in Entwicklungsländern" als Thema des
Geografieunterrichts 56
6.1 Didaktische Begründung 56
6.2 Einordnung in den Lehrplan 57
6.3 Zielanalyse 58
6.4 Methodisches Vorgehen 60
7 Zusammenfassung 62
Literaturverzeichnis 63
Quel enverzeichnis der Abbildungen 67
Anhang
- Hinweisblatt zur Bearbeitung der Aufgaben 70
- A1 - Themenbereich 1 ,,Was bedeutet es eigentlich arm zu sein?" 71
- A2 - Themenbereich 2 ,,Teufelskreise der Armut" 74
- W1 - Wahlbereich 1 ,,Kinderarbeit" 77
- W2 - Wahlbereich 2 ,,Armut ist weiblich" 82
- A3 - Themenbereich 3
,,Ausweg aus der Armut - Ausweg aus eigener Kraft" 86
3
Abkürzungsverzeichnis
AGE
Arbeitsgemeinschaft Entwicklungspolitik der Deutschen Wirtschaft
BMZ
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung
CARE
Cooperative for American Remitances to Europe
DAC
Development Assistance Committee
DED
Deutscher Entwicklungsdienst
GTZ
Deutsche Gesel schaft für Technische Zusammenarbeit
HDI
Human Development Index
HIC
High Income Countries
InWent
Internationale Weiterbildung und Entwicklung
IRO
Internationale Regierungsorganisation
KfW
Kreditanstalt für Wiederaufbau
LDC
Least Developed Countries
LIC
Low Income Countries
MIC
Middle Income Countries
NRO
Nicht-Regierungsorganisation (NGO - Non Governmental
Organisations)
SEQUA
Stiftung für wirtschaftliche Entwicklung und berufliche Qualifikation
SILIC
Severley Indepted Low Income Countries
SIMIC
Severley Indepted Middle Income Countries
UN
United Nations (Vereinte Nationen)
UNDP
Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen
WB
Weltbank
4
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1 - Einteilung der Welt zur Zeit des Kalten Krieges (Scholz) 11
Abbildung 2 - Ländergruppen (BpB) 12
Abbildung 3 - Verteilung der weltweiten Armut (Scholz) 17
Abbildung 4 - Die ärmsten Länder der Welt (BpB) 18
Abbildung 5 - Index der menschlichen Entwicklung 2006 (Scholz) 19
Abbildung 6 - Durchschnittliches Pro-Kopf-Einkommen im Jahr (Scholz) 21
Abbildung 7 - Ursachen der Armut 28
Abbildung 8 - Dimensionen der Armut (Durth/Körner/Michaelowa) 30
Abbildung 9 - Analphabetenrate (Engelhardt) 33
Abbildung 10 - Teufelskreise der Armut (Andersen) 38
Abbildung 11 - Übersicht Mil enniumsziele 46
Abbildung 12 - Übersicht der staatlichen und nichtstaatlichen Akteure der
deutschen Entwicklungshilfe 50
5
1 Einleitungskapitel
,,Armut geht uns al e an" oder ,,Armut hat viele Gesichter". - Dies sind nur zwei
von vielen schlagkräftigen Überschriften, die in der Literatur, aber auch auf
Werbeplakaten diverser Hilfsorganisationen zu finden sind, wenn es um das
Thema Armut geht, speziel dann wenn es sich um die Armut in Entwicklungs-
ländern handelt.
Weltweit leben rund 1,2 Mrd. Menschen in extremer Armut und haben zum täg-
lichen Überleben gerade einmal 1 US$ zur Verfügung. Die Zahl der Menschen,
die am Tag nur maximal 2 US$ zum Überleben zur Verfügung haben, ist noch
beträchtlich höher. Sie liegt nach Schätzungen bei 3,5 Mrd. Menschen.1 Das
heißt, dass mehr als die Hälfte al er Menschen der Erde in Armut leben und ein
Drittel von ihnen in extremer Armut. Für Menschen, die in Wohlstand leben, ist es
kaum vorstel bar, wie man in extremer Armut, mit nur so wenig Mitteln überleben
kann.
In Anbetracht der großen Zahl der in Armut lebenden Menschen ist es nicht ver-
wunderlich, dass Armut viele Gesichter hat. Je nach der Perspektive, ob man nun
direkt von der Armut betroffen ist oder sie als Außenstehender beobachtet, ergibt
sich jeweils ein spezifisches Bild der Armut in den Köpfen der Menschen. Für die
einen bedeutet Armut, im Leben auf die ,,kleinen und großen Extras" verzichten
zu müssen. Für die anderen ist Armut ein Ausdruck von Hunger, Mangel-
erscheinungen und Unterentwicklung. Die einen verbinden mit dem Thema das
Bild eines Bettlers am Bahnhof oder in der Innenstadt, andere wiederum sehen
das Bild eines abgemagerten, krank aussehenden Kindes in Afrika, bei den Ge-
danken an Armut vor sich. Doch Armut bedeutet viel mehr, als nur an Hunger zu
leiden. Es sind vielmehr die gesamten Lebensumstände der in Armut lebenden
Menschen, welche den Begriff ausmachen. Dabei spielt der schlechte Gesund-
heitszustand, die hohe Kindersterblichkeit, die mangelhaften Wohnverhältnisse,
das niedrige Bildungsniveau und die damit verbundenen schlechten Chancen auf
ein regelmäßiges Einkommen genauso eine große Rol e, wie die Geschlechter-
ungleichheiten und die Schutzlosigkeit gegenüber institutionel er Diskriminierung,
1 vgl. Scholz, Fred; ,,Entwicklungsländer Entwicklungspolitische Grundlagen und regionale Beispiele";
Westermann, Braunschweig 2006, S. 54
6
Naturgewalten oder Missernten.2 Demnach stel t die Bewusstmachung der Armut
der Welt und ihrer Bekämpfung eine Herausforderung an die gesamte Welt-
gesel schaft dar. Vor al em unter dem Aspekt, dass Armut ein Ergebnis aus den
Wechselwirkungen sozialer, ökonomischer und politischer Prozessen und den
ungleichen Bedingungen zwischen den Industrieländern und Entwicklungs-
ländern ist, wird deutlich, dass ,,Armut" uns al e etwas angeht.3 Gerade vor dem
Hintergrund, dass wir in jeglichen Überfluss und Wohlstand leben und dagegen
die extrem Armen, ein menschenunwürdiges Leben am Rande der eigenen
Existenz führen müssen, stel t den Aspekt, dass Armut uns al es etwas angeht,
noch deutlicher heraus. Es ist wichtig zu erkennen, dass unser Wohlstand und
Frieden auf Dauer nur gesichert werden kann, wenn aktiv versucht wird, die
weltweite Armut zu bekämpfen.4 Denn gerade die Auswirkungen der Armut in
den Entwicklungsländer, wie zum Beispiel die Umweltzerstörung infolge der Ab-
holzung der Wälder oder der Übernutzung der Böden und die damit verbundene
Desertifikation, die wachsende Bevölkerungszahl und die stetig zunehmenden
Migrationsströme haben auch Auswirkungen auf die Zukunft unserer Gesel -
schaft.
Dass die Bekämpfung der Armut daher nur in Form der internationalen Zu-
sammenarbeit erfolgen kann, ist in Anbetracht der hohen weltweiten Armut un-
strittig. Vorrangiges Ziel ist es dabei, den Armen ein menschenwürdiges Leben
zu ermöglichen, indem die Strukturen ihrer Lebensbedingungen verbessert
werden.5 Mit den Mil enniumszielen, insbesondere mit dem Ziel die weltweite
extreme Armut bis 2015 zu halbieren, wurde auf internationaler Ebene ein ent-
scheidender Schritt zur Bekämpfung der Armut gemacht. Es bleibt nun abzu-
warten, ob es den internationalen Akteuren bis 2015 auch tatsächlich, gelingt ihre
Zielsetzung einzuhalten.
Neben den Akteuren der internationalen Ebene haben mittlerweile immer mehr
staatlich und nichtstaatliche Institutionen und Organisationen die Bekämpfung der
extremen Armut der Welt in ihre Entwicklungsprogramme mit aufgenommen.
2 vgl. BMZ (Hrsg.); ,,Wirtschaft Soziales - Entwicklung; Armut bekämpfen und Gerechtigkeit schaffen";
Bonn 2004, S. 13
3 vgl. Weltbank (Hrsg.); ,,Weltentwicklungsbericht 2000/2001 Bekämpfung der Armut"; UNO-Verlag,
Bonn 2001, S. 1
4 vgl. BMZ (Hrsg.); ,, Armutsbekämpfung eine globale Aufgabe Aktionsprogramm 2015 - Der Beitrag
der Bundesregierung zur weltweiten Halbierung extremer Armut"; 2. Auflage, Bonn 2003, Vorwort
5 ebd.
7
Dabei gibt es zwischen den Organisationen des ,,Norden" und den
Organisationen des ,,Südens" zum Teil unterschiedliche Ansatzpunkte in den
Strategien der Armutsbekämpfung. Wie diese sich gestalten und worin die Unter-
schiede liegen, sol u. a. in dieser Arbeit geklärt werden.
Diese Arbeit wird sich mit zwei zentralen Fragstel ungen beschäftigen. Zum einen
mit der Frage, wie sich Armut in Entwicklungsländern zeigt und welche Aus-
wirkungen sie auf das Leben der Betroffenen hat? Dabei wird auch die Frage be-
antwortet werden, welche Strategien es zur Armutsbekämpfung auf inter-
nationaler und nationaler Basis gibt und inwieweit sie wirksam sind?
Zum anderen sol die Frage geklärt werden, wie man als Lehrer, das Thema
,,Armut in Entwicklungsländer" in den Geografieunterricht integriert und den
Schülern vermittelt, dass Armut nicht nur ein Problem der Entwicklungsländer ist,
sondern uns al e etwas angeht.
Die Arbeit besteht aus sieben Kapiteln. Nach einer kurzen Einführung in das
Thema und der Darstel ung des Vorgehens werden im zweiten Kapitel grund-
legende Begriffe geklärt werden, die für das weitere Verständnis unabdingbar
sind. Hier wird zum einen der Begriff Entwicklungsländer kurz erläutert werden,
um anschließend darzustel en, welche Bedeutung der Begriff Armut in den
jeweiligen Gesel schaften hat.
Das dritte Kapitel wird sich mit den Ursachen der Armut in den Entwicklungs-
ländern befassen. Dies ist wichtig, um zu verstehen, weshalb so viele Menschen
in extremer Armut leben müssen und um anschließend in den nächsten Kapiteln
Rückschlüsse auf die Schwierigkeit des Entkommens aus der Armut schließen zu
können. Hierbei werden die Ursachen in drei Kategorien eingeteilt und erläutert
werden.
Im vierten Kapitel werden die einzelnen Auswirkungen der Ursachen näher be-
trachtet werden, um ihren dimensionalen Charakter besser verstehen zu können.
Dabei werden ökonomische, politische, menschliche, soziale und weitere
Dimensionen der Armut systematisch analysiert und bewertet werden, um an-
schließend die Frage beantworten zu können, weshalb sich arme Menschen in
einem Teufelskreis befinden.
Um die Strategien der Armutsbekämpfung sol es im fünften Kapitel gehen,
welches den letzten theoretischen Teil dieser Arbeit ausmacht. Hier werden ver-
8
schiedene Grundsätze und Ansätze in der Entwicklungspolitik zur Armutsbe-
kämpfung dargestel t werden, wobei der Schwerpunkt auf den Mil enniumszielen
der Vereinten Nationen und dem deutschen Aktionsprogramm 2015 liegen sol .
Aber auch nichtstaatliche Projekte zur Armutsbekämpfung werden kurz dar-
gestel t werden.
Im sechsten und praktischen Kapitel dieser Arbeit sol geklärt werden, wie man
als Lehrer die Thematik der Armut in Entwicklungsländern in den Geografieunter-
richt einbaut. Ein erster Schwerpunkt wird hierbei auf die Einordnung in den
Lehrplan gesetzt, um anschließend eine kurze Unterrichtseinheit, mit didaktischer
Analyse, Methodenbegründung und Festlegung der Unterrichtsziele zum Thema
,,Armut in Entwicklungsländern" zu gestalten.
Abschließend erfolgt im siebten Teil der Arbeit eine Zusammenfassung in der
noch einmal die wichtigsten Punkte der Abreit dargestel t werden.
9
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